Marx-Zentrum: Zwangsversteigerung, Ladensterben, Substitutionspraxis

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Schreibwarengeschäft in der Max-Kolmsperger-Straße 11. Es ist eines der ältesten Geschäfte in Neuperlach überhaupt (13.02.2010) © Thomas Irlbeck

Das Neuperlacher Marx-Zentrum hat leider nicht den besten Ruf. Vieles ist in der Presse sicher negativer dargestellt, als es tatsächlich ist, aber gewisse Probleme lassen sich nicht leugnen.

Schon als kleiner Bub habe ich ab 1974 (!) im Marx-Zentrum-Schreibwarengeschäft eingekauft. Dieses eröffnete kurz nachdem ich ins Marx-Zentrum einzog. Hier hat sich halb Neuperlach eingedeckt, vor allem die Schüler des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, schon einmal deshalb, weil es nur wenig Alternativen gab. Das pep kam z.B. erst 1980 hinzu. Wer was Spezielleres brauchte, das nicht im Marx-Zentrum-Schreibwarengeschäft zu finden war, dem blieb nur eine Fahrt mit der Tram in die Innenstadt.

Nun wird das Ladengeschäft zwangsversteigert, der Eigentümer ist verschuldet. Die Zwangsversteigerung fand bereits statt, da aber niemand das geforderte Mindestgebot abgab, wird die Versteigerung nun mit reduziertem Mindestgebot wiederholt.

Der Laden hat im Erdgeschoss eine Nutzfläche von 82,22 m². Im Keller gibt es noch mal Lagerräume mit einer Nutzfläche von 66,75 m² dazu (13.02.2010) © Thomas Irlbeck

Im Exposé, das für das Amtsgericht München erstellt wurde, wird das Objekt in der Max-Kolmsperger-Straße 11 näher beschrieben. Hier wird das Objekt natürlich nicht werbewirksam abgebildet, sondern neutral dargestellt. So kommt man auch an den negativen Punkten nicht vorbei. Dabei heißt es:

Lagenachteile: durch soziale Randgruppen (Methadonpraxis in nächster Nähe; „flexible Jugendhilfe“)

Gemeint ist mit der „Methadonpraxis“ eine Allgemeinarztpraxis im Ärztehaus (Peschelanger 11), die übrigens seit einiger Zeit nicht mehr Methadon, sondern das verwandte Eptadon ausgibt, das laut einem an der Praxis ausgehängten Infoblatt eine Reihe von Vorteilen aufweist.

Der Zustand ist laut Exposé „gut bis mittel“, die Ausstattung eine „mittlere und zweckmäßige“.

Aber damit sind wir hier noch nicht am Ende mit den schlechten Nachrichten: Der NKD, der schon einmal eine Schließung ankündigte, dann aber wieder zurücknahm, schließt nun wohl tatsächlich. Am 19.03.2010 soll Schluss sein. Vorher findet noch eine „große Versteigerung“ statt.

NKD: Diese Filiale wird laut Aushang geschlossen (13.02.2010) © Thomas Irlbeck
Vorher kann man noch was ersteigern (13.02.2010) © Thomas Irlbeck

Einen bereits existierenden Leerstand gibt es im Peschelanger 8. Früher war hier mal über Jahrzehnte hinweg eine Reinigung zu finden, der Nachfolgeladen konnte sich nicht halten.

Leerstand im Peschelanger 8 (13.02.2010) © Thomas Irlbeck

11 Gedanken zu „Marx-Zentrum: Zwangsversteigerung, Ladensterben, Substitutionspraxis“

  1. Oha! Dann muß ich ja doch noch bald mal zu NKD, um ein paar geschmackvolle Textilien zu erwerben.:-)
    Ist die Estragon-Praxis in der 4.Etage? Da hängen oft so welche rum, die mir strange vorkommen.
    Marxzentrum find ich gut. Es darf nicht sterben!!

  2. *schluck* Dann sind das also echt Junkies auf meiner KG-Etage! Können die Leute nicht einfach saufen?? Ich find das schon ein bißchen gruselig, wenn ich da zur Krankengymnastik muß und da steht so´ne Gruselhorde im Korridor sabbernd vor der Praxistür nebenan. 🙁

  3. Traurig traurig… vorallem das Schreibwarengeschäft ich hab dort immer schöne Jugendfeuerwerksartikel das ganze Jahr über kaufen können…
    Und bezüglich des NKD’s na da schau ma a moi.

    Aber wieso kann diese Methadon Praxis nicht irgendwoanders hin, warum kann man diese Degeneratenjunkies nicht von den „Normalen“ Isolieren????

  4. Traurig traurig… vorallem das Schreibwarengeschäft ich hab dort immer schöne Jugendfeuerwerksartikel das ganze Jahr über kaufen können…

    Auch hier gilt abwarten. Von Schließung habe ich ja nichts geschrieben.

    Aber wieso kann diese Methadon Praxis nicht irgendwoanders hin, warum kann man diese Degeneratenjunkies nicht von den „Normalen“ Isolieren????

    Das Problem ist, dass die meisten Substitution unterstützen, aber bitte nicht vor der eigenen Haustüre. Also ist es schwer, einen neuen Ort zu finden, und das Problem wird nur verschoben. Natürlich könnte man so etwas im Spital durchführen (etwas im Klinikum Neuperlach), aber da gibt es wohl verwaltungsrechtliche Probleme, wie ich mal gehört habe. Vorgeschlagen wurde es jedenfalls mal. Aber auch neben den Spitälern befinden sich in unmittelbarer Nähe Wohnanlagen, auch dort wird man die Substitutionspatienten nicht haben wollen.

  5. @doro,
    also ich persönlich finde Deine millelalterliche Einstellung gegenüber Suchtkranken Menschen gruselig. Ich höre auch oft viele gruselige Taten von besoffenen Autofahrern die Leute totfahren. Ich weiß ja nicht was Du für eine Reha Du da machst aber vieleicht wurden für derlei medizinische Arbeiten wie auch bei den Suchtkranken angebliche Hexen verbrannt. Ist das nicht wirklich gruselig? Wenn Du schon im Internet surst tu Dir selber den Gefallen und nutze dieses doch einmal um Dich über Suchtkranke(auch Alkoholiker) von wegen“köönen die nicht einfach saufen?“ Ich kenne viele Suchtkranke. Auch viele Alkoholiker weil fast „jeder“ trinkt! Alle haben betrunken eine niedrige Hemmschwelle und sehr viele Betrunkene neigen zu Gewalt und Pöbelei. Bei anderen Suchtkranken eher weniger oft der Fall. Mach Dich doch Mal schlau. Internet und die Zeit was hier reinzutippen ,anscheinend ohne Info und Überlegung scheinst Du ja zu haben.
    David

  6. @David: Sei bitte nicht so fies zu mir! Ich bin gar nicht so schlimm, wie Du zu denken scheinst.
    P.S.: Zur Krankengym war ich wg. gebrochener Kniescheibe.

  7. liebe doro und alle anderen, die „Junkies“ verurteilen! Zunächst möchte ich sagen, das ich mich früher selber über solche leute lustig gemacht habe, hab auch nur ab und zu getrunken. Doch leider bin ich vor ca. zehn Jahren selber in die Sucht gerutscht und habe zum Schluß selbst Heroin konsumiert. Glaube mir es ist der Horror es bestimmt dein ganzes Leben und wenn du hoch dosiert bist ist ein kalter Entzug fast unmöglich und kann sogar tödlich enden. Zu deinem Kommentar „sabbernde Horde“ kann ich nur sagen nur unaufgeklärte Idioten denken so. Über 90 Prozent würden alles dafür tun um die Zeit zurück zu drehen und niemals dieses Teufelszeug angefasst hätten. Für viele ist es die einzige Chance ihrer Schule dem Studium oder Beruf nachzugehen. Du denkst fast den ganzen Tag daran und der körperliche Entzug ist nicht auszuhalten. Ich habe einen guten Schulabschluß, nen soliden Job und bin keineswegs ein sabbernder dummer Junkie. Habe eingesehen, dass es eine Krankheit ist die dich dein Leben lang begleitet (frag mal nen Arzt) Es kann sein dass du 20 Jahre stabil, nicht gesund bist also clean und dann packt dich mittendrin wieder der Suchtdruck und alles fängt von vorne an, bitte verurteile diese Menschen nicht wenn du keine Ahnung hast, informier dich. Und denk dran diese Menschen werden egal in welchem Alter sie anfangen bis zu ihrem tot von dieser Krankheit begleitet. Aber sauf lieber weil du wahrscheinlich so eine bist die jedes Wochenende zum Komasaufen gehst. Schau lieber wie dein Leben noch weitergeht auch wenn mal das Schicksal zuschlägt vielleicht wird ja, was ich nicht hoffe ein Alki? Aber trotzdem alles gute………

  8. @daniel u. david
    Ihr Lieben, hiermit bitte ich öffentlich um Verzeihung für die von mir geäußerten Junkie-Bemerkungen. Da ich keinen Drogensüchtigen persönlich kenne, waren die Leute vor der Methadon-Praxis für mich immer nur eine anonyme Menge, die mir Angst machte.
    Daniel, das Schicksal hat schon zugeschlagen: Ich habe Krebs. Vielleicht ist Dir das ein bißchen Genugtuung in Deinem Ärger. Dir auch alles Gute.

  9. @Doro und alle anderen, die so denken, wie Doro bisher dachte:

    Du hast ja nun um Verzeihung gebeten, von daher ist es völlig O.K. und hinsichtlich Deiner Krebserkrankung wünsche ich Dir alles Gute und vollständige Heilung. Ich möchte nur das eine nochmal allgemein aufgreifen, da diese Ansicht leider sehr weit verbreitet ist:

    Können die Leute nicht einfach saufen?? Ich find das schon ein bißchen gruselig,…

    …anonyme Menge, die mir Angst machte.

    Grund zur „Angst“ hätte man viel mehr und viel berechtigter, wenn es sich tatsächlich um „Säufer“ handeln würde, denn Alkohol schürt ein hohes Aggressionspotenzial und Alkoholabhängige „im akuten Rausch“ sind potenziell ungleich aggressiver als Opiatabhängige (im akuten Rausch). Zumal Subsituierte ja versuchen ihre Sucht mittels des Substituts (sei das nun Methadon/Eptadon, Polamidon, oder Buprenorphin –> Subutex / Suboxone) in den Griff zu bekommen, was vielen (es gibt natürlich auch Negativbeispiele, die das Substitut nur als „Grundnahrungsmittel“ ansehen und sich nebenbei noch alles reinhauen, was sie kriegen können, solange der Arzt das mitmacht) auch gelingt. Nur durch das Substitut sind diese Menschen in die Lage versetzt, normal am sozialen Leben teilzunehmen und ihrem Beruf/ihrer Arbeit nachzugehen. Man wundert sich teilweise, wer so alles substituiert wird: Da gibt es Rechtsanwälte, erfolgreiche Architekten, Berufsmusiker, Journalisten, Werbedesigner/-texter (gerade im kreativen der Werbebranche gibt es erstaunlich viele Heroinkonsumenten) und überhaupt Menschen, die im kreativen Bereich tätig sind. Da würde man -wenn man es nicht wüßte- nicht im Traum drauf kommen. Es sind also bei weitem nicht nur die „ungepflegten, abgetakelten Wracks“, die sich in irgendwelchen Ecken rumdrücken und täglich auf’s Neue vor der Substitutionspraxis stehen und drauf warten, dass die ihre Pforten öffnet. Der voll integrierte, arbeitende Substituierte bekommt in der Regel die sogenannte „7-days-take-home“, d.h. er/sie taucht nur 1 mal pro Woche in der Praxis auf und bekommt dort ein Betäubungsmittelrezept über 7 „Tagesdosen“ seines Substituts, welches er dann in der Apotheke einlöst und dann eigenverantwortlich sein Zeug über die Woche verteilt einnimmt. Diese Leute sind auch innerhalb der Praxis oft nicht mehr von „normalen“ Patienten zu unterscheiden, die sich halt Rezept für ein Grippemittel, oder was auch immer, abholen.

    1. Vielen Dank für den sehr sachlichen Beitrag. Es ist richtig, unter den Substitutionspatienten befinden sich auch Schlipsträger, denen man es nie ansehen würde, dass sie im Methadonprogramm sind. Ich bezeichne mich als weltoffen und tolerant. Entsprechend versuche ich, ohne Vorurteile an die Sache ranzugehen. Und mit den meisten Patienten gibt es auch absolut keine Schwierigkeiten. Es ist aber bedauerlich, dass es vor zwei Wochen zu dem Überfall auf die Substitutionspraxis, die mit räuberischer Erpressung gepaart war, gekommen ist. Da ausgerechnet ein Substitutionspatient der Täter war, schürt die Vorurteile wieder an. Man kann die Anwohner verstehen, die Angst haben. Aber was kann die Lösung sein? Eine Verlegung der Praxis verlagert das Problem. Ein Umzug in ein Spital ist wohl nicht möglich, da die Vorschriften dies nicht erlauben. Auch bei einer Substitution im Klinikum Neuperlach würden sich ja Wohnhäuser in unmittelbarer Umgebung befinden. Es wäre auch dann nur eine Verlagerung, aber eher keine Lösung.

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