Auf der Suche nach der Michaeliburg (Update)

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Hinweis: Aus gegebenem Anlass habe ich den Artikel erweitert und noch mal veröffentlicht.

Die Michaeliburg. Der Burgfrieden ist dahin (02.07.2009) © Thomas Irlbeck

Schon als Kind habe ich mich gefragt, woher denn der benachbarte Stadtteil Michaeliburg (ein Teil des Stadtbezirks Trudering-Riem) seinen Namen hat. Denn eine Burg hatte ich dort nie gesehen. Noch fast bekannter als der Stadtteil Michaeliburg ist das in der Nähe befindliche Michaelibad, welches das größte Freizeitbad von München darstellt. Es liegt zwar in Neuperlach, sein Name ist aber auch auch von der Michaeliburg abgeleitet.

Ich ging lange Zeit davon aus, dass es früher mal eine Burg gab, die schon lange nicht mehr existiert. Letzte Woche gab es im familiären Umfeld eine Erwähnung des Themas. Anlass waren neu angebotene Wohnungen im Stadtteil Michaeliburg. Damals konnte ich zur Entstehung des Namens Michaeliburg nichts beitragen außer Spekulationen.

Die Michaeliburg hat keine Burgfenster mehr (02.07.2009) © Thomas Irlbeck

Wie es der Zufall will, brachte am Montag der Pizzabote eine tz-Zeitung als Gratisangebot mit. Dort las ich, die Michaeliburg würde noch stehen, würde aber bald abgerissen werden. Das klingt spannend, aber auch traurig. Wie auch immer, es ist eine letzte Gelegenheit für Fotos.

Also machte ich mich auf die Suche. Die Burg sollte nach der Beschreibung in der Zeitung nur einen Steinwurf von meinem Haus entfernt sein. Immerhin befindet sich die Zehntfeldstraße, an der die Burg liegen soll, gleich hinter meinem Haus. Ich nahm den Ausgang in meinem Haus und schritt durch die Parkanlagen. Wenige Minuten später erblickte ich schon die Türme der Burg. Natürlich hatte ich das Gebäude schon mal gesehen, aber dieses nicht als Burg eingestuft. Es ist ja auch eher ein „Bürgchen“ mit „Türmchen“.

Ein Türmchen von der Nähe (02.07.2009) © Thomas Irlbeck

Laut dem tz-Artikel (30.06.2009, Seite 6) sei das Gebäude 1898 „angeblich“ vom Gastwirt Neumeyer errichtet worden (möglicherweise ein Fehler, denn anderen Quellen nach hieß der Knabe Michael Obermayer), der dort eine Gaststätte betrieben haben soll. Das Haus habe Georg Seger gehört, dem Opa von Gabriele Strauß, die die Ex-Frau von Max Strauß ist (der bekanntlich wiederum der Sohn vom berühmten Franz Josef Strauß ist). Später sei das Objekt an Gabriele Strauß, ihren Bruder und eine Cousine gewandert. Vor sechs Monaten sei das Grundstück an den Unternehmer Pöttinger verkauft worden, der nun einen Neubau hinstellen will. Hier gäbe es nun Ärger, denn den Anwohnern ist die vorgesehene Bebauung zu dicht, es gäbe zu viel Beton und zu wenig Freiflächen und Grün. Allerdings sei die Bebauungsdichte bereits reduziert worden. Den Anwohnern ist es aber immer noch zu dicht. Vier Komplexe mit 23 Eigentumswohnungen sollen entstehen. Eine Modernisierung des Gebäudes wäre zu aufwändig. Die Burg sei nun nicht mehr zu retten, da sie nicht unter Denkmalschutz stehe.

Vor dem Haupteingang der Burg (02.07.2009) © Thomas Irlbeck

Gabriele Strauß kenne das Gebäude aus der Kindheit. Die Geschichte mit der Gaststätte sei ein Märchen, meint sie, da sich im Haus lauter Ein-Zimmer-Wohnungen mit Küche und Klo auf dem Gang draußen befinden würden. Ihr Großvater, der Maurer war, habe das Gebäude gekauft und eine Baustoffhandlung aufgebaut. Er habe dann ein Logo entworfen, welches das Haus zeigt und diesem den Namen Michaeliburg gegeben – als eine Art Marketing-Gag.

Das Bad (oder was immer das mal gewesen ist) hat schon bessere Zeiten gesehen (02.07.2009) © Thomas Irlbeck

Als ich die ersten Fotos schoss, sprach mich ein Anwohner an. Er behauptete, vieles, das in dem besagten Artikel stehen würde, würde nicht stimmen. Der Bauherr wäre ein anderer, er könne aber den genauen Bauherrn momentan nicht nennen. Laut dem Anwohner wurde das Gebäude ursprünglich als Jagdschloss errichtet. Die Remise wäre dann später abgerissen worden. Hinter dem Gebäude habe es einen Bauernhof gegeben. An dieser Stelle steht heute ein Lidl-Markt.

Ja, zumindest der Lidl-Markt ist nicht zu übersehen. Im Discounter einkaufen, im Schatten der Burg, das ist noch für kurze Zeit möglich.

Brunnen vor der Michaeliburg (02.07.2009) © Thomas Irlbeck
Dieses Objekt soll als Ersatz für die Burg kommen. Von der Bautafel abfotografiert (02.07.2009) © Thomas Irlbeck

Diese und weitere Bilder in höherer Auflösung gibt es auf flickr

Update

Ex-Michaeliburg
Der Ersatz für die alte Michaeliburg. Würdig? Nicht um die Burg! (28.04.2011) © Thomas Irlbeck

Die Michaeliburg ist Geschichte. Knapp zwei Jahre nach Beginn der Entkernung ist es an der Zeit, mal nachzuschauen, ob das alte Burg einen würdigen Nachfolger erhalten hat. Ich würde sagen, nein, auch wenn das subjektiv ist. Der neue Bau ist ein Allerweltsbau. Schade, dass das historische Gebäude, das dem Stadtteil den Namen gab, ein Opfer der Abrissbirne wurde.

3 Gedanken zu „Auf der Suche nach der Michaeliburg (Update)“

  1. Ich finde es ziemlich schwachsinnig, dass dieses Gebäude abgerissen wird…
    Erst der Landmarkt und jetzt…

    Dieser Neubau sieht einfach scheisse aus…
    Tja, damit ist wohl die Prachtgegend dahin…

    Aber ich dachte immer, dass diese kleine Kapelle die Michaeliburg gewesen wäre…

  2. Tja, es geht wohl ums liebe Geld. Würde man die Burg sanieren, dann kämen ein paar modernisierte Altbauwohnungen raus. Die Rendite bei 23 Neubauwohnungen dürfte ungleich höher sein. Aber wirklich schade um das Gebäude – schon einmal der historische Wert ist ganz klar vorhanden, schön ausschauen tut die Burg auch und was Besonderes ist das Gebäude ebenso.

  3. Sag mal, ich hab so ein Gefühl, dass sich Deutschland manchmal in Richtung Plattenbau-Einzelblocks geht…

    Da Gefallen mir schon reine Klötze besser, als ein kleinerer auf einem Größeren

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