Vorboten eines Verbotsstaates

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In meinem  Lieblingsforum, dem Eisenbahnforum, kam die Forderung auf, nicht nur Zigarettenwerbung, sondern auch Alkoholwerbung einzuschränken bzw. zu verbieten.

Das ist eher Zigaretten-Antiwerbung, also erlaubt. Foto: tylerdurden1 / Lizenz siehe: flickr

Bei Zigarettenwerbung gibt es wenig zurückzuschrauben, sie ist faktisch fast nicht mehr existent. Übrig geblieben sind Plakatwerbung und mit Einschränkungen Kinowerbung. Und das auch nur, weil es die anderen EU-Staaten nicht tangiert, wenn ein paar Ersatzschnuller-Werbeplakate in der Bahnhofgasse von Tattenhausen hängen oder im örtlichen Lichtspielhaus ein paar Sargnägelspots über die Leinwand flimmern. Bei Zeitschriftenwerbung gestaltet sich das anders, da die gedruckten Blättchen ins Ausland wandern, damit der Malle-Rentner nicht auf seine konservativen Post von Wagner-Boulevard-Kommentare verzichten muss. Auch Fernsehen ist dank der Sputnik-Nachfolger zum grenzüberscheitenden Verblödungsritual geworden. Plakate und Kino sind Relikte einer einstmals lokalen Epoche und daher eine nationale Angelegenheit. Da ist kurzzeitig noch etwas erlaubt, was wo anders bereits längst illegal ist.

O.k., dann verbieten wir Alkoholwerbung, danach wird die McDonald’s-Werbung zur Satansbotschaft degradiert, später wird dann jegliche Form von Süßigkeiten oder von Salzwaren als Reklame-Tabu deklariert. Man muss den Bürger vor allem, was ungesund oder gefährlich ist, schützen (z.B. vor Burgern). Erst sagt man ihm nicht mehr, dass es das Zeug überhaupt gibt, danach darf es offen nicht mehr verkauft werden, sondern nur unter der Ladentheke nach Vorlage von Ausweis und Führungszeugnis, und danach landet nur noch Omas Biokost auf dem Teller. Für Risikosportartarten gibt’s eine spezielle Zusatzpolice, was aber nur ein Trick ist, um die Sportart später ganz mit einem Verbot zu versehen.

Das mag jetzt alles stark übertrieben sein, aber ich bin überzeugt davon, dass wir mit kleinen Schritten, aber stetig Richtung Verbotsstaat stiefeln – die EU arbeitet daran, die Bundesregierung ebenso, aber auch die Landesregierungen – speziell die Conservative Soziale Union.

Natürlich müssen gewisse Verbote sein, speziell da, wo der eigene (ungesunde, gefährliche) Konsum auch andere negativ tangiert. Daher unterstütze ich ein striktes Rauchverbot in der Gastronomie ohne Ausnahmen, lehne aber die meisten der anderen geplanten Verbote verschiedener Arten ab, z.B. das nächtliche Alkoholverkaufsverbot.

4 Gedanken zu „Vorboten eines Verbotsstaates“

  1. Schöner Beitrag.
    Ich gebe dir vollkommen recht. es wird schritt für schritt in diese richtung gehen.
    gestern habe ich über ein neues vorhaben gelesen, den täglichen wasserbedarf je person in der EU zu „begrenzen“.
    Gut, mag sein dass dieses gesetz irgendwas „gutes“ hat.

    früher waren es die ostblock staaten, die böse waren, die zensiert haben etc.
    (Zensur gibt es immernoch,keine frage).heute findet man das in den westlichen staaten immer mehr und mehr, mit
    dem unterschied, das es wehement abgestritten wird, von politik und medien, das dies so ist.
    Man berichtet über die Zensur in China, pläne die hier in D sowas vorsehen werden nicht als zensur bezeichnet, sondern als schutz gegen irgendwas.

  2. Werbung geht mir in jeder Form auf den …. Egal ob es sich um Tabak, Alkohol oder sonst irgend etwas handelt.

    Verbote oder Zensur (abgesehen von strafbarem Inhalt) empfinde ich als noch schlimmer als Werbung. Letztere kann ich zumindest ignorieren.

  3. Warum Du „Vorboten“ titelst ist mir nicht ganz klar.
    Ich habe bei uns immer das Gefühl, das wir schon mitten in einem „Verbotsstaat“ leben.
    Nich nur bei deinen Beispielen frage ich mich, warum uns Bürger die Politik für so dumm und naiv hält, dass sie uns vor uns selbst schützen muß.
    Wir sollen ferngehalten werden vor Drogen, vor den einen mehr vor den anderen weniger, wir haben Helme zu tragen und Gurte an zu legen und und und.
    Alles Dinge die in erster Linie uns selbst und nicht andere schützen.
    Was darüber hinaus noch so alles verboten ist, wie an Feiertagen zu tanzen, Sonntags vormitags sein Auto zu waschen oder schlicht seinen Landen zu öffnen, wann man will…
    Gut wir haben eine Demokratie und scheinbar will die Mehrheit das auch so?

  4. Warum Du „Vorboten“ titelst ist mir nicht ganz klar.

    Wortspiel.

    Gurte an zu legen

    Manche Verbote halte ich schon für sinnvoll wie die hier zitierte Gurtpflicht, da diese keinen so großen Eingriff darstellt, aber extrem effektiv ist.

    wie an Feiertagen zu tanzen, Sonntags vormitags sein Auto zu waschen oder schlicht seinen Landen zu öffnen, wann man will…

    Richtig, solche Verbote sind befremdlich. Hier geht es ja auch nicht mal um Sicherheit, sondern ausschließlich um den Sonntags- und Feiertagsschutz. Wenn ein Ladeninhaber in Bayern etwas werktags Abend um 20:05 verkauft, muss er für den Fall, dass er erwischt wird, ein saftiges Bußgeld zahlen. Hier geht es aber nicht mal um den Sonntagsschutz. Sondern um was eigentlich? Um Verbote und Gängelung.

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