Schwarze Bilanz: Immer mehr Schwarzfahrer – immer mehr Strafanzeigen

Werbung

Immer mehr Münchner fahren mit dem MVV schwarz und immer mehr erhalten deswegen eine Strafanzeige. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe. Die Zahl der Strafanzeigen ist innerhalb eines Jahres um 84,4 % gestiegen. Wird man das dritte Mal beim Schwarzfahren erwischt, gibt es eine Strafanzeige, in speziellen Fällen sogar schon beim ersten Mal, z.B. wenn man eine falsche Identität angibt oder einen gefälschten Fahrschein vorzeigt. Die Strafanzeige bedeutet eine empfindliche Geldstrafe oder Haft bis zu einem Jahr.

Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer hält wenig davon, jungen Leuten nach einer Schwarzfahrt „erste Kontakte zum Strafrecht zu verschaffen“, fordert aber eine Erhöhung des Erhöhten Beförderungsentgelts von 40 auf 60 EUR. Die MVG ist aber nicht befugt, diese Steigerung vorzunehmen, hier muss der Bundesverkehrsminister mit den Bundesländern verhandeln.

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 18.05.2011, Seite R4, Stadtausgabe

Tram 27
Immer mehr Münchner zahlen nicht für die Fahrt in diesem herrlichen Trämli (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Kommentar

Die MVV-Blitzer sind übrigens für die Zunahme der Beförderungserschleichungsrate kaum verantwortlich. Denn die Statistik bezieht sich auf die Jahre 2009 und 2010, die Blitzwarner sind aber ein ganz neuer Trend.

Was kann man tun? Wären 60 EUR überhaupt abschreckend? Doch wohl kaum!?

5 Gedanken zu „Schwarze Bilanz: Immer mehr Schwarzfahrer – immer mehr Strafanzeigen“

  1. Ich halte von einer strafrechtlichen Verfolgung überhaupt nichts. § 265a sollte äußerst restriktiv eingesetzt werde, da die Strafjustiz mit wichtigeren Dingen hoffnungslos beschäftigt sein sollte – und eh übgerlastet ist.
    Zum Ausgleich bin ich freilich für eine drastische Erhöhung des erhöheten Beforderungsentgelts ab der 2. Schwarzfahrt. Freilich wäre dadurch wiederum mit vermehrten Einsprüchen zu rechnen und die Sache landete letztlich wieder vor Gericht.
    Wie man es dreht und wendet…..

  2. Oh oh, da ist aber die „Bilanz“ ziemlich gefälscht. Grund: es werden nicht die Zahl der Schwarzfahrten angegeben, sondern die Zahl der Strafanzeigen. Und 2010 war das erste Jahr, an dem konsequent alle zwölf Monate nach der dritten Schwarzfahrt eine Strafanzeige gestellt wurde.

    Meine Behauptung: die Zahl der Schwarzfahrten ist gleich hoch geblieben. Leider wird man hierfür keine Statistik bekommen, da sie der jetzigen Veröffentlichung entgegen laufen würde.

    1. Die Zahl der Schwarzfahrer selbst ist laut Artikel auch gestiegen, aber nur leicht. Eine Prozentzahl wurde nicht genannt.
      Um Verfälschungen bei der sinngemäßen Wiedergabe zu vermeiden, das Originalzitat:

      Die MVG bestätigte auf Anfrage eine leicht ansteigende Zahl ticketloser Fahrgäste […]

  3. Nun, in Amsterdam beispielsweise, kommt man beim Einstieg in die Tram nicht darum herum, seine Fahrkarte vorzuzeigen. Hier sind nämlich Verkaufs- und Kontrollschalter installiert. Auch in der Metropolregion Nürnberg wird jeder der in den Bus einsteigt automatisch vom Fahrer kontrolliert. Sporadische Kontrollen finden dennoch statt, gerade in der U-Bahn, wo ein solches Verfahren nicht so einfach zu realisieren ist.
    Anstatt die Bußgelder zu erhöhen und mit Strafanzeigen zu drohen, sollte man lieber für stetige Kontrollen sorgen. Kontrollen denen sich der Fahrgast möglichst nicht entziehen kann, und die mit einem Minimum an Personalaufwand verbunden sind.
    Soweit ich gehört habe, gibt es z.B. in der Moskauer U-Bahn Schranken, die nur mit einem gültigen Fahrausweis passiert werden können. Da manchmal auch noch zusätzliches Personal anwesend ist, kann man diese nicht einfach übergehen oder überspringen. Auch „ehrliche“ sprich zahlende Kunden haben ein Auge darauf, da man ja nicht übervorteilt werden möchte.
    Ich denke das derlei Lösungen auf die Dauer durchaus günstigere Alternativen wären, und da es bereits in anderen Ländern erprobt und scheinbar für tauglich befunden wurde, wäre es auch zeitgemäß. Die derzeitigen Maßnahmen mit Bußgeld und Strafverfolgung haben m.E. wenig „erzieherischen Effekt“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.