Ampelkoalition für Fahrradfahrer

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Eine aussterbende Gattung: die Radampel. Foto: braunjaguar / Lizenz siehe: flickr

Praktisch waren sie, die alten Fahrradampeln. Tiefer angebracht als die Fußgängerampeln zeigten sie in Radfahrersichthöhe ihre Leuchtsignale, sodass man keine Verrenkungen machen musste, speziell wenn man auf dem Rennrad saß (oder eher lag?). Doch die praktischen Radampeln sind inzwischen weitgehend verschwunden. Stattdessen hat man nun meist die Fußgängerampeln mit einem zusätzlichen Symbol versehen, sodass diese neben einem Männchen auch ein Radsymbol zeigen.

Das Kopfheben ist aber nicht das eigentliche Ärgernis. Schlimmer wiegt, dass man gleich zwei Ampeln beachten muss, wenn die Querstraße einen Mittelstreifen hat, denn auf dem Mittelstreifen herrscht auch eine Ampel über den Verkehr. Entsprechend muss nun auf dem Mittelstreifen angehalten werden, falls die erste kombinierte Fußgänger-/Fahrradampel noch Grün zeigte, die Ampel auf dem Mittelstreifen aber inzwischen auf Rot umschaltete. Die Ampeln sind so konstruiert, dass ein Fußgänger bei normalem Schritttempo noch gut rüberkommt, wenn die Ampel in dem Moment auf Rot umschaltet, in dem die Straße betreten wird. Ein Radfahrer ist schneller, er bräuchte eine andere, tolerantere Signalisierung. Manche Mittelstreifen sind so schmal, kaum breiter als eine Radlänge, dass ein Radfahrer hier schon eine regelrechte Punktlandung hinlegen muss, um exakt auf dem Mittelstreifen zum Stehen zu kommen. Die Regelung provoziert Rotlichtverstöße, die früher keine gewesen wären.

Die neuen „Rad“-Ampeln setzen Radfahrer mit Fußgängern gleich (05.06.2010) © Thomas Irlbeck

Auch ist es ärgerlich, dass es manche Schaltungen gibt, bei denen man bei Grün losfährt und dann dennoch am Mittelstreifen bei Rot stoppen muss, obwohl der Querverkehr schon längst Rot hat. Zwar dauert die Pause nur ein paar Sekunden, aber ein Halt ist dennoch nicht schön, wenn man gerade ein wenig in Schwung gekommen ist. Auch solche Ampeln sind auf Fußgänger zugeschnitten. Bis diese den Mittelstreifen erreicht haben, zeigen sie Grün.

Daher will ich meine alten schönen Fahrradampeln zurück! Ich fordere eine Ampelkoalition für Fahrradfahrer.

5 Gedanken zu „Ampelkoalition für Fahrradfahrer“

  1. Sehr richtig, die Ampeln hatten schon ihren Sinn. Bedauerlicherweise sahen die Verantwortlichen die Sache nicht aus diesem Blickwinkel…
    Aber für diese Aktion wird man wohl erheblich weniger Menschen hinter dem Ofen hervorlocken können als mit einer Rauch-Verbot-Debatte – traurig aber wahr.

  2. Hallo,
    leider muss ich widersprechen: die Dinger sind gefährlich, weil viele Linksabbieger zu doof sind einzusehen, dass auch bei roten Fußgängerampeln noch Radfahrer überqueren können. Ist mir gestern erst wieder an der Heinrich-Wieland-Straße passiert 🙁
    Ulli

  3. @UlliStein: Ein interessanter Aspekt. Die Frage ist aber, ob dies der offizielle Grund für die Abschaffung ist. Radfahren ist ohnehin gefährlich, gerade auf dem Radweg. Autofahrer übersehen den Radweg nicht nur beim Rechtsabbiegen, mit dem Grünen Pfeil etwa gibt es zusätzliche Gefahr. So muss man beim Geradeausfahren bei Grün als Radfahrer nicht nur darauf achten, nicht vom Verkehr der Längsrichtung überfahren zu werden, sondern ist zusätzlich noch der Gefahr ausgesetzt, dass ein Autofahrer bei Rot legal rechts abbiegt und den Querverkehr-Radweg ignoriert (der Grün hat). Ich hatte hier selbst schon gefährliche Situationen. Mit dem Grünen Pfeil hat man ohne Not das Radfahren unsicherer gemacht.
    Generell: Bringt die Abschaffung von Radampeln wirklich Sicherheitsvorteile? Auch wenn die Fußgängerampel schon Rot hat, entbindet das niemand, noch zu schauen, ob da noch einer rüberläuft (oder rüberfährt).
    Ich glaube eher, dass die schwer einsehbaren Radwege, die auch von Fußgängern im Unterschied zur Fahrbahn ohne Respekt und ohne zu Schauen betreten werden, das eigentliche Problem sind. Generell fühle ich mich auf der Straße sicher. Dort werde ich tendenziell von allen Verkehrsteilnehmern besser gesehen und wahrgenommen. Per Linie abgetrennte Radfahrspuren auf der Fahrbahn rechts sind eine Möglichkeit. Auch sie haben natürlich eine Menge Nachteile und sind nicht „die“ Lösung.
    Generell würde mich der Grund für die Abschaffung interessieren: Sind es Kostengründe, ein Sicherheitsvorteil, andere Gründe oder Kombinationen daraus?

  4. Ein tolles Thema, hier könnte ich richtig in die Luft gehen…

    Mich würde wirklich interessieren wer, vermutlich aus Sparzwängen(?), auf die Idee gekommen ist, Radfahrer und Fußgänger gleich zu setzen.
    Wenn ich mit dam Fahrrad unterwegs bin liegt mein Tempo immer näher bei dem der KFZs als bei den Leuten auf Schusters Rappen – oft ist es dem der Autos ebenbürtig.
    Ich frage mich wie fiele Sekunden der Rotlichtübertretung einem Radfahrer wohl zugestanden werden (müssen) will man vom erlaubten Tempo 50km/h vernünftig und bequem zum Stillstand kommen?
    Genau die Zeit die Autofahrer als Gelbphase haben?
    Warum betreibt man überhaupt den Aufwand mit den neuen Scheiben in den Ampeln?
    Eigentlich ist klar geregelt, dass sich Menschen zu Fuß an die Ampel mit dem Männchen zu halten haben, alles was Räder hat an die andere – solange nicht irgendwer andere Ideen montiert.
    Im Übrigen kann ich nur zustimmen, auch ich finde Radwege grundsätzlich gefährlich und empfinde es immer als Hohn, wenn aus Gründen der Sicherheit unsere LH mal wieder Geld für einen Radweg hinausgeworfen hat.
    Ich hatte als Radfahrer noch nie eine Kollision mit einem PKW wenn ich auf der Straße unterwegs war, aber mindestens 20, darunter auch 4 schwere wenn ich auf dem Radweg fuhr.
    Das waren fast immer Abbieger, mal links, mal rechts und Situationen an Ausfahrten und ein Polizist, der aus einem VW- Bus sprang…

    Meine Konsequenz ist klar: Ich befahre keine Radwege mehr, und ist es, z.B. am Mittleren Ring, kaum sinnvoll durchführbar die normale Fahrbahn zu benutzen wähle ich eine Route ohne Radweg.

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