Verbote, Tricksereien und Spielchen – Wie die Politik das Alkoholproblem bei Jugendlichen (nicht) angeht

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Eine nächtliche Schnapsverkaufseinrichtung, in der man nebenbei auch das Automobil betanken kann. Fließt hier bald gar nichts mehr? Foto: thomas mies / Lizenz siehe: flickr

Es ist kein Geheimnis, dass es speziell unter Jugendlichen ein großes Alkoholproblem gibt. Folge des exzessiven Trinkens sind oft Straftaten. Die Anzahl solcher alkoholbedingten Straftaten steigt seit Jahren an wie der Promillegehalt im Blut nach dem Griff zur Schnapsflasche. Da sich die Jugendlichen typischerweise nachts an Tankstellen den Stoff besorgen, um „vorzuglühen“, möchte die CSU am liebsten nach dem Vorbild Baden-Württembergs ein nächtliches Verkaufsverbot für hochprozentige Alkoholika (dort gibt es allerdings auch niederprozentige Alkoholika nachts nicht mehr zu kaufen, aber ein Bierverkaufsverbot in Bayern ist natürlich nicht denkbar, zu bedeutend ist der Gerstensaft im Land der Wiesn). Die CSU muss aber auf den liberalen Koalitionspartner Rücksicht nehmen, der das Vorhaben ablehnt. Die SPD meint, die Gunst der Stunde nutzen zu müssen, und bringt einen Gesetzentwurf für ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot im Bayerischen Landtag ein. Die CSU stimmt dagegen und der Gesetzentwurf wird abgelehnt.

Quelle: SPD scheitert bei Alkoholverkaufsverbot (inFranken.de) (Seite nicht mehr verfügbar)

15 % Rabatt verleiten zum Kauf der Zweit-Alkoholflasche (26.02.2010) © Thomas Irbeck (Handyfoto)

Im Endeffekt gibt es eine riesige Mehrheit im Parlament und dennoch wird das Gesetz abgelehnt. Das ist Politik, wie sie zu Verdruss führt. Meines Erachtens wollte die SPD die CSU nur vorführen nach dem Motto, ihr könntet kriegen, was ihr wollt, ihr dürft aber nicht. Nichtsdestotrotz bin ich entschieden gegen ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot, und zwar aus mehreren Gründen:

  • Es gefährdet Tankstellen, die vom Benzin- und Dieselverkauf alleine nicht leben können.
  • Die harten Alkoholika dürfen ohnehin nicht an Kinder und Jugendliche verkauft werden. Man sollte zunächst die Einhaltung des bestehenden Gesetzes überwachen, bevor man Erwachsenen verbietet, ein legales Produkt zu bestimmten Uhrzeiten zu kaufen.
  • Ein nächtliches Verkaufsverbot verleitet nur dazu, einen entsprechenden Vorrat anzulegen. Unter Umständen wird dann noch mehr getrunken als früher, weil immer ein paar Flaschen Schnaps auf Lager sind, während man früher vielleicht „nur“ eine Flasche nachts an der Tankstelle geholt und geleert hat.

So gesehen gefällt mir das Ergebnis, aber nicht, wie es zustande gekommen ist. Bei den ganzen Machtspielchen bleibt das eigentliche Thema auf der Strecke: Wie dämmt eine Gesellschaft das Alkoholproblem ein: durch Verbote, durch Aufklärung oder durch progressive Ideen? Das Alkoholverkaufsverbot, das auch Erwachsene trifft, ist nicht fortschrittlich, sondern ein rückständiges Mittel einer konservativen Verbotspolitik.

Ein Gedanke zu „Verbote, Tricksereien und Spielchen – Wie die Politik das Alkoholproblem bei Jugendlichen (nicht) angeht“

  1. An dieser Stelle muss ich zu diesem gelungenen Artikel gratulieren! Dem kann man eigentlich nichts mehr hinzufügen – außer der Hoffnung das sich die Machthaber solch gut ausgeführte Argumente einmal zu Herzen nehmen. Merci.

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