Quidde-Zentrum: 4 Monate und nichts passiert!

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Quidde-Zentrum
Bild 1: Erst Ladenzentrum, dann der „Neuperlasch Zoo“ (Kunsttreff) (17.10.2019) © Thomas Irlbeck

Praktisch auf den Tag genau vor vier Monaten wurden alle Zugänge zum Quidde-Zentrum gesperrt. Das mit dem Abriss solle nun sehr schnell gehen, hieß es. Und wieder einmal gewinne ich den Eindruck, dass hier übereilt gehandelt wurde. War es wirklich notwendig, dass man die Künstler und sozialen Einrichtungen schon jetzt rausgeworfen hat? Klar, die Räume sind marode – ohne funktionierende Heizung und teilweise mit Wasserschäden. Aber den Durchgang hätte man beibehalten können. Das Neuperlacher Fußwegsystem und eine wichtige West-Ost-Verbindung sind nun faktisch unterbrochen, auch wenn es eine Umleitung (Bild 6) gibt (die aber nicht jeder kennt und die nicht ausgeschildert ist) und die Brücke (Bild 5) über die Quiddestraße weiterhin prinzipiell benutzbar ist. Für Radler bedeutet es aber, auf der Umleitungsstrecke eine schmale Rampe zu befahren, was für viele Absteigen bedeutet. Möglich ist natürlich, dass sich inzwischen schon Teile der Decke selbstständig machen und es zu gefährlich wäre, was aber Spekulation sind und zumindest durch meine Beobachtung nicht gedeckt ist. Wenn es wirklich so wäre, könnte man hier sicherlich eine etwaige Gefahrenstelle durch Sicherungsmaßnahmen entschärfen.

Aber ich frage: Wie lange soll dieser unhaltbare Zustand noch anhalten?

Bereits 2011 (!) schloss der letzte Lebensmittelmarkt im Quidde-Zentrum und auch die Stadtbibliothek. Seitdem ist das Quidde-Zentrum vor allem eins: Eine Ruine ohne die früher bestandene Nahversorgungsfunktion.

Geplanter Neubau

Geplant sind ein neues Ladenzentrum, aber auch Wohnungen. Ziel ist also auch eine Nachverdichtung, die vor allem durch Nutzung des bisherigen Parkplatzes erfolgen soll. Dabei sollen ein achtgeschossiges Zeilenhauses und ein sechsgeschossiges Punkthaus realisiert werden. Pläne und Computergrafiken wurden offenbar noch keine veröffentlicht. Eine Baugenehmigung soll noch nicht erteilt worden sein. Bei einer Informationsveranstaltung für Anlieger („WSB-Mieterfest“) am 13.09.2019 gab es Kritik, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Die Mieter fühlten sich nicht gut informiert, ihre Sorgen nicht ausreichend ernst genommen. Anstelle einer Computergrafik soll der neue Bau nur als eine mit einem schwarzen Filzstift angefertigte Zeichnung präsentiert worden sein.

Quidde-Zentrum
Bild 2 (17.10.2019) © Thomas Irlbeck
Quidde-Zentrum
Bild 3 (17.10.2019) © Thomas Irlbeck
Quidde-Zentrum
Bild 4 (17.10.2019) © Thomas Irlbeck
Quidde-Zentrum
Bild 5 (17.10.2019) © Thomas Irlbeck
Quidde-Zentrum Abriss – Map
Bild 6: Umleitungsempfehlung für das Neuperlacher Fußwegsystem. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Der alte Bahnhof „Moosach bei Grafing“ (Fast vergessene Bahnstrecken, Folge 2)

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Alter Bahnhof Moosach (bei Grafing)
Bild 1 (17.06.2019): Altes Bahnhofsgebäude, ein paar Meter Schienen, abgestellter Waggon © Thomas Irlbeck

Es ist ein schöner Ausflugstipp für Radler – nicht nur von Neuperlach aus. Über den Panoramaweg Isar-Inn ist es gar nicht so weit – und man fährt fast vollständig ohne störenden Autoverkehr! Dazu später mehr.

Es geht nach Moosach bei Grafing (Glonn ist dort in der Nähe). Von 1894 bis 1971 hatte man dort Zuganschluss. Es verkehrte die Nebenbahn Glonn–Grafing.

Wikipedia sagt:

Die Bahnstrecke Grafing–Glonn ist eine ehemalige 10,6 Kilometer lange Nebenbahn von Grafing Bahnhof nach Glonn im Landkreis Ebersberg. Sie zweigte als Stichbahn am Grafinger Bahnhof von der Bahnstrecke München–Rosenheim ab. Die Bahnstrecke wurde am 26. Mai 1894 als Lokalbahn eröffnet und am 23. Mai 1971 stillgelegt.

Quelle: Bahnstrecke Grafing–Glonn

Obwohl die Stilllegung schon lange her ist (1970 Personenverkehr, 1971 Güterbahnverkehr) gibt es noch einiges zu sehen.

In Moosach wurde das alte Bahnhofsgebäude erhalten sowie ein paar Meter Schienen, auf denen ein Waggon steht. Das Bahnhofsgebäude ist denkmalgeschützt. Hiervon ein paar weitere Fotos.

Alter Bahnhof Moosach (bei Grafing)
Bild 2 (17.06.2019) © Thomas Irlbeck
Alter Bahnhof Moosach (bei Grafing)
Bild 3 (17.06.2019) © Thomas Irlbeck
Alter Bahnhof Moosach (bei Grafing)
Bild 4 (17.06.2019) © Thomas Irlbeck
Alter Bahnhof Moosach (bei Grafing)
Bild 5 (17.06.2019) © Thomas Irlbeck
Alter Bahnhof Moosach (bei Grafing)
Bild 6 (17.06.2019) © Thomas Irlbeck
Alter Bahnhof Moosach (bei Grafing)
Bild 7 (17.06.2019) © Thomas Irlbeck
Alter Bahnhof Moosach (bei Grafing)
Bild 8 (17.06.2019) © Thomas Irlbeck
Alter Bahnhof Moosach (bei Grafing)
Bild 9: Moosach mit dem alten Bahnhof. Das hier ist schon fast ein Suchbild (17.06.2019) © Thomas Irlbeck

Anfahrt mit dem Rad

Panoramaweg Isar-Inn
Bild 10: Panoramaweg Isar-Inn (17.06.2019) © Thomas Irlbeck

Der Panoramaweg Isar-Inn beginnt offiziell am Ende der Truderinger Grenzkolonie am Eck Schwedensteinstraße/Schrammingerweg (Bild 10). Der Weg ist gut ausgeschildert, man folgt den Wegweisern zum Steinsee (am Anfang ist noch „Solalinden“ bzw. schlicht „Isar-Inn“ ausgeschildert, später wird dann auch der „Steinsee“ namentlich erwähnt, sodass man wenig falsch machen kann). Es geht nur über Sand- und Feldwege sowie einige geteerte Nebenstraßen, auf denen es keinen oder nur wenig Autoverkehr gibt. An Ampeln kommt man auch nicht vorbei. Die Strecke ist mit fast jedem Rad gut befahrbar, man braucht kein Mountainbike. Nur ein Rennrad ist weniger geeignet.

Wer von Neuperlach startet und noch weniger Autoverkehr will, der kann auch vom Graf-Zentrum oder Alexisweg aus über die ehenalige Kiesgrube Roth fahren (am Biotop vorbei) und kommt dann in Solalinden auf den Panoramaweg Isar-Inn.

Am Steinsee fährt man die steile, geteerte Haupstraße hinunter und biegt am Ende (in der Karte mit „M“ gekennzeichnet) nach links Richtung Moosach ab. Nun ist man schon fast da. In Moosach fährt man rechts in die Rathausstraße, dann nach rechts in die Doblbachstraße und sofort wieder nach links in die Bahnhofstraße, an der dann – logischerweise – auch der alte Bahnhof liegt („B“ in der Karte).

Map Moosach alter Bahnhof
Moosach bei Grafing. Bei „M“ biegt man von links kommend ab, „B“ ist der alte Bahnhof. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Zu den übrigen Folgen „Fast vergessene Bahnstrecken“

Die Perlacher Straße

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Perlacher Straße
Bild 1: Perlacher Straße (sie läuft im Bild von links nach rechts), Ecke Herzogstandstraße. Dieses Haus  markiert den Anfang der denkmalgeschützten „Stockwerksiedlung Walchenseeplatz“. Auch die Bilder 3 bis 9 zeigen Häuser dieser Siedlung (04.06.2019) © Thomas Irlbeck
Perlacher Straße
Bild 2: Unser Name! (04.06.2019) © Thomas Irlbeck © Thomas Irlbeck

Das heutige Thema ist die wohl maximal „perlachigste „Straße überhaupt in München. Nur die Peralohstraße (Peraloh ist der alte Name für Perlach) kann da noch annähernd mithalten (auch von ihr wird später noch die Rede sein). Straßen führen oft dorthin, das sie bezeichnen, oder zumindest in ihre Richtung. Hier ist Letzteres der Fall. Man steuert also auf der Perlacher Straße zumindest in Richtung Perlach, wenngleich man den Stadtteil nicht erreicht. Die Perlacher Straße startet an der Tegernseeer Landstraße („Tela“) in Giesing (genauer Obergiesing) auf Höhe der Zehentbauernstraße und des Giesinger Grünspitz (eine 2.000 qm große Grünfläche, die früher von einem Autohändler genutzt wurde und heute eine Freifläche ist, auf der sich ein urbaner Garten befindet und auf der auch z.B. Flohmärkte stattfinden). Es geht weiter Richtung Südost über die Raintaler Straße und die Spixstraße/Herzogstandstraße.

Stockwerksiedlung Walchenseeplatz

Die Wohnanlage zwischen der Herzogstandstraße und Untersbergstraße des nördlichen Verlaufs der Perlacher Straße ist als Ensemble denkmalgeschützt. Ihr Name ist die „Stockwerksiedlung Walchenseeplatz“. Bild 1 zeigt das Eckhaus, das die südwestliche Ecke dieses Ensembles bildet.

Der Bayerische Denkmal-Atlas sagt zu der „Stockwerksiedlung Walchenseeplatz“:

Zitat Bayerischer Denkmal-Atlas (Klick zum Öffnen)

Die Planung der Großsiedlung am Walchenseeplatz, die im Rahmen des Münchner Großsiedlungsprogrammes der Jahre 1928 bis 1930 von der „Gemeinnützigen Wohnungsfürsorge AG“ errichtet wurde, geht zurück auf einen Vorentwurf von Johanna Loev. Die Konzeption der Planung wurde dann von Loev gemeinsam mit Carl Jaeger, dem die Oberleitung übertragen wurde, durchgeführt. Im Rahmen des damaligen Arbeitsbeschaffungsprogrammes für Architekten waren bei der Bearbeitung der Einzeltypen unter anderem Fritz Landauer, Hanns Atzenbeck, Max Schoen, Joseph Dürr, Hans Grünzweig und Fritz Männche beteiligt. Ausgeführt wurden allerdings nur zwei Drittel des vorgesehenen Umfanges.

Vorgegeben war der Planung bereits der Walchenseeplatz mit der Bebauung seiner Nordseite. Zur Deisenhofener Straße einerseits und zur Perlacher Straße andererseits ist die Siedlung durch langgestreckte viergeschossige Blöcke abgeschirmt. Der Block an der Deisenhofener Straße zeichnet sich durch überhöhte Eckbauten aus. Die Blöcke an der Perlacher Straße folgen dem leichten Schwung der Straße. Die ebenfalls viergeschossigen Zeilenbauten im Inneren der Siedlung sind den damaligen städtebaulichen Vorstellungen entsprechend von Norden nach Süden gerichtet, wobei sich, zum Teil zusätzlich abgeschirmt durch eingeschossige Zwischenbauten mit Läden und Werkstätten an den Kopfenden der Zeilen, großzügige, verkehrsberuhigte Höfe mit Plätzen zum Spielen und zum Trocknen der Wäsche ergeben. Die vom Hochbauamt der Stadt München erarbeiteten Vorgaben für das Münchner Großsiedlungsprogramm führten zu einer weitgehenden Normierung der Haus- und Wohnungsgrundrisse; angeboten sind vornehmlich Wohnungen zu 50 und 60 Quadratmeter, aber auch, wenn auch in geringerer Zahl, Wohnungen zu 75 und 100 Quadratmeter. Zugleich waren die verwendeten Materialien und das Zubehör standardisiert. Trotz dieser Sparsamkeit wurde eine hohe bauliche Qualität gefordert, was den beachtlichen Wohnwert der Siedlung begründet. Der zu einer Individualisierung der einzelnen Bauten verbleibende Spielraum wurde von den Architekten bestmöglich zur Variierung der Fassadengliederung mit unterschiedlichen Fensterlösungen, Loggien- und Treppenhausachsen ebenso genützt wie durch Bauzier in Form von Gußsteinreliefs und großflächigen Sgraffitomalereien. Bei dem insgesamt schlichten Erscheinungsbild spielt auch die Farbgebung eine entscheidende Rolle. Neuere Eingriffe sind nur die beiden Blöcke Kesselbergstraße 22 und Rißbachstraße 3, die sich jedoch auch auf vier Geschosse beschränken.

Kunst in der Stockwerksiedlung Walchenseeplatz

An der Abzweigung Perlacher Straße/Rottacher Straße machen wir kurz Station, denn hier gibt es an einem Häusereck (auch dieses Haus ist Bestandteil der denkmalgeschützten „Stockwerksiedlung Walchenseeplatz“) Kunst in Gestalt einer Hauseck-Skulptur zu sehen. Ein Maurer mit Kelle und Ziegelstein übt sein Handwerk aus:

Perlacher Straße
Bild 3: Perlacher Straße, hier biegt die Rottacher Straße nach links ab. Es gibt Skulpturkunst (04.06.2019) © Thomas Irlbeck
Perlacher Straße
Bild 4: Vergrößerung des Kunstwerks  Maurer als Hauseck-Skulptur (04.06.2019) © Thomas Irlbeck

Auffällig ist die individuelle Gestaltung der Häuser mit verschiedenen Sgraffitomalereien oberhalb einiger Hauseingänge, wie auch der Bayerische Denkmal-Atlas kurz erwähnt hat. Eine davon ist hier zu sehen, wir sind kurz vor der Valeppstraße (und noch immer in der „Stockwerksiedlung Walchenseeplatz“):

Perlacher Straße
Bild 5: Sgraffitomalerei mit Fischern an der Perlacher Straße/Ecke Valeppstraße  (04.06.2019) © Thomas Irlbeck
Perlacher Straße
Bild 6: Vergrößerung (04.06.2019) © Thomas Irlbeck

Gaststätte „Schinken-Peter“ (früher: Gastwirtschaft zum Walchensee“)

Die Perlacher Straße führt weiter über die Valeppstraße. Am Eck ist die Gaststätte Schinken-Peter, an der wir kurz eine Pause einlegen. Es handelt sich um eine Gaststätte mit Biergarten, die früher „Gastwirtschaft zum Walchensee“ hieß und deren alter Name immer noch zu sehen ist (Bild 7). Auch dieses Haus ist der „Stockwerksiedlung Walchenseeplatz“ zuzurechnen. Die Gaststätte sagt über sich selbst:

Seit 31 Jahren ist der Schinken-Peter gepflegte und gelebte Tradition im Münchner Stadtteil Giesing. Er lockt mit kulinarischer Vielfalt aus der bayerischen Küch´ und zeitgemäßen Gerichten.

Perlacher Straße
Bild 7: Gaststätte Schinken-Peter (früher: „Gastwirtschaft zum Walchensee“). Wir sind hier in der Valeppstraße. Die Perlacher Straße ist nicht im Bild, man muss sie sich hinter dem Betrachter von links unten nach rechts oben vorstellen (04.06.2019) © Thomas Irlbeck
Perlacher –Straße
Bild 8: Zoom des vorigen Bildes: neuer und alter Name (04.06.2019) © Thomas Irlbeck
Perlacher –Straße
Bild 9: Gaststätte Schinken-Peter – jetzt mit dem Fokus auf dem Biergarten (04.06.2019) © Thomas Irlbeck

Der Rest der Straße

Es geht weiter über die Untersbergstraße zur Fockensteinstraße/Sinpertstraße. Der Verlauf der Perlacher Straße hat inzwischen ziemlich genau einer Ost-West-Richtung angenähert. An dieser Stelle findet sich die „Mittelschule an der Perlacher Straße“. Es geht weiter über die Trauchbergstraße. Wenige Meter weiter östlich macht die Straße einen Knick nach Norden bis zur Deisenhofener Straße. Dort endet sie.

Ein Tipp für Radfahrer – maximal perlachig nach Perlach

Wer auf besonders originelle (und dennoch praktische Art) von Giesing nach Perlach/Neuperlach kommen will, der kann dies mit maximal etymologisch perlachigem Anteil machen. Man startet an der Perlacher Straße und fährt sie bis zum Ende. Dort biegt man rechts ab in die Deisenhofener Straße, dann rechts in die Schwanseestraße, der man bis zur Ständlerstraße folgt. Nun ist man am Friedhof am Perlacher Forst und hat noch ein Perlach im Namen. Man biegt nun links in die Ständlerstraße ab und fährt an ihr entlang. Auf Höhe der Görzer Straße geht die Straße in eine Autostraße über und der Radweg knickt in einen Park nach rechts ab. Man folgt ihm, bis man zu einer Fußgängerbrücke kommt, die über die Autobahn A8 führt. Diese überquert man. Die Rampe auf der anderen Seite ist nur was für geübte Fahrer. Offiziell ist die Abfahrt verboten, es heißt schieben. Nun ist man auf der Peralohstraße – und damit bereits in Perlach –, die man geradeaus bis zum Ende befährt. Dabei kommt man auf der rechten Seite auch an dem alten Haus mit dem schönen Türmchen vorbei. Die Peralohstraße endet an der Ottobrunner Straße. Wenn man hier schließlich rechts abbiegt, ist man bereits kurz vor dem Perlacher Pfanzeltplatz.

In der umgekehrten Richtung funktioniert es ebenso. Den Abzweig zur Peralohstraße findet man auf der Ottobrunner Straße auf Höhe des „Edeka Linzmair“. Bei der Durchfahrt durch den erwähnten Park, welcher der Brücke folgt, muss man per Unterführung auf die andere Seite der Ständlerstraße wechseln.

Hotel Königshof: Historie, Architektur, Abriss und Neubau

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Hotel Königshof 2014
Bild 1: Hotel Königshof (2014). Lizenz: Public Domain
Von Bruno Tamborino und Thomas Irlbeck

Das Hotel Königshof am Münchner Stachus wird derzeit abgerissen. Danach kommt ein luxuriöser Neubau.

Inhalt

I   Kommentar: Historie und Besonderheiten eines bemerkenswerten Gebäudes
II   Neubau ab 2019 im expressionistischen Stil
III   Historisches Hotel Königshof (1820–1944)
IV   Wiederaufbau und Renovierungen (1950–2007)
V   Abriss 2019

Hinweis: Der Artikel geht auch kurz auf den Abriss ein, einen weit ausführlicheren Abrissbericht gibt es in einem separaten Artikel: Hotel Königshof: Der Abriss

I   Kommentar: Historie und Besonderheiten eines bemerkenswerten Gebäudes

Das Gebäude, das in diesen Wochen des Jahres 2019 verschwindet, hat einige Besonderheiten in sich. Es handelt sich augenscheinlich nur um ein etwas plump gestaltetes Gebäude – zum größten Teil im Stil der 1970er-Jahre, mit einigen kleinen stilistischen Ausrutschern, die nicht so ganz hineinpassen. In Wirklichkeit ist es eine außergewöhnliche, historisch gewachsene Bausubstanz, die zum Teil rund 200 Jahre alt ist. Das heutige Gebäude entstand ursprünglich als Villa unmittelbar vor einem Stadttor – in den allerersten Jahren, in denen man in Mitteleuropa endlich die mittelalterlichen Stadtmauern aufgeben konnte und sorglos auch außerhalb dieser bauen und wohnen konnte. Das noch sehr ländlich anmutende Stachus-Rondell in seiner ersten Variante war noch neu, und das Umfeld der dreistöckigen, schlichten, aber eleganten Villa war ländlich, nur eine breitere Straße führte vom Karlstor aus an ihr vorbei.

Das Schicksal des ganzen Areals änderte sich, als man beschloss, vor dem Karlstor auf die offene Wiese einen Bahnhof für München zu erbauen. Diese Neuigkeit der Technik wurde sehr schnell überall zum Hauptelement der Massenmobilität von Menschen und Gütern, und die Gegend der Vorstadtvilla wurde sehr schnell zu einem wichtigen Durchgangspunkt, an dem bald viel gebaut wurde und Gaststätten -– auch die legendäre Gaststätte „Zum Eustachi“ (das war der Rufname des damaligen Wirtes Mathias Eustachius Föderl), von welcher der Stachus seinen Namen hat – und dann Hotels entstanden. Die Villa war eines der ersten Gebäude in dieser Gegend. Der Garten wurde als Baugrund verkauft, aber sie blieb stehen, bis man sie erweiterte und auch sie zum Hotel wurde. Man bedenke, früher war es die Regel, Gebäude zu erweitern und sie umzugestalten statt sie abzureißen und neuzubauen, wie es heute üblich ist. Es war einfach eine praktische und pragmatische Lösung. Erst mit der überwiegenden Industrialisierung des Bauprozesses ist man davon abgekommen. Der Stil der Villa wurde im Großen und Ganzen beibehalten, sie wurde aber seitlich und nach hinten erweitert und das Erdgeschoss bekam einen städtischen Charakter.

Karlsplatz Stachus
Bild 2: Karlsplatz Stachus, ca. 1908. Lizenz: Public Domain

Die Besonderheit an diesem „Hotel Bellevue“ war, dass das Haus ab diesem Zeitpunkt nur dieser kommerziell intensiven Funktion diente und dass daran nichts angebaut wurde. Es blieb also immer auf allen Seiten frei stehen – auch da es der Spender der umliegenden Baugründe war. Es folgten weitere Umgestaltungen, eine erste mit Doppelgiebeln, eine zweite Variante mit Doppelgiebeln, eine schlichte und elegante Nachkriegsvariante, dann der Einbau des großen verglasten Restaurants, dann das Redesign in den 1970er-Jahren, das sich strikt an architektonische Details und Materialien der Olympiabauten anlehnte. Fast bis zum Schluss wurde aufgestockt, modernisiert und verbessert. Alte und neue Besitzer haben zirka alle 20 Jahre das Gebäude aktualisiert, damit es wieder modern und attraktiv wurde. Dabei sind sie fast den Tendenzen der Zeit hinterhergerannt. Da es sich um ein Hotel handelte, ist dies für ein gewerbliches Gebäude nicht wunderlich. So konnte man die Umbauten auch schnell durchführen, ohne extreme lange Schließzeiten in Kauf nehmen zu müssen. Und da es ein frei stehendes Gebäude in der Innenstadt ist, hatte man keine Rückfassade, an der man auf Umbauten hätte verzichten können. Deshalb hat von der ursprünglichen Identität des Hauses nie etwas überlebt – nur die Erker, die plumpen Proportionen und das Restaurant sind Volumen, die nicht so recht in die modern Variante passen.

Hotel Königshof – Montage aktueller und erster Bau
Bild 3: Die Hervorhebung in der Bildmitte zeigt, wie die Proportionen des Vorgängerbaus – der Vorstadtvilla von 1818 – im Vergleich zum aktuellen Bau aussehen. Es geht dabei nicht nur um die Größenverhältnisse, denn ursprüngliche Bausubstanz aus den Zeiten der vielen Erweiterungen und Umbauten des Hotels bis wahrscheinlich zurück an die Anfänge vor 200 Jahren sind im aktuellen Bau noch vorhanden. Foto: Rufus46, bearbeitet durch Bruno Tamborino / Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bestimmt werden beim Abriss sehr alte Gemäuer zum Vorschein kommen, vielleicht überraschenderweise Kellergewölbe in einem „Bau aus den Siebzigern“, bestimmt ist das Stück Fassade mit den mittleren fünf Fensterachsen und dem zweiten und dritten Obergeschoss 200 Jahre alt, vielleicht befinden sich da sogar noch unter vielen Farbschichten die alten Fassadenmalereien.

Was jetzt verschwindet, ist also keine große Schönheit, aber dennoch interessant wegen seiner ungewöhnlichen Geschichte. Leider war das Haus offensichtlich nicht mehr den Zeiten angepasst und bot auch keine Verbesserungsmöglichkeiten mehr. Man muss auch bedenken, dass der Neubau neun anstatt sechs Obergeschosse bieten wird, was wohl wegen geringerer Raumhöhe nur mit einem geringen Höhenzuwachs einhergeht, abgesehen von der Möglichkeit, den Untergrund mit mehreren großen Kellergeschossen viel besser nutzen zu können.

Es bleibt halt nichts anderes als eine Phantasie, sich eine Renovierung des alten Hauses vorzustellen, bei der eine Dokumentation und Zurschaustellung seiner 200 Jahre langen, intensiven Geschichte zum Leitmotiv wird – bei der man die verschiedenen Mauerwerke und jeweiligen Materialien klar zur Schau stellt und dem Ganzen dann nur einen modernen, transparenten Rahmen gibt, ohne nochmals etwas vertuschen und vortäuschen zu wollen. Leider ist eine solche Maßnahme für die Bauherren verständlicherweise überhaupt nicht rentabel. Bestimmt ist man sich im Denkmalamt der Situation bewusst, aber vom Historischen ist ja außer Mauerwerk wirklich nichts mehr übrig.

II   Neubau ab 2019 im expressionistischen Stil

Für den Entwurf des Neubaus zeichnen sich die spanischen Architekten Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano verantwortlich. Von der Optik erinnert nichts mehr an das alte Hotel Königshof. Die expressionistische Fassade bietet einen starken Kontrast zu den umliegenden Gebäuden – dem denkmalgeschützten Nachkriegs-Kaufhausbau (vom Stachus-Rondell aus gesehen links) und dem ebenfalls denkmalgeschützten neubarocken Justizpalast (rechts). Dass der Neubau über neun statt sechs Geschosse verfügen wird, geht da schon fast unter.

Die Fassade ist – ebenso vom Stachus-Rondell aus gesehen – vertikal dreigeteilt. Diese Fassadenteile sind dabei so verschoben und gekippt, dass das doch ein Stück entfernte Stachus-Rondell noch einmal angedeutet wird. Die Fassade öffnet sich – akzentuiert durch einen senkrechten Spalt – quasi dem Betrachter, der auf diese Weise das Gefühl bekommt, nicht vor einer Blackbox zu stehen, sondern auch ein wenig in das Gebäude reinschauen und am Geschehen teilhaben zu können, selbst wenn er es gar nicht betritt.

Mit der Fassadenform wird der außerdem ohnehin schon runde Charakter des Stachus (Google-Maps zeigt das ganz gut) nun auch über die Hotelfassade betont und fortgeführt, was der alte Bau mit seiner geraden Fassade nicht leistete. Die Fassadenteile sind dabei unregelmäßig ausgeführt, was die Dominanz noch verstärken dürfte. In Worte ist das schwer zu fassen, daher soll an dieser Stelle an den Entwurf ist dem Artikel der Süddeutschen Zeitung verwiesen werden: Neubau am Stachus – Neunstöckiges Ausrufezeichen

Der Neubau wird über 95 Zimmer bzw. Suiten verfügen (bislang 71 Zimmer und 16 Suiten). Das Restaurant wird nun in die oberste Etage kommen, um einen Panoramablick über die Stadt zu ermöglichen.

Bereits 2021 soll das neue Hotel eröffnet werden – ein sicherlich ambitionierter Zeitplan.

III   Historisches Hotel Königshof (1820–1944)

1818 wurde ein privates Wohnhaus – als eine Art Vorstadtvilla (München war damals an dieser Stelle nur schwach bebaut; das war quasi Vorstadt) im klassizistischen Stil errichtet. Der Architekt war Gustav Vorherr, daher auch die Bezeichnung Vorherrhaus. Es gab fünf Fensterachsen bei vier Geschossen (Erdgeschoss plus drei Obergeschosse):

Hotel Königshof – Vorherrhaus
Bild 4: Vorherrhaus als Hotelvorläufer (um 1820). Lizenz Public Domain
Hotel Königshof – Vorherrhaus – Vergrößerung
Bild 5: Detailvergrößerung des vorigen Fotos. Lizenz Public Domain

Aus diesem Bau entstand 1866 (einige Quellen sagen auch 1862) das Hotel Bellevue. Dabei wurde der Bau sehr wahrscheinlich schlicht und einfach an beiden Seiten im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss um jeweils drei Fensterachsen erweitert. Das Originalgebäude hatte auch an den Seitenfassaden fünf Fensterachsen, die blieben weiterhin, aber hinten wurde ein gleich hoher Querflügel angebaut und das Erdgeschoss der neuen Funktion angepasst. Der Architekturstil bleibt im Wesentlichen erhalten.

Hotel Königshof 1871
Bild 6: Hotel Königshof (rechts) um 1871. Das Hotel hieß damals noch Hotel Bellevue. Lizenz: Public Domain

Bei einem Aus- und Umbau 1880 wurden auch das zweite Obergeschoss und dritte Obergeschoss an den Seiten auf die volle Breite aufgestockt. Ferner bekam das Haus ein höheres Dach, die markanten Doppelgiebel im Neorenaissancestil mit Romanikeinflüssen und die prächtige Fassadenmalerei von Claudius Schraudolph dem Älteren, wie sie auf der folgenden Postkarte zu sehen sind:

Hotel Königshof um 1900
Bild 7: Hotel Königshof (rechts) um 1900 (Postkarte). Das Hotel hieß damals noch Hotel Bellevue. Lizenz: Public Domain
Hotel Königshof um 1900
Bild 8: Vergrößerung des vorigen Bildes. Lizenz: Public Domain

Irgendwann nach 1900, aber noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914, wurde nochmals umgebaut, die Dachgauben seitlich wurden zu einem vollen zusätzlichen Stockwerk, die Fenster seitlich wurden von drei auf zwei reduziert (jeweils das mittlere des Seitenflügels zugemauert), die Giebel vermutlich erhöht und etwas anders gestaltet um sich der neuen Höhe anzupassen, der schlichte Eingang mit einem Vorbau mit drei Bogentoren und zwei Bullaugen aufgewertet. Auf diesen Vorbau kam schon ein großer Balkon (dann wurde er zur Restaurantvitrine). Die Fassadenbemalungen wurden zum größten Teil beibehalten. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs erhielt das Hotel den heutigen Namen „Hotel Königshof“, da französische Name inopportun geworden waren. 1938 wechselte das Haus, das damals 200 Betten aufwies, den Eigentümer. Seitdem gehört es der Familie Geisel.

1943 oder 1944 wurde das Gebäude im Zweiten Weltkrieg, so Wikipedia, „bis auf die Außenmauern zerstört“. Das Gebäude brannte wohl aus, das Dach war eingestürzt, die Außenmauern und wohl auch das Innenskelett waren noch vorhanden, wie ein Video von 1945 zeigt. Auch die Doppelgiebel waren damals noch vorhanden (zumindest der linke, denn das Video zeigt nicht das ganze Haus). In einer Aufnahme aus dem Februar 1948 auf der Seite 20 des Buches München farbig 1946–1965 fehlen die Doppelgiebel bereits, sie waren offenbar kurz nach Kriegsende wegen Einsturzgefahr entfernt worden.

IV   Wiederaufbau und Renovierungen (1950–2007)

Von 1950 bis 1955 wurde das Hotel wieder aufgebaut. Dabei stand Rationalisierung im Vordergrund. Auf eine Wiederherstellung der Giebel wurde verzichtet, der Stuck verschwand. Es entstand die bekannte schlichte Fassade. Die Fensteranordnung blieb, auch die Proportionen im Großen und Ganzen. Die beiden Bullaugen des alten Vorbaus überlebten. Bemerkenswert ist auch, dass das Haus an den Seiten und hinten weiterhin seine Erker hat, die zwar nicht besonders auffallen, aber bereits in dieser Phase der Umbauten architektonisch anachronistisch waren.

Der Balkon der Beletage, also dem ersten Stockwerk, auf dem Vorbau wird überdacht und zur Panorama-Restaurantvitrine. Zur Verzierung dienen Ranken, als Sonnenschutz sind Markisen vorhanden, wie die Bildergalerie der Abendzeitung zeigt.

Bis Ende der 1950er-Jahre (eine der Quellen deutet eher auf Anfang bis Mitte der 1960er-Jahre hin) wird der Balkon über die komplette Fassade verbreitet, wie sie bis zu Ende stand. Ein Foto aus der Bauwelt, zeigt dies. Dafür wurde die Fassade im ersten Obergeschoss komplett herausgebrochen und die darüberliegenden Stockwerke mit Stahlpfeilern abgestützt. Die Stahlpfeiler wurden verkleidet, aber beim Abriss traten sie wieder hervor (Bild 13) .

Hotel Königshof 2014
Bild 9: Fassade (2014) mit kubanisierten Fenstern und Alurahmen (unten) sowie Aluverkleidung (oben)

1970 wurde eine Generalrenovierung durchgeführt. Das letzte Fassadendesign wurde 1972 zu den Olympischen Spielen fertiggestellt. Die ehemals schlanken Fenster wurden dem damaligen Stil entsprechend kubanisiert und so weit wie möglich horizontal orientiert. Als gestalterisches Element erhielten diese Fenster einen breiten Rahmen aus anodisiertem Aluminium, der an den Ecken deutlich abgerundet wurde. Nur im obersten Stockwerk blieben breite Fenster, die aber auch einem Redesign unterzogen wurden. Das so renovierte Haus zeigte sich in einem lebendigen Farbkontrast – zwischen dunklem Ocker und hellem Aluminium, aber auch mit sehr dominanter Leuchtreklame an der Fassade.

2007 wurde die Hotellobby neu gestaltet. Dabei dürften auch in diesem Zeitraum die Aluminiumelemente durchgehend hellgelb gestrichen worden sein. Vorher waren das oberste Stockwerk, die Fensterrahmen, das Erdgeschoss sowie die Leisten am Boden und Dach der Restaurantvitrine in Hellgrau gehalten.

Hotel Königshof 2010
Bild 10: Hotel Königshof (2010.) Rechts ist noch ein Stückchen vom Justizpalast zu sehen. Foto: Rufus46 / Lizenz: CC BY-SA 3.0

Trotz der gewaltigen Veränderungen dürfte die Bausubstanz zum Teil noch die ganz alte sein, vor allen Dingen betrifft das die mittleren fünf Fenster der Hauptfassade für das zweite und dritte Obergeschoss. Wikipedia weist darauf hin, dass „von der Originalsubstanz des Hotels kaum mehr etwas übrig geblieben“ und das Gebäude daher „zwar nicht als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen, aber trotzdem wegen seiner historischen Bedeutung in die Denkmaltopographie Denkmäler in Bayern aufgenommen“ worden sei. Es ist aber plausibel, dass von der alten Bausubstanz doch ein nicht geringer Teil noch vorhanden ist.

V Abriss 2019

Die Entkernung des Gebäudes begann im Februar 2019. So richtig zur Sache mit dem Abriss der Fassade geht es ab Anfang Mai 2019.

Stand 13.05.2019

Das aus dem Gebäudegrundriss herausstehende Teil des Panoramarestaurants im ersten Obergeschoss ist bereits größtenteils verschwunden. Ebenso die Fassade im Erdgeschoss an der Haupteingangsseite.

Mehr Bilder zum Abriss in der umfangreichen Abrissdokumentation

Abriss Hotel Königshof
Bild 11 (13.05.2019) © Thomas Irlbeck
Abriss Hotel Königshof
Bild 12 (13.05.2019) © Thomas Irlbeck
Abriss Hotel Königshof
Bild 13 (13.05.2019) © Thomas Irlbeck

Update 17.05.2019

Optisch gehen die Abrissarbeiten eher langsam voran. Auf der Seite des Karstadt wird ein Gerüst aufgebaut, das nicht nur die Gebäuderückseite abdeckt, sondern auch einen erheblich Teil der Seiten. Das Gerüst dient offenbar als Splitterschutz, um Beschädigungen des Karstadt während des Abrisses zu vermeiden.

Mehr Bilder zum Abriss in der umfangreichen Abrissdokumentation

Abriss Hotel Königshof
Bild 14 (17.05.2019) © Thomas Irlbeck
Abriss Hotel Königshof
Bild 15 (17.05.2019) © Thomas Irlbeck

Update 23.05.2019

Jetzt scheint es schnell zu gehen, der Zangenbagger frisst sich immer weitere ins Gebäudeinnere. Eine riesige Plane – etwa so lang, wie das Hotel hoch ist/war, hängt am Kran und hilft, die Staubentwicklung einzudämmen (Bild 17).

Mehr Bilder zum Abriss in der umfangreichen Abrissdokumentation

Abriss Hotel Königshof
Bild 16 (23.05.2019) © Thomas Irlbeck
Abriss Hotel Königshof
Bild 17 (23.05.2019) © Thomas Irlbeck

Update 29.05.2019

Kriegsschäden präzisiert und Informationen erweitert.

Update 31.05.2019 bis 24.07.2019

Bilder zum Abriss in der umfangreichen Abrissdokumentation

Quellen

Neues Quidde-Zentrum: Jetzt soll es schnell gehen (Update 27.07.2019)

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Quidde-Zentrum Oktober 2015
Bild 1: Quidde-Zentrum (Archivbild von 2015) © Thomas Irlbeck

Nach vielen, vielen Jahren des Wartens soll es nun schnell gehen – am Quidde-Zentrum sollen ein neues Ladenzentrum, aber auch Wohnungen kommen – in Gestalt eines achtgeschossigen Zeilenhauses und eines sechsgeschossigen Punkthauses. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung, die ihren Artikel mit äußerst passenden Worten einleitet:

„Fast hätte man vergessen, dass das Quiddezentrum abgerissen werden soll, so viel Zeit ist nach den ersten Ankündigungen inzwischen vergangen.“

Zum gesamten SZ-Artikel: Ende eines Schwebezustands

Wir erinnern uns, im November 2011 schloss der letzte größere Laden, der Mix Markt. Die Stadtbibliothek gab wenige Wochen später am 23. Dezember auf. Die Stadtsparkasse, die Papeterie Schwarz, das Tortenparadies (jetzt passenderweise am Neuen Südfriedhof in der Unterhachinger Straße zu finden), die Apotheke, Reinigung, der Friseur – oder, noch älter: der Edeka, Rewe und der Wienerwald – sind ebenfalls längst Geschichte.

Seit fast zehn Jahren ist das Ladenzentrum Geschichte. Einige der Räume werden nun von Künstlern genutzt – im Rahmen des „Neuperlach Zoo“. Andere Räume sind in einem derart desolaten Zustand, dass sie nicht mehr benutzt werden können. Ein Teil des Quidde-Zentrum ist inzwischen mit Bauzäunen abgesperrt.

Der Abriss und eine Realisierung eines Neubaus wurden immer wieder verschoben. Als Grund wurde angegeben, dass man bei der ursprünglichen Neuplanung nachträglich zum Ergebnis gekommen sei, dass der Anteil der Ladenflächen zu hoch ausgefallen sei. Man befürchtete Leerstände. Warum aber diese Umplanung sich über so viele Jahre hinzog, ist unverständlich, zumal Wohnungen dringend gebraucht werden und die Versorgung mit Waren in dem Quartier nicht mehr optimal ist. Immerhin ist ein Lidl (Nawiaskystraße) und ein Penny (Quiddestraße, Ecke Staudingerstraße) zumindest in fußläufiger Umgebung erreichbar. Das war es aber dann auch schon im Wesentlichen.

Weiteres zum Thema: Der nimmer enden wollende Abschied vom Quidde-Zentrum

Quidde-Zentrum Februar 2016
Bild 2: Quidde-Zentrum (Archivbild von 2016) © Thomas Irlbeck
Quidde-Zentrum Kunsttreff
Bild 3: Dieses Bild spricht für sich! Zentrum (Archivbild von 2015) © Thomas Irlbeck
xxxBild 4: Hier waren die Zeiten zumindest noch etwas besser (Archivbild von 2010) © Thomas Irlbeck
Bild 5: Der Mix Markt im Quidde-Zentrum (Archivbild von 2010) © Thomas Irlbeck
Kunsttreff Quidde-Zentrum
Bild 6: Aktuelle Nutzung, der Kunsttreff in den ehemaligen Räumen der Stadtteilbibliothek. Ganz früher war hier ein Edeka ansässig

Update 27.07.2019

Der Abriss soll noch dieses Jahr erfolgen, der Neubau dann nächstes Jahr starten. Die WSB will die Anwohner in den nächsten Wochen über die Pläne informieren. Mehr dazu in der Hallo.

Wie die Feuerwehr – unsere Feuerwache 9 an der Heidestraße

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Feuerwache 9
Bild 1 (18.02.2019) © Thomas Irlbeck

Mit der Entstehung von Neuperlach brauchte der neue Stadtteil auch eine Feuerwache. 1975 war es nach zwei Jahren Bauzeit so weit, die Feuerwache 9 an der Heidestraße, Ecke Putzbrunner Straße, wurde eröffnet. Der Standort liegt bereits in Neuperlach Süd.

Die Feuerwache 9 ist dabei nicht nur für Neuperlach zuständig, sondern deckt auch Waldperlach, Perlach, Trudering und Teile von Josephsburg ab. Ferner finden sich hier die Zentralwerkstätten für das komplette Fahrzeug- und Gerätewesen für die Münchner Berufs- und Freiwillige Feuerwehr. Nicht zuletzt ist außerdem hier die Kleiderkammer der Berufsfeuerwehr beheimatet.

Der Hauptbau ist unspektakulär als Quader und mit Sichtbetonfassade ausgeführt. Damit fügt er sich in seiner zweckmäßigen Gestaltung gut im Rest Neuperlachs ein. Eine der wenigen Abwechslungen sind die Säulen im Eingangsbereich, die den überstehenden Gebäudeteil stützen. Ob die in Rot gehaltenen Fenster, Tore und Zäune für das Thema Feuer stehen sollen, soll dem Leser überlassen werden, zumal Brände nur ein Teilbereich einer Feuerwehr sind.

Feuerwache 9
Bild 2: Kunst vor dem Bau:– „Feuervogel“ (18.02.2019) © Thomas Irlbeck

Kunst am Bau findet man nicht – aber immerhin ein Kunstwerk vor dem Bau: 1978 wurde hier passend zum Thema der „Feuervogel“ von Joseph Michael Neustifter aufgestellt, der aus Bronze und Edelstahl besteht. Das teilweise rot lackierte Kunstwerk symbolisiert die zerstörende Wirkung von Feuer (Foto, weitere Ansichten des Kunstwerks in den Bildern weiter unten – Bild 8 und 9).

Ab 2020: Umfassende Sanierung und Umbau

Der optisch gute Eindruck trügt. Inzwischen ist das Gebäude in die Jahre gekommen und soll umfassend saniert werden. Dabei geht es natürlich nicht nur um die Bausubstanz, sondern auch um eine Modernisierung und Anpassung an veränderte und gestiegene technische Anforderungen.

Die Stadt will dabei 68 Millionen Euro ausgeben. Die bestehende Fahrzeughalle soll Richtung Heidestraße vergrößert werden. Noch größer ist der Eingriff beim Trakt mit der Gerätewerkstatt und bei der Rolltor-Halle. Beide werden abgerissen und neu gebaut. Ferner ist auf dem Gelände der Bau von Dienstwohnungen vorgesehen.

2020 sollen die Arbeiten starten, die Fertigstellung ist für 2027 anvisiert.

Feuerwache 9
Bild 3 (18.02.2019) © Thomas Irlbeck
Feuerwache 9
Bild 4 (18.02.2019) © Thomas Irlbeck
Feuerwache 9
Bild 5 (18.02.2019) © Thomas Irlbeck
Feuerwache 9
Bild 6 (18.02.2019) © Thomas Irlbeck
Feuerwache 9
Bild 7 (18.02.2019) © Thomas Irlbeck
Feuerwache 9
Bild 8: Kunstwerk „Feuervogel“ (18.02.2019) © Thomas Irlbeck
Feuerwache 9
Bild 9: Detaildarstellung des Kunstwerks „Feuervogel“ (18.02.2019) © Thomas Irlbeck

Quellen:

Es geht los: Sanierung Feuerwache 9 in München

Kardinal Reinhard Marx weiht neue Kirche St. Jakobus am Quidde-Zentrum ein

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St. Jakobus – Einweihung
Bild 1: Kardinal Reinhard Marx weiht das neue St. Jakobus ein (09.02.2019). Foto: Tobias D.

Neuperlach hat nun ganz offiziell eine neue Kirche! Kardinal Reinhard Marx hat am Samstag, den 09.02.2019, die Kirche St. Jakobus am Quidde-Zentrum eingeweiht. Eine vollständige Chronik des Baus ist hier zu finden.

Einweihungen von Gotteshäusern sind in Deutschland selten geworden. Elf Jahre ist Marx (was für ein passender Name für Neuperlach, siehe Karl-Marx-Ring und Marx-Zentrum) bereits im Amt, doch es ist erst das vierte Mal, dass er ein neues Gotteshaus weiht. Das liegt daran, dass die beiden christlichen Kirchen in Deutschland massive Austritte zu verzeichnen hatten und haben. Die Kirche ist für viele Leute nicht mehr attraktiv und modern genug, sie erreicht gerade jüngere Leute kaum noch. Auch die noch vorhandenen Kirchenmitglieder gehen seltener in den Gottesdienst. Auch die Zuwanderung aus Ländern, in denen andere Religionen vorherrschen, spielt eine nicht unbedeutende Rolle.

St. Jakobus – Einweihung
Bild 2: Die Kirche – zwei verschieden große Quader formen sie (09.02.2019). Foto: Tobias D.

Fazit: Man braucht weniger Kirchen bzw. kleinere Kirchen. Das ist aber nicht der Grund für den Neubau. Denn die alte Kirche St. Jakobus war marode, sogar einsturzgefährdet, und wurde 2012 abgerissen (Neuperlach.org berichtete).

Wenn die Kirche schon abgerissen werden muss, ergibt es Sinn, den Neubau an den sinkenden Bedarf anzupassen. So wurde eine weit kleinere Kirche gebaut. Die Anzahl der Sitzplätze sank von mehreren Hundert auf nun 50.

Die Kirche wurde auf dem Standplatz des alten Kindergartens gebaut, der ebenfalls marode war und abgerissen worden war. Dafür entstand am alten Platz der Kirche nun ein neuer Kindergarten. Es wurden also die Plätze getauscht.

Ergänzung/Richtigstellung: Kapelle oder Kirche?

Anfangs wurde das neue St. Jakobus als „Kapelle“ bezeichnet. In jüngerer Vergangenheit ist davon die Rede , dass es doch eine „Kirche“ geworden sei. Laut Pressemitteilung der Erzdiözese ist St. Jakobus eine „Kirche“. Die Tagespresse hat das übernommen. Laut der Kathpedia liegt der Unterschied nicht in der Größe des Baus, sondern darin, ob der Bau eine eigene Pfarrei besitzt. Auch wenn in Neuperlach Pfarreien zusammengelegt wurden, würde ich schon bejahen, dass St. Jakobus über eine Pfarrei verfügt. Bezeichnen wir St. Jakobus also als „Kirche“.

Architektur

Die neue Kirche hat 2,6 Millionen Euro gekostet. Die Nutzfläche beträgt 315 Quadratmeter. Letztlich besteht der Bau aus zwei unterschiedlich großen Quadern. Einer ist gemauert und wurde mit Holz verkleidet. Der größere Hauptbau, der den Gebetsraum enthält, ist aus Beton und behielt seinen Sichtbeton. Nur der schräg versenkte Eingangsbereich des Hauptbaus stört die strenge mathematische Form, aber selbst das Kreuz fügt sich der Quaderstruktur, da es nicht freisteht, sondern – ums Eck gebogen – mit der (Sichtbeton-)Oberfläche verschmilzt (siehe u.a. Bild 3).

St. Jakobus – Einweihung
Bild 3 (09.02.2019). Foto: Tobias D.

Diese „brutale“ Architektur (Brutalismus heißt der Stil, was aber nicht „brutal“, sondern mehr „Beton“ bedeutet) stieß und stößt auch auf Kritik. Immer wieder erhalte ich Kommentare, wie hässlich die neue Kirche doch sei.

Vielleicht gefällt den Kirchenbesuchern aber der Altarstein besser, den das Künstlerpaar Lutzenberger & Lutzenberger, das sich für die Innenausstattung verantwortlich zeichnet, auf einer Wanderung im Allgäu entdeckt hat.

Der Bau war gezeichnet von vielen Verzögerungen. Bereits im Februar 2017 (!) schien die Kirche vom Rohbaustadium nicht mehr weit entfernt zu sein und dennoch mussten wir noch zwei weitere Jahre auf die Fertigstellung warten.

Vielen Dank an Tobias D. für die Fotos!

St. Jakobus – Einweihung
Bild 4 (09.02.2019). Foto: Tobias D.
St. Jakobus – Einweihung
Bild 5 (09.02.2019). Foto: Tobias D.
St. Jakobus – Einweihung
Bild 6: Kunst in Form von Tafeln zum Thema Heiliger Jakobus (09.02.2019). Foto: Tobias D.

Die Kirche drei Tage vor der Einweihung

Neubau St. Jakobus
Bild 7 (06.02.2019) © Thomas Irlbeck
Neubau St. Jakobus
Bild 8 (06.02.2019) © Thomas Irlbeck

Rückblick

Das war die alte Kirche St. Jakobus, die 2012 abgerissen wurde.

St. Jakobus
St. Jakobus vor dem Abriss (19.11.2011) © Thomas Irlbeck

Quellen

Blaue Spirale abgebaut – sie wird saniert

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Blaue Spirale
Bild 1: Ab in die Werkstatt! Aufladen des letzten Teiles (03.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 2: Die blaue Spirale am Vortag vor dem Abtransport (02.01.2019) © Thomas Irlbeck

Heute dreht sich alles um „Die blaue Spirale“. Das ist kein innovatives Verhütungsmittel, sondern ein Kunstwerk, das zumindest in Neuperlach jeder kennen dürfte. Es wurde 1972 von Louis Constantin geschaffen und heißt eigentlich „7. Variation über den Ablauf von Schraubenflächen“. 2001 wurde es von der Stiftung Straßenkunst, die zur Stadtsparkasse München gehört, gekauft und der Stadt München geschenkt. Seitdem steht es seit 2001 prominent an einer der wichtigsten Hauptverkehrsstraßen im Münchner Osten, an der Heinrich-Wieland-Straße in Neuperlach, dort wo sie sich mit der Albert-Schweitzer-Straße und Corinthstraße kreuzt. Genauer befindet es sich Mittelstreifen und damit auf der ehemaligen Trambahntrasse.

Blaue Spirale
Bild 3: Deutlichste Schäden am Kunstwerk (02.01.2019) © Thomas Irlbeck

Korrekterweise muss man sagen, es „stand“ dort. Denn heute wurde das Kunstwerk zur Restaurierung abtransportiert. Der Zahn der Zeit hatte an dem Kunstwerk genagt. Deutlich sind Beschädigungen und Alterserscheinungen zu erkennen. Im dritten Quartal soll die blaue Spirale an ihren vertrauten Platz zurückkommen. Mehr zur Sanierung hier: „Kunstwerk „Die blaue Spirale“ wird saniert“ (Rathaus Umschau)

Ein paar Daten zum Kunstwerk: Die blaue Spirale ist neun Meter lang, der Durchmesser beträgt 3,5 Meter. Das Material ist glasfaserverstärktes Polyester. Die acht in Hohlbauweise errichteten Elemente sind durch Metalllanschen verbunden. Das Ganze wiegt dann 1,5 Tonnen. Laut Nordostkultur München ist die blaue Spirale Münchens größte freitragende Kunststoffskulptur. Das Kunstwerk ruht in einem Becken, das mit Flusssteinen gefüllt ist. Mich erinnert das ein klein wenig an die früheren Schottersteine der aufgelassenen Trambahntrasse.

Die folgenden Bilder zeigen den Abtransport. Vielen Dank an Benno Steuernagel-Gniffke, der eine ganze Reihe an Fotos beigesteuert hat. Weiter sind unten außerdem die vielleicht letzten Bilder von der blauen Spirale vor der Restaurierung zu sehen. Diese Fotos habe ich gestern gemacht.

Zur Homepage des Künstlers Louis Constantin

Fotos vom Abtransport am 03.01.2019

Blaue Spirale
Bild 4 (03.01.2019). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Blaue Spirale
Bild 5 (03.01.2019). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Blaue Spirale
Bild 6 (03.01.2019). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Blaue Spirale
Bild 7 (03.01.2019). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Blaue Spirale
Bild 8 (03.01.2019). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Blaue Spirale
Bild 9 (03.01.2019). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Blaue Spirale
Bild 10 (03.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 11 (03.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 12 (03.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 13 (03.01.2019) © Thomas Irlbeck

Fotos vom 02.01.2019 (der Tag vor dem Abtransport)

Blaue Spirale
Bild 14 (02.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 15 (02.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 16 (02.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 17 (02.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 18 (02.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 19 (02.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 20 (02.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 21 (02.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 22 (02.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 23 (02.01.2019) © Thomas Irlbeck
Blaue Spirale
Bild 24 (02.01.2019) © Thomas Irlbeck

Blaue Spirale 2009

Hier noch ein Bild aus besseren Tagen:

Blaue Spirale
Bild 25: „Die blaue Spirale“ am 17.05.2009 © Thomas Irlbeck

Die Turnerschule – die ehemals schönste Schule Münchens (Das historische Haus)

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Grundschule an der Turnerstraße
Bild 1: Die Turnerschule mit dem Haupteingang (03.04.2018) © Thomas Irlbeck

Unser heutiges Objekt ist ein Stückchen von Neuperlach entfernt, aber noch mit einem kleinen Spaziergang gut zu erreichen. Die „Grundschule an der Turnerstraße“ (kurz: Turnerschule) liegt in Waldtrudering. Es ist unschwer zu erraten, dass die Schule an der Turnerstraße zu finden ist (die nach dem ehemaligen „Turnerplatz“, dem heutigen Gelände der Schule, benannt ist). Aber die Tunerstraße ist lang, sie verläuft vom „Am Hochacker“ bis zur Wabula. Daher soll die Position mit „Höhe Reiherweg“ genauer angegeben werden. Von hier aus ist es nicht mehr weit zur Wabula.

Auffällig trägt der dreigeschossige Bau, für den Denkmalschutz beantragt, der aber noch nicht bewilligt wurde, die große Jahreszahl 1938 unter dem Dachgiebel.

Nationalsozialistische Geschichte

Ursprünglich hieß die Schule „Ostmark-Schule“, was auf den Anschluss Österreichs 1938 an Deutschland anspielt und natürlich nichts mit der Währung der DDR zu tun hat. Die Schule wurde errichtet, um die 1930 gebaute und schon bald zu klein gewordene Waldschule zu entlasten. Die Bauphase war von 1938 bis 1939. Der Bezug fand am 12. Juni 1939 statt, die offizielle Einweihung am 28. September 1939. Die Schule galt als schönste von ganz München, wozu die „wunderbar ausgemalten Türblätter und Trachtenfiguren der österreichischen Landschaften“ beitrugen. Damit wird klar, dass auch die malerische Gestaltung auf den Anschluss Österreichs Bezug nimmt.

Über dem Portal gab es eine Inschrift, die nach dem Krieg wenig überraschend übermalt wurde:

Dieses Schulgebäude wurde erbaut im Jahre 1938, in dem die Ostmark in das Reich heimgekehrt ist.

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges – ab dem 29. August 1943 – wurde die Schule zum Hilfskrankenhaus. Erst im April 1948 kamen die Schüler zurück. 1969 wurde die Schule um einen Anbau erweitert. 2015 wurde eine neue Mensa (Bild 5) gebaut und am 13. März 2017 eröffnet. Derzeit besuchen rund 600 Schülerinnen und Schüler in über 20 Klassen die Schule.

Der Bayerische Denkmal-Atlas weiß zu dem Gebäude Folgendes zu berichten:

Ehem. Volksschule, sog. Ostmark-Schule, jetzt Grundschule an der Turnerstraße, dreigeschossiger Satteldachbau mit weit überstehendem Dach und niedrigem Nebenflügel mit Turnhalle, im Heimat- bzw. Heimatschutzstil, von Hermann Leitenstorfer, 1937/38. Benehmen nicht hergestellt.

Grundschule an der Turnerstraße
Bild 2: Totale (03.04.2018) © Thomas Irlbeck
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 3: Eingang (03.04.2018) © Thomas Irlbeck
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 4: Jahreszahl unter dem Giebel (03.04.2018) © Thomas Irlbeck
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 5: Die neue Mensa (29.10.2016). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 6: Herbststimmung (12.11.2016). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 7: Herbststimmung (05.11.2016). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 8: Winterstimmung (14.01.2017). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke

3D-Ansicht der Schule (Google Maps)

Hinweis: Die neue Mensa ist in dieser Ansicht mit dem Stand April 2018 noch nicht zu sehen.

Quelle

Trudering – Waldtrudering – Riem: Münchens ferner Osten / hrsg. von Willibald Karl. Mit Beitr. von Karl Bachmair … – München: Buchendorfer Verl., 2000

Kapelle mit Heilquelle: Das Marienheiligtum Frauenbründl

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Frauenbründl
Das Frauenbründl. Die Landschaft ist herrlich (08.08.2014) © Thomas Irlbeck

Es wäre so schön, wenn es das gäbe, eine Quelle, deren Wasser heilende Kräfte besäße, welche die eine oder andere Krankheit verschwinden ließe. Einfach ein Gläschen Quellwasser statt dem geliebten Bierchen oder der geliebten Limo reinkippen, und gut is! Doch genau an solch eine arztkostensenkende Errungenschaft glauben die Anhänger des Frauenbründl.

In der Nähe von Glonn steht am Rande eines mächtigen Buchenwaldes eine herrliche Wallfahrtskapelle, das Marienheiligtum Frauenbründl (frühere Schreibweise: Frauenbrünndl). Ein Kreuzweg mit den üblichen 14 Stationen des Leidensweges Jesu führt von der Hauptstraße zur Kapelle. Traumhaft ist die Kapelle fast in den bewaldeten Hang hineingebaut.

Das Besondere ist aber die Quelle, die unter der Kapelle entspringt. Daher kommt auch der Name Frauenbründl, das Bründl bedeutet schlicht Brunnen.

Frauenbründl
Die Heilquelle (08.08.2014) © Thomas Irlbeck

Direkt vor der Kapelle wurde ein Becken errichtet, in welches das heilige, rechtsdrehende Quellwasser über eine Öffnung austritt. Als besonderer Service hängen Schöpflöffel an der Wand, damit der nach Heilung Strebende oder auch nur der durstige Wanderer seine Fläschlein abfüllen kann.

Per Schild wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich nicht um Trinkwasser handele. Heiliges Wasser, das nicht einmal als Trinkwasser zugelassen ist? Die ebenso angebrachte amtliche Erklärung wirkt aber eher beruhigend. Wie die anderen 1.000 Quellen der Region würde das Gesundheitsamt das Wasser nicht auf schädliche Stoffe untersuchen, daher gelte es nicht als „Trinkwasser im rechtlichen Sinn“.

Frauenbründl
Hier strömt das heilige Wasser (08.08.2014) © Thomas Irlbeck

Der eine oder andere von schweren Leiden Geplagte dürfte sich für diesen rechtlichen Sinn kaum interessieren. Dennoch muss darauf hingewiesen werden, dass der Konsum des Wassers auf eigenes Risiko erfolgt. Ob es also eine so gute Idee ist, der Heilkraft des Wassers zu vertrauen, muss jeder selbst wissen.

Es gibt Menschen, die das Frauenbründl-Wasser schon seit vielen Jahren trinken und noch leben. Manche behaupten, sie wären seitdem nie mehr krank gewesen. Man kann es glauben oder nicht.

Den Überlieferungen nach soll das Wasser speziell bei Augenleiden helfen, die Lebenskraft und das Immunsystem stärken und das dritte Auge öffnen, also das Stirnchakra. Menschen mit geöffnetem dritten Auge sollen eine gesteigerter Intuition und Erkenntnisfähigkeit haben und anstelle des profanen Alltagsbewusstseins quasi über ein Gadget mit transzendierender Bewusstseinserweiterung verfügen.

Geschichte der Kapelle

Frauenbründel
Chronologie

Die Kapelle steht schon seit dem 17. Jahrhundert, den Überlieferungen zufolge bereits seit dem Pestjahr 1635, und wurde einst direkt auf der Quelle von den Bewohnern der nahe gelegenen Ortschaft Berganger gebaut. Damit wollten die Bergangerer ihren Dank dafür ausdrücken, dass sie von der Pest und dem Dreißigjährigen Krieg verschont worden waren.

Die historische Tafel vor Ort bietet eine umfassende Chronologie. Hier ist Folgendes zu lesen:

Das Frauenbrünndl – Nach einer alten Geschichtsquelle was das wundertätige Bild Unserer Frau über dem Brunnen schon im 17. Jahrhundert sehr besucht. Seit der Pestzeit 1635 hatten sich die Bergangerer verlobt, alle Jahre an Peter und Paul einen Bittgang hierher zu halten. Sie erhofften sich Trost und Beistand. 1712 scheint das Kirchlein erweitert worden zu sein. Damals gehörte das seeligerseits zum Kloster Beyharting. Es regierte um diese Zeit der eifrige Marienverehrer Probst Ignatius am Schliersee. 1712 übernahm Pater Feller die Seelsorge in Schönau. Das Kirchlein war öfter dem Verfall nahe, da es ganz auf Wasser steht. Immer wieder fanden sich fromme Hände, das traute Heiligtum zu erhalten. 1857 wurde das Kirchlein innen und außen renoviert. 1861 das Deckenbild gemalt. 1862 wurde das Pflaster gelegt. 1866 der Brunnen gefasst. Als Räuber den Gnadenort geplündert, 7 Kreuzwegbilder gestohlen hatten, war der Schaden durch Wohltäter bald wieder behoben. 1912 und 1922 wurde wieder renoviert. Das Frauenbrünndlfest am 1. Sonntag im Jahr ist seit Expositus Epimach Riester um 1926 eingeführt. Im Marianischen Jubeljahr 1954 wurde die Quelle mit großer Mühe erneuert, gefasst und sichtbar gemacht von Expositus Pater Theodor Gramlich.

Die Kapelle

Die Kapelle wird in der Liste der Baudenkmäler (Wikipedia) als „kleiner Putzbau mit stark eingezogenem geradem Chor und massivem Fassadenreiter“ geführt.

Im Inneren der liebevoll eingerichteten Kapelle finden sich an den Wänden unzählige Votivgaben als Danksagung für erfolgte und erhoffte Heilungen. Direkt oberhalb der Quelle soll ein mächtiger Kraftpunkt sein. Diesen erreicht man, wenn man in die Kapelle tritt und ein paar Schritte geradeaus geht, bis man auf der Höhe des Opferstockes ist. Aufnahmen aus dem Inneren der Kapelle dürfen hier leider nicht gezeigt werden.

Der Ort „Baiern“ – ein Ort, zwei Besonderheiten

Die Kapelle liegt in der Nähe der gleichnamigen Ortschaft Frauenbründl, die nur aus einem einzigen Hof besteht und zur Gemeinde Baiern gehört. Dabei gibt es zwei Besonderheiten. Erstens gibt es eigentlich keine Ortschaft, die Baiern heißt. Es gibt vielmehr eine ganze Reihe an Einzelortschaften, zu der auch das erwähnte Berganger zählt. All diese Ortschaften heißen als Gesamtheit Baiern. Gleichzeitig ist Baiern Teil der Verwaltungsgemeinschaft Glonn, zu der auch z.B. die Gemeinden Moosach und Oberpframmern gehören. Zweitens könnte man bei Baiern an die traditionelle Schreibweise von Bayern denken. Das „y“ kam erst später in den Namen und geht auf die Liebe des bayerischen Königs Ludwig I. zu Griechenland zurück. Denn „y“ ist ja ein griechischer Buchstabe. Er ordnete 1825 an, dass die bisherige Schreibweise Baiern durch Bayern abgelöst wird. Es gab aber auch zuvor zeitweise schon die Schreibweise mit „y“, aber ohne „e“, also Bayrn. Doch wie gesagt, ist das hier nicht die Auflösung. Vielmehr geht der Ortsname auf das althochdeutsche Wort Bur in der Bedeutung Haus zurück. Der Gemeindename Baiern wurde schließlich von dem nahe gelegenen Weiler Jakobsbaiern abgeleitet, der heute ebenso zum Gesamtort Baiern gehört. Jakobsbaiern wiederum trägt den Namen des Kirchenpatrons des Ortes, um ihn von den vielen anderen Orten mit dem Namen Baiern oder Beuern zu unterscheiden.

Bilderstrecke

Frauenbründl
Das Frauenbründl … (08.08.2014) © Thomas Irlbeck
Frauenbründl
… aus verschiedenen … (08.08.2014) © Thomas Irlbeck
Frauenbründl
… Perspektiven. Jede … (08.08.2014) © Thomas Irlbeck
Frauenbründl
… ist es wert, gezeigt zu werden (08.08.2014) © Thomas Irlbeck
Frauenbründl
Das Quellbecken aus der Nähe (08.08.2014) © Thomas Irlbeck
Frauenbründl
Das Wasser, so nahe gezeigt, wie es die Kamera erlaubt. Macht dieses Wasser gesund? (08.08.2014) © Thomas Irlbeck

Die Königseiche bei Moosach (Grafing)

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Königseiche
2013 stellte ich mir noch die Frage: Was soll dieses Objekt darstellen? (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Bereits letztes Jahr kam ich bei einer Radtour an diesem seltsam erscheinenden Objekt vorbei, das sich unweit von Moosach bei Grafing befindet. Es sind aufrechte Holzpfähle und Holzstücke, teilweise mit länglichen Metallplatten verbunden, die in einem riesigen Kreis angeordnet sind. Was soll dies darstellen? Eine Kultstätte? Ein Kunstwerk? Ich kam nicht darauf, aber schoss ein Foto.

Vermutlich lässt sich das Rätsel durch Kombinieren und Überlegen alleine nicht lösen. Erfreulicherweise hat man nun zwei Infotafeln aufgestellt, welche die Fragen beantworten.

Königseiche
Königseiche 1909 (von der Infotafel abfotografiert)

Es handelt sich bei diesem Objekt um ein Naturdenkmal auf der Flur Breitwiese. Es entstand 2012 und erinnert an die mächtige Maximilians- oder Königseiche, einer Stieleiche, die rund 1.000 Jahre alt gewesen ist und am 7. April 1988 exakt an dieser Stelle Opfer der Osterstürme wurde. Der Kreis des Naturdenkmals bildet den enormen Stammumfang ab, der stolze 13 Meter betrug. Mit integriert wurden die letzten noch enthaltenen Stammreste der Königseiche sowie fünf Sitzsteinblöcke aus heimischem Nagelfluh. Wenige Meter entfernt (im ersten Bild ganz rechts) wurde – ebenso 2012 – eine neue Stieleiche gepflanzt.

Frühe urkundliche Erwähnung

Bereits in einer Urkunde aus dem 13. Jahrhundert wurde die Königseiche als „alter und großer Baum“ erwähnt.

Namensherkunft Königs-/Maximilianseiche

König Ludwig I. kaufte die Eiche 1846 von Kaspar Maier ab, dem Bauern am nahe gelegenen Schartlhof, und zahlte ihm 70 Gulden, um den Baum vor Abholzung zu schützen und der Nachwelt zu erhalten. Dennoch wurde die Eiche Maximilianseiche und nicht etwa Ludwigseiche genannt. Eine Erklärung könnte eine Namensverwechslung sein. Auf dem an der Eiche angebrachten Schild stand fälschlicherweise „Diese mehr als tausendjährige Eiche wurde von weiland Maximilian II. König von Bayern, dem Unvergeßlichen, gekauft, um sie vor Vernichtung durch die Axt zu bewahren (gestiftet von Bürgern Haidhausens 1882, renov. 1892 und 1898)“. Erst 1952 wurde der Fehler in einem neuen Schild korrigiert.

Die 1.000-jährige Königseiche – Ausflugsziel und Kraftplatz

Eine historische Aufnahme von 1909 lässt erahnen, wie mächtig der Baum war. Schon damals war die Eiche längst zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Die Besucher schätzten den Ort als Kraftzentrum.

Rettungsversuche

Die Eiche wurde keinesfalls ihrem Schicksal überlassen. Bereits 1949 wurden Sanierungen an dem altersschwachen Baum durchgeführt. Dabei wurde im Inneren des Baumes ein Gerüst aus Eichenpfählen installiert und mit 12 Kubikmetern Beton aufgefüllt. Herausbrechende Teile des Baumes konnten auf diese Weise durch starke Verschraubungen an dem Gerüst wieder fixiert werden. Mit einer 25 Meter langen Eisenkette, mehrere Zentner schwer, wurde der Baum zusammengeschnürt. Derartige Reparaturen unter Einsatz von Beton werden heute nicht mehr durchgeführt, da sie dem Baum mehr schaden als nützen. Denn die sich dort festsetzende Feuchtigkeit führt zu Pilzbefall. Auch geht die Sicherheit vor, gerade wenn Bäume nahe an Straßen stehen. Bäume, die ein Risiko darstellen, werden gefällt. Alleebäume werden heutzutage kaum mehr als 80 bis 100 Jahre alt.

Reste Königseiche
Reste Königseiche (von der Infotafel abfotografiert)

Bei der Sanierung von 1949 wurden auch drei Ruhebänke aufgestellt und eine Treppe errichtet, um den Zugang von der Straße zu erleichtern. Ebenso wurde das Alter der Eiche näher bestimmt. Bei eine Zählung der Jahresringe an einem herausgebrochenen Stammstück kommt der Heimatkundler Ludwig Aicher zu dem Ergebnis, dass der Baum mehr als 1.000 Jahre alt ist.

Das Ende – und ein Weiterleben als Denkmal und Madonnenskulptur

Ab 1960 verfällt der Baum zusehends. Schuld an dem Niedergang soll auch der Fichtenaufwuchs gehabt haben, der dem Baum Licht entzog. Denn Eichen brauchen viel Licht. Pläne, die Fichten zu entfernen, konnten nicht umgesetzt werden, da Verhandlungen der Behörden scheiterten.

1988 kam dann, wie schon erwähnt, das Ende. Der Baum konnte den Osterstürmen nichts mehr entgegensetzen und stürzte um. Der Platz mit den Resten der Königseiche (Foto) wurde abgesichert. Aus den vermodernden Resten des Baumes wird 2000 ein großer Ast geborgen, aus dem der Ebersberger Bildhauer German Larasser eine lebensgroße Madonnenskulptur mit Christuskind schnitzte, die in de Kapelle des Schartlhofes angebracht wurde. Der Baum ist damit nicht nur durch sein Naturdenkmal unsterblich geworden, sondern lebt auch in dieser Madonnenskulptur weiter.

Das Naturdenkmal

Die aktuellen Fotos vom 18. Juli 2014 zeigen das Naturdenkmal. Deutlich sind die alten Stammreste zu erkennen. Eine der beiden Infotafeln wurde in die Mitte des eigentlichen Denkmals gesetzt und die andere neben der Neupflanzung platziert (letztes Foto). Die neu geschaffene Lichtung soll dauerhaft freigehalten, also Wildwuchs regelmäßig entfernt werden, damit die neue Eiche genug Licht erhält. Dazu hat der Landkreis Ebersberg eigens einen 903 Quadratmeter großen Bereich um das Naturdenkmal herum erworben. Dennoch erscheint es eher unwahrscheinlich, dass die Nachfolger-Eiche auch eines Tages 1.000-Jähriges feiern darf.

Königseiche
Naturdenkmal Königseiche. Deutlich … (18.07.2014) © Thomas Irlbeck
Königseiche
… lassen sich die Originalstücke … (18.07.2014) © Thomas Irlbeck
Königseiche
… der Königseiche erkennen (18.07.2014) © Thomas Irlbeck
Königseiche Neupflanzung
Königseiche Neupflanzung (18.07.2014) © Thomas Irlbeck

Trivia

Blitzableiter

Der Baum verfügte über einen Blitzableiter. Auch wenn das jetzt kurios erscheinen mag, bei Mammutbäumen ist eine solche Einrichtung nicht unüblich.

Verschwundene Neupflanzung

Umgebungskarte Königseiche
Umgebungskarte Naturdenkmal Königseiche. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Laut einem Bericht des Münchner Merkur wurde bereits 1990 eine neue Eiche gepflanzt und eine Gedenktafel angebracht. Im Frühjahr 2011 stellte man dann fest, dass der Baum verschwunden ist. Es wird vermutet, dass ein Arbeitstrupp den Baum versehentlich beseitigt hat.

Die Kirche mit dem „angeschrägten“ Hochhaus-Turm

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St.-Augustinus-Kirche
St.-Augustinus-Kirche (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Wie sicherlich das eine oder andere Mal erwähnt, habe ich mit der Kirche als Institution weniger als wenig am Hut. Aber Kirchenarchitektur kann mich durchaus begeistern. Dabei zieht mich hier vor allem klassische Kirchenarchitektur an. Moderne Kirchenbauten gibt es nur sehr wenige, die mir gefallen.

Der heutige mystische Ort ist die katholische St.-Augustinus-Kirche in Trudering, die folgerichtig an der St.-Augustinus-Straße liegt. Die Kreuzung zur Bajuwarenstraße ist hier ganz in der Nähe, und – wen wundert es – an dieser befindet sich auch die Augustinus-Apotheke. Räumlich sind wir zwar ein Stückchen von Neuperlach entfernt. Doch das Ziel, endlich einen mystischen Ort in Neuperlach zu finden, kommen wir heute vielleicht näher denn je.

Der Neuperlach-Faktor liegt in der Architektur. Die Kirche ist kein klassischer, aber auch kein typisch moderner Bau. Es ist 1950er-Jahre Architektur, so gesehen also der Nachkriegsmoderne zuzuordnen. Genauer wurde die Kirche 1952 bis 1955 geplant und gebaut. Am 28. August 1955 zum Fest des heiligen Augustinus wurde sie geweiht.

Ungewöhnlich: Die Form des Turmes ist die eines „angeschrägten“ Quaders

Das Neuperlachige ist die Form des Turmes, der 26 Meter Höhe misst bei einem Grundriss von 7 × 9 Metern. Dieser sieht wie ein Quader aus und hat auch das in Neuperlach obligatorische Flachdach. Damit ähnelt der Turm von der Optik einem Hochhausblock, wobei es hier doch zwei Unterschiede gibt. Erstens: Das Flachdach ist weit auskragend. Zweitens: Der Quader ist bei strengerer Betrachtung keiner, der Turm verjüngt sich nach oben hin zumindest leicht. Das Besondere ist, dass die Schräge nur auf der Nordseite vorhanden ist, im Bild ist das rechts. Das Foto kann diesen Effekt nur begrenzt zeigen – siehe weiter unten unter Nicht objektiv, sondern eine Sache der Perspektive.

Glocken

St.-Augustinus-Kirche
Nordseite des Kirchenschiffs (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Im Turm befinden sich sieben Glocken, die 1955 auf Basis einer zinnfreien Bronzelegierung in Erding gegossen wurden. Die Töne der Glocken lauten von unten nach oben: As – c‘ – es‘ – f‘ – as‘ – b‘ – c“

Kirchenschiff und Orgel

Das Kirchenschiff misst 15 Meter in der Höhe, ist 45 Meter lang und 22 Meter breit. Es verfügt über ein übliches Satteldach. Verspätung gab es bei der Kirchenorgel. Diese wurde erst 1965 von der Firma Carl Schuster und Sohn erbaut und in Betrieb genommen. Die 41 Register sind auf Hauptwerk, Positiv, Schwellwerk und Pedal verteilt.

Kirchturm ohne Kreuz – der Flughafen Riem war schuld

St.-Augustinus-Kirche, Kreuz Detail
Der Abstand des Kreuzes zur Turmwand wird nach oben hin größer. Durch Klick vergrößern, um den Effekt gut sehen zu können (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Der Flughafen Riem, 1939 eröffnet, sorgte für ein Kuriosum. Aus Sicherheitsgründen galten in der Einflugschneisen des Stadtgebiets strenge Bauhöhenbegrenzungen. Diese kann man heute noch in Neuperlach sehen. An der Haupteinflugschneise war eine Begrenzung auf 25 Meter vorgeschrieben (was acht Stockwerke ermöglichte), wobei man bei Dachaufbauten manchmal großzügig waren, sodass manche Häuser doch zumindest punktweise auf rund 26 Meter kamen. Außerhalb der Haupteinflugschneise – bereits das Marx-Zentrum lag ein paar Meter von dieser entfernt – gab es weniger strenge Limitierungen. So waren für die Häuser im Marx-Zentrum bis zu 35 Meter erlaubt, was sich in bis zu 14 Stockwerken (zuzüglich teilweise mehrstöckiger Dachaufbauten) widerspiegelt.

Genau diesr Bauhöhenbegrenzung war verantwortlich dafür, dass die St.-Augustinus-Kirche kein Kreuz auf dem Turm tragen durfte. Mit 26 Meter Höhe des Turmes war offenbar schon alles ausgeschöpft. Als Ersatz war aber aber ein kleines Kreuz auf dem Dach des Kirchenschiffs ganz vorne am Haupteingang (Westseite) aufgesetzt worden. 1992 wurde der Flughafen Riem stillgelegt, doch erst 2002 bekam der Kirchturm sein Kreuz. Im Rahmen einer umfassenden Sanierung wurde an der Nordseite des Turms ein zwölf Meter langes vergoldetes Kreuz angebracht, das sechs Meter über das Flachdach hinausragt, und das alte Kreuz auf dem Satteldach entfernt. Obwohl gerade diese Nordseite nicht senkrecht, sondern schräg läuft, steht das Kreuz selbst exakt vertikal. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass dies durch zwei unterschiedlich lange waagrechte Halterungen erzielt wird (die Abbildung zeigt es, diese anklicken, um zu vergrößern). Der Abstand des Turms zum Kreuz wird nach oben hin größer. Aber auch bei den Fenstern am rechten Rand des Turmes (Abbildung am Artikelanfang) sieht man, dass deren Abstand zur rechten Turmwand nach oben hin kleiner wird.

Nicht objektiv, sondern eine Sache der Perspektive

Ein Objektiv ist nur dem Begriff nach objektiv. In der Realität gibt es starke Verzerrungen, je weitwinkiger, desto größer werden sie. Objekte laufen dann auf einmal spitz nach oben oder unten zu, Hochhäuser und Türme, speziell am Bildrand, drohen umzustürzen. Diese stürzenden Linien lassen sich per Bildbearbeitung automatisch oder manuell aufrichten. Hat man ein Gebäude vor sich, bei dem die Kanten wirklich senkrecht laufen, lässt sich auf diese Weise ein gutes Ergebnis erzielen und ein Schiefer Turm von Pisa vermeiden. Besitzt ein Gebäude aber keine oder nicht durchgehend senkrechte Kanten, da es sich tatsächlich verjüngt, wird es schwieriger, da es weniger oder keine Anhaltspunkte gibt. Eine normale Entzerrung stürzender Linien würde hier ein Ergebnis erzielen, das an der Realität vorbeigeht. Daher wurde hier die Entzerrung behutsam eingesetzt. Dabei wurde darauf geachtet, dass alle senkrechten Kanten inklusive des Kreuzes möglichst vertikal verlaufen. Die einzige Schräge ist damit die Turmnordseite, die aber hier im Ergebnis möglicherweise subjektiv zu stark ausfällt. Es muss klar sein, dass dies nur ein Kompromiss sein kann. Keine Aufnahme, ganz speziell in diesem Fall, kann eine Betrachtung vor Ort ersetzen.

Der heilige Augustinus

St.-Augustinus-Kirche, Relief
Relief an der Westseite mit dem heiligen Augustinus (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Augustinus von Hippo (* 13. November 354 in in Tagaste, auch: Thagaste, in Numidien, heute Souk Ahras in Algerien; † 28. August 430 in Hippo Regius, heute Annaba in Algerien) war „einer der vier lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike und ein wichtiger Philosoph an der Epochenschwelle zwischen Antike und Mittelalter“ (Quelle: Wikipedia). Von den Westkirchen wird Augustinus als Heiliger verehrt.

An der Westseite der Kirche mit dem Haupteingang befindet sich ein Relief des heiligen Augustinus (siehe Abbildung). Der Künstler Siegfried Moroder meißelte dieses 1958 aus den Sandsteinblöcken heraus, die bereits beim Bau der Kirche eingefügt worden waren.

Umgebungskarte

Umgebungskarte St.-Augustinus-Kirche
Umgebungskarte St.-Augustinus-Kirche. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Per ÖPNV erreicht man die Kirche am besten so:

Bus 195, N49: Gnadenwaldplatz

oder

Bus 139, 195, N49: St.-Augustinus-Straße

Quellen

Über Neuperlach ins Schwarze Meer: Der Hachinger Bach

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Hachinger Bach Unterbiberg
Der Hachinger Bach bei Unterbiberg (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Auf der Suche nach mystischen Orten in Neuperlach werden wir nun das erste Mal einen Ort finden, der tatsächlich (auch) in Neuperlach liegt und nicht haarscharf daneben. Gena

u genommen ist es kein Ort, sondern vielmehr ein linienförmiges Gebilde: der Hachinger Bach. An seinem Verlauf gibt es eine ganze Reihe mystischer Orte. Auch als Ort der Ruhe ist der Bach an vielen Stellen mindestens eine Kraftzone. Da auch Taufrituale an Gewässern durchgeführt werden, hat ein Gewässer grundsätzlich einen gewissen mystischen Charakter. Zudem ranken sich noch Sagen und Legenden um den Hachinger Bach, dazu später mehr. Schließlich soll noch ein Experiment den Bach „erfahrbar“ machen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ansichtskarte Hachinger Tal
Ansichtskarte Hachinger- und Gleißental aus der Vogelperspektive (um 1909). Urheber: unbekannt, Lizenz: Public Domain

Zunächst einmal das Wichtigste: Der Hachinger Bach fließt durch Oberhaching, Taufkirchen, Unterhaching, Unterbiberg, Perlach und dann eben auch Neuperlach. Gleich hinter Neuperlach taucht dann der Bach in den Untergrund ab, worauf später noch näher eingegangen wird. Letztlich fließt der Bach über seine Folgegewässer ins Schwarze Meer.

Ein Bach ohne eindeutige Quelle – und mit ungewöhnlicher Mündung

Das zwölf Kilometer lange Gewässer beginnt in einer ehemaligen Gletscherabflussrinne zwischen Deisenhofen und Oberhaching. Dabei zeigt sich die erste Besonderheit, der Hachinger Bach hat keine eindeutige Quelle. Die Stelle, wo der Hachinger Bach in Erscheinung tritt, liegt in einem Bereich, in dem das vom Deininger Weiher ausgehende Gleißental zum Hachinger Tal wird. Auf einer Länge von rund 100 Metern tritt stetig mehr Grundwasser aus dem Boden, sodass der Boden immer mehr Feuchtigkeit aufweist, bis tatsächlich eine sichtbare Wasserrinne und damit der Bach entsteht. Da das Grundwasser ständigen Schwankungen unterworfen ist, lässt sich kein genauer Quellpunkt ausmachen. Um zu verhindern, dass das Bachbett ganz trocken fallen kann, wurde neben einem Parkweg ein Rohr installiert, das Wasser einleitet. Die Wassermenge steigt im weiteren Bachverlauf an – durch Grundwassereintritt und Zuflüsse wie den Entenbach in Taufkirchen.

Doch nördlich von Unterhaching ist der Bach in Gefahr, da die Flinzschicht, die das Wasser hält und den Bach vor einem Versickern bewahrt, stark abfällt. Ebenso sinkt das Grundwasser. Doch die Schlammablagerungen, die der Bach selbst geschaffen hat, verschonen ihn vor diesem Schicksal. Dadurch versickerte der Bach nicht mehr wie ursprünglich irgendwo kurz nach Unterhaching in der Münchner Schotterebene, sondern schaffte es noch bis zu einer Stelle, die nördlich des heutigen Ostparks liegt. Doch heute ist alles anders. Der Bach unterquert nach dem Ostpark noch die Heinrich-Wieland-Straße und hat dann noch 120 Gnadenmeter an der Oberfläche, bevor er seit 1933 in einem Einlaufbauwerk mit automatischem Schmutzrechen abtaucht. Neben dem Einlaufbauwerk wurde ein Versickerungsbecken angelegt, das bei Hochwasser Überschwemmungen verhindern soll.

Jetzt wird es unterirdisch

Der Bach fließt ab dem Einlaufbauwerk unterirdisch durch ein profanes Betonrohr bis zum so genannten Hüllgraben, einem künstlich angelegten Kanal, der am Zamdorfer Gleisdreieck beginnt. Von dort geht es oberirdisch weiter zum sogenannten Abfanggraben, der zwischen Johanneskirchen und Aschheim liegt. Dieser führt schließlich zum Mittlere-Isar-Kanal westlich von Neufinsing. Letzterer fließt dann bei Tiefenbach, westlich von Landshut, in die Isar. Diese wiederum mündet bekanntlich in die Donau und diese fließt noch „bekannlicher“ ins Schwarze Meer.

Renaturierung

Der Bach wurde wie viele Gewässer auch an vielen Stellen begradigt. Auch heute noch fließt er an manchen Stellen schnurgerade, oft sogar in einer kanalähnlichen Betonrinne. An einigen Stellen, etwa in einem Teilabschnitt in Unterbiberg, wurde aber inzwischen eine Renaturierung durchgeführt. Inwieweit diese Renaturierungen gelungen sind, zeigen die Fotos weiter unten.

Nach oben kommen!

Forderungen, den Hachinger Bach auch in Berg am Laim, wo er ja unterirdisch fließt, an die Oberfläche zu holen, gibt es immer wieder. Man hat auch eine vorbereitende Maßnahme durchgeführt und vom Einlaufbauwerk bis zum Pavillon der U-Bahn-Station Josephsburg ein Bachbett angelegt. Doch dieses ist bis heute ungenutzt. Update: 2014 soll es nun so weit sein und der Bach hier offengelegt werden.

Legende

Früher versiegte die Quelle des Baches rund alle sieben Jahre, um dann ein Jahr später wieder aufzutauchen. Dafür und auch für das Versickern des Bachs hatte man damals keine Erklärungen. Entsprechend entstanden einige Sagen, in denen dafür dem Teufel die Verantwortung dafür gegeben wurde. Ferner ist eine Sage bekannt, in der von einem Erbschaftsstreit um eine Mühle am Bach zwischen zwei Söhnen die Rede ist. Da sich die Söhne nicht einigen konnten, soll Gott höchstpersönlich die Quelle zum Versiegen gebracht haben, um die Mühle vorübergehend sinnlos zu machen.

Wortherkunft

Der Name Hachinger Bach leitet sich von Hacho ab, einem Bajuwaren, der zwischen dem 5. und dem 8. Jahrhundert Siedlungen entlang des Bachlaufs errichtete.

Das Experiment – Entlang am Hachinger Bach

In dem angekündigten Experiment möchte ich den gesamten Hachinger Bach mit dem Fahrrad abfahren und auch das ominöse Wasserrohr an der Quelle lokalisieren. Der Grundgedanke ist, dass wenn ich nach Deisenhofen auf der normalen Straße fahre, ich möglicherweise gar nichts finde, da das Wasserrohr gut versteckt und der Bachverlauf unklar sein könnten. Also fange ich lieber auf der sicheren Seite an (im wahrsten Wortsinne!), das heißt beim Einlaufbauwerk am Michaelibad. Von dort aus taste ich mich gewissermaßen zum anderen Ende der Schnur. Meine selbst gesetzte Vorgabe ist, möglichst immer am Ufer zu fahren, zumindest aber in Sichtnähe zum Bach. An Stellen, wo der Bach durch Privatgrundstücke fließt, sind Ausnahmen möglich, aber zu weit sollte ich mich nicht vom Bach wegbewegen. Alle Bilder sind übrigens in der Reihenfolge streng von der Mündung in Richtung Quelle angeordnet. Der Blick wechselt aber mitunter und geht mal in die eine und mal die andere Richtung (je nachdem, was es zu sehen gibt und auch um Gegenlichtaufnahmen möglichst zu vermeiden). Das Experiment kann beginnen. Werde ich die Aufgabe meistern und am Ende vor dem erwähnten Rohr stehen?

Noch ein Hinweis: In dem nachfolgenden Text mag man mir verzeihen, dass ich den Verlauf Richtung Quelle beschreibe und dabei immer mal wieder die Formulierungen der „Bach unterquert, schlängelt sich (oder ähnlich)“ verwende, obwohl das ja dann quasi flussaufwärts wäre. Natürlich kann selbst der Hachinger Bach nicht Richtung Quelle und auch nicht bergauf fließen. Aber es ließe sich anders nur sehr kompliziert ausdrücken, daher diese sprachliche Ungenauigkeit.

Das Einlaufbauwerk

Hachinger Bach Einlaufbauwerk
Der Hachinger Bach verschwindet im Einlaufbauwerk (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Josephsburg
Das kurze oberirdische Stück des Bachs in Josephsburg (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Ich starte am Einlaufbauwerk, das sich an der Kampenwandstraße befindet. Das Kleine Brauhaus Wilder Mann ist hier ganz in der Nähe. Das Gelände mit dem Einlaufbauwerk ist eingezäunt und durch Bewuchs nur schlecht einsehbar. Lediglich den Bach sieht man deutlich verschwinden, der dann auf der anderen Seite nicht mehr auftaucht und sich unterirdisch auf seine Reise gen Norden begibt. In dem kurzen Stück zwischen Einlaufbauwerk und Heinrich-Wieland-Straße hat der Bach immerhin ein würdevolles Bett.

Im Ostpark

Heinrich-Wieland-Straße
Der Bach überquert die Heinrich-Wieland-Straße. Hier ein Blick auf das kurze Stück (Blick nach Norden), das der Bach hier noch bis zum Einlaufbauwerk hat (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Nachdem der Bach die Heinrich-Wieland-Straße unterquert hat (Bild links), geht es ziemlich idyllisch durch den Ostpark. Es gibt diverse Brücken, auch Stellen, wo man nur mit Mühe auf einem kleinen Trampelpfad dem Gewässer folgen kann. Aber es lohnt sich. Ich zeige einfach mal einige der schönsten und typischsten Stellen. Bei einigen Bildern kann man kaum glauben, sich im künstlich angelegten Ostpark zu befinden. Es lohnt sich aber, die offensichtlichen Wege zu verlassen und dem Bach haut-, besser wassernah zu folgen.

Hachinger Bach Ostpark
Der Ostpark: So künstlich angelegt … (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Ostpark
… sieht der Park hier gar nicht aus (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Ostpark
Im Ostpark: Eine der vielen Brücken über den Bach (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

In Neuperlach West

Nachdem der Hachinger Bach die Staudingerstraße unterquert hat, fließt er am Adolf-Baeyer-Damm durch Neuperlach West. Das Ufer ist hier schön grün angelegt, aber das Ufer ist nicht so natürlich und wild wie im Ostpark. Hier steht jedoch das Erholungserlebnis der Bürger im Vordergrund, so führen an einer Stelle z.B. Betonstufen runter zum Bach (siehe die ersten drei Bilder). Unter der Ständlerstraße verlässt der Bach schließlich Neuperlach (letztes Bild).

Hachinger Bach Neuperlach West
Der Hachinger Bach in Neuperlach West (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Neuperlach West
Hier führen Stufen runter zum Ufer (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Neuperlach West
Die Stufen nun von der anderen Seite (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Neupelach West
Hier lässt es sich wirklich gut aushalten (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Neupelach West
Auch das gibt es: eine der winzigen Inseln (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Neuperlach West
Hier unterquert der Bach die Ständlerstraße (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Perlach – hier ist die Zeit stehen geblieben

St. Michael, Perlach
St. Michael am Pfanzeltplatz. Foto: Rufus46 / Lizenz siehe: Wikipedia

Nach der Ständlerstraße schlängelt sich das Bächlein durch Perlach, also gewissermaßen Altperlach. Hier findet sich ein extrem abwechslungsreicher Verlauf. Es gibt wilde Stellen, aber auch gezähmte, bei denen der Bach fast schon trostlos in einer schnurgeraden Betonrinne dahinplätschert. Auffällig sind die vielen Brücken, von denen manche speziell nur für den Zugang von Einfamilienhäusern gebaut wurden. Einige der Brücken sind sehr simpel, andere aufwändiger und auch mit schwerem Gerät befahrbar.

St. Paulus Perlach
St. Paulus in der Nähe vom Pfanzeltplatz ist die älteste evangelische Kirche Münchens. Foto: Donaulustig at de.wikipedia / Lizenz siehe: Wikipedia

Die Häuser weisen meist sehr dörflichen Charakter auf, aber auch Neubauarchitektur, die verdächtig nach Einheitsarchitektur von der Stange aussieht, hat sich stellenweise breit gemacht. Einöde wechselt sich mit belebten Stellen ab. Das Zentrum ist natürlich der Pfanzeltplatz, wo auch ein Marktplatz und die meisten Läden angesiedelt sind. Viele der Geschäfte haben ihren ursprünglichen Charakter behalten, bei manchen scheint die Zeit in den 1960er-Jahren stehen geblieben zu sein.

Am Pfanzeltplatz treffen wir auch auf den ersten echten mystischen Ort, die 1728 errichtete barocke römisch-katholische Pfarrkirche St. Michael (siehe Bild links). Etwas weiter stadtauswärts – der Sebastian-Bauer-Straße folgend – kommen wir noch einmal an einer Kirche und damit an einem weiteren wirklichen mystischen Ort vorbei, der evangelisch-lutherischen St.-Paulus-Kirche (siehe Bild rechts).Es ist keine Kirche wie jede andere, es ist vielmehr die älteste evangelische Kirche Münchens. Sie wurde 1849 nach Plänen des Architekten Georg Friedrich Ziebland (* 1800; † 1873) gebaut. Von ihm stammen unter anderem auch die Staatlichen Antikensammlungen am Königsplatz.

Unter den S-Bahn-Gleisen verlässt der Bach schließlich das eigentliche Perlach. Jetzt geht es weiter durch Perlach Süd (nicht zu verwechseln mit Neuperlach Süd!).

Hachinger Bach Perlach
Eine natürlich wirkenden Stelle mit Insel (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach
Hier wirkt der Bach arg kanalmäßig eingezwängt (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hofangerstraße Perlach
Hier in Perlach fühlt man sich noch fast wie auf dem Dorf (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Pfanzeltplatz Markt
Pfanzeltplatz mit Marktplatz (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach
Besonderes Haus am Bach (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Perlacher Hof, Perlach
Der Perlacher Hof – natürlich – in Perlach (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Perlach Süd – Idylle und eine geheimnisvolle Kapelle

Obwohl es in Perlach Süd ein Gewerbegebiet gibt, befinden sich am Bach die vielleicht idyllischsten Punkte überhaupt. Der Bach fließt dabei westlich der Unterbiberger Straße und parallel zu ihr. Am Ufer führt ein einfacher Pfad. An einigen Punkten läuft der Bach fast schon spektakulär durch Privatgrundstücke und ganz nah an Privathäusern vorbei. Es gibt viel zu entdecken – interessante Brücken, ein Baumhaus und ganz besonders geformte Bäume.

Am südlichsten Zipfel von Perlach kann ein weiterer echter mystischer Ort bestaunt werden, eine Kapelle gleich neben dem Bach. Leider ist „bestaunen“ schon fast zu viel versprochen, denn das Gotteshaus steht auf einem nicht zugänglichen, eingefriedeten Privatgrundstück. Das Wohnhaus und die Einrichtungen um das Haus herum machen nicht mehr den frischsten, ja fast schon einen verlassenen Eindruck. Dem Besucher bleibt leider nur ein Blick auf die Kapelle (siehe letztes Bild). Vielleicht weiß ja einer der Neuperlach.org-Leser mehr über die Kapelle.

Hachinger Bach Perlach Süd
Jetzt wird es ziemlich privat (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach Süd
Noch mal sehr privat (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinge Bach Perlach Baumhaus
Eine Brücke und ein Baumhaus (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach
Baumhaus und Brücke aus der Nähe (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach in Perlach Süd
Jetzt wird es wirklich ländlich (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach in Perlach Süd
Der Hachinger Bach in Perlach Süd (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach Süd
Zäune sind doch keine Hindernisse für einen Bach! (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach
Ein ganz besonderer Baum (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach Süd
Auch Brücken der einfachsten Art verbinden (06.12.2012) © Thomas Irlbeck
Kapelle am Hachinger Bach
Kapelle am Hachinger Bach (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Unterbiberg

Nun führt der Bachverlauf mich nach Unterbiberg, einem Ortsteil von Neubiberg. Hier hat der Bach richtig viel Platz. Es gibt einen Park und große Felder und es ist alles nicht so zugewachsen. Das erleichtert es auch, Bilder zu machen, die nicht wie die bisherigen den Bach vor einem eher unruhigen, grünen Hintergrund zeigen. Als Erstes komme ich an der Grundschule Unterbiberg vorbei, ein sehr farbenfrohes Gebäude, das bezeichnenderweise an der Straße „Am Hachinger Bach“ liegt. Als Nächstes führt mich mein Weg an der barocken römisch-katholischen Kirche St. Georg vorbei, dem bereits vierten mystischen Ort. Das dürfte rekordverdächtig für diese Reihe auf Neuperlach.org sein! Der Bau von St. Georg wurde 1725 begonnen und rund 20 Jahre später abgeschlossen. Der Friedhof ist übrigens noch viel älter, etwa 600 Jahre. Kurz hinter St. Georg verlasse ich den bebauten Teil von Unterbiberg. Nun wird es zunächst auf ein paar Metern fast so was wie wildromantisch, wenn man mal über die steinerne schnurgerade Kanalrinne hinwegsieht. Etwas weiter hinten wird der Bach begradigt über riesige Felder geführt. Hier sind noch keine Baumaschinen angerückt, um eine Neubausiedlung aus dem Boden zu stampfen, immerhin. Der Bach ist Hauptakteur in der Szenerie, ein Blick zurück auf St. Georg darf nicht fehlen. Nur das Rauschen der A8 im Hintergrund trübt die Stimmung.

Bald nähert sich der Bachverlauf der Autobahn. Und der Bach fließt unter der Autobahn durch. Das wäre eigentlich nicht schlimm, doch das Tunnelbauwerk hat nur einen engen Notdurchgang. Natürlich weiß ich, dass es noch andere Unter-/Überquerungsmöglichkeiten in der Nähe gibt, aber ich will ja direkt dem Bach folgen. Nur mit Mühe schaffe ich es, mein Rad in den schmalen Tunnel mit den scharfen abknickenden Mauern einzufädeln. Zum Glück leide ich nicht unter Klaustrophobie. Das gerade Stück lege ich sogar fahrend zurück, am Ende muss ich das Rad wieder ausfädeln. Geschafft!

Hachinger Bach Grundschule Unterbiberg
Die Grundschule Unterbiberg am Hachinger Bach (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Unterbiberg
Der Hachinger Bach in Unterbiberg (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach St. Georg Unterbiberg
St. Georg in Unterbiberg (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Unterbiberg
Unterbiberg: Hier wird es fast wildromantisch (06.10.2012)
Hachinger Bach Unterbiberg
Südlich von Unterbiberg, Blick zurück auf St. Georg (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Unterbiberg
Unterbiberg, im Hintergrund die A8 (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Unterbiberg
Begradigter Hachinger Bach in Unterbiberg (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach
Kurz vor der Autobahnunterführung ein Blick zurück (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Autobahn A8 Unterführung
Nicht vertrauenerweckend, aber da „muss“ ich durch (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Autobahn A8 Unterführung
Unterführung unter der A8: Bequem ist was anderes (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Autobahn A8 Unterführung
Schon etwas knapp (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Unterhaching

Nach der unbequemen Tunnel-Tour bin ich nun auf der anderen Seite, die zu Unterhaching gehört. Hier führt der Bach erstmals durch einen Ort, wo sich der Name des Baches auch im Ortsnamen findet. Doch die Freude währt nur kurz, der Bach verschwindet nach wenigen Metern in einem sehr gut eingezäunten Grundstück. Da geht es endgültig nicht mehr weiter, auch nicht so einfach an der Seite vorbei. Ich schaue mich ein wenig um. Ich befinde mich auf einem riesigen Parkplatz, auf dessen Ende das Geothermiekraftwerk Unterhaching liegt. Über den Parkplatz komme ich zu einer Hauptstraße, der Biberger Straße. Würde ich dieser folgen, würde ich sicherlich bald wieder auf den Bach treffen. Doch mir läuft die Zeit davon. Viel zu lange habe ich für die vielen Fotostopps gebraucht. Auch schlägt das Wetter nun so langsam um.

Hachinger Bach Autobahn A8 Unterführung
Unterführungsbauwerk für Schlanke: Da kam ich … (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Autobahn A8 Unterführung
… tatsächlich raus. Jetzt aber weiter! (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Unterhaching
Hier geht’s nicht mehr weiter. Und nun? (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Geothermiekraftwerk Unterhaching
Endstation Geothermiekraftwerk Unterhaching (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Fazit

Das Projekt Wasserrohr-Lokalisierung ist daher erst einmal gescheitert, aber gesehen habe ich dennoch eine Menge Interessantes. Einen mystischen Ort auf Neuperlacher Gebiet habe ich allerdings, wenn man strengste Maßstäbe anlegt, wieder nicht gefunden, es sei denn, man lässt den Bach als Ganzes durchgehen, wie ich es am Anfang angedeutet habe. Aber es wird sicherlich eines Tages noch einen 9. Teil der Serie geben. Dann werden die Karten neu gemischt.

Am Ende noch ein kleines Zuckerl:

Das Michaeli-Gymnasium hat gleich zweimal einen Bezug zum Hachinger Bach

Michaeli-Gmynasium
Michaeli-Gmynasium. Foto: Rufus46 (de) / Lizenz siehe: Wikipedia

Das 1971 gegründete staatliche Michaeli-Gymnasium im Stadtteil Josephsburg, der zum Stadtbezirk Berg am Laim gehört, liegt nicht nur in der Nähe des Hachinger Bachs, genauer an dem erwähnten Einlaufbauwerk, sondern hat auch eine passende postalische Adresse. Man würde sich für eine Schule von Weltruf, die rund 1.300 Schüler und rund 100 Lehrkräfte beheimatet, einen Straßennamen wie etwa Heinrich-Mann-Straße oder Albert-Einstein-Allee wünschen, doch der Betonbau liegt an der Hachinger-Bach-Straße 25. Mit etwas Augenzwinkern betrachtet nimmt der verniedlichende Name dem renommierten Gymnasium etwas von seinem Weltstadtflair. Aber München ist ja vielleicht gar keine Weltstadt, sondern eher ein Weltdorf und durch den Straßennamen wird die Schule wiederum etwas Besonderes. Sicherlich wird schon der eine oder andere mit angelsächsischen Wurzeln die Adresse falsch als „Häjtschinger Bach“ ausgesprochen haben.

Eine weitere Eigenheit des Gebäudes ist, dass man aus Gründen der Kostenersparnis das gleichzeitig im Stadtteil Fürstenried entstandene Thomas-Mann-Gymnasium nach exakt den gleichen Bauplänen errichtetet hat. Ähnliches findet man auch in Neuperlach – auch dort sehen sich die meisten Schulen zum Verwechseln ähnlich, etwa die Grundschule am Karl-Marx-Ring, die Grundschule an der Kafkastraße und (früher, vor dem Umbau) die Wilhelm-Röntgen-Realschule an der Klabundstraße. Effizienz ist alles.

Kunst

Die Bachmühle in Taufkirchen
Die Bachmühle in Taufkirchen. Bild: Festring Perlach

Quellen

Der Ebersberger Forst, die Kapelle und die Weiße Frau

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Ebersberg Panorama
Panorama vom Aussichtsturm auf der Ebersberger Ludwigshöhe. Foto: Riddance77 / Lizenz: CC BY-SA 3.0
Wappen des Landkreises Ebersberg
Wappen des Landkreises Ebersberg mit einem Eber und einer grünen Tanne. Letztere versinnbildlicht den ausgedehnten Ebersberger Forst. Lizenz: Public Domain

Die Stadt Ebersberg ist Endpunkt der Münchner S-Bahnlinie S6 (in der Hauptverkehrszeit fährt auch die S4 bis nach Ebersberg) und liegt vom Münchner Zentrum 33 km entfernt. Die Gegend, speziell der Ebersberger Forst, ist sehr reich an mystischen und besonderen Plätzen. Es gibt eine legendenumwobene Kapelle, einen Aussichtsturm, Hügelgräber, Wildgehege, einen Wald­erlebnispfad, einen Skilift, ein Museum, Forsthäuser und das vielleicht wichtigste: Waldgaststätten.

Mit 90 km2 ist der Ebersberger Forst eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. 50 km2 sind davon als Wildpark eingezäunt. Laut Hinweistafel soll dies den „Waldbesuchern ein natürliches Erleben von Wild […] ermöglichen“. Vor dem Füttern von Wildschweinen wird aber gewarnt. Eine Besonderheit sind die Eingangstore, die den Wildpark absichern und vom Besucher zu öffnen und schließen sind. Sie sind zusätzlich mit einer Kette, die einzuhaken ist, gesichert. Die Straßen, die direkt durch den eigentlichen Wildpark führen, sind ungeteert und größtenteils für den Kfz-Verkehr gesperrt. Eine von wenigen Ausnahmen ist die Straße, die von Ebersberg am Forsthaus St. Hubertus, das als Waldgaststätte fungiert, vorbei und weiter Richtung Westen nach Obelfing führt. Diese darf von jedermann mit dem Kfz befahren werden. Zum Radfahren geeignet sind die meisten Straßen und Wege, und für Wanderer finden sich selbstverständlich viele weitere Routen.

Die Atmosphäre im Wald ist eine ganz besondere. Das Gelände ist hüglig und wegen der immensen Größe begegnet man kaum anderen Menschen. Und man wird verwöhnt mit besonderen Orten. Aber der Reihe nach. Zunächst einmal gilt es anzufahren.

Der Gedenkstein des Josef Garnreiter

Gedenkstein Josef Garnreiter
Ein schreckliches Verbrechen an dieser Stelle ist ein unheimlicher Einstieg in den Ebersberger Forst. Näher dran am Gedenkstein: Was hier geschrieben steht, lässt den Schluss zu, dass die Zeiten damals offenbar auch nicht sicherer waren als heute (30.05.2011) © Thomas Irlbeck
Garnreiter, Werner Schatz
Stein mit restaurierter Inschrift (22.06.2016). Foto: Werner Schatz

Kurz vor Ebersberg, schon in Sichtweise des Aussichtsturms, wird man durch einen Gedenkstein an die Endlichkeit des Lebens und die Brutalität auf offener Straße erinnert.

Die Inschrift (das Bild links zeigt, dass die Inschrift nach einer Restauration wieder optimal lesbar ist) lautet folgendermaßen:

„An dieser Stelle wurde am 12. Mai 1841 der tugendsame Jüngling Josef Garnreiter, Hofwirtssohn v. Ebersberg, in seinem 21. Lebensjahr ermordet und beraubt. R.I.P.“

Die Kapelle und die Weiße Frau

Hubertus-Kapelle
Die Hubertus-Kapelle. Links vom Betrachter (im Bild nicht zu sehen) findet sich der eingezäunte Wildpark (30.05.2011) © Thomas Irlbeck

Die (geteerte) Staatsstraße 2080 führt von Ebersberg Richtung Markt Schwaben durch den Ebersberger Forst. Sie läuft zwar außerhalb des Wildparks, der Zaun zum Wildpark und unzählige Eingänge zum diesem befinden sich direkt neben der Straße. Eine besondere Beachtung soll einer Kapelle geschenkt werden, die an dieser Straße, mitten im Ebersberger Forst, steht.

Der Legende nach soll sich in der Nähe der Kapelle ein schrecklicher Verkehrsunfall ereignet haben. Dabei soll eine Frau angefahren und sterbend vom unfallverursachenden Autofahrer zurückgelassen worden sein. Der Fahrer konnte nie ermittelt werden. Seitdem brennt angeblich in manchen kalten Nächten in oder in der Nähe der Kapelle ein merkwürdiges Licht, und es soll eine Frau mit weißem Gewand an der Straße erscheinen. Es wird empfohlen, anzuhalten und die Frau ein Stück mitzunehmen. Wer dies nicht macht, dem soll die Frau ins Steuer greifen und einen Unfall provozieren. In diesem Fall soll die Weiße Frau auf einmal auf der Rückbank auftauchen. Den Erzählungen nach ist die Frau bis heute auf der Suche nach dem Unfallfahrer. Zuvorkommende Autofahrer, die die Frau mitnehmen, werden dagegen belohnt. Die Frau verschwindet dann nach einiger Zeit ganz von selbst. Man muss also nicht noch mal anhalten und sich von ihr mit viel Blabla verabschieden. Wie praktisch, auch Geister können einem die lästige Etikette abnehmen.

Hubertus-Kapelle
Hubertus-Kapelle. Spukt es hier? (30.05.2011) © Thomas Irlbeck
Hubertus-Kapelle
Hubertus-Kapelle (30.05.2011) © Thomas Irlbeck

Die Erzählungen variieren stark im Detail. Der Unfall soll sich einigen Berichten nach um 1990 herum ereignet haben, andere Darstellungen sind hier unschärfer. Doch in den Archiven findet sich kein Zeitungs- oder Polizeibericht, der nur annähernd zu der Geschichte passt. Man darf also bereits den Unfall selbst infrage stellen. Dokumentiert ist lediglich eine deutlich erhöhte Unfallzahl in Nähe der Kapelle, obwohl die Straße gut ausgebaut und relativ gerade verläuft. Berichte über Lichter am Straßenrand gibt es aber zweifellos. Als Erklärungsversuch kommen unter anderem Irrlichter infrage, die in Waldmooren entstehen. Aber auch schlichte Reflektionen von Autoscheinwerfern auf Blättern können die Ursache sein. Hinzu kommt, dass durch die variierenden Schauergeschichten, die in der Umgebung die Runde machen, die Leute sehen, was sie sehen wollen oder zu sehen befürchten. In den letzten Jahren sind die Unfallzahlen jedenfalls zurückgegangen. Offenbar verlässt den Geist die Zuversicht, noch fündig zu werden. So stellt sich wohl eine gewisse Müdigkeit ein. Aber können Geister wirklich an chronischer Erschöpfung leiden? Es gibt hier noch viel zu forschen.

Hubertus-Kapelle
In der Hubertus-Kapelle. Neben Spuk scheint sich aber hier noch viel mehr Unerklärliches abzuspielen. Die abgestellte Krücke deutet jedenfalls auf eine Wunderheilung hin. Vielleicht gehört sie ja auch der Weißen Frau, die nach dem Unfall auf die Gehhilfe angewiesen ist (30.05.2011) © Thomas Irlbeck

Forsthaus Diana

Forsthaus Diana
Das Forsthaus Diana mit seinen markanten Staffelgiebeln (30.05.2011) © Thomas Irlbeck

Zum Abschluss soll noch ein sehr schönes Gebäude vorgestellt werden, das Forsthaus Diana. Im Forsthaus Diana, mitten im tiefen Wald, arbeitet einer der letzten Köhler Bayerns, wohl der letzte in Oberbayern, und verkauft seine Grillkohle. Das Gebäude wurde 1854 erbaut und steht unter Denkmalschutz. Hinter dem Gebäude gibt es einen Schießstand.

Weitere Orte

Der Ebersberger Forst bietet noch viele weitere mystische Stätten, die man alle an einem Tag kaum besuchen kann und die am Artikelanfang nur kurz erwähnt wurden. Vielleicht finden sie mal Erwähnung in einem weiteren Teil.

Anfahrt

Mit der S-Bahn gelangt man recht bequem nach Ebersberg. Die Wege zum und im Ebersberger Forst sind gut ausgeschildert. Wer mit dem Rad anfahren will, fährt auf der Wasserburger Landstraße Richtung Ost und folgt den Hinweisschildern. Man fährt fast ausschließlich auf Radwegen und verkehrsarmen Nebenstraßen.

Quellen

Mini-Lourdes im Truderinger Wald

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Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 1: Die Mariengrotte im Truderinger Wald (21.08.2010) © Thomas Irlbeck

Nur wenige Radminuten vom letzten Neuperlacher Hochhaus entfernt, in der Grenzkolonie Trudering, biegt von der Fauststraße ein unscheinbarer Waldweg ab. Es geht rein in den dichten Wald. Nach 100 Metern erreicht man sie, die „Mariengrotte“. Eine richtige Lichtung ist der Ort nicht. Der mystische Ort befindet sich salopp gesagt mitten im Wald.

Update: Nach einem Sturm, bei dem viele Bäume daran glauben mussten, sieht es an der Grotte heute anders aus. Auch wurden die Marienstatue restauriert und die Bänke erneuert. Eine Erweiterung am Artikelende soll dem gerecht werden.

Die Grotte ist eine Nachbildung der Höhle von Massabielle bei Lourdes in Frankreich, in welcher 1858 der heiligen Bernadette die Muttergottes erschienen sein soll. Die in der künstlichen Höhle platzierte Marienstatue erinnert an diese Erscheinung. Die Grotte wird daher auch als „Lourdesgrotte“ bezeichnet. Etwas flapsig ausgedrückt befindet man sich hier in „Mini-Lourdes“.

Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 2: Vor der Grotte befinden sich Bänke zum Verweilen und Beten (21.08.2010) © Thomas Irlbeck

Vor der Grotte sind drei Bankreihen in einem knappen Halbkreis aufgestellt. Nur selten ist dieser besondere Platz verwaist, fast immer sind Besucher, Betende oder einfach Neugierige vor Ort.

Entstehung der Mariengrotte

1932 wurde an der heutigen Stelle im Auftrag der Katholischen Elternvereinigungen von München ein Walderholungs- und Spielplatz errichtet. Rund 27.000 qm Grund wurden planiert und mit einem ca. 650 Meter langen Zaun umgeben. Es entstand eine 30 × 7 Meter große Baracke. Die Anlage wurde am 26. Juni 1932 von Kardinal Faulhaber eingeweiht. Die Marienstatue wurde zunächst provisorisch aufgestellt und fand schließlich in der 1933 errichteten Grotte ihren endgültigen Platz. Auf Geschichten aus dem Leben – Waldeslust wird ein Bild der Grotte präsentiert, das um 1935 entstanden sein soll.

Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 3: Nur selten sind die Bänke unbesetzt. Fast immer sind Gläubige oder einfach nur Neugierige an diesem besonderen Ort (21.08.2010) © Thomas Irlbeck

Im Zweiten Weltkrieg wurde die gesamte Anlage bis auf die Grotte zerstört. Zaun und Baumaterial der Baracke wurden von den Anwohnern recycelt, nur an die Grotte traute sich niemand heran. Das freie Gelände neben der Grotte diente zunächst noch als Spielplatz, ist jedoch heute wieder bewaldet. Die Grotte aber blieb, als Mahnmal des Friedens. Folgerichtig steht auf dem Hinweisstein an der Fauststraße, der den Abzweig zur Grotte markiert: „100 Meter zur Grotte des Friedens, den die Welt nicht geben kann“.

Update 01.03.2019

Ein Sturm kostete 2015 vielen Bäumen das Leben. Die Grotte befindet sich nun nicht mehr unbedingt mitten am Wald, die straßenzugewandte Seite liegt nun fast vollständig frei. (Die älteren Fotos in diesem Artikel wurden auch aus diesem Grund beibehalten. Es wurden aber Fotos aus 2017 und 2019 hinzugefügt.) Nach einer Erneuerung der Bänke durch Patenschaften und einer Restaurierung der Marienstatue wurde die Grotte am 16. Mai 2017 neu gesegnet. Im gleichen Jahr wurde die Grotte unter Denkmalschutz gestellt.

Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 4: Der Wald hat sich gelichtet (16.07.2017). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 5 (16.07.2017). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 6 (16.07.2017). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 7: Geschichte der Grotte an der Grotte zum Nachlesen (28.02.2019) © Thomas Irlbeck
Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 8 (28.02.2019) © Thomas Irlbeck
Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 9 (28.02.2019) © Thomas Irlbeck
Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 10: Erneuerte Bänke mit Patenschaftsschildern (28.02.2019) © Thomas Irlbeck
Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 11 (28.02.2019) © Thomas Irlbeck
Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 12 (28.02.2019) © Thomas Irlbeck
Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 13 (28.02.2019) © Thomas Irlbeck
Lourdesgrotte im Truderinger Wald
Bild 14 (28.02.2019) © Thomas Irlbeck

Trivia

  • Es gibt es eine ganze Reihe weiterer Lourdesgrotten. Eine Übersicht bekannter Lourdesgrotten findet sich auf Wikipedia.
  • Der Waldweg zur Grotte hat einen Namen und heißt nahe liegend „Grottenweg“.
  • Der Standpunkt von Grotte und Erholungsgelände hieß früher „Kardinal-Faulhaber-Platz“.

Anfahrt

Umgebungskarte Mariengrotte. Bitte Grafik anklicken, um zu vergrößern. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Automobilfahrer programmieren ihr Navigationsgerät auf „Fauststraße“ oder „Schanderlweg“. ÖPNV-Benutzer fahren mit der Autobuslinie 194 zur Endstation „Nauestraße“ und gehen in Busfahrtrichtung geradeaus. Die übernächste Querstraße ist die Fauststraße. Hier biegt man dann nach rechts ab und läuft ein Stück weiter, bis dann links der vorhin erwähnte Waldweg abzweigt.

Quelle (Entstehungsgeschichte der Grotte)

Trudering – Waldtrudering – Riem: Münchens ferner Osten / hrsg. von Willibald Karl. Mit Beitr. von Karl Bachmair … – München: Buchendorfer Verl., 2000

Alter Schwede

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Der Schwedenstein steht am Wegesrand einer der vielen Waldwege im Truderinger Wald (21.08.2010) © Thomas Irlbeck

In Truderinger Wald, auf dem zu Waldperlach gehörigen Gebiet, unweit der Kiesgrube am alten Quetschwerk Fritz Roth, steht der Schwedenstein. Es handelt sich um einen Gedenkstein, welcher der Legende nach General Horn gewidmet ist. Angeblich ist Gustav Carl Horn im Dreißigjährigen Krieg 1632 bei Kämpfen um Perlach gefallen und unter dem Gedenkstein beerdigt. Doch diese Legende gilt als widerlegt, denn General Horn ist anderen Quellen zufolge 1657 in Skara (Schweden) gestorben und in Stockholm beerdigt. Ein gefallener General kämpft nur selten einfach so weiter, als wäre nichts geschehen. Bei einer Probeausgrabung am Gedenkstein wurden keine Gebeine gefunden, was die Theorie mit dem Schweden-Grab noch löchriger macht. Allerdings gilt als gesichert, dass Perlach 1632 tatsächlich von schwedischen Truppen und kurze Zeit später von kaiserlichen Truppen geplündert wurde.

An der „Schweden“-Theorie ist noch mehr faul. Der Stein ist nämlich erheblich älter, er soll um 1500 herum entstanden sein. Das Original befindet sich übrigens seit 1952/1953 im Münchner Stadtmuseum. Was heute noch im Truderinger Wald steht, ist eine Nachbildung, die 1988 an der Originalstelle platziert wurde.

Ein bisschen näher dran, und schon zeigt sich die Schönheit des Denkmals noch wahrhaftiger (21.08.2010) © Thomas Irlbeck
Gedenktafel am Schwedenstein. Der legendenumwobene Stein ist also leider nur eine Nachbildung, die aber inzwischen auch ganz schön alt aussieht (21.08.2010) © Thomas Irlbeck
Umgebungskarte Schwedenstein. Bitte Grafik anklicken, um zu vergrößern. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Wem ist der Stein aber gewidmet, wenn die Story vom untoten General doch eher wenig glaubhaft ist? Einer anderen Legende nach soll das Teil ein Denkmal für den Empfang Kaiser Karls V. 1530 sein. Von der Jahreszahl kommt das schon näher hin. Der Kaiser zog zu dieser Zeit von Innsbruck über München nach Augsburg. Damals war das Gebiet noch unbewaldet. Auf dieser „Perlacher Haydn“ wurde zu Ehren des Kaisers eine Jagd veranstaltet.

Nicht weit vom Schwedenstein entfernt gibt es eine kleine Siedlung, die eine schmale Zunge im Wald mit nur einer Straße darstellt und irgendwo zwischen der Truderinger Grenzkolonie und der Kolonie Waldfrieden im Niemandsland eingeklinkt ist. Obwohl man noch zum Stadtgebiet gehört, gibt es dort keine Läden und auch keinen öffentlichen Nahverkehr. Diese einzige Straße heißt – wie auch sonst – Schwedensteinstraße, die Siedlung wird häufig folgerichtig als Schwedensiedlung bezeichnet. Der Schwede zieht also weite Kreise. Alter Schwede!

Trivia

  • Stadtplandienst.de weist den Schwedenstein als „General Horn (Schwedensäule)“ aus. Dabei sollte eine Säule eigentlich rund sein. Dieses Monument ist es aber nicht.
  • Neben dem Stadtmuseum bemühte sich auch der Verschönerungsverein Perlach um den alten Stein, um den Ortskern aufzuwerten. Allerdings erfolglos.
  • Tagelanges Herumirren im Truderinger Wald muss nicht sein, um das Steinchen zu lokalisieren: Die GPS-Koordinaten des Schwedensteins lauten 48.09135, 11.678267.
  • Der Spruch „Alter Schwede!“ hat seinen Ursprung in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Näheres hierzu: Wikipedia: Alter Schwede (Redewendung)

Quellen

  • Walter Graßmann: der Schwedenstein, in: Gudrun Gersmann / Torsten Reimer (Hg.): München im Dreißigjährigen Krieg. Ein universitäres Lehrprojekt, 1. Version vom 6.12.2000
  • Wikipedia: Gustav Horn