Karl Marx ist 200!

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Heute wäre Karl Marx 200 geworden. In Neuperlach sind ihm eine Straße (Karl-Marx-Ring (im Übrigen wohne ich dort)) und ein Ladenzentrum (Marx-Zentrum) gewidmet. Marx gilt als einer der einflussreichsten Philosophen der Weltgeschichte. Als theoretischer Begründer des Sozialismus und Kommunismus ist Marx natürlich nicht unumstritten, wenngleich für Marx‘ schlechten Ruf Machthaber verantwortlich sind, die seine Ideen missbraucht haben.

Für Verbrechen, die im Namen des Sozialismus und Kommunismus  begangen wurden, kann man Marx sicherlich nicht haftbar machen. Ob man seine Ideen umsetzen kann, sodass sie den Menschen dienlich sind, ist höchst unumstritten. Ich persönlich glaube, dass der Sozialismus und Kommunismus niemals funktionieren werden, aber die Ideen dahinter sind zumindest hoch interessant.

Karl Marx
Foto: unbekannt / Lizenz: gemeinfrei
Marx-Zentrum, Schild
Das Marx-Zentrum ist keine Sackgasse, aber der Peschelanger. Hinweisschild an der Einmündung Karl-Marx-Ring/Peschelanger (06.05.2018) © Thomas Irlbeck
Karl-Marx-Ring, Schild
Straßenschild, erneut am Eck Karl-Max-Ring/Peschelanger (06.05.2018) © Thomas Irlbeck

Drei auf einen Streich: Wir bitten um Beachtung!

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Gleich drei Schreiben hat die Hausverwaltung in meiner Wohnanlage in den Fahrstühlen sowie im Fahrstuhlwartebereich im Erdgeschoss aufgehängt. Die darin angesprochenen Probleme gibt es auch in anderen Wohnanlagen.

Entsorgung von Zigarettenkippen

Schreiben Hausverwaltung
Aushang 1

Zigarettenkippen sind Giftmüll und dürfen nicht einfach vor dem Haus auf dem Boden entsorgt werden. Es besteht außerdem Brandgefahr.

Feuerbeschau

Schreiben Hausverwaltung
Aushang 2

In Treppenhäusern und Gemeinschaftsfluren abgestellte Gegenstände müssen entfernt werden. Es geht erstens darum, dass Gegenstände im dichten Rauch den Fluchtweg behindern. Zweitens erzeugen brennende Gegenstände (Plastik in Bobby-Cars etc., aber auch z.B. Pflanzen) selbst hochgiftigen Rauch. Die Bestimmungen mögen sehr streng sein, allerdings sterben immer wieder Menschen bei Bränden.

Ruhestörung

Schreiben Hausverwaltung
Aushang 3

Leute möchten sich abends und am Sonn-/Feiertag erholen. Es ist unzumutbar, wenn (Hobby-)Handwerker wochenlang ihre Wohnung renovieren und dann mit den ruhestörenden Tätigkeiten erst um 18 Uhr oder gar um 20 Uhr beginnen. Die Ruhezeiten müssen daher eingehalten werden.

Ruhestörende Hausarbeiten sind Mo–Fr von 8:00 bis 12:00 und 14:00 bis 18:00, Sa von 8:00 bis 12:00 und 14:00 bis 17:00 erlaubt. An Sonn- und Feiertagen sind sie ganztägig verboten.

Dokumentation über Neuperlach im BR-Fernsehen!

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Im Rahmen der Fernsehreihe des Bayerischen Rundfunks

Schöner Wohnen für Alle
Sozialer Wohnungsbau im Wandel der Geschichte

wird am Sonntag, den 23.10.2016, um 15:15 Uhr im BR-Fernsehen die Folge 2 ausgestrahlt. Das Thema ist „Neuperlach“.

BR-Doku Neuperlach
Wohnring in Neuperlach

Die Planer sind begeistert, Kritiker und Münchner irritiert: Neuperlach, der Münchner Stadtteil vom Reißbrett, polarisiert seit seiner Grundsteinlegung. Zu hässlich, zu anonym, zu monoton, zu grau – so lauten die gängigen Klischees über das Quartier im Osten der bayerischen Metropole, das Ende der 60er Jahre als Deutschlands und Europas größte Wohnsiedlung im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus entstand. Auf dem Höhepunkt der Wohnungsnot sollte hier im boomenden Nachkriegsmünchen eine Heimat für 80.000 Menschen entstehen.f

Geplant war eine neue „Stadt in der Stadt auf der grünen Wiese“, so urban wie das alte München, nur grüner und moderner. Mit 50 Prozent Sozialwohnungen und je einem Viertel freier Miet- und Eigentumswohnungen für die breite Mittelschicht der Angestellten und Beamten. Planer waren die Landeshauptstadt und Europas damals größter Baukonzern, die Neue Heimat. Eine Gesellschaft, die einst die Bundesrepublik zubetonierte und dann in einem spektakulären Skandal zugrunde ging.

50 Jahre später taucht die Dokumentation in den Alltag von Münchens erster und einziger Satellitenstadt ein. Wie lebt es sich in dem Stein gewordenen Utopia, das einmal für die Radikalität der 60er Jahre stand? Wie urteilt heute die Fachwelt über die in Neuperlach verwirklichte Vision vom menschenwürdigen, sozialen Wohnen?

Antwort darauf geben „Ureinwohner“ wie Christl Magnus und Werner Krappweis, die mit ihren Familien als eine der ersten in die neue Trabantenstadt zogen – angelockt von den praktischen Grundrissen der Wohnungen und der familienfreundlichen Infrastruktur. Tilos Balak hingegen wurde in den 80er Jahren hier geboren und erlebte als Jugendlicher, wie das Viertel als vermeintlicher sozialer Brennpunkt immer öfter in die Schlagzeilen geriet. Drei Neuperlacher, für die hier ihre Heimat ist. Doch das Negativimage belastet den Stadtteil bis heute.

Aus Sicht von Architekten und Städtebauern wie Professorin Sophie Wolfrum sowie dem Architekturkritiker Gerhard Matzig ist Neuperlach bis heute das für München unverzichtbare große Wohnungsreservoir – mit einem Manko: die Retortenstadt hat immer noch kein zu Ende gebautes Zentrum.

Redaktion: Stefanie Baumann, Autorin: Carina Bauer

Einladung zur Preview der BR-Dokumentation „Neuperlach“

Wer es gar nicht erwarten kann, kann die Doku auch eine Woche vorher sehen:

Wann und wo?

Sonntag, 16. Oktober 2016, 19:00 Uhr
Kulturhaus Neuperlach, Hanns-Seidel-Platz 1, 81737 München
Einlass ab 18:30 Uhr / Ende ca. 21:00 Uhr

Der Eintritt ist frei.

Im Folgenden noch ein paar Infos über die TV-Reihe des BR.

Schöner Wohnen für Alle
Sozialer Wohnungsbau im Wandel der Geschichte

Eine dreiteilige Reihe ab 16.10.2016 immer sonntags um 15:15 Uhr im BR-Fernsehen

BR-Doku Neuperlach Wohnring
Detailansicht Wohnring in Neuperlach

Vor 500 Jahren stiftete Jakob Fugger die heute älteste Sozialbausiedlung der Welt: Die Fuggerei in Augsburg. Schon damals bewegte ihn die Frage, mit der sich Generationen von Architekten, Städteplanern und Sozialpolitikern nach ihm beschäftigt haben und die bis heute nichts von ihrer Dringlichkeit verloren hat: Wie kann in den städtischen Ballungsräumen günstiger und hochwertiger Wohnraum für finanziell Schwache geschaffen werden? Und wie können möglichst viele Menschen komfortabel auf möglichst engem Raum zusammenleben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die dreiteilige Sendereihe „Schöner Wohnen für Alle“, die ab 16.10.2016 immer sonntags um 15:15 Uhr ausgestrahlt wird.

Heute ist das Thema aktueller denn je: Der starke Bevölkerungszuwachs in den Ballungsgebieten bringt die Mietpreise zum Explodieren und zwingt die Planer, immer dichter zu bauen. Selbst überdurchschnittlich Verdienende können die Mieten kaum noch bezahlen. Und nicht nur in München werden dringend bezahlbare Wohnungen benötigt. Welche Lösungen wurden im Laufe der Geschichte für das Wohnraumproblem gefunden? Die Reihe „Schöner Wohnen für Alle“ zeigt neben der 500 Jahre alten Fuggerei den inzwischen 50 Jahre alten Münchner Stadtteil Neuperlach sowie mit der Messestadt München Riem ein Projekt aus der Gegenwart.

Das Modell Fuggerei funktioniert bis heute. Immer noch finden bedürftige Augsburgerinnen und Augsburger hier Obdach. Zentral gelegen, autofrei, ruhig und grün hat auch die spätmittelalterliche „Armensiedlung“ in der wachsenden Regionalmetropole neue Attraktivität gefunden.

Neuperlach ist das größte westdeutsche Siedlungsprojekt nach dem Zweiten Weltkrieg und symptomatisch für die Sozial-Utopien und den Fortschrittsglauben der Siebziger Jahre. Um der auch damals virulenten Wohnungsnot zu begegnen, scheute man sich nicht, dicht und stark in die Höhe zu bauen. In ganz Europa entstanden ähnliche Satellitenstädte, deren planerische Schwächen sich im Laufe der Jahre manifestierten. Der erneut gestiegene Wohnungsmangel hat Neuperlach heute wieder attraktiv gemacht.

Zeitgenössisches Beispiel ist München-Riem: Einst als zukunftsweisend gefeiert, steht der Reißbrettentwurf heute in der Kritik.

Anhand dieser Siedlungen wird in drei Filmen gezeigt, wie sich die Vorstellungen von sozialem Wohnungsbau mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten im Wandel der Zeit verändert haben und was gleich geblieben ist. Neben historischen Rückblicken liegt das Augenmerk vor allem auf der Gegenwart und den heutigen Bewohnern.

Sendetermine im BR Fernsehen:
Schöner Wohnen für Alle
Sozialer Wohnungsbau im Wandel der Geschichte

Folge 1: Die Fuggerei Sendung am 16.10.2016, 15:15 Uhr
Folge 2: München Neuperlach Sendung am 23.10.2106, 15:15 Uhr
Folge 3: Messestadt München Riem Sendung am 30.10.2016, 15:15 Uhr

Redaktion: Stefanie Baumann, Redaktion Kulturberichte und Kulturpolitik

Diese Folge anschauen: Link zur Mediathek, hier klicken

Baden gegangen

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Badeinbau 2015
Tag 0 (06.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 0 (06.12.2015) © Thomas Irlbeck

Nach 45 Jahren ist einfach mal Schluss. Diverse Fliesen sind gebrochen, die Fugen sind dunkel geworden. Bei den Abflüssen ist das Chrom durch jahrzehntelanges Putzen vollständig verschwunden. Die Abflüsse sahen nun zwar durchaus edel aus, das Messing wirkt wie Gold. Allerdings wird das Messing schon nach wenigen Tagen schwarz, sodass man mit dem Putzen nicht mehr hinterherkommt. Eine Badewanne ist auch nicht mehr zeitgemäß. Duschen ist wegen des geringeren Wasserverbrauchs effektiver, aber in Ermangelung einer Duschkabine machte der Duschgang jedes Mal fast den Einsatz der Feuerwehr erforderlich, um den Raum leerzupumpen. Also muss eine Duschkabine her, aber was mache ich nun mit meiner Flasche „Erkältungsbad“?

Hier gibt es noch mal die Möglichkeit, ein original Neuperlacher Bad in der Ausstattung von 1971 zu sehen. Dann wurde der Raum zur Großbaustelle. Schlussendlich verschwindet auch mal jede Baustelle, wenn sie nicht gerade BER Hauptstadtflughafen, Stuttgart 21 oder Elbphilharmonie heißt.

Badeinbau 2015
Tag 0 (06.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 0 (06.12.2015) © Thomas Irlbeck

Tag 1 bis Tag 14: Ausnahmezustand

Badeinbau 2015
Tag 1 (07.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 1 (07.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 3 (09.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 3 (09.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 9 (15.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 10 (16.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 11 (17.12.2015) © Thomas Irlbeck

Das erste Bad im zweiten Bad kann beginnen!

Badeinbau 2015
Tag 15 (21.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 15 (21.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 15 (21.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 15 (21.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 15 (21.12.2015) © Thomas Irlbeck
Badeinbau 2015
Tag 15 (21.12.2015) © Thomas Irlbeck

Todsünde #2 – Geiz und Habgier (Update 19.01.2015)

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Charlie Hebdo
Charlie Hebdo. Immerhin ist der Versand bei den 499 EUR inklusive.  9 verfügbar, 1 verkauft

Die neue Ausgabe von Charlie Hebdo ist sicherlich das derzeit weltweit bekannteste Heft. Nach dem schrecklichen Attentat in Paris hat der Verlag statt 60.000 gleich 3 Millionen Exemplare gedruckt. Doch nach wenigen Minuten war das Heft an vielen Verkaufsstellen bereits ausverkauft.

Nach Deutschland kam das Heft am Samstag, den 17.01.2015. Statt wie sonst üblich 90 (sic!) Exemplaren sollte eine fünfstellige Anzahl ausgeliefert werden – in Deutsch.

Update

Es ist nun doch keine deutschsprachige Ausgabe geplant. Statt 16 Sprachen sind nur noch fünf vorgesehen, darunter Englisch. In Deutschland wird die französischsprachige Ausgabe verkauft. Das konnte den Ansturm aber nicht bremsen, auch in Deutschland war das Heft nach wenigen Minuten ausverkauft.

Die Gier

Kein Attentat ist aber so schlimm, dass es nicht die Gier ausblendet. Wie sonst ist es zu erklären, dass Händler Bestände aufkaufen und dann die Hefte für bis zu 499 EUR (oder vielleicht sogar mehr, wer weiß) das Stück zum Sofortkauf auf eBay anbieten? Statt 3 EUR. Ein Gewinn von rund 17.000 Prozent. Auch wenn keiner gezwungen ist, solche Wucherpreise zu zahlen, ist es für mich Geld, an dem Blut klebt. Denn ohne das Attentat hätte dieser Gewinn nicht gemacht werden können, damit profitieren die Geschäftemacher von dem unfassbaren Leid. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Händler das Geld für die Angehörigen der Opfer spenden.

Wer das Heft haben will, sollte warten. Der Verlag will noch mal 2 Millionen drucken. Und er will so lange nachdrucken, bis jeder sein Heft hat. Auch ohne unseriöse Händler.

Tipp/Update: E-Paper kennt keine vergriffenen Auflagen

Die aktuelle Ausgabe von Charlie Hebdo gibt es auch als App für iPhone, Android und Windows Phone in den offiziellen Stores. Als Sprachen stehen Französisch, Englisch und Spanisch zur Verfügung. Der Preis liegt bei 2,99 EUR bzw. 3,00 EUR. Erfolgreich herunterladen statt erfolglos anstehen – das kann die Lösung sein. Wenn man mit der französischsprachigen Ausgabe nichts anfangen kann, bekommt dann auf diese Weise auch garantiert eine englischsprachige Ausgabe: „All is forgiven – I am Charlie“ steht auf dem Cover.

Fußball Rasen Ball Betreten Mannschaftsspiel Verboten

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Verbotsschilder
Bild 1 (05.09.2014) © Thomas Irlbeck
Verbotsschilder
Bild 2 (05.09.2014) © Thomas Irlbeck
Verbotsschilder
Bild 3 (05.09.2014) © Thomas Irlbeck
Verbotsschilder
Bild 4 (05.09.2014) © Thomas Irlbeck
Verbotsschilder
Bild 5 (05.09.2014) © Thomas Irlbeck
Verbotsschilder
Bild 6 (05.09.2014) © Thomas Irlbeck

In dieser Wohnanlage in Neuperlach West hat man es gut gemeint und alles voller Verbotsschilder gepflastert, damit in der Fußballnation Deutschland nicht Fußball gespielt wird. Auch hat man die Rasen penibel mit Zäunen eingefriedet, um in der Fahrradnation Deutschland die Trampelpfade von Mountainbikefahrern freizuhalten. Sicherlich können spielende Kinder kriminell laut sein, aber das kann dennoch nicht der richtige Weg sein.

Spanien: Berittene Wildschweinjagd per Lanze wieder zugelassen

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Wildschwein
Wildschwein (Symbolbild). Foto: I_am_Allan / Lizenz siehe: flickr

Eigentlich kein Thema für Neuperlach.org, aber vielleicht ganz interessant, auch da sich die meisten deutschen Medien offenbar zurückhalten:

In Kastilien (Spanien) wurde nach einem Bericht der Schweizer Nachrichtensendung 10vor10 die Wildschweinjagd hoch zu Ross per 3 Meter langer Lanze wieder zugelassen. Das makabere Freizeitangebot soll vermögende Touristen ins Land locken. Die Verantwortlichen argumentieren scheinheilig, das Ganze sei ein Beitrag zur Lösung der Euro- und Schuldenkrise. Da muss der Tierschutz schon mal hinten anstehen. Tiere nur zum Spaß zu töten, zur Befriedigung gelangweilter selbsternannter Eberjäger, das ist doch mal eine echte Schweinerei!

Zum Videobericht der Schweizer Nachrichtensendung 10vor10

Von Unwörtern und Wörtern des Jahres – Ich verstehe die Sprachen nicht, ich höre nur ihren Klang

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Streng genommen gibt es gar keine Unwörter, genauso wenig wie es keine Unkosten oder kein Unkraut gibt. Denn ein Unwort ist ja auch wiederum ein Wort. Auf einer anderen Ebene gesehen, ist Unwort selbst ein Unwort. Nichtsdestotrotz verfolge ich die Wahl zum Wort und Unwort des Jahres immer mit großem Interesse. Heute wurde von der Sprachkritischen Aktion das Unwort des Jahres 2012 bekanntgegeben. Gewonnen hat die schweizerisch-deutsche Wetterfee Jörg Kachelmann mit ihrer unfreiwilligen Einsendung Opfer-Abo.

Opfer-Abo – Unwort des Jahres 2012

Kachelmann sagte im Oktober 2012 in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL:

Das ist das Opfer-Abo, das Frauen haben. Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden. Menschen können aber auch genuin böse sein, auch wenn sie weiblich sind.

Die Begründung der Jury:

Im Herbst 2012 sprach Jörg Kachelmann in mehreren Interviews (z.B. im Spiegel vom 8.10.2012) davon, dass Frauen in unserer Gesellschaft ein „Opfer-Abo“ hätten. Mit ihm könnten sie ihre Interessen in Form von Falschbeschuldigungen – unter anderem der Vergewaltigung – gegenüber Männern durchsetzen. Das Wort „Opfer-Abo“ stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein. Das hält die Jury angesichts des dramatischen Tatbestands, dass nur 5-8 % der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen tatsächlich die Polizei einschalten und dass es dabei in nur bei 3-4 % der Fälle zu einer Anzeige und einem Gerichtsverfahren kommt, für sachlich grob unangemessen. Das Wort verstößt damit nicht zuletzt auch gegen die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer. Die Jury urteilt damit in keiner Weise darüber, ob und inwiefern Einzelpersonen von Verleumdungen betroffen sein können und somit auch nicht über den Fall Kachelmann. Sie kritisiert vielmehr einen Wortgebrauch, der gängige Vorurteile in Bezug auf eine Vortäuschung von Vergewaltigungen oder eine Mitschuld der Frauen bestätigt. Ausdrücke dieser Art drohen letztlich den zivilgesellschaftlichen und juristischen Umgang mit sexueller Gewalt in bedenklicher Weise zu beeinflussen.

Quelle: Presseerklärung Unwort des Jahres

Jörg Kachelmann
Die schweizerisch-deutsche Wetterfee Jörg Kachelmann (2006). Foto: cgommel / Lizenz siehe: flickr

Die Begründung ist schlüssig, das Wort unterstellt wegen der belehrenden und diskriminierenden Pauschalisierung sowohl Gesellschaft als auch Justiz, einem gewaltigen Irrtum zu unterliegen. Es schwingt auch ein Rückblick in längst vergangene Zeiten mit, als die Emanzipationsbewegung der Frauen noch ganz am Anfang stand. Ferner wird in Zweifel gezogen, dass die Justiz bei der Aufarbeitung sexueller Gewalt angemessen und korrekt urteilen kann, da der Gesellschaft offenkundig in solchen Fragen ein Männer-Malus und Frauen-Bonus innewohnt.

Überrascht und auch irritiert hatte mich dagegen im Dezember letzten Jahres die Bekanntgabe das Wort des Jahres 2012 „Rettungsroutine“. Die Gesellschaft für deutsche Sprache prämierte ein Wort, das erst nach dieser Wahl eine nennenswerte Verbreitung fand. Zwar drückt das Wort in polemischer Weise hervorragend aus, dass die Rettung des Euro nicht mehr langfristig angelegt ist, sondern regelmäßig wiederholt werden muss, obgleich man mit Rettung eine eher einmalige oder zumindest nachhaltige Aktion assoziiert. Aber das Wort war zum Zeitpunkt der Wahl kaum bekannt. Immerhin wurden keine Leitlinien verletzt, denn laut den Kriterien ist eine häufige Verwendung des Wortes keine zwingende Voraussetzung.

Ein Börsen-Unwort des Jahres wurde heute auch von der Sprachkritischen Aktion in Kooperation mit der Börse Düsseldorf bekanntgegeben: freiwilliger Schuldenschnitt.

Was liegt da näher, als auch ein Neuperlach-(Un)Wort des Jahres ins Leben zu rufen?

„Bebauungsplan“ – mein Neuperlach-Unwort des Jahres 2012

Siegerentwurf Hanns-Seidel-Platz © Formfest – Daniel C. Wolf. Mit freundlicher Genehmigung von Spacial Solutions

Es gibt tatsächlich ein Wort, das für einigen Zorn bei Bürgern und Kommunalpolitikern sorgte und angemessen in der Presse verbreitet wurde: Bebauungsplan. Seit vier Jahrzehnten warten die Neuperlacher auf ihr Zentrum. Bereits in den 1970er-Jahren sollte die Bebauung abgeschlossen werden. Doch noch immer ist die Mitte Neuperlachs ein riesiger Parkplatz. 2010 wurde nach einem Ideenwettbewerb zur Bebauung des Hanns-Seidel-Platzes ein Sieger gekürt und es sah so aus, dass es nun recht schnell losgehen könnte. Doch 2012 war man nicht viel weiter. Stadtteilpolitiker erfuhren, dass es keinen Bebauungsplan gebe. Auf Deutsch übersetzt bedeutet das, dass man ein Gericht zubereiten will, aber die Zutaten noch nicht einmal eingekauft sind, ja man sich noch nicht mal entschieden hat, welche Zutaten man genau braucht. Der Münchner Wochenanzeiger textete „Neuperlach – Herbe Enttäuschung“. Nun geht man davon aus, dass die Baumaschinen selbst bei der optimistischsten aller Annahmen frühestens Mitte 2017 anrücken werden.

„Schanzenhaus“ – mein Neuperlach-Wort des Jahres 2012

Plett-Zentrum - vier Schanzen
Das geplante neue Gebäude. Mit freundlicher Genehmigung von Paulus2. Visualisierung von Jürgen Engel Architekten

Ein weiteres Wort machte letztes Jahr von sich reden, aber in einer weit positiveren Weise. 2012 wurden neue Pläne für den Ersatz des ehemaligen Westflügels des Plett-Zentrum vorgestellt. Das Gebäude verblüfft durch seine spektakuläre Form, die an vier im Quadrat angeordneten Sprungschanzen erinnert. Schnell verbreitete sich der Begriff „(Vier-)Schanzenhaus“. Die lange Version „Vierschanzenhaus“ ist außerdem eine treffende Anspielung an die Vierschanzentournee. Etwas weitergedacht könnte man die vier Gebäudeflügel nach den einzelnen Austragungsorten der Vierschanzentournee benennen: Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen.

Substitutionspraxis im Marx-Zentrum: Wachmann feuert mit Gaspistole auf Patient (Update 11.01.2013)

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Peschelanger/Zum Ärztehaus
Hier geht es zum Ärztehaus, die Tafeln im Bild links deuten unzweifelhaft darauf hin. In einer der Praxen kommt es leider immer wieder zu unschönen Vorfällen (Archivbild) © Thomas Irlbeck

In einer Arztpraxis im Neuperlacher Marx-Zentrum, in der auch Drogensubstitution durchgeführt wird, kam es am Samstag, den 30. Juni 2012 erneut zu einem Zwischenfall mit Verletzten. Das berichten der Münchner Merkur und die Abendzeitung München. Um kurz vor 10 Uhr warteten im Treppenhaus des Ärztehauses etwa 15 Patienten auf ihre Versorgung. Einer von ihnen, ein 40-Jähriger, ist alkoholkrank und wollte die Praxis wegen eines Alkoholtests aufsuchen. Zu diesem Zeitpunkt war er laut Bericht völlig nüchtern (Update: ein später erschienener Bericht spricht dagegen von 1,6 Promille). Aus ungeklärten Umständen geriet der Mann in Streit mit einem 26-jährigen Wachmann. Letzterer fühlte sich in der außer Kontrolle geratenen Lage so bedroht, dass er mit seiner Gaspistole auf den 40-Jährigen feuerte. Letzterer wurde wegen des Reizgases noch aggressiver, woraufhin es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kam. Der 40-Jährige hat neben Augenreizungen eine Platzwunde und Abschürfungen zu beklagen, der Wachmann diverse Kratzer. Weitere Patienten wurden durch das Reizgas ebenso an den Augen verletzt. Als Polizei und Feuerwehr eintrafen, hatte sich die Lage entspannt, die Verletzten wurden zu diesem Zeitpunkt bereits in der Praxis versorgt. Die Polizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung.

Vorfälle dieser Art kommen in Verbindung mit der Substitutionspraxis immer wieder vor. Letztes Jahr gab es dort sogar einen SEK-Einsatz, bei dem man anfangs sogar von Geiselnahme ausging. Ein vorher abgewiesener Patient hatte sich mit einer Pistole bewaffnet Zutritt zur Praxis verschafft und forderte seine Methadondosis ein. Der Arzt flüchtete über eine Festleiter aufs Dach, eine ebenfalls im Sprechzimmer befindliche Patientin konnte ihm wegen Höhenangst nicht folgen. Verletzt wurde damals niemand, der Täter kam in die Psychiatrie nach Haar. Der Arzt wurde über eine Drehleiter vom Dach gerettet. Die Pistole entpuppte sich später als Schreckschusswaffe.

Update

Der Prozess hat nun vor dem Münchner Amtsgericht begonnen. Der Wachmann steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Er beruft sich auf Notwehr, er sei von dem Patienten angegriffen worden. Bericht der Münchner Abendzeitung

Bemerkung: Im Bericht der Münchner Abendzeitung heißt es, der Vorfall wäre am Samstag, den 20. Juni 2012 gewesen. Der 20. Juni war aber kein Samstag. Daher sollte der 30. Juni richtig sein.

Alien crossing at „Truderinger Wald“

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Lucasfilm, LucasArts & ILM
Foto: Scott Beale / Laughing Squid. Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0. Quelle: http://laughingsquid.com/

Sicherlich geht es vielen so: Es gibt einige Filmklassiker, die man nie gesehen hat. Bei mir war es E.T. Die Gründe können vielfältig sein. Eigentlich hat man als Jugendlicher jede Zeit der Welt. Und so geht man ins Kino – bei allen großen Blockbustern, die einen interessieren. Zumindest war das in den 1980er-Jahren so. Doch aus einem nicht mehr nachvollziehbaren Grund stattete ich E.T. keinen Besuch ab. Gut, der Film lief unzählige Male im Fernsehen. Aber nicht auf meiner TV-Karte.

Vor ein paar Monaten surfte ich bei einem großen Onlineversandhändler. Beim Stöbern in den DVDs wurde ich erinnert, E.T. nie gesehen zu haben. Also rein mit dem Film in den Warenkorb. Dann aber lag der Film lange auf meinem Schreibtisch, bis er endlich gestern ins DVD-Laufwerk kam.

Die Frage ist: Kann ein so bekannter Film an Kraft verlieren, immerhin wurde er x-mal diskutiert, zitiert und kopiert. Auch ist das Thema Außerirdische ziemlich out. Ein Facebook-Freund bemerkte vor ein paar Tagen treffend, dass bei der gewaltigen Zunahme an Digitalkameras, Überwachungstechnik und Webcams ja die Anzahl der UFO-Sichtungen immer mehr zunehmen müsste. Tatsächlich scheint sie gegenläufig zu sein: Bei immer mehr Fotos, die generell geschossen werden, ist E.T.s Raumschiff offenbar immer seltener zu sehen.

Alien crossing
Alien crossing at Truderinger Wald (17.12.2012) © Thomas Irlbeck

Trotz alledem war ich angenehm überrascht, der Film ist schon so eine Art Meisterwerk. Er hat mich gut unterhalten. Ich merkte aber auch, was sich heute alles geändert hat. Bei der ersten Begegnung mit dem niedlichen Wesen hätte der kleine Filmheld Elliott sicherlich sein Smartphone gezückt, woraufhin Sekunden später der Fotobeweis auf seiner Facebook-Seite gelandet wäre. Alles, von dem man sich ein Bild machen kann, verliert an Mystischem. Zu der Zeit, in der der Film spielt und gedreht wurde, waren ja selbst Handys zum reinen Telefonieren noch in weiter Ferne, wenngleich im Film E.T. mit handwerklichem Geschick aus ein wenig Spielzeugschrott und einem Kreissägeblatt das vielleicht erste Smartphone auf Erden bastelt, um – an dem abgedroschenen Zitat komme ich nicht vorbei – „nach Haus‘ zu telefonieren“.

Um den Anteil an Fotos mit außerirdischem Bezug etwas nach oben zu schrauben, tat ich heute mein Bestes. Am Truderinger Wald entstand das Foto (nein, leider nicht das Foto links oben, sondern das Foto rechts).

Süddeutsche Zeitung: „Gefangen im Marx-Zentrum“

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Marx-Zentrum
Ringförmig angelegtes Marx-Zentrum (Archivbild) © Thomas Irlbeck

In der Süddeutschen Zeitung vom Samstag, den 15. September 2012, ist auf Seite R7 (Stadtausgabe Süd) ein Artikel über das Marx-Zentrum erschienen (Titel: Gefangen im Marx-Zentrum). Aufhänger ist, dass die Penny-Einkaufswagen seit März dieses Jahres mit einer Wegfahrsperre ausgestattet sind (siehe Bild weiter unten), wodurch man sie nur noch innerhalb des Ladens benutzen kann. Die Süddeutsche Zeitung vergleicht diese Einrichtung mit einer „elektronischen Fußfessel“, die ja bekanntlich manche Straftäter tragen müssen. Einkaufswagen, die nicht mehr zurückgebracht und wieder mühsam vom Personal eingesammelt werden müssen oder gar für immer verschwinden, gehören somit der Vergangenheit an. Für ehrliche Kunden mag das ärgerlich sein. Für diejenigen, die viel schleppen müssen und das nur noch mit Mühe können, wenn überhaupt, ist das auch nicht angenehm.

Marx-Zentrum
Schiefe Laterne im Marx-Zentrum (Archivbild) © Thomas Irlbeck

So weit, so gut. Mit dem Marx-Zentrum hat das nur peripher was zu tun, zumal das in diversen anderen Filialen – auch anderer Ladenketten – auch schon längst praktiziert wird (siehe z.B. Aldi: Einkaufswagen mit Wegfahrsperre, einem Artikel von 2003).

Aber in dem Artikel werden alle Klischees bedient (Häuserfassaden mit Asbestplatten bekleidet, Substitutionspraxis, der Vinzenzmurr schloss, da er, so wörtlich, sein Fleisch schon länger dort (gemeint ist das Marx-Zentrum, der Verfasser) nicht mehr verkaufen wolle, Nagelstudio, Goldankauf, fast ungenutzte Laderampen). Mit den Einkaufswägen hat dies aber kaum etwas zu tun. Im Übrigen wurde das Marx-Zentrum so konstruiert, dass die Läden mit lastenintensiver Anlieferung ringförmig liegen und daher mit Laderampen ausgestattet sind, die übrigens sehr wohl auch heute noch rege genutzt werden. In der Mittelinsel (wo es keine Laderampen gibt) wurden dagegen bevorzugt Läden und Einrichtungen angesiedelt, die keine intensive Warenanlieferung haben. Hier haben die Planer mitgedacht.

Einkaufswagen mit Wegfahrsperre
Einkaufswagen mit Wegfahrsperre. Das rechte Vorderrad wird bei Verlassen des Ladens blockiert (18.09.2012) © Thomas Irlbeck

Doch inzwischen wurden die Läden der Mittelinsel zum Teil zweckentfremdet. Der frühere Frisör, der eher kleinere Mengen an Shampoo und Haarspray benötigte, ist gewichen. Der Lebensmittelmarkt, der dann dort eingezogen ist, hat ein hohes Lieferaufkommen. Die Lieferung erfolgt per Lkw durch die Fußgängerzone. Auch weitere Läden auf der Mittelinsel werden durch Lkw beliefert. Durch die zu schweren Lkw kommt es immer wieder zu Schäden, da die Fußgängerzone nicht dafür ausgelegt ist. Viele der Schäden wurden nie repariert, so gibt es nicht nur gebrochene Bodenplatten, sondern es wurden auch inzwischen fast alle Laternen und weiteren Masten mehrfach vom Lieferverkehr angefahren, wodurch sie immer krummer und verbeulter werden. Die Schäden haben sich über Jahrzehnte angesammelt und wurden meist nur notdürftig beseitigt, wenn überhaupt. Man darf hier fragen, warum sich die Hausverwaltung nicht darum kümmert. Auch die Tiefgarage, die sich direkt unterhalb der Fußgängerzone befindet, wird durch den Lieferverkehr über Gebühr belastet, auch hier sind Schäden und vorzeitige Abnutzungen vorprogrammiert.

Einkaufswagen mit Wegfahrsperre, Hinweis
Vergrößerung Hinweisschild im Wagen (18.09.2012) © Thomas Irlbeck

Trotz diverser Mängel halte ich das Marx-Zentrum weiterhin für sehr lebenswert. Was ich an dem Artikel kritisiere, ist die assoziierte Negativdarstellung. Bei Aussagen wie, dass der Vinzenzmurr dort kein Fleisch mehr verkaufen wolle, entsteht beim Lesen der Eindruck, das Marx-Zentrum müsse ja der schlimmste soziale Brennpunkt sein. Und das stimmt definitiv nicht.

Der Artikel aus der Süddeutschen Zeitung ist nicht online erhältlich, zumindest nicht in einer kostenlosen Variante, deswegen gibt es hier keinen Link.

Amtsverschimmelt – Warum wir mehr Bürokratie brauchen

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Spielbetrieb für Kinder
„Spielbetrieb für Kinder“. Nur ein Bürokrat kann sich solche Wortkonstruktionen ausdenken. Foto: Elias Schwerdtfeger / Lizenz siehe: flickr

Bürokratie ist die Herrschaft der Verwaltung. Die übersteigerte Form nennt man Bürokratismus. Die Verwaltung der Verwaltung wahrscheinlich dann Metabürokratie. Tankstellenpächter müssen sich neuerdings in Bayern versichern lassen, dass Kunden, die außerhalb der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten erscheinen, Reisende sind. Als Reisende zählen grundsätzlich keine Fußgänger und Radfahrer. Unklar ist, ob es reicht, sich davon zu vergewissern, dass ein Kraftfahrzeug vor der Tankstelle steht oder/und der Kunde angibt, mit einem Kraftfahrzeug gekommen zu sein. Selbst wenn dies gegeben ist: Eine mit dem Auto zurückgelegte Kurzstrecke macht einen Fahrer keinesfalls automatisch zum Reisenden.

Apropos fahren: Ich fahre mit der U-Bahn zu meiner Bank. Zur Vermögensberatung. Der Berater erklärt mir, es gebe neue Vorschriften. Der Kunde müsse nun genau Auskunft geben über seine Einnahmen und Ausgaben. Ganz neu ist es nicht, aber die Vorschriften wurden erheblich verschärft. Diese Angaben seien dann eine wichtige Grundlage für eine kundengerechte Beratung. Hier habe der Gesetzgeber gehandelt, nachdem es immer wieder vorgekommen sei, dass Berater schlecht beraten und Leuten hochspekulative Papiere angedreht hätten, obwohl deren individuelle Finanzsituation im Widerspruch dazu stand. Sicherlich sind hier Leute im Extremfall um ihre Altersversorgung gebracht worden. Der Wunsch nach einer Regelung sei aus dem Volk gekommen.

 Baker Boyer Bank
Auf geht’s zur Bank! Foto: walla2chick / Lizenz siehe: flickr

Nun muss ich also Auskunft geben. Was für Einnahmen habe ich (selbstständige Tätigkeit, ggf. Mieteinnahmen)? Bei den Ausgaben muss ich angeben: Miete, Wohngeld, Stromkosten, Renten-/Lebensversicherung, Krankenversicherung und weitere Versicherungen. Genaue Centbeträge sind nicht erforderlich, aber es soll schon ziemlich genau sein. Allgemeine Lebenshaltungskosten, wie viel ziehe ich denn so monatlich am Geldautomaten? Ferner muss ich die Zeitpunkte nennen, an denen ich das erste Mal mit bestimmten Finanzprodukten Erfahrung gemacht habe. Großzügigerweise fragt der Berater nur nach dem Jahr. Ich kann nur schätzen. Der erste Aktienfond? Der erste Fond mit Kapitalschutz? Usw. Meine Angaben werden dann freundlicherweise mit dem Datum „1. Januar“ ergänzt, dabei weiß ich nicht mal, ob das Jahr stimmt. Auch die Anzahl der gekauften Papiere muss angegeben werden: 1, 2, 3, 4, 5 oder mehr. Dass es nicht noch genauer sein muss, nehme ich als eine Art Geschenk an.

Nun geht es an das Eingemachte: Habe ich eine Immobilie? Wie viel Quadratmeter? Wann wurde das Haus gebaut? Einige Angaben scheinen nichts mit meiner persönlichen Vermögenssituation zu haben. Aber, was tut man nicht alles für die Bürokratie?

Ich frage, was passieren würde, wenn ich die Angaben verweigere. Dann, so hieß es, könne ich weiterhin alle Produkte erwerben. Allerdings gäbe es dann keinerlei Beratung. Das überzeugt mich, ich bin kooperativ. Aber es gibt einen weiteren Haken. Selbst wenn ich alle Angaben mache, kann es passieren, dass ich dann nicht zu allen Produkten Beratung erhalte. Wenn es meine Situation nicht hergibt, dann bekäme ich für bestimmte Risikoklassen keine Beratung. Ein Computerprogramm entscheidet anhand der Eingaben, was möglich ist. Das mag ja alles einen Sinn haben. Aber: Nehmen wir den Fall, ein Kunde liest in einer Finanzzeitschrift von einem bestimmten Finanzprodukt und möchte dieses erwerben. Der Berater sagt dann, er dürfe zu diesem nicht beraterisch tätig sein, aber er würde es dennoch für den Kunden „auf eigenes Risiko“ kaufen. In diesem Fall könnte sich der Kunde für ein sehr schlechtes Produkt entscheiden. Der Berater darf dann nicht abraten. In diesem Fall bräuchte der Kunde dringend Beratung, erhält diese aber im Unterschied zur alten Regelung nicht mehr, obwohl der Gesetzgeber ja gerade die Beratung speziell in solchen Fällen verbessern will. Es zeigt sich mal wieder: Gut gemeint ist gut daneben gedacht. Erschreckend ist auch der Zeitaufwand. Über eine Stunde dauern die Erfassung und die zusätzlichen Erklärungen. Keine einzige Minute davon ist etwas, das man als Finanzberatung im eigentlichen Sinne werten könnte. Aber es ist eben Bestandteil der Bürokratie, dass es erst später zur Sache geht. Die Sache wird dann selbstverständlich mit einer bürokratischen Handlung abgeschlossen. Keine Ordnung muss schließlich auch nicht sein!

Schilder in Schilda

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Schilder begegnen uns überall. Verkehrsschilder, Namensschilder, Hinweisschilder. Es gibt amtliche und weniger amtliche. Sinnvolle, unsinnige und groteske.

Etymologisches

Woher kommt aber der Ausdruck „Schild“? In Bedeutung der Schutzwaffe („der Schild“, Plural: die Schilde) hat der Ausdruck seine Wurzeln im indogermanischen Begriff „skel“, was Schneiden, Spalten, Aufreißen bedeutet. Im Altenglischen findet sich „scielian“ für „trennen“. Die Schilde der Germanen waren nach Überlieferungen aus (geschnittenen) Brettern hergestellt, daher der Ursprung. Verwandt mit „Schild“ ist auch das nordenglische Fremdwort „skalpieren“, bekanntlich das Abtrennen der Kopfschwarte vom Schädel.

Repliken römischer Schilde
Repliken römischer Schilde. Foto: redwinegums / Lizenz: CC BY-NC 2.0

Schon sehr früh war der Schild nicht nur Verteidigungswaffe, sondern verriet durch die Bemalung einiges über den Schildträger und seine Absichten (daher auch die Redensart „im Schilde führen“). Nur logisch erscheint es, dass „Schild“ später eine weitere Bedeutung kam, nämlich die des Erkennungszeichens (Wirtshausschild, später Hausschild und dann noch allgemeiner), also losgelöst von der Verteidigungswaffe. Das Wort in dieser Bedeutung wird seit dem 18. Jahrhundert als Neutrum geführt („das Schild“, Plural jetzt „die Schilder“).

Auch der Ausdruck „schildern“ findet seinen Ursprung in dieser Wurzel, ursprünglich war es die Tätigkeit des Wappenmalers (16. Jahrhundert), später verstand man ein allgemeines „Beschreiben“ und „ausführliches Darstellen“ (in textlicher Form) darunter (ab dem 18. Jahrhundert).

Wirkung und Beachtung von Schildern

Bei der Beachtung von Schildern gibt es zwei Trends: Einerseits werden Schilder nur als Empfehlung gesehen, selbst wenn sie amtlich sind (Stoppschild etwa), oder sogar bewusst missachtet. Andererseits haben ausgesprochen viele Bürger Respekt vor Schildern, gerade den Deutschen wird es nachgesagt. Ich hatte vor vielen Jahren in Neuperlach einen Stellplatz an der Oberfläche gemietet. Nutzen konnte ich ihn nur selten. An der Einfahrt hieß es zwar „Privatparkplatz – unberechtigt parkende Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt“ (oder so ähnlich), aber es stellten sich fast täglich Fremde darauf. Ich reagierte mit einem Schild „Parken verboten“, das ich an dem Stellplatz selbst anbrachte. Ich durfte laut Schild nun dort zwar selbst nicht mehr parken (zumindest theoretisch nicht), aber zu meiner großen Überraschung stellte sich nun fast nie mehr ein Fremder auf den Stellplatz. Gezählt habe ich höchstens einen Falschparker pro Monat statt täglich mindestens einen.

Schilder stellen sich vor

In letzter Zeit habe ich einige besondere Schilder fotografiert – auch in Neuperlach –, die ich hier nun präsentiere und kommentiere.

Privatgrundstück und „Hundegeschäft verboten“

Hunde - "Geschäft verboten"
Privatgrundstück / Hunde – Geschäft für Hunde verboten (21.08.2012) © Thomas Irlbeck

Gleich zwei Schilder verschönern einen der Zugänge zu meiner Neuperlacher Wohnanlage. Das obere Schild hängt schon lange da. Es ist eine reine Farce, mit der versucht wird, sich störende Bürger vom Leib zu halten.Tatsächlich handelt es sich hier um ein Privatgrundstück, das aber per Satzung zum öffentlichen Fußgängerverkehr freizuhalten ist. Neuperlach ist schließlich der Stadtteil der offenen Wege. Das Schild ist natürlich nicht amtlich, diverse Stadtteilpolitiker empfehlen, es einfach zu ignorieren.

Ganz neu ist das runde Schild weiter unten. Hunde dürfen also hier kein großes und wohl auch kein kleines Geschäft machen. Ob sich die Hunde daran halten?

Schild mit Bank

Schild Wasserburg Inn Bank
Schild mit Bank Wasserburg am Inn (17.08.2012) © Thomas Irlbeck

Nun ein Schild mit Bank in Wasserburg am Ufer des Inns, das durch seine Größe besticht. Hier gebe ich zu, dass ich erst zweifelte, ob dies nun ein Schild ist, das vor der Bahnstrecke warnt (die hier gleich ein paar Meter weiter hinten ist; die Bahnstrecke ist nach einem Erdrutsch seit 1987 „unterbrochen“; immerhin sieht man mit dem „x“ so was Ähnliches wie ein Andreaskreuz) oder ein Schifffahrtsschild. Die Größe des Schildes spricht dagegen, das Schild ist so groß, weil es die Kapitäne auch von größerer Entfernung aus erkennen müssen. Auch sieht ein Bahnübergang-Warnschild anders aus, es hat die Spitze nach oben. Also ein Schifffahrtsschild. Vermutlich warnt es vor dem Wasserkraftwerk, das hier ganz in der Nähe ist. Genaueres war nicht rauszufinden. Die Stelle hier ist übrigens sehr idyllisch. Das Schild könnte man aber mal putzen.

Modernes Buswartehäuschen

Buswartehäuschen Linden
Buswartehäuschen in Linden (22.08.2012) © Thomas Irlbeck

Ein herrliches Buswartehäuschen. Hier sind die Kinder gerne Fahrgäste, die den denkbar modernsten Unterstand haben. Gesehen in Linden (bei Edling) zwischen Ebersberg und Wasserburg am Inn. Manchmal sagen Schilder nicht, um was sich für ein Objekt handelt, sondern um welches Objekt es nicht handelt. Hier bringt das Schild zum Ausdruck, dass das Häuserl kein WC-Häuserl ist. Deftiger Ausdrücke spare ich mir, im Englischen ist das WC ohnehin viel vornehmer ein „rest room“.

Der Zustand des Buswartehäuschens ist übrigens so modern gar nicht, wie ich anfangs behauptete. Eher „modernd“ im Sinne von „Moder“, also Fäulnis. Der Boden ist nämlich teilweise durchgebrochen, was man in der Vergrößerung (Bild anklicken, gilt für alle Bilder) durchaus erahnen kann.

FSK 21

American Marx-Zentrum
American im Marx-Zentrum (23.08.2012) © Thomas Irlbeck

FSK 21 ist ein Mythos oder ein Marketing-Gag. Es gibt keine Filme in Deutschland, die erst ab 21 Jahren freigegeben sind. Aber es gibt durchaus Dinge, die erst ab 21 sind: der Besuch der Spielbank und der Lkw-Führerschein etwa.

Spielhöllen sind aber ab 18, und ein Lokal mit Spielbankkonzession dürfte es in Marx-Zentrum kaum geben, die findet man eher in Urlaubs- und Kurorten. Der Luftkurort Neuperlach muss aber erst noch erfunden werden. Dennoch darf man ins American laut Schild erst ab 21 rein und nur mit Personalausweis. Ob das eine freiwillige Maßnahme, rechtlich tatsächlich erforderlich oder ein Behördenirrtum ist, bleibt unklar.

Der Benutzer DumbShitAward hat im Eisenbahnforum einige interessante Thesen zu dieser Frage aufgestellt, die ich hier zitiere. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von ihm. Es handelt sich hier ausdrücklich nicht um die Stellungnahme eines Juristen, sondern um eine rein persönliche Einschätzung. Kleinere Schreibfehler wurden beseitigt, auch handelt es sich um eine Aneinanderreihung mehrerer Zitate:

Bin ich ganz ehrlich gesagt überfragt, zumindest sehe ich keinen offensichtlichen Grund, weshalb man für solche Läden 21 sein müsste.

Die einzigen Formen des Glücksspiels (im allgemeinen Verständnis), bei denen die Altersgrenze 21 sein KANN (Glücksspiel im rechtlichen Verständnis ist dummerweise Ländersache, es scheint jedenfalls Bundesländer zu geben, die nur Volljährigkeit voraussetzen – überflüssig zu erwähnen, dass Bayern nicht dazu gehört), sind die klassischen Casinospiele und Automaten, theoretisch auch Lotterien (aber da wäre mir kein Bundesland bekannt). Die bekannten Groschengräber aus den Kneipen („Spielautomaten mit Gewinnmöglichkeit“) werden über Bundesrecht behandelt, hier ist die Altersgrenze immer 18 Jahre.

Dass in einer Spelunke Casinospiele stattfinden oder tatsächliche Glücksspielautomaten hänge,n halte ich für relativ unwahrscheinlich – denn das wäre in allen Fällen grundsätzlich illegal, da könnte einem so eine Lappalie wie „Jugendschutz“ (wir sprechen hier ja gar nicht mal mehr von Jugendlichen) herzlich egal sein.

Denkbar wäre aber, dass dort Glücksspiel nach ausländischem Recht stattfindet (Vermutung: UK, evtl. versucht noch jemand den Stunt mit der DDR-Konzession abzuziehen, weiß allerdings nicht, ob das nicht inzwischen rechtlich wasserdicht gemacht wurde) und dieses das Alter 21 vorschreibt. Ein ziemlich heikles Thema, da sich hier das recht rigorose deutsche Recht mit Grundsätzen des EU-Rechts beißt (Stichwort Dienstleistungsfreiheit) – da ist wohl definitiv noch die eine oder andere Rechnung offen.

Ich habe mich da mal etwas tiefer hineinbegeben, wirklich mehr als eine unbegründete Theorie habe ich aber nicht vorzuweisen.Es gibt in meinen Augen keinen rechtlichen Grund, weshalb das Ding plötzlich erst ab 21 Jahren betreten werden kann. Das Mindestalter beträgt bundesweit in meinen Augen 18 Jahre, ausnahmslos. Einzig die Spielbanken und „echten“ Casinos haben je nach Bundesland da eine Sonderregelung, weiter ist da nichts geregelt. Wenn der Betreiber Großjährigkeit verlangt, tut er das auf Basis seines eigenen Hausrechts (und das natürlich völlig unstrittig), so zumindest mein Eindruck.

Meine Theorie ist nun folgende: Hier wird mit Gewerberecht Druck auf die Betreiber ausgeübt. Man hat in der aktuellen Situation als Spielhallenbetreiber das Problem, dass die Konzessionen nur mit ziemlich kurzen Laufzeiten (je nach Situation zwischen 1 und 5 Jahren, Genaueres regelt das kommunale Gewerberecht) vergeben werden, die Ordnungsämter der Kommunen halten so den Druck recht hoch. Da zusätzlich derzeit ja noch diese etwas emotionale, aber mit wenig tatsächlichen Argumenten ausgestattete Diskussion über die Spielhallen im Speziellen und die Wirrungen des GlüStV im Allgemeinen tobt, könnte ich mir Folgendes vorstellen: Das KVR hat dem Betreiber wohl mehr oder weniger direkt gesagt, dass er sich seine Konzession an den Hut stecken kann, wenn er ihnen, trotz anderslautender Rechtslage, nicht entgegenkommt.

Erschwerend hinzu kommt, dass gerade auf kommunaler Ebene sich das Gerücht, diese Schuppen seien erst ab 21 freigegeben, erstaunlich hartnäckig hält – und wie schwer gerade konservative Kommunalpolitiker sich damit tun, zuzugeben, dass sie völligen Blödsinn erzählen, ist ja bekannt.

Denkbar wäre natürlich auch, dass sich der Betreiber so eine gewisse Klientel vom Leib halten will.

Gemäß den Fall, die Heraufsetzung sei wirklich freiwillig, geht’s da wohl um die Öffentlichkeitsarbeit.

Wie wir ja auch hier sehen, ist die Meinung, der Zutritt sei erst ab 21 erlaubt, weit verbreitet. Nehmen wir weiter an, ein Betreiber eines solchen Ladens würde das Alter einfach mal auf 27 oder 33 legen. Da merkt schon ein Blinder mit Krückstock, dass das gemacht wurde um gewisse Gruppen fernzuhalten. Würde ich da rein wollen und quasi „grundlos“ rausgeworfen werden, gehe ich da auch garantiert nicht mehr hin, wenn ich alt genug bin.

Klar ist das legal, kann ja jeder selbst entscheiden (sofern mit Art. 3 Nr. 3 GG vereinbar), wen er reinlässt und wen nicht. Ich erinnere mich da an einen Wirt in Westdeutschland, der Kinder unter einem bestimmten Alter den Zutritt zu seinem Restaurant verweigerte. Gab einen üblen Shitstorm und das obwohl die Beweggründe hier sogar absolut plausibel waren.

Quelle: Eisenbahnforum

Auch … muss gelernt sein

WC-Anleitung
WC-Anleitung. Foto: James Nash (aka Cirrus) / Lizenz siehe: flickr

Und weil es so schön ist, zum Abschluss noch ein WC-Anleitungsschild. Genauer ein Schild, das zeigt, wie es nicht geht. Laut Quelle aus einem koreanischen Restaurant in London.

Aus „Bier nur noch für Autofahrer“ wird „Alle Artikel nur noch an Autofahrer“

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Außerhalb der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten darf an Tankstellen Alkohol nur noch an Autofahrer und Mitfahrer verkauft werden kann. Man kann vielleicht damit leben und es als gut gemeinte, aber schlecht gemachte Handlung zur Eindämmung des Alkoholmissbrauchs sehen. An der Überall-Verfügbarkeit des Alkohols soll gekratzt werden. Schaut man sich aber den neuen Vollzugshinweis zum Ladenschlussgesetz des Bayerischen Sozialministeriums an, betrifft dies alle Arten eines Einkaufs:

Tankstellen ohne Gaststättenerlaubnis dürfen nach Ladenschluss kleinere Mengen an Lebens- und Genussmitteln an Reisende verkaufen, um deren Versorgungsbedürfnis zu befriedigen und den Erhalt der Mobilität auch während der allgemeinen Ladenschlusszeiten zu gewährleisten. Als Reisende hat das Bundesverwaltungsgericht Kraftfahrer und Mitfahrer des Kraftfahrzeugverkehrs definiert.

Entsprechend können Fußgänger, Radfahrer und Anwohner auch keine Apfelschorle mehr um 20:01 oder am Sonn- und Feiertag kaufen. Ausnahmen sind nur Tankstellen mit einer Schanklizenz.

Allguth-Tankstelle, Mittlerer Ring, Ramersdorf
Eine Tankstelle am Mittleren Ring in München Ramersdorf (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Zeit, sich wieder ein Auto anzuschaffen (oder zumindest ein Moped, da dieses an der Tankstelle betankt werden kann, bin ich Reisender im Sinne des Gesetzes).

Elektroautos und E-Bikes gelten auch im Sinne des Gesetzes, denn der Vollzugshinweis spricht von „Kraftfahrern“. Entsprechend müssen nach meinem Verständnis Personen, die mit solchen Gefährten unterwegs sind, auch außerhalb der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten an Tankstellen bedient werden. Pedelecs zählen dagegen definitiv nicht, denn diese sind rechtlich Fahrräder. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass es ein Gericht anders sieht und auch Fahrer von Elektrofahrzeugen vom Einkauf ausnimmt. Denn oft haben die Tankstellen keine Ladestationen, sodass der eigentliche Zweck einer Tankstelle, die Versorgung mit Treibstoff, nicht gegeben ist.

Was mich ärgert, ist, dass dies höchstwahrscheinlich alles von der CSU ausgeht und die FDP schweigt. Gerüchten zufolge ist sie immer noch in der bayerischen Regierung. Warum hat man nicht alles so gelassen, wie es ist? Trotz Gerichtsurteil (vom Bundesverwaltungsgericht) war man vermutlich nicht verpflichtet, einen Vollzugshinweis auszugeben. Sonst müssten das alle anderen Bundesländer auch durchführen, zumal dort Einkaufen am Sonntag (und in der Nacht, zumindest in einigen Bundesländern) ja auch nicht generell freigegeben ist.

Die andere Sichtweise

Aber genug kritisiert, die neue Regelung hat aber auch was Gutes, sowohl für die Verkäufer als auch für die Kunden. Man muss nur etwas nachdenken, um darauf zu kommen. Zunächst zur unchristlichen Nacht- und Sonntagsarbeit:

Man geht nun so weit, dass Leute, die nachts und am Sonn- und Feiertag im Tankstellenshop arbeiten, einem (vermutlich großen) Teil der Kundschaft nichts mehr verkaufen dürfen. Auch das ist ja eine Art Schutz, der Angestellte wird vor zu viel Arbeit geschützt und lernt ein Nebenbetätigungsfeld – Abwimmeln von Kunden sowie das Schaffen einer kreativen Kontrolle, ob der Kunde motorisiert ist. Das ist Schutz vor Sonn- und Nachtarbeit und Weiterbildung gleichermaßen!

Der nicht motorisierte Kunde dagegen wird vor sich selbst geschützt. Wäre ja noch schöner, wenn man, ohne ein Auto zu besitzen, noch spätabends eine Cola kaufen kann. Das ist Schutz und ein Konjunkturprogramm für die Automobilindustrie gleichermaßen!

Interview mit dem Tod

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Jürgen Domian – Interview mit dem Tod
Jürgen Domian – Interview mit dem Tod

„Hier ist Peter, und Peter ist 23 Jahre alt“. Nach diesem Schema hat der Nighttalker Jürgen Domian schon um die 20.000 Anrufer begrüßt. Nun aber ist Domian nicht nur Nighttalker, sondern schreibt unter anderem auch Bücher.

In seinem neuen Buch „Interview mit dem Tod“ hat sich Domian nun mit dem Thema Tod beschäftigt. Er hätte hier ein Sachbuch schreiben können, das aufgebaut ist wie die meisten Bücher. Thesen und Antithesen hätten vorgestellt und beleuchtet werden, Abwägungen vorgenommen und Rückschlüsse gezogen werden können. Es hätte ein populärwissenschaftliches Buch werden können. Auch ein autobiographisches Buch wäre denkbar gewesen. Oder ein Roman.

Doch Domian hat sich für einen ganz anderen Weg entschieden. Wenn Domian schon in seiner Sendung mit Leuten spricht, dann scheint es nahe liegend zu sein, ein fiktives Gespräch mit einem Anrufer zu führen, der es bislang noch nicht in die Sendung geschafft hat, weil er entweder nicht wollte oder schlicht bei den überlasteten Leitungen noch nicht durchkam, dem „Tod“. Das Naheliegende ist ja oft in weiter Ferne, weil man überall Ausschau hält, vor allem in der Ferne, und das, was vor den Füßen liegt, nicht erkennt. So gesehen ist die Idee vielleicht geradezu genial.

Es gibt hier aber einen gewaltigen Haken. In einem (populär)wissenschaftlichen Buch kann man das Für und Wider vortragen, aber man wird finale Antworten auf die fundamentalsten Fragen schuldig bleiben, weil es vielleicht (noch) keine Antworten geben kann. Bei einem Interview werden aber klare Fragen gestellt, hier unter anderem, ob es ein Leben nach dem Tod, Wiedergeburt und außerirdisches Leben gibt. Es sind Fragen, die man oft nur mit Ja und Nein beantworten kann. Das Buch würde aber keinen Sinn ergeben, würde sich der fiktive Gesprächspartner hier vor Antworten drücken. Würden die Antworten unscharf bleiben, müsste der Journalist Domian so lange nachhaken, bis die Antworten zufriedenstellend wären. Domian setzt sich also hier selbst unter Zugzwang, diese Fragen mit hoher Ernsthaftigkeit zu beantworten.

Auch wenn der Titel etwas anderes suggeriert, ist das eigentliche Interview der deutlich kleinere Teil des Buches. Damit ist das Buch vielleicht doch nicht ganz so anders, wie es erst den Anschein hat. Das Interview wird immer wieder unterbrochen und Domian beschreibt auf sehr persönliche Weise seine Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Sterben, aber auch seine Suche nach dem Sinn des Lebens und die gewaltigen Ungerechtigkeiten, wenn Menschen schwere Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Er legt dar, wie er vom überzeugten Christen zum Atheisten wurde. Wie er sich mit philosophischen und religionskritischen Betrachtungen (Kant, Nietzsche, Schopenhauer, Feuerbach), aber auch mit dem Buddhismus intensiv auseinander gesetzt hat, schon in jungen Jahren, ohne aber irgendwo Antworten gefunden zu haben, die ihn allumfassend zufriedengestellt hätten.

Er hält ein Plädoyer für die Palliativmedizin, die Hospizbewegung und das Recht des Menschen auf einen würdevollen Tod, der seiner Meinung nach auch die Möglichkeit der in Deutschland verbotenen aktiven Sterbehilfe nicht ausschließen dürfe. An sehr intimen Beispielen zeigt Domian auf, dass die Trauerbewältigung in der Regel zu kurz kommt, dass der Tod in der modernen Gesellschaft verdrängt und als Störfall gesehen wird. Unter anderem aus diesem Grund fasziniert ihn das Tibetische Totenbuch, weil die dort beschriebenen Praktiken eine intensive Auseinandersetzung der Angehörigen mit dem Verstorbenen vorschreiben, was vermutlich die Trauerbewältigung verbessert.

Bei allen Betrachtungen in diesem Buch uns in anderen Büchern – letztlich geht es stets weniger um das Thema Tod, sondern mehr um das Sinnstiftende. Was soll ich mit meinem Leben anfangen? Warum gibt es mich, warum bin ich hier? Habe ich eine Mission? Oder ist der Sinn des Lebens nur der, dem man ihm selbst gibt? Was ist Liebe und wie groß ist ihre Kraft? Habe ich einen freien Willen? Gibt es Gott? Warum hat Gott den Holocaust zugelassen?

Es ist müßig, hier kann nur jeder selbst für sich eine Antwort finden. Sicher erscheint nur, dass es nichts gibt, was real ist, außer dem Augenblick, dem unendlich kurzen Moment außerhalb der Zeit. Alles andere ist nur konstruiert, ist reine Illusion, es existiert nur in unserer Vorstellung. Nur der Augenblick ist erfahrbar, und der Augenblick ist Leben. Der gerade vergangene Augenblick ist tot und der nächste Augenblick ist es ebenso. Dieser nächste Augenblick wird aber zum Leben. So gesehen gibt es ein Leben nach dem Tode.

Garantiert nicht blasenfrei zapfen! Bubble Tea im Marx-Zentrum (Update 16.07.2012)

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Chibabu Bubble Tea Marx-Zentrum
Chibabu im Marx-Zentrum (10.07.2012) © Thomas Irlbeck

Im Marx-Zentrum kommen Läden und sie gehen. Ursprünglich war es mal ein Obstgeschäft, dann konnte man viele Jahre lang im „Dragon“ asiatische Lebensmittel kaufen. Das ist nun vorbei. In Kürze öffnet am Peschelanger 13 das Chibabu, eine Bar im poppig bunten Retrodesign. Es gibt das Kultgetränk Bubble Tea (nicht zu verwechseln mit dem Nieren- und Blasentee :D) und auch Eis, genauer Frozen Yoghurt.

Neuperlach.org wünscht viel Erfolg!

Wikipedia sagt zum Bubble Tea:

Bubble Tea, auch bekannt unter dem Namen Pearl Milk Tea, ist ein Getränk auf der Basis von gesüßtem grünem oder schwarzem Tee, das mit Milch und Fruchtsirup versetzt und wie ein Milchshake zubereitet wird. Die Besonderheit dieses Getränks, das mit Trinkhalm getrunken wird, besteht in zugesetzten farbigen Kügelchen aus Tapioka oder einer anderen Speisestärke, bzw. den Popping Bobas, Kügelchen aus Alginat mit einer flüssigen Füllung, die beim Zerbeißen platzen.

Quelle: Wikipedia

Chibabu Bubble Tea Marx-Zentrum
Näher dran: Das Chibabu im Marx-Zentrum (10.07.2012) © Thomas Irlbeck
Chibabu Bubble Tea Marx-Zentrum
Lecker Bubble Tea (Symbolbild). Foto: ohallmann / Lizenz siehe: flickr

Update 16.07.2012

Seit dem 11. Juli hat nun der Laden geöffnet. Ich mache den Selbstversuch. Der Laden ist gut besucht. Kann man etwa im Marx-Zentrum einen gut gehenden Laden betreiben?

Hinter der Theke hängen Flachbildschirme, auf denen Menüs angezeigt werden. Hier bekommt man natürlich keine Menüs im ursprünglichen gastronomischen Sinne, also nichts fertig Zusammengestelltes, sondern man wählt wie bei einem Computermenü. Ich bin überfordert. Es gibt Pure Tea, Milk Tea, Flavored Tea, Yoghurt Tea, Flavored Milk. Beim Flavored Tea sind es noch mal um die 20 Geschmacksrichtungen. Jede entweder auf Basis von Black Tea oder Green Tea. Ich entscheide mich für Black Tea/Strawberry. Ich ordere an der Kasse. Ach ja, ich muss noch zwischen den Größen M und L wählen. Ich nehme M. Jetzt aber noch die Toppings, also die Perlen. Ob ich da auch Strawberry wolle? Was gibt’s denn alles? Hm, jede Menge. Meine Entscheidung fällt auf Yoghurt. Ich zahle 2,90. Mit einem Order-Bon gehe ich zur Ausgabe. Der freundliche Mitarbeiter bereitet den Bubble Tea zu. So, fertig. Strohhalm rein und los geht’s. Wie erwartet ist das Getränk sehr süß. Das erste Yoghurt-Kügelchen zerplatzt in meinem Mund. Es schmeckt nicht schlecht, aber es ist jetzt auch nichts, was ich unbedingt haben muss.

Das Chibabu hat Montag bis Samstag von 11:00 bis 20:00 geöffnet.

Bilder vom Innenleben des Chibabu gibt es auf der Facebook-Seite von Beatrix Balazs.

Die Tücken der (mobilen) Technik

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Zugegeben habe ich das mobile Computing lange Zeit vernachlässigt. Fast war ich ein Totalverweigerer. Die Immer-und-überall-Erreichbarkeit, die mit einem Handy einhergeht und die ich kritisch sah, war das eine, das andere aber waren die hohen Telefonkosten. Richtig interessant für mich wurden erst die Smartphones, zumal es seit geraumer Zeit recht günstige Datenflatrates für unter 15 EUR pro Monat gibt, sodass man unterwegs tatsächlich Anwendungen wie Maps, Browser und E-Mail ohne Kostendruck nutzen kann. So habe ich mir auch vor ziemlich genau einem Jahr ein Android-Smartphone zugelegt.

Entsprechend bin ich richtig auf den Geschmack gekommen. Das Surfen im Internet ist im Unterschied zu den Systemen, die noch zu Zeiten verbreitet waren, als es keine iPhones und Android-Handys gab, durchaus sinnvoll möglich und hat den reinen Spielzeugcharakter verlassen. Navigationsgerät, ÖPNV-Abfahrtszeiten, Diktiergerätefunktion, Foto- und Videokamerafunktion, Kalender, Wecker, Notizbuch, Adressbuch – all das will ich nicht mehr missen.

Zu Hause habe ich nur Desktop-PCs, entsprechend konnte ich nur am Schreibtisch surfen. Aber man will vielleicht mal auf der Couch oder im Bett surfen oder E-Books lesen. Das Smartphone leistet das, aber das kleine Display (3,5 Zoll Diagonale) macht das Lesen mühsam. Bei allen Aktivitäten dominieren nicht die Inhalte, sondern das Scrollen.

Tablet Odys Neo X 7 mit passendem Taschenbuch als Größenvergleich
Tablet Odys Neo X 7 mit Taschenbuch (mit passendem Titel!) im Größenvergleich (08.07.2012) © Thomas Irlbeck

Also musste etwas Größeres her. Ein Tablet oder E-Book-Reader. Ein Amazon Kindle wäre sicherlich interessant, aber ich habe geschworen, mir nie wieder ein Gerät mit Schwarzweiß-Display zuzulegen, auch wenn der Kindle ein sehr augenfreundliches Display („elektronische Tinte“) bietet, das ermüdungsfreies Lesen garantiert. Auch hält der Akku sensationell lange.

Ich habe ewig recherchiert und schwankte zwischen einem Billig-Tablet für ca. 100 EUR und einem Highend-Gerät für ca. 400 EUR. Die Frage ist neben dem Preis auch, was die ideale Größe ist. Je größer das Tablet, desto weniger muss man scrollen, aber desto schwerer und unhandlicher wird auch das Teil. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich für ein Gerät mit 7 Zoll Bildschirmdiagonale entschieden (Taschenbuchgröße, siehe Foto), was einen guten Kompromiss darstellen dürfte.

Letztlich fiel die Entscheidung auch gegen ein Highend-Gerät. Denn ich will damit keine (schnellen) Spiele nutzen, auch nicht damit fotografieren (somit brauche ich kein Gerät mit zwei Kameras), ebenso will ich höchstens mal ein paar YouTube-Videos anschauen, aber keine längeren Filme, benötige also auch keine ultrahohe Auflösung.

Odys Neo X 7

Ghost Commander azf Odys Neo X 7
Ghost Commander im Einsatz auf dem Odys Neo X 7

Angesprochen hat mich letztlich das Odys Neo X 7, auch wenn es nur knapp über 100 EUR kostet. Aber die Benutzerkritiken sind sehr gut und das Gerät leistet eigentlich genau das, was ich brauche. Das Tablet ist zudem noch ziemlich neu (sein Name hat jetzt eher wenig damit zu tun), also kein Auslaufmodell.

Schlussendlich bin ich begeistert davon. Man kann damit wirklich gut und schnell surfen, da ruckelt wenig, auch Videos werden annehmbar abgespielt. Zwar ist Surfen nur im WLAN möglich, 3G ist per Dongle nachrüstbar. Da ich das Gerät aber primär zu Hause einsetze, ist das akzeptabel. Android kannte ich vom Smartphone bereits, entsprechend kam ich mit dem Gerät sehr schnell klar, auch wenn das Odys Android 4.0.3 hat, das Smartphone noch die alte Version Android 2.3.6.

Obwohl ich mit dem Gerät primär surfe und daher der Dateiaustausch mit dem PC nicht ganz so wichtig ist (beim Smartphone möchte ich ja die geschossenen Fotos auf den PC übertragen), brauche ich ihn, schon einmal, um bereits vorhandene Dateien wie PDFs dorthin zu übertragen. Hier habe ich auf dem Smartphone den Ghost Commander (siehe Screenshot), der sehr stabil läuft und Freeware ist. Die Dateien können per WLAN ohne lästiges USB-Kabel-Stöpseln transferiert werden. Mir gefällt an ihm, dass sich die Menüs selbst zusammenstellen lassen. Auch kann er Dateien über Dateimasken (z.B. „51*.jpg“) auswählen, was nicht viele Dateimanager unter Android leisten. Wer noch den Norton Commander aus alten PC-Zeiten (Betriebssystem MS-DOS!) kennt: Ja, er hat sogar eine ihm nachempfundene zweispaltige Liste. Am Ghost Commander habe ich ewig rumkonfiguriert, weil ich immer neue Dinge fand, die sich noch verbessern ließen. Auch auf dem Tablet läuft der Ghost Commander einwandfrei und ich musste meine aufwändige Konfiguration nicht mal wiederholen, da der Ghost Commander die Konfiguration von einem anderen Gerät importieren kann. Ich war also sofort „daheim“.

Kritik

Dennoch habe ich einige Kritikpunkte, die vielleicht für den einen oder anderen hilfreich sind, der sich dieses oder ein vergleichbares Gerät anschaffen will:

Display/Ablesewinkel

Der ideale Ablesewinkel ist etwas klein. Hat man das Tablet auf der Couch sitzend auf dem Schoß, ist die Darstellung optimal, nicht aber, wenn man es waagrecht liegen hat und z.B. im Bett liegt. Die Darstellung ist dann zu dunkel, was sich auch durch Nachregeln der Helligkeit nicht wirklich beseitigen lässt. Um Abhilfe zu schaffen, sollte das Display auf einer Unterlage liegen, sodass es etwas gekippt ist. Natürlich kann man es auch in der Hand halten ohne Verwendung einer Unterlage, aber dafür ist das Gerät auf Dauer doch etwas zu schwer.
Akku

Akkulaufzeit

Der Akku hält im Einsatz (surfen) vielleicht drei oder vier Stunden, dann muss das Gerät für einige Stunden an das Ladegerät. Das könnte besser sein, aber man kann damit leben. Mit vielen Tricks lässt sich die Akkulaufzeit verlängern (etwa WLAN und Synchronisierung zeitweise abschalten, es gibt auch Apps dafür, die behilflich sind, aber vermutlich selbst auch am Akku saugen ;)), aber das ist alles umständlich und dürfte nur wenig bringen.

Wo ist denn oben?

Browser auf dem Odys Neo X 7
Surfen auf dem Odys Neo X 7

Das Gerät hat kein oben/unten/links/rechts, ein Schriftzug oder Home-Button, die einem den Weg weisen könnten, fehlen auf der Vorderseite. Zwar dreht sich das Display mit, aber wenn man es versehentlich um 180 Grad „falsch herum hält“, wird man Probleme haben, den Ein-/Ausschalter und die Lautstärketasten zu finden, die sich an der Seite befinden und von vorne nur schlecht sichtbar sind. Man wird dann intuitiv auf die Stelle drücken und dann (beim Arbeiten im Querformat feststellen), dass die Knöpfe z.B. auf einmal links unten statt rechts oben sind. Nur die Kameralinse bietet einen Orientierungspunkt, aber auch sie ist im dämmrigen Licht nicht gut sichtbar.

Hoch-/Querformat

Jeder hat seine Vorlieben und so wollte ich mich für eine bevorzugte Ausrichtung bei der Frage Hoch- oder Querformat entscheiden. Die Wahl fiel auf Hochkant. Ein Taschenbuch hält man ja schließlich auch hochkant. Ferner habe ich festgestellt, dass neben dem Lesen von E-Books auch das Surfen im Hochformat angenehmer ist (siehe Screenshot). Allerdings gibt es ein Aber: Einige Anwendungen, z.B. Google Mail, sind im Hochformat praktisch nicht bedienbar, da Teile des Bildschirminhalts schlicht abgeschnitten werden. Ebenso gibt es diverse Websites, bei denen man im Hochformat verzweifelt. Man muss damit leben, das Display immer wieder zu drehen.

Virtuelle Tastatur/Rechtschreibprüfung

Die virtuelle Tastatur lässt sich flüssig bedienen. Die Rechtschreibprüfung unterstreicht allerdings bei mir alle – ich betone: alle – Wörter rot, so viele Rechtschreibfehler kann ein Mensch alleine gar nicht machen. Natürlich habe ich überall „Deutsch“ eingestellt. Andere Benutzer haben das gleiche Problem, sodass von einem Bug auszugehen ist. Die neueste Firmware ist drauf. Immerhin kann man die Rechtschreibprüfung abschalten, denn die Unterstreichungen irritieren ungemein.

Webbrowser

Der Browser (auf WebKit-Basis) sollte eigentlich eine Webseite so umbrechen, dass Textspalten exakt vom linken bis zum rechten Displayrand reichen, wodurch das Display optimal ausgenutzt wird. Vor allem soll damit verhindert werden, dass man laufend quer scrollen muss oder dass Platz durch Anzeige danebenliegender Elemente wie Navigationsleisten oder Bilder verschenkt wird. Dazu gibt es die Einstellung „Autom. Anpassung“, was auch auf dem Smartphone funktioniert. Doch der Text wird auf dem Odys Neo X 7 viel zu schmal umbrochen, so als hätte das Gerät ein viel kleineres Display. Vielleicht ist hier ja tatsächlich bei der herstellerspezifischen Anpassung des Browsers ein Fehler unterlaufen und eine zu geringe Displaygröße angegeben worden – von einem 3,5-Zoll-Gerät. Zum Glück gibt es eine Vielzahl alternativer Browser, mit denen sich das Problem umgehen lässt. Hier habe ich mir Firefox für Android angeschaut und testweise installiert. Doch dieser ist noch nicht ausgereift. Flash läuft auf der Tablet-Version bislang gar nicht (nur auf der Smartphone-Version), womit er nahezu unbrauchbar ist. Dagegen funktioniert Flash auf dem Standardbrowser prima. Hier heißt es also noch warten. Erst einmal verwende ich den Standard-Browser.

Speicher

Das Gerät hat 8 GB internen Speicher, was etwas knapp bemessen ist. Also habe ich mir noch eine SD-Karte mit 32 GB dazubestellt. Das Gerät erkennt die Karte zwar, die Dateien (z.B. Downloads) werden aber ausschließlich auf dem internen Speicher abgelegt. Nun könnte man sich ja damit behelfen, die Dateien ab und zu auf die externe Karte auszulagern, um im internen Speicher wieder Platz zu schaffen. Mit dem Ghost Commander kann ich jedoch nur lesend auf die SD-Karte zugreifen, was ziemlich witzlos ist. Der mitgelieferte ES Datei Explorer kann dagegen Dateien auf die externe SD-Karte schreiben, aber keine Dateien löschen oder ändern. Er hat gewissermaßen die Rechte „Hinzufügen und Lesen“. Für mich ist das ein großer Bug, andere Benutzer berichten auch von den gleichen Schwierigkeiten. Ein Mounten der Karte als interner Speicher, um die Karte als Hauptspeicher elegant zu nutzen und nicht als Verschiebebahnhof, ist auch nicht so einfach möglich, allenfalls, wenn man das Gerät rootet (das bedeutet in etwa, dass man Administratorrechte auf dem Gerät erhält, also mehr Kontrolle ausüben kann). Hierzu gibt es saukomplizierte Anleitungen, in denen Freaks ziemlich wörtlich schreiben, sie hätten x Versionen des Android-Toolkits runtergeladen und viele Megabyte durchsucht, bis sie die richtige Datei gefunden hätten, um erst einmal die Basis für das Rooten zu schaffen. Danach muss man noch viele, viele Befehle eingeben, bis das Gerät gerootet ist. Mit jedem Firmware Update besteht zudem die Gefahr, dass das Gerät danach nicht mehr „root“ ist und sich auf die gleiche Weise auch nicht mehr rooten lässt, sondern nur noch durch neue Tricks, die erst einmal gefunden werden müssen. Wer doch auf einen Defekt der SD-Karte tippt: Verbinde ich das Gerät mit dem PC per USB-Kabel, kann die Karte vom PC problemlos beschrieben werden.

Kamera

Die Kamera (nur Frontkamera vorhanden) liefert lausige Bilder (640×480 Pixel), aber wie gesagt, fotografieren will ich nicht mit dem Tablet. Der Kamera-Auslöse-Sound lässt sich nicht abschalten. Hier müsste man die entsprechenden Sounddateien durch leere ersetzen oder sie einfach löschen. Aber in dem Verzeichnis fehlen Schreibrechte, was sich wohl nur durch ein Rooten des Geräts lösen ließe.

Vorinstallierte Apps

Es sind relativ wenige Apps offiziell installiert. Einige sind zwar installiert, es fehlen aber Symbole zum Starten. Die Anwendungen erscheinen dann nur in einem besonderen Kontext. Irritierenderweise sind auch spezielle Telefon-Apps dabei, obwohl das Tablet keine Telefon-Funktion hat. StreetView z.B. ist laut Einstellungsmenü in der Liste installierter Apps vorhanden, es benötigt aber Google Maps, das wiederum nicht installiert ist. Möglicherweise wurde auf eine standardmäßige Installation von Google Maps verzichtet, da das Gerät nur WLAN kann und mobil nur eingeschränkt nutzbar ist, was aber die Installation von StreetView nicht erklärt. Aber Google Maps beherrscht inzwischen auch das Speichern von Maps zur späteren Offlinenutzung. Daher kann man Google Maps durchaus sinnvoll einsetzen, zu Hause im WLAN ohnehin, unterwegs nur eingeschränkt offline. Daher habe ich Google Maps (natürlich) nachträglich installiert.

Fazit

Aber wie auch immer, für 126,60 EUR (inkl. externer Speicherkarte) habe ich ein Gerät erhalten, das ich wirklich nutze und das mir Freude macht, das Geld war also gut angelegt.

Edward Tenner behauptet dagegen in seinem Buch „Die Tücken der Technik“, dass Hightech nicht glücklich mache. Mich schon. Zumindest bis zur nächsten Fehlfunktion.

„Entschuldigung“

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Zugeparkt
Ziemlich schlecht geparkt. Hier kommt man zumindest mit Mühe noch durch. Das Bild zeigt keine Szene aus dem Artikel, sondern dient rein der Illustration. Foto: Michael_Lehet / Lizenz siehe: flickr

Vorhin fuhr ich in Neuperlach mit dem Rad, natürlich auf dem benutzungspflichtigen Radweg. Ein Taxi stand halb auf dem Radweg, halb auf dem Bürgersteig. Ein Ausweichen war kaum möglich, weder auf die Fahrbahn noch auf den Bürgersteig, noch auf den Grünstreifen. Es war verdammt eng. Nur mit Mühe kam ich mit durch und musste kurz stehenbleiben.

Ein Meckern bringt in diesem Fall erfahrungsgemäß wenig, meist hat dies nur eine heftige Gegenreaktion zur Folge. Ich war leicht genervt. Der Taxifahrer kurbelte die Scheibe herunter und rief ein unglaubliches Wort, das ich schon lang nicht mehr gehört habe: „Entschuldigung“. Im ersten Moment dachte ich, er wolle etwas fragen, doch erst dann begriff ich, der will sich entschuldigen. Ansätze von Aggressionen meinerseits waren augenblicklich verschwunden.

Manche Probleme im Straßenverkehr würden gar keine sein oder zumindest nicht eskalieren, wenn die Leute sich entschuldigen würden, statt nach einem Fehlverhalten auch noch den Stinkefinger zu zeigen oder A… zu rufen. Klar, dass ein verlassenes Fahrzeug, das den Weg blockiert, sich nicht entschuldigen kann, es sei denn, es ist KITT aus Knight Rider.

Düfte ziehen an: Steigerung der Besucherzahlen

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Die Pergola wurde vom Spielplatz entfernt (Neuperlach.org berichtete), aber leider nicht die Mülltonnen. Diese werden wohl noch ein paar Monate stehen bleiben. Einzige Ausnahme: Wenn die Tonnen geleert werden, werden sie kurzzeitig entfernt. Man schaue sich den Betrieb auf der Rutsche an: So unglaublich es klingt, aber der Spielplatz wurde früher nur selten benutzt. Seit die stinkenden Mülltonnen dort stehen (seit knapp einem Jahr), sehe ich nun aber immer wieder dort Kinder spielen. (Bild entfernt)

Zwei mögliche Erklärungen:

  • Da die Bewohner dort ihren Müll entsorgen müssen, gerät ins Bewusstsein, dass es in der Wohnanlage überhaupt einen Spielplatz gibt, und man schickt die lieben kleinen Gören zum Spielen dort hin. (Der Spielplatz liegt in einem Bereich, den man eventuell sonst gar nicht zu Gesicht bekommt, wenn man nur die Haupteingänge der Häuser benutzt, die auf der anderen Seite der Wohnanlage liegen.)
  • Es liegt eine Täuschung vor, die Spielplätze werden gar nicht häufiger benutzt. Man schaut nur genauer hin und prüft, ob Kinder diese unwürdige Umgebung aufsuchen. Früher hätte man die Kinder gar nicht bemerkt, da man dann nicht gezielt darauf achten würde.

Welche Erklärung stimmt? Oder ist es eine Mischung aus beiden Erklärungsversuchen?