Kabel und Liebe

Werbung

Kabel Erneuerung
Der Termin ist sehr wichtig, es geht um die Zukunft meines Kabelanschlusses! Quelle: Infozettel Kabel & Medien Service

Als ich in den frühen 1990er-Jahren meine schöne Wohnanlage in Neuperlach Nordost bezog, war ich in puncto TV und Radio arg enttäuscht. Eine marode Dachantenne musste als Ersatz für den früher gewohnten und geschätzten Kabelanschluss fungieren. Selbst ARD und ZDF waren je nach Wetterlage so stark gestört, dass das Bild zeitweise immer wieder völlig zusammenbrach. Die Radioprogramme der Privatsender waren grundsätzlich nur mit starkem Rauschen zu empfangen. Teilweise erreichte ich einen besseren Empfang, wenn ich das Antennenkabel mit dem Heizkörper verband. Auch eine Zimmerantenne brachte keine zufrieden stellenden Ergebnisse. So bewegte ich mich ins nächste Sat-TV-Geschäft. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, ob ich überhaupt als Laie eine Satellitenschüssel anbringen könnte. Der freundliche Verkäufer beruhigte mich, das ginge sogar ohne Kompass, meinte er. Ich müsste nur ungefähr wissen, wo der Satellit Astra steht und mich dann dem Bereich mit der höchsten Pegelanzeige annähern. Sobald dieser gefunden worden wäre, sollte ich die Schrauben anziehen. Tatsächlich war die Installation recht einfach. Ich brauchte nur den Computermonitor (der als Fernseher diente) etwas drehen, sodass ich von der Loggia aus das Receiver-Menü mit der Pegelanzeige sehen konnte.

Ärger mit der Hausverwaltung war nicht zu befürchten, da ich die Schüssel bodennah installierte und sie vor dem Haus nicht sichtbar war. Später kaufte ich mir eine hochwertigere Schüssel und noch später stellte ich auf Digital-TV um.

Inzwischen wurde endlich die altertümliche Dachantenne abgebaut und die Wohnanlage an das Kabel-TV-Netz angeschlossen. Doch es war zu spät, ich blieb beim Satellitenempfang. Das Programmangebot dort war immer viel größer, speziell im Radiobereich, wenngleich ich zumindest zeitweise auf einige Lokalsender verzichten musste. Inzwischen gibt es aber auch z.B. münchen.tv auf Satellit, sodass das Lokalprogramm-Argument kaum mehr Bedeutung hat.

Was den Kabelanschluss angeht, blieben die alten Anschlussdosen und Kabelstränge. Doch unmittelbar, nachdem ich den Artikel Sprung in der Schüssel veröffentlicht und damit das Thema Sat-TV versus Kabelanschluss gestreift hatte (das war etwa vor einer Woche), flatterte mir dieser Infozettel ins Haus:

Passt folglich zeitlich mal wieder. Das Kabelnetz wird also modernisiert. Es gibt neue Steckdosen, neue Leitungen und einen größeren Frequenzbereich, ebenso einen Rückkanal. Hochgeschwindigkeits-Internet sowie Telefonieren per Kabelanschluss werden möglich.

So ganz unerwartet kam das Ganze aber nicht. Im November wurde die Umrüstung auf der Eigentümerversammlung beschlossen. Ich hatte dafür gestimmt, obwohl ich den Kabelanschluss nicht nutze (oder fast nicht, ein UKW-Radio ist daran angeschlossen, aber selten in Betrieb), denn es ist nie schlecht, ein Backup und eine Ausweichmöglichkeit zu haben. Eine moderne Kabelanlage ist besser als eine technisch veraltete, auch wenn man sie momentan nicht wirklich in Gebrauch hat. Sollte ich also mal mit meinem Telefon- und Internetanbieter unzufrieden sein, habe ich eine zusätzliche Option. Ebenso, sollte ich eines Tages mit dem Satellitenangebot nicht mehr zufrieden sein. Denkbar ist auch, dass die Loggien irgendwann einmal verglast werden und im schlimmsten Fall das Ganze der optischen Einheit wegen per Eigentümerversammlung für alle zur Pflicht erklärt wird. Einen Vorschlag gab dazu schon einmal, als Argument wurde unter anderem genannt, dass ja Kinder von der Loggia fallen könnten. Die Lösung mit der Schüssel wäre dann nicht mehr praktikabel, allenfalls bei ständig geöffnetem Fenster wäre der Empfang noch möglich, ästhetisch wäre die Lösung dann aber nicht mehr. (Durch Glas werden die Signale vom Satelliten sehr stark gedämpft, sodass die Signalstärke nicht mehr ausreicht.) Wie auch immer, auch dann würde es sich auszahlen, dass das Netz umgerüstet wurde. Vielleicht gewinne ich das Kabel ja dann wieder lieb.

2 Gedanken zu „Kabel und Liebe“

  1. Mensch, selbst in Polen hat man seit ende der 90er Jahre schon Digitalfernsehen mit Riesen Programmauswahl.
    In Polen gibts aber so gut wie nur PayTV, außer man hat noch Analog-Terrestrisches Fernsehen, da gibts 6 Kanäle xD
    Jedoch ist der Preis zu verkraften.
    125PLN für Internet 20.000Mbit/s, Telefonflat Europa und USA sowie 100 Fernsehkanäle mit Digitaldecoder.
    Teils durch 4 und du hast den Preis.
    Und ja, das geht in nem Wohnblock aus den 50er Jahren.(meine erfahrung)
    Außerdem gibts in Polen HSDPA mit 20GB Trafficmenge, wovon man in DE nur Träumen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.