Die besten 3 Arten, Radfahrer zu ärgern – oder „Gute(r) Rad(politik) ist teuer“

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Vor kurzem berichtete Neuperlach.org über die Abschaffung der Fahrradampel. Fahrradfahrer werden damit den Fußgängern gleichgesetzt, da nun die ursprünglichen Fußgängerampeln mit kombinierten Fußgänger-/Radfahrer-Leuchtscheiben versehen werden. Ob die damit verbundenen Einschränkungen durch einen Sicherheitsgewinn kompensiert werden können, bleibt fraglich.

Radfahrer sehen sich aber auch ganz anderen Gängelungen und Problemen ausgesetzt. Sie sind, ohne es zu wissen, Teil eines Spiels mit dem Titel „Die besten 3 Arten, Radfahrer zu ärgern“.

Maßnahme 1: Die Anti-Radfahrer-Baustelle

Diese Maßnahme ist sehr beliebt und kommt bei Bauarbeiten aller Art zur Anwendung. Das Prinzip ist denkbar einfach: Mittels eines profanen Schildes zwingt man den Radfahrer zum Absteigen. Jetzt kann man den Radler quälen. Er hat nun seinen Drahtesel über eine möglichst lange Strecke zu schieben oder zu tragen. Den anderen Mitspielern (Autofahrer) mutet man dies nicht zu. Ich persönlich habe noch keine Baustelle gesehen, an der Autofahrer ihr Automobil schieben oder gar tragen mussten.

Maßnahme 2: Die 5-Minuten-Kreuzung

Und schon wieder heißt es schieben. Wollten wir nicht eigentlich fahren? (05.06.2010) © Thomas Irlbeck

Diese Maßnahme ist besonders effektiv, da sie eine Dauereinrichtung ist. Radfahrer haben sich ja daran gewöhnt, dass sie bei Kreuzungen, die sowohl beim Längs- als auch beim Querverkehr einen Radweg aufweisen, beim Linksabbiegen gleich bis zu zweimal bei Rot warten müssen. Linksabbiegeampeln sind den Autofahrern vorbehalten. Bei einem U-Turn muss man sogar bis zu dreimal warten. Aber wer macht schon einen U-Turn? Außerdem sind die Radfahrer viel zu schlau und schieben ihr Rad einfach auf der Fußgängerfurt über die Straße. Dann muss für einen U-Turn höchstens einmal gewartet werden, was übrigens völlig legal ist. Also muss was anderes her, um den Radfahrer zur Weißglut zu bringen. Die Spielerfinder hatten dabei eine geniale Idee. Wie wäre es, eine Kreuzung so zu konstruieren, dass beim Linksabbiegen gleich drei Ampeln zu beachten sind und ggf. separat gewartet werden muss (wenn man die Ampeln auf den Mittelinseln noch mitzählt (die Radampeln wurden ja abgeschafft), werden es noch entsprechend mehr).

Aber wie meistert man diese Herausforderung? Das geht doch gar nicht, oder? Doch mit viel Mühe und exzessiver Planungsarbeit gelang die Konstruktion einer solchen Kreuzung. Eigentlich ist es eine normale Kreuzung, bei der aber als zusätzliche Maßnahme der Radweg so geführt wird, dass er noch im Kreuzungsbereich endet, und zwar so, dass dieser noch eine überflüssige, schikanöse Kurve nach links macht (sodass der Radfahrer quasi doch einen U-Turn hinlegen muss), deren Ende dann von einer Ampel markiert wird.

Da dies ein wenig schwierig auszudrücken ist, soll eine Bildanleitung helfen:

Wir sind von links gekommen (haben gerade an der Ampel gewartet) und wollen nun geradeaus fahren, in Richtung des Hochhauses im Hintergrund. Dazu heißt es aber zunächst, ein zweites Mal an der Ampel zu warten (05.06.2010) © Thomas Irlbeck
Doch nun endet der Radweg dergestalt, dass man rechts auf die Fahrbahn abbiegen muss. Das wird einem durch ein weiteres (drittes) Warten an der Ampel versüßt. Wohlgemerkt ging es nur darum, an dieser Neuperlacher Kreuzung nach links abzubiegen! (05.06.2010) © Thomas Irlbeck

Schnell können bei ordnungsgemäßer Benutzung der Kreuzung 5 Minuten Wartezeit zusammenkommen. Vorbeidüsende Autos, welche der Linksabbiegespur folgen, dienen als weitere Maßnahme, den Radfahrer zu ärgern und Rotlichtverstöße zu provozieren.

Maßnahme 3: Der Plötzlich-da-Radweg

Da es viel zu einfach ist, entweder auf der Fahrbahn zu rollen oder auf dem baulich gut sichtbaren Radweg, haben sich die Spielerfinder für eine weitere Maßnahme entschieden. Diese besteht darin, Radwegabschnitte einzustreuen, die sich an den unmöglichsten und an besonders schwer einsehbaren Stellen befinden. Das Ziel liegt darin, den ortsunkundigen, zunächst auf der Fahrbahn rollenden Radler kaum eine Chance zu lassen, einen beginnenden Radweg rechtzeitig zu entdecken. Primär will man erreichen, dass er benutzungspflichtige Radwege entweder übersieht (und einen Verkehrsverstoß begeht) oder aber diese im allerletzten Moment entdeckt, sodass er zu einem sehr gefährlichen Abbiegemanöver genötigt wird (und damit ebenfalls einen Verkehrsverstoß begeht). Um noch ein wenig nachzutreten, sind diese Radwegstücke in aller Regel kurvig, zugeparkt und von spielenden Kindern belagert. Zudem weisen sie meist nur eine sehr geringe Länge auf, sodass ein Radfahrer, der gerade noch die Kurve (im wörtlichen Sinne) bekommen hat, sich nicht wirklich freuen kann, da es gleich wieder heißt, auf die Fahrbahn zurück zu müssen, freilich mit weiterem Gefährdungspotenzial, da er nun wieder eine Lücke im motorisierten Verkehr finden muss.

Auch dieser Radweg muss natürlich benutzt werden, aber wie? Foto: wolfgangs / Lizenz siehe: flickr

Es soll am Ende der Gedanke haften bleiben, dass es auf der Fahrbahn für die wenigen Meter viel sicherer gewesen wäre und man sich mehrere riskante Manöver erspart hätte (wenngleich dies nicht legal wäre). Das ist aber noch längst nicht alles, denn der Radfahrer soll ja richtig geärgert werden. Als besonderes Überraschungsmoment und ebenfalls extrem effektive Maßnahme beginnt daher nach wenigen Metern Fahrbahn erneut ein Radweg, der ebenso schlecht einsehbar ist und abermals die Eigenschaft eines „Un-Radweges“ hat. Ziel ist es, dass auch ein langsam fahrender, hochkonzentrierter Biker bei seiner Tour mindestens einen benutzungspflichtigen Radweg übersieht und somit wenigstens einen Verkehrsverstoß begeht.

Um nun keinen falschen Eindruck zu erwecken: München ist nicht die schlechteste Stadt für Radler. Man tut wirklich viel Positives für die Radfahrer. Allerdings scheinen die Städteplaner gelegentlich nicht „Mensch ärgere dich nicht!“ zu spielen, sondern „Mensch, ärgere den Radfahrer!“.

2 Gedanken zu „Die besten 3 Arten, Radfahrer zu ärgern – oder „Gute(r) Rad(politik) ist teuer““

  1. @Doro: Es ist mitunter schon nervig. Vor allem in der Innenstadt gibt es viele „Un-Radwege“. Wir haben es ja in einem Kommentar zu den Fahrradampeln gesehen, dass manche Radfahrer generell auf der Straße fahren, auch wenn dies nicht ganz legal ist, da die meisten Radwege einer Benutzungspflicht unterliegen.

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