Vom Rohbau zum rohen Bau – das frühe Marx-Zentrum um 1973!

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Marx-Zentrum Rohbau
Bild 1: Das Marx-Zentrum noch teilweise im Rohbau. Um 1973 herum. Foto: Sabine Kroesen

Heute darf ich ein sehr interessantes, durchaus sensationelles Foto präsentieren: das Marx-Zentrum, das sich noch im Bau befindet. Solche Bilder aus den Anfangszeiten Neuperlachs sind sehr rar. Vielen Dank an Sabine Kroesen, die das Bild eingeschickt und mir erlaubt hat, es hier zu zeigen.

Das frühe Marx-Zentrum

Das Foto ist in der Parkanlage am Karl-Marx-Ring entstanden. Wir sehen hier das frühe Marx-Zentrum, das teilweise noch im Rohbau ist. Ein roher Bau ist das Marx-Zentrum aber auch heute noch, wegen seiner von vielen als gnadenlos, rau und düster empfundenen Architektur. Tatsächlich haben sich die Architekten  für schwarze Fassadenplatten entschieden, um ein Schiefergebirge nachzuahmen. Die Bewohner sehen es ohnehin anders. Viele lieben das Marx-Zentrum und wohnen dort gerne. Die Wohnungen sind gut ausgestattet, und die gelungene Mischung aus Wohnen und Einkaufen nebst gastronomischen Angeboten hat sich bewährt.

Marx-Zentrum Rohbau beschriftet
Bild 2: Mit Beschriftung, ein Klick macht groß. Die Zahlen entsprechen den Hausnummern am Peschelanger. Ausnahme: 19 ist an der Max-Kolmsperger-Straße

Wir betrachten nun das Bild von links nach rechts. Ganz links ist das äußerlich bereits fertiggestellte Bürohaus am Peschelanger 3 zu sehen (das inzwischen abgerissen und durch das Studentenwohnheim Home Base) ersetzt wurde. In der Bildmitte lugt ein Teil des Ärztehauses am Peschelanger 11 hervor. Im Hintergrund steht das Haus Peschelanger 7, in dem anfangs eine Apotheke beherbergt war (heute ist es ein ambulanter Pflegedienst). Beide sind noch im Rohbaustadium. Äußerlich fertig ist dagegen das Haus Max-Kolmsperger-Straße 19 mit seiner mächtigen Atelierwohnung ganz oben. Vor dem Haus ist beim genaueren Hinsehen auch noch ein Kran zu erkennen. Ganz rechts schließlich präsentiert sich das Haus Peschelanger 8, in dem heute ein Rewe ansässig ist. Der erste Pächter der Ladenräume war der Deutsche Supermarkt.

Zeitliche Einschätzung des Fotos

Home Base
Bild 3: Nach Abriss des Bürohauses sah es hier im September 2015 so aus. Sonst ist hier fast alles wie auf dem historischen Foto geblieben © Thomas Irlbeck

Im November 1973 war laut Chronik das erste Haus im Marx-Zentrum bezugsfertig. Im Herbst 1974 bin ich ins Marx-Zentrum gezogen, genauer in den Peschelanger 12, Stockwerk 4. Nach meiner Erinnerung waren damals auch die Häuser Peschelanger 7, 9 und 11 (Ärztehaus) zumindest äußerlich fertig. Nur die Läden waren noch nicht eröffnet, befanden sich aber bereits im Innenausbau. Offiziell eingeweiht wurde das Marx-Zentrum dann im Juni 1975.

Somit sollte das Foto etwa 1973 entstanden sein. Es scheint Herbst zu sein, es könnte also Herbst 1973 sein. Es bleibt aber ein größerer Unsicherheitsfaktor. Wer glaubt, es genauer oder besser zu wissen, der darf sich gerne melden. Ich bin sehr gespannt!

Was gehört eigentlich zum Marx-Zentrum?

Marx-Zentrum Rohbau Ausschnitt
Bild 4: Weil es so schön ist: Peschelanger 7 (Hintergrund) und 11 mit „vorläufigem“ Sichtbeton in einer Detailvergrößerung

Interessanterweise gehört auch das bereits erwähnte Bürohaus am Peschelanger 3 zum Marx-Zentrum, wie es ein alter Architektenplan (Kochta und Buddeberg) beweist, der für jeden Teil des Marx-Zentrum einen nummerierten Bauabschnitt ausweist. Ebenso zeigt dieser Plan, dass auch die Eigentumswohnanlage Karl-Marx-Ring 52 bis 62 (mit fast identischem Baustil und ebenso einer Fassade mit schwarzen, asbesthaltigen Eternitplatten) als Bestandteil des Marx-Zentrum gebaut wurde, wenngleich diese früher fertiggestellt (1971) und etwa 20 Jahre später zumindest verwaltungsrechtlich vom Marx-Zentrum abgeteilt wurde.

Man könnte sagen: Alles, was in dieser Gegend eine sehr dunkle Fassade hat (beim Bürohaus Peschelanger 3 war es ein ziemlich dunkles Braun), ist dem „Marx-Zentrum“ zuzurechnen. Aber das stimmt nicht so ganz, da das Ärztehaus am Peschelanger 11 sowie auch das Haus Max-Kolmsperger-Straße 11 (das ist das Haus mit dem Schreibwarenladen), die beide ebenso zum Marx-Zentrum gehören, in anderen Farben gehalten sind. Beim Ärztehaus ist es ein helleres Grau. Beim Haus Max-Kolmsperger-Straße 11 dominiert ebenso ein helleres Grau, aber es gibt auch größere gelbe Flächen, und beim Dachaufbau treten dann doch wieder die schwarzen Eternitplatten in Erscheinung. Die Architekten haben also ihr Schiefergebirge zumindest ganz oben auf dem Gipfel nicht vergessen.

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