Hanns-Seidel-Platz: Fußgängerzone light?

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Der Hanns-Seidel-Platz soll bekanntlich bebaut werden – Büros, Wohnungen, Läden, das Bürgerzentrum und mehr sollen entstehen. Seit rund schlappen 30 Jahren laufen bereits Gedankenspiele, wenn nicht sogar Planungen. Dumm nur, dass die vierspurige Thomas-Dehler-Straße zwischen dem Einkaufszentrum pep und dem Hanns-Seidel-Platz liegt. Ein Wechsel der Straßenseite bedeutet für den Bürger derzeit, auf das Knöpfchen der Fußgängerampel zu drücken und lange zu warten, bis das Ämpelchen für kurze Zeit Grün für die Fußgänger gibt, oder das Sperrengeschoss der U-Bahn zu benutzen (aber bitte nicht geradeaus durchlaufen, wenn man nicht im Besitz einer gültigen, gegebenenfalls entwerteten MVV-Fahrkarte ist, denn dabei passiert man einen Bereich, der eine solche voraussetzt, sondern per Slalom dem U-Bahn-Zugang ausweichen). In Zukunft werden noch viel mehr Leute die Thomas-Dehler-Straße überqueren, denn dann spielt sich das (kulturelle, Geschäfts- usw.) Leben nicht nur im pep und seinem Vorplatz ab, sondern auch im zunehmenden Maße auf dem Hanns-Seidel-Platz.

Der Bezirksausschuss möchte den Bereich am Hanns-Seidel-Platz komplett zur Fußgängerzone umbauen lassen, selbst die Busse müssten dann weichen. Die Zufahrt zum Busbahnhof wäre dann nur noch von östlicher Seite über die Fritz-Erler-Straße möglich. Für die Buslinien entstehen Umwege von rund 300 Metern.

Dem Planungsreferat der Stadt München gehen diese Pläne zu weit, das Verkehrsaufkommen des Individualverkehrs und der Buslinien sei zu hoch. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe (15.02.2010, Seite 57, Stadtausgabe). Daher macht die Behörde nun zwei eigene Vorschläge:

  • Rückbau der Thomas-Dehler-Straße zwischen Fritz-Schäffer-Straße und Von-Knoeringen-Straße (das ist der Bereich von Höhe der „Deutschen Rentenversicherung“ (früher: LVA) bis zum südlichsten Teil des Parkplatzes auf dem Hanns-Seidel-Platz) auf einen Fahrstreifen pro Richtung und Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h.
  • Sperrung der Thomas-Dehler-Straße auf Höhe des pep-Vorplatzes bis zum südlichen Teil des Marktplatzes. Der Bereich wird Fußgängerzone, eine Busspur verbleibt. Der übrige Teil der Thomas-Dehler-Straße wird auf einen Fahrstreifen pro Richtung zurückgebaut.

Das Planungsreferat präferiert die erste Variante, da die zweite Variante einen Lärmschutz für die Fritz-Erler-Straße und den Hanns-Seidel-Platz erforderlich machen würde.

Kommentar

Alle drei Vorschläge scheinen mir alles andere als ideal zu sein. Je nach Vorschlag ist die Querungsmöglichkeit der Thomas-Dehler-Straße weiterhin nicht optimal oder aber der Linienbus- und Individualverkehr werden zu stark behindert, gegebenenfalls erhöhen sich auch die Fahrzeiten der Linienbusse. Es müssen meines Erachtens auch innovative Lösungen einbezogen werden, die an einer völlig anderen Stelle ansetzen.

Denkbar ist eine überdachte Brücke, über die man z.B. vom ersten Stockwerk des pep auf den Hanns-Seidel-Platz wechseln kann und idealerweise dann direkt in eines der neuen Gebäude oder einen erhöht angelegten Vorplatz gelangt. Natürlich muss auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten alles gut erreichbar und lukrativ sein, etwa durch Belebung des östlichen Ende der Brücke durch gastronomische Betriebe und kulturelle Einrichtungen.

Alternativ zur überdachten Brücke wäre auch ein Überbauen der Thomas-Dehler-Straße denkbar, die Straße wird dabei erhalten, aber im Bereich des pep-Vorplatzes bebaut. Der Verkehr fließt dann durch eine Gebäudedurchfahrt. Das Gebäude selbst dient dann als komfortable Querungsmöglichkeit für Fußgänger und viel mehr, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wenn ohnehin der Hanns-Seidel-Platz im großen Stil bebaut wird, sollte so etwas „drin“ sein. Man kann auch ja mal ein wenig größer denken. Natürlich könnte die Statik hier ein Problem sein, wegen des darunter liegenden U-Bahntunnels, das muss auch alles berücksichtigt werden. Man sollte aber eine bessere Lösung als die bislang zur Diskussion stehenden Ideen realisieren können.

3 Gedanken zu „Hanns-Seidel-Platz: Fußgängerzone light?“

  1. Ich finde die Idee mit der Überbauung sehr gut -leider übersteigt sie aber wohl die Kreativität der Planer…..aber unabhängig hiervon halte ich einen Rückbau der heute sehr überdimensionierten Straße auf ein stadt- und menschenverträgliches Maß für sehr sinnvoll. Wenn nicht gerade Adventssamstag ist, ist das Aufkommen an Autos sehr übersichtlich und liegt deutlich unter anderen zweispurigen Straßen (z.B. Ismaninger Straße). Daher: das eine schließt das andere nicht aus, und nicht jeder will über Treppen oder Rolltreppen im Einkaufszentrum hochklettern, um drüben wieder runtergehen zu müssen. Mehr Urbanität würde aber diesen überdimensionierten Raum nicht schaden.
    Die Idee, auch die Busse umzuleiten, halte ich für bescheuert, der MetroBus 55 macht dann eine Neuperlacher Stadtrundfahrt.

    1. Da entscheidet das liebe Geld, das Grundstück ist eine Menge wert. Natürlich ist es um den Flohmarkt schade, vielleicht kann er bleiben, denn es wird weiter Freiflächen geben. Aber ganz ehrlich: Besonders schön ist die riesige Teerfläche auch nicht gerade. Für die Bebauung würde ich mir was anderes wünschen, von den Plänen bin ich nicht wirklich überzeugt.

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