Die Kirche mit dem „angeschrägten“ Hochhaus-Turm – Mystische Orte (Teil 12)

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St.-Augustinus-Kirche
St.-Augustinus-Kirche (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Wie sicherlich das eine oder andere Mal erwähnt, habe ich mit der Kirche als Institution weniger als wenig am Hut. Aber Kirchenarchitektur kann mich durchaus begeistern. Dabei zieht mich hier vor allem klassische Kirchenarchitektur an. Moderne Kirchenbauten gibt es nur sehr wenige, die mir gefallen.

Der heutige mystische Ort ist die katholische St.-Augustinus-Kirche in Trudering, die folgerichtig an der St.-Augustinus-Straße liegt. Die Kreuzung zur Bajuwarenstraße ist hier ganz in der Nähe, und – wen wundert es – an dieser befindet sich auch die Augustinus-Apotheke. Räumlich sind wir zwar ein Stückchen von Neuperlach entfernt. Doch das Ziel, endlich einen mystischen Ort in Neuperlach zu finden, kommen wir heute vielleicht näher denn je.

Der Neuperlach-Faktor liegt in der Architektur. Die Kirche ist kein klassischer, aber auch kein typisch moderner Bau. Es ist 1950er-Jahre Architektur, so gesehen also der Nachkriegsmoderne zuzuordnen. Genauer wurde die Kirche 1952 bis 1955 geplant und gebaut. Am 28. August 1955 zum Fest des heiligen Augustinus wurde sie geweiht.

Ungewöhnlich: Die Form des Turmes ist die eines „angeschrägten“ Quaders

Das Neuperlachige ist die Form des Turmes, der 26 Meter Höhe misst bei einem Grundriss von 7 × 9 Metern. Dieser sieht wie ein Quader aus und hat auch das in Neuperlach obligatorische Flachdach. Damit ähnelt der Turm von der Optik einem Hochhausblock, wobei es hier doch zwei Unterschiede gibt. Erstens: Das Flachdach ist weit auskragend. Zweitens: Der Quader ist bei strengerer Betrachtung keiner, der Turm verjüngt sich nach oben hin zumindest leicht. Das Besondere ist, dass die Schräge nur auf der Nordseite vorhanden ist, im Bild ist das rechts. Das Foto kann diesen Effekt nur begrenzt zeigen – siehe weiter unten unter Nicht objektiv, sondern eine Sache der Perspektive.

Glocken

St.-Augustinus-Kirche
Nordseite des Kirchenschiffs (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Im Turm befinden sich sieben Glocken, die 1955 auf Basis einer zinnfreien Bronzelegierung in Erding gegossen wurden. Die Töne der Glocken lauten von unten nach oben: As – c‘ – es‘ – f‘ – as‘ – b‘ – c“

Kirchenschiff und Orgel

Das Kirchenschiff misst 15 Meter in der Höhe, ist 45 Meter lang und 22 Meter breit. Es verfügt über ein übliches Satteldach. Verspätung gab es bei der Kirchenorgel. Diese wurde erst 1965 von der Firma Carl Schuster und Sohn erbaut und in Betrieb genommen. Die 41 Register sind auf Hauptwerk, Positiv, Schwellwerk und Pedal verteilt.

Kirchturm ohne Kreuz – der Flughafen Riem war schuld

St.-Augustinus-Kirche, Kreuz Detail
Der Abstand des Kreuzes zur Turmwand wird nach oben hin größer. Durch Klick vergrößern, um den Effekt gut sehen zu können (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Der Flughafen Riem, 1939 eröffnet, sorgte für ein Kuriosum. Aus Sicherheitsgründen galten in der Einflugschneisen des Stadtgebiets strenge Bauhöhenbegrenzungen. Diese kann man heute noch in Neuperlach sehen. An der Haupteinflugschneise war eine Begrenzung auf 25 Meter vorgeschrieben (was acht Stockwerke ermöglichte), wobei man bei Dachaufbauten manchmal großzügig waren, sodass manche Häuser doch zumindest punktweise auf rund 26 Meter kamen. Außerhalb der Haupteinflugschneise – bereits das Marx-Zentrum lag ein paar Meter von dieser entfernt – gab es weniger strenge Limitierungen. So waren für die Häuser im Marx-Zentrum bis zu 35 Meter erlaubt, was sich in bis zu 14 Stockwerken (zuzüglich teilweise mehrstöckiger Dachaufbauten) widerspiegelt.

Genau diesr Bauhöhenbegrenzung war verantwortlich dafür, dass die St.-Augustinus-Kirche kein Kreuz auf dem Turm tragen durfte. Mit 26 Meter Höhe des Turmes war offenbar schon alles ausgeschöpft. Als Ersatz war aber aber ein kleines Kreuz auf dem Dach des Kirchenschiffs ganz vorne am Haupteingang (Westseite) aufgesetzt worden. 1992 wurde der Flughafen Riem stillgelegt, doch erst 2002 bekam der Kirchturm sein Kreuz. Im Rahmen einer umfassenden Sanierung wurde an der Nordseite des Turms ein zwölf Meter langes vergoldetes Kreuz angebracht, das sechs Meter über das Flachdach hinausragt, und das alte Kreuz auf dem Satteldach entfernt. Obwohl gerade diese Nordseite nicht senkrecht, sondern schräg läuft, steht das Kreuz selbst exakt vertikal. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass dies durch zwei unterschiedlich lange waagrechte Halterungen erzielt wird (die Abbildung zeigt es, diese anklicken, um zu vergrößern). Der Abstand des Turms zum Kreuz wird nach oben hin größer. Aber auch bei den Fenstern am rechten Rand des Turmes (Abbildung am Artikelanfang) sieht man, dass deren Abstand zur rechten Turmwand nach oben hin kleiner wird.

Nicht objektiv, sondern eine Sache der Perspektive

Ein Objektiv ist nur dem Begriff nach objektiv. In der Realität gibt es starke Verzerrungen, je weitwinkiger, desto größer werden sie. Objekte laufen dann auf einmal spitz nach oben oder unten zu, Hochhäuser und Türme, speziell am Bildrand, drohen umzustürzen. Diese stürzenden Linien lassen sich per Bildbearbeitung automatisch oder manuell aufrichten. Hat man ein Gebäude vor sich, bei dem die Kanten wirklich senkrecht laufen, lässt sich auf diese Weise ein gutes Ergebnis erzielen und ein Schiefer Turm von Pisa vermeiden. Besitzt ein Gebäude aber keine oder nicht durchgehend senkrechte Kanten, da es sich tatsächlich verjüngt, wird es schwieriger, da es weniger oder keine Anhaltspunkte gibt. Eine normale Entzerrung stürzender Linien würde hier ein Ergebnis erzielen, das an der Realität vorbeigeht. Daher wurde hier die Entzerrung behutsam eingesetzt. Dabei wurde darauf geachtet, dass alle senkrechten Kanten inklusive des Kreuzes möglichst vertikal verlaufen. Die einzige Schräge ist damit die Turmnordseite, die aber hier im Ergebnis möglicherweise subjektiv zu stark ausfällt. Es muss klar sein, dass dies nur ein Kompromiss sein kann. Keine Aufnahme, ganz speziell in diesem Fall, kann eine Betrachtung vor Ort ersetzen.

Der heilige Augustinus

St.-Augustinus-Kirche, Relief
Relief an der Westseite mit dem heiligen Augustinus (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Augustinus von Hippo (* 13. November 354 in in Tagaste, auch: Thagaste, in Numidien, heute Souk Ahras in Algerien; † 28. August 430 in Hippo Regius, heute Annaba in Algerien) war „einer der vier lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike und ein wichtiger Philosoph an der Epochenschwelle zwischen Antike und Mittelalter“ (Quelle: Wikipedia). Von den Westkirchen wird Augustinus als Heiliger verehrt.

An der Westseite der Kirche mit dem Haupteingang befindet sich ein Relief des heiligen Augustinus (siehe Abbildung). Der Künstler Siegfried Moroder meißelte dieses 1958 aus den Sandsteinblöcken heraus, die bereits beim Bau der Kirche eingefügt worden waren.

Umgebungskarte

Umgebungskarte St.-Augustinus-Kirche
Umgebungskarte St.-Augustinus-Kirche. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Per ÖPNV erreicht man die Kirche am besten so:

Bus 195, N49: Gnadenwaldplatz

oder

Bus 139, 195, N49: St.-Augustinus-Straße

Quellen

Hier scheiden sich die Geisterradler (Update 14.09.2012)

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Radverkehrsführung Solalindenstraße/Wasserburger Landstraße
Sonderbare Radverkehrsführung an der Einmündung der Solalindenstraße in die Wasserburger Landstraße – Bild anklicken, um zu vergrößern (11.09.2012) © Thomas Irlbeck

Gestern machte ich mal wieder eine Entdeckung in der Reihe „sonderbare Radverkehrsführungen“. Wir befinden uns in Trudering. Die Verkehrsführung, die offenbar recht neu ist, ist auf den ersten Blick nicht nur sonderbar, sondern total sinnlos (das Bild unbedingt anklicken, um es zu vergrößern!).

Konkret kann man hier zunächst als Radfahrer aus der Solalindenstraße nach rechts in die Wasserburger Landstraße abbiegen – wie der motorisierte Verkehr auch. Man kann aber als Radler auch links abbiegen und hat dafür sogar eine eigene Linksabbiegespur. Auf diese Weise überquert man den zweiten Arm der Solalindenstraße – in Gegenfahrtrichtung auf einem aufgemalten Radstreifen – direkt neben den Autos, die einem ein paar Zentimeter weiter rechts hier entgegenkommen. Der Radstreifen endet aber sofort wieder und nun hindert ein rotes Fahrradschild jegliche Weiterfahrt. Man kommt gerade einmal zum ersten Reihenhaus.

Man kann das Bild noch so lange betrachten und wird wahrscheinlich dennoch keinen Sinn darin finden. Es sei denn, man sieht sehr genau hin: Dann erkennt man rechts neben dem rechten Reifen des blauen Autos einen Fußgängerüberweg. Man erleichtert somit den Radlern mit dieser Verkehrsführung, diesen Weg (natürlich schiebend) zu nutzen und somit tatsächlich nach links in die Wasserburger Landstraße „abzubiegen“ und somit stadteinwärts zu fahren.

Linksseitige Radverkehrsführungen sind aber generell gefährlich und die Kommunen sind sogar per Verwaltungsvorschrift angewiesen, diese innerhalb geschlossener Ortschaften gar nicht anzuordnen, allenfalls in berechtigten Ausnahmefällen. Das Problem der linksseitigen Radverkehrsführungen liegt darin, dass motorisierte Verkehrsteilnehmer oft nicht auf entgegenkommende Radfahrer, die zudem dann auch in der Regel Vorfahrt haben, eingestellt sind. Dies provoziert schwere Unfälle. Außerdem müssen die Radfahrer oft erst einmal die Straßenseite wechseln, um zum Radweg zu gelangen, was auch nicht ungefährlich ist (hier entfällt dies aber).

Die allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO) schreibt in §2, Randziffer 33, dazu:

Die Benutzung von in Fahrtrichtung links angelegten Radwegen in Gegenrichtung ist insbesondere innerhalb geschlossener Ortschaften mit besonderen Gefahren verbunden und soll deshalb grundsätzlich nicht angeordnet werden.

Quelle: http://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_26012001_S3236420014.htm

Hier kommt aber noch erschwerend dazu, dass Radfahrer dazu verleitet werden, anstatt ihr Fahrrad über den Überweg zu schieben, verbotswidrig geradeaus weiterzufahren. Denn nicht jeder dürfte den Sinn mit dem Überweg erkennen und manche sehen die Verkehrsführung als Abkürzung, um zur nächsten Querstraße zu gelangen. Daher sieht man hier mal wieder ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte. Die alte Verkehrsführung ohne Linksabbiegespur bedeutete zwar eine längere Strecke (und einen U-Turn an der nächsten Kreuzung), aber war verständlicher, weniger gefährlich und zwang den Radfahrer auch nicht zum Absteigen. Immerhin kann man die alte Route weiterhin legal nutzen – wenn man weiß, dass es sie gibt und sich nicht durch die Schilder und die vielen Bodenmarkierungen mit ihren Linien und Pfeilen irritieren lässt.

Update 14.09.2012

Zugegeben hatte ich hier ursprünglich bewusst ein irritierendes Bild eingestellt, das eine gewisse Sinnlosigkeit der Verkehrsführung demonstrieren soll. Als Reaktion auf den Kommentar von MünchenRadler (vielen Dank dafür!) habe ich heute die Stelle noch einmal besucht und zeige nun die gesamte Szenerie. Aus Sicht des Autoverkehrs wird man mit einem Radfahrer-Gefahrenschild gewarnt (linkes Bild). Allerdings gibt es von diesen Schildern ach so viele und dass Radfahrer von vorne kommen, wird hier nicht veranschaulicht. Das mittlere Bild zeigt die Konstellation aus Sicht des rechtsseitig fahrenden Radverkehrs. Hier wird auch deutlich, dass sich auf einem kurzen Stück der gesamte Radverkehr, also inklusive Gegenverkehr, eine einzige Spur teilen muss (Standardradwegbreite). Das rechte Bild zeigt den Überweg selbst, der auch nicht vorbildlich ist, da parkende Autos auf dem Seitenstreifen eine gefährlichere Zickzack-Überquerung notwendig machen.

Radverkehrsführung Solalindenstraße/Wasserburger Landstraße
Aus der Sicht des Autoverkehrs (14.09.2012) © Thomas Irlbeck
Radverkehrsführung Solalindenstraße/Wasserburger Landstraße
Aus der Sicht des Radverkehrs (14.09.2012) © Thomas Irlbeck
Radverkehrsführung Solalindenstraße/Wasserburger Landstraße
Der Übergang – eher schräg als geradlinig (14.09.2012) © Thomas Irlbeck

Amtsverschimmelt – Warum wir mehr Bürokratie brauchen

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Spielbetrieb für Kinder
„Spielbetrieb für Kinder“. Nur ein Bürokrat kann sich solche Wortkonstruktionen ausdenken. Foto: Elias Schwerdtfeger / Lizenz siehe: flickr

Bürokratie ist die Herrschaft der Verwaltung. Die übersteigerte Form nennt man Bürokratismus. Die Verwaltung der Verwaltung wahrscheinlich dann Metabürokratie. Tankstellenpächter müssen sich neuerdings in Bayern versichern lassen, dass Kunden, die außerhalb der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten erscheinen, Reisende sind. Als Reisende zählen grundsätzlich keine Fußgänger und Radfahrer. Unklar ist, ob es reicht, sich davon zu vergewissern, dass ein Kraftfahrzeug vor der Tankstelle steht oder/und der Kunde angibt, mit einem Kraftfahrzeug gekommen zu sein. Selbst wenn dies gegeben ist: Eine mit dem Auto zurückgelegte Kurzstrecke macht einen Fahrer keinesfalls automatisch zum Reisenden.

Apropos fahren: Ich fahre mit der U-Bahn zu meiner Bank. Zur Vermögensberatung. Der Berater erklärt mir, es gebe neue Vorschriften. Der Kunde müsse nun genau Auskunft geben über seine Einnahmen und Ausgaben. Ganz neu ist es nicht, aber die Vorschriften wurden erheblich verschärft. Diese Angaben seien dann eine wichtige Grundlage für eine kundengerechte Beratung. Hier habe der Gesetzgeber gehandelt, nachdem es immer wieder vorgekommen sei, dass Berater schlecht beraten und Leuten hochspekulative Papiere angedreht hätten, obwohl deren individuelle Finanzsituation im Widerspruch dazu stand. Sicherlich sind hier Leute im Extremfall um ihre Altersversorgung gebracht worden. Der Wunsch nach einer Regelung sei aus dem Volk gekommen.

 Baker Boyer Bank
Auf geht’s zur Bank! Foto: walla2chick / Lizenz siehe: flickr

Nun muss ich also Auskunft geben. Was für Einnahmen habe ich (selbstständige Tätigkeit, ggf. Mieteinnahmen)? Bei den Ausgaben muss ich angeben: Miete, Wohngeld, Stromkosten, Renten-/Lebensversicherung, Krankenversicherung und weitere Versicherungen. Genaue Centbeträge sind nicht erforderlich, aber es soll schon ziemlich genau sein. Allgemeine Lebenshaltungskosten, wie viel ziehe ich denn so monatlich am Geldautomaten? Ferner muss ich die Zeitpunkte nennen, an denen ich das erste Mal mit bestimmten Finanzprodukten Erfahrung gemacht habe. Großzügigerweise fragt der Berater nur nach dem Jahr. Ich kann nur schätzen. Der erste Aktienfond? Der erste Fond mit Kapitalschutz? Usw. Meine Angaben werden dann freundlicherweise mit dem Datum „1. Januar“ ergänzt, dabei weiß ich nicht mal, ob das Jahr stimmt. Auch die Anzahl der gekauften Papiere muss angegeben werden: 1, 2, 3, 4, 5 oder mehr. Dass es nicht noch genauer sein muss, nehme ich als eine Art Geschenk an.

Nun geht es an das Eingemachte: Habe ich eine Immobilie? Wie viel Quadratmeter? Wann wurde das Haus gebaut? Einige Angaben scheinen nichts mit meiner persönlichen Vermögenssituation zu haben. Aber, was tut man nicht alles für die Bürokratie?

Ich frage, was passieren würde, wenn ich die Angaben verweigere. Dann, so hieß es, könne ich weiterhin alle Produkte erwerben. Allerdings gäbe es dann keinerlei Beratung. Das überzeugt mich, ich bin kooperativ. Aber es gibt einen weiteren Haken. Selbst wenn ich alle Angaben mache, kann es passieren, dass ich dann nicht zu allen Produkten Beratung erhalte. Wenn es meine Situation nicht hergibt, dann bekäme ich für bestimmte Risikoklassen keine Beratung. Ein Computerprogramm entscheidet anhand der Eingaben, was möglich ist. Das mag ja alles einen Sinn haben. Aber: Nehmen wir den Fall, ein Kunde liest in einer Finanzzeitschrift von einem bestimmten Finanzprodukt und möchte dieses erwerben. Der Berater sagt dann, er dürfe zu diesem nicht beraterisch tätig sein, aber er würde es dennoch für den Kunden „auf eigenes Risiko“ kaufen. In diesem Fall könnte sich der Kunde für ein sehr schlechtes Produkt entscheiden. Der Berater darf dann nicht abraten. In diesem Fall bräuchte der Kunde dringend Beratung, erhält diese aber im Unterschied zur alten Regelung nicht mehr, obwohl der Gesetzgeber ja gerade die Beratung speziell in solchen Fällen verbessern will. Es zeigt sich mal wieder: Gut gemeint ist gut daneben gedacht. Erschreckend ist auch der Zeitaufwand. Über eine Stunde dauern die Erfassung und die zusätzlichen Erklärungen. Keine einzige Minute davon ist etwas, das man als Finanzberatung im eigentlichen Sinne werten könnte. Aber es ist eben Bestandteil der Bürokratie, dass es erst später zur Sache geht. Die Sache wird dann selbstverständlich mit einer bürokratischen Handlung abgeschlossen. Keine Ordnung muss schließlich auch nicht sein!

Aus „Bier nur noch für Autofahrer“ wird „Alle Artikel nur noch an Autofahrer“

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Außerhalb der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten darf an Tankstellen Alkohol nur noch an Autofahrer und Mitfahrer verkauft werden kann. Man kann vielleicht damit leben und es als gut gemeinte, aber schlecht gemachte Handlung zur Eindämmung des Alkoholmissbrauchs sehen. An der Überall-Verfügbarkeit des Alkohols soll gekratzt werden. Schaut man sich aber den neuen Vollzugshinweis zum Ladenschlussgesetz des Bayerischen Sozialministeriums an, betrifft dies alle Arten eines Einkaufs:

Tankstellen ohne Gaststättenerlaubnis dürfen nach Ladenschluss kleinere Mengen an Lebens- und Genussmitteln an Reisende verkaufen, um deren Versorgungsbedürfnis zu befriedigen und den Erhalt der Mobilität auch während der allgemeinen Ladenschlusszeiten zu gewährleisten. Als Reisende hat das Bundesverwaltungsgericht Kraftfahrer und Mitfahrer des Kraftfahrzeugverkehrs definiert.

Entsprechend können Fußgänger, Radfahrer und Anwohner auch keine Apfelschorle mehr um 20:01 oder am Sonn- und Feiertag kaufen. Ausnahmen sind nur Tankstellen mit einer Schanklizenz.

Allguth-Tankstelle, Mittlerer Ring, Ramersdorf
Eine Tankstelle am Mittleren Ring in München Ramersdorf (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Zeit, sich wieder ein Auto anzuschaffen (oder zumindest ein Moped, da dieses an der Tankstelle betankt werden kann, bin ich Reisender im Sinne des Gesetzes).

Elektroautos und E-Bikes gelten auch im Sinne des Gesetzes, denn der Vollzugshinweis spricht von „Kraftfahrern“. Entsprechend müssen nach meinem Verständnis Personen, die mit solchen Gefährten unterwegs sind, auch außerhalb der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten an Tankstellen bedient werden. Pedelecs zählen dagegen definitiv nicht, denn diese sind rechtlich Fahrräder. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass es ein Gericht anders sieht und auch Fahrer von Elektrofahrzeugen vom Einkauf ausnimmt. Denn oft haben die Tankstellen keine Ladestationen, sodass der eigentliche Zweck einer Tankstelle, die Versorgung mit Treibstoff, nicht gegeben ist.

Was mich ärgert, ist, dass dies höchstwahrscheinlich alles von der CSU ausgeht und die FDP schweigt. Gerüchten zufolge ist sie immer noch in der bayerischen Regierung. Warum hat man nicht alles so gelassen, wie es ist? Trotz Gerichtsurteil (vom Bundesverwaltungsgericht) war man vermutlich nicht verpflichtet, einen Vollzugshinweis auszugeben. Sonst müssten das alle anderen Bundesländer auch durchführen, zumal dort Einkaufen am Sonntag (und in der Nacht, zumindest in einigen Bundesländern) ja auch nicht generell freigegeben ist.

Die andere Sichtweise

Aber genug kritisiert, die neue Regelung hat aber auch was Gutes, sowohl für die Verkäufer als auch für die Kunden. Man muss nur etwas nachdenken, um darauf zu kommen. Zunächst zur unchristlichen Nacht- und Sonntagsarbeit:

Man geht nun so weit, dass Leute, die nachts und am Sonn- und Feiertag im Tankstellenshop arbeiten, einem (vermutlich großen) Teil der Kundschaft nichts mehr verkaufen dürfen. Auch das ist ja eine Art Schutz, der Angestellte wird vor zu viel Arbeit geschützt und lernt ein Nebenbetätigungsfeld – Abwimmeln von Kunden sowie das Schaffen einer kreativen Kontrolle, ob der Kunde motorisiert ist. Das ist Schutz vor Sonn- und Nachtarbeit und Weiterbildung gleichermaßen!

Der nicht motorisierte Kunde dagegen wird vor sich selbst geschützt. Wäre ja noch schöner, wenn man, ohne ein Auto zu besitzen, noch spätabends eine Cola kaufen kann. Das ist Schutz und ein Konjunkturprogramm für die Automobilindustrie gleichermaßen!

Zensus 2011, die unendliche Geschichte einer besonderen Verfolgung (2. Update, 28.02.2012)

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Spam
Lecker Spam! Foto: AJC1 / Lizenz siehe: flickr

Es gibt Dinge, die verfolgen einen beständig. So wie Spam, das ursprünglich nur als omnipräsentes Dosenfleisch in Großbritannien bekannt war und in der Comedyserie Monty Python’s Flying Circus verarbeitet wurde. Auf der Speisekarte des Cafés aus dem Sketch stehen nur Spam-Gerichte. Geboren war ein Ausdruck, der die Verfolgung mit dem immer Gleichen beschreibt. Später wurde der Ausdruck Spam auf immer gleiche elektronische Textnachrichten ausgedehnt, insbesondere solchen mit Werbung. Auch bei sich wiederholenden Werbeanrufen wird inzwischen häufig von Spam gesprochen (oder von Telefonterror).

Heute erhielt ich mit großem Erstaunen ein Schreiben der Landeshauptstadt München. Es geht um den Zensus 2011, den ich schon fast vergessen hatte. Das Ganze hat eine gewisse Historie:

Zunächst musste ich mich mit der Gebäudezählung herumschlagen. Damals ließ meine Hauverwalterin verbreiten, dass die Beantwortung der Fragen für den Eigentümer „äußerst umfangreich und zeitintensiv sein dürfte“, kurzum wurde der Eindruck erweckt, dass man als Eigentümer mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit überfordert sein könnte. Da mich die Geschichte anwiderte, ging ich auf das Angebot der Verwalterin ein, diese mit dem Ausfüllen des Fragebogens zu beauftragen. Diese Leistung kostet zwar Geld, aber das war mir in diesem Fall egal. Allerdings hat die Verwalterin keine Kenntnis über alle Charakteristika der Wohnungen. Vereinfacht gesagt, weiß sie zwar alles über die Wohnanlage als Ganzes, aber nicht alles über die Wohnungen. Diese Dienstleistung kann also nur gelingen, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht. Der eine hilft dem anderen und umgekehrt. Konkret bedeutete dies, zusammen mit der Beauftragung dann einen speziell von der Verwalterin vorbereiteten, reduzierten Fragebogen auszufüllen, der die unbekannten Daten komplettiert. Um den Rest würde sich dann die Verwalterin kümmern. Ich füllte den Fragebogen aus und erteilte den Auftrag. Damals hoffte ich, nie wieder etwas vom Zensus zu hören. Doch leider war ich jeder Zehnte, anders ausgedrückt, wurde ich nun auch für die Haushaltsbefragung ausgewählt.

Zensus
Zensus 2011. Eigentlich sollte das alles längst abgeschlossen sein. Aber nein! Foto: aktion-freiheitstattangst.org / Lizenz siehe: flickr

Bei der Gebäudezählung lief es auch nicht so rund, die Verwalterin sendete mir ein Erinnerungsschreiben mit einer Wiederholung des Angebots. Als dann der offizielle Zensus-Gebäudezählungs-Fragebogen bei mir eintraf, entschied ich mich, das Ausfüllen doch selbst vorzunehmen. Ich wählte die Online-Methode. Es war dann alles gar nicht so schwer. Allerdings war die Geschichte noch nicht zu Ende, offenbar erinnerte sich die Verwalterin nun doch an die Auftragserteilung und sendete mir diverse Erinnerungsschreiben, dass man noch auf die Weiterleitung des Fragebogens warte. Man würde mir ja gerne helfen, könnte das aber erst mit dem guten Stück Papier, das eben noch nicht da sei. Es mischten sich auch Schreiben der Verwalterin darunter, in denen mitgeteilt wurde, dass Eigentümer, für die man das Ausfüllen übernommen hatte, unberechtigte Erinnerungsschreiben der Stadt erhalten würden.

Bei der Haushaltszählung lief es dann erstaunlich gut. Den Erhebungsbeauftragten ließ ich nicht in die Wohnung. Ich bestand darauf, den Fragebogen selbst auszufüllen und ließ mir die Unterlagen an der Türschwelle geben. Gleich im Anschluss füllte ich das Teil online aus. Das war Anfang Juli 2011. Was diese Haushaltszählung anging, hatte ich dann zunächst meine Ruhe. Die Betonung liegt auf zunächst.

Denn wir wissen ja, Spam kommt immer zurück. Damit knüpfe ich an das Schreiben vom Artikelanfang an. Es ist ein Erinnerungsschreiben. Dieses trägt tatsächlich ein Datum vom Februar 2012, es ist also kein altes Dokument, das irgendwo in einer Amtsstube verstaubte und wiedergefunden oder auf dem Postweg leicht verzögert wurde oder beides. Nein, obwohl inzwischen weit über ein halbes Jahr vergangen ist, ist es aktuell, und es ist real. Mir wird mitgeteilt, dass mich der Erhebungsbeauftragte noch nicht erreicht habe. Es liegt der Haushaltszählungs-Fragebogen bei, der nun auszufüllen sei. Meinen Namen und meine Adresse hat man bereits eingetragen. Hiiiiiiiiiiilfe!!!

Update 27.02.2012

Ein Anruf bei der Erhebungsstelle ergab, dass der Zensus 2011 keineswegs schon längst abgeschlossen sei. Die Sünder, die nicht abgegeben haben, werden teilweise erst jetzt ermittelt und mit Erinnerungsschreiben gequält. Ein Versuch, im Computer meine Daten abzufragen, endete, wie es sich für eine unendliche Geschichte gehört, in einer Dauer-Wartemeldung. Das IT-System hängt. Morgen soll ein neuer Versuch gestartet werden.

Update 28.02.2012

Der heutige Anruf bei der Erhebungsstelle hatte zum Ergebnis, dass meine beantworten Fragen dort korrekt vorliegen. Damit sollte eigentlich alles geklärt sein, oder? Mitnichten. Die Daten seien nämlich noch nicht an das Landesamt weitergeleitet worden. Ich fragte, wie dies sein könne, dass dies nach einem Dreivierteiljahr noch immer nicht passiert sei. Man konnte die Frage nicht beantworten, hoffe aber, dass jetzt eine Weiterleitung stattfinde. Eine schriftliche Bestätigung, dass ich meiner Verpflichtung nachgekommen bin, wolle man mir trotz meines klar vorgetragenen Wunsches nicht zusenden, da man so etwas nie durchführe. Der Mitarbeiter meinte dann wörtlich, dass es sein könne, dass ich demnächst in die zweite Mahnstufe komme und das nächste Erinnerungsschreiben erhalte. Was soll das? Und wie lange geht es dann weiter, bis zum Bußgeldbescheid? Einige Behörden scheinen da noch nicht optimal vernetzt zu sein.

Ich bin jeder Zehnte

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Volkszählung
Keine Volkszählung ohne kreative Sprüche. Foto: URBAN ARTefakte / Lizenz siehe: flickr

Die Chance liegt bei 1:10, dass man für die Haushaltsstichprobe der Volkszählung 2011 – auch Zensus genannt – gezogen wird und Abgaben wie Staatsangehörigkeit, Religion, Familienstand, Schulausbildung und Beruf preisgeben muss. Eigentlich ein Grund, sich entspannt zurückzulehnen. Außerdem habe ich schon mehrere Gebäudezählungs-Formulare ausgefüllt (zum Teil nicht für mich, sondern als Gefallen, aber das ändert am Aufwand nichts), jetzt möchte ich meine Ruhe.

Doch es kam, wie es kommen musste, natürlich hat man gerade mich auserkoren.

Per Schreiben – wenig professionell mit handgeschriebener Adresse! – werde ich darauf hingewiesen, dass der Erhebungsbeauftragte mich in ein paar Tagen aufsuchen und mit mir zusammen den Fragebogen ausfüllen wird. Es besteht Auskunftspflicht, wer sich verweigert, muss bis zu 5.000 EUR Bußgeld bezahlen, was einen aber auch dann nicht von der Auskunftspflicht entbindet.

Also ist Verweigern wohl nur die zweitbeste Idee. Aber: Ich werde den Erhebungsbeauftragten keinen Zutritt zu meiner Wohnung gewähren. Stattdessen werde ich mir den Fragebogen aushändigen lassen und ihn selbst ausfüllen. Alle freiwilligen Angaben werde ich ignorieren. Dabei ist der Plural hier falsch, denn nur die Frage nach dem Glaubensbekenntnis ist keine Pflichtangabe. Alle anderen Fragen sind obligatorisch, auch, welcher Religionsgesellschaft man angehört. Privat bleibt somit nur die Angabe, ob man an den Gott, an den bzw. für den man gewissermaßen Kirchensteuer zahlt, auch glaubt. Ein bisschen Privatsphäre darf man sich schon gönnen, um nicht den Glauben zu verlieren, glaube ich.

Das Recht auf das eigenständige Ausfüllen besteht, und es sollte jeder davon Gebrauch machen, dem der Zensus auch nicht schmeckt. Übrigens besteht keine Möglichkeit, sich den Fragebogen einfach zusenden zu lassen, was auf den ersten Blick unverständlich ist, da bei der Gebäudezählung auch der Postweg gegangen wird. Bei der Haushaltsstichprobe ist dies angeblich nicht möglich, da der Erhebungsbeauftragte erst einmal feststellen muss, wie viele Personen im Haushalt leben.

Wo der Zensus zugegen ist, sind auch Betrüger nicht weit. So sind falsche Erhebungsbeauftragte unterwegs, die auch ein paar harmlose Zusatzfragen stellen wie „Wie viel Vermögen haben Sie?“ und „Wie lauten Ihre Kontodaten?“. Ob diese Fragen als „freiwillige Angaben“ verkauft werden, ist nicht bekannt.

Den Fragebogen Haushaltsstichprobe gibt es übrigens hier.

Update

Es lief wunschgemäß. Ich ließ mir den Fragebogen an der Türe aushändigen, der Erhebungsbeauftragte macht keine Zicken.

Mehr als nur eine Zahl – die Hausnummer

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Hausnummern-Mosaik
Hausnummern-Mosaik. Foto: azrael74 / Lizenz siehe: flickr

Hausnummern sollen uns den Weg weisen. Ist man erst einmal in der richtigen Straße gelandet, findet man auch ohne Navi das Haus mit der Nummer 177 meist ganz einfach. Am stärksten verbreitet, nicht nur in Deutschland, ist dabei das Orientierungsnummernsystem. Bei diesem finden sich bei radialen Straßen die ungeraden Nummern links und die gerade rechts, wenn man in stadtauswärtige Richtung blickt. Richtung stadtauswärts werden die Nummern höher. Bei tangentialen Straßen orientiert sich das System am Uhrzeigersinn. Bewegt man sich in diesem, sind die ungeraden Nummern links, die geraden rechts und die Hausnummern werden höher.

Das System hat aber auch Nachteile, da die wirkliche Entfernung unbestimmt bleibt. Ist man bei der Hausnummer 1 und möchte zu Hausnummer 177, kann diese sehr weit entfernt sein oder auch nicht, abhängig davon, ob durchgängig Häuser auf der entsprechenden Straßenseite (hier also der linken) stehen oder nicht, wie breit die Häuser sind und ob es Sprünge oder nachträglich eingefügte Hausnummern mit Buchstabenzusatz (dazu später mehr) gibt. Auch liegen links- und rechtsseitig vergebene Hausnummern oft weit auseinander. Fast jeder hat es schon mal erlebt, eine Hausnummer fast gefunden haben. So steht man vor dem Haus 123, will aber zu 124. Auf der rechten Seite ist auf gleicher Höhe aber dann vielleicht die Hausnummer 60, wie ärgerlich.

Daher gibt es auch andere Systeme. Im Kanton Zürich etwa arbeitet man mit einer Art virtuellen Hausnummern. Alle 5 Meter wird eine solche gedachte Hausnummer vergeben. Ein Haus, genauer dessen Eingang, bekommt dann die Nummer, die den gedachten Hausnummern am nächsten kommt. Aus den Hausnummern wird somit eine annähernde Entfernungsangabe. Es gibt aber auf der Welt noch viele andere Systeme, z.B. das Mannheimer System mit seinen Quadraten. Alle haben sie ihre Vor- und Nachteile.

Es soll nicht auf alle Systeme eingegangen werden, denn hier geht es ja primär um Neuperlach. Aber auf eines soll hingewiesen werden. Das hierzulande verbreitete System hat den Nachteil, dass bei einer Nachverdichtung oft keine Hausnummern mehr frei sind. Pflanzt man etwa zwischen Haus 1 und 3 weitere Häuser, so behilft man sich mit Buchstaben: 1a, 1b … 1z. Das erspart den Anwohnern, dass ganze Straßen neu durchnummeriert werden, was ein lästiges Ummelden zur Folge hätte, den Druckereien aber Zusatzaufträge für neues Briefpapier und Visitenkarten bescheren würde. Buchstabenbereiche haben für mich immer was Provinzielles. Ich denke an die biederen Reihenhäuser in Gartenstadtsiedlungen, an denen ich die Buchstaben besonders oft sehe. Dabei gibt es die Buchstabenzusätze auch in echten Metropolen. Vor kurzem bekam ich eine E-Mail mit einer Adresse an der Karl-Marx-Allee. Ich sah erst nicht richtig hin und wollte schon der Absenderin schreiben, sie würde in der gleichen Straße wie ich wohnen. Stutzig machte mich aber die Hausnummer, die nach der Ziffer noch ein „a“ enthielt.

In Neuperlach

Hausnummer
Auch künstlerische und kitschige Hausnummernschilder gibt es. Foto: Gertrud K./ Lizenz siehe: flickr

In Neuperlach waren mir Buchstaben in Hausnummern bis dato unbekannt (zumindest in Neuperlach Nord/Mitte der Beobachtung nach) da man Lücken vorsah, die zum späteren Auffüllen gedacht sind. Somit merkte ich, dass etwas nicht stimmt, und ich erkannte meinen Irrtum. Erst dann sah ich, die Mail ist ja aus der Hauptstadt (bevor Proteste kommen, München ist natürlich auch ganz offiziell eine Hauptstadt), und es heißt dort „Allee“ und nicht „Ring“.

Buchstabenbereiche erinnern mich daran, dass man früher in der Programmiersprache Basic Zeilen nicht so ohne weiteres nachträglich einfügen konnte. Man behalf sich meist eines Tricks und schrieb das Programm mit Zeilennummern in einer gewissen Schrittfolge, typischerweise Zehnerschritten: 10, 20, 30… So hatte man Platz und konnte ggf. zwischen Zeile 10 und 20 noch eine Zeile 15 und noch weitere einbauen. Die Ästhetik blieb aber dabei auf der Strecke, die Abstände waren unregelmäßig, hässlich. Und zwischen Zeile 11 und 12 bekam man nichts mehr rein. Aber es gab zumindest keine Buchstaben in Zeilennummern, was ich als noch weniger elegant empfinden würde.

Nun aber endgültig zur Neuperlacher Realität: Der Peschelanger ist eine der bekanntesten Straßen in Neuperlach. Schauen wir uns diesen also mal an: Einen Peschelanger 1 gibt es nicht. Hier hat man auf der linken Straßenseite bei der Hausnummer 3 angefangen, die für das rostfarbene Bürohaus gleich am Eck zum Karl-Marx-Ring, das eine Bank und eine Apotheke im Erdgeschoss beherbergt, vergeben wurde. Platz für ein nachträglich hingepflanztes Haus ist nicht vorhanden, aber man weiß ja nie, für was man die Lücke (genauer den verschobenen Anfang) später noch brauchen kann. Komischerweise kommt als nächstes Haus auf der linken Seite (in Richtung Marx-Zentrum gesehen) gleich das Haus Nummer 11, das Ärztehaus (in dem sich auch passenderweise eine Bar befindet, mit separatem Eingang, aber auch der Hausnummer 11). Dann erst folgen die Hochhäuser 7 und 9, durch die sich beide der Penny-Supermarkt zieht. Die letzte der ungeraden Nummern hat die Mittelinsel mit ihren vielen Läden, die unter Peschelanger 13 firmiert. Auf der rechten Straßenseite finden sich die geraden Nummern, die mit 8 starten: Peschelanger 8, 10, 12 und 14. Quer durch 8, 10 und 12 geht der Rewe-Supermarkt, in Haus Nummer 14 ist die Gaststätte „Zum Löwen“, die früher einen Namen mit Absolutheitsanspruch trug: „Gaststätte Neuperlach“. Peschelanger 2, 4 und 6 sind nicht existent, ebenso wenig, wie bereits erwähnt bzw. angedeutet, die Hausnummern 1 und 5. Speziell bei den ungeraden Nummern ist die Zählweise also nicht so ganz schlüssig.

Eine Erklärung hierfür könnte die Anfahrt sein  – wer zum Haus 11 will, fährt am Ende des Peschelanger eine spezielle Straße weiter, die das Haus 11 halb umrundet und in einer Hochgarage mündet. Von der Zufahrt gesehen liegt das Haus 11 dann doch weiter weg als die Häuser 7 und 9. Die Mittelinsel wiederum ist direkt nur über die Fußgängerzone erreichbar (für schwere Lkws tabu, wobei es aber laufend Verstöße gibt!) und liegt demnach auch „hinten“, ganz hinten gewissermaßen. Es hat also alles irgendwie seine Logik.

Gestern erlebte ich jedoch einen Kulturschock. Man hat vor langer Zeit an der Kurt-Eisner-Straße nachverdichtet. Mit Wohnhäusern. Und ich sah, als ich einen Brief am nahe gelegenen Briefkasten einwerfen wollte, dass das erste Haus an der Kurt-Eisner-Straße die Hausnummer „1a“ trägt. Ich wurde mal wieder daran erinnert, dass Neuperlach doch provinziell ist, da München eben ein Millionendörfchen ist.

Redewendung

Sogar in eine Redewendung hat es der Begriff „Hausnummer“ geschafft. Eine „Hausnummer nennen“ bedeutet bekanntlich, eine ungefähre Größenordnung zu nennen, was natürlich bei der üblichen groben Hausnummernvergabe recht passend ist.

Berühmte Hausnummern

4711

4711
Logo und (streng genommen ehemalige) Hausnummer in einem. Foto: gaetanku / Lizenz siehe: flickr

Die wohl berühmteste Hausnummer in Deutschland darf natürlich nicht fehlen. Es ist die 4711 in Köln, die durch eine Köln-weite Hausnummerierung entstand. Ja, in dem Haus mit der Nummer wurde tatsächlich das Wässerchen 4711 verkauft, das erst offiziell als Heilwasser galt und später zum weltberühmten Parfüm wurde. Mit der späteren straßenspezifischen Nummerierung erhielt dann das Haus in der Glockengasse die unspektakuläre Hausnummer 12.

2583 ½

Wir bleiben in Köln. Der Kölner Dom erhielt ursprünglich die grotesk anmutende Hausnummer 2583 ½. Wer nun meint, hier habe man noch eine Hausnummer zwischen 2583 und 2584 reingeschummelt, liegt falsch. Der Zusatz ½ bedeutet schlicht, dass auf dem Grundstück ein öffentliches Gebäude steht, sodass es nicht steuerpflichtig war. Den Küster mit seiner kleinen Wohnung im Nordturm traf es nicht ganz so gut. Seine Wohnung firmierte unter der vollen Hausnummer 2583, sodass Steuern zu entrichten waren. Die Welt ist aber auch ungerecht.

Stempeln gehen – einfach kompliziert, der MVV-Tarif!

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Trambahnhaltestelle Neuperlach Nord. Um 1980, kurz vor Einstellung der Trambahn. In den 1970er-Jahren stieg ich hier sehr oft ein, um in die Innenstadt zu fahren. Doch ich variierte die Fahrtwege des Öfteren. Immer legal? Fotograf: Peter Bauer. Mit freundlicher Genehmigung der Freunde des Münchner Trambahnmuseums e. V.

Schon seit Jahrzehnten beschäftigt mich immer wieder ein und dieselbe Frage. Wenn ich mit dem MVV per Streifenfahrkarte oder Einzelfahrkarte ein Fahrziel ansteuere, muss ich dann den direkten Fahrweg nehmen, darf ich Umwege fahren? Und was ist überhaupt der direkte Fahrtweg? Wann also ist diese Fahrt im Sinne der Tarifbestimmungen erlaubt und wann nicht? Bereits als kleiner Bub stellte ich mir die Frage (den MVV gab es damals schon, genauer seit dem 05.04.1971). Meine Eltern sagten mir, ich dürfe nicht wieder zurückfahren oder Umwege fahren, ohne neu zu stempeln.

Als Kind ist man ja besonders neugierig und so wurden immer mal wieder Fahrten mit anderen Linien und Verkehrsmitteln ausprobiert, auch wenn die Fahrt dann länger dauerte. Aber als Kind hat man die Zeit und so genoss ich des Öfteren die Fahrt mit dem Trämli vom Ostbahnhof zum Stachus. Man sieht einfach von München an der Oberfläche mehr als mit der S-Bahn im Tunnel.

MVV-Einzelfahrkarte
Eine MVV-Einzelfahrkarte. Ist der MVV-Tarif kompliziert? Foto: hcii / Lizenz siehe: flickr

Aber sind solche Fahrten überhaupt zulässig? Im konkreten Fall waren dies keine großartigen Umwege, die Streckenlängen dürften nur mäßig abweichen. Die Divergenz ist hier eher zeitlich zu sehen. Ich ging davon aus, dass meine Fahrten legal seien, aber war mir nie ganz sicher.

Was aber ist, wenn man doch einen (kleinen) Umweg einbaut, etwa just for fun oder weil man irgendwas irgendwann irgendwo abholen muss und dieses Irgendwo nicht genau auf dem Weg liegt, sondern irgendwo im Nirgendwo? Ist das erlaubt oder führt die Fahrt ins Gefängnis? Diese Frage beschäftigte mich immer wieder und wieder.

Natürlich habe ich in jungen Erwachsenenjahren genau die Tarif- und Beförderungsbestimmungen des MVV studiert: Diese sagen Folgendes:

Einzelfahrkarten berechtigen zur Fahrt über die der Preisstufe der Fahrkarte entsprechende Anzahl von Zonen in Richtung auf das Fahrtziel mit beliebiger Unterbrechungs- und Umsteigemöglichkeit. Beim Unterbrechen oder Umsteigen kann die Fahrt auch von einer dem Ziel näher gelegenen Haltestelle aus fortgesetzt werden. Rück- oder Rundfahrten sind nicht gestattet.

Dass Umwege verboten sind, steht da nicht. Nur Rück- und Rundfahrten. Aber es gibt auch so etwas wie gefühlte Rück- und Rundfahrten. Nehmen wir mal zwei Fälle.

Ein extremes und ein weniger extremes Beispiel

A) Quiddestraße – Innsbrucker Ring per U5, dann Innsbrucker Ring – Hauptbahnhof per U2, zurück dann mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof zum Truderinger Bahnhof und weiter mit dem Bus 139 zur Corinthstraße (liegt in der Nähe der Quiddestraße). Eine Kreuzung liegt in diesem Beispiel nicht vor, Ausgangs- und Zielhaltestelle sind verschieden. Streng mathematisch ist dies keine Rück- oder Rundfahrt, gefühlt aber schon. Schließlich könnte man eine Einkaufsfahrt in die Stadt unternehmen und sich trickreich (?) einmal das Stempeln und damit Geld, wenn man das in 3 Stunden schafft. Erlaubt? Wohl kaum. Oder etwa doch?

B) Isartor – Ostbahnhof mit der S-Bahn und weiter mit der U-Bahn zum Max-Weber-Platz. Auch dies ist streng mathematisch keine Rück- oder Rundfahrt, allerdings wechselt man beim Umsteigen am Ostbahnhof optisch die Fahrtrichtung, man fährt in die fast entgegengesetzte Richtung quasi wieder zurück. Erlaubt?

Irgendwie kam ich nie dazu, der Sache mal ganz genau auf den Grund zu gehen. Doch was lange währt, wird endlich gut, jetzt habe eine Anfrage beim MVV gestellt. Die Antwort ist für mich etwas überraschend, die Kriterien sind doch strenger, als ich es gedacht habe.

Die Antwort des MVV

Nach den Bestimmungen des MVV-Gemeinschaftstarifs berechtigen Fahrkarten des Zonentarifs (Einzel- und Mehrfahrtenkarten) zur Fahrt innerhalb ihres örtlichen Geltungsbereiches in Richtung auf das Fahrtziel. Dies bedeutet, dass stets der streckenmäßig kürzeste Fahrtweg zu wählen ist. Abweichungen von diesem direkten Fahrtweg sind nur dann erlaubt, wenn durch die Benutzung von schnelleren Verkehrsmitteln (S-Bahn, U-Bahn) ein Zeitgewinn erreicht werden kann, oder wenn dadurch ohne Zeitverlust weniger oft oder barrierefrei umgestiegen werden muss/kann.

Rückfahrten sind Fahrten in Richtung auf den Ausgangspunkt der selben Strecke, die bei der Hinfahrt benutzt wurde. Beispiel: Isartor – Ostbahnhof – Rosenheimer Platz Rundfahrten sind Fahrten, die beispielsweise a) auf einem anderen Weg zum Ausgangspunkt zurückführen; b) die zu einem Punkt führen, der nahe dem Ausgangspunkt liegt oder c) die zu einem Fahrziel führen, das bereits mit der Hinfahrt hätte erreicht werden können.

Beispiel A: Quiddestraße – Innsbrucker Ring per U5, dann Innsbrucker Ring – Hauptbahnhof per U2, zurück dann mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof zum Truderinger Bahnhof und weiter mit dem Bus 139 zur Corinthstraße (liegt in der Nähe der Quiddestraße) ist definitiv eine Rundfahrt. Dieser Fahrtwunsch führt zu einem Ziel, der nahe dem Ausgangspunkt liegt.

Beispiel B: Isartor – Ostbahnhof mit der S-Bahn und weiter mit der U-Bahn zum Max-Weber-Platz ist keine Rundfahrt. In unserer elektronischen Fahrplanauskunft (EFA) wird die Fahrstrecke über den Ostbahnhof beauskunftet und ist somit zur Fahrt gültig.

Eine Faustregel gibt es jedoch nicht. Grundsätzlich gilt: Wenn eine Verbindung von der EFA mit Fahrpreis angezeigt wird, kann diese zur Fahrt genutzt werden. Absichtlich gewählte Umwege werden von der EFA ohne Preisangabe berechnet. Diese Fahrtmöglichkeiten entsprechen dann nicht der tariflichen Regelung „….. in Richtung auf das Fahrtziel …..“.

Wir hoffen, wir konnten Ihre Frage beantworten, stehen aber für noch eventuell auftretende Rückfragen gerne zur Verfügung. Die verspätete Beantwortung Ihre Anfrage bitten wir zu entschuldigen.

Gedanken zur Antwort

Es ist also der streckenmäßig kürzeste Fahrtweg zu wählen. Abweichungen davon sind nur erlaubt, wenn ein Zeitgewinn mit einem schnelleren Verkehrsmittel erzielt werden kann oder wenn dadurch ohne Zeitverlust weniger oft oder barrierefrei umgestiegen werden muss/kann.

Meines Erachtens ist das aber keine wirklich hundertprozentig präzise Definition, da der Fahrgast überfordert sein dürfte, den streckenmäßig bzw. zeitlich kürzesten Weg in jedem Fall zu kennen und entsprechend zu wählen. Die Streckenlänge ist ja gar nicht genau per Meter ausgewiesen (Fahrplan, Verkehrslinienplan etc.), sondern ergibt sich vor allem optisch und gefühlt – als wahrscheinliche Annahme. Die Fahrtzeit ist zumindest per Fahrplan definiert, kann aber bereits fahrplanmäßig von der Tageszeit abhängen. (Dazu kommen nicht planbare Unterschiede wie ein Trämli, das im Stau stecken bleibt, die wir aber mal ignorieren.) Allerdings denke ich, dass wer nach bestem Wissen und Gewissen von A nach B fährt und nicht absichtlich Umwege dabei macht, nichts zu befürchten hat. Eine Gewissheit ist dies aber nicht. Meiner Interpretation nach gibt es außerdem viele Grenzfälle.

Auch der Hinweis auf die elektronische Fahrplanauskunft (EFA), die Sicherheit bringen soll/kann: Diese gab es früher nicht und auch heutzutage verwendet die ja nicht jeder (weil er das nicht will oder kann).

Somit bleibt ein leicht bitterer Nachgeschmack. Warum müssen die Bestimmungen so kompliziert sein? Warum ist die Antwort vom MVV viel präziser (und komplizierter) als in den gedruckten Bestimmungen, die jeder einsehen kann? Schließlich kann man ja nicht vor Fahrtantritt eine schriftliche Anfrage an den MVV stellen, welche die eigenen Bestimmungen (ob rechtssicher oder nicht, soll jetzt nicht näher erörtert werden) interpretiert und weitschweifiger darlegt.

Trotz weiterer Unsicherheit und etwaiger Grenzfälle habe ich aber seit ein paar Jahren kein Problem mehr: Mit meiner „MVV-Flatrate“ IsarCard fahre ich unabhängig vom Zonentarif, und Rück- sowie Rundfahrten sind ausdrücklich erlaubt. Es geht also auch einfach.

Sprung in der Schüssel

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Für die einen sind sie eine Verschandelung des Stadtbildes, für die anderen die einzige probate Möglichkeit, Programme aus der (fernen) Heimat zu empfangen, für wieder andere eine Alternative zum terrestrischen Fernsehen DVB-T oder dem Kabelanschluss, zumal die Programmvielfalt gigantisch und auch die Möglichkeit, TV-Programme in HDTV zu empfangen, für viele äußerst interessant ist.

Sicher machen sich die Schüsseln an denkmalgeschützten Gebäuden nicht so gut. Bei in Plattenbauten in Neuperlach stört allenfalls, dass das Runde nicht zum Eckigen passt. Beide Formen beißen sich. Aber es gibt ja auch eckige Schüsseln, die aber nie eine so besonders weite Verbreitung geschafft haben. Ob rund oder eckig, die Hausverwaltungen sind passionierte Schüsselhasser. Immer wieder werden Bewohner unter Drohung juristischer Konsequenzen aufgefordert, die Schüsseln von ihren Balkonen oder vor ihren Fenstern abzumontieren. Einzelne Bewohner im Marx-Zentrum sollen von der Hausverwaltung vor Gericht gezogen worden sein, gegen andere soll dagegen nicht vorgegangen worden sein.

Einige Schüsseln sind sicherlich reichlich ungepflegt, etwa mit Taubenkot verdreckt oder fürchterlich verrostet. Bei diversen Konstruktionen ragen die Schüsseln weit an langen Stangen über die Fassade hinaus. Keiner weiß, ob sich solch eine eventuell nicht fachmännisch angebrachte Konstruktion eines Tages mal bei einem kleinen Lüftchen selbstständig macht. Generell ist aber meines Erachtens gegen stabil angebrachte und ansehnliche Schüsseln nichts zu sagen.

Satellitenschüssel, bodennahe Installation
Satellitenschüssel in bodennaher Installation (Archivbild) © Thomas Irlbeck

In meiner Wohnanlage – man glaubt es kaum – sind Schüsseln seit kurzem offiziell erlaubt, allerdings nur, wenn sie auf der Loggia oder dem Balkon bodennah installiert werden. Da die Satelliten relativ hoch stehen, ist auch bei einer bodennahen Installation oft eine Sicht zum Satelliten gegeben, ohne dass also die Brüstung im Weg ist. Man verschenkt im Idealfall nichts, sodass eine traumhafte Signalstärke erreicht wird und ausreichend Empfangsreserven für Schlechtwetter verbleiben. Die Konstruktion bietet hohe optische Fassadenkompatibilität, da man sie von außen gar nicht oder nur in großem Abstand vom Haus sehen kann. Ein Schutz vor einem katastrophalen Schüsselabsturz besteht ebenso. Leider geht dafür Platz auf der Loggia verloren. Auch funktioniert die bodennahe Installation in der Regel nur auf Loggien und Balkonen, die gen Süden gerichtet sind, da die meisten Satelliten etwa Richtung Süd positioniert sind (die beliebten Satelliten der Gruppe Astra 1 stehen auf Süd mit einer Abweichung von 19,2 Grad Richtung Osten, bei Türksat beträgt die Südabweichung 42 Grad Richtung Osten). Auf West- und Ostbalkonen sind daher dann doch oft die gefürchteten Stangenkonstruktionen erforderlich. Als legale und sicherere, aber gleichwohl kostspielige Variante besteht in vielen Wohnanlagen die Alternative, sich die eigene Schüssel aufs Flachdach setzen zu lassen, so auch in meiner Wohnanlage. Natürlich gäbe es auch die Möglichkeit von Gemeinschaftsantennen, was aber auch wieder Nachteile hat – neben den hohen Kosten (es ist tatsächlich billiger, wenn jeder seine eigene Schüssel montiert) spätestens bei der Frage, welche Programme von welchen Satelliten in die Hausanlage eingespeist werden. Auch ist man bei Störungen von der betreuenden Firma abhängig und kann nicht selbst an der balkoneigenen Schüssel rumschrauben. Oft stehen auch einer Gemeinschaftsantenne langfristige Verträge mit einem Kabelnetzanbieter im Weg.

Viele Schüsseln
Schüsselparade. Foto: Today is a good day / Lizenz siehe: flickr

Also doch die eigene Schüssel. Brav, klein oder extrem. Manche scheinen nicht nur eine Schüssel, sondern auch einen Sprung in einer solchen zu haben, wie so manche Konstruktion auf den folgenden Bildern zeigt. Aber auch die extremste Konstruktion kann eines nicht verhindern – dass das Fernsehprogramm kontinuierlich Jahr für Jahr schlechter wird und bald den höchstmöglichen Verflachungsgrad erreicht haben dürfte. Steil bleibt dann nur noch der Steigwinkel zum Satelliten.

Verrostete Schüssel
Wer rastet der rostet. Irgendwann. Foto: blacktar / Lizenz siehe: flickr
Noch eine Schüsselparade
Noch eine Schüsselparade. Foto: Nicobobinus / Lizenz siehe: flickr
Dachinstallation
Vorbildliche Dachinstallation. Foto: Paul Keller / Lizenz siehe: flickr
Viele Schüsseln
Ja nichts verpassen. Foto: kcolwell / Lizenz siehe: flickr

Deutschland zählt sich ab

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Abakus
Auch damit kann man zählen. Foto: DaveAustria.com / Lizenz siehe: flickr

Manche erinnern sich vielleicht noch an die umstrittene Volkszählung 1987. Von der Öffentlichkeit und Presse bislang wenig beachtet ist allerdings die Volkszählung 2011, auch unter „Zensus 2011“ mit dem (fast) imagefördernden Beitext „Wissen, was morgen zählt“ bekannt oder eben eher unbekannt.

Vor ein paar Tagen flatterte mir Post zum „Zensus 2011 – Vorbereitung der Gebäude und Wohnungszählung 2011“ ins Haus. Bislang hatte ich über die Volkszählung nur durch eine Aufstellung der Tagesordnungspunkte meiner Eigentümerversammlung erfahren.

Um was geht es eigentlich? Das offizielle Schreiben des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung („Mit Bayern rechnen“ – erneut so ein Wortspiel, das die Behörden untypischerweise verwenden) klärt auf:

In Deutschland wird zum Stichtag 9. Mai nächsten Jahres der Zensus 2011 (…) durchgeführt. (…) Mit diesem Gesetz setzt Deutschland die Verordnung (EG) Nr. (…) des Europäischen Parlaments und des Rates (…) über Volks- und Wohnungszählung um.

Aus dem weiteren Verlauf des Schreibens geht hervor, dass der Staat nicht wisse, wie viele Wohnungen und Gebäude es in Deutschland überhaupt gäbe, wie viel Wohnraum zur Verfügung stehe, wie alt die Häuser seien, wie sie beheizt werden (z.B. klassischer Holzofen oder offenes Feuer) und so fort. Der Staat braucht also die Angaben von den Immobilieneigentümern und Verwaltern, um seine Politik ausrichten zu können.

Ich frage mich aber vielmehr, was es den Staat angeht, ob ich eine Dusche oder eine Badewanne habe, wie viele WCs meine Wohnung hat und wie viele Bewohner ich aufgenommen habe.

Natürlich könnte man in Versuchung geraten, das Schreiben nebst Fragebogen (die nur der Vorbereitung dienen, die eigentlichen Fragen kommen dann später) in Ablage „R“ (Reißwolf) zu legen.

Die Gebäude- und Wohnungszählung, die für alle Eigentümer und Verwalter Pflicht ist, stellt aber nur einen Teil des Ganzen dar. Es wird (natürlich) noch viel, viel persönlicher. 10 % der Bevölkerung werden außerdem per Zufallsprinzip ausgewählt und müssen zusätzlich persönliche Fragen beantworten (Fragebogenmuster siehe hier), z.B. zu einem etwaigen Migrationshintergrund, zur Religionszugehörigkeit und zur persönlichen Weltanschauung. Zum Teil ist die Beantwortung der Fragen freiwillig. Man muss zwar noch angeben, welcher Religionsgesellschaft man angehört, bei der Frage, zu welchem Glauben man sich bekennt, darf man aber schweigen. Das heißt, jemand, der offiziell in der römisch-katholischen Kirche ist, muss das verraten, aber nicht, dass er sich inzwischen dem Buddhismus zugewandt hat. Auch nach dem Schulabschluss und dem derzeit ausgeführtem Beruf wird (natürlich) gefragt, ohne Spielraum für eine Verweigerung.

Da die Bereitschaft der Auskunftserteilung bei vielen nicht rekordverdächtig hoch sein dürfte, sind Sanktionen selbstverständlich notwendig. Damit niemand seine gerechte Strafe einfach aus der Portokasse bezahlen kann, hat man das Bußgeld angemessen hoch angesetzt. Wer schweigt, dem drohen bis zu 5.000 EUR (in Worten fünftausend!) Bußgeld und der Besuch eines „Erhebungsbeauftragten“. Klingeling!

Was die Immobilien angeht, ist meine Hausverwaltung der Auffassung, dass die Beantwortung der Fragen für den Eigentümer „äußerst umfangreich und zeitintensiv sein“ dürfte. Es werde nach der Anzahl der Wohnungen im Haus, dem Gebäudetyp, den Eigentumsverhältnissen, dem Baujahr, der Heizungsart usw. gefragt. Es wird der Eindruck erweckt, einige der Fragen könnten vom Eigentümer möglicherweise gar nicht beantwortet werden. Aber kein Problem ohne Lösung. Die Hausverwaltung hat mir inzwischen einen Erhebungs-Service-Vertrag zugesendet. Nach Abschluss des Vertrags und Zahlung von 25 EUR zzgl. 19 % MwSt. werde die Hausverwaltung die Übermittlung der Daten an das Statistische Landesamt übernehmen. Doch auch hier gibt es eine klitzekleine Schwierigkeit. Die Hausverwaltung hat zwar viele, sehr viele Daten über die Häuser, aber eben nicht zur den einzelnen Wohnungen. Aber gemeinsam kann man es schaffen. Ein Teil der Fragen wird einfach über ein zum Vertrag gehöriges Formular geregelt. Hier muss man nur die Fragen zur Wohnung (die berühmte WC-Anzahl und so was) eintragen, den Rest (die Gebäudefragen) übernimmt der Verwalter.

Super Geschichte! Oder etwa nicht? Manchen sind vielleicht noch die verballhornenden Formulare zur Volkszählung 1987 im Gedächtnis, die in Schulhöfen und Firmen etc. kursierten. Aus der Antwortmöglichkeit „Zeitsoldat“ etwa wurde der „Zinnsoldat“. Für solche harmlosen Scherze ist die Geschichte angesichts der staatlichen Datensammelwut, die in heutigen Zeiten viel einfacher und viel effektiver als damals missbräuchlich verwendet werden kann (Stichwort Verknüpfung von Datenbanken), viel zu ernst.

EU-Norm: 160.000 Euro wegen ein paar Zentimeter Plastik – oder „Wir sind schließlich keine Müllionäre“

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Das Thema Stilllegung der Müllschlucker und Bau von Mülltonnenhäuschen (Neuperlach.org berichtete) wurde ausgiebig auf der Eigentümerversammlung am Dienstag behandelt. Die Müllabwurfschächte müssten definitiv geschlossen werden, heißt es seitens der Verwaltung, die Lokalbaukommission hätte dies angeordnet. Der Anbringung von Brandschutzvorbauten hätte die Lokalbaukommission nicht zugestimmt, auch sonst gäbe es keine Möglichkeiten des Weiterbetriebs, weder über den Bestandsschutz noch durch Sondergenehmigungen etc. Komisch nur, dass im Marx-Zentrum vorerst keine Schließung der Müllabwurfschächte geplant ist, obgleich die Anlage fast genauso alt ist. Hat man hier wirklich alles ausgelotet?

Die Stimmung im Saal verschlechtert sich beim Thema Müllhäuschen. Bislang entsorgen die Bewohner den Müll in einem Müllraum im Keller. Auch in dem einen Haus, das über den Müllabwurfschacht verfügt, müssen größere Gegenstände und alles, was nicht Restmüll ist, dort hingebracht werden.

Mülltonnen
So sieht es derzeit ausdrücklich nicht vor dem Haus aus, aber ein Bild zur Illustration muss sein, da kaum niemand reine Bleiwüsten liest. Foto: hmboo/ Lizenz siehe: flickr

Die Tonnen werden zur Entleerung mit Lastenaufzügen an die Oberfläche befördert. Diese 40 Jahre alten Lastenaufzüge entsprechen nicht mehr den Sicherheitsbestimmungen. Sie verfügen z.B. nicht über eine automatische Abschaltung, falls etwas eingeklemmt wird. Über den Bestandsschutz könnten sie wahrscheinlich vorerst noch weiterbetrieben werden. Das Problem aber seien die neuen vorgeschriebenen EU-Mülltonnen aus Plastik, so die Verwaltung. Diese würden von der Form nicht in die Lastenaufzüge passen, ein Test hätte dies bereits ergeben. Momentan bestehe noch eine Sondergenehmigung für die alten Metalltonnen, die aber auslaufe und nicht mehr verlängert werden könne. Daher empfiehlt die Verwaltung den Bau von Müllhäuschen. Kosten: ca. 160.000 Euro für die zwei benötigten Müllhäuschen. Plus Zusatzkosten, etwa für Schließung der Müllabwurfschächte, Stilllegung der Lastenaufzüge, Umbau der Müllräume für eine andere Nutzung usw. Andernfalls müssten die Tonnen demnächst im Freien gelagert werden. Im Saal regt sich Protest. Es kommen Zwischenrufe wie „Wegen einer EU-Norm und ein paar cm Unterschied müssen wir 160.000 Euro bezahle und verlieren wir unseren Komfort“. Ein anderer Eigentümer: „Wir verschandeln unsere Gartenanlage.“ Ein Herr mit einer körperlichen Einschränkung befürchtet, er könne sich bei Glatteis den Oberschenkelhals brechen. Andere Leute befürchten, dass die Leute einen Teil ihres Mülls auf dem Weg zum Müllhaus verlieren und nicht wieder aufsammeln. Die Gefahr von Geruchsbelästigungen und Ratten kommt auch zur Sprache. In den anderen Wohnanlagen ginge das auch mit den Müllhäuschen, hieß es seitens der Verwaltung. Der Hausmeister würde ja die Wege räumen und streuen. Der Herr mit der körperlichen Einschränkung wendete ein, er würde derzeit bei Eis und Schnee das Haus nie verlassen, aber wenn der Müllraum wegkäme, dann müsste er. Dann müsse er sich halt von Nachbarn helfen lassen, hieß es. Auch eine kurzzeitige Lagerung des Mülls auf der Loggia sei möglich. Es gibt immer eine Lösung, wenn man nur wolle.

Ein Eigentümer fragt, warum man denn die Lastenaufzüge nicht erneuern könne. Die Antwort ist, dies sei noch viel kostspieliger. Man könnte zwar neue Lastenaufzüge einbauen. Dann greife aber der Bestandsschutz nicht mehr. Das Problem sei, dass der Einbau nicht mehr in die bestehenden Schächte erfolgen könne, da diese nach Vorschrift nun weiter weg vom Haus sein müssten. Man müsse alles aufgraben und neue Schächte bauen. Kosten: ca. 270.000 Euro plus diverse Zusatzkosten. Einige Eigentümer werfen ein, dass diese Lösung zwar sehr teuer sei, aber man dafür auch den Komfort behalten könne. Im anderen Fall müsste man 160.000 Euro zahlen, um danach weniger als jetzt zu haben. Wir sind ja schließlich keine Müllionäre.

Es wird gefordert, dass nicht nur ein Antrag zum Bau der Müllhäuschen zur Abstimmung gestellt werde, bei dem man keine andere Wahl hätte, da ein mehrheitliches Nein zur Folge hätte, dass die Tonnen demnächst im Freien stehen würden, sondern auch ein Alternativantrag zur Sanierung bzw. des Neubaus der Lastenaufzüge.

Ein Eigentümer bringt noch einen interessanten Vorschlag auf. Warum nehme man denn nicht kleinere Tonnen, die kleinere EU-Tonne würde in den Lastenaufzug passen. Seitens der Verwaltung heißt es, dann müsste man mehr Müllgebühren bezahlen. Es wird gefragt, ob dies nicht auf viele Jahre erheblich billiger sei, als jetzt mindestens 160.000 Euro hinzulegen. Dies müsse man noch durchrechnen, hieß es.

Nachdem die Proteste zu groß werden, entscheidet sich die Verwaltung dafür, das Thema zu vertragen. In einer noch einzuberufenden außerordentlichen Versammlung soll dann das Thema noch einmal behandelt und schließlich abgestimmt werden. Es soll dann ein dreiteiliger Antrag vorgelegt werden: Variante 1: Bau der Müllhäuschen. Variante 2: Sanierung/Neubau der Lastenaufzüge. Variante 3: Weiterbetrieb der Lastenaufzüge über den Bestandsschutz mit kleineren Tonnen. Bei so viel Optionen erinnert mich das an die Mülltonne mit der Aufschrift „Rein oder nicht rein, das ist hier die Frage“.

Sicherererer

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Airbags kann man falsch bedienen. Foto: Taekwonweirdo / Lizenz siehe: flickr

Mit diesem kreativ gesteigerten Komparativ wirbt der Onlinebezahldienst PayPal. Treffender könnte man es gar nicht ausdrücken, um eine Krankheit zu beschreiben, die nicht nur die deutsche Politik und die deutschen Behörden befallen hat. Zunächst einmal ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn die Welt immer sicherer wird. Der Sicherheitsgurt etwa hat unzählige Leben gerettet. Bei seiner Einführung hat man noch leidenschaftlich diskutiert, ob eine Anschnallpflicht nicht dem Selbstbestimmungsrecht zuwiderläuft. Da nicht angeschnallte Leute beim Crash aus dem Wagen geschleudert werden können und damit nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere eine Gefahr darstellen – andere Verkehrsteilnehmer müssen ggf. den Herausgeschleuderten ausweichen –, ist die Anschnallpflicht sicherlich gerechtfertigt.

Münchner J-Wagen (Heidelberger) am 11.09.2010. Die alten Wagen dürfen nur ohne hohen Auflagen wieder fahren – schließlich könnten bei den ungesicherten Türen Fahrgäste aus dem Zug fallen (11.09.2010) © Thomas Irlbeck

Der Luftsack, auf Neudeutsch auch Airbag, hat ebenso viele Leben gerettet und Leute vor schlimmeren Verletzungen bewahrt. Oft wird aber der Fehler gemacht, sich nicht anzuschnallen, da ja der Airbag da ist. Nur verpufft die Wirkung des Airbags dann im wahrsten Sinne des Wortes. Der Airbag kann nämlich eine Person gar nicht auffangen; ohne die Unterstützung des Sicherheitsgurtes ist der Airbag ein Sprungtuch ohne haltende Helferhände. Es gibt aber noch einen weiteren „Bedienungsfehler“: Mehr Sicherheit verleitet zu riskanteren Fahrweisen. Damit wird mindestens ein Teil, im Extremfall der gesamte Sicherheitsgewinn wieder verspielt. Ähnliches gilt für das Antiblockiersystem (ABS) und die Stabilitätsprogramme (ESP). Mit ABS bremst es sich auf Schnee und generell glatten Straßen besser, also wird schneller gefahren. ESP kann so manchen Fahrfehler ausgleichen, folglich wird mehr Gas gegeben. Immerhin ging die Anzahl der Verkehrstoten in Deutschland seit den 1970er-Jahren kontinuierlich zurück. Waren es 1970 in Westdeutschland noch dramatische 13.000 Tote, lag die Zahl 2009 bei entschärften 4.150 Toten, wobei im letzteren Fall auch die Neuen Bundesländer enthalten sind. Wenn man sich aber den immensen Aufwand an Technik anschaut, der betrieben wurde, müsste die Anzahl der Verkehrstoten mathematisch gesehen schon längst unter null liegen.

Teufelsrad auf der Wiesn. Hier soll sich schon mal jemand blaue Flecken geholt haben. Wie furchtbar! Foto: Traveller_40 / Lizenz siehe: flickr

Der staatlich verordnete Schutz greift in alle Lebensbereiche hinein. Neue Personenumlaufzüge – auf Altlateinisch Paternoster – etwa werden wegen der Verletzungsgefahr in Deutschland allenfalls noch unter hohen Sonderspezialauflagen genehmigt. So musste bei einem 2009 neu in Betrieb genommenen Paternoster in Berlin eine Ampel eingebaut werden, die signalisiert, wann ein Zustieg und Abstieg gefahrlos möglich ist. Bei einem Rotlichtverstoß wird die Anlage, die übrigens gegenüber früheren Paternostern deutlich gedrosselt ist, per Lichtschranke automatisch gestoppt.

Früher mussten die Fahrgäste noch selbst aufpassen. Ähnliches gilt z.B. bei der Trambahn. Am 11.09 dieses Jahres feierte man 115 Jahre Elektrische Trambahn in München. Die alten Wagen, die nicht über automatische Türen, sondern über rein per Hand bediente Schiebetüren verfügen, erhielten ihre Zulassung für den Einsatz bei Sonderveranstaltungen nur unter der Auflage, dass 2 (!) Zugbegleiter pro (!) Türe das Öffnen und Schließen der selbigen überwachen. Damit dürfen die Züge aber nicht im normalen Fahrgasteinsatz rollen, hier würde die Auflage sicherlich auf vier Zugbegleiter pro Türe erhöht werden.

Velodrom auf der historischen Wiesn 2010. Stürze und Zusammenstöße lassen sich nicht vermeiden. Unerhört! Foto: sanfamedia.com / Lizenz siehe: flickr

Neue Bahnübergänge werden in Deutschland in der Regel nicht mehr genehmigt, wegen der vielen meist selbst verschuldeten schweren Unfällen. Zuerst gab es die Vollschranken, die jedoch zur Falle werden konnten. Dann kamen die Halbschranken. Diese lassen einen Fahrzeugführer mit abgestorbenem Motor wieder aus dem Gefahrenbereich rausfahren, aber geben anderen die Möglichkeit, einen Bahnübergang trotz geschlossener Schranken zu passieren. Manche scheinen nicht zu wissen, wie unfassbar groß der Bremsweg eines Zuges ist und dass auch die stabilste Automobilkarosserie von einem Zug zermanscht wird wie ein Modell aus Pappmaché. Nun werden bei neuen Bahnstrecken als Ersatz für die Bahnübergänge millionenteure Unterführungen und Brücken gebaut. Die hohen Kosten verhindern so manche Neubau-Regionalbahnstrecke (bei Hochgeschwindigkeitsstrecken sind Bahnübergänge freilich nicht angebracht). Aber wenn es der Sicherheit dient.

Auch das Gehör wird geschützt, die Lautstärkebegrenzung – deren Umgehung immer besser abgesichert wird – von MP3-Playern macht es möglich.

Bei so viel Sicherheit und Gängelung blickt man erstaunt auf die Wiesn (auf Alt- und Neupreußisch: Oktoberfest). Dort gibt es Parcours mit rotierenden Trommeln, bei der gefühlt jeder zweite stürzt und sich verletzten könnte. Da ist das Teufelsrad, das die Leute spätestens per Boxattacke vom Rad schleudert. Im Velodrom kann man mit merkwürdigen Fahrrädern seine Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Man liest verwundert, dass sich „Zusammenstöße und Stürze nicht vermeiden lassen“. Ja, äh, wo bleibt hier die Sicherheit?

Wann kommt die Schaumstoff- und Helmrepublik, in der jede Anhöhe mit einem Schutzgitter versehen ist? Wo selbst Treppen nur noch als Feuerfluchtweg erlaubt sind, unter strengsten Auflagen versteht sich? In der man sich ohne Hirn und Verstand gefahrlos frei bewegen kann und vor allem und vor allem vor sich selbst geschützt wird? Wir sind auf dem Weg dahin. Aber sicher.

Marmortische sind Bauschutt

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Alle paar Jahre findet bei mir dasselbe Ritual statt. In meinem Dachbodenabteil bringe ich die Türe kaum mehr zu, geschweige denn kann ich den Raum betreten, so viel hat sich an altem Klump angesammelt. Nun ist der städtische Sperrmüllabholdienst dran. Der kostet nicht viel und man kann ihn im Internet bestellen. Wie praktisch. Ein paar Mausklicks und der Speicher entleert sich quasi von alleine, fast schon virtuell.

Der Eingang zum Dachboden im 10. Stockwerk (05.07.2010) © Thomas Irlbeck

Drei freundliche und hoch motivierte Männer in Orange kommen. Ich führe sie in den Speicher und zeige ihnen den aufgetürmten Müllberg. Beim Anblick einer Marmortischplatte sagt einer, diese „Steinplatte“ wäre Bauschutt, so etwas würden sie nicht mitnehmen. Ich wies darauf hin, es wäre eine Tischplatte und das Gestell vom Tisch stünde daneben. Doch der freundliche Herr bleibt beim „Nein“. Dabei ist der Tisch eigentlich noch ganz gut. Ein Ecke von der Tischplatte ist leicht abgeschlagen, aber ansonsten wollte ich ihn nicht hergeben, weil er Schrott ist, sondern weil ich in der Wohnung keinen Platz mehr dafür habe.

Dachböden sind gewissermaßen die dunklen Keller der Lüfte … (05.07.2010) © Thomas Irlbeck
… auch wenn hier und da ein wenig Licht durch eine Luke hereinkommt (05.07.2010) © Thomas Irlbeck

Ich meinte, nun das Wiehern des Amtsschimmels zu hören. Daher probierte ich eine neue Strategie. Ich fragte suggestiv, ob sie Möbel und damit auch Tische mitnehmen würden. Es kam kein Widerspruch. Klar, ich wusste schließlich, dass Möbel abgeholt werden. Ich bot an, dass ich die Tischplatte wieder aufsetzen würde, dann hätten sie einen Tisch, der als Gebrauchtmöbelstück entsorgt werden könnte. Dies wäre eine Sache von einer halben Minute gewesen, da man die Tischplatte nur auflegen muss, sie hält mit Saugnäpfen. Nach kurzer Bedenkpause schien der freundliche Herr den bürokratischen Irrsinn erkannt zu haben. Er sagte „Da diskutieren wir gar nicht lange rum, wir nehmen sie mit“. Also, geht doch.

Die besten 3 Arten, Radfahrer zu ärgern – oder „Gute(r) Rad(politik) ist teuer“

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Vor kurzem berichtete Neuperlach.org über die Abschaffung der Fahrradampel. Fahrradfahrer werden damit den Fußgängern gleichgesetzt, da nun die ursprünglichen Fußgängerampeln mit kombinierten Fußgänger-/Radfahrer-Leuchtscheiben versehen werden. Ob die damit verbundenen Einschränkungen durch einen Sicherheitsgewinn kompensiert werden können, bleibt fraglich.

Radfahrer sehen sich aber auch ganz anderen Gängelungen und Problemen ausgesetzt. Sie sind, ohne es zu wissen, Teil eines Spiels mit dem Titel „Die besten 3 Arten, Radfahrer zu ärgern“.

Maßnahme 1: Die Anti-Radfahrer-Baustelle

Diese Maßnahme ist sehr beliebt und kommt bei Bauarbeiten aller Art zur Anwendung. Das Prinzip ist denkbar einfach: Mittels eines profanen Schildes zwingt man den Radfahrer zum Absteigen. Jetzt kann man den Radler quälen. Er hat nun seinen Drahtesel über eine möglichst lange Strecke zu schieben oder zu tragen. Den anderen Mitspielern (Autofahrer) mutet man dies nicht zu. Ich persönlich habe noch keine Baustelle gesehen, an der Autofahrer ihr Automobil schieben oder gar tragen mussten.

Maßnahme 2: Die 5-Minuten-Kreuzung

Und schon wieder heißt es schieben. Wollten wir nicht eigentlich fahren? (05.06.2010) © Thomas Irlbeck

Diese Maßnahme ist besonders effektiv, da sie eine Dauereinrichtung ist. Radfahrer haben sich ja daran gewöhnt, dass sie bei Kreuzungen, die sowohl beim Längs- als auch beim Querverkehr einen Radweg aufweisen, beim Linksabbiegen gleich bis zu zweimal bei Rot warten müssen. Linksabbiegeampeln sind den Autofahrern vorbehalten. Bei einem U-Turn muss man sogar bis zu dreimal warten. Aber wer macht schon einen U-Turn? Außerdem sind die Radfahrer viel zu schlau und schieben ihr Rad einfach auf der Fußgängerfurt über die Straße. Dann muss für einen U-Turn höchstens einmal gewartet werden, was übrigens völlig legal ist. Also muss was anderes her, um den Radfahrer zur Weißglut zu bringen. Die Spielerfinder hatten dabei eine geniale Idee. Wie wäre es, eine Kreuzung so zu konstruieren, dass beim Linksabbiegen gleich drei Ampeln zu beachten sind und ggf. separat gewartet werden muss (wenn man die Ampeln auf den Mittelinseln noch mitzählt (die Radampeln wurden ja abgeschafft), werden es noch entsprechend mehr).

Aber wie meistert man diese Herausforderung? Das geht doch gar nicht, oder? Doch mit viel Mühe und exzessiver Planungsarbeit gelang die Konstruktion einer solchen Kreuzung. Eigentlich ist es eine normale Kreuzung, bei der aber als zusätzliche Maßnahme der Radweg so geführt wird, dass er noch im Kreuzungsbereich endet, und zwar so, dass dieser noch eine überflüssige, schikanöse Kurve nach links macht (sodass der Radfahrer quasi doch einen U-Turn hinlegen muss), deren Ende dann von einer Ampel markiert wird.

Da dies ein wenig schwierig auszudrücken ist, soll eine Bildanleitung helfen:

Wir sind von links gekommen (haben gerade an der Ampel gewartet) und wollen nun geradeaus fahren, in Richtung des Hochhauses im Hintergrund. Dazu heißt es aber zunächst, ein zweites Mal an der Ampel zu warten (05.06.2010) © Thomas Irlbeck
Doch nun endet der Radweg dergestalt, dass man rechts auf die Fahrbahn abbiegen muss. Das wird einem durch ein weiteres (drittes) Warten an der Ampel versüßt. Wohlgemerkt ging es nur darum, an dieser Neuperlacher Kreuzung nach links abzubiegen! (05.06.2010) © Thomas Irlbeck

Schnell können bei ordnungsgemäßer Benutzung der Kreuzung 5 Minuten Wartezeit zusammenkommen. Vorbeidüsende Autos, welche der Linksabbiegespur folgen, dienen als weitere Maßnahme, den Radfahrer zu ärgern und Rotlichtverstöße zu provozieren.

Maßnahme 3: Der Plötzlich-da-Radweg

Da es viel zu einfach ist, entweder auf der Fahrbahn zu rollen oder auf dem baulich gut sichtbaren Radweg, haben sich die Spielerfinder für eine weitere Maßnahme entschieden. Diese besteht darin, Radwegabschnitte einzustreuen, die sich an den unmöglichsten und an besonders schwer einsehbaren Stellen befinden. Das Ziel liegt darin, den ortsunkundigen, zunächst auf der Fahrbahn rollenden Radler kaum eine Chance zu lassen, einen beginnenden Radweg rechtzeitig zu entdecken. Primär will man erreichen, dass er benutzungspflichtige Radwege entweder übersieht (und einen Verkehrsverstoß begeht) oder aber diese im allerletzten Moment entdeckt, sodass er zu einem sehr gefährlichen Abbiegemanöver genötigt wird (und damit ebenfalls einen Verkehrsverstoß begeht). Um noch ein wenig nachzutreten, sind diese Radwegstücke in aller Regel kurvig, zugeparkt und von spielenden Kindern belagert. Zudem weisen sie meist nur eine sehr geringe Länge auf, sodass ein Radfahrer, der gerade noch die Kurve (im wörtlichen Sinne) bekommen hat, sich nicht wirklich freuen kann, da es gleich wieder heißt, auf die Fahrbahn zurück zu müssen, freilich mit weiterem Gefährdungspotenzial, da er nun wieder eine Lücke im motorisierten Verkehr finden muss.

Auch dieser Radweg muss natürlich benutzt werden, aber wie? Foto: wolfgangs / Lizenz siehe: flickr

Es soll am Ende der Gedanke haften bleiben, dass es auf der Fahrbahn für die wenigen Meter viel sicherer gewesen wäre und man sich mehrere riskante Manöver erspart hätte (wenngleich dies nicht legal wäre). Das ist aber noch längst nicht alles, denn der Radfahrer soll ja richtig geärgert werden. Als besonderes Überraschungsmoment und ebenfalls extrem effektive Maßnahme beginnt daher nach wenigen Metern Fahrbahn erneut ein Radweg, der ebenso schlecht einsehbar ist und abermals die Eigenschaft eines „Un-Radweges“ hat. Ziel ist es, dass auch ein langsam fahrender, hochkonzentrierter Biker bei seiner Tour mindestens einen benutzungspflichtigen Radweg übersieht und somit wenigstens einen Verkehrsverstoß begeht.

Um nun keinen falschen Eindruck zu erwecken: München ist nicht die schlechteste Stadt für Radler. Man tut wirklich viel Positives für die Radfahrer. Allerdings scheinen die Städteplaner gelegentlich nicht „Mensch ärgere dich nicht!“ zu spielen, sondern „Mensch, ärgere den Radfahrer!“.

Auf der Flucht

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Als ich heute früh in meinen wunderschönen Hausgang trat, wurde ich von drei frisch montierten Fluchtweg-Schilderchen begrüßt. O.k., die Vorschriften. Ob man allerdings zwei Schilder fast unmittelbar nebeneinander braucht, die beide auf die einzige Türe zeigen, die als Fluchtweg infrage kommt, ist eine andere Frage. Oder wird mit einem Schild weniger aus dem „Fluchtweg“ die Konstellation „Flucht weg“?

Auf der Flucht
Viel hilft viel. Drei „Fluchtweg“-Schilder für nur einen kurzen Gang, das dritte Schild befindet sich übrigens hinter dem Fotografen (16.10.2009) © Thomas Irlbeck

„Was soll’s denn kosten?“ Samstags-Flohmärkte gehen auf LVA-Parkplatz weiter

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Kunst oder Krempel? So ähnlich könnte es bald auf dem LVA-Parkplatz ausschauen (Archivfoto) © wrw / Pixelio

Der Neuperlacher Samstags-Flohmarkt ist gerettet. Das berichtet „Hallo“ in seiner heutigen Ausgabe „Ramersdorf-Perlach“. Die Flohmärkte des Bürgerkreises Neuperlach finden jetzt allerdings auf dem LVA-Parkplatz an der Fritz-Schäffer-Straße statt. Das erste Mal am 11. April von 6:45 bis 16:00 Uhr.

Quelle: Hallo vom 09.04.2009, Ausgabe „Ramersdorf-Perlach“, Seite 1.

Siehe hierzu: Flohmärkte auf Hanns-Seidel-Platz verboten

Flohmärkte auf Hanns-Seidel-Platz verboten

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Jeder Neuperlacher kennt den Flohmarkt auf dem Hanns-Seidel-Platz. Seit 23 Jahren veranstaltet der Bürgerkreis Neuperlach dort samstägliche Flohmärkte. Doch nun wurde dem Verein die Gemeinnützigkeit aberkannt. Damit gibt es keine Genehmigung vom Kreisverwaltungsreferat München mehr. Der erste Flohmarkt des Jahres, der für den 7. Februar anberaumt war, fiel schon mal aus. Der Bürgerkreis will kämpfen.

Quelle: Südost-Kurier Perlach – Giesing – Ramersdorf vom 11.02.2009, Seite 1

Schnee, Ödnis, Langeweile und vielleicht der nächste Rundkurs für die Langlauf-Meisterschaften statt Trödel, Opas Grammophon, Omas angelaufener Schmuck und Fritzchens vergilbte Comics. Hier, an dieser Stelle des Hanns-Seidel-Platzes, fand der Flohmarkt immer statt (12.02.2009). Foto (Handycam): Thomas Irlbeck