Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde München II – Langweilige Bauten (Folge 1)

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Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde München II
Bild 1: Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde München II. Bei der Durchfahrt durch unseren Stadtteil (hier auf der Kurt-Eisner-Straße) sieht man vor allem das, der ästhetischere Teil bleibt verborgen. Daher ist diese typische Ansicht das Startbild, denn es soll das gezeigt werden, das sich dem Bürger als Erstes bzw. primär offenbart (28.03.2017) © Thomas Irlbeck

Eine neue Serie
Zugegeben, ich war mir bei der Idee zu dieser neuen Serie nicht wirklich sicher, inwieweit sie Sinn ergibt. Der Plan ist nämlich, Gebäude in Neuperlach festzuhalten, die unspektakulär, unscheinbar sind, also weder eine ansprechende Architektur haben, noch durch gewagte Elemente oder durch Verfall provozieren. Es sind also gerade Objekte, die selten bis gar nicht fotografiert werden dürften. Oft sind es Zweckbauten, teilweise als Profanarchitektur ausgeführt. Doch vielleicht liegt genau dort der Reiz. Auch verschwinden in Neuperlach immer wieder Bauten oder werden völlig umgestaltet. Dann gibt es nur noch Bilder im Kopf, die immer mehr verblassen. Kaum einer kann dann mehr ganz genau sagen, wie das mal früher aussah. Beispielsweise wurde „Bruestle Textilien“ an der Nawiaskystraße in Neuperlach West abgerissen, heute befindet sich dort ein Lidl-Markt. Von dem recht mächtigen Betonklotz habe ich nur ein einziges Foto gefunden, bei dem leider der Urheber einer Verbreitung nicht zugestimmt hat, sodass ich keine Erinnerung öffentlich zeigen darf. Da Wohnhäuser zum Glück in Neuperlach erfahrungsgemäß nie abgerissen werden, soll sich die Serie auf Gewerbebauten und soziale Einrichtungen konzentrieren. Trotz einiger Gründe, die für die Serie sprechen, sie bleibt natürlich experimentell.

Die evangelisch-reformierte reformierte Kirchengemeinde München II an der Kurt-Eisner-Straße

Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde München II
Bild 2: Den ansprechenderen Teil sieht man vor allem vom Parkplatz aus (28.03.2017) © Thomas Irlbeck

In der ersten Folge geht es um die evangelisch-reformierte reformierte Kirchengemeinde München II an der Kurt-Eisner-Straße, Ecke Karl-Marx-Ring/Hugo-Lang-Bogen. Das Mercure-Hotel ist gleich gegenüber. Der Bau wirkt nicht nur belanglos, sondern sieht auch aus, als wäre er aus verschiedenen Baustilen zusammengestückelt worden, was er wohl auch ist. Durch seine geringe Höhe und auch durch das Fehlen eines Kirchturms fällt er aber immerhin kaum auf.

Von der Straßenseite am auffälligsten ist ausgerechnet der langweilige gelbe, quaderförmige Bau. Der mit Schießschartenfenstern und Kreuz ausgestattete Teil in dem ansprechenderen Rot ist primär nur vom Parkplatz aus einsehbar, aber kaum bei der normalen Durchfahrt durch unseren Stadtteil.

Die II im Namen hat ihren Ursprung durch eine Teilung der evangelisch-reformierten Gemeinde. Das Gebiet umfasst „die Orte rechts der Isar mit den Postleitzahlen von München 81500 bis an die tschechische und österreichische Grenze, begrenzt im Westen durch die Isar, im Norden durch die Bundesstraße 11 bis Bayerisch Eisenstein sowie im Osten und Süden durch die Staatsgrenzen zur Tschechischen Republik und zu Österreich“, heißt es auf der offiziellen Website der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde München II. Der Gottesdienst beginnt sonntags um 10:30.

Zu den übrigen Folgen „Langweilige Bauten“

Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde München II
Bild 3: Noch einmal die Ansicht an der Kurt-Eisner-Straße (28.03.2017) © Thomas Irlbeck
Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde München II
Bild 4: die Kirchengemeinde von einer Wohnanlage am Karl-Marx-Ring aus gesehen. Im Hintergrund ein Hochhaus vom Architekten Ernst Barth (28.03.2017) © Thomas Irlbeck
Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde München II
Bild 5: Näher dran (28.03.2017) © Thomas Irlbeck
Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde München II
Bild 6: Selber Standpunkt, aber Blick Richtung Karl-Marx-Ring/Hugo-Lang-Bogen (28.03.2017) © Thomas Irlbeck

Neuperlaub – Die coolste Jahreszeit aller Zeiten

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Herbst, Kurt-Eisner-Straße
Herbst in Neuperlach Nord (28.10.2015) © Thomas Irlbeck
Herbst, Wittelsbacher Brücke
Ein paar Kilometer weiter ist es auch farbenfroh: An der Wittelsbacher Brücke – Mann im Wasser! (28.10.2015) © Thomas Irlbeck
Herbst, Isarufer
Ein Zoom ans Isarufer (28.10.2015) © Thomas Irlbeck
Herbst, Wittelsbacherstraße
Auch hier an der Wittelsbacherstraße zeigt der Farbherbst noch einmal, was er so alles drauf hat (28.10.2015) © Thomas Irlbeck

Neuperlach Nord 1974

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Kurt-Eisner-Straße_1974
Spielplatz an der Kurt-Eisner-Straße (1974). Aus der Fotosammlung von G. S.

Wir befinden uns in Neuperlach Nord an einer Wohnanlage an der Kurt-Eisner-Straße. Neben dem Klettergerüst war ein Wasserspielplatz. Wer erinnert sich? Wer genau hinsieht, erkennt im Hintergrund rechts die „Kasernen“-Wohnanlage am Friedrich-Engels-Bogen. Der Blick geht Richtung Ost. Aus der Fotosammlung von G. S., vielen Dank für die tolle Einsendung!

Schei… gelaufen, im wahrsten Wortsinn

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Sturm
Bild 1 (09.01.2015)
Sturm
Bild 2 (09.01.2015)
Sturm
Bild 3: Das große Geschäft mit den kleinen Toiletten (09.01.2015)

Sehr wahrscheinlich vom Sturm umgeworfen. Hoffentlich saß keiner drin. Gesehen in Neuperlach Nord. Lesereinsendung, vielen Dank!

Update 10.01.2015

Nun sieht es dort so aus:

Sturm
Bild 4 (10.01.2015) © Thomas Irlbeck
Sturm
Bild 5 (10.01.2015) © Thomas Irlbeck
Sturm
Bild 6 (10.01.2015) © Thomas Irlbeck

Wald-Neuperlach

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Das grüne Neuperlach
Wald-Neuperlach (23.06.2014) © Thomas Irlbeck
Das grüne Neuperlach
Wald-Neuperlach (23.06.2014) © Thomas Irlbeck
Das grüne Neuperlach
Wald-Neuperlach (23.06.2014) © Thomas Irlbeck
Das grüne Neuperlach
Wald-Neuperlach (23.06.2014) © Thomas Irlbeck

Von diesem Standpunkt aus (Barth-Hochhaus zwischen Friedrich-Engels-Bogen und Kurt-Eisner-Straße) sieht man von meinem Haus kaum mehr als ein einzelnes Fenster. Es ist nicht mein Fenster, sondern das Fenster ein Stockwerk weiter oben. Dieser Teil des Hauses scheint zu schweben, irgendwo ganz oben in den schönen Baumwipfeln. Obwohl hier so viele Leute leben, sind nur mit Mühe überhaupt Häuser zu erkennen. Neuperlach liegt anscheinend im Wald. Ich nenne meinen Stadtteil jetzt Wald-Neuperlach.

Alle Fotos entstanden vom gleichen Ort aus.

Jetzt wird’s bunt! (Update, 21.04.2012)

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Letztes Jahr war der Wohnblock an der Kurt-Eisner-Straße in einem bemitleidenswerten Zustand. Nun wurde eine umfassende Sanierung abgeschlossen. Neben einer Wärmedämmung erhielten die Häuser unter anderem neu gestaltete Eingangsbereiche sowie einen neuen Anstrich mit dominierendem Weiß und Fahrstuhltürmen in Rosa und Rot. Dabei wurde eine Art Farbverlauf erzeugt, die Fahrstuhltürme gehen Haus für Haus von einem startenden Rosaton immer mehr in ein knalliges Rot über. Zunächst der alte Stand:

Das hässliche Neuperlach
Bilder aus dem April 2011 © Thomas Irlbeck
Das hässliche Neuperlach
Die Schäden sind nicht zu übersehen © Thomas Irlbeck

Nun ganz aktuelle Bilder. Wer ganz genau hinschaut, erkennt oben einen ganz besonderen Hausbewohner:

Kurt-Eisner-Straße
Nicht wiederzuerkennen: Der … (21.04.2012) © Thomas Irlbeck
Kurt-Eisner-Straße
… gleiche Wohnblock (21.04.2012) © Thomas Irlbeck
Kurt-Eisner-Straße
Und nun aufgenommen etwas weiter Richtung … (19.04.2012) © Thomas Irlbeck
Kurt-Eisner-Straße
… Fußgängerunterführung (19.04.2012) © Thomas Irlbeck

Und hier der besondere Bewohner gezoomt:

Scream
Wer ist denn da? Horror am helllichten Tag (21.04.2012) © Thomas Irlbeck

Update (21.04.2012)

Zusätzliche Fotos, um die Vergleichsmöglichkeit Alt / Neu zu verbessern.

Fast wia im richtigen Leben in Neuperlach

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Gerhard Polt und Gisela Schneeberger zeigen in „Fast wia im richtigen Leben“ den ganz normalen Wahnsinn – messerscharf beobachtet in grotesken Szenen. Wo könnte der alltägliche Irrsinn besser zu finden sein als einfach in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, einfach nebenan oder irgendwo – natürlich gestützt von den Unwägbarkeiten und Widersprüchlichkeiten moderner Neubausiedlungen? Folgerichtig spielen eine ganze Reihe von Szenen in Neuperlach.

Die Wegbeschreibung (1984)

(Link: YouTube)

Folgende Szenen aus Neuperlach sind zu sehen:

0:32: Fahrt auf der A8, Abbiegen nach rechts auf die Ständlerstraße

0:39: Fahrt auf der Ständlerstraße mit Häusern am Quidde-Zentrum im Hintergrund

0:42: Heizwerk Perlach am Ende der Ständlerstraße/Eck Karl-Marx-Ring mit den beiden markanten Türmen. Das Heizwerk wird dabei gemeinerweise zur „evangelischen Kirche“ umfunktioniert, die Türme gehen als Kirchtürme durch.

0:47: Fahrt auf der Kurt-Eisner-Straße, links Blick auf St. Monika und das Marx-Zentrum. Mit der katholischen Kirche will man es sich ja nicht verscherzen, also wird St. Monika in diesem Fall richtig als „katholische Kirche“ bezeichnet.

4:13: Wohnring im Hintergrund

Der lange Weg zur Weg zur Stubenmusi (1987)

Dieser Sketch spielt komplett in Neuperlach, hauptsächlich im Marx-Zentrum und in der näheren Umgebung. Es können nicht alle Orte beschrieben werden, da es zu viele sind. Besonders erwähnenswert sind aber folgende Szenen:

Teil 1:

0:17: Vor dem Neuperlach Mobile (Raumspindel Space Churn) am Verwaltungsgebäude der Neuen Heimat am Plett-Zentrum

0:34: Vor der „Gaststätte Neuperlach“ am Peschelanger (heute: „Zum Löwen“)

3:19: Im obersten Stockwerk Max-Kolmsperger-Straße 19 (Atelierwohnung!)

(Link: YouTube)

Teil 2:

2:20: In der Tiefgarage des Marx-Zentrum

3:40: Vor dem Deutschen Supermarkt (heute Rewe) im Marx-Zentrum

(Link: YouTube)

Architektur und Geschichte in Neuperlach

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Bruno Tamborino hat dankenswerterweise einen hervorragenden Gastbeitrag zur Geschichte und Architektur Neuperlachs geschrieben, speziell zu Neuperlach Nord. Er nimmt uns mit in die Planungen, beschreibt die Philosophie des Stadtteils und die besonderen Umstände wie Zeit- und Kostendruck. Neben allgemeinen Vorgaben und Entscheidungen, was etwa Bauhöhe, Baumaterialien und Baustil betrifft, gibt es die besonderen Entscheidungen und Einrichtungen, die zeigen, dass Neuperlach keine anonyme Betonwüste ist, sondern lebenswert und praktisch. Der Autor lässt uns an der Entstehung der ersten Bauabschnitte teilhaben, stellt die verschiedenen Haustypen vor und lässt uns verstehen, warum Neuperlach so aussieht, wie es anfangs aussah und wie es heute aussieht. Etwa warum man die Gebäude ursprünglich nicht bonbonbunt angestrichen hat und mit welchen Tricks man Restriktionen umging und es dabei dennoch schaffte, diese Maßnahmen so zu gestalten, dass für die Bewohner sogar oft ein Mehrwert herauskam. Tamborino beleuchtet auch kritisch neue Entwicklungen, speziell im Hinblick auf Sanierungen der in die Jahre gekommenen Bauten. Entstanden ist ein Artikel, der mehr in die Tiefe geht und keine reine Bildkollektion mit ein paar Anmerkungen aus Bewohner- oder Laiensicht ist, sondern auf vielfältige Aspekte, speziell der Wohnhäuser, eingeht.

Thomas Irlbeck

Über den Autor Bruno Tamborino (* 1969) lebte von 1974 bis 1987 in Neuperlach und hat mit starkem Interesse sämtliche Bau- und Umgestaltungsmaßnahmen in Neuperlach Mitte und Nord erlebt, heute lebt er in Italien. Er hat ein kleines Privatarchiv, bestehend aus Fotos, Postkarten, Zeichnungen und Bauplänen, mit persönlichen Aufzeichnungen und war immer daran interessiert, was aus Perlach Nord am besten werden könnte. Er ist ab der 5. Klasse im Werner-von-Siemens-Gymnasium zur Schule gegangen und war deshalb täglich in Perlach Nord unterwegs. 1983 schlug er der Neuen Heimat einen Neuanstrich für ein Haus vor, dieser Vorschlag wurde dann in der lokalen Wochenzeitung HALLO veröffentlicht, aber nicht ausgeführt. Er hat auch ein Modell von einem Haus in Neuperlach gebaut und in Neuperlach 1985 ausgestellt und Daten für weitere Modellgebäude gesammelt.

Bild 1
An der Plettstraße (ca. 1989). Foto: Bruno Tamborino

Die folgenden Ausführungen sind auf Neuperlach Nord und Nordost und auf die Planungs- und Baujahre von zirka 1967 bis 1973 beschränkt. Neuperlach Nordost ist nur in seinen Teilen nördlich und westlich des Marx-Zentrum betroffen. Genauer genommen werde ich bestimmte Wohnhausgruppen behandeln, die ja wohl den Charakter Neuperlachs sehr stark prägen und die eine erkennbare architektonische Gruppe innerhalb Perlachs bilden. Es sind Häuser, die an den folgenden Straßen stehen: Adolf-Baeyer-Damm, Strehleranger, Nawiaskystraße, Quiddestraße, Plettstraße, Staudingerstraße, Albert-Schweitzer-Straße, Heinrich-Wieland-Straße, Siegfried-Mollier-Straße, Karl-Marx-Ring (bis zur ersten Kurve im Norden), Kurt-Eisner-Straße (der nördliche Teil).

Diese Ausführungen haben aber zum Teil auch in neueren Teilen Neuperlachs (Ost, West und zum Teil auch Therese-Giehse-Allee) ihre Gültigkeit. Ich werde von hier ab einfach über „Perlach“ schreiben, wo ich die oben genannten Gebäude, Straßen und Ortsteile identifizieren will, damit es besser lesbar ist.

Zeitlich werde ich mich auf den Erbauungszustand und die Zeit bis Ende der 1970er-Jahre beschränken, da es bei den vielen, einschneidenden Veränderungen der folgenden Jahre unmöglich wäre, die Logik des Ganzen zu rekonstruieren.

Ganz Neuperlach ist größtenteils ein Produkt des „Maßnahmenträgers Neue Heimat Bayern, gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ (1986 nach Skandalen aufgelöst), die ich einfach NH nennen werde. Die NH hat den Stadtplan vorgegeben, die Position der Häuserblöcke und viele Wohnhäuser geplant, und auch andere Strukturen, z.B. die Einkaufs-Subzentren, entstammen ihrer Planung. Bei markanteren Komplexen, zum Beispiel beim Marx-Zentrum, kamen auch andere Architekten zu Wort, deren Projekte dann aber nicht immer wie vorgesehen ausgeführt wurden, weshalb sie sich manchmal von ihren Werken distanzierten (siehe Architekt Bernt Lauters und den Wohnring).

Charta von Athen

Perlach wurde entsprechend den Prinzipien der „Charta von Athen“ aus den 1930er-Jahren geplant, die eine Reaktion auf die kapitalistischen „Mietskasernen“ des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war. Diese Mietskasernen wurden in großer Zahl in allen Städten von privaten Unternehmern gebaut, sie hatten eine reiche Stuckfassade zur Straße, aber hinter der schönen Fassade wurde das Grundstück und das Haus dann mit Wohnungen, Räumen, Betrieben und entsprechend mit Leuten bis zum Geht-nicht-mehr gefüllt. Es fehlte deshalb ganz entschieden an Licht, Luft, Sonne und Hygiene.

Um diese Situation zu beheben, entwickelten einige berühmte Architekten ab den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts bis in die 1930er-Jahre eine völlig neue Konzeption des Wohnungsbaus, bei dem schlichte, vielstöckige, funktionelle Gebäude auf die „grüne Wiese“ gebaut wurden, mit gesunden Wohnungen, die licht-, luft- und sonnendurchflutet sein sollten, mit modernen, hygienischen Einrichtungen für jede einzelne Wohnung und Stahlbeton als Baumaterial, der einige Jahrzehnte früher noch unbekannt war und ganz neue Baumöglichkeiten gab. Die Häuser sollten die Wohnzimmer nach Süden und Westen (für die Abendsonne) ausgerichtet haben, die Schlafzimmer nach Osten (Morgensonne) oder eventuell Norden (auch Badfenster, Treppenhäuser u.ä.). Also nicht mehr „die schönste Fassade zur Straße hin“, sondern alles nach den Himmelsrichtungen gebaut.

Diese Baukonzeption hatte in den 1960er-Jahren schon einige Mängel und Erneuerungstendenzen gezeigt, war aber zur Zeit der Planung Perlachs noch aktuell (bis sie Mitte der 1970er-Jahre überholt war zugunsten kleinerer, urbanerer, weniger anonymer Baugestaltungen). Diese Bauauffassungen wurden also bei der Planung Perlachs angewendet, verbunden mit den Bauauflagen der Stadt München, die damals als Mindestabstand zwischen zwei Häusern die Summe deren Fassadenhöhe vorschrieb (bei 25 Metern Höhe x 2 = 50 Meter Abstand). Den Stadtplanern Perlachs war von Anfang an klar, dass diese Bauauflage das Stadtbild zwangsläufig monoton machen würde, sie konnten aber nichts daran ändern.

Besonderheit: Balkonbrücken

Anscheinend haben sie als Einziges den Trick erarbeitet, Häuserblöcke öfters durch „Balkonbrücken“ zu verbinden. In diesem Fall stehen die Häuser normalerweise sechs Meter distanziert und sind durch eine Mauer ohne dahinterliegende Wohnräume verbunden. Vor dieser Beton-Verbindungsmauer laufen die Balkone.

Balkonbrücken
Balkonbrücken. Links: Plettstraße, rechts: Albert-Schweitzer-Straße, Nähe Lätarekirche. Zeichnung in der Mitte: Durch die fehlenden Balkonbrücken im Erdgeschoss werden Durchgänge geschaffen. Fotos und Zeichnung: Bruno Tamborino

Entsprechend befindet sich nur an der Stirnseite des Balkons eine Balkontür zur Wohnung. Der Zweck dieser seltsamen Balkone war offensichtlich, zwei Häuserblöcke offiziell zu einem zu machen, man brauchte so keine Abstände mehr einzuhalten. Auch ergeben sich zusätzliche oder größere Balkone, eventuell erzielte man noch einen Sicht- und Windschutz. Die Balkone können natürlich von den jeweiligen Wohnungseigentümern und -mietern genutzt werden, eine gehbare verbindende Funktion von Haus zu Haus haben sie aber nicht, da sie keinen Laubengang oder dergleichen darstellen.

Auch ergeben sich (bis auf eine Ausnahme) auf diese Weise Stellen, wo man die Häuserzeilen im Erdgeschoss zu Fuß durchqueren kann, da die Verbindungsmauer im Erdgeschoss fehlt und sich so ein Durchgang ergibt.

Im Vergleich zu den frei stehenden Häusern älterer Wohnsiedlungen aus den 1950er- und 1960er-Jahren wurden hier die Gebäude zu längeren Zeilen zusammengestellt, um damit den Eindruck von städtischen Straßenzügen entlang der Fußgängerwege zu erzielen, dies hat aber aus verschiedenen Gründen (Dimensionen, Erdgeschossnutzung, Vegetation, Abstandsbestimmungen) nie die gewünschte urbane Atmosphäre erzielt.

Anflugschneise Riem drückte die zulässige Bauhöhe

Die hier behandelten Teile Perlachs befinden sich auch unter der Anflugschneise (Anfluglinie der Jets) des ehemaligen Flughafens „München Riem“, deshalb durften die Gebäude die Höhe von 25 Metern nicht überschreiten, und bei dem höchstgelegenen Wohnraum, dessen Fußboden mehr als 22 Meter über dem Grund liegt, hätte man zusätzliche Bauauflagen, etwa abgeschirmte Fluchttreppenhäuser beachten müssen, die zu Mehrkosten geführt hätten. Deshalb haben alle betroffenen Gebäude maximal acht Obergeschosse, ein bewohntes Erdgeschoss sowie ein Kellergeschoss (mit Ausnahme von vier zehnstöckigen Punkthäusern am Ostpark; das hier nicht näher behandelte Marx-Zentrum und Teile südlich und östlich davon liegen bereits außerhalb der Einflugschneise, dort wurden 35 Meter Bauhöhe und punktuell auch mehr erlaubt, sodass bis zu 17 Stockwerke gebaut wurden).

Fußwegsystem

Die Planer Perlachs wollten ein Fußwegsystem verwirklichen, das völlig von den Straßen getrennt sein sollte, und dies wurde mit Wegen, Brücken und Unterführungen auch konsequent gebaut. Sie waren sehr stolz auf diese neue Konzeption, und bestimmt sind die Häuser Perlachs vorrangig für ein Erleben von diesen Fußgängerwegen geplant und wesentlich weniger von den Straßen, weshalb man Perlach zu Fuß besser zu schätzen lernt.

Olympia tat München gut, nicht Neuperlach

Die Stadt München baute gleichzeitig mit Perlach ab Mitte der 1960er-Jahre auch die ersten U-Bahn- und S-Bahn-Linien für und mit dem Olympiapark, all dies musste 1972 fertig sein (mit den Problemen, die während des Baues unweigerlich entstanden) und hatte seine negativen Konsequenzen auf Perlach. Am bekanntesten wurden die Probleme mit dem transparenten Olympiapark-Zeltdach, das die vorher geschätzten Kosten um das 20-fache (!) überschritt. Anscheinend war es Geld, das in Neuperlach hätte investiert werden sollen und dann hier weggespart wurde. Man könnte wohl sagen, dass sich die Stadt damals mit diesen beiden Großprojekten übernommen hatte.

Aber was ist ein Haus in Perlach?

Ein Haus kann man als den Bau bezeichnen, bei dem zwei oder drei (bei „Häuserzeilen“) oder vier bis sechs Wohnungen (bei „Punkthäusern“) um ein Treppenhaus gruppiert sind, und dieser so entstandenen Grundriss ist dann drei bis neunmal in die Höhe wiederholt. Ausnahmsweise ist das Erdgeschoss oder das oberste Geschoss etwas anders gestaltet, z.B. hat es einen Durchgang (wie bei den Wohnblöcken des Quidde-Zentrum), eine Durchfahrt (an der Nawiaskystraße), technische Räume oder oben großzügigere Terrassenwohnungen.

Aus den oben zuerst erwähnten Häusern kann man Häuserzeilen gruppieren, sie haben nur an der Vorder- und Rückseite Fenster, deshalb stehen die jeweiligen Häuser meist geradlinig Wand an Wand und sind nur durch eine dünne bautechnische Dehnfuge (eine vertikale sichtbare Linie an der Wand) getrennt. Sie haben immer eine Eingangs-/Treppenhausseite, diese normalerweise ohne Balkone (nach Osten oder Norden gerichtet) und gegenüber eine Balkon-/Wohnzimmerseite ohne Eingang (nach Süden oder Westen gerichtet). Die kürzesten Häuserzeilen sind zwei Häuser lang, die längste ist zwölf lang (die Wohnhäuser des Quidde-Zentrum). Einige Häuserzeilen sind durch die erwähnten „Balkonbrücken“ an andere Häuserzeilen gekoppelt, nur bei diesen Balkonbrücken oder aber bei Winkelungen einer Häuserzeile kann sich der Grundrisstyp in einer Zeile ändern. Manche Häuserzeilen haben Endhäuser, die eine Variante des Standardhaustyps sind. Dabei können Fenster oder Balkone anstatt an der üblichen Seite des Hauses an der Stirnwand liegen, damit das Ganze besser aussehen soll (was in der Tat auch der Fall ist) oder um aus den Wohnungen eine bessere Aussicht zu haben. Der Wohnungsgrundriss ist in diesen Fällen aber selten anders als im Standardhaus und im Fall der Fälle nur marginal, es können dann auch Badfenster vorhanden sein. Häuser dieses Typs (Zeilenhäuser) gibt es in Perlach als Ziegelmauerwerk-Gebäude (alle von der NH geplante Häuser sind so gebaut) und als Gebäude, die aus in Werken vorgefertigten Betonplatten vor Ort montiert wurden (Plattenbauweise). Plattenbau war damals hochmodern und rationell, die Ziegelbautechnik der NH war da eher traditionell.

Punkthäuser dagegen sind Häuser, die mindestens vier Wohnungen um ein Treppenhaus haben und die nicht Wand an Wand gebaut werden können, da sie auf allen Seiten Fenster haben und somit keine Außenwand fensterlos sein kann. Man kann sie höchstens durch relativ schmale Streifen der Außenmauer an andere Häuser ankoppeln, aber fast alle in Perlach stehen frei. Viele Punkthäuser sind Gebäude, die in Plattenbauweise gebaut wurden, abgesehen von diesen gibt es in Perlach nur zwei andere Haustypen aus Ziegelmauerwerk. Beide Typen kann man östlich der Heinrich-Wieland-Straße sehen (nördlich des Karl-Marx-Ring eines, südlich davon den anderen Typ), zwei weitere Häuser stehen an der Kurt-Eisner-Straße. Auch die Punkthäuser haben eine Eingangs-/Treppenhausseite und eine gegenüberliegende Seite, die die meisten und größten Balkone und Wohnzimmerfenster hat. Das Treppenhaus schaut immer nach Norden, während die Wohnungen und dementsprechend die Wohnzimmerfenster und Balkone auf alle anderen Himmelsrichtungen, prinzipiell Süd, gefächert sind.

Alle Häuser sind in der ganzen Fläche unterkellert (Betonbauweise). Die Keller wurden nach kollektiven (Waschkeller, Fahrradraum) und individuellen (Abstellräume) Bestimmungen aufgeteilt. Die Hauseingänge wurden entsprechend den damaligen Angewohnheiten sehr schlicht und öde gestaltet, es wurde nie Wohnraum für die Eingänge geopfert und auch die Materialien waren sehr schlicht. Das war damals auch außerhalb Perlachs gängige Praxis, auch wenn es heute sehr stört und verbessert werden sollte. Alle Häuser haben Hochparterre, damit die Kellerfenster direkt Licht bekamen und man so die Wohnungen im Erdgeschoss vor indiskreten Blicken schützte.

Die Wärmedämmung (heutzutage als die Außenarchitektur sehr beeinflussende „Sanierung“ nachträglich ausgeführt) gab es schon von Anfang an, wenn auch weniger ausgetüftelt, die effizient profilierten Fensterrahmen waren aus lackiertem Holz (innen immer weiß, außen weiß, anthrazit oder farbig), sie hatten Doppelgläser, die in zwei aneinandergekoppelte Fensterrahmen eingebaut waren und Alu-Fensterbänke. Die Ziegelmauern wurden als Nordaußenmauern dicker gebaut, 36 cm dick, anstatt den üblichen 30 cm. Tragende Innen- und Außenmauern, bei denen keine Isolierung notwendig war, sind 24 cm dick, abgesehen von den 10 cm dicken Innentrennwänden. Die Häuser in Plattenbauweise waren wohl weniger gedämmt, aber ich bin fast sicher, dass da eine Styropordämmschicht in den Betonfertigplatten eingelassen war.

Aber welche waren die Entstehungsphasen in Perlach?

Anfang der 1960er-Jahre beschloss die Stadt München, die Wohnungsnot, die der Bevölkerungswachstum während des Wirtschaftswunders erzeugt hatte – abgesehen von den im Krieg zerstörten oder einfach überalterten Wohnungen – mit dem Bau von mehreren öffentlich geförderten „Entlastungsstädten“ zu lösen, deren größte eben Neuperlach wurde, das innerhalb der Jahre von zirka 1968 bis 1990 auf eine riesige freie Ackerfläche gebaut wurde. Es wurde zum größten Bauprojekt Deutschlands, vielleicht Europas, und sollte schon deshalb eine andere historische Bewertung bekommen, als es derzeit hat.

Wie alle so schnell gewachsenen Städte konnte Neuperlach natürlich nicht problemlos sein, weder beim Bauen noch beim Planen, noch beim Wohnen und auch nicht beim Zusammenleben.

Die erste, lange Phase war der Grundstücksumschlag, bei dem die Acker gekauft und die Flächen völlig anders zusammengelegt wurden und dann verschiedenen neuen Nutzungsbestimmungen zugewiesen wurden, etwa Wohnen, Arbeit, Freizeit, Gewerbe, Verkehr u.a. Danach wurden die Infrastrukturen „auf die grüne Wiese“ gebaut, das heißt Straßen, Wasser und Abwassersystem (dieses hat die Entstehungsphasen des neuen Stadtteils bestimmt), Strom, Fernwärme usw., dann kamen die Tram (1970) und später die U-Bahn (1980) dazu.

Die ersten Wohnhäuser entstanden 1967, das allererste bewohnte Wohnhaus war meines Wissens ein Punkthaus an der Kreuzung Quiddestraße/Plettstraße Nähe Lätarekirche.

Aber wenn man sich die wenigen historischen Fotos anschaut, kann man unschwer erkennen, dass ganze Nachbarschaften gleichzeitig fertig waren, das heißt, der Baurhythmus war sehr hoch, er lag im Bereich von zirka 1.000 Wohnungen pro Jahr!

Und wie wurden die Wohnhäuser Perlachs geplant?

Der Prozess ist nicht ganz einfach zu rekonstruieren, ich möchte mich auf die Häuser der NH beschränken, alles fand innerhalb einer Gesellschaft statt, die „Neue Heimat Bayern“, Tochtergesellschaft der Neuen Heimat mit Sitz in Hamburg, die auf dem Kapital der führenden deutschen Gewerkschaften basierte und das größte Bauunternehmen Europas war. Wegen der extremen Größe des Unternehmens gab es bestimmt Überschneidungen in den Kompetenzen, die Namen der Planer sind leider unbekannt geblieben, es heißt da einfach „Planungsabteilung Neue Heimat Bayern“.

Einflüsse

Man erkennt auf alle Fälle in der NH-Wohnarchitektur Einflüsse des „Brutalismus“ der 1960er-Jahre (siehe Werke vom Architekt James Stirling) in der Balkongestaltung und anderen Details, eine Geometrie nach den Ideen des Bauhauses in der Gesamtgestaltung und besonders in der Position der Fensteröffnungen innerhalb des Mauerwerks (nicht als Löcher in der Mitte einer Mauer, sondern als Aussparungen in den Ecken der Flächen), aber alles ist eher schüchtern und vorsichtig in die Praxis umgesetzt. Alle Bauten sind theoretisch endlos in Serie baubar, es gibt keine Bauten, die einmalig für eine Position geplant wurden, höchstens Standardplanungen, die einem Ort ein wenig angepasst werden mussten.

Planung

Es wurden also in der Planungsabteilung zuerst einmal Wohnbedürfnisse festgelegt und auf deren Basis ein kompletter und detaillierter Grundriss geplant, aus dem man Häuser in die Höhe und bei den meisten davon dann auch Häuserzeilen in die Länge zusammenstellen konnte. Diese Grundrisse richteten sich nach strengen Regeln, es musste mit dem minimalen Aufwand das Maximum an Wohnkomfort und nutzbarer Fläche geschaffen werden. Praktisch ausnahmslos durfte ein Raum nur ein Fenster oder alternativ eine Fenstertür haben, die Klosetts wurden als getrennter Raum im Eingangsbereich eingebaut, denn es gab getrennte Badezimmer ohne WC, damit verschiedene Familienmitglieder gleichzeitig beide sanitären Einrichtungen benutzen konnten. Beide Sanitärräume waren ohne Fenster, nur die Badezimmer, die sich an den Stirnwänden der Häuserzeilen befinden, bekamen (aber nicht bei allen Grundrissen) ein kleines Fenster.

Die besonderen Aufzüge

Was weiter auffällt, ist die Position der Aufzüge. Diese sind fast immer am Ende der (in zwei Rampen geteilten) Treppen gegenüber den Wohnungstüren eingeplant, damit man mit der Hälfte der Aufzugstüren an den Stockwerken auskam, das heißt, nur alle zwei Stockwerkshöhen gibt es eine Aufzugstür, man muss dann eine Rampe, das heißt ein halbes Stockwerk, hinauf- oder heruntergehen. Das Konzept war aber nicht nur auf Kosteneinsparung ausgelegt, sondern auch in sich stimmig und hoch effizient, ohne dass es für die Bewohner Nachteile brachte. Da die Aufzüge im Erdgeschoss starten und nicht im Hochparterre, bedeutet es für die Leute, dass sie im Erdgeschoss die halbe Treppe sparen. Somit muss man keine einzige Treppenstufe mehr steigen wie in anderen Häusern, wo der Aufzug zwar in jedem Stock hält, man aber erst ins Hochparterre raufsteigen muss. Auch ersparte man sich Fahrstuhlschächte, die deutlich höher als das Haus selbst waren, wodurch man eventuell nur so unter der erlaubten 25-Meter-Grenze blieb. Augenscheinlich konnte man nur auf diese Weise in Neuperlach Nordost innerhalb der Einflugschneise überhaupt 9 Geschosse realisieren! Die hier erwähnte Lösung mit einem Aufzugsmaschinenraum, der ein halbes Stockwerk über die normale Haushöhe herausragt, und mit auf halber Stockwerkshöhe haltenden Aufzügen ist aber nur eines von mehreren Konzepten. In Perlach wurden auch andere Varianten realisiert, mit einem Aufzugsmaschinenraum, der oben mit dem Hausdach bündig abschließt (hier hält der Aufzug das letzte Mal zwischen den Stockwerken 6 und 7, sodass man vom Aufzug aus noch 1,5 Stockwerke raufsteigen muss, um ins oberste Stockwerk zu gelangen; vor allem eine Reihe von Wohnblocks in Neuperlach Nordost weisen dieses Merkmal auf), oder mehr als ein ganzes Stockwerk höher ist als die allgemeine Dachfläche. Es gibt seltener auch Aufzüge, die in jedem Stockwerk (und nicht auf halber Höhe) halten.

Stockwerkshöhe, Wohnfläche

Die Stockwerkshöhe der NH-Häuser ist inklusive Decke 262,5 cm, auch die Grundrisse sind auf den halben cm genau geplant und die Raumhöhe ist deshalb zirka 2,40 Meter. Fenster, Innentüren, Wohnungstüren, Treppen, Kellertüren und -fenster wurden standardisiert (pro Haustyp und zum Teil für alle Haustypen durchgehend) und wurden schlicht und zweckmäßig geplant, mit einfachen, großflächigen, fast belanglosen Fenster- und Türgestaltungen. Im Allgemeinen waren aber die Eigentumswohnungen etwas großzügiger ausgestattet.

Was auch noch auffällt, ist die Wohnfläche, zumindest bei den NH-Wohnungen. Sie ist für 2-Zimmer-Wohnungen ganz knapp unter 60 Quadratmeter, für 3-Zimmer-Wohnungen knapp unter 75 Quadratmeter, für 4-Zimmer-Wohnungen knapp unter 90 Quadratmeter. Das kann ich mir nur damit erklären, dass innerhalb dieser Grenzen die Wohnungen ein Anrecht auf öffentliche Fördermittel hatten. Deshalb sind vor allem Badezimmer, Küchen und alle Schlafzimmer sehr ähnlich in ihrer Fläche, man konnte da wenig variiert planen. Dies ist wohl der Grund, weshalb man auch bestimmte Elemente in der Außenarchitektur (wie bestimmte Fenster-Bauvolumen-Kombinationen) wiederholt sieht. Die Wohnfläche wurde berechnet, indem man die Mauern und sogar 3 % Putz von der Bruttofläche einer Wohnung abzog und die Balkone zu 50 % berechnet wurden. Bei den wenigen freifinanzierten Eigentumswohnungen mussten diese Grenzen nicht eingehalten werden, aber die Grundrisse waren dennoch oft einfach Ableitungen der Grundrisse öffentlich geförderter Wohnungen. Man kann an den Häuserzeilen ganz klar fünf Grundrisstypen der NH herauslesen, die auch außen gut zu identifizieren sind, vier von fünf dieser Typen haben zwei Wohnungen (3- oder 4-Zimmer-Wohnungen) pro Treppenhaus, sie werden auch „Zweispänner“ genannt, der fünfte hat drei Wohnungen (zwei 3-Zimmer-Wohnungen und eine 2-Zimmer-Wohnung) und wird als ein „Dreispänner“ bezeichnen. Dieser Dreispänner wurde bis viele Jahre später in mehreren Varianten gebaut (siehe z.B. Wohnring, Therese-Giehse-Allee, Nähe Graf-Zentrum (Postkarte 1, Bild C), aber auch beim Olympiazentrum München, in Haar und in Martinsried). Die NH-Punkthäuser sind Mauerwerks-Gebäude, die sich auf einen Typus und zwei Häuser beschränken und sie haben vier Wohnungen pro Stockwerk.

Zu jedem dieser Grundrisse wurden Fensterrahmen-Aufteilungen vorgeschlagen und auch Balkongestaltungen. Die Balkongestaltung betraf die Form der Balkone, die Balkonbrüstungen und die Sonderelemente Blumentröge, Sichtschutzwände und Sichtschutzgitter. Die Brüstungen haben bei allen NH-Häusern einen großen Schlitz zwischen Balkonboden und Brüstung, fast ein Markenzeichen der Planer. Es wurden auch die Anwesenheit, Dimension und Position des rechteckigen Beton-Blumentrogs, eventueller höherer Betonwände oder Betongitter als Sicht- und Windschutz entschieden, und auch das typische Balkongeländer aus eloxiertem Aluminium, in Rechtecke mit zwei waagrechten Streifen aufgeteilt, war immer vorgesehen. Die mehrfach waagrechte Aufteilung der Brüstungen sorgte dafür, dass die Balkone offener und niedriger und deshalb die Stockwerke weniger gedrungen aussahen. Diese sind die Elemente, die die Häuser am stärksten charakterisieren, abgesehen von den ausgeprägten, rhythmischen Vor- und Rücksprüngen der Fassaden, die eine willkommenen Konsequenz der streng rationellen Grundrissplanungen war.

Nachdem die Planungsabteilung diese gut geplanten und gut funktionierenden Grundrisse ausgearbeitet hatte (die aber nicht nur für den Bau Perlachs dienen sollten), wurden die Häuserblöcke zusammengestellt, wobei anscheinend bis zum Ende Detaillösungen, wie die definitive Gestaltung der Balkonbrüstungen oder die Fensterrahmen-Aufteilung, geändert wurden. Bestimmt wurden die Elemente, die den „Standard“ darstellten, mit viel Mühe und Engagement geplant, um trotz der vielen Beschränkungen das Beste daraus zu machen, während man bei Sondersituationen eher oberflächlich war.

Ausführung

Die letzte und vielleicht problematischste Phase war die Ausführung. Es kam da nochmals zu Detailänderungen gegenüber der Planung, aber vor allen Dingen zu Lösungen von Problemen, die bei der Planung einfach nicht behandelt worden waren. Es sind dabei Details (wie die Badezimmerfenster an den Stirnseiten der Häuser) betroffen, Kontaktstellen zwischen zwei Häuserzeilen, aber auch die Balkonbrücken.

Da waren meiner Ansicht nach nicht immer Profis an Werk, es waren sehr wahrscheinlich nicht die Planer, denn hier wurde vieles schlampig oder nach anderen Architekturprinzipien gelöst, und der Eindruck von lieblos gebauten Häusern kam auf. Mir fiel z.B. ein Balkongeländer an der Balkonbrücke der Häuserzeile an der Siegfried-Mollier-Straße auf, das umgedreht eingebaut ist. Es kann aber auch die Konsequenz von hartem Zeitdruck, Personalmangel bei den Bauleitern und/oder von extrem rigorosen Kosteneinschränkungen gewesen sein.

Farbgestaltung

Nochmals getrennt wurde die Farbgestaltung von einem Baukünstler behandelt, der als Basis folgendes vorsah: hellgrau für den Putz (die Regel, mit wenigen Ausnahmen), weiß für alle glatten Betonelemente, weiß für die meisten Fensterrahmen, anthrazit für die Kellerwände, durchgehende vertikale anthrazitfarbige Streifen für Treppenhausfenster und deren Zwischendecken. Die Treppenhäuser selbst konnten sowohl weiß als auch hellgrau sein. Es gab dann farbige Flächen in den Rücksprüngen der Eingangsfassaden oder an den Hauswänden innerhalb der Balkone. Oft hatten in diesem Fall Fensterrahmen und die umgebende Wand dieselbe Farbe oder es wurden waagrechte oder auch senkrechte Streifen gemalt, um Fenstergruppen zu verbinden, typisch hierfür waren anthrazitfarbene Flächen, die die weißen Wohnzimmerfenster zu vertikalen Streifen verbanden. Es gab außerdem z.B. anthrazitfarbene Fensterrahmen mit ockerfarbenen Brüstungen, blaugraue Fensterrahmen innerhalb einer Wand derselben Farbe, graugrüne Fensterrahmen mit grau-lila Verbindungsstreifen u.a.

Viele Treppenfenster wurden schon gegen Mitte der 1970er-Jahre weiß umgestrichen, das war wohl praktischer instandzuhalten, und recht bald begann man auch, die verputzten Aufzugsräume auf den Dächern zusätzlich zu verschalen. Sandfarbe oder Ockergelb als Basisfarbe gab es bei nur wenigen Häusern.

Bautypen

Eine genauere Betrachtung der NH-Bautypen zeigt, dass sie, abgesehen von einem Punkthaustyp, alle Zeilenhaustypen sind. Es gibt aber nicht nur die NH-Wohnhäuser, sondern auch eine Vielfalt von Häusern, die von anderen Bauunternehmern geplant und gebaut wurden, die ich aber nicht so ausführlich behandeln kann wie die NH-Häuser. Ich kann da nur die Baugesellschaft „Terrafinanz“ und kirchliche Bauträger erwähnen, abgesehen von anderen mir unbekannten Privatgesellschaften.

Ein Typ Plattenbau-Punkthaus ist in zwei verschiedenen Höhen wiederholt vorzufinden (drei Häuser nördlich der Quiddestraße beim Seniorenheim Georg-Brauchle-Haus und weitere drei Häuser südlich der Quiddestraße, Nähe Lätarekirche); ein Zeilenhaus mit drei Wohnungen pro Treppenhaus in Plattenbauweise, das dem oben genannten NH-Dreispänner sehr ähnelt, ist auch wiederholt vorhanden (Nähe Ständlerstraße als neunteilige, am Adolf-Baeyer-Damm als zweiteilige, an der Kurt-Eisner-Straße als vierteilige und auch als zweimal zweiteilige Häuserzeilen). Wegen seiner vielen Detaillösungen, die den NH-Lösungen gleichen, könnte man auch ihn als einen NH- Bautyp ansehen. Zwölf Mal (in zwei fast gleichen Varianten) ist ein Platten-Punkthaus gebaut worden, immer nördlich der Quiddestraße und des Karl-Marx-Ring. Auch bei diesem Typ kann ich eine NH-Planung nicht ausschließen, da er schon lange vor dem Baubeginn Perlachs auf NH-Zeichnungen genau dargestellt wurde. Am Adolf-Baeyer-Damm steht ein großer Häuserzeilenkomplex mit Waschbetonfassaden, bei dem praktisch nur ein einziger Fenstertyp eingebaut wurde, seine monotonen Fassaden sind durchgehend horizontal gestreift.

Fassadengestaltung

Ich möchte noch auf eine sehr oft verbreitete Fassadengestaltung hinweisen, die man als einzige Alternative zu den oben genannten zwölf Platten-Punkthäusern nördlich der Quiddestraße und des Karl-Marx-Ring sieht (Postkarte 1, Bild E), sie ist in verschiedenen Höhen, dementsprechend mit oder ohne Aufzug, vorzufinden. Sie hat geradeläufige oder wenig gegliederte Fassaden (das heißt ohne die für NH-typischen starken vertikalen Vorsprünge), die durchgehend waagrecht gestreift sind, mit Streifen auf der Höhe der Fenster in grauem Spritzputz, die Höhe der Brüstungen in weißem, platten Putz. Auch die weißen Betonbalkone sind schlicht und bündig zu dem Gesamtvolumen der Häuser, als Ausnahme sieht man nur die Treppenhäuser als vertikale Elemente, ihre Stirnseiten sind fensterlos und ungegliedert.

Bei diesen Häuserzeilen ist es schwieriger, das einzelne Haus aus der Zeile herauszulesen, es sieht wie ein einziges langes Haus aus. Vier zehnstöckige Punkthäuser sind unmittelbar am Ostpark vorzufinden (Staudingerstraße), sie haben rundum weiße Balkone und graublaue Fassaden und teilen sich in zwei fast gleich aussehende Typen auf, einer von diesen hat überall dunkle Holzfensterrahmen mit Erkerfenstern an der Südseite, der andere hat große Wohnzimmer-Fenstertüren aus silbernen Alu. Solche Häuser stehen praktisch gleich – sie sind nur wenige Jahre älter (1963-69) – im Cosimapark, direkt vor dem Hallenbad, in einer eleganten Wohnanlage (Architekt: Ernst Barth).

Abschließend sei gesagt, dass mehrere Plattenbauhäuser, die nicht von der NH geplant wurden, als Farbbasis nicht Grau, sondern Sandfarbe hatten, aber sie sind architektonisch extrem schlicht und schmucklos, im Vergleich dazu sind die NH-Häuser wesentlich charakteristischer und besser gestaltet. Da die NH vor allen Dingen öffentlich geförderte Wohnungen gebaut hat (mit problematischeren Einwohnerschichten), die Privaten hingegen auf dem freien Markt zu vermietende Wohnungen (mit weniger sozialen Problemen bei den Einwohnern), war der Ruf der Wohngebiete in Proportion zu deren architektonischer Qualität aber komischerweise genau umgekehrt.

Formen in Perlach

In Perlach sind fast alle Häuser rechteckig, im Grundriss und in den Fassaden. Da gibt es überhaupt keine Dreiecksformen oder Bogenformen, und das hat mit dem überwiegend grauen Putz bestimmt viel zur Kritik an dieser Architektur beigetragen. Die einzigen Ausnahmen hierin sind der Grundriss des Quidde-Zentrum und der Block mit freifinanzierten Eigentumswohnungen zwischen Plett-Zentrum und Lätarekirche, der sowohl abgewinkelte Grundrisselemente als auch geneigte Treppenhausdächer hat. Auch das NH-Punkthaus hat nur zwei leicht geneigte Wohnzimmermauern hinter rechteckigen Balkonen.

Typ N. 5

Der am weitesten verbreitete Grundrisstyp in Perlach ist der Dreispänner (zwei 3-Zimmer-Wohnungen und eine 2-Zimmer-Wohnung pro Treppenhaus), den ich Typ N. 5 nenne. Dieser insgesamt symmetrische Bautyp ist in der sehr langen Häuserzeile des Quidde-Zentrum neun Mal vorhanden, bei der Lätarekirche mit Terrassenwohnungen und zusätzlichen Balkonen an der Eingangsseite vier Mal, ganz in der Nähe an der Albert-Schweitzer-Straße in drei niedrigeren Häuserzeilen insgesamt sechs Mal, an der Siegfried-Mollier-Straße in zwei gekoppelten, ähnlichen Häuserzeilen, drei plus fünf Mal (beide mit Terrassenwohnungen, aber in einer Zeile mit einer asymmetrischen Variante der mittleren Wohnung), zwischen Heinrich-Wieland-Straße und Kurt-Eisner-Straße vier Mal mit Atelierwohnungen.

Die Varianten sind folgend beschrieben und kommen untereinander in immer wieder verschiedenen Kombinationen vor: das Treppenhaus kann über das Haus herausragen oder mit dem Dach bündig sein, in zwei Fällen liegt der Aufzug vorne am Treppenhaus, normalerweise ist er rechts davon eingebaut. Auch die Gestaltung der Teilbedachung der Wohnungsterrassen ist in zwei Varianten vorzufinden und nur bei den oben genannten asymmetrischen Mittelwohnungen sind die Seitenwände ihrer Balkone nicht als Eckschutz gestaltet, wie sonst immer bei diesem Typ.

Man erkennt diesen Dreispänner generell am besten an seinen Balkonbrüstungen, alle mit Blumentrögen und mit charakteristischen, mächtigen Ecksichtschutzplatten, die bis eine Handspanne unter der darüber liegenden Decke reichen. Die Wohnzimmerseite ist frontal voll mit Balkonen „bedeckt“ wobei die mittlere Wohnung deutlich aus dem Hausprofil herausragt.

Dieser Grundriss kann alternativ einen Raum als Diele oder als Kinderzimmer in den Seitenwohnungen haben, man erkennt die Variante aber von außen (durch die Fenster der Eingangsseite) nicht. In vier jeweils gepaarten Wohnungen (zwischen Kurt-Eisner-Straße und Heinrich-Wieland-Straße) wurden die Elternschlafzimmer des Obergeschosses mit großen Fenstern und davorliegendem Balkon als Ateliers besonders gestaltet. Alle Terrassenwohnungen im obersten (achten) Geschoss entstanden aus dem Wegfall der mittleren, kleineren Wohnung, deren Fläche in gleich große Terrassen für die Seitenwohnungen aufgeteilt wurde. Endhäuser bekamen das Schlafzimmerfenster an ihre Stirnseite anstatt an der Eingangsseite, sofern es aber dann nicht nach Norden schaut.
Wo die Obergeschosse Sonderlösungen haben, wie Terrassenwohnungen oder Atelierwohnungen oder wo Balkone an der Eingangsseite vorhanden sind, ist dieser Typ mit zu den schönsten Häusern Perlachs geworden.

Typ N. 1

Ein weiterer Typ ist der Zweispänner N. 1 mit zwei 4-Zimmer-Wohnungen. Dieser Typ ist in einer Häuserzeile im Bereich zwischen Plettstraße und Quiddestraße drei Mal und zwischen Plettstraße und Plett-Zentrum nochmals drei Mal vorhanden. Er zeichnet sich als einziger Typ durch die großen Balkone und Fenster an der Eingangsseite aus, während die Balkone an der Wohnzimmerseite relativ klein sind. Es gibt bei diesen wenigen Häusern keine Varianten im Grundriss im Erd- oder Obergeschoss, außer einer Balkonbrücke (Postkarte 1, Bild A und Postkarte 2, Bild B). Die hier erstgenannte Häuserzeile war eines der ersten Gebäude Perlachs, das gegen 1980 mit Braun als Basisfarbe neubemalt wurde.

Typ N. 2

Der Zweispänner N. 2 hat wiederum zwei 4-Zimmer-Wohnungen, die aber sehr kleine Kinderzimmer haben (was auf die Dauer zu beengend geworden ist). Dieser Bautyp hat eine sehr stark profilierte Eingangsseite, mit vertikalen „Schluchten“, in denen sich die großen Dielenfenster befinden. Die Küchenfenster schauen hier nicht zur Vorderseite, sondern seitlich weg, eine solche Lösung gibt es nur bei diesem Typ. Die Balkonseite hat fast die ganze Breite bedeckende, aber in der Mitte zurückgesetzte Balkone, bei denen die Balkonbrüstungen als belebendes Element seitlich jeweils zirka 30 cm frei aus den Balkonen herausstehen. Wo sich die Balkonflächen der beiden Wohnungen berühren, wurde ein zentrales Betongitter als frontales, zusätzliches Trennelement auf die Brüstung gesetzt. Die Balkone sind als einzige der NH-Haustypen auf vertikale Betonelemente gebaut, die vor Ort gegossen wurden. Alle anderen Balkone sind ausschließlich aus Fertigteilen gebaut.

Dieser Typ ist im Quidde-Zentrum in der sehr langen Häuserzeile drei Mal zu sehen, ganz nahe bei der Quiddestraße zwei Mal, zwischen Quiddestraße und Plettstraße in zwei niedrigeren Häuserzeilen insgesamt sechs Mal, an der Kurt-Eisner-Straße in einer Häuserzeile zwischen den oben genannten Dreispännern zwei Mal, und hier wiederum in drei weiteren Häuserzeilen, kombiniert mit dem Plattenbau-Dreispänner, drei Mal, zwei Mal und noch zwei Mal.

Bei den niedrigeren Häusern zwischen Quiddestraße und Plettstraße und an der Kurt-Eisner-Straße wurde der Aufzug seitlich versetzt an die Hauswand gestellt, anstatt vor das Treppenhaus, was den Gesamteindruck zur Asymmetrie verändert, vielleicht wollte man hiermit das Tiefenmaß der Gebäude reduzieren. Auch bei diesem Haustyp gibt es bemerkenswerterweise sowohl das höhere Treppenhaus als auch das mit dem Hausdach bündig abschließende Treppenhaus. Es sieht fast aus, wie wenn man damit experimentieren wollte, oder es könnte mit leichten Höhenunterschieden im Baugrund zu tun haben, bei denen das höhere Treppenhaus über die erlaubte Höhe gegangen wäre. Obwohl sich die Badezimmer an den Stirnwänden befinden, gibt es hier nie Badfenster, vielleicht wegen der Rohrschächte, die an der Stirnwand liegen. Einige dieser Häuser haben aber ein zusätzliches quadratisches Wohnzimmerfenster, um die Stirnseiten zu beleben.

Typ N. 3

Der Zweispänner N. 3 hat zwei 3-Zimmer-Wohnungen und ist der kleinste Grundrisstyp. Er ähnelt an der Vorderseite dem oben genannten Dreispänner, ist aber kompakter und weist an der Rückseite große Ähnlichkeiten mit dem Zweispänner N. 1 auf, von dem er mit Mühe nur durch die kleinere Dimension und die Fensterrahmenaufteilung der Wohnzimmer zu unterscheiden ist. All dies erkennt man sehr gut entlang der (ehemaligen) „Spielstraße“ zwischen Plettstraße und Quiddestraße, wo diese Zweispänner N. 1 und N. 3 nebeneinander in zwei Häuserzeilen stehen. An der Vorderseite hat der Zweispänner N. 3 aber nie Balkone, da sieht man nur die gepaarten, quadratischen Kinderzimmerfenster und die Schlafzimmerfenster, abgesehen von den großen, frontalen Treppenhausfenstern. Er hat außer einer einzigen (vor Ort gegossenen; an der Quiddestraße) Balkonbrücke nie Varianten, aber an den Stirnseiten weist dieser Bautyp immer Badfenster auf.

Er steht in einer Häuserzeile zwischen Plettstraße und Quiddestraße fünf Mal, an der Quiddestraße als niedrigere Zeile drei Mal, an der Plettstraße dominant neben dem Plett-Zentrum sieben Mal in einer achtstöckigen Häuserzeile.

Dieser Typ ist wohl nur als Mietwohnung gebaut worden.

Typ N. 4

Der Zweispänner N. 4 ist in nur zwei gekoppelten Häuserzeilen, eine dreiteilige und anschließend eine fünfteilige, zwischen Quiddestraße (bei der Lätarekirche), Plett-Zentrum und Albert-Schweitzer-Straße vorzufinden. Er ist schon hierin, aber auch wegen seiner Gestaltung und Strukturierung eine Ausnahme in ganz Neuperlach und vielleicht sogar in München, wo meines Wissens keine ähnlichen Bauten vorzufinden sind.

Von außen ist der Haustyp in den Standardstockwerken streng symmetrisch, während die Wohnungen eine 3-Zimmer-Wohnung und eine 4-Zimmer-Wohnung sind, deren viertes Zimmer befindet sich in der Mitte des Grundrisses hinter dem Treppenhaus und wurde einfach mit einer Innentür dieser Wohnung zugeteilt. Dieser Zweispänner vom Typ N. 4 hat eine Reihe von Merkmalen: Sowohl die Eingangs- als auch die Wohnzimmerseite haben mit Ausnahme der Breite des mittleren Zimmers und des Treppenhauses durchgehende Balkone, diese sind in zirka 45°-Winkel bei der Mitte des Hauses abgeschlossen und die Brüstungen berühren hier die Hauswände. Auch die Wohnzimmerwände sind im 45°-Winkel gebaut, und die Treppenhausdächer sind geneigt. An der Eingangsseite sieht man Betongitter an den Balkonen, und das Treppenhaus ist nur bei diesem Zeilenhaustyp ganz in den Hausgrundriss eingelassen. Im obersten Stockwerk befinden sich außergewöhnliche, große Terrassenwohnungen, die sich über zwei Wohnungen von zwei nebeneinanderliegenden Häusern erstrecken. Nur die Endhäuser können wegen dieser Struktur keine Terrassenwohnungen haben, hier wurden bis ins Obergeschoss Standardwohnungen gebaut. Alles ergibt eine recht komplexe Struktur, die aber theoretisch endlos wiederholt werden kann und immer zu einer ungeraden Hausanzahl führt. Die Terrassenwohnungen sind großzügig und haben teilbedeckte große asymmetrisch eingebaute Terrassen, was aber auf der Wohnzimmerseite wegen einem durchgehenden Blende-Abschlussbalken kaum zu sehen ist. Da sie die Fläche von zwei Wohnungen belegen, geht nur jedes zweite Treppenhaus bis ganz oben, um jeweils zwei gespiegelte Terrassenwohnungen zu erschließen, die anderen Treppenhäuser brauchen das oberste Stockwerk nicht zu erreichen. Das sieht man von außen an einer unverwechselbaren Hoch-Tief-Alternanz der Treppenhäuser.

Es fällt auf, dass die Häuser auf den ersten Blick an den Zeilenenden halbiert aussehen, da jeweils zwei gespiegelte Wohnungen in aneinanderstehenden Nachbarhäusern ein komplett aussehendes Balkonmotiv bilden. Dieser Typ zeichnet sich auch durch besonders großzügige Verglasungen auf der Wohnzimmerseite aus, mit den großen Balkonen ergibt sich deshalb eine sehr „offene“ Architektur. Es bildet sich außerdem an der Wohnzimmerseite aus dem Zusammenspiel von schräger Wohnzimmerwand und ebenfalls schrägen Balkonbrüstungen ein wiederholtes, schönes „Wellenmotiv“, oder „Zylindermotiv“, auf doppelten Ebenen (Mauern und Balkone), das an den Stirnseiten aber abrupt endet und an den Endhäusern auch nach oben schlecht gestaltet ist. Insgesamt ist es aber ein gut gestalteter Typ, der in den Baudetails dem Standard Perlachs entspricht, aber aus einer ganz anderen, vielleicht älteren Konzeption stammt.

Die Stirnseiten haben immer Badfenster, die in eine vertikale, leichte Mauernische eingelassen sind. Ein einziges der vier Endhäuser ist eine leichte Variante des Standardtyps mit Änderungen am Kinderzimmerfenster und -Grundriss und mit einer Balkonbrücke, da an dieses Haus gleich zwei Häuserzeilen anschließen. Die fünfteilige Häuserzeile hat ein Geschoss weniger als die dreiteilige, sie steht höher und wäre vielleicht mit dem bei diesem Typ über-stockwerkshohen Aufzugsmaschinenraum über die Höhenbeschränkung hinausgegangen.

Diese Häuserzeilen wurden ausschließlich als freifinanzierte Eigentumswohnungen gebaut und 1970 mit dem „Ehrenpreis für guten Wohnungsbau“ ausgezeichnet, sie erhielten 1982 als erste Häuser Perlachs einen damals schockierenden Neuanstrich. Aus dem Grau wurde ein Rosa mit Balkonen in Weiß mit Rosastich, der heute noch gleich ist.

Bildteil

Postkarte 1

Postkarte 1
Postkarte 1 (ca. 1981); 8000 MÜNCHEN NEUPERLACH – Modernes Wohnzentrum im Osten Münchens. Vertrieb: Schreibwarengeschäfte im Marx-Zentrum – Graf-Zentrum – Plett-Zentrum

t1
Bild A: Eingangsseite von Typ N. 1 und Stirn-/Eingangsseite von Typ N. 5 beim Plett-Zentrum
Bild B: Oskar-Maria-Graf-Ring von der Fußgängerbrücke gesehen in Richtung Nord
Bild C: Dieselbe Fußgängerbrücke und neuere Variante des Typs N. 5, Richtung West
Bild D: Wohnzimmerseite von Typ N. 1 an der „Spielstraße“ mit Café und Sandgrube
Bild E: Platten-Punkthaus und gestreifte Wohnzimmerseiten nördlich des Karl-Marx-Ring
Bild F: Marx-Zentrum von Süd

Postkarte 2

Postkarte 2
Postkarte 2 (ca. 1981); 8000 MÜNCHEN NEUPERLACH – Modernes Wohnzentrum im Osten Münchens. Vertrieb: Schreibwarengeschäfte im Marx-Zentrum – Graf-Zentrum – Plett-Zentrum

Bild A: Kreuzung zwischen Karl-Marx-Ring und Kurt-Eisner-Straße/Hugo-Lang-Bogen
Bild B: Eingangsseite Typ N. 1, rechts Typ N. 5, Hintergrund links Typ N. 3, vor Plett-Zentrum. Ganz rechts am Parkplatz angeschnitten: Bürohaus Albert-Schweitzer-Straße
Bild C: Graf-Zentrum von Ost
Bild D: Graf-Zentrum von Nord, im Hintergrund Eingangsseiten von Varianten des Typs N. 5
Bild E: Zwischen Sudermann-Zentrum und Oskar-Maria-Graf-Ring, rechts Wohnzimmerseite der Variante von Typ N. 5, die auf Bild D rechts sichtbar ist.

Bild 1

Bild 1
An der Plettstraße (ca. 1989). Das Titelbild vom Artikelanfang. Foto: Bruno Tamborino

Wohnzimmerseite des Typs N. 5 mit den am schönsten gestalteten Terrassenwohnungen, rechts Stirn- und Wohnzimmerseite Typ N. 1. Die helle Fläche zwischen den Häusern ist die Rückseite einer Balkonbrücke, die ursprünglich waagrechte Schlitze hatte (Postkarte 1, Bild A). Beide Häuser sind in der zweiten Bemalung von 1980-82, die gelungen war und der Originalbemalung stark ähnelte. Die Basisfarbe war also nicht mehr Grau, sondern Braun und Graubraun, die Balkone waren zweifarbig (hellgrau/weiß).

Bild 2

Bild 2
An der Albert-Schweitzer-Straße (ca. 1989). Foto: Bruno Tamborino

Wohnzimmerseite des Typs N. 4 mit den 45°-Winkeln der Balkone und Wohnzimmerwände, die – wiederholt – einen schönen Rhythmus bilden. Die Trennung zwischen zwei Häusern befindet sich jeweils in der Mitte der Balkone.

Bild 3

Bild 3
Albert-Schweitzer-Straße, Nähe Lätarekirche (ca. 2001). Foto: Bruno Tamborino

Wohnzimmerseite des Typs N. 4 mit Terrassenwohnungen, zwei hohen und einem niedrigen Treppenhaus. Beim niedrigen Treppenhaus bemerkt man, dass oben ein Zimmerfenster wegen der Terrassenwohnungen fehlt.

Elemente aller NH-Haustypen

Folgend werde ich die Elemente, die aber alle NH-Haustypen Perlachs vereinigen, identifizieren:

Die Balkone sind alle aus erkennbaren, getrennten Fertigteilen in glattem Schalbetonguss und haben 103 cm hohe Brüstungen. Die 103 cm sind immer in 30 cm Balkonbasis, 10 cm Schlitz und 63 cm Balkonbrüstung aufgeteilt. Innen sieht man an den Brüstungen vertikale und horizontale Versteifungsbalken aus Beton, die auch die 63 cm hohe Brüstung mit dem 30 cm hohen Balkonboden verbinden, das heißt, sie bilden zwei/drei 10 cm hohe „Füße“ pro Brüstungselement. Darüber kommt immer das 25 cm hohe Alu-Geländer, das entsprechend der Betonelemente vertikal in Rechtecke geteilt ist und zwei horizontale 2 x 2 cm große Quadratprofile hat, mit Stützen, die den Betonfüßen darunter entsprechen (Bild 1 und Bild 2). Außen als Teil der Balkonbrüstung befindet sich oft ein 30 x 30 cm hoher und tiefer Betonblumentrog für die ganze Breite des betroffenen Brüstungsteils (Bild 1). Die Balkone sind bei den Zweispännern N. 1, N. 2 und N. 3 seitlich mit höheren, 10 cm dicken Sichtschutzplatten aus Beton abgeschlossen, die einen 20 cm hohen Schlitz unter dem darüber liegenden Balkon freilassen (außer im obersten Geschoss von vielen Häusern). Auch die Bodenplatten sind Betonfertigteile und in rechteckige Elemente geteilt. Es gibt beim Dreispänner Eck-Sichtschutzplatten, die 10 cm dick sind, der Tiefe der Balkone entsprechend und frontal 90 oder 100 cm breit (Bild 1). Beim Typ N. 2 und N. 4 gibt es Sichtschutzgitter aus Beton, die auf die Brüstungen aufgesetzt sind und aus vertikalen, untereinander verbundenen, 14 cm breiten Streifen bestehen, und schließlich einige nicht rechtwinkelige Balkonbodenelemente, die nur dem Zweispänner N. 4 angehören (Bild 2). Oft sind die Balkone schmal und lang, also schlecht benutzbar, sie sollten in diesen Fällen offensichtlich die Fassaden auch lebendiger gestalten (Bild 1 und Bild 2).

Eine weitere Charakteristik der NH-Häuser ist der raue, schlichte Spritzputz und die unverputzten Beton-Kellerwände.

Der obere Abschluss aller Häuser (mit Ausnahme der höheren Treppenhaus-Volumen) ist immer mit einer ca. 80 cm hohen weißen Betonumfassung definiert, die oben und unten Aluschienen als Witterungsschutz und als Tropfleiste hat. Diese Betonumfassung entspricht im Außenmaß genau der darunterliegenden Wand oder den darunterliegenden Balkonaußenmaßen und ist bemerkenswerterweise so eingebaut, dass die Fenster des obersten Geschosses davon für zirka 30 cm verblendet werden, das heißt die Fenster des obersten Geschosses sind zirka 30 cm niedriger als die der anderen Geschosse (Postkarte 1, Bild D). Dieses Motiv wurde gleich bis Anfang der achtziger Jahre in Neuperlach angewendet (Postkarte 1, Bild C). Die Keller der NH wurden alle so gestaltet, dass sie ca. 80 cm aus dem neu gestalteten Gartenniveau herausschauten. Auch die Fenster der Erdgeschosse sind niedriger als die der Normalgeschosse, da hier wiederum die zirka 30 cm hohen Rollladenkästen oberhalb der Fenster wie Mauer verputzt sind. Rollläden gibt es ganz rigoros nur im Erdgeschoss als Diebstahlschutz. Die Eingänge sind immer klein, habe eloxierte bleichgoldenen Türrahmen und Strukturglas, Holzbalkengriffe und große Betonvordächer mit Aluverblendung darum. Bei Balkonbrücken kann es zu Fenstern nur im Erd- und Obergeschoss von Wänden abseits der Balkonbrücken kommen, damit diese Fenster nicht von der Balkonbrücke beeinträchtigt werden.

Und wie sieht es heute in Perlach aus?

Ich sehe ehrlich gesagt die spröde, aber nicht fehlende architektonische Würde der Gebäude immer ernsthafter in Frage gestellt, bestenfalls durch vielleicht zu bunte Bemalungen, die die Architektur der Bauten schlicht ignorieren, schlimmstenfalls durch brutal alles überwälzende Wärmedämm- oder Wetterschutzummantelungen, bis zu Teil- oder sogar Totalabbrüchen und Umbauten, alles im Namen des „Fortschrittes“. Ob man dann so stark „fortschreitet“, wie man sich verspricht, bleibt offen, manchmal wäre weniger sicher mehr!

Solche großen, verputzten Baukörper (25 Meter hoch, bis 300 Meter lang) sind in den heutigen, hellen Regenbogenfarben unnatürlich und sahen in den neutraleren, aber durch starke Hell-dunkel-Kontraste gut charakterisierenden Farben der Ursprungszeit besser aus, die Architektur wurde so wesentlich wirkungsvoller zur Geltung gebracht. Gegen das ehemalige öde Grau könnte man mit Farben aus der Natur gut Abhilfe schaffen, diese Baumassen ähneln in ihren Volumen Gebirgen oder großen Felsen und sollten von diesen eine kohärente (architekturgebundene) Farbinspiration beziehen (Vorschlag von B. Krehan aus Perlach), z.B. die Farben Braun, Ocker, Dunkel- und Hellgrau, Dunkel- und Hellgrün sowie Schneeweiß.

Auch die mittlerweile üppige Vegetation kann die Häuser stark verstecken und beschatten, sie kann im Fußgängerbereich ein fehlendes Sichtfeld und ein fehlendes Sicherheitsempfinden verursachen, auch der getrennt gehaltene Autoverkehr trug schon immer dazu bei. Dass die Erdgeschosse als reine Wohngeschosse gestaltet sind, tut nochmals das Seine, man hat da noch weniger urbanes Sicherheitsempfinden, sowohl an den eingangs- und durchgangslosen Wohnzimmerseiten als auch auf der Seite der immer noch sehr nüchternen Eingänge. Hieran könnten einige Änderungen erwägt werden, auch die Norm-Obergeschosse könnten manchmal als Gebäudeabschlüsse behutsam umgestaltet werden.

Wenn jetzt die Subzentren Perlachs immer mehr verkommen, sollte man sich als Bewohner Neuperlachs auch mal fragen, wie sehr das pep eigentlich (in seinem heutigen Ausmaß) Neuperlach wohltut. Jedes Subquartier sollte deshalb vielleicht sein unmittelbares Umfeld stärker behüten und in Schutz nehmen.

Insgesamt wäre vielleicht eine alle Besitzer und Bewohner vertretende und vereinigende Interessengemeinschaft Perlach/Neuperlach nützlich, die die Neue Heimat heute als Koordinator ersetzten könnte und die Würde Neuperlachs baulich und gesellschaftlich führen sollte, zuallererst mit einem Gesamtplan in Richtung einer bestandserhaltenden moderierten Modernisierung und indem man z.B. bestimmte „Filmproduktionen“ in Perlach unterbindet, die man sehr gut anderswo drehen kann.

Ein gesunder Stolz auf seinerzeit vorbildliche und ausgezeichnete Wohnensembles darf da seitens der heutigen Besitzer und Bewohner nicht fehlen und könnte der Beginn einer berechtigten, starken Aufwertung Neuperlachs sein.

Im Jahr 2011

Bruno Tamborino
bruno.tam15@gmail.com

Weiterführendes zum Thema

Hocheffiziente „Spar-Fahrstühle“ und weniger schöne Wärmeisolierung

Neu ist der Tach in Neuperlach

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Die Sonne geht auf, das Heizwerk Perlach am Karl-Marx-Ring läuft auf Hochtouren an diesem kalten, herrlichen Wintertag. J. W. war so früh auf, dass ihm diese Aufnahme gelingen konnte. Vielen Dank!

Sonnenaufgang mit Heizkraftwerk
Sonnenaufgang mit Heizwerk Perlach (16.01.2012) Foto: J. W.

Fotoschatzfund Neuperlach (5): Neuperlach Nord 1985-1990

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Durch den unermüdlichen Einsatz von J. W. kann ich noch einmal zwei sehr gute Fotos präsentieren mit Blick auf das Marx-Zentrum und die Kurt-Eisner-Straße (oberes Foto) sowie auf die Heinrich-Wieland-Straße mit aufgelassener Trambahntrasse. Beide Fotos sind irgendwann zwischen 1985 und 1990 entstanden.

Marx-Zentrum 1985-1990
Blick auf das Marx-Zentrum mit St. Monika (ca. 1985-1990). Aus der Fotosammlung von J. W.
Heinrich-Wieland-Straße 1985-1990
Heinrich-Wieland-Straße (ca. 1985-1990). Aus der Fotosammlung von J. W.

Fotoschatzfund Neuperlach: Von der grauen Maus zur grünen Lunge Münchens (Update)

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Fotos kann man unter anderem in ihrem historischen Wert bemessen. Wenn Fotos etwas zeigen, was man heute so nicht mehr sehen kann, ist das von Wert. Neuperlach gilt heute zu Unrecht als grauer Stadtteil, dabei sind die meisten Stellen inzwischen so grün, dass man sich eher in einem Wald fühlt als in einer Hochhaussiedlung. Doch Neuperlach war wirklich mal grau. Aus dieser Anfangszeit in Neuperlach Nord hat uns J. W. freundlicherweise ein paar sehr interessante Fotos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Update 01.07.2011: Die Bilder gibt es nun noch mal fast alle neu eingescannt in höherer Auflösung und noch ein paar zusätzliche Bilder! Wo möglich, wurde vom Negativ eingescannt!

Heinrich-Wieland-Straße/Neuperlach Nord
Wir befinden uns zwischen der Kreuzung Karl-Marx-Ring/Heinrich-Wieland-Straße und der späteren Trambahnwendeschleife Neuperlach Nord, die im Hintergrund entsteht. Der Blick geht Richtung Süden, rechts ist das Gervais Danone-Haus zu sehen. Um Mitte 1970. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von J. W.
Heinrich-Wieland-Straße/Karl-Marx-Ring
Blick auf die Kreuzung Heinrich-Wieland-Straße/Karl-Marx-Ring (ganz rechts). Blick geht Richtung Nordwest. Im Bild links die Albert-Schweitzer-Schule. Im Bild rechts noch der Info-Pavillon, der später abbrannte und an dessen Stelle sich heute das Schulzentrum Nord befindet. Der Ostpark ist bereits im Bau, allerdings sind noch keine Aufschüttungen zu sehen. Im Hintergrund meine ich, das heutige Spielhaus (Maulwurfshausen) zu erkennen und auch ein paar Nachbarhäuser. Das Spielhaus blieb aber als einziges stehen. Um Mitte 1970. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von J. W.
Heinrich-Wieland-Straße/Karl-Marx-Ring
Leicht anderer Blickwinkel des vorigen Fotos. Um Mitte 1970. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von J. W.
Karl-Marx-Ring
Wohnhäuser am Eck Heinrich-Wieland-Straße/ Karl-Marx-Ring. Wir befinden uns leicht östlich von der Heinrich-Wieland-Straße, im Hintergrund ist schwach der Karl-Marx-Ring zu sehen. Um Mitte 1970. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von J. W.
Karl-Marx-Ring
Leicht anderer Blickwinkel des vorigen Fotos. Um Mitte 1970. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von J. W.
Kurt-Eisner-Straße
Häuser an der Kurt-Eisner-Straße. Heute führt dort der Fußweg vom Marx-Zentrum Richtung U-Bahnstation Quiddestraße durch. Im Hintergrund sind die Max-Kolmsperger-Schule zu sehen und auch die Stelle, an der später das Marx-Zentrum entstehen wird. Um Mitte 1970. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von J. W.
Kurt-Eisner-Straße
Noch einmal Kurt-Eisner-Straße, jetzt ein weniger weiter Richtung Fußgängerunterführung Heinrich-Wieland-Straße. Unverkennbar sind die atelierähnlichen Dachwohnungen. Um Mitte 1970. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von J. W.
Neuperlach Nord Schleife
Das Gelände, an dem die Trambahnschleife Neuperlach Nord entsteht (im Hintergrund). Um Mitte 1970. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von J. W.
Neuperlach Nord Schleife
Selber Blick wie voriges Bild ein paar Jahre später. Jetzt mit LVA-Gebäude (Bildmitte, Hintergrund). Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von J. W.

Neuperlach heute

Grüne Plettstraße im Wald
Heute sieht es in Neuperlach so aus. Waldähnlicher Grünzustand an der Plettstraße (Archivfoto) © Thomas Irlbeck
Heinrich-Wieland-Straße/Ecke Karl-Marx-Ring
Neuperlach ist grün. Ausblick von einem Haus an der Heinrich-Wieland-Straße/Ecke Karl-Marx-Ring auf das Schulzentrum Nord. Gleicher Fotostandpunkt wie bei dem Bild oben mit der Albert-Schweitzer-Schule und dem Info-Pavillon (zweites Bild von oben) und nicht wiederzuerkennen (27.06.2011). Foto: J. W.

Zugaben

Noch zwei Fotos von der Heinrich-Wieland-Straße in Neuperlach Nord.

Heinrich-Wieland-Straße/Neuperlach Nord
Heinrich-Wieland-Straße in Neuperlach Nord. Um Mitte 1970. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von J. W.
Heinrich-Wieland-Straße/Neuperlach Nord
Und noch einmal die Heinrich-Wieland-Straße in Neuperlach Nord. Da solche Fotos so selten sind, wäre es schade, wenn eine leicht veränderte Perspektive, aus der hier fotografiert wurde, aussortiert werden würde, Um Mitte 1970. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von J. W.

Und noch was in Farbe:

Karl-Marx-Ring
Heinrich-Wieland-Straße/Ecke Karl-Marx-Ring. Ähnliche Perspektive wie das vierte Foto von oben. Um 1975. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von J. W.

Das schöne und hässliche Neuperlach

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Das hässliche Neuperlach
Das hässliche Neuperlach (26.04.2011) © Thomas Irlbeck

In den letzten Jahren wurde ein Großteil der Häuser in Neuperlach saniert und verschönert. Mit einem bunten Anstrich anstelle des ursprünglichen Grau oder Beige, das in den 1970er-Jahren in der Architektur vorherrschte, obwohl die 1970er-Jahren eigentlich als bunt, schrill gelten (was aber mehr auf die Inneneinrichtung und Mode zutraf), sieht alles viel freundlicher aus. Aber es wurden auch die Fenster erneuert, die Hauseingänge modernisiert, die Fahrstühle ausgetauscht und vieles mehr. Natürlich kann das aus einem quaderförmigen 08/15-Hochhaus keinen Designerbau machen. Aber eine deutliche Verbesserung ist es allemal.

Doch auch das alte, hässliche Neuperlach gibt es noch. Schmutzige Häuser mit zum Teil abgeblätterter Farbe, graue Stellen, bei denen nicht so klar ist, ob das Schimmel ist oder einfach nur Dreck, marode Eingangsbereiche, verbeulte Klingeltableaus und Briefkästen, einfach gruselig. Man kann nur hoffen, dass auch bei dem hier gezeigten Wohnblock mal die Arbeiter anrücken und den Bau zumindest auf das Niveau der umliegenden Häuser anheben. Für die Rubrik die hässlichsten Gebäude der Welt hat es zwar nicht ganz gereicht, aber das ist natürlich eine subjektive Einschätzung. Nah dran für die Nominierung in der Kategorie ist dieses Gruselhaus aber sicherlich.

Das hässliche Neuperlach
Der Block in der Kurt-Eisner-Straße muss  dringend saniert werden (26.04.2011) © Thomas Irlbeck
Das schöne Neuperlach
Farbenfrohe Wohnblocks nach der Sanierung, ebenfalls an der Kurt-Eisner-Straße (26.04.2011) © Thomas Irlbeck

Tor-Heiten

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Tor Kurt-Eisner-Straße
Das neue Tor an der Kurt-Eisner-Straße (21.04.2011) © Thomas Irlbeck

Neuperlach ist mit einem großzügigen Fußwegsystem ausgestattet. Diese Fußwege sind breit wie Nebenstraßen. Radfahren ist offiziell nicht erlaubt, wird aber im Allgemeinen geduldet. Seit vielen Jahren gibt es jedoch die Unart, diese Fußwege fast unpassierbar zu machen. Das Problem sind vor allem die Bewohner, die mit ihrem fahrbaren Untersatz direkt zu den Hauseingängen fahren, um dort Sachen aus- oder einzuladen. Nicht immer ist es nur ein Kasten Bier oder der Großeinkauf im pep, der ausgeladen wird. Handwerker parken auch gerne nahe am Eingang und hier ist es oft eher eine Notwendigkeit als eine reine Bequemlichkeit. Doch diese Wege sind auch Feuerwehrzufahrten. Im Ernstfall kann ein geparktes Automobil die Rettungsarbeiten verzögern.

Dies ist die offizielle Variante, ganz nebenbei möchte man auch sicherlich die Radler ausbremsen und Fremde fernhalten. Bislang befanden sich an der Kurt-Eisner-Straße, wo der Fußweg Richtung Pflegeheim Neuperlach (am Friedrich-Engels-Bogen) beginnt, nur ein paar Stempen. Solche Pfosten erweisen sich allerdings als labil, mitunter fallen diese fast von alleine raus. Für Handwerker sind sie ohnehin kein Hindernis, da entsprechendes Werkzeug zum Entfernen mitgeführt wird. Also muss ein abschließbares Tor her, das nur der Rettungsdienst und Hausmeister öffnen kann.

Wie auf dem Bild zu sehen ist, geht das neue Tor unnötigerweise über die volle Breite des Fußwegs. Wer nicht genau hinseht, meint, dass der Weg gesperrt sei. Das Abschrecken von Fremden funktioniert also schon einmal. Rechts sind ein paar Pflastersteine gesetzt, sodass man sich vorbeimogeln kann, bleibt aber als Radfahrer schnell an einem weiteren, neu gesetzten Stempen hängen, der wohl verhindern soll, dass noch ein Klein-Pkw da irgendwie durchkommt. Links kommt man vorbei, wenn man großzügig ein Stück des Rasens mitbenutzt, was der Hausmeister aber nicht gerne sieht. Wohlgemerkt reden wir auch von Fußgängern und nicht nur von bösen Radfahrern, die einen öffentlichen Weg, der für die Allgemeinheit zum Durchgang bestimmt und freizuhalten ist, benutzen möchten. So ein Tor muss daher nicht sein, zumindest nicht mit solchen Ausmaßen. Aber das Argument lautet, dass bei einer Entfernung dem Missbrauch wieder Tür und Tor geöffnet werden würde.

Zum Schreien – die Kinderkrippe im eigenen Haus

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Was nicht als Geräusch, sondern als störender Lärm empfunden wird, fällt individuell sehr verschieden aus. Den einen stört der tropfende Wasserhahn, den anderen die Geräusche von Windrädern oder das quietschende Gartentor vom senilen Nachbarn. Verkehrslärm ist der schlechte Lärm, dieser darf stören. Kinderlärm ist der gute Lärm und niemand hat etwas gegen Kinderlärm, solange er nicht vor der eigenen Haustüre stattfindet. Gegen Verkehrslärm kann man viel machen und die technischen Möglichkeiten sind längst noch nicht ausgeschöpft. Das geht bei leiseren Automobilen los, die auf Flüsterasphalt hinter Erdwällen und Schallschutzwänden fahren, und hört bei Gegenschallanlagen auf, die den rollenden Verkehr fast vollständig ruhig stellen. Mindestens Letzteres ist noch weitgehend Zukunftsmusik, aber Musik kann ja auch stören.

Sicher kann auch Kinderlärm schrecklich unangenehm sein. Bei gleicher Lautstärke wird das Schreien von Kindern nicht von allen als angenehmer empfunden als Justins aufgepimptes Moped, mit dem der Kerl verbotenerweise dauernd um den Häuserblock kurvt. Kinderlärm ist sicher nicht der besserer Lärm, aber der natürlichere.

Was sind wir doch für eine feine Gesellschaft, in der Anwohner durchsetzen, dass die Kinder der Kita Marienkäfer hinter einer hohen Schallschutzwand verschwinden müssen oder nicht mehr im Garten, sondern nur noch drinnen spielen dürfen? Aber es geht noch besser: Nicht selten verhindern besorgte Anwohner auf dem Klageweg, dass Kitas überhaupt gebaut werden. Vielleicht baut man ja statt eines Spielplatzes dann einen Parkplatz, der hat ja wenigstens noch einen Sinn.

Aber auch wenn früher nicht alles besser war, könnte es das jetzt werden. Denn die Bundesregierung will jetzt den Kinderhassern den Marsch blasen. Kurzum: Gegen Kinderlärm soll man in Zukunft juristisch nicht mehr oder nur noch unter erheblich erschwerten Bedingungen vorgehen können und Kitas sollen auch in reinen Wohngebieten generell zulässig werden.

Ein paar Häuser von meinem Wohnhaus entfernt hat es die Bewohner eines Wohnblocks ganz hart getroffen (siehe Abbildungen). Im Erdgeschoss ist eine Kinderkrippe beheimatet. Die ungeliebte Kinderkrippe gibt also es nicht nur vor dem Haus, sondern auch im eigenen Haus. Das Erdgeschoss eignet sich prima dafür. Damit die Gören nicht auch noch im Hausflur lärmen und das Treppenhaus blockieren, hat man nun zwei zusätzliche Türen in die Außenwände eingesetzt. Da das Haus Neuperlach-typisch über Hochparterre verfügt, musste man auch noch zwei Treppen errichten. Schön sieht das alles nicht aus, was aber auch daran liegt, dass der gesamte Wohnblock mal saniert gehört.

Durch die künstliche, nachträglich vorgenommene Trennung zwischen der Kindereinrichtung und den übrigen Wohnungen werden also Beeinträchtigungen so gering wie möglich gehalten. Die Bewohner im ersten Stockwerk haben dank den dünnen Neuperlacher Deckenbetons sicher nicht mehr so viel Ruhe wie früher, aber hoffentlich die „Ruhe weg“, aber in den oberen Stockwerken dürfte die Einrichtung sich wie eine Art Black Box verhalten – da ist etwas, aber man kennt sein Inneres nicht und kriegt von dem Ganzen nicht viel mit.

Das Konzept, die Wohnungen im Erdgeschoss zusammenzulegen und in eine Kita mit eigenem Zugang umzuwandeln, könnte fallweise ein Modell für die Zukunft sein. Gerne, solange sie nicht das eigene Haus umbauen. Aber mal im Spaß: Mich stört Kinderlärm auch gelegentlich. Aber für mich ist es am wichtigsten, nachts Ruhe zu haben und schlafen zu können. Vor meinem Haus war ein Kindergarten, in dem es vormittags und mittags mitunter krakelenmäßig laut war. Dasselbe Gebäude wurde in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag regelmäßig für Privatpartys an Jugendliche und junge Erwachsene vermietet. Hier war bis zum Morgengrauen an Schlaf nicht mal zu denken. Man konnte nicht mal denken, an Schlaf zu denken. Dann doch lieber eine reine Kindertagesstätte. Und jetzt: Ruhe, bitte!

Kinderkrippe im Wohnblock
Der Wohnblock mit Kinderkrippe in der Totalen (16.01.2011) © Thomas Irlbeck
Kinderkrippe im Wohnblock
Etwas näher an der (Lärm?)quelle. Hier im Erdgeschoss ist die Kinderkrippe (16.01.2011) © Thomas Irlbeck
Kinderkrippe im Wohnblock
Einer der beiden zusätzlich errichteten Eingänge (16.01.2011) © Thomas Irlbeck
Kinderkrippe im Wohnblock
Und hier der zweite. Ist das Treppchen nicht schön elegant? (16.01.2011) © Thomas Irlbeck

Neunhundertzwölf

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912. So viele Bilder haben Franco und Manuel als Liebesbeweis an ihre Heimat gemacht. In einer vielleicht nie dagewesenen Vollständigkeit haben sie fast ganz Neuperlach (Nord, Nordost, Ost, Mitte) auf digitalem Film festgehalten. Neuperlach Süd – konkret alles südlich von der Putzbrunner Straße – wurde bewusst weggelassen, weil es sich vom übrigen Neuperlach architektonisch erheblich unterscheidet. Vielen Dank für die schönen Bilder, von denen ich erst einmal ein paar aus Neuperlach Nordost vorstelle. In Zukunft werden sicher hier immer wieder mal welche gezeigt.

Ein Blick aus luftiger Höhe auf das Marx-Zentrum und St. Monika. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach, 2010
Wohnanlage am Friedrich-Engels-Bogen. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach, 2010

(Bild entfernt)

Die großzügige Fußgängerzone im Marx-Zentrum mit Biergarten und einer weiteren Freischankfläche.

Neuperlach besteht aus Hochhäusern? Auch solche Einstöckigen gibt es in Neuperlach etliche. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach, 2010
Neuperlach ist der grüne Stadtteil Münchens. Es gibt nicht nur den Ostpark, sondern auch viele weitere Parks. Wie diesen hier am Karl-Marx-Ring. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach, 2010
Die Tennishalle in der Kurt-Eisner-Straße. Sie hat keine Stützen und wird nur durch Luft-Überdruck gehalten. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach, 2010
Schule an der Max-Kolmsperger-Straße (links), im Hintergrund eine Wohnanlage am Friedrich-Engels-Bogen. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach, 2010

Vorher – nachher: Unsere Trabantenstadt wird schöner

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Immer mehr Häuser in Neuperlach werden aufwändig saniert und erheblich verschönert. Neuperlach verliert nun langsam das Marode, kurz, seine hässliche Fratze. Letztes Jahr sah diese Wohnanlage in der Kurt-Eisner-Straße noch zum Fürchten aus:

Wer möchte hier an der Kurt-Eisner-Straße wohnen? Doch halt: Die Aufnahme ist vom letzten Jahr (Archivbild von 2009) © Thomas Irlbeck (Handycam)

Ein Jahr später ist aus den Häusern fast schon eine Augenweide geworden:

Einfach nur herrlich (22.08.2010) © Thomas Irlbeck

Die Sanierung ist optisch mehr als nur geglückt. Das hässliche Blaugrau wurde durch ein kräftiges Rot ersetzt:

Die letzten Arbeiten laufen. Die Anlage ist nicht wiederzuerkennen  (22.08.2010) © Thomas Irlbeck

Hier liegt zwar kein Vorher-nachher-Vergleich vor, aber diese Sanierung im benachbarten Haar scheint schon fast einem Neubau nahe zu kommen:

Unter anderem wurden die baufälligen Balkone abgebrochen und werden jetzt durch erheblich größere ersetzt (22.08.2010) © Thomas Irlbeck

Wer es nicht glaubt, dass der Häuserblock nicht gerade neu gebaut wird, sondern tatsächlich nur saniert wird, der lese die Sanierungsbeschreibung:

Die WSB-Bayern hätte lieber auflisten sollen, was nicht erneuert wird, dann wäre die Liste vielleicht kürzer ausgefallen (22.08.2010) © Thomas Irlbeck

Top 3 der Fußfallen und Langsamfahrstellen, die einen zur Raserei bringen

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Dumm gelaufen. Hier läuft nichts wie geschmiert, derjenige, der sich das ausgedacht hat, hat vermutlich ein Rad los. Im Folgenden werden die dümmsten Stellen für Fußgänger und Radler in Neuperlach präsentiert.

Platz 1 – Aufgespießt: die Schranke für Schlanke am Überweg Kurt-Eisner-Straße

Schön lang ist die Schranke, damit nur noch Schlanke durchpassen. Vermutlich sollen hier nicht nur Pkws an der Durchfahrt gehindert werden, sondern auch Radler ausgebremst werden. Damit hier niemand zu schnell durchradelt, hat man noch einmal eigens ein paar Zentimeter Rohr an die Schranke vorne drangeschweißt, damit die radelnden Raser am Lenker order Fahrradkorb sicher an der Schranke hängenbleiben. Der Durchgang ist so schmal, dass besonders vollschlanke Personen, überbreite Kinderwägen oder Rollstühle zum Teil kaum mehr durchpassen. Diese geniale Idee verdient 10 von 10 Punkten.

Durch dieses Nadelöhr müssen Fußgänger und Radler, wenn sie über das Neuperlacher Fußwegsystem Richtung U-Bahn Quiddestraße wollen oder von dieser kommen. Bei breiten Kinderwägen oder Rollstühlen kann dies schnell knapp werden. Links und rechts an der Schranke vorbei geht es auch, man muss aber dann über den Rasen, den man bestimmt nicht betreten darf. Außerdem ist es hier (zwischen Mülleimer und Stange) auch nicht viel breiter (11.01.2009). Foto (Handycam): Thomas Irlbeck
Die Schranke für Schlanke in voller Pracht (11.01.2009). Foto (Handycam): Thomas Irlbeck

Platz 2 – Zutritt nur für Astronauten: die Mondlandschaft im Marx-Zentrum

Als Park und Spielplatz war sie geplant, die riesengroße Dachterrasse auf der Mittelinsel im Marx-Zentrum. Die ersten Jahre war sie das auch, sie war noch mehr, der Stolz des Marx-Zentrum. Heute sind aber die Aufgänge mit Gittern zugesperrt, das Dach zur Mondlandschaft verkommen. Da immer wieder Personen das Dach betraten, hat man in den vergangenen Jahren in mehreren Etappen immer mächtigere Gitter angeschraubt. Viele Bewohner haben einen Blick ins Grüne. Bewohner im Marx-Zentrum haben dagegen einen Blick auf einen hässlichen Steinbruch. Dieser architektonische Wahnsinn reicht noch für 9,99 Punkte.

(Bilder entfernt)

Platz 3 – Nur für Katzen: dunkler Durchgang Plettstraße <–> pep

Tagsüber nicht schön anzuschauen, aber man sieht was. Nachts ist er es hier zappenduster, was den Vorteil hat, dass man nicht nur nichts sieht, sondern auch das Hässliche nicht mehr zu Gesicht bekommt (Archivfoto). Foto: Thomss Irlbeck

Zum pep geht es hier, und wieder zurück. Theoretisch. Leider hat man offenbar beim Ausräumen des ehemaligen Plett-Zentrum, das nur noch als Durchgang fungiert, auch die Lampen mitgenommen, denn die Betonruine ist nun völlig unbeleuchtet. Wer nicht zufällig eine Katze ist, kann den Durchgang bei Dunkelheit kaum noch benutzen. Dabei wollen viele diesen Durchgang benutzen, um im pep einzukaufen. Dem im näher gelegenen Quidde-Zentrum gibt es ja keine Lebensmittel mehr. Die Alternativroute führt über die Brücke der Albert-Schweitzer-Straße, was einen schönen Umweg bedeutet. Das ist 9,98 Punkte wert.