Nix wie raus – Volksbegehren zum Ausstieg Bayerns läuft

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In unserem schönen Bayern wird ja bekanntlich kein Deutsch gesprochen, sondern Bairisch und auch ein wenig Türkisch, die zweite Landessprache. Ohnehin gehen in Bayern die Uhren anders, nicht nur beim Ladenschluss. Wir Eingeborenen gelten als gemütlich, aber auch als ein wenig stur. Wir trinken von früh morgens bis spät abends Bier, essen vor 12 Uhr unsere Weißwürste und abends unseren Schweinsbraten, granteln gerne und haben neben der fünften Jahreszeit, dem Fasching, auch eine sechste, die sich Wiesn nennt. Ein paar zusätzliche Feiertage sind auch im Kalender vermerkt. Es gibt in Bayern eine Staatspartei, die CSU, im Gegenzug ist die CDU verboten (nun ja, fast) und der größte bayerische Flughafen ist nach unserem geliebten, allmächtigen Landesvater Franz Josef Strauß benannt, der aus dem Jenseits weiterhin die Strippen zieht. In unserer Verfassung findet sich in Abschnitt 1, Artikel 1, Paragraph 1, der herrlich sentimentale Text: „Die Landesfarben sind Weiß und Blau“. Das steht nichts von Schwarz-Rot-Gold. Wir haben Semmeln, grüßen Gott statt unsere Mitmenschen, haben eine Landeshauptstadt (Minga), einen Staatsfunk (BR), eine eigene Hymne und sind ein Freistaat.

Ganz nebenbei schmeißen wir Bayern unser sauer verdientes Geld dem Rest der Republik in den Rachen, vor allem in die DeDeEr (die DDR gibt’s ja nicht mehr, daher diese Wortschöpfung), deren Bürger als Dank die Kommunisten wählen. Das geht doch so nicht! Zwar waren wir auch mal ein Nehmerland, aber das ist lange her, es ist also ganz formal verjährt.

Bavaria
Die Bavaria unter weiß-blauem Himmel. Foto: digital cat / Lizenz siehe: flickr

Also, nix wie raus. Das sagt die Bayernpartei zwar schon seit ihrer Gründung 1946, nun aber folgen den Worten endlich Taten. Bayern soll ein unabhängiger Staat werden, genauer eine „Republik Bayern“. Das bayerische Staatsoberhaupt soll vom bayerischen Volk gewählt werden. Lange müssen wir Bayern nicht mehr warten, denn das Volksbegehren „Freiheit für Bayern“ läuft bereits. Im ersten Schritt müssen 25.000 Unterschriften gesammelt werden, über 5.000 sind schon zusammengekommen.

Nun zu ein paar Kleinigkeiten, den notwendigen Änderungen der Bayerischen Verfassung. Der Entwurf zur Unabhängigkeit Bayerns liegt bereits vor:

Artikel 1:

Die Präambel wird wie folgt geändert:
Das Wort „deutschen“ wird gestrichen.

Artikel 2:

Art. 8 („Gleichstellung aller Deutschen“, der Verfasser) wird ersatzlos gestrichen (Anmerkung des Verfassers: Der Wortlaut ist „Alle deutschen Staatsangehörigen, die in Bayern ihren Wohnsitz haben, besitzen die gleichen Rechte und haben die gleichen Pflichten wie die bayerischen Staatsangehörigen.“)

Artikel 3:

Art. 131 Abs. 3 der Baye­rischen Verfassung wird wie folgt geändert:
Die Wörter: „und zum deutschen Volk“ werden gestrichen.

Artikel 4:

Art. 178 der wird wie folgt geändert:
Art. 178: Beitritt als unabhängiger Staat zu einem Europa der Regionen

(1) Bayern wird einem künftigen euro­päischen demokratischen Staa­tenbund beitreten. Er soll auf dem freiwilligen Zusam­men­schluss der europäischen Re­gionen beru­hen, deren staats­rechtliches Eigenleben und deren Selbstbestim­mung im Sinne des Subsidiaritäts­prinzips zu sichern ist.

(2) Bayern wird aus der Bundesre­publik Deutschland austreten. Die Staats­re­gie­rung wird ermächtigt, alle Schritte zu unternehmen, die zu die­sem Ziel notwen­dig sind, ins­besondere Verhandlungen hierüber mit den Ver­fas­sungs­organen der Bundes­republik Deutschland auf­zuneh­men. Das Nähe­re wird durch Gesetz geregelt.

Warum aber eine Republik und nicht gleich eine konstitutionelle Monarchie? Wir wollen unseren Kini zurück, notfalls nehmen wir auch unseren geliebten Franz Josef Strauß als Ersatzkönig und Markus Söder als Hofnarren.

9 Gedanken zu „Nix wie raus – Volksbegehren zum Ausstieg Bayerns läuft“

  1. Lustig ist das irgendwie schon, aber das wird trotzdem eine Utopie bleiben.
    Was passiert dann eigentlich mit den Franken? Die fordern ja bekanntlich die Abspaltung von Bayern…zumindest ein möglicherweise ebenso großer Kreis wie die Wählerschaft der Bayernpartei…Das würde hitzig werden. Vor allem für mich, einem waschechten Neuperlacher, wohnhaft in Nürnberg.
    Nun denn, dieses Luftschloss ist jedenfalls bedeutend größer als Neuschwanstein 😉

    1. Die 25.000 Unterschriften können durchaus erreicht werden, die nächste Stufe halte ich für unüberwindbar, da sich dann mindestens 10 % der Wahlberechtigten in den Rathäusern eintragen müssen. Die übernächste Stufe, sollte sie kommen, ist dann so gut wie unmöglich – mindestens 50 % Ja-Stimmen.

      Generell halte ich das Ganze für eine spinnerte Idee. Wenn man alles etwas nüchterner betrachtet, dürften die Risiken weit höher sein als die Chancen. Da wären die wohl immensen Kosten – Bayern bräuchte eine staatliche Infrastruktur, ggf. eine eigene Bahn, eigene Personalausweise und tausend weitere Dinge, die alle ein irres Geld kosten. Dann ist zu befürchten, dass die Kirchen weiter an Einfluss gewinnen, dass viele Dinge verboten werden, die heute erlaubt sind, dass Bayern ein sehr konservativer Staat wird usw.

      Die Presse ist bislang auch sehr zurückhaltend – soweit ich gesehen habe, haben bislang nur ein paar Regionalzeitungen über das Ganze berichtet.

      Zu Franken: Dieses könnte/soll in der Republik Bayern Autonomie bekommen.

  2. Zumindest will die Republik Bayern (warum nicht weiter Freistaat?) Mitglied der EU werden. Also ändert sich doch kaum was.

    Und mit 70.551 Km² Fläche ist Bayern größer als die Baltischen EU-Mitglieder und hat ein vielfaches an Einwohnern. Ich unterstelle mal, dass Bayern auch auch dem €uro-Währungsraum angehören werden will. Somit erhielte Bayern auch das Recht, eigene €uro Münzen heraus zu geben. Diese wären für Numismatiker sehr interessant und die Republik Bayern könnte sich eine goldene Nase daran verdienen, denn diese Münzen kämen gar nicht in den regulären Umlauf.

    Eine eigene Infrastruktur hat Bayern ja schon heute. Die Polizei ist ohnehin Ländersache und selbst das Rote Kreuz ist nicht ein Landesverband des DRK, sondern das BRK. Keine Probleme dürfte es auch mit den übrigen behördlichen Einrichtungen geben. Die bisherigen Zoll-, Finanz- und sonstwas Beamten des Bundes in Bayern werden baierische Staatsbeamte. Die bisherigen Bundesfernstraßen werden baierische Fernstraßen und die Schieneninfrastruktur und die in Bayern liegenden Teile der DB AG gehen auf die Königlich Bayrische Eisenbahn über. Als Staatoberhaupt kommt natürlich nur ein Blaublütiger mit dem entsprechenden Charisma in Frage. Einer mit „von und zu“ …. Und damit ist auch die Frage nach einer baierischen Armee geklärt.

    Schöne Grüße aus der ehemaligen preußischen Rheinprovinz.

  3. In der jetzigen Phase kann man nur unterschreiben, nicht abstimmen. Für das Sammeln der 25.000 Unterschriften gibt laut Gesetz es keine Frist, das Ganze scheint noch zu laufen. Es scheint aber kein wirkliches Interesse der Menschen in Bayern zu bestehen, sonst hätten ja mehr unterschrieben. Die Stände zum Unterschreiben waren (sind?) immer wieder an prominenten Stellen in den Städten zu finden. Dann aber kommen nur 7.000 Unterschriften zusammen?

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