Angst an der Kasse

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Angst
Lizenz: Public Domain

Heute in einem Neuperlacher Supermarkt. Die Kassiererin steht auf einmal auf und unterbricht ihre Arbeit. Grund: Eine Insektenphobie. Es geht ihr nicht mehr besonders gut. Auf dem Kassenband sehe ich ein Insekt. Ich habe nicht genau erkannt, was es war, es war aber keine 2 cm groß. Der Kunde vor mir nimmt ein Stück Kassenbonpapier, zerdrückt das Tierchen und wirft es in den Abfall. Es kann wieder weitergehen. Die erleichterte Kassiererin entschuldigt sich noch mehrfach für ihre Insektenphobie.

Zigarettenkippen nicht vom Balkon werfen!

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Zigarettenkippen nicht werfen
Nein! (17.03.2018) © Thomas Irlbeck

Hinweis am Haus meiner Mutter an der Plettstraße. Es wird auf etwas hingewiesen, das eigentlich selbstverständlich sein sollte. Zigarettenkippen dürfen natürlich nicht über die Loggias, Balkone und Fenster entsorgt werden. Auch unten vor dem Haus ist es nicht erlaubt, Kippen einfach auf den Boden zu schmeißen.

Erstens ist es illegale Entsorgung giftigen Mülls, zweitens können durch noch glimmende Kippen Menschen verletzt und Brände ausgelöst werden. Der Hausmeister, der Besseres zu tun hat, muss außerdem die Kippen aufwändig entsorgen.

Die Mauer von Neuperlach – offener Brief an den Oberbürgermeister

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Die Neuperlacherin G. S. hat zum Thema „Mauer in Neuperlach“ an den Oberbürgermeister einen offenen Brief geschrieben. Neuperlach.org veröffentlicht diesen gerne.

Da eine Mauer erstens ein hässliches Signal gegen Flüchtlinge und Integration ist und zweitens auch noch der Satzung von Neuperlach widerspricht, die Neuperlach als Stadtteil der offenen Wege ausruft, positioniert sich Neuperlach.org gegen die Mauer. Der offene Brief gibt aber nicht zwangsläufig in allen Punkten die Meinung des Betreibers von Neuperlach.org wieder.

Herrn
Oberbürgermeister Dieter Reiter

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich kann mir als geborene Münchnerin, die seit 1970 in Neuperlach wohnt und auch gerne hier wohnt, diese Zeilen leider nicht verkneifen.

Es geht, wie könnte es anders sein, um unsere Mauer!

Wie kann es sein, dass München, das ja im letzten Jahr die Willkommensstadt schlechthin war und für die Flüchtlinge, für Integration und für ein friedliches Miteinander stand, jetzt so auf den Widerstand von 7 (!) Anwohnern reagiert? Dass München wegen dieser nicht mal 2 Händen voll Anwohner, deren Häuser übrigens weit genug von dem Gelände entfernt stehen, so einknickt? Warum kann man da nicht genauso viel Rückgrat und Tatkraft beweisen wie vor einem Jahr?

Gerade in Neuperlach funktioniert übrigens das Multikulti-Miteinander sehr gut. Ich selbst bin mit 8 Jahren hier mit meinen Eltern von Trudering nach Neuperlach gezogen und bin seit dieser Zeit mit ausländischen Bürgern, die hier leben, aufgewachsen, zur Schule gegangen, arbeite mit ihnen Seite an Seite. Auch meine Kinder sind hier so aufgewachsen. In einem Miteinander mit ausländischen Kindern und mit einer Selbstverständlichkeit, die es sonst glaube ich nirgends in München so gibt. Und dann so etwas! Das ist weder mein München noch mein Neuperlach!

Sicherlich hat Neuperlach zeitweise auch einen schlechten Ruf gehabt, auch wegen „Mehmet“ in den 1990-ern. Doch das sind Ausnahmen. Da hat Neuperlach ganz andere Probleme und Konflikte, z.B. die Methadon-Praxis und damit die Drogensüchtigen im Marx-Zentrum sowie an der Quiddestraße. Und das seit vielen Jahren. Davor haben auch viele Bürger Angst. Aber da wird nichts getan, darüber regt sich keiner auf.

Es ist auf jeden Fall ein absolutes Armutszeugnis für die Stadt München, dass sie dem Wunsch – der Klage von sieben Bürgern, denen mehr als 100.000 Einwohner von Neuperlach gegenüberstehen – nachgibt. Diese Bürger haben offensichtlich keine Kinder und kein Herz für andere und sind offensichtlich auch schon erwachsen zur Welt gekommen, sonst würden sie nicht so reagieren. Und die Befürchtung von zu viel Lärm halte ich nur für eine Ausrede, da es ja auch noch gar keinen Lärm gibt, den die Mauer abhalten könnte. Es ist offensichtlich nur ein Mittel zum Zweck, um ans Ziel zu kommen. Nämlich gar keine Flüchtlinge hier zu haben.

Mir bleibt hier nichts anderes übrig, als mich fremdzuschämen – für München, diese Anwohner und diese Menschen, die auf Facebook rassistische und fremdenfeindliche Kommentare veröffentlichen.

Lieber Herr Oberbürgermeister, mich würde interessieren, was Sie persönlich dazu sagen, denn nach dem, das Sie letztes Jahr bei der Flüchtlingszuwanderung getan und gesagt haben, kann das kaum in Ihrem Interesse sein.

Mir bleibt hier nur noch zu sagen: „Die Mauer muss weg!“

G. S.

Neuperlach: Die dämlichste Mauer der Welt

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Sie wird höher als die Berliner Mauer. Derzeit entsteht in Neuperlach Süd eine Lärmschutzwand, welche die Anwohner vor den Geräuschemissionen der Flüchtlinge schützen soll. Oder etwas weiter gefasst: Es wird eine Wand gebaut, die die Anwohner vor den Flüchtlingen bewahren soll. Die Lärmquelle ist die Flüchtlingsunterkunft an der Nailastraße, in der 160 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einziehen sollen. Ironisch gedacht werden die Flüchtlinge vor den Anwohnern geschützt.

Was wird aus unserem Stadtteil, der laut Satzung der „Stadtteil der offenen Wege“ ist, in dem Mauern und Zäune nur in besonderen Ausnahmefällen, etwa bei einem einem Kindergarten, genehmigt werden dürfen?

Und, noch schlimmer, was ist aus der Willkommenskultur geworden, fragt sich Jens Krumpholz:

(Link: YouTube)

Mehr zum Thema:

Spiegel: Mauer soll vor Flüchtlingslärm schützen

Jetzt Petition gegen die Mauer unterschreiben!

Süddeutsche Zeitung: Satire-Aktion an der Mauer in Perlach erzürnt Anwohner

Abendzeitung: Die Mauer kostet wohl 200.000 Euro

Abendzeitung: Vandalen haben in der Nacht auf Donnerstag Parolen an Häuserfassaden in unmittelbarer Nähe zur umstrittenen Mauer in Neuperlach geschmiert. Polizeischutz, Fotoverbot und emotionale Statements – der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach diskutiert den Hype um die Schallschutzmauer

Focus: Gastbeitrag von Jens Krumpholz: Ein Bollwerk der Unmenschlichkeit

Die Namen der Spender

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Demenz
Lizenz: Public Domain

Ich habe kürzlich einmalig 50 Euro an einen Demenzverein gespendet (den genauen Namen des Vereins vergessen wir mal – Datenschutz). Nun habe ich eine Spendenbescheinigung erhalten.  „Vielen Dank für Ihre großzügige Spende“ heißt es auf der beigelegten Postkarte. Hmm, so großzügig war das doch auch wieder nicht. Aber das ist halt wohl eine Standardformulierung. Sehr Merkwürdig ist aber die Spendenbescheinigung, auf der Folgendes steht

Betrag: 2.000,00 €, in Buchstaben: –zweitausend–

Ähhh? Sicherheitshalber habe ich noch einmal meine Kontobewegungen angeschaut. Es wurden korrekt 50 Euro abgebucht. Offenbar hat man hier vergessen, wer nun genau wie viel gespendet hat.

Angerufen, es meldet sich trotz regulärer Sprechzeiten nur ein Blechtrottel. Name und Nummer zweimal deutlich auf Anrufbeantworter aufgesprochen und um Rückruf gebeten. Leider erfolgte kein Rückruf, er wurde wohl vergessen.

Update 15.08.2016: Inzwischen ist alles gut geworden. Es wurde doch noch zurückgerufen und alles korrigiert.

Nicht jeder Umzug ist erfreulich

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Neues Zuhause
Neues Zuhause. Foto: Thomas Irlbeck

Meine Mutter musste tragischerweise ins Pflegeheim. Nachsendeauftrag erteilt, Post geht nun an mich. Auch wenn die Deutsche Post das nicht so direkt weiß, wirkt diese an meine Mutter zugestellte Sendung „Unser Einzugsgeschenk für Sie – Trends, Tipps und Tests für Ihren Neustart. Frische Ideen für drinnen & draußen“ irgendwie unpassend.

Todsünde #2 – Geiz und Habgier (Update 19.01.2015)

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Charlie Hebdo
Charlie Hebdo. Immerhin ist der Versand bei den 499 EUR inklusive.  9 verfügbar, 1 verkauft

Die neue Ausgabe von Charlie Hebdo ist sicherlich das derzeit weltweit bekannteste Heft. Nach dem schrecklichen Attentat in Paris hat der Verlag statt 60.000 gleich 3 Millionen Exemplare gedruckt. Doch nach wenigen Minuten war das Heft an vielen Verkaufsstellen bereits ausverkauft.

Nach Deutschland kam das Heft am Samstag, den 17.01.2015. Statt wie sonst üblich 90 (sic!) Exemplaren sollte eine fünfstellige Anzahl ausgeliefert werden – in Deutsch.

Update

Es ist nun doch keine deutschsprachige Ausgabe geplant. Statt 16 Sprachen sind nur noch fünf vorgesehen, darunter Englisch. In Deutschland wird die französischsprachige Ausgabe verkauft. Das konnte den Ansturm aber nicht bremsen, auch in Deutschland war das Heft nach wenigen Minuten ausverkauft.

Die Gier

Kein Attentat ist aber so schlimm, dass es nicht die Gier ausblendet. Wie sonst ist es zu erklären, dass Händler Bestände aufkaufen und dann die Hefte für bis zu 499 EUR (oder vielleicht sogar mehr, wer weiß) das Stück zum Sofortkauf auf eBay anbieten? Statt 3 EUR. Ein Gewinn von rund 17.000 Prozent. Auch wenn keiner gezwungen ist, solche Wucherpreise zu zahlen, ist es für mich Geld, an dem Blut klebt. Denn ohne das Attentat hätte dieser Gewinn nicht gemacht werden können, damit profitieren die Geschäftemacher von dem unfassbaren Leid. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Händler das Geld für die Angehörigen der Opfer spenden.

Wer das Heft haben will, sollte warten. Der Verlag will noch mal 2 Millionen drucken. Und er will so lange nachdrucken, bis jeder sein Heft hat. Auch ohne unseriöse Händler.

Tipp/Update: E-Paper kennt keine vergriffenen Auflagen

Die aktuelle Ausgabe von Charlie Hebdo gibt es auch als App für iPhone, Android und Windows Phone in den offiziellen Stores. Als Sprachen stehen Französisch, Englisch und Spanisch zur Verfügung. Der Preis liegt bei 2,99 EUR bzw. 3,00 EUR. Erfolgreich herunterladen statt erfolglos anstehen – das kann die Lösung sein. Wenn man mit der französischsprachigen Ausgabe nichts anfangen kann, bekommt dann auf diese Weise auch garantiert eine englischsprachige Ausgabe: „All is forgiven – I am Charlie“ steht auf dem Cover.

Der Absturz

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Den Eingang zu meinem schönen (9-stöckigen) Haus zierte heute Nachmittag ein abgestürzter, heruntergeworfener oder hingeworfener Blumentopf:

Abwurf Blumentopf
Armer Blumentopf (21.04.2012)
Abwurf Blumentopf
Näher dran (21.04.2012)
Freiluft-Müllschlucker
Freiluft-Müllschlucker

Sollte der Blumentopf abgestürzt sein und vom Bewohner nicht bemerkt worden sein, dann bleibt nur ein „Ja, mei!“. Wenigstens wurde offenbar kein Mensch getroffen. Vielleicht ging ja nachts ein kleiner Wind. Ansonsten bliebe anzumerken, dass erst vor kurzem meine Hausverwaltung zu mehr Ordnung aufgerufen hatte (Neuperlach.org berichtete). Im Schreiben wird genau erklärt, was man nicht von der Loggia herunterwerfen darf. Von Blumentöpfen steht da aber nichts :D:

„Entschuldigung“

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Zugeparkt
Ziemlich schlecht geparkt. Hier kommt man zumindest mit Mühe noch durch. Das Bild zeigt keine Szene aus dem Artikel, sondern dient rein der Illustration. Foto: Michael_Lehet / Lizenz siehe: flickr

Vorhin fuhr ich in Neuperlach mit dem Rad, natürlich auf dem benutzungspflichtigen Radweg. Ein Taxi stand halb auf dem Radweg, halb auf dem Bürgersteig. Ein Ausweichen war kaum möglich, weder auf die Fahrbahn noch auf den Bürgersteig, noch auf den Grünstreifen. Es war verdammt eng. Nur mit Mühe kam ich mit durch und musste kurz stehenbleiben.

Ein Meckern bringt in diesem Fall erfahrungsgemäß wenig, meist hat dies nur eine heftige Gegenreaktion zur Folge. Ich war leicht genervt. Der Taxifahrer kurbelte die Scheibe herunter und rief ein unglaubliches Wort, das ich schon lang nicht mehr gehört habe: „Entschuldigung“. Im ersten Moment dachte ich, er wolle etwas fragen, doch erst dann begriff ich, der will sich entschuldigen. Ansätze von Aggressionen meinerseits waren augenblicklich verschwunden.

Manche Probleme im Straßenverkehr würden gar keine sein oder zumindest nicht eskalieren, wenn die Leute sich entschuldigen würden, statt nach einem Fehlverhalten auch noch den Stinkefinger zu zeigen oder A… zu rufen. Klar, dass ein verlassenes Fahrzeug, das den Weg blockiert, sich nicht entschuldigen kann, es sei denn, es ist KITT aus Knight Rider.

Freiluft-Müllschlucker

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Freiluft-Müllschlucker
Freiluft-Müllschlucker

Traurig, dass solche Schreiben einen tatsächlich gegebenen Anlass haben (Neuperlach.org berichtete). Es werden Selbstverständlichkeiten erklärt. Der außer Betrieb genommene Müllschlucker ist keine Rechtfertigung, nun einen Freiluft-Müllschlucker auf der Loggia zu simulieren.

Düfte ziehen an: Steigerung der Besucherzahlen

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Die Pergola wurde vom Spielplatz entfernt (Neuperlach.org berichtete), aber leider nicht die Mülltonnen. Diese werden wohl noch ein paar Monate stehen bleiben. Einzige Ausnahme: Wenn die Tonnen geleert werden, werden sie kurzzeitig entfernt. Man schaue sich den Betrieb auf der Rutsche an: So unglaublich es klingt, aber der Spielplatz wurde früher nur selten benutzt. Seit die stinkenden Mülltonnen dort stehen (seit knapp einem Jahr), sehe ich nun aber immer wieder dort Kinder spielen. (Bild entfernt)

Zwei mögliche Erklärungen:

  • Da die Bewohner dort ihren Müll entsorgen müssen, gerät ins Bewusstsein, dass es in der Wohnanlage überhaupt einen Spielplatz gibt, und man schickt die lieben kleinen Gören zum Spielen dort hin. (Der Spielplatz liegt in einem Bereich, den man eventuell sonst gar nicht zu Gesicht bekommt, wenn man nur die Haupteingänge der Häuser benutzt, die auf der anderen Seite der Wohnanlage liegen.)
  • Es liegt eine Täuschung vor, die Spielplätze werden gar nicht häufiger benutzt. Man schaut nur genauer hin und prüft, ob Kinder diese unwürdige Umgebung aufsuchen. Früher hätte man die Kinder gar nicht bemerkt, da man dann nicht gezielt darauf achten würde.

Welche Erklärung stimmt? Oder ist es eine Mischung aus beiden Erklärungsversuchen?

Eigentümerversammlung – die Panne

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Mülltonnenaufzug außer Betrieb
Die Mülltonnenaufzüge sind außer Betrieb. Die Mülltonnen stehen seit knapp einem Jahr auf dem Spielplatz (Archivbild von 2011) © Thomas Irlbeck

Seit fast einem Jahr stehen in meiner Wohnanlage die Mülltonnen im Freien, genauer auf dem Spielplatz. Der Grund dafür ist, dass der TÜV die Mülltonnenaufzüge wegen Sicherheitsmängeln stillgelegt hat, entsprechend können die Tonnen nicht mehr von den Müllträumen im Keller an die Oberfläche transportiert werden. Aus dem gleichen Grund sind auch die Müllschlucker stillgelegt – der Müllabwurfschacht endet im Keller, und das wäre dann Endstation für den Müll (Neuperlach.org berichtete). Doch das Hauptmerkmal von Sanierungsvorgängen ist: Sie dauern lange und länger. Nur die Ewigkeit im christlichen Glauben währt länger fort. Immerhin hat man im Juli letzten Jahres eine Neuerrichtung der Mülltonnenaufzüge beschlossen. Ebenso wurde ein Beschluss gefällt für eine Abdichtung der Müllschlucker-Einwurfklappen und den Einbau einer Sprinkleranlage im Müllraum – jeweils exklusiv nur im Haus 58, weil dieses als echtes Hochhaus gilt und die aktuellen Sicherheitsvorschriften das jetzt für Hochhäuser vorschreiben. Doch bis heute laufen keine Bauarbeiten. Der Knackpunkt ist jetzt, dass alle Unternehmen, die bei der Ausschreibung ein Angebot abgaben, deutlich den Kostenrahmen sprengten – genauer um 25.000 EUR beim niedrigsten und damit favorisierten Angebot. Daher wurde zu einer außerordentlichen Eigentümerversammlung eingeladen, um eine Nachgenehmigung für diese 25.000 EUR einzuholen. Bei dieser Gelegenheit sollten auch ein paar weitere Punkte besprochen werden.

Als ich pünktlich um 17:30 eintreffe, sind weit weniger Eigentümer anwesend, als es sonst üblich ist. Die Versammlung wird eröffnet und sofort wieder geschlossen. Das ist aber ein bekanntes Ritual, das ich bislang noch immer erlebt habe. Denn die erforderliche Anwesenheitsquote wird auch bei besser besuchten Eigentümerversammlungen kaum erreicht. Aber es gibt ja dann die zweite Versammlung nach einer Wartefrist von einer halben Stunde. Bei dieser ist man dann auf jeden Fall beschlussfähig, unabhängig davon, wie viele Eigentümer noch eintreffen. Es kommt jedoch zwischen 17:30 und 18:00 fast niemand mehr. Ich gehe davon aus, dass der Grund darin liegt, dass die meisten die heutige Versammlung als reine Formsache ansehen und sie das Thema schon anödet. Ich sollte falsch liegen, was das Nichterscheinen anbelangt, wie sich später noch herausstellen wird.

Kostensteigerung bei den Mülltonnenaufzügen

Die Versammlung wird dann um 18:00 eröffnet. Ich erfahre den Grund, warum das Ganze teurer wird. Zu einem geringen Teil liegt es daran, dass Aufzüge allgemein teurer geworden sind. Zu einem großen Teil ist die Ursache aber darin zu suchen, dass man beim Korrosionsschutz nachbessern will. Schließlich sollen die Plattformen der Müllaufzüge nicht schon nach zwei Jahren ein Opfer des Rosts werden. Im Raum regt sich kaum Widerstand. Die Erhöhung des Kostenrahmens wird schließlich einstimmig genehmigt. Nun also können die Arbeiten beauftragt werden. Wohl noch im Sommer wird der Zustand, dass die Kinder neben den Mülltonnen spielen, endlich beendet.

Pergola – ohne ist man noch weniger zufrieden

Ein weiterer Punkt ist die Pergola. Diese wurde inzwischen entfernt, da sie nicht mehr zu retten war. Ein Eigentümer wählt sehr deutliche Worte, dass die Parkanlage ohne Pergola nun sehr schlimm aussehe. Die Verwalterin weist darauf hin, dass im Dezember letzten Jahres ausdrücklich nur die Entfernung der Pergola beschlossen wurde, ein Neubau der Pergola jedoch abgelehnt wurde. Der Eigentümer kann sich die Bemerkung nicht verkneifen, er habe ja für einen Neubau gestimmt. Die Verwalterin schlägt vor, er solle einen Antrag auf Neuerrichtung einer Pergola einreichen, im Dezember könne dann bei der regulären Eigentümerversammlung darüber abgestimmt werden. Ein weiterer Eigentümer weist noch darauf hin, dass ja auf dem Nachbargrundstück ein Bauvorhaben umgesetzt werde und eine optische Abgrenzung daher umso wichtiger sei.

Zustand vor der Demontage

Pergola
Der Zustand der Pergola … (Archivbild von 2011) © Thomas Irlbeck
Pergola
… ist so schlecht, dass da … (Archivbild von 2011) © Thomas Irlbeck
Pergola
… nichts mehr zu retten war (Archivbild von 2011) © Thomas Irlbeck

Vorher vs. nachher

Betrieb auf dem Mülltonnenspielplatz
Vorher: Mülltonnenspielplatz mit Pergola (Archivbild von 2011) © Thomas Irlbeck

Ohne Pergola sieht die Parkanlage aber auch nicht schöner aus, ganz im Gegenteil:

Mülltonnenspielplatz ohne Pergola
Nachher: Mülltonnenspielplatz ohne Pergola (16.03.2012) © Thomas Irlbeck
Ohne Pergola
Der traurige Rest der Pergola (16.03.2012) © Thomas Irlbeck

Dreckspatz in der Wohnanlage – Müllabwurf von der Loggia

Und es soll noch einen Aufreger geben: Frau B. (Name geändert), die in einem Stockwerk ziemlich weit unten wohnt, berichtet davon, dass mindestens ein Bewohner Zigarettenkippen, Obstreste und weiteren Müll einfach von der Loggia werfe. Diese Abfälle würden in ihrem Blumentrog landen, den sie als Kräutergarten nutze. Diese Verwendung sei nun nicht mehr möglich. Selbst eine Damenbinde habe sie schon bei der Ernte gefunden. Der Täter sei bislang nicht zu lokalisieren. Die Verwalterin schlägt vor, per Rundschreiben alle Bewohner zu Ordnung und Anstand aufzurufen. Aber ob das reicht? Nach kurzer Überlegung verkneife ich mir den Vorschlag, eine Überwachungskamera anzubringen. Frau B. wirft auch mir einen Blick zu. Ob sie mich in Verdacht hat? Ich rauche nicht und auch hält sich mein Verbrauch an Damenbinden als Mann eher in Grenzen. Ein Eigentümer meint, mit der Wiederinbetriebnahme der Müllschlucker im Sommer werde sich die Situation wieder verbessern. Er kann damit nicht überzeugen, es gibt Widerspruch im Raum. Wer einen fehlenden Müllschlucker als Freibrief sieht, den Müll nun von der Loggia zu werfen, der hat generell ein Defizit.

Die Panne

Kurz vor dem Ende der Versammlung kommt unerwartet Besuch. Die Person berichtet, sie habe beobachtet, dass sich vor der Kirche (die Versammlung findet immer in der Kirche statt) ein Grüppchen von Leuten gebildet habe, die dann wieder abgezogen seien, da sie wegen verschlossener Türen nicht in die Kirche gelangen konnten. Darunter sollen Eigentümer gewesen sein, die dann wieder nach Hause gegangen seien. Es wird vermutet, dass ein Kirchenmitarbeiter die Außentüre irgendwann zwischen 17:30 und 18:00 abgesperrt hat, da ihm wohl entgangen war, dass im Versammlungsaal getagt wurde. Tatsächlich fehlten zahlreiche Gesichter, die man sonst bei jeder Versammlung sah. Nach meinem Verständnis können die betroffenen Eigentümer den Beschluss in puncto Mülltonnenaufzüge nun anfechten, trotz Einstimmigkeit. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass jemand Gebrauch davon macht, da es keine Alternative zum Beschluss gibt. Die ausgesperrten Eigentümer werden es wohl mit Humor nehmen (müssen).

Was wirklich hinter Wulffs Kredit- und Mailboxaffäre steckt (2. Update)

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Gestern protestierten etwa 400 Demonstranten vor dem Amtssitz des Bundespräsidenten Christian Wulff. Sie hielten einer arabischen Tradition nach Schuhe hoch, um ihren Ärger und ihre Verachtung dem Bundespräsidenten gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Sie fordern den Rücktritt des Präsidenten, dem eine Reihe von Verstößen vorgeworfen werden – Ungereimtheiten bei seiner Hausfinanzierung sowie Drohanrufe bei Redaktionen, um eine unliebsame Berichterstattung zu verhindern. Manche sehen da einen Angriff auf die Pressefreiheit.

Christian Wulff - "Shoe for you, Mr. President!"
„Shoe for you, Mr. President!“. Ob Wulff das mit dem Ausspruch „Der Islam gehört zu Deutschland“ so gemeint hat, dass diese Tradition nun auch bei uns heimisch geworden ist? Foto: spreelichter.info / Lizenz siehe: flickr

Inzwischen breiten sich diverse Verschwörungstheorien aus, warum Wulff aus dem Amt gedrängt werden soll. Eine davon ist diese:

(Link: YouTube)

Kurz zusammengefasst hat sich Wulff in der Vergangenheit kritisch zum Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) geäußert. Es wird spekuliert, er könne einem möglicherweise verfassungswidrigen Vertrag zum permanenten Rettungsschirm die Unterschrift verweigern. Nun soll ihm mit der derzeit laufenden Enthüllung eine Lehrstunde erteilt werden, wie schnell man aus dem Amt fliegen kann. So soll der Präsident gefügig gemacht werden.

Selbst wenn da was dran wäre, was würde es bringen? Der Autor der Verschwörungstheorie will Wulff weiter im Amt sehen. Wenn Wulff nun den ESM-Vertrag unterschreibt, weil er nun keinen Widerstand mehr leisten darf, was ist dann gewonnen? Und warum soll er erst jetzt abgeschossen werden, wo er doch schon länger dazu schweigt und offenbar auf dem richtigen Kurs ist, den die dunkle Macht in Gestalt der internationalen Finanzwelt und der Europakommission fordert?

Verweigert Wulff seine Unterschrift und tritt dann ggf. doch noch zurück, würde man dies vor allem auf die laufende Affäre schieben, nicht auf sein Gewissen in puncto Verfassungstreue. Also wäre dies zumindest ein Ablenkungsmanöver, meint der Verschwörungstheoretiker.

Warum kann die viel einfachere Erklärung – Mitnahmementalität und menschliche Schwächen, die sich z.B. in Wutranrufen, unter anderem bei einer Redaktion, zeigen – nicht wahr sein? Warum muss da immer eine Verschwörung einer unheimlichen Macht dahinter stecken? Weil es interessanter ist. Wer will schon die triviale Erklärung hören, dass einer lediglich ein cholerischer Schnorrer sein soll? Findet sich mancher, der Theorien dieser Art aufstellt oder diese glaubt, vielleicht sogar selbst in seinem eigenen Charakter beschrieben und damit angesprochen? Dann muss es ja eine andere Wahrheit geben, der Bundespräsident kann ja nicht so sein wie man selbst, der ist größer und wichtiger…

Update: WulffPlag rekonstruiert Mailbox-Abschrift von Wulffs Anruf bei BILD

Guttenplag diente noch dazu, Plagiatsstellen in der Doktorarbeit eines Ausnahmepolitikers zu finden. Dann kamen weitere Plags dazu, die sich ähnlichen Aufträgen verpflichtet fühlten. Es ging immer um Plagiate.

Jetzt aber gibt es „WulffPlag“. Dieses Projekt hat einen ganz anderen Zweck. Es versucht, Wulffs umstrittene Mailboxnachricht, die er beim BILD-Chefredakteur Kai Diekmann hinterlassen hatte, anhand bereits bekannter Bruchstücke zu rekonstruieren:

Zur rekonstruierten Abschrift in WulffPlag

Inzwischen hat man bereits einen schönen Teil zusammenbekommen, wie ich finde. Was es nicht alles nicht gibt!

Hinweis: Der Link zur Abschrift-Rekonstruktion führte seit kurzem zu einer leeren Seite, wodurch der Eindruck entstanden sein könnte, das Projekt wäre eingestellt worden. Dies ist aber nicht der Fall, allerdings hat sich die Adresse geändert. Sie wurde nun repariert.

Man spricht Deutsch

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Gerade erlebt: Eine Frau läuft auf dem Neuperlacher Fußwegsystem und redet ziemlich laut in ihr Handy. Es ist kein Deutsch, das da zu vernehmen ist. Ein Herr läuft wenige Meter entfernt von ihr und gibt lautstark von sich: „((Fluch, zensiert.)) In Deutschland wird Deutsch geredet!“.

Es wäre mir neu, dass es dafür eine Verpflichtung gäbe.

Einem geschenkten Gaul schaut man doch ins Maul

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Wenn es etwas zu verschenken gibt, das auch noch voll funktionsfähig ist, sind die Leute normalerweise nicht zu halten. Man gibt eine Anzeige auf und dann bereut man das sehr schnell, weil tagelang das Telefon nicht mehr sillsteht. Ein normales Leben ist dann vorerst nicht mehr möglich.

Da der alte große Röhren-TV nicht mehr zeitgemäß ist, musste nun ein Flachbildschirm her, noch größer, natürlich Full-HD mit viel Schnickschnack. Sogar Videos und Fotos, die auf einer PC-Festplatte rumliegen, lassen sich per WLAN abspielen. Die Talksendung Günther Jauch gibt es jetzt erheblich schärfer, was aber die Sendung auch nicht rettet.

Das alte Gerät, das sauschwer ist, muss weg. Ich gebe in einer bekannten Zeitung eine Anzeige in der Rubrik „Zu verschenken“ auf und weise darauf hin, dass man ein voll funktionsfähiges Gerät bekommt und dass alles komplett ist: Fernbedienung, Bedienungsanleitung. Nur abholen muss man es selbst.

Doch das Telefon klingelt insgesamt keine 10-mal. Die Leute fragen, ob es sich um einen Flachbildschirm handele. Sie zeigen sich enttäuscht, dass es ein Röhrengerät ist. So was will heute niemand mehr, nicht mal geschenkt und vielleicht auch dann nicht, wenn man noch 50 EUR und einen Gutschein für einen Billigurlaub auf Mallorca drauflegt. Ein paar der Anrufer haben erstaunlicherweise dann doch geringere Ansprüche. Sie wollen das Gerät. Die Welt ist noch nicht verloren. Doch sie kommen nicht zum vereinbarten Termin, sagen auch nicht ab. Dann erscheinen doch zwei Interessenten. Einer ist mindestens 60, der andere um die 80. Sie heben das Gerät unter Einsatz aller Kräfte kurz an und winken dann ab. Sie wollen es doch nicht, wahrscheinlich wegen des hohen Gewichts, aber so was gibt man natürlich nicht zu.

Da niemand mehr anruft, gebe ich als letzte Rettung eine „kostenlose Kleinanzeige“ bei einem großen Onlineauktionshaus auf. Gleich nach Aufgabe schrillt das Telefon. Eine Frau will ihn unbedingt. Sie kommen sofort, zwei Frauen, eine mit Kind am Arm. Dann passiert was Unglaubliches: Sie ziehen mit dem Gerät ab, das Kind trägt Fernbedienung und Anleitung. Weitere Anrufe hat es nicht mehr gegeben. Ist aber egal, weg ist weg. Ich entferne die Anzeige wieder und kreuze als Grund für die Deaktivierung an: „war erfolgreich“. Gerne hätte ich angekreuzt, dass es heutzutage gar nicht mehr so einfach ist, was zu verschenken. Aber so eine Option gibt es nicht.

Unlogisch logisch

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Vorher auf dem Postamt am pep: Kundin geht mit Abholkarte zum Schalter. Die Mitarbeiterin kommt mit einem riesigen Paket in Metergröße aus dem Lager und sagt, es sei groß und schwer. Die zierliche, kleine Kundin entgegnet: „Ich habe eigentlich mit nem Brief gerechnet“. Mit ätzender Logik, aber freundlich, widerspricht die Mitarbeiterin und zeigt auf die Abholkarte: „Ne, hier steht doch ‚Paket'“.

Ins Blut übergegangen – wenn nicht nur der Arzt gewechselt wird (und was das alles mit der Mark zu tun hat)

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In Neuperlach gibt es mehrere Ärztehäuser. Wie in einem vollklimatisierten Einkaufszentrum kann man die verschiedenen Fachabteilungen wechseln, ohne sich Kälte und Regen auszusetzen. Hier links im Bild: das Ärztehaus im Marx-Zentrum. Statt der Kasse am Ausgang gibt eine eingebaute Apotheke, um den Arztbesuch erfolgreich abzuschließen (Archivbild). Foto: Thomas Irlbeck

Im Leben gibt es immer mal wieder Schnitte. Speziell auch dann, wenn es um Medizin geht. Seit 35 Jahren bin ich in derselben Neuperlacher Allgemeinarztpraxis Patient. Schon als etwa 10-Jähriger wurde ich dort betreut. Nun aber habe ich den Arzt gewechselt. Es ist ein komisches Gefühl, da gewisse Dinge einfach immer schon so waren. Manchmal vollzieht sich aber Erstaunliches.

CDU/CSU und FDP sind auf einmal nicht mehr vorbehaltlos für Kernkraft, sondern nun eher gegen Atomkraft. Der Vorsitzende der Freien Deutschen Partei ist plötzlich nicht mehr laut, humorlos, arrogant und selbstgefällig, sondern leise, witzig, freundlich, Bauchredner, Findelkind und Arzt, um den Kreis wieder zu schließen.

Helmut Kohl
Helmut Kohl. Vater der Einheit, des Euro und des Saumagens. Nicht nur das Denkmal, sondern auch dessen Dekoration hat Risse bekommen. Foto: springfeld / Lizenz siehe: flickr

Oft ist eine Zäsur hart. Lange Zeit kann man den Wechsel kaum glauben. Als der Dicke nach 16 Jahren weg war, mussten sich viele Leute immer wieder frühmorgens zwicken. Kein Traum: Der Pfälzer hatte tatsächlich den Thron freigemacht. Dabei wollte doch Kohl Hauptstadt bleiben (so ein Titel des Titanic-Magazins). Zehn Jahre Guidomobil an der Spitze sind auch eine Menge, wenngleich das „mobil“ schon längst Vergangenheit ist und nur der erste Namensbestandteil unherreist, innen FDP-Chef und außen Minister. Nicht immer schafft ein Oldie den Absprung rechtzeitig. Gelegentlich muss dem Alten nachgeholfen werden. Manche Dinge verschwinden aber auch von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Die Polaroid-Kamera ist ein Beispiel dafür, das sich technisch überlebt hat, aber dennoch so viele Fans hat, dass Wiederauferstehungen angestrebt werden. Auch der Commodore 64 soll wieder mal reaktiviert werden, wenngleich mit erheblich besseren technischen Merkmalen als anno dazumal ausgestattet werden. Solche Retro-Reinkarnationen geben nicht nur einen gewissen Halt in einer sich stetig in immer schnellerem Wandel befindlichen Welt, sondern holen vor allem alte Erinnerungen hervor, als die Welt scheinbar noch in Ordnung war. Aber nur scheinbar – 1982, als der Commodore 64 auf den Markt gebracht wurde, wurde eine andere, bereits erwähnte Marke eingeführt: die kohlsche Endloskanzlerschaft, einschließlich geistig-moralischer Wende, der später die Abschaffung der geliebten Mark folgte und noch später eine Kanzlerin aus der Ucker-Mark. Auch Helmut Mark-Wort mit seinen markigen „Fakten, Fakten, Fakten“ verschwand aus dem FOCUS. Dabei war er eine Institution, da sein Blättchen laut Marketing schneller auf den Punkt kam.

Die Mark äh Macht der Gewohnheit wird dann gewaltig, wenn erst einmal etwas in Fleisch und Blut übergegangen ist. Ich werde wohl mitzählen müssen, wie oft ich den gewohnten Weg nehmen und dann fast oder ganz in meiner alten Allgemeinarztpraxis landen werde. In solchen Fällen einer bis ins Mark peinlichen Situation wünscht man sich eine Tarnkappe. Deren Erfindung (Prototypen gibt es bereits) wird der nächste große Schnitt (Schritt) sein. Schnittig!

Immer schön freundlich! Piep!

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Bäckerei
Täglich Brot. Foto zur Illustration, es zeigt ausdrücklich nicht die im Text erwähnte Bäckerei. Foto: Jens-Olaf / Lizenz siehe: flickr

Neuperlach, München, Bayern, ach was, ganz Deutschland ist inzwischen eine gut ausgestattete Serviceoase, keine Sahara-ähnliche Un-Welt mehr. Gerne kaufe ich im Supermarkt gleich am Eingang Backwaren, die sich eigentlich Aufbackwaren schimpfen sollten. Egal, man gewöhnt sich daran. In letzter Zeit ist der Platz hinter dem Tresen aber auffallend oft verwaist. Nach einer Höflichkeitsminute kann man ja auf die Klingel drücken, wenn diese nicht inzwischen entfernt worden wäre. Denn zu viel Service ist auch nicht gut, weil es die Kunden verdirbt. Ich warte viele, viele Minuten. Einige Kunden, die nach mir kamen, haben den Laden schon wieder entnervt verlassen, die Konkurrenz in den benachbarten Läden freut sich. Früher standen hier zwei Verkäuferinnen in Lohn und Brot, die wechselseitig Pausen und das Annehmen von Lieferungen hinter den Kulissen kompensierten. Das fiel aber offenbar dem Rotstift zum Opfer.

Endlich menschelt es, die Verkäuferin taucht wie aus dem Nichts auf und begrüßt mich mit dem zeitsparenden und stimmbandschonenden „Was?“, der praktischen Kurzform für „Grüß Gott! Was darf ich Ihnen denn bitte geben?“. Es geht alles schnell. Die Waren werden alle in eine Tüte gestopft, auch der Kuchen, der keinen Druck verträgt und so schnell mal die Hälfte seiner ursprünglichen Höhe einbüßt. Macht gar nichts, denn beim Essen und der Verdauung später wird der Kuchen ja ohnehin zersetzt und das Auge muss ja nicht immer mitessen. Der Preis wird gerufen, ohne Berücksichtigung der Eventualität, dass ich mich vielleicht mit dem Wunsch nach zusätzlichen Waren weiter selbst kasteien möchte. Vielmehr wird bereits der nächste Kunde ausgepeitscht. Auch bei diesem bekommt es die Verkäuferin nicht so wirklich gebacken.

Natürlich kann jeder mal einen schlechten Tag haben. Doch es gibt so manches Personal, das erscheint mir generell nicht ganz gar gebacken zu sein. Die kurze Form erinnert mich an einen Trämli-Kontrolleur in Augsburg. Statt „Grüß Gott, die Fahrscheine bitte!“, schnauzte er „So, Karten her!“. Dabei hat man doch in vielen Bereichen das „Bitte“ implantiert. Früher hieß es bei der Münchner U-Bahn „Zurückbleiben!“, dann „Zurückbleiben, bitte!“ und schließlich „Bitte zurückbleiben!“. In Nürnberg übrigens wird übrigens die bei Politikern gefürchtete Floskel „Bitte zurücktreten!“ verwendet. Genauer „wurde“, jetzt heißt es nur noch „Piep“ – die Technik (Stichwort sensible Türkante, Kameraüberwachung usw.) hat ihre eigenen Höflichkeit. Aber sie lächelt nicht.

EinSchließlich mir

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Ich höre ein paar seltsame Geräusche im Hausgang. Ein Blick durch den Gucker offenbart, dass sich am helllichten Tag eine Person am Schloss der Nachbarstüre zu schaffen macht. Es ist die Nachbarin selbst, die gerade bei sich einbricht. Ich öffne die Türe und erfahre, sie habe sich ausgesperrt. Mit einfachem Billigwerkzeug aus dem Baumarkt versucht sie das Unmögliche. Doch das Werkzeug erweist sich schließlich als ungeeignet. Ein Großteil meines Werkzeugs ist ausgelagert, doch versuche ich nun ebenso, das Schloss, das vor Fremden schützen soll und sich nun gegen die Eigentümerin selbst richtet, zu besiegen. Doch auch mit meinem Werkzeug bekomme ich keinen Fuß in die Türe. Schlussendlich scheitere ich damit. Mein Angebot zu telefonieren, lehnt die Nachbarin ab. Ein Schlüsseldienst sei zu teuer und sonst wüsste sie auch nicht, wen sie anrufen könne. Nach vielen weiteren Versuchen bringt schlussendlich das Werkzeug eines anderen Nachbarn die Lösung. Die Türe ist auf. Konkrete Anleitungen, wie es denn geht, erspare ich mir aus nahe liegenden Gründen.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, sein Eigentum vor Einbruch zu schützen. Diese hat mit dem Bericht hier nichts zu tun und dient hier nur zur Illustration. Denn erfahrungsgemäß werden bebilderte Artikel lieber gelesen. Foto: hmboo / Lizenz siehe: flickr

Ein paar Tage später räume ich meinen Dachboden aus (ja, man glaub es kaum, auch in Neuperlach gibt es so etwas!). Das alte Zeug, das nur Platz wegnimmt und das man nur alle fünf Jahre dann doch nicht braucht, muss raus. Irgendwann schaffe ich dann das Unmögliche. Der Schlüssel ist drin, aber nicht im Schloss, die schwere, metallene Speichertüre ins Schloss gefallen und – zu. Aber so richtig zu. Die Speichertüre ist mein neuer Feind.

Ich läute bei der Nachbarin, die ich nun als letztes geöffnetes Hintertürchen sehe, um mich aus der misslichen Lage zu befreien. Sie öffnet und kann sich natürlich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Peinlicher geht es ja nun wirklich nicht mehr. Da sie gerade am Telefon hängt, rückt sie mit vollstem Vertrauen ihren Schlüssel raus. Das Problem ließe sich damit schnell lösen, hat doch eine Gemeinschaftstüre den Vorteil, dass an ihr jeder Wohnungsschlüssel passt. Ich darf jetzt nur nicht den Fehler machen, den Schlüsselbund, an dem Dutzende Schlüssel hängen, nun auch noch einzuschließen, zu verlieren oder zu veruntreuen. Abschließend lässt sich sagen, dass mir das gerade noch so gelungen ist. Aus mir wurde kein Schließ- und Lachdienst, auch wenn das Ganze zum Lachen ist.