Sprachliche Achterbahnfahrt

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In meinem Haus werden neue Fahrstühle eingebaut. So weit ist alles in Ordnung. Sprachlich gestaltet sich das aber eher wie eine Achterbahnfahrt.

Benützung

Zunächst ist klar, dass Hinz und Kunz erst dann den neuen Fahrstuhl verwenden dürfen, wenn der TÜV diesen abgenommen hat. So gesehen ist erst einmal die „Benützung verboten“:

Benützung
"Benützung" verboten. Der Fahrstuhl wird übrigens komplett erneuert, auch wenn hier "gewartet" steht (24.05.2011) © Thomas Irlbeck

Aber heißt es wirklich „Benützung“? Doch eher „Benutzung“, ein Umlaut gespart. „Benützung“ ist eher österreichisch. Die Fahrstuhlfirma ist aber keine österreichische, sondern eine deutsche. Aber egal, es versteht jeder, was gemeint ist.

Rücksendung-Aufzug

Im Erdgeschoss gibt es einen Alarmknopf für den Fahrstuhl. Für alle Fälle. Doch auf dem Alarmknopf steht „Rücksendung-Aufzug“. Das klingt ein wenig, als würde man beim Otto-Versand oder was weiß ich eine nicht passende Jacke zurücksenden:

Rücksendung Aufzug
"Rücksendung-Aufzug" (24.05.2011) © Thomas Irlbeck

Doch eine Kurzrecherche ergab, dass der Begriff in diesem Zusammenhang wohl nicht unüblich ist. Aber versteht das der Normalbürger?

Anholer

Nun wird es körperlich anstrengend. Per lapidarem Schreiben, das an allen erdenklichen Stellen im Haus herumhängt, wird mitgeteilt, dass beide Fahrstühle demnächst an einem Tag für vier Stunden außer Betrieb sind. Am Vormittag. Das bedeutet Treppensteigen. Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen ist das weniger toll, auch wenn es nur bis zu läppischen zehn Etagen sind, die zu bewältigen sind.

Es heißt „Wegen Einbau der neuen Anholer sind beide Aufzüge am … von 8.00 – 12.00 außer Betrieb“:

Anholer
Einbau der "Anholer" (24-06.2011) © Thomas Irlbeck

Aber was sind eigentlich Anholer? Vielleicht soll es ja auch „Abholer“ heißen, „n“ und „b“ liegen auf der Tastatur auffällig nahe beieinander. Doch falsch gedacht, eine Recherche ergab, dass „Anholer“ durchaus im gewissen Umfang verbreitet ist. Es sind einfach die Fahrstuhl-Tableaus gemeint, also die Bedieneinheiten in den Stockwerken, bei denen man einen Knopf drückt, damit der Fahrstuhl „geholt“ wird:

Fahrstuhl-Tableau
Fahrstuhl-Tableau. Das, was nicht mehr funktioniert, ist zugeklebt. Bald kommen die Teile ganz raus (02.05.2011) © Thomas Irlbeck

Auch hier fragt man sich, weiß da ein Normalsterblicher, was mit „Anholer“ gemeint ist? So, Schluss für heute. Ich gehe jetzt Nachschub für den Kühlschrank „anholen“.

3 Gedanken zu „Sprachliche Achterbahnfahrt“

  1. Im Krhs. Perlach ist am Fahrstuhl das übliche Schild „Aufzug im Brandfall nicht benutzen“. Da hat irgendwer mit Edding „benützen“ draus gemacht.

    1. In einem U-Bahnhof, ich glaube Neuperlach Zentrum, wurde per Stift aus dem „Pumpen-Raum“ der „Pümpen-Raum“. Im U-Bahnhof Innsbrucker Ring haben sie aus dem Schild mit dem U-Bahn-Kürzel „IR“ das Kürzel „IRL“ gemacht. In flickr gibt es sogar eine Gruppe für solch modifizierte Schilder: Altered Signs 😀 Der Hammer!

  2. In S-H gibt es im Kreis Plön ein Kaff namens Schlesen. Ich hätt das so gern mal per Stift zu Schlesien gemacht, aber mein Mütterlein ließ mich nie. Hätt ich witzig gefunden. Die Schlesener wahrscheinlich eher nicht.;-)

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