Wo bitte geht’s hier zum Hofbräuhaus? Vom Ansprechen auf der Straße

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Wohl jeder wird in bestimmten Abständen auf der Straße angesprochen. Während früher eher nach dem Weg gefragt wurde, darf man heute Feuer geben (als Nichtraucher), Zigaretten verteilen (ebenso als Nichtraucher) oder ein paar Cent fürs Telefonieren spendieren.

In der Innenstadt werde ich oft angesprochen. In Neuperlach kommt dies dagegen nicht so oft vor. Zu großzügig sind hier die Straßen und Wege angelegt, sodass man gar nicht so vielen Leuten begegnet. Das ist reine Statistik. Wenn ich in Neuperlach einen längeren Fußmarsch zurücklege, liegt die Wahrscheinlichkeit vielleicht bei 1 zu 20, angesprochen zu werden. Nach dem Weg gefragt zu werden, vielleicht bei 1 zu 100.

Entsprechend war ich skeptisch, heute Abend von zwei jungen Burschen an der Quiddestraße angesprochen zu werden. Beide sehen so aus, als würden sie gerne telefonieren und dabei rauchen. Doch erstaunlicherweise wollen sie nur wissen, wo es zur Tankstelle geht. Ich erkläre ihnen den Weg.

Keine Minute später hält eine Frau auf ihrem Fahrrad neben mir an. Jetzt aber stelle ich mich darauf an, mich für mein nicht vorhandenes Feuerzeug und die nicht vorhandenen Zigaretten entschuldigen zu müssen. Doch zu meiner großen Überraschung fragt die Frau, wo es hier zur Innenstadt gehe. Ich frage, wo in der Innenstadt sie genau hinwolle. Sie sagt, sie wäre die ganze Zeit den Karl-Marx-Ring entlanggefahren und würde aus Neuperlach nicht mehr herausfinden. Sie müsste nur wissen, wie sie in einen bestimmten Teil der Innenstadt komme, z.B. zum Marienplatz, an dem sie sich wieder auskennen würde. Von dort aus würde sie dann den weiteren Weg schon finden. Ich bin etwas irritiert. Die Innenstadt ist nicht mal so eben in ein paar Minuten mit dem Rad zu erreichen und erschwerend kommt dazu, dass die Dunkelheit schon langsam reinbricht. Auch ist die Frau weit jenseits der Vierziger und schafft auf ihrem Rad sicher nur noch 15 km/h Spitze. Bei dem Tempo braucht man bis zum Marienplatz schon mindestens 30, vielleicht auch 45 Minuten. Ich beschreibe ihr den Weg. Da die Frau eigentlich einen ganz vernünftigen Eindruck macht, lasse ich sie ziehen, es bleibt aber ein leicht ungutes Gefühl zurück.

Hofbräuhaus. Hieraus entspringt die Mutter aller Fragen, wann aber ist es endlich so weit? Foto: thisisboss / Lizenz siehe: flickr

Einmal sprach mich ein Mann an und erzählte mir die Geschichte vom Pferd. Und das auf Englisch! Er sei Koch und Ausländer und hätte seine Arbeitsstelle verloren, sein Geld, seine Ausweise und alles und überhaupt. Er bräuchte dringend Geld. Ich glaube ihm kein Wort und verweise auf Polizei und Konsulat.

Die schönsten und treffsichersten Wegbeschreibungen, die man geben kann, sind die in der Form „Sie stehen davor“. Was soll man hier schon falsch machen? Ich wurde vor einigen Jahren mal gefragt, wo der Landtag wäre. Die beiden orientierungslosen Damen standen unmittelbar vor dem Eingang des Maximilianeums. Diesen Sommer wurde ich von einer Gruppe Radfahrer nach der Großhesseloher Brücke gefragt. Die unwissende Truppe war wenige Meter vor der Großhesseloher Brücke und hatte unmittelbaren Blick darauf. Doch man kann auch hier Fehler begehen. Auf die richtige Betonung des „Sie stehen davor“ kommt es an. Es darf nicht überheblich oder belehrend klingen, es muss freundlich vorgetragen werden, mit etwas Humor in der Sprache, der ausdrücken will, ich habe auch schon einmal etwas nicht gefunden, obwohl ich schon davorstehe. Dazu muss die richtige Mimik aufgesetzt werden. So wie die Kleidung zu einem bestimmten Anlass passen muss, muss auch das Lächeln der Situation entsprechend justiert werden.

Es ist also gar nicht einfach, draußen herumzugehen, man muss auf alles vorbereitet sein. Vielleicht sollte ich das Rauchen anfangen, sodass ich auch Rauchern Feuer geben und schnorrenden Tabakfreunden mit Zigaretten aushelfen kann. Denn diese Fragen sind die am häufigsten gestellten. Andererseits ist Rauchen ungesund und es gibt immer weniger Raucher, sodass sich das Problem bald von selbst lösen dürfte. Diese Probleme sind mir am liebsten, man muss sie nur aussitzen und nichts unternehmen.

Eines Tages nehmen dann die Wegbeschreibungen wieder überhand. Angeblich wird ja ein Münchner am häufigsten gefragt, wo das Hoftbräuhaus sei. Hürlimann hat das mal in einer Karikatur umgesetzt, dass manche Münchner bereits einen Aufnäher am Ärmel des Mantel tragen, sodass sie den Arm nur noch in die richtige Position bringen müssen, um den vielen Touristen den Weg zu weisen. Doch irgendwas stimmt hier nicht, die Hofbräuhaus-Frage wurde mir noch nie gestellt. Dafür habe ich gelernt, dass die meisten Leute nach Trambahn und U-Bahn fragen. Am besten prägt man sich, gerade wenn mal wieder Großbaustellen sind, alle Umleitungen ein, damit man im Fall der Fälle Rede und Antwort stehen kann. Vor kurzem wurde ich gefragt, ob der 37er (eine Baustellentram) zum Romanplatz fahre. Ich dachte damals, schon wieder keine Hofbräuhaus-Frage. Na ja, wenn diese wirklich mal kommt, bin ich sicher so aus dem Hofbräuhäuschen, dass ich orientierungs- und ratlos auf andere Passanten verweisen muss.

Ein Gedanke zu „Wo bitte geht’s hier zum Hofbräuhaus? Vom Ansprechen auf der Straße“

  1. Wenn ich in letzter Zeit mal auf der Straße angesprochen wurde, erfolgte das vom Auto aus, um den Weg irgendwohin zu erfahren. Wenn ich kann, geb ich ja gern Auskunft. Manchmal ist mir das Erklären aber zu kompliziert. Dann sag ich, tut mir leid, ich bin selbst auch fremd hier. Ich denke, das kauft man mir dialektmäßig durchaus ab.☺
    Geschmeichelt fühle ich mich immer in Rom, wenn mich da verwirrte Touris -obwohl Stadtplan habend!- nach dem Weg fragen, weil ich nicht mit Stadtplan in der Hand und Kamera am Hals rumlaufe und offenbar so wirke, als wisse ich total Bescheid. Da kommt´s auch gern vor, daß Leute genau vor dem stehen, was sie suchen.☺

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