Kategorien
Historisches Kultur und Bräuche Kunst und Denkmäler Mystisches/Legenden Sprache/Wortherkunft

Etymologie

Perlach – Nomen est omen

Sitz zu Perlach
„Sitz zu Perlach“. Kupferstich von Michael Wening (1701). Lizenz: Public Domain

Perlach ist die Perle Münchens, zumindest fast. Doch mit der Perle hat Perlach etymologisch nichts zu tun. Woher kommt aber dann der Name? Der Anfang klingt ein wenig wie Bär, und das ist sogar ein Teil der Lösung. Per oder Pera ist ein altgermanisches Wort, das für Bär oder aber Eber (also Wildschein, Saubär steht). Ob jetzt Braunbären gemeint waren oder Eber, da gehen die Meinungen auseinander. Beide Theorien finden sich in etwa gleichwertig und beide Tierarten waren seinerzeit in der Umgebung verbreitet.

Braunbären im Wald
Der bärigste Stadtteil!? Braunbären im Wald. Ein wahrscheinlicher Ursprung des Namens „Perlach“, der schlicht „Bärenwald“ bedeuten könnte. Lizenz: Public Domain

Der zweite Wortbestandteil lach ist schwieriger aufzulösen. Dazu muss man wissen, dass Perlach früher mal Peralooh hieß (erstmalige Erwähnung 780, der Ort existierte aber vermutlich schon um 600 herum; verbreitet sind auch die Schreibweisen Peralohc, Peraloh (heute noch als Straßenname in Perlach existent), Peroloch, Perloch, Perloh, Perlôhen, Perloch). Das Looh führt uns zu dem alten deutschen Wort Lohe, also dem Auwald.

Perlach bedeutet also schlicht Bärenwald oder Eberwald. Wälder gibt es immer noch, auch mit dem Namen Perlach, eben den berühmten Perlacher Forst. Bären sind aber äußerst rar geworden und allenfalls darauf beschränkt, dass ein Verwandter des Problembären Bruno Perlach als neue Heimat entdecken könnte.

Perlachturm  in Augsburg

Nicht zu verwechseln ist das Münchner Perlach mit dem Perlachturm in Augsburg Interessanterweise kommt hier etymologisch auch die Bären-Erklärung zum Zuge: Nach der gängigsten These gab es im Mittelalter auf dem Platz vor dem damaligen Wachturm regelmäßige Vorführungen mit wilden Bären; das lach soll Fest oder Vorführung bedeuten.

München Südost von A-Z

Nicht nur Perlach ist ein besondere Name in München, auch die Umgebung ist reich an weiteren besonderen Namen: Entsprechend geht es hier weiter mit Nachbarstadtteilen und Nachbarorten.

Grasbrunn

Die Gemeinde wurde 1140 erstmals als Gramasprunnen erwähnt. Der Name leitet sich vom adeligen Grundbesitzers Graman ab, der gesamte Name bedeutet Brunnen des Graman.

Haar

Der Name der Gemeinde Haar hat seinen Ursprung nicht von der Haarpracht der Bevölkerung oder der Dichte an Frisören. Es leitet sich vielmehr von dem Begriff Hardt (harde/hart) ab, welches ein leicht bewachsenes Waldland beschreibt. Daran erinnert auch das Beil im Haarer Wappen, das für die Rodung des Waldes steht.

Michaeliburg

Michaeliburg
Die Michaeliburg. Foto: Thomas Irlbeck, als Public Domain freigegeben

Der Name der Siedlung (die teilweise auf Perlacher Gebiet liegt) kommt entweder vom Gastwirt Michael Neumeyer (manche Quellen sagen auch Obermayer oder Obermeyer), der 1898 auf dem Gebiet ein burgähnliches Gebäude errichtet hat (die Michaeliburg; 2009 abgerissen), oder von der 1900 gebauten Michaelikapelle, die St. Michael geweiht ist. Näheres im Artikel: Auf der Suche nach der Michaeliburg

Neubiberg, Unterbiberg

Der Name Biberg leitet sich von althochdeutsch pipurc (Umwallung, Ringburg) ab. Eine Umwallung in Gestalt einer Keltenchanze wurde in der Gegend durch Luftbildarchäologie nachgewiesen. Der Ort findet erstmals als Villa piburc zwischen 1034 und 1041 als Schenkung an das Kloster Tegernsee Erwähnung. Das heutige Neubiberg besteht aus zwei Teilen. Das westlich gelegene Unterbiberg ist der historische Teil des Ortes, gehört aber formal zur Gemeinde Neubiberg, dem – der Ausdruck neu deutet es an – später entstandenen Ort östlich vom historischen Kern.

Ottobrunn

Die Gemeinde Ottobrunn hat ihren Namen von Prinz Otto von Wittelsbach. Der damals 17-Jährige war 1832 auf der Reise in sein künftiges Königreich Griechenland. Vor den Toren Münchens, 13 km vom Münchner Marienplatz entfernt, verabschiedete er sich von seinem Vater. Zwei Jahre später wurde an diesem Schauplatz eine dorische Säule errichtet, die an dieses Geschehen erinnert. Die knapp 10 Meter hohe Ottosäule ist heute das Wahrzeichen der Gemeinde und auch im Gemeindewappen abgebildet. Ottobrunn ist also noch verhältnismäßig jung, als politische Gemeinde existiert der Ort gar erst seit 1955.

Putzbrunn

Die erste Gemeinde hinter der Stadtgrenze in Waldperlach hat ihren ersten Namensbestandteil einem gewissen Puzzi zu verdanken, dessen Sippe sich dort im achten Jahrhundert niederließ. Der gesamte Name bedeutet Brunnen des Puzzi. In der ersten urkundlichen Erwähnung heißt der Ort noch Puzeprunnin. Südöstlich von München, auf der Münchner Schotterebene, musste das Trinkwasser aus mehreren Metern Tiefe geholt werden. Um die errichteten Brunnen bildeten sich Ansiedlungen, daran erinnert in vielen Ortsnamen der hinterer Namensbestandteil brunn.

Riem

Diesen Stadtteil kann man wörtlich nehmen und muss sich bei der Herleitung nicht am Riemen reißen. Oder genau doch, denn eben der Begriff Riemen ist Namensgeber, im Mittelhochdeutschen rieme. Der Ortsname bedeutet also schlicht Streifen, spezifischer (schmaler) Ackerstreifen, Gürtel, Kanal, Traufe. Die letzten beiden Deutungen sind die wohl entscheidenden. Denn in Riem tritt der Grundwasserstrom an die Oberfläche. Es gibt aber auch die Theorie, die Höfe des ursprünglichen Ortes seien wie ein Gürtel um die Kirche herumgebaut gewesen. Die erste urkundliche Nennung war 957 bzw. 972 als Riema. Doch bereits um 700 soll ein fränkischer Ritter den Ort gegründet haben.

Im Münchner Südosten und im Umland gibt es sicherlich noch weitere interessante Geschichten hinter Ortsnamen. Dazu vielleicht irgendwann mal in einem weiteren Teil.

Solalinden und Oedenstockach

Hinsichtlich dieser Ortsteile von Putzbrunn, die abgesetzte Dörfer darstellen, habe ich nichts in puncto Namensherkunft gefunden. Bei Solalinden drängt sich etwas mit solar (Sonne) auf, aber das ist nur ein vager Verdacht.

Oedenstockach
Oedenstockach mit dem Wasserturm und der Holzkapelle St. Anna

Taufkirchen

Der Name der Gemeine im Landkreis München leitet sich vom bayerischen Adelsgeschlecht der Taufkircher ab. Die erste Vertreterin des Geschlechts könnte Juditha de Tovkirchen um die Mitte des 12. Jahrhunderts sein (der Ort entsprechend anfangs Tovkirchen). Es gibt aber auch die These, dass die Linie aus der Gefolgschaft des Klosters Tegernsee abstammt. Ob sich der Name des Adelsgeschlechts an den heiligen Johannes der Täufer anlehnt, dafür konnte ich keinen direkten Beleg finden. Es ist aber anzunehmen, da bereits 1052 die Taufkirche St. Johannes der Täufer urkundlich erwähnt wird, die in Taufkirchen liegt.

Trudering

Der Stadtteilname ist auf einen Bauern namens Truchtaro zurückzuführen, der sich dort um 500 mit seiner Sippe niederließ. Im Auftrag seines Grundherrn, wahrscheinlich handelt es sich um den adeligen Fagana, kultivierte er Fluren und errichtete Stallungen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit war die erste Siedlungsstätte der Zehentbauernhof in Kirchtrudering oder der Mayrhof in Straßtrudering. Die erste bekannte schriftliche Erwähnung ist 772 als Truhtheringa. Als Schreibweise ist noch Truchteringa bekannt. An den alten Namen erinnert heute noch der Straßenname Truchthari-Anger in Kirchtrudering, an dem im Rahmen eines Bauprojekts Reste einer Kelten-Siedlung aus vorchristlicher Zeit gefunden wurden. Trudering ist also so gesehen viel älter.

Vaterstetten

Die Nachbargemeinde von Haar ist mit knapp 25.000 Einwohnern die nach Unterhaching bevölkerungsreichste Gemeinde Bayerns, die weder die Bezeichnung Stadt noch Markt führt. Die erste Vaterstettener Siedlung entstand bereits in der Zeit zwischen 750 und 600 v. Chr. im Ortsteil Purfing. Der Name Vaterstetten leitet sich vom altbajuwarischen Geschlecht der Fater ab, die den Ort gegründet haben.

Quellen

  • Trudering – Waldtrudering – Riem: Münchens ferner Osten / hrsg. von Willibald Karl. Mit Beitr. von Karl Bachmair … – München: Buchendorfer Verl., 2000
  • Pfarrverband Taufkirchen bei München
  • Wikipedia-Seiten der Ortsnamen
Kategorien
Architektur Bilder Kirche/Religion Mystisches/Legenden

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche am Wohnring

Serbisch-Orthodoxe Kirche
Bild 1: Serbisch-Orthodoxe Kirche „Heiliger Märtyrerkönig Jovan Vladimir“ (16.02.2017) © Thomas Irlbeck

Unser heutiger mystischer Ort ist ein sehr auffälliges, für deutsche Augen eher ungewöhnliches Gebäude. Kein Wunder, denn katholische Kirchen haben in München bekanntlich einen höheren Verbreitungsgrad, und hier sehen wir ja schließlich eine Serbisch-Orthodoxe Kirche. Sie ist die einzige Serbisch-Orthodoxe Kirche in München. Ihr Name ist Heiliger Märtyrerkönig Jovan Vladimir. Sie liegt fast unmittelbar vor dem Neuperlacher Wohnring, also an einer der bekanntesten Wohnanlagen in Neuperlach.

Dennoch werden viele Neuperlacher diese Kirche noch nie gesehen haben. Das liegt daran, dass sie von der viel befahrenen Putzbrunner Straße aus nur schwer einsehbar ist – und von anderen Straßen (Schumacherring vor dem Wohnring etwa) auch kaum. Man muss von dort ein paar Meter am Hans-Fried-Weg laufen, um die Kirche sehen zu können. Übrigens grenzt an die Kirche unmittelbar der Friedhof Perlach, der auch nicht besonders bekannt ist. Wie auch der Friedhof Perlach liegt die Kirche offiziell haarscharf noch in Perlach, aber der sehr nahe Wohnring erzeugt Satellitenstadt-Atmosphäre.

Serbisch-Orthodoxe Kirche
Bild 2 (16.02.2017) © Thomas Irlbeck

Geschichte und Daten zur Kirche „Heiliger Märtyrerkönig Jovan Vladimir“

Die Serbisch-Orthodoxe Kirchengemeinde in München wurde bereits 1946 gegründet. Unter den ersten Mitgliedern waren frühere serbische Kriegsgefangene. Der Bau der Kirche und des Kirchenzentrums an der Putzbrunner Straße fand aber erst 1994 (Kirchenzentrum vor der Kirche, auf den Bildern nicht zu sehen, siehe Umgebungskarte) bzw. 1996 (Kirchengebäude) statt. Bis dahin wurden für Gottesdienste und andere Aktivitäten provisorisch Räume in Kirchen und Wohnungen angemietet. Heute betreut die Gemeinde rund 25.000 orthodoxe Serben. Die Adresse von Kirchenzentrum und Kirche ist Putzbrunner Straße 49.

Quelle: Die Serbisch-Orthodoxe Kirchengemeinde in München

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche

Rund 80 Prozent der elf Millionen Serben weltweit bekennen sich zur orthodoxen Kirche. Mehr unter dem Wikipedia-Artikel Serbisch-Orthodoxe Kirche.

Serbisch-Orthodoxe Kirche
Bild 3 (16.02.2017) © Thomas Irlbeck
Serbisch-Orthodoxe Kirche
Bild 4 (16.02.2017) © Thomas Irlbeck
Serbisch-Orthodoxe Kirche Map
Bild 5: Umgebungskarte der Serbisch-Orthodoxe Kirche. Es ist zu erahnen, dass die Kirche von der Hauptstraße (Putzbrunner Straße) kaum einsehbar ist. Ganz oben ist übrigens der Wohnring. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Heiliger Märtyrerkönig Jovan Vladimir

Jovan Vladimir (serb. Јован Владимир; bulg. Иван Владимир Ivan Vladimir; deutsch auch Johannes Wladimir; * 10. Jahrhundert; † 22. 05.1016) war laut Wikipedia Herrscher von Duklja, dem bedeutendsten serbischen Fürstentum seiner Zeit. Er wird von der Serbisch-Orthodoxen Kirche als Märtyrer und nationale Symbolfigur verehrt. Mehr unter dem Wikipedia-Artikel Jovan Vladimir.

Kategorien
Architektur Bilder Kirche/Religion Mystisches/Legenden Natur/Umwelt(schutz) Radfahren

Um ein Haar übersehen – Noch ein Waldfriedhof

Waldfriedhof Haar
Der Waldfriedhof in Haar mit seiner Aussegnungshalle (22.05.2016): Schilderparade am Nebeneingang © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
Blick vom Haupteingang in den Friedhof (22.05.2016) © Thomas Irlbeck

Der Waldfriedhof in Großhadern dürfte jedem Münchner bekannt sein. Dass es unweit von Neuperlach noch einen weiteren Waldfriedhof gibt, wissen Neuperlach.org-Leser spätestens seit einem früheren Artikel (gemeint ist der Waldfriedhof von Putzbrunn; Artikel nicht mehr verfügbar). Doch nicht allzu weit davon entfernt liegt ein weiterer Waldfriedhof, nämlich der von Haar.

Es ist ein idyllischer Friedhof, auch wenn es ein paar Stellen gibt, an denen Wohnhäuser sehr nahe an den Gräbern stehen (zu sehen speziell in dem Bild „Eine etwas weniger waldartige Stelle …“ im mittleren Bereich des Artikels).

Eine Besonderheit ist, auf dem Haarer Waldfriedhof ist Radfahren ganz offiziell erlaubt – wenngleich nur auf den Hauptwegen und nur in Schrittgeschwindigkeit.

Waldfriedhof Haar
Haupteingang (22.05.2016) © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
Totenruhe mit Totenglocke im Hintergrund (22.05.2016) © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
Mehr Idylle … (22.05.2016) © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
… geht kaum (22.05.2016) © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
Weiteres Ansicht der Aussegnungshalle (22.05.2016) © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
Die Bereiche im Friedhof haben Namen, die durch künstlerisch gestaltete Wegweiser gekennzeichnet sind (22.05.2016) © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
Nebeneingang im Wald (22.05.2016) © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
Schilderparade am Nebeneingang (22.05.2016) © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
Eine etwas weniger waldartige Stelle – das Wohnhaus scheint fast zum Urnenhaus zu werden (22.05.2016) © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
Am Haupteingang mit Blick auf das Leben draußen. Wer genau hinsieht, erkennt Wohnblöcke, die optisch an die Wohnanlagen von Neuperlach erinnern. siehe auch folgende Abbildung mit der Vergrößerung (22.05.2016) © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
Hier die Vergrößerung. Das ist Haar, nicht etwa der Oskar-Maria-Graf-Ring! (22.05.2016) © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
Aus dem Blick wirkt die Kulisse vielleicht etwas unaufgeräumt, sie ist aber dennoch durchaus idyllisch (22.05.2016) © Thomas Irlbeck

Anfahrt

Waldfriedhof Haar
Totenglocke (22.05.2016) © Thomas Irlbeck
Waldfriedhof Haar
Schild am Haupteingang (22.05.2016) © Thomas Irlbeck

Die Parkplätze am Haupteingang erreicht man über den Jagdfeldring, der die Münchner Straße (eine Fortsetzung der Wasserburger Landstraße) zweimal kreuzt. Die Autobuslinie 243 (erreichbar u.a. an der Haltestelle Hans-Stießberger-Straße (Verknüpfung zum Autobus 193) und dem S-Bahnhof Haar) hat eine eigene Friedhofshaltestelle, die „Ferdinand-Kobell-Straße/Waldfriedhof“ heißt.

Map Waldfriedhof Haar
Umgebungskarte Waldfriedhof Haar. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0
Kategorien
Bilder Kirche/Religion Kunst und Denkmäler Mystisches/Legenden Natur/Umwelt(schutz)

Geschützt: Kapelle mit Heilquelle: Das Marienheiligtum Frauenbründl – Extended Holy Healing Remix

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anschauen zu können, bitte das Passwort eingeben:

Kategorien
Bilder Freizeit & Erholung Historisches Kirche/Religion Kunst und Denkmäler Mystisches/Legenden Natur/Umwelt(schutz)

Die Königseiche bei Moosach (Grafing)

Königseiche
2013 stellte ich mir noch die Frage: Was soll dieses Objekt darstellen? (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Bereits letztes Jahr kam ich bei einer Radtour an diesem seltsam erscheinenden Objekt vorbei, das sich unweit von Moosach bei Grafing befindet. Es sind aufrechte Holzpfähle und Holzstücke, teilweise mit länglichen Metallplatten verbunden, die in einem riesigen Kreis angeordnet sind. Was soll dies darstellen? Eine Kultstätte? Ein Kunstwerk? Ich kam nicht darauf, aber schoss ein Foto.

Vermutlich lässt sich das Rätsel durch Kombinieren und Überlegen alleine nicht lösen. Erfreulicherweise hat man nun zwei Infotafeln aufgestellt, welche die Fragen beantworten.

Königseiche
Königseiche 1909 (von der Infotafel abfotografiert)

Es handelt sich bei diesem Objekt um ein Naturdenkmal auf der Flur Breitwiese. Es entstand 2012 und erinnert an die mächtige Maximilians- oder Königseiche, einer Stieleiche, die rund 1.000 Jahre alt gewesen ist und am 7. April 1988 exakt an dieser Stelle Opfer der Osterstürme wurde. Der Kreis des Naturdenkmals bildet den enormen Stammumfang ab, der stolze 13 Meter betrug. Mit integriert wurden die letzten noch enthaltenen Stammreste der Königseiche sowie fünf Sitzsteinblöcke aus heimischem Nagelfluh. Wenige Meter entfernt (im ersten Bild ganz rechts) wurde – ebenso 2012 – eine neue Stieleiche gepflanzt.

Frühe urkundliche Erwähnung

Bereits in einer Urkunde aus dem 13. Jahrhundert wurde die Königseiche als „alter und großer Baum“ erwähnt.

Namensherkunft Königs-/Maximilianseiche

König Ludwig I. kaufte die Eiche 1846 von Kaspar Maier ab, dem Bauern am nahe gelegenen Schartlhof, und zahlte ihm 70 Gulden, um den Baum vor Abholzung zu schützen und der Nachwelt zu erhalten. Dennoch wurde die Eiche Maximilianseiche und nicht etwa Ludwigseiche genannt. Eine Erklärung könnte eine Namensverwechslung sein. Auf dem an der Eiche angebrachten Schild stand fälschlicherweise „Diese mehr als tausendjährige Eiche wurde von weiland Maximilian II. König von Bayern, dem Unvergeßlichen, gekauft, um sie vor Vernichtung durch die Axt zu bewahren (gestiftet von Bürgern Haidhausens 1882, renov. 1892 und 1898)“. Erst 1952 wurde der Fehler in einem neuen Schild korrigiert.

Die 1.000-jährige Königseiche – Ausflugsziel und Kraftplatz

Eine historische Aufnahme von 1909 lässt erahnen, wie mächtig der Baum war. Schon damals war die Eiche längst zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Die Besucher schätzten den Ort als Kraftzentrum.

Rettungsversuche

Die Eiche wurde keinesfalls ihrem Schicksal überlassen. Bereits 1949 wurden Sanierungen an dem altersschwachen Baum durchgeführt. Dabei wurde im Inneren des Baumes ein Gerüst aus Eichenpfählen installiert und mit 12 Kubikmetern Beton aufgefüllt. Herausbrechende Teile des Baumes konnten auf diese Weise durch starke Verschraubungen an dem Gerüst wieder fixiert werden. Mit einer 25 Meter langen Eisenkette, mehrere Zentner schwer, wurde der Baum zusammengeschnürt. Derartige Reparaturen unter Einsatz von Beton werden heute nicht mehr durchgeführt, da sie dem Baum mehr schaden als nützen. Denn die sich dort festsetzende Feuchtigkeit führt zu Pilzbefall. Auch geht die Sicherheit vor, gerade wenn Bäume nahe an Straßen stehen. Bäume, die ein Risiko darstellen, werden gefällt. Alleebäume werden heutzutage kaum mehr als 80 bis 100 Jahre alt.

Reste Königseiche
Reste Königseiche (von der Infotafel abfotografiert)

Bei der Sanierung von 1949 wurden auch drei Ruhebänke aufgestellt und eine Treppe errichtet, um den Zugang von der Straße zu erleichtern. Ebenso wurde das Alter der Eiche näher bestimmt. Bei eine Zählung der Jahresringe an einem herausgebrochenen Stammstück kommt der Heimatkundler Ludwig Aicher zu dem Ergebnis, dass der Baum mehr als 1.000 Jahre alt ist.

Das Ende – und ein Weiterleben als Denkmal und Madonnenskulptur

Ab 1960 verfällt der Baum zusehends. Schuld an dem Niedergang soll auch der Fichtenaufwuchs gehabt haben, der dem Baum Licht entzog. Denn Eichen brauchen viel Licht. Pläne, die Fichten zu entfernen, konnten nicht umgesetzt werden, da Verhandlungen der Behörden scheiterten.

1988 kam dann, wie schon erwähnt, das Ende. Der Baum konnte den Osterstürmen nichts mehr entgegensetzen und stürzte um. Der Platz mit den Resten der Königseiche (Foto) wurde abgesichert. Aus den vermodernden Resten des Baumes wird 2000 ein großer Ast geborgen, aus dem der Ebersberger Bildhauer German Larasser eine lebensgroße Madonnenskulptur mit Christuskind schnitzte, die in de Kapelle des Schartlhofes angebracht wurde. Der Baum ist damit nicht nur durch sein Naturdenkmal unsterblich geworden, sondern lebt auch in dieser Madonnenskulptur weiter.

Das Naturdenkmal

Die aktuellen Fotos vom 18. Juli 2014 zeigen das Naturdenkmal. Deutlich sind die alten Stammreste zu erkennen. Eine der beiden Infotafeln wurde in die Mitte des eigentlichen Denkmals gesetzt und die andere neben der Neupflanzung platziert (letztes Foto). Die neu geschaffene Lichtung soll dauerhaft freigehalten, also Wildwuchs regelmäßig entfernt werden, damit die neue Eiche genug Licht erhält. Dazu hat der Landkreis Ebersberg eigens einen 903 Quadratmeter großen Bereich um das Naturdenkmal herum erworben. Dennoch erscheint es eher unwahrscheinlich, dass die Nachfolger-Eiche auch eines Tages 1.000-Jähriges feiern darf.

Königseiche
Naturdenkmal Königseiche. Deutlich … (18.07.2014) © Thomas Irlbeck
Königseiche
… lassen sich die Originalstücke … (18.07.2014) © Thomas Irlbeck
Königseiche
… der Königseiche erkennen (18.07.2014) © Thomas Irlbeck
Königseiche Neupflanzung
Königseiche Neupflanzung (18.07.2014) © Thomas Irlbeck

Trivia

Blitzableiter

Der Baum verfügte über einen Blitzableiter. Auch wenn das jetzt kurios erscheinen mag, bei Mammutbäumen ist eine solche Einrichtung nicht unüblich.

Verschwundene Neupflanzung

Laut einem Bericht des Münchner Merkur wurde bereits 1990 eine neue Eiche gepflanzt und eine Gedenktafel angebracht. Im Frühjahr 2011 stellte man dann fest, dass der Baum verschwunden ist. Es wird vermutet, dass ein Arbeitstrupp den Baum versehentlich beseitigt hat.

Umgebungskarte Königseiche
Umgebungskarte Naturdenkmal Königseiche. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0
Kategorien
Architektur Bilder Bürokratisches Historisches Kirche/Religion Kunst und Denkmäler Mystisches/Legenden

Die Kirche mit dem „angeschrägten“ Hochhaus-Turm

St.-Augustinus-Kirche
St.-Augustinus-Kirche (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Wie sicherlich das eine oder andere Mal erwähnt, habe ich mit der Kirche als Institution weniger als wenig am Hut. Aber Kirchenarchitektur kann mich durchaus begeistern. Dabei zieht mich hier vor allem klassische Kirchenarchitektur an. Moderne Kirchenbauten gibt es nur sehr wenige, die mir gefallen.

Der heutige mystische Ort ist die katholische St.-Augustinus-Kirche in Trudering, die folgerichtig an der St.-Augustinus-Straße liegt. Die Kreuzung zur Bajuwarenstraße ist hier ganz in der Nähe, und – wen wundert es – an dieser befindet sich auch die Augustinus-Apotheke. Räumlich sind wir zwar ein Stückchen von Neuperlach entfernt. Doch das Ziel, endlich einen mystischen Ort in Neuperlach zu finden, kommen wir heute vielleicht näher denn je.

Der Neuperlach-Faktor liegt in der Architektur. Die Kirche ist kein klassischer, aber auch kein typisch moderner Bau. Es ist 1950er-Jahre Architektur, so gesehen also der Nachkriegsmoderne zuzuordnen. Genauer wurde die Kirche 1952 bis 1955 geplant und gebaut. Am 28. August 1955 zum Fest des heiligen Augustinus wurde sie geweiht.

Ungewöhnlich: Die Form des Turmes ist die eines „angeschrägten“ Quaders

Das Neuperlachige ist die Form des Turmes, der 26 Meter Höhe misst bei einem Grundriss von 7 × 9 Metern. Dieser sieht wie ein Quader aus und hat auch das in Neuperlach obligatorische Flachdach. Damit ähnelt der Turm von der Optik einem Hochhausblock, wobei es hier doch zwei Unterschiede gibt. Erstens: Das Flachdach ist weit auskragend. Zweitens: Der Quader ist bei strengerer Betrachtung keiner, der Turm verjüngt sich nach oben hin zumindest leicht. Das Besondere ist, dass die Schräge nur auf der Nordseite vorhanden ist, im Bild ist das rechts. Das Foto kann diesen Effekt nur begrenzt zeigen – siehe weiter unten unter Nicht objektiv, sondern eine Sache der Perspektive.

Glocken

St.-Augustinus-Kirche
Nordseite des Kirchenschiffs (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Im Turm befinden sich sieben Glocken, die 1955 auf Basis einer zinnfreien Bronzelegierung in Erding gegossen wurden. Die Töne der Glocken lauten von unten nach oben: As – c‘ – es‘ – f‘ – as‘ – b‘ – c“

Kirchenschiff und Orgel

Das Kirchenschiff misst 15 Meter in der Höhe, ist 45 Meter lang und 22 Meter breit. Es verfügt über ein übliches Satteldach. Verspätung gab es bei der Kirchenorgel. Diese wurde erst 1965 von der Firma Carl Schuster und Sohn erbaut und in Betrieb genommen. Die 41 Register sind auf Hauptwerk, Positiv, Schwellwerk und Pedal verteilt.

Kirchturm ohne Kreuz – der Flughafen Riem war schuld

St.-Augustinus-Kirche, Kreuz Detail
Der Abstand des Kreuzes zur Turmwand wird nach oben hin größer. Durch Klick vergrößern, um den Effekt gut sehen zu können (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Der Flughafen Riem, 1939 eröffnet, sorgte für ein Kuriosum. Aus Sicherheitsgründen galten in der Einflugschneisen des Stadtgebiets strenge Bauhöhenbegrenzungen. Diese kann man heute noch in Neuperlach sehen. An der Haupteinflugschneise war eine Begrenzung auf 25 Meter vorgeschrieben (was acht Stockwerke ermöglichte), wobei man bei Dachaufbauten manchmal großzügig waren, sodass manche Häuser doch zumindest punktweise auf rund 26 Meter kamen. Außerhalb der Haupteinflugschneise – bereits das Marx-Zentrum lag ein paar Meter von dieser entfernt – gab es weniger strenge Limitierungen. So waren für die Häuser im Marx-Zentrum bis zu 35 Meter erlaubt, was sich in bis zu 14 Stockwerken (zuzüglich teilweise mehrstöckiger Dachaufbauten) widerspiegelt.

Genau diesr Bauhöhenbegrenzung war verantwortlich dafür, dass die St.-Augustinus-Kirche kein Kreuz auf dem Turm tragen durfte. Mit 26 Meter Höhe des Turmes war offenbar schon alles ausgeschöpft. Als Ersatz war aber aber ein kleines Kreuz auf dem Dach des Kirchenschiffs ganz vorne am Haupteingang (Westseite) aufgesetzt worden. 1992 wurde der Flughafen Riem stillgelegt, doch erst 2002 bekam der Kirchturm sein Kreuz. Im Rahmen einer umfassenden Sanierung wurde an der Nordseite des Turms ein zwölf Meter langes vergoldetes Kreuz angebracht, das sechs Meter über das Flachdach hinausragt, und das alte Kreuz auf dem Satteldach entfernt. Obwohl gerade diese Nordseite nicht senkrecht, sondern schräg läuft, steht das Kreuz selbst exakt vertikal. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass dies durch zwei unterschiedlich lange waagrechte Halterungen erzielt wird (die Abbildung zeigt es, diese anklicken, um zu vergrößern). Der Abstand des Turms zum Kreuz wird nach oben hin größer. Aber auch bei den Fenstern am rechten Rand des Turmes (Abbildung am Artikelanfang) sieht man, dass deren Abstand zur rechten Turmwand nach oben hin kleiner wird.

Nicht objektiv, sondern eine Sache der Perspektive

Ein Objektiv ist nur dem Begriff nach objektiv. In der Realität gibt es starke Verzerrungen, je weitwinkiger, desto größer werden sie. Objekte laufen dann auf einmal spitz nach oben oder unten zu, Hochhäuser und Türme, speziell am Bildrand, drohen umzustürzen. Diese stürzenden Linien lassen sich per Bildbearbeitung automatisch oder manuell aufrichten. Hat man ein Gebäude vor sich, bei dem die Kanten wirklich senkrecht laufen, lässt sich auf diese Weise ein gutes Ergebnis erzielen und ein Schiefer Turm von Pisa vermeiden. Besitzt ein Gebäude aber keine oder nicht durchgehend senkrechte Kanten, da es sich tatsächlich verjüngt, wird es schwieriger, da es weniger oder keine Anhaltspunkte gibt. Eine normale Entzerrung stürzender Linien würde hier ein Ergebnis erzielen, das an der Realität vorbeigeht. Daher wurde hier die Entzerrung behutsam eingesetzt. Dabei wurde darauf geachtet, dass alle senkrechten Kanten inklusive des Kreuzes möglichst vertikal verlaufen. Die einzige Schräge ist damit die Turmnordseite, die aber hier im Ergebnis möglicherweise subjektiv zu stark ausfällt. Es muss klar sein, dass dies nur ein Kompromiss sein kann. Keine Aufnahme, ganz speziell in diesem Fall, kann eine Betrachtung vor Ort ersetzen.

Der heilige Augustinus

St.-Augustinus-Kirche, Relief
Relief an der Westseite mit dem heiligen Augustinus (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Augustinus von Hippo (* 13. November 354 in in Tagaste, auch: Thagaste, in Numidien, heute Souk Ahras in Algerien; † 28. August 430 in Hippo Regius, heute Annaba in Algerien) war „einer der vier lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike und ein wichtiger Philosoph an der Epochenschwelle zwischen Antike und Mittelalter“ (Quelle: Wikipedia). Von den Westkirchen wird Augustinus als Heiliger verehrt.

An der Westseite der Kirche mit dem Haupteingang befindet sich ein Relief des heiligen Augustinus (siehe Abbildung). Der Künstler Siegfried Moroder meißelte dieses 1958 aus den Sandsteinblöcken heraus, die bereits beim Bau der Kirche eingefügt worden waren.

Umgebungskarte

Umgebungskarte St.-Augustinus-Kirche
Umgebungskarte St.-Augustinus-Kirche. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Per ÖPNV erreicht man die Kirche am besten so:

Bus 195, N49: Gnadenwaldplatz

oder

Bus 139, 195, N49: St.-Augustinus-Straße

Quellen

Kategorien
Architektur Bilder Kirche/Religion Kunst und Denkmäler Mystisches/Legenden

Michaelikapelle

Michaelikapelle
Die Michaelikapelle von der Heinrich-Wieland-Straße aus gesehen (07.03.2012) © Thomas Irlbeck

An der Kreuzung Heinrich-Wieland-Straße/Albert-Schweitzer-Straße/Corinthstraße steht am nordöstlichen Eck die denkmalgeschützte Michaelikapelle. Wer sich hier nicht sofort was darunter vorstellen kann, es ist die riesige Kreuzung zwischen dem Schulzentrum Nord und dem Lidl-Markt an der Corinthstraße. Der Ostpark beginnt dort ebenso. Die Kapelle selbst befindet sich neben eben diesem Lidl-Markt.

Bis jetzt ist Neuperlach.org auf der Suche nach einem mystischen Ort, der sich auch wirklich in Neuperlach liegt und nicht nur in der Nähe des Stadtteils. Die Michaelikapelle ist ganz nahe dran. Denn der Ort, an dem sie steht, gehörte früher zur Gemarkung Perlach, und so ist sie auch im Grundbuchamt eingetragen. Die Kapelle entstand im Rahmen der Siedlung Michaeliburg, die zum Teil auf Truderinger als auch auf Perlacher Gebiet liegt. Nach dem Bau von Neuperlach und der Heinrich-Wieland-Straße sind die Stadtbezirksgrenzen entlang der Straße neu gezogen worden, sodass die Kapelle heute zum Stadtteil Trudering (Stadtbezirk Trudering-Riem) gehört.

Aber nur haarscharf: Die stadtauswärts führenden Fahrspuren der Heinrich-Wieland-Straße zählen an dieser Position schon zu Neuperlach, aber die Fahrspuren auf der anderen Seite und damit auch die am rechten Straßenrand (Blick stadteinwärts) befindliche Kapelle werden noch dem Stadtteil Stadtbezirk Trudering-Riem zugerechnet. Schade, aber die wenigen fehlenden Meter (es sind nur rund 50 Meter bis zur Grenze) lassen das Bauwerk gefühlt zu Neuperlach gehören.

Die Kapelle wurde am 7. Oktober 1900 eröffnet und ist St. Michael geweiht. Einmal im Jahr, zum Volkstrauertag, findet in der Kapelle ein Treffen der Vereine der Umgebung statt, die der Opfer der beiden Weltkriege sowie aller danach geführten Kriege gedenken. Sie erfüllt daher die Funktion einer Kriegergedächtniskapelle.

Geschichte

Die Kapelle hat eine bewegte Geschichte hinter sich. In Auftrag gegeben wurde sie den Quellen nach von Michael Obermayer (auch Versionen mit Michasel Obermeyer und Michael Neumeyer sind in Umlauf) aus Straßtrudering (der als erster Siedler auch Namensgeber für die Siedlung Michaeliburg sein soll), der sich der Gemeinde Perlach gegenüber verpflichtet hatte, als Gegenleistung für die Genehmigung seines Wirtshausbetriebs, eine Kapelle zu errichten. Das Gebäude mit dem früheren Wirtshaus wurde im Volksmund wegen des burgähnlichen Aussehens Michaeliburg genannt, erst 2009 wurde es abgerissen. Da die Kapelle St. Michael geweiht ist, gerät die Theorie über die Namensherkunft allerdings ins Wanken.

Michaelikapelle
Die Michaelikapelle: Halb unter Bäumen versteckt, vorne umspült von weltlichem Verkehr (07.03.2012) © Thomas Irlbeck

Das Grundstück erwarb Obermayer 1898, die Quelle „Trudering – Waldtrudering – Riem: Münchens ferner Osten“ nennt hier als Kaufpreis 60 Mark. 1906 bekam die Kapelle neue Eigentümer, die die Verpflichtung, die Kapelle ausschließlich für römisch-katholische Gottesdienste zu benutzen, ignorierten. Die Kapelle soll als Lagerraum und für landwirtschaftliche Zwecke verwendet worden sein. 1922 erhielt die Kapelle nochmals einen neuen Eigentümer, der wieder Gottesdienste initiierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Kirche in einem erbärmlichen Zustand. Dach, Fenster und Türen fehlten, selbst der Altar war entwendet worden. Die Kirchenbänke wurden offenbar in einem der strengen Nachkriegswinter verheizt. Nachdem es zunächst ernsthafte Überlegungen gab, die Kapelle abzureißen, wurde sie schließlich unter dem Einsatz einiger engagierter Bürger aus der Siedlung Michaeliburg aufwändig wiederhergestellt.

Denkmalschutz

Der Bayerische Denkmal-Atlas sagt zu dem Gebäude:

Kriegergedächtniskapelle Michaeliburg, Putzbau mit Satteldach und
Dachreiter, neugotisch, 1898; mit Ausstattung, nachqualifiziert.

Historische Fotos mal ganz anders

Hier noch ein seltenes Bild der Michaelikapelle aus früheren Zeiten (linkes Bild). Es stammt aus dem Video „Altes aus Neuperlach“ von Peter Wahrendorff. Michaelikapelle ca. 1975.

Michaelikappelle aus Video von Peter Wahrendorff
Michaelikapelle ca. 1975 (Screenshot aus dem Video „Altes aus Neuperlach“)

Auch im nächsten Bild auch ist die Michaelikapelle zu sehen, zwischen der Tram und dem linken Bildrand. Wer gut hinschaut, erkennt in dem rechten Bild auch die Michaeliburg, die Turmspitzen sind zwischen der Tram und dem Kran zu sehen.-Vielen Dank an J. W. für den Tipp. Das Bild gibt es in der Rubrik Tram auch ohne Pfeile:

Tram 11 Karl-Marx-Ring
M/m-Zug der Linie 11 an der Haltestelle Karl-Marx-Ring. Blick ist stadteinwärts. Foto ist vom 12.09.1970 (dem Eröffnungstag!). Fotograf: Peter Wagner. Mit freundlicher Genehmigung der Freunde des Münchner Trambahnmuseums e. V.
Kategorien
Kultur und Bräuche Musik Mystisches/Legenden Video

Die Quelle der Salmakis

Salmakis und Hermaphroditos; Ovidius, Metamorphoseon libri XV, flandrische Buchmalerei, 15. Jahrhundert
Salmakis und Hermaphroditos; Ovidius, Metamorphoseon libri XV, flandrische Buchmalerei, 15. Jahrhundert. Lizenz: Public Domain

Bei so einem Titel wie diesem könnte man vermuten, es ginge jetzt um die Rettung Griechenlands. Nein, das ist nicht das Thema. Vielmehr stelle ich hier in unregelmäßigen Abständen Songs vor, die mich besonders berührt haben und noch immer berühren.

Salmakis ist eine Nymphe aus der griechischen Mythologie, die über der gleichnamigen Quelle wachte. Ein Versiegen der Quelle wurde nicht so gerne gesehen. Als Strafe gab es keinen verschärften Putzdienst, sondern den Tod. Salmakis verband sich der Mythologie nach mit Hermaphroditus zu einem zweigeschlechtlichen Wesen.

Genesis verarbeite den Stoff im Song The Fountain of Salmacis (also „Die Quelle der Salmakis“), der auf dem Album „Nursery Cryme“ erschien. Peter Gabriel singt hierbei „We shall be one, we shall be joined as one.“ („Wir werden eins sein, wir werden zu einem vereint.“). Pete Lazonby hat einen Sample des Songs 1994 in seinem Trance-Stück „Sacred Cycles“ verarbeitet. Herausgekommen ist eine einzigartige Atmosphäre – sicher einer der besten Trance-Songs aller Zeiten. Selbst Sekundenbruchteile des Stückes lassen sich mühelos unter Tausenden anderer Songs heraushören.

Ist die griechische Mythologie nicht schon schwerer Stoff genug, ist im Intro und Outro des Songs auch noch der Auszug einer Rede von Osho (*1931, †1990; indischer Philosophieprofessor und Begründer der Neo-Sannyas-Bewegung; bis Ende 1988 nannte er sich Bhagwan Shree Rajneesh) zu hören (ja, es ist „der“ Bhagwan)2, wobei sich der Song mitten in die Rede einblendet:

And it is good that not all are roses, that not all are lotuses. But something very mysterious is happening here, Darius, you can see: all kinds of people are here, from almost every country, from every religion, and nobody teaches them to be tolerant and nobody teaches them to be respectful of the other‘s religion. These things are simply not talked about, and still nobody is intolerant. In fact, nobody thinks in terms that the other is other. This is a totally different vision. My approach is that you have to drop […]

Hier bricht im Song die Rede sinnentstellend ab, im Outro des Songs wird die Rede dann fortgesetzt3:

[…] – not to imbibe tolerance, not to imbibe a certain synthesis, manipulated, man-made – you have to drop this whole nonsense of the American way of life and the Indian way of life and the Chinese way of life. You have to drop this whole nonsense that „I am a Hindu, Mohammedan, Parsi, Sikh.“ You are just a human being! Maybe your colour is different — so what? It is good that there are people of different colours, different flowers. Your hair is different — good! It makes life more worth living, more interesting. The variety gives richness.

Das Englisch ist so simpel, dass ich auf eine Übersetzung verzichte. Die Frage, ob es jetzt eine tiefere Bedeutung gibt, warum der Künstler gerade eine Rede Oshos eingespielt hat, oder gerade keine anderen Samples auf der Festplatte herumschwirrten, mag der Zuhörer selbst beantworten. Zumindest die in der Technoszene allgemein propagierte Gewaltlosigkeit passt thematisch. Aber auch andere Beweggründe sind denkbar. Vielleicht soll ja doch Griechenland gerettet werden.

1 Bedingt durch das lange Intro und Outro ist der Song kaum tanzbar. Später erschienen aber noch eine Reihe von Remixen, die keine Osho-Samples mehr enthalten. Diese Versionen sind wegen ihrer durchgehenden Beats besser Diskotheken-kompatibel.

2 Die Rede wird im Outro nicht ganz nahtlos angesetzt. Zum besseren Verständnis wird hier die Rede im Originalwortlaut wiedergegeben.

Kategorien
Architektur Ärgerliches/Nerviges Baustellen Bilder Historisches Mystisches/Legenden Sprache/Wortherkunft

Auf der Suche nach der Michaeliburg

Michaeliburg
Die Michaeliburg. Der Burgfrieden ist dahin (02.07.2009). Foto: Thomas Irlbeck, als Public Domain freigegeben
Michaeliburg
Die Michaeliburg hat keine Burgfenster mehr (02.07.2009). © Thomas Irlbeck
Michaeliburg
Ein Türmchen von der Nähe (02.07.2009). © Thomas Irlbeck

Schon als Kind habe ich mich gefragt, woher denn die benachbarte Siedlung Michaeliburg (die heute teilweise in Trudering (Stadtbezirk Trudering-Riem) und teilweise im Stadtteil Neuperlach (Stadtbezirk Ramersdorf-Perlach liegt) ihren Namen hat. Denn eine Burg hatte ich dort nie gesehen. Noch fast bekannter als die Siedlung ist das in der Nähe befindliche Michaelibad, welches das größte Freizeitbad von München darstellt. Es liegt zwar in Neuperlach, sein Name ist aber auch von der Michaeliburg abgeleitet.

Ich ging lange Zeit davon aus, dass es früher mal eine Burg gab, die schon lange nicht mehr existiert. Letzte Woche gab es im familiären Umfeld eine Erwähnung des Themas. Anlass waren neu angebotene Wohnungen in der Siedlung Michaeliburg. Damals konnte ich zur Entstehung des Namens Michaeliburg nichts beitragen außer Spekulationen.

Wie es der Zufall will, brachte am Montag der Pizzabote eine tz-Zeitung als Gratisangebot mit. Dort las ich, die Michaeliburg würde noch stehen, würde aber bald abgerissen werden. Das klingt spannend, aber auch traurig. Wie auch immer, es ist eine letzte Gelegenheit für Fotos.

Michaeliburg
Vor dem Haupteingang der Burg (02.07.2009). © Thomas Irlbeck
Michaeliburg
Brunnen vor der Michaeliburg (02.07.2009). © Thomas Irlbeck

Also machte ich mich auf die Suche. Die Burg sollte nach der Beschreibung in der Zeitung nur einen Steinwurf von meinem Haus entfernt sein. Immerhin befindet sich die Zehntfeldstraße, an der die Burg liegen soll, gleich hinter meinem Haus. Ich nahm den Ausgang in meinem Haus und schritt durch die Parkanlagen. Wenige Minuten später erblickte ich schon die Türme der Burg. Natürlich hatte ich das Gebäude schon mal gesehen, aber leider nicht genauer angeschaut und auch nicht als Burg eingestuft. Es ist ja auch eher ein „Bürgchen“ mit zwei „Türmchen“.

Laut dem tz-Artikel (30.06.2009, Seite 6) sei das Gebäude 1898 „angeblich“ vom Gastwirt Michael Neumeyer errichtet worden, der dort eine Gaststätte betrieben haben soll, was den Namen „Michaeliburg“ erklären würde (andere Quellen sagen „Obermayer“ oder „Obermeyer“). Das Haus habe Georg Seger gehört, dem Opa von Gabriele Strauß, die die Ex-Frau von Max Strauß ist (der bekanntlich wiederum der Sohn vom berühmten Franz Josef Strauß ist). Später sei das Objekt an Gabriele Strauß, ihren Bruder und eine Cousine gewandert. Vor sechs Monaten sei das Grundstück an den Unternehmer Pöttinger verkauft worden, der nun einen Neubau hinstellen will. Hier gäbe es nun Ärger, denn den Anwohnern ist die vorgesehene Bebauung zu dicht, es gäbe zu viel Beton und zu wenig Freiflächen und Grün. Allerdings sei die Bebauungsdichte bereits reduziert worden. Den Anwohnern ist es aber immer noch zu dicht. Vier Komplexe mit 23 Eigentumswohnungen sollen entstehen. Eine Modernisierung des Gebäudes wäre zu aufwändig. Die Burg sei nun nicht mehr zu retten, da sie nicht unter Denkmalschutz stehe.

Michaeliburg
Das Bad (oder was immer das mal gewesen ist) hat schon bessere Zeiten gesehen (02.07.2009). © Thomas Irlbeck

Gabriele Strauß kenne das Gebäude aus der Kindheit. Die Geschichte mit der Gaststätte sei ein Märchen, meint sie, da sich im Haus lauter Ein-Zimmer-Wohnungen mit Küche und Klo auf dem Gang draußen befinden würden. Ihr Großvater, der Maurer war, habe das Gebäude gekauft und eine Baustoffhandlung aufgebaut. Er habe dann ein Logo entworfen, welches das Haus zeigt und diesem den Namen Michaeliburg gegeben – als eine Art Marketing-Gag.

Als ich die ersten Fotos schoss, sprach mich ein Anwohner an. Er behauptete, vieles, das in dem besagten Artikel stehen würde, würde nicht stimmen. Der Bauherr wäre ein anderer, er könne aber den genauen Bauherrn momentan nicht nennen. Laut dem Anwohner wurde das Gebäude ursprünglich als Jagdschloss errichtet. Die Remise wäre dann später abgerissen worden. Hinter dem Gebäude habe es einen Bauernhof gegeben. An dieser Stelle steht heute ein Lidl-Markt (Kreuzung Corinthstraße/Bajuwarenstraße/Zehntfeldstraße).

Ja, zumindest der Lidl-Markt ist nicht zu übersehen. Im Discounter einkaufen, im Schatten der Burg, das ist noch für kurze Zeit möglich.

Michaeliburg Bautafel
Dieses Objekt soll als Ersatz für die Burg kommen. Von der Bautafel abfotografiert (02.07.2009). © Thomas Irlbeck

Name der Siedlung „Michaeliburg“

Der Vorname „Michael“ des Burgbauers „Neumeyer“ (oder „Obermeyer“ bzw. „Obermeyer“) scheint auf den ersten Blick der Siedlung den Namen gegeben zu haben. Allerdings existiert seit 1900 in der Siedlung die Michaelikapelle, die St. Michael geweiht ist, was die Namenstheorie ins Wanken bringt.

Trivia zum Standort: Trudering? Perlach?

Auch noch interessant: Die Siedlung Michaeliburg lag schon von Anfang teils auf Perlacher und teils auf  Truderinger Gebiet. Das Gebäude der Michaeliburg ist dabei Ersterem zuzurechnen. Das bedeutet, der Ort, an dem die Michaeliburg stand, gehörte früher zur Gemarkung Perlach, und so ist sie auch im Grundbuchamt eingetragen. Konkret sind dort die Grundstücke bis etwa zur Zehntfeldstraße unter Gemarkung Perlach verzeichnet. Nach dem Bau von Neuperlach und der Heinrich-Wieland-Straße sind die Stadtbezirksgrenzen entlang der Straße neu gezogen worden, sodass der Standort der Michaeliburg heute zum Stadtbezirk Trudering-Riem gehört.

Update 28.04.2011: Abriss und Nachfolger

Die Michaeliburg ist Geschichte. Knapp zwei Jahre nach Beginn der Entkernung ist es an der Zeit, mal nachzuschauen, ob das alte Burg einen würdigen Nachfolger erhalten hat. Ich würde sagen, nein, auch wenn das subjektiv ist. Der neue Bau ist ein Allerweltsbau. Schade, dass das historische Gebäude, das vermutlich der Siedlung den Namen gab, ein Opfer der Abrissbirne wurde.

So sieht es heute aus:

Michaeliburg Nachfolger
Der Ersatz für die alte Michaeliburg. Würdig? Nicht um die Burg! (28.04.2011) © Thomas Irlbeck
Kategorien
Bilder Kirche/Religion Mystisches/Legenden

Die Kapelle im Wald

Josefskapelle in Waldperlach
Die Josefskapelle liegt im Truderinger Wald. Sie hat einen charakteristischen Vorplatz (21.04.2011) © Thomas Irlbeck

Der Truderinger Wald, der bekanntlich hinter den letzten Neuperlacher Hochhäusern des Graf-Zentrum beginnt, hat so manchen mystischen Ort zu bieten. Über die Mariengrotte und den Schwedenstein wurde bereits berichtet. Das ist aber noch nicht alles: Gut im Wald versteckt findet sich ein kleines Gotteshaus, die Josefskapelle. Ihr Standort ist zwar nicht in Neuperlach, aber wir bleiben zumindest Perlach treu, das Gebiet gehört zu Waldperlach.

Entstehungsgeschichte

Die Geschichte begann damit, dass der Waldperlacher Pfarrei St. Bruder Klaus im Frühjahr 1977 eine Josefs-Figur gestiftet wurde. Gemeint ist der heilige Josef von Nazareth, also der Ziehvater Jesu. Zur Unterbringung und zum Schutz der Figur kam der Vorschlag auf, eine Kapelle im Wald zu errichten. Der Bau wurde alleine aus Spendenmitteln finanziert, nachdem das Ordinariat die Bau- und Nachfolgekosten nicht übernehmen wollte. Am 1. Mai 1980 wurde die Kapelle schließlich eingeweiht.

Die Kapelle

Der Bau mit kreisrunder Grundfläche liegt am Friedrich-Panzer-Weg, der zunächst durch Waldperlach als geteerte Straße beginnt und ab dem Waldrand als Wirtschaftsweg weiterläuft. Auch wenn der Bau nicht wirklich alt ist und das Flair vergangener Jahrhunderte fehlt, ist der Ort alleine durch die Waldlage etwas Besonderes. Auf dem Vorplatz der Kapelle gibt es zunächst ein großes Kruzifix sowie eine Holzskulptur der Mutter Gottes zu bestaunen. Der eigentliche Schatz, die gestiftete Josefsfigur mit Christuskind auf dem Arm, ist in der Kapelle zu finden, hinter einem Gitterzaun.

Josefskapelle in Waldperlach
Ein paar Schritte näher dran (21.04.2011) © Thomas Irlbeck
Josefskapelle in Waldperlach
Die kreisrunde Form wird spätestens jetzt deutlich (21.04.2011) © Thomas Irlbeck
Josefskapelle in Waldperlach
Im Innern der Kapelle. Hier steht die Josefsfigur (21.04.2011) © Thomas Irlbeck
Josefskapelle in Waldperlach
Die Josefsfigur ist hinter einem Gitter aufgestellt (21.04.2011) © Thomas Irlbeck
Josefskapelle in Waldperlach
ie Figur ohne störendes Gitter (22.04.2011) © Thomas Irlbeck
Josefskapelle in Waldperlach
Und noch ein wenig näher dran: der heilige Josef mit dem Christuskind (22.04.2011) © Thomas Irlbeck

Friedrich Panzer

Fast alle Straßennamen in Waldperlach haben etwas mit Märchen und Sagen zu tun (Neuperlach.org berichtete: Erzähl doch keine Märchen). So auch der Friedrich-Panzer-Weg, an dem wie erwähnt die Josefskapelle liegt. Friedrich Panzer (* 1794; † 1854) war ein bayerischer Sagensammler und Architekt. Die Sagen trug er auf seinen Dienstreisen zusammen. Sein besonderes Interesse galt denjenigen Erzählungen, in denen er Spuren alten Götterglaubens annahm. Diese mythologische Sagendeutung wird aber heute abgelehnt.

Weitere Josefskapellen und -kirchen

Es gibt in Deutschland und auch im Ausland sehr viele Josefskapellen und -kirchen (Schreibweise auch: Joseph…). Eine Übersicht findet sich auf Wikipedia. Die meisten sind dem heiligen Josef von Nazareth, dem Ziehvater Jesu, geweiht, einige aber auch dem heiligen Josef von Arimathäa, einem Jünger Jesu.

Anfahrt

Josefskapelle Umgebungskarte
Umgebungskarte Josefskapelle. Bitte Grafik anklicken, um zu vergrößern. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

ÖPNV-Benutzer fahren mit dem Metrobus 55 von Neuperlach Zentrum (U5, ab Dezember 2011 auch U7) bis Waldheimplatz. Von dort bewegt man sich stadtauswärts auf breiten Putzbrunner Straße bis zur Kreuzung Friedrich-Panzer-Weg. Hier biegt man links ab und folgt dem Friedrich-Panzer-Weg. Nicht weit vom Waldrand taucht dann die Kapelle auf der rechten Wegseite auf. Automobilfahrer programmieren ihr Navigationsgerät auf „Am Bauernwald 1“. Dort lässt sich leicht ein Parkplatz finden. Zu Fuß geht es dann am Friedrich-Panzer-Weg wie beschrieben weiter.

Kategorien
Bilder Historisches Kunst und Denkmäler Mystisches/Legenden

Alter Schwede

Schwedenstein
Der Schwedenstein (in einigen Karten als „General Horn“ bezeichnet) steht am Wegesrand einer der vielen Waldwege im Truderinger Wald (21.08.2010) © Thomas Irlbeck

SchwedensteinIn Truderinger Wald, auf dem zu Waldperlach gehörigen Gebiet, unweit der Kiesgrube am alten Quetschwerk Fritz Roth, steht der Schwedenstein. Es handelt sich um einen Gedenkstein, welcher der Legende nach General Horn gewidmet ist. Angeblich ist Gustav Carl Horn im Dreißigjährigen Krieg 1632 bei Kämpfen um Perlach gefallen und unter dem Gedenkstein beerdigt. Doch diese Legende gilt als widerlegt, denn General Horn ist anderen Quellen zufolge 1657 in Skara (Schweden) gestorben und in Stockholm beerdigt. Ein gefallener General kämpft nur selten einfach so weiter, als wäre nichts geschehen. Bei einer Probeausgrabung am Gedenkstein wurden keine Gebeine gefunden, was die Theorie mit dem Schweden-Grab noch löchriger macht. Allerdings gilt als gesichert, dass Perlach 1632 tatsächlich von schwedischen Truppen und kurze Zeit später von kaiserlichen Truppen geplündert wurde.

An der „Schweden“-Theorie ist noch mehr faul. Der Stein ist nämlich erheblich älter, er soll um 1500 herum entstanden sein. Das Original befindet sich übrigens seit 1952/1953 im Münchner Stadtmuseum. Was heute noch im Truderinger Wald steht, ist eine Nachbildung, die 1988 an der Originalstelle platziert wurde.

Schwedenstein
Ein bisschen näher dran, und schon zeigt sich die Schönheit des Denkmals noch wahrhaftiger (21.08.2010) © Thomas Irlbeck
Schwedenstein
Gedenktafel am Schwedenstein. Der legendenumwobene Stein ist also leider nur eine Nachbildung, die aber inzwischen auch ganz schön alt aussieht (21.08.2010) © Thomas Irlbeck
Umgebungskarte Schwedenstein. Bitte Grafik anklicken, um zu vergrößern. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Wem ist der Stein aber gewidmet, wenn die Story vom untoten General doch eher wenig glaubhaft ist? Einer anderen Legende nach soll das Teil ein Denkmal für den Empfang Kaiser Karls V. 1530 sein. Von der Jahreszahl kommt das schon näher hin. Der Kaiser zog zu dieser Zeit von Innsbruck über München nach Augsburg. Damals war das Gebiet noch unbewaldet. Auf dieser „Perlacher Haydn“ wurde zu Ehren des Kaisers eine Jagd veranstaltet.

Nicht weit vom Schwedenstein entfernt gibt es eine kleine Siedlung, die eine schmale Zunge im Wald mit nur einer Straße darstellt und irgendwo zwischen der Truderinger Grenzkolonie und der Kolonie Waldfrieden im Niemandsland eingeklinkt ist. Obwohl man noch zum Stadtgebiet gehört, gibt es dort keine Läden und auch keinen öffentlichen Nahverkehr. Diese einzige Straße heißt – wie auch sonst – Schwedensteinstraße, die Siedlung wird häufig folgerichtig als Schwedensiedlung bezeichnet. Der Schwede zieht also weite Kreise. Alter Schwede!

Trivia

  • Stadtplandienst.de weist den Schwedenstein als „General Horn (Schwedensäule)“ aus. Dabei sollte eine Säule eigentlich rund sein. Dieses Monument ist es aber nicht.
  • Neben dem Stadtmuseum bemühte sich auch der Verschönerungsverein Perlach um den alten Stein, um den Ortskern aufzuwerten. Allerdings erfolglos.
  • Tagelanges Herumirren im Truderinger Wald muss nicht sein, um das Steinchen zu lokalisieren: Die GPS-Koordinaten des Schwedensteins lauten 48.09135, 11.678267.
  • Der Spruch „Alter Schwede!“ hat seinen Ursprung in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Näheres hierzu: Wikipedia: Alter Schwede (Redewendung)

Quellen

  • Walter Graßmann: der Schwedenstein, in: Gudrun Gersmann / Torsten Reimer (Hg.): München im Dreißigjährigen Krieg. Ein universitäres Lehrprojekt, 1. Version vom 6.12.2000
  • Wikipedia: Gustav Horn
Kategorien
Historisches Kultur und Bräuche Mystisches/Legenden Skurril/Satire/Nonsens Sprache/Wortherkunft

Erzähl doch keine Märchen! (Waldperlach)

Märchen
Der wohl märchenhafteste Stadtteil Münchens: Waldperlach! Lizenz: Public Domain

Es war einmal … Nein, den Stadtteil gibt es immer noch. Die Rede ist vom wohl märchenhaftesten Stadtteil Münchens: Waldperlach. Die Straßen heißen dort

  • Aschenbrödelstraße
  • Däumlingstraße
  • Dornröschenstraße
  • Drosselbartstraße
  • Elfenstraße
  • Erlkönigstraße
  • Eulenspiegelstraße
  • Frau-Holle-Straße
  • Froschkönigweg
  • Gänselieselstraße
  • Heinzelmännchenstraße
  • Isegrimstraße
  • Koboldstraße
  • Märchenweg
  • Nixenweg
  • Puppenweg*
  • Robinsonstraße
  • Rotkäppchenplatz
  • Rotkäppchenstraße
  • Rübezahlstraße
  • Rumpelstilzchenstraße
  • Schneewittchenstraße
  • Sterntalerstraße
  • Struwelpeterstraße

* gemeint ist das Marionetten-, Puppen- oder Kasperlspiel
** gemeint ist Robinson Crusoe

Szene aus „Frau Holle“. Beim Betten-Ausschütteln schneit es – zumindest im Märchen. Foto: Christian Heindel / Lizenz: CC BY-SA 2.0

Damit hat ein Großteil der Straßen dort einen Bezug zu Märchen, Sagen und ähnlichen phantastischen Geschichten.

Eine Frage in einem Forum brachte mich heute auf das Thema. Woher kommen diese Namen? War hier ein Scherzbold am Werk? Ein Märchenpapst? Die Antwort, dass thematische Schwerpunkte die Orientierung vereinfachen würden und z.B. für Taxifahrer eine Erleichterung seien, geht etwas am Thema vorbei. Genauso gut könnte man auch Maler, Dichter, Gebirge oder Kräuterarten bemühen.

Tatsache aber ist, dass Perlach (inklusive Waldperlach und Fasangarten) 1930 nach München eingemeindet wurde. Bei Eingemeindungen stellt sich das Problem, dass leider dann ein paar Straßen Dubletten bilden. Zweimal „Marienplatz“ geht einfach nicht in München (ja, liebe Pasinger, ich weiß, ihr habt dennoch euren Marienplatz behalten). Also müssen jede Menge Straßen umbenannt wurde.

Laut  einem Artikel auf der Webseite der Katholischen Gemeinde St. Michael mit St. Georg (Seite nicht mehr verfügbar) wurden nicht nur Dubletten entfernt, sondern alle an die Monarchie (die bekanntlich 1918 endete) erinnernden Straßennamen. Sehr detailreich ist hier WAPE Bürger IG und verrät folgende Namensanpassungen:

  • Äussere-Prinz-Rupprecht-Str. → Rotkäppchenstraße
  • Finkenstraße → Rübezahlstraße
  • Hirschenstraße → Rumpelstilzchenstraße
  • Hohenzollernstraße → Frau-Holle-Straße
  • Innere-Prinz-Rupprecht-Str. → Schneewittchenstraße
  • Kaiser-Wilhelm-Straße → Erlkönigstraße
  • Otto-Rieger-Straße → Gänselieselstraße
  • Prinz-Arnulf-Straße → Isegrimstraße
  • Prinz-Franz-Straße → Robinsonstraße
  • Prinz-Heinrich-Straße → Aschenbrödelstraße
  • Prinz-Leopold-Straße → Heinzelmännchenstraße
  • Prinzregentenstraße → Däumlingstraße
  • Waldperlachstraße → Waldperlacher Straße
  • Wittelsbacherstraße → Eulenspiegelstraße
  • Zeppelinstraße → Koboldstraße

Nicht alle der märchenhaften Namen sind aus der Umbenennung 1930 hervorgegangen. Auch bei neu gebauten Straßen wurde die Tradition teilweise fortgesetzt. Die Struwelpeterstraße etwa wurde erst 1953 errichtet.

Einfach märchenhaft (04.08.2010) © Thomas Irlbeck
Hänsel und Gretel
Hexenhaus aus „Hänsel und Gretel“. Das Märchen kommt zwar nicht als Straßennamen in Waldperlach vor, ist aber durch den „Märchenweg“ abgedeckt. Lizenz: Public Domain

Auffallend ist auch, dass einige neu gebaute Straßen einen Bezug zur germanischen Götter- und Sagenkultur bekamen, so der Asenweg und die Beowulfstraße. Auch weitere Waldperlacher Straßennamen haben indirekt mit Sagen zu tun, Friedrich Panzer etwa war unter anderem ein bayerischer Sagenforscher und wurde 1955 mit der Benennung einer Straße geehrt.

Bis heute schwingt die Tradition in Waldperlach fort. Wer glaubt, die jüngeren Namensvergaben wären im kommunalpolitischen Kleinmief untergegangen, wird eines Besseren belehrt: 2000 etwa wurde eine Straße nach Klara Ziegler benannt, eine Schauspielerin, die als Deutschlands letzte Heldendarstellerin gilt und u.a. die Brunhild in den „Nibelungen“ spielte. Dies passt gut zur Straßenvergabe in der angrenzenden Gemeinde Neubiberg:

Fortsetzung in Neubiberg: Hier findet der sagenhafte Stadtteil nahtlos seine Fortsetzung in Gestalt der Nibelungensage. Die Straßen heißen hier Brunhildenstraße, Nibelungenstraße, Rheingoldstraße, Siegfriedstraße, Walkürenstraße und Wotanstraße.

Die Frage nach dem Grund für den Hang zu den Märchen und Sagen wurde aber immer noch nicht zufriedenstellend beantwortet. Möglicherweise war Waldperlach einfach immer schon märchenhaft. Und wenn nicht, ist es das durch die Straßennamen vielleicht inzwischen geworden. Aber vielleicht weiß ja ein Leser mehr … 2012 feierte Waldperlach übrigens 100-Jähriges. 100 Jahre, das ist der Zeitraum, den Dornröschen schlafen sollte.

Leiberheim in Waldperlach 1920
Leiberheim in Waldperlach um 1920. Lizenz: Public Domain
Leiberheim
Wirtshaus/Biergarten Leiberheim am Eck Schneewittchenstraße/… (29.08.2017) © Thomas Irlbeck
Leiberheim
…Nixenweg (29.08.2017) © Thomas Irlbeck
Waldperlach, Koboldstraße
Koboldstraße (18.09.2019) © Thomas Irlbeck