Der nicht existente „Kiosk“ – oder wer „Gottfried Stutz“ ist

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Es gab mal Presseberichte, nach denen im neuen Neuperlacher Einkaufszentrum Life ein Kiosk integriert werden sollte, der auch außerhalb der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten geöffnet hat. Daraus ist aber offenbar nichts geworden. Dafür habe ich einen anderen „Kiosk“ aufgetrieben. Wer nicht gerade Teenager ist, sollte Polo Hofers „Kiosk“ eigentlich kennen (veröffentlicht unter dem Bandnamen „Rumpelstilz“). Es ist fast ein Welthit, zumindest im deutschsprachigen Raum ein Riesenhit, der es in der Schweizer Hitparade 1976 bis auf Platz 2 schaffte.

Es geht darum, dass alle einem das Geld aus der Tasche ziehen wollen. In dem nachträglich entstandenen, wohl nicht offiziellen Video tritt Peer Steinbrück folgerichtig als Geldeintreiber auf. In der deutschen Version singen und summen wir:

Leute, bin ich denn ein Kiosk?
Oder bin ich etwa
ne Bank?
Oder seh
ich aus wie ein Hotel?
Oder wie
n Kassenschrank?

Video auf YouTube anschauen – hier klicken

Ab dem dritten Refrain gesellt sich ein „Gottfried Stutz“ hinzu. Wir singen und summen nun abweichend:

Bin ich Gottfried Stutz ein Kiosk?
Oder bin ich etwa
ne Bank?
Oder seh
ich aus wie ein Hotel?
Oder wie
n Kassenschrank?

In der Bärndütschi Version, die wir hier im Video nicht zu Gehör kriegen, heißt es:

Bini Gottfried Stutz e Kiosk?
Oder bini öpe e Bank?
Oder gsehni us wie es Hotel?
Oder wie e Kasseschrank?

Aber wer ist dieser Gottfried Stutz? Es ist keine reale Gestalt wie der werte Herr Finanzminister, sondern eine fiktive Person, die als abmildernder Fluch Gebrauch findet und etwa „Gott verdammt“ bedeutet. Das alte Wort „stutz“ ist gleichbedeutend mit „heftig“. Heute erinnert noch das verwandte Wort „stoßen“ daran.

Bliebe noch zu klären, woher der „Kiosk“ kommt. Er stammt aus dem Persischen. Der „kusk“ ist ein „Pavillon“ oder „Gartenhaus“ und fand dann als „kösk“ (Gartenpavillon) Einzug ins Türkische und kam später als „kiosque“ (offener Gartenpavillon) ins Französische. Ganz schön international so ein Kiosk mit seiner internationalen Presse.

4 Gedanken zu „Der nicht existente „Kiosk“ – oder wer „Gottfried Stutz“ ist“

  1. Schon interressant, woher so manche Wörter im Deutschen kommen!
    Traurig finde ich aber die praktisch nicht vorhandene „Kioskkultur“ in München:
    Der Kiosk ums Eck, an dem man alles was man so braucht um jede Uhrzeit erwerben kann ist eine echte Ausnahme. Und das gerade in einer Stadt, die im Gegensatz zu Städten wie z.B. Köln unter dem restriktivsten Ladenschlußgesetz zu leiden hat.

  2. @Ralph: In der Fraunhoferstraße gibt es einen Kiosk, der 24 Stunden geöffnet hat. Zumindest hatte er dies noch, als ich letztes Mal dort war. Aber was bringt es, wenn man in einem anderen Stadtteil wohnt? Selbstverständlich ist die Kioskkultur in München ausbaufähig, um es milde auszudrücken. Die Tankstellen kompensieren hier viel, aber die Tankstelle vor meinem Haus wurde vor über einem Jahr abgerissen, jetzt habe ich keine fußläufige Einkaufsmöglichkeit mehr nach 20:00 und am Sonntag.

  3. Danke! Nach all den Jahren weiß ich nun, dass es „Gottfried Stutz“ heisst und warum. Ich kann mich noch erinnern, wie ich das Lied in den Siebzigern gehört hatte und eben diese Stelle überhaupt nicht verstand.

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