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Der große Philosoph!

Karl-Marks-Ring
Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Karl Marx
Karl Marx. Lizenz: Public Domain
Karl-Marks-Ring
Foto: Benno Steuernagel-Gniffke

Ich habe immer gedacht, unser Ring ist nach dem Philosophen Karl Marx benannt. Doch die Wahrheit ist, es ist Karl Marks, wie diese Trommel-Aufschrift eben an unserem Ring – an der T-Kreuzung mit der Ständlerstraße – beweist! An dieser Stelle wird die Ständlerstraße als reine Wohnstraße ins neue Alexisquartier verlängert.

Karl-Marks-Ring
Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Karl-Marks-Ring
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Update: Im Turkmenischen (Turkmenistan) schreibt sich „Karl Marx“ wirklich als „Karl Marks“. Das wäre eine Erklärung, es kann aber auch nur ein Schreibfehler sein. Wer weiß mehr?

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Finsterworld – ein bitterböser Film voller Lichtblicke

Eine unschöne Vorgeschichte

Karl-Marx-Ring 52–62, Spielplatz
Hier an dieser Stelle wurde 2012 gedreht. Das Klettergerüst und die Wohnanlage im Hintergrund sind im Film zu sehen (23.07.2014) © Thomas Irlbeck

2012 fanden in meiner Wohnanlage Dreharbeiten zu dem Kinofilm Finsterworld statt. Während der Arbeiten kam es zu Einschränkungen, die einige Bewohner als Belästigung empfanden. Der Durchgang über den Nordweg wurde immer wieder unterbrochen. Zeitweise durften die Bewohner nicht am eigenen Fenster stehen, verständlich, weil es im späteren Film ja reichlich seltsam aussehen würde, wenn eine Menge Leute aus dem Fenster schauen.

Einige Bewohner wollten so etwas kein weiteres Mal erleben. Als dann noch bekannt wurde, dass man von der Produktionsgesellschaft laut Aussage der Hausverwalterin kein Honorar als Entschädigung für die Unannehmlichkeiten bekommen habe, kochte bei einigen die Wut hoch. Schlimmer: Einige glaubten der Verwalterin nicht und vermuteten, sie habe das Geld in die eigene Tasche gesteckt. Beweise dafür gibt es keine.

„Ich schwöre …“ – Eid beim Amtsgericht und das ist kein Film …

Mit einem Antrag auf der Eigentümerversammlung sollte zweierlei erreicht werden: Erstens: Es soll nie wieder Dreharbeiten in der Wohnanlage geben – unabhängig davon, ob mit oder ohne Honorar. Zweitens: Die Verwalterin legt auf eigene Kosten einen Eid beim Amtsgericht München ab, dass sie kein Honorar erhalten habe.

Zu meinem Erstaunen wurde der Antrag in allen Bestandteilen zugelassen, also auch der Eid beim Amtsgericht. Die Verwalterin wagte die Flucht nach vorne. Sie habe sich nichts vorzuwerfen, also könne sie das auch unter Eid aussagen. Bei der Abstimmung erhielt der Antrag dann eine große Mehrheit. Das ewige Drehverbot und auch der abzuleistende Eid wurden als Gesamtpaket durchgewunken.

Ich finde so etwas spießig. Natürlich gibt es bei Dreharbeiten immer Einschränkungen und es entstehen auch Schäden, für deren Beseitigung das Honorar kaum ausreicht. Aber ich habe dennoch als einer der wenigen gegen den Antrag gestimmt. Wenn in Zukunft Honorare gezahlt würden, hätte ich mir durchaus erneute Dreharbeiten vorstellen können. Schon einmal, weil es mir Freude macht, meine Wohnanlage später in einem Spielfilm zu sehen.

Der Film

Finsterworld, eine deutsche Produktion, kommt zunächst als typischer Episodenfilm daher. Man sieht in wechselnden Szenen Menschen, die an verschiedenen Plätzen leben und arbeiten. Ein Fußpfleger, ein Polizist, Schüler einer Privatschule, eine Regisseurin, eine alte Dame im Altenheim, ein Einsiedler, um nur einige zu nennen. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, dass die Leute miteinander verbunden sind – weil sie eng verwandt sind oder anderweitig zusammengehören.

Das Faszinierende aber ist, dass hinter der spießigen Fassade gewaltige menschliche Abgründe und Perversionen stecken, die dem Zuschauer in einem dramaturgischen Spannungsablauf mit bitterbösen Szenen präsentiert werden. Manchmal ist der Film absolut und fast enttäuschend vorhersehbar, oft wird der Zuschauer aber mit höchst überraschenden Wendungen konfrontiert. Die meisten Gags sind so gelungen, dass es unangemessen wäre, sie hier zu verraten. Nur eines soll gesagt werden: Die unrühmliche deutsche Geschichte unter Adolf Nazi und typische deutsche Klischees spielen eine zentrale Rolle. Einige der vorgetragenen Thesen sind geradezu köstlich und wie immer steckt in jeder Satire auch eine dynamisch große Portion Wahrheit.

Negativ ist mir aufgefallen, dass im Film laufend geraucht wird. Rauchen wird als Normalität dargestellt, auch die Schüler qualmen wie Schlöte und erhalten sogar von Erwachsenen Zigaretten angeboten. In einer Szene in einer Tankstelle gibt es ein riesiges überbreites Regal, in dem klar erkennbar Zigaretten fast nur einer Marke zu sehen sind. Offenbar wurde hier massives Product Placement betrieben.

Finsterworld ist inzwischen als DVD, Blu-ray und als Streaming erhältlich.

Infos kompakt

Produktionsjahr: 2013
Regie: Frauke Finsterwalder
Drehbuch: Christian Krach
Darsteller: Ronald Zehrfeld, Sandra Hüller, Michael Maertens, Margit Carstensen, Corinna Harfouch
Spieldauer: 91 Minuten
FSK 12

Mehr Infos/bestellen unter „Reklame“:

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Erzähl doch keine Märchen! (Waldperlach)

Märchen
Der wohl märchenhafteste Stadtteil Münchens: Waldperlach! Lizenz: Public Domain

Es war einmal … Nein, den Stadtteil gibt es immer noch. Die Rede ist vom wohl märchenhaftesten Stadtteil Münchens: Waldperlach. Die Straßen heißen dort

  • Aschenbrödelstraße
  • Däumlingstraße
  • Dornröschenstraße
  • Drosselbartstraße
  • Elfenstraße
  • Erlkönigstraße
  • Eulenspiegelstraße
  • Frau-Holle-Straße
  • Froschkönigweg
  • Gänselieselstraße
  • Heinzelmännchenstraße
  • Isegrimstraße
  • Koboldstraße
  • Märchenweg
  • Nixenweg
  • Puppenweg*
  • Robinsonstraße
  • Rotkäppchenplatz
  • Rotkäppchenstraße
  • Rübezahlstraße
  • Rumpelstilzchenstraße
  • Schneewittchenstraße
  • Sterntalerstraße
  • Struwelpeterstraße

* gemeint ist das Marionetten-, Puppen- oder Kasperlspiel
** gemeint ist Robinson Crusoe

Szene aus „Frau Holle“. Beim Betten-Ausschütteln schneit es – zumindest im Märchen. Foto: Christian Heindel / Lizenz: CC BY-SA 2.0

Damit hat ein Großteil der Straßen dort einen Bezug zu Märchen, Sagen und ähnlichen phantastischen Geschichten.

Eine Frage in einem Forum brachte mich heute auf das Thema. Woher kommen diese Namen? War hier ein Scherzbold am Werk? Ein Märchenpapst? Die Antwort, dass thematische Schwerpunkte die Orientierung vereinfachen würden und z.B. für Taxifahrer eine Erleichterung seien, geht etwas am Thema vorbei. Genauso gut könnte man auch Maler, Dichter, Gebirge oder Kräuterarten bemühen.

Tatsache aber ist, dass Perlach (inklusive Waldperlach und Fasangarten) 1930 nach München eingemeindet wurde. Bei Eingemeindungen stellt sich das Problem, dass leider dann ein paar Straßen Dubletten bilden. Zweimal „Marienplatz“ geht einfach nicht in München (ja, liebe Pasinger, ich weiß, ihr habt dennoch euren Marienplatz behalten). Also müssen jede Menge Straßen umbenannt wurde.

Laut  einem Artikel auf der Webseite der Katholischen Gemeinde St. Michael mit St. Georg (Seite nicht mehr verfügbar) wurden nicht nur Dubletten entfernt, sondern alle an die Monarchie (die bekanntlich 1918 endete) erinnernden Straßennamen. Sehr detailreich ist hier WAPE Bürger IG und verrät folgende Namensanpassungen:

  • Äussere-Prinz-Rupprecht-Str. → Rotkäppchenstraße
  • Finkenstraße → Rübezahlstraße
  • Hirschenstraße → Rumpelstilzchenstraße
  • Hohenzollernstraße → Frau-Holle-Straße
  • Innere-Prinz-Rupprecht-Str. → Schneewittchenstraße
  • Kaiser-Wilhelm-Straße → Erlkönigstraße
  • Otto-Rieger-Straße → Gänselieselstraße
  • Prinz-Arnulf-Straße → Isegrimstraße
  • Prinz-Franz-Straße → Robinsonstraße
  • Prinz-Heinrich-Straße → Aschenbrödelstraße
  • Prinz-Leopold-Straße → Heinzelmännchenstraße
  • Prinzregentenstraße → Däumlingstraße
  • Waldperlachstraße → Waldperlacher Straße
  • Wittelsbacherstraße → Eulenspiegelstraße
  • Zeppelinstraße → Koboldstraße

Nicht alle der märchenhaften Namen sind aus der Umbenennung 1930 hervorgegangen. Auch bei neu gebauten Straßen wurde die Tradition teilweise fortgesetzt. Die Struwelpeterstraße etwa wurde erst 1953 errichtet.

Einfach märchenhaft (04.08.2010) © Thomas Irlbeck
Hänsel und Gretel
Hexenhaus aus „Hänsel und Gretel“. Das Märchen kommt zwar nicht als Straßennamen in Waldperlach vor, ist aber durch den „Märchenweg“ abgedeckt. Lizenz: Public Domain

Auffallend ist auch, dass einige neu gebaute Straßen einen Bezug zur germanischen Götter- und Sagenkultur bekamen, so der Asenweg und die Beowulfstraße. Auch weitere Waldperlacher Straßennamen haben indirekt mit Sagen zu tun, Friedrich Panzer etwa war unter anderem ein bayerischer Sagenforscher und wurde 1955 mit der Benennung einer Straße geehrt.

Bis heute schwingt die Tradition in Waldperlach fort. Wer glaubt, die jüngeren Namensvergaben wären im kommunalpolitischen Kleinmief untergegangen, wird eines Besseren belehrt: 2000 etwa wurde eine Straße nach Klara Ziegler benannt, eine Schauspielerin, die als Deutschlands letzte Heldendarstellerin gilt und u.a. die Brunhild in den „Nibelungen“ spielte. Dies passt gut zur Straßenvergabe in der angrenzenden Gemeinde Neubiberg:

Fortsetzung in Neubiberg: Hier findet der sagenhafte Stadtteil nahtlos seine Fortsetzung in Gestalt der Nibelungensage. Die Straßen heißen hier Brunhildenstraße, Nibelungenstraße, Rheingoldstraße, Siegfriedstraße, Walkürenstraße und Wotanstraße.

Die Frage nach dem Grund für den Hang zu den Märchen und Sagen wurde aber immer noch nicht zufriedenstellend beantwortet. Möglicherweise war Waldperlach einfach immer schon märchenhaft. Und wenn nicht, ist es das durch die Straßennamen vielleicht inzwischen geworden. Aber vielleicht weiß ja ein Leser mehr … 2012 feierte Waldperlach übrigens 100-Jähriges. 100 Jahre, das ist der Zeitraum, den Dornröschen schlafen sollte.

Leiberheim in Waldperlach 1920
Leiberheim in Waldperlach um 1920. Lizenz: Public Domain
Leiberheim
Wirtshaus/Biergarten Leiberheim am Eck Schneewittchenstraße/… (29.08.2017) © Thomas Irlbeck
Leiberheim
…Nixenweg (29.08.2017) © Thomas Irlbeck
Waldperlach, Koboldstraße
Koboldstraße (18.09.2019) © Thomas Irlbeck