Graffiti: Am Kulturhaus Neuperlach entsteht Kultur, was sonst? (Update 14.05.2018)

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Graffiti am Kulturhaus
Bild 1: Graffiti am Kulturhaus (10.05.2017) © Thomas Irlbeck. Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von CAZ132

Unter Kultur versteht man alles, das vom Menschen geschaffen wird, im Unterschied zu dem, das die Natur hervorbringt. So entsteht passend zur Funktion des Kulturhauses auf dem Hanns-Seidel-Platz eben Kultur, genauer die vielleicht kreativste Unterform davon. Sie ahnen es, Kunst.

Graffiti am Kulturhaus
Bild 2 (10.05.2017) © Thomas Irlbeck

Jan Deichmann alias CAZ132, Gründungsmitglied der berühmten Künstlervereinigung NPL83, konnte wetterbedingt erst heute wieder die Arbeit an seinem mächtigen Graffiti fortsetzen. Der Einfall, Militärtarnfarben als Hintergrund zu wählen, ist sicherlich genial und steht dafür, dass das Haus nach dem Abriss voraussichtlich im Dezember ja so gesehen unsichtbar sein wird. Auf dem Hintergrund entstehen nun die eigentlichen Motive.

Graffiti am Kulturhaus
Bild 3 (10.05.2017) © Thomas Irlbeck

Nichts ist für die Ewigkeit, nur die Ewigkeit ist das Nichts. Von einem Konzert bleibt nur eine Erinnerung, vielleicht auch ein illegaler Mitschnitt auf dem Smartphone. Von einem temporären Kunstwerk wie einem Graffiti zeugen Bilder. Aber Bilder aus Bits und Bytes sind nicht das Kunstwerk. Der Entstehungsprozess mit Pinsel und Spraydose ist Kunst, Aktionskunst. Bei jeder Betrachtung des Bildes entsteht das Kunstwerk neu. Womit wir bei der philosophischen Frage sind, ob das Kunstwerk auch dann noch da ist, wenn gerade keiner hinsieht. Ich sage mal vorsichtig Nein. Und das hat min den Militärtarnfarben und der Abrissbirne nichts zu tun.

Graffiti am Kulturhaus
Bild 4: Der Toilettenaufsteller hasst offenbar Kunst und nimmt uns die Sicht (10.05.2017) © Thomas Irlbeck
Graffiti am Kulturhaus
Bild 5: Die Neuperlacher Zwillingstürme thronen über dem Kulturhaus (10.05.2017) © Thomas Irlbeck

12.05.2917

Das H2O-lastige Wetter hat den Fortschritt leider verlangsamt.

Graffiti am Kulturhaus
Bild 6 (12.05.2017) © Thomas Irlbeck
Graffiti am Kulturhaus
Bild 7 (12.05.2017) © Thomas Irlbeck

16.05.2017

Endlich ist das Wetter gnädig. Proportional zum trockeneren Wetter nimmt das Graffiti nun Formen an. Ich finde, dass es großartig wird! Das Gefährt im linken Teil ist ein Abrissbagger. Er zeigt uns, was mit dem Kulturhaus und auch mit dem Graffiti passieren wird. Die Kunst nimmt die Zukunft vorweg. Auch wenn das nicht nur negativ klingt, sondern auch negativ ist, uns bleiben die Fotos, die Erinnerungen. Und es wird ja auch etwas Neues entstehen.

Graffiti am Kulturhaus
Bild 8 (16.05.2017) © Thomas Irlbeck
Graffiti am Kulturhaus
Bild 9 (16.05.2017) © Thomas Irlbeck
Graffiti am Kulturhaus
Bild 10 (16.05.2017) © Thomas Irlbeck
Graffiti am Kulturhaus
Bild 11 (16.05.2017) © Thomas Irlbeck

18.05.2017

Graffiti am Kulturhaus
Bild 12: Nach Abbau des Verkaufspavillons sieht man mehr, wenngleich immer noch Teile verdeckt  sind (18.05.2017) © Thomas Irlbeck
Graffiti am Kulturhaus
Bild 13 (18.05.2017) © Thomas Irlbeck
Graffiti am Kulturhaus
Bild 14: Detail des hinzugekommenen Logos (18.05.2017) © Thomas Irlbeck
Graffiti am Kulturhaus
Bild 15 (18.05.2017) © Thomas Irlbeck

Update 19.05.2017

Das Graffiti ist rechtzeitig fertig geworden. Das Foto zeigt den Stand wenige Minuten vor der offiziellen Einweihung. Nur die Signatur fehlt noch.

Graffiti am Kulturhaus
Bild 16: Fertiges Kunstwerk kurz vor der Einweihung. Nur die Signatur fehlt noch. Das Graffiti enthält eine ganze Reihe von Aussagen, die hier nicht vorweggenommen werden sollen. Der Betrachter möge sich diese selbst erarbeiten (19.05.2017) © Thomas Irlbeck

Jan Deichmann weist bei der Einweihung zynisch darauf hin, dass der im Kunstwerk dargestellte Bagger den Neuperlachern ein tolles Geburtsastgeschenk zum 50. überbringe, nämlich eine schwere, schwere Eisenkugel, die dazu diene, das Kulturhaus abzureißen. Das bedeute wieder langes Warten auf das schon längst, seit Jahrzehnten versprochene Kulturhaus aus festen Mauern. Sieben, acht Jahre, so lange werde es wohl dauern, bis das neue Kulturhaus steht. Vielleicht auch länger. Deichmann hält es für eine Schande, dass die Stadt München darauf verweise, sie warte auf die Beteiligung von Sponsoren. Die Stadt habe doch selbst so viel Geld, meint Deichmann.

Immerhin kann das Kunstwerk voraussichtlich (Betonung auf voraussichtlich) doch erhalten bleiben, indem man zwar das Kulturhaus abreißt, aber die Wand mit dem Graffiti stehen lässt. Hoffentlich klappt wenigstens das.

Update (27.06.2017): Rückkehr des Verkaufscontainers an den alten Standort

Am 21.06.2017 ist der Verkaufscontainer wieder zum Kulturhaus zurückgekehrt. Zum Glück ist der wesentliche Teil des Kunstwerks weiter gut sichtbar, nur das Kulturhaus-Logo ist nun teilweise – zumindest aus dieser Perspektive – verdeckt.

Graffiti, Rückumzug Verkaufscontainer
Bild 17 (27.06.2017) © Thomas Irlbeck

Update 14.05.2018

Noch steht das Kulturhaus. Bis Ende 2018 soll es abgerissen werden.

Kulturhaus Neuperlach
Bild 18 (14.05.2018) © Thomas Irlbeck

4 Gedanken zu „Graffiti: Am Kulturhaus Neuperlach entsteht Kultur, was sonst? (Update 14.05.2018)“

  1. Ich finde sehr interessant, was hier entsteht.
    Der Bezirksausschuß hatte ja kürzlich die Anfrage nach einer finanziellen Unterstützung für Graffiti rund ums Kulturhaus abgelehnt – da der Aufwand (Honorarangebot des Künstlers: 6.400 EUR) angesichts des bevorstehenden Abrisses als zu hoch angesehen wurde.
    Ob nun wohl ein anderer, günstigerer Künstler am Werk ist, oder der BA doch noch irgendwo Geld „gefunden“ hat?

    1. Ich möchte nur so viel dazu sagen, dass der Künstler nicht „ausgetauscht“ wurde. Wenn Sie Details zur Finanzierung erfahren möchten, ist wohl der BA die Anlaufstelle.

  2. servus Thomas,
    erstmal respect für Deinen gut bebilderten Beitrag, der die Entstehung dieses Pieces klasse wiedergibt.
    2 nette details:
    a) Jan zitiert rechts an den Pfeilen Shepard? is das ’ne dedication/ Referenz an Obey? Hat er etwa mitgemalt?
    b) die Art wie Jan die Hinweistafel auf die Space Churn von G. M. Rickey integriert hat: Chapeau (is eben Old School). Diese Plastik muss sich auch vor der Abrissbirne (von Jans Bagger) ducken . . .?
    Hat sie schon einen Interims-Standort?
    Ein pic mit Jan’s tag oberhalb der Dosen als i-Pünktchen fehlt (noch)?
    Hoffentlich findet sich für Wand und Plastik eine AUFRICHTIGE (im Wortsinne) Lösung – wenngleich StreetArt lebt von einer kurzen Verweildauer.
    Gruesse, Wolfgang

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