Schwarz schützt – oder „Der Alb[p]traum“

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Heute Nacht hatte ich einen Albtraum. Halb Neuperlach wurde im Zuge einer Stadtverschönerung abgerissen. Das Marx-Zentrum und meine Wohnanlage blieben stehen. Angeblich durften sie das, weil es sich um Eigentumswohnungen handeln würde. Rein optisch betrachtet haben die schwarz gekachelten Häuser sicher keine Daseinsberechtigung.

Fassungslos stolperte ich in der Umgebung herum. Überall lagen Betonbrocken herum. Die Arbeiter hatten ganze Arbeit geleistet, nun ja, sie heißen ja auch so. Träume sind ja bekanntlich selten logisch, so fehlten Bauzäune und weitere Sicherungsmaßnahmen. Im Traum ist eben alles möglich, auch das eigentlich Unmögliche, das Undenkbare. Was aber ist real? Ein Blick heute früh aus dem Fenster brachte Erleichterung. Neuperlach steht.

„Albtraum“ hat übrigens nichts mit den Alpen zu tun, daher empfiehlt der DUDEN seit der Rechtschreibreform die Schreibweise „Albtraum“ , welche die frühere Schreibweise „Alptraum“ mehr oder weniger ablöst. Mehr oder weniger, da die alte Schreibweise noch zulässig ist.

Es sind die „Alben“, welche dem Albtraum seinen Namen geben. Hier darf man aber nicht an Alben im Sinne von „Briefmarkenalbum“ denken. Vielmehr ist „Alben“ eine andere Bezeichnung für Elfen (auch: „Elben“, wodurch die sprachliche Verwandtschaft zwischen Alben und Elfen deutlich wird), und eben diese Alben waren in der germanischen Mythologie für Träume zuständig. Noch genauer sind es die „Nachtalben. Ein Nachtalb,auch „Mahr“ genannt, ist ein kleines schwarzes Wesen, das schlafende Menschen und Haustiere anfällt, manchmal auch Sachen. (Und ganz selten haben es diese Wesen wohl auf Hochhäuser abgesehen, solange sie nicht wie sie selbst schwarz sind, denn dann gibt es offenbar Gruppenschutz.) Der Mahr findet sich auch im englischen Ausdruck „nightmare“ für „Albtraum“ wieder. Etymologisch ist der Mahr mit der Kikimora, verwandt, eine alte heidnische Gottheit, die später zu einem Poltergeist umgewidmet wurde. Der Kikimora liegt wiederum die „Mokosch“ zugrunde, eine slawische Gottheit, die für Fruchtbarkeit, Weiblichkeit und den Schutz der Schafe und des Spinnens und Webens steht. „Mokosch“ wurde aus „mok“ für „feucht‘ abgeleitet, sodass sie die „feuchte Mutter Erde“ verkörpert. Das beruhigt doch dann etwas, auch nach dem schlimmsten Albtraum. Dass sich auch im Deutschen wieder eine sprachliche, wenngleich wenig schmeichelhafte Verwandtschaft findet, der „Moder“, tut dem keinen Abbruch.

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