Der Ebersberger Forst, die Kapelle und die weiße Frau – Mystische Orte (Teil 6)

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Ebersberg Panorama
Panorama vom Aussichtsturm auf der Ebersberger Ludwigshöhe. Foto: Riddance77 / Lizenz siehe: Wikipedia
Wappen des Landkreises Ebersberg
Wappen des Landkreises Ebersberg. Die grüne Tanne versinnbildlicht den ausgedehnten Ebersberger Forst. Lizenz: Public Domain

Auf der Suche nach mystischen Orten in Perlach klingt ein Bericht über Ebersberg äußerst gewagt, denn Ebersberg kann nun wirklich nicht mehr zu Perlach gerechnet werden. Dennoch gibt es Verbindungen. Der erste Teil des Namens Perlach bedeutet entweder (Braun)-Bär oder aber Eber, also Saubär. Beide Theorien sind gleichwertig verbreitet. Zumindest im letzteren Fall gibt es eine große begriffliche Übereinstimmung, denn Ebersberg ist schlicht und ergreifend nach dem Eber benannt, der sogar seinen Weg ins Stadtwappen gefunden hat. Noch kommt dazu, dass Ebersberg die nächste Kreisstadt ist, die sich dem Münchner Osten anschließt. Bereits kurz hinter der Stadtgrenze und dem an dieser Stelle schmalen Landkreis München, hinter Haar, beginnt der Landkreis Ebersberg. Bis zum ersten Punkt im Landkreis Ebersberg ist es daher auch von Perlach kaum mehr als ein Katzensprung.

Eine gewisse räumliche Distanz zu Ebersberg (immerhin ist die Stadt Ebersberg Endpunkt der S-Bahnlinie 4 Ost und liegt vom Münchner Zentrum aus gerechnet 33 km entfernt) kann man dennoch nicht wegdiskutieren. Dafür ist die Gegend, im Besonderen der Ebersberger Forst, besonders reich an mystischen und besonderen Plätzen. Es gibt einen Aussichtsturm, eine legendenumwobene Kapelle, weitere Kapellen, einen Aussichtsturm, einen Skilift, Hügelgräber, Wildgehege, einen Walderlebnispfad, ein Museum, Forsthäuser und das vielleicht wichtigste: Waldgaststätten.

Mit 90 km2 ist der Ebersberger Forst eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. 50 km2 sind davon als Wildpark eingezäunt. Laut Hinweistafel soll dies den „Waldbesuchern ein natürliches Erleben von Wild […] ermöglichen“. Vor dem Füttern von Wildschweinen wird aber gewarnt.

Eine Besonderheit sind die Eingangstore, die den Wildpark absichern und vom Besucher zu öffnen und schließen sind. Sie sind zusätzlich mit einer Kette, die einzuhaken ist, gesichert. Die Straßen, die direkt durch den eigentlichen Wildpark führen, sind ungeteert und größtenteils für den Kfz-Verkehr gesperrt. Eine von wenigen Ausnahmen ist die Straße, die von Ebersberg am Forsthaus St. Hubertus, das als Waldgaststätte fungiert, vorbei und weiter Richtung Westen nach Obelfing führt. Diese darf von jedermann mit dem Kfz befahren werden. Zum Radfahren geeignet sind die meisten Straßen und Wege, und für Wanderer finden sich selbstverständlich viele weitere Routen.

Die Atmosphäre im Wald ist eine ganz besondere. Das Gelände ist hüglig und wegen der immensen Größe begegnet man kaum anderen Menschen. Und man wird verwöhnt mit besonderen Orten. Aber der Reihe nach. Zunächst einmal gilt es anzufahren.

Der Gedenkstein des Josef Garnreiter

Gedenkstein Josef Garnreiter
Ein schreckliches Verbrechen an dieser Stelle ist ein unheimlicher Einstieg in den Ebersberger Forst. Näher dran am Gedenkstein: Was hier geschrieben steht, lässt den Schluss zu, dass die Zeiten damals offenbar auch nicht sicherer waren als heute (30.05.2011) © Thomas Irlbeck
Garnreiter, Werner Schatz
Stein mit restaurierter Inschrift (22.06.2016). Foto: Werner Schatz

Kurz vor Ebersberg, schon in Sichtweise des Aussichtsturms, wird man durch einen Gedenkstein an die Endlichkeit des Lebens und die Brutalität auf offener Straße erinnert.

Die Inschrift (das Bild links zeigt, dass die Inschrift nach einer Restauration wieder optimal lesbar ist) lautet folgendermaßen:

„An dieser Stelle wurde am 12. Mai 1841 der tugendsame Jüngling Josef Garnreiter, Hofwirtssohn v. Ebersberg, in seinem 21. Lebensjahr ermordet und beraubt. R.I.P.“

Die Kapelle und die weiße Frau

Hubertus-Kapelle
Die Hubertus-Kapelle. Links vom Betrachter (im Bild nicht zu sehen) findet sich der eingezäunte Wildpark (30.05.2011) © Thomas Irlbeck

Die (geteerte) Staatsstraße 2080 führt von Ebersberg Richtung Markt Schwaben durch den Ebersberger Forst. Sie läuft zwar außerhalb des Wildparks, der Zaun zum Wildpark und unzählige Eingänge zum diesem befinden sich direkt neben der Straße. Eine besondere Beachtung soll einer Kapelle geschenkt werden, die an dieser Straße, mitten im Ebersberger Forst, steht.

Der Legende nach soll sich in der Nähe der Kapelle ein schrecklicher Verkehrsunfall ereignet haben. Dabei soll eine Frau angefahren und sterbend vom unfallverursachenden Autofahrer zurückgelassen worden sein. Der Fahrer konnte nie ermittelt werden. Seitdem brennt angeblich in manchen kalten Nächten in oder in der Nähe der Kapelle ein merkwürdiges Licht, und es soll eine Frau mit weißem Gewand an der Straße erscheinen. Es wird empfohlen, anzuhalten und die Frau ein Stück mitzunehmen. Wer dies nicht macht, dem soll die Frau ins Steuer greifen und einen Unfall provozieren. In diesem Fall soll die weiße Frau auf einmal auf der Rückbank auftauchen. Den Erzählungen nach ist die Frau bis heute auf der Suche nach dem Unfallfahrer. Zuvorkommende Autofahrer, die die Frau mitnehmen, werden dagegen belohnt. Die Frau verschwindet dann nach einiger Zeit ganz von selbst. Man muss also nicht noch mal anhalten und sich von ihr mit viel Blabla verabschieden. Wie praktisch, auch Geister können einem die lästige Etikette abnehmen.

Hubertus-Kapelle
Hubertus-Kapelle. Spukt es hier? (30.05.2011) © Thomas Irlbeck
Hubertus-Kapelle
In der Hubertus-Kapelle. Neben Spuk scheint sich aber hier noch viel mehr Unerklärliches abzuspielen. Die abgestellte Krücke deutet jedenfalls auf eine Wunderheilung hin. Vielleicht gehört sie ja auch der weißen Frau, die nach dem Unfall auf die Gehhilfe angewiesen ist (30.05.2011) © Thomas Irlbeck

Die Erzählungen variieren stark im Detail. Der Unfall soll sich einigen Berichten nach um 1990 herum ereignet haben, andere Darstellungen sind hier unschärfer. Doch in den Archiven findet sich kein Zeitungs- oder Polizeibericht, der nur annähernd zu der Geschichte passt. Man darf also bereits den Unfall selbst infrage stellen. Dokumentiert ist lediglich eine deutlich erhöhte Unfallzahl in Nähe der Kapelle, obwohl die Straße gut ausgebaut und relativ gerade verläuft. Berichte über Lichter am Straßenrand gibt es aber zweifellos. Als Erklärungsversuch kommen unter anderem Irrlichter infrage, die in Waldmooren entstehen. Aber auch schlichte Reflektionen von Autoscheinwerfern auf Blättern können die Ursache sein. Hinzu kommt, dass durch die variierenden Schauergeschichten, die in der Umgebung die Runde machen, die Leute sehen, was sie sehen wollen oder zu sehen befürchten. In den letzten Jahren sind die Unfallzahlen jedenfalls zurückgegangen. Offenbar verlässt den Geist die Zuversicht, noch fündig zu werden. So stellt sich wohl eine gewisse Müdigkeit ein. Aber können Geister wirklich an chronischer Erschöpfung leiden? Es gibt hier noch viel zu forschen.

Forsthaus Diana

Forsthaus Diana
Das Forsthaus Diana mit seinen markanten Staffelgiebeln (30.05.2011) © Thomas Irlbeck

Zum Abschluss soll noch ein sehr schönes Gebäude vorgestellt werden, das Forsthaus Diana. Im Forsthaus Diana, mitten im tiefen Wald, arbeitet einer der letzten Köhler Bayerns, wohl der letzte in Oberbayern, und verkauft seine Grillkohle. Das Gebäude wurde 1854 erbaut und steht unter Denkmalschutz. Hinter dem Gebäude gibt es einen Schießstand.

Weitere Orte

Der Ebersberger Forst bietet noch viele weitere mystische Stätten, die man alle an einem Tag kaum besuchen kann und die am Artikelanfang nur kurz erwähnt wurden. Vielleicht finden sie mal Erwähnung in einem weiteren Teil.

Anfahrt

Mit der S4 gelangt man recht bequem nach Ebersberg. Die Wege zum und im Ebersberger Forst sind gut ausgeschildert. Wer mit dem Rad anfahren will, fährt auf der Wasserburger Landstraße Richtung Ost und folgt den Hinweisschildern. Man fährt fast ausschließlich auf Radwegen und verkehrsarmen Nebenstraßen.

4 Gedanken zu „Der Ebersberger Forst, die Kapelle und die weiße Frau – Mystische Orte (Teil 6)“

  1. Mystisches beeindruckt mich nicht sonderlich. Mir sagte mal ein Geisterbeschwörer, die Geister hätten „Angst“ vor mir. Tatsächlich klappte ein Experiment nach meinem Rückzug – zumindest nach den Berichten des Beschwörers und der „Gläubigen“.

    Dennoch finde ich den Betrag sehr informativ. Auch ohne Geisterbeschwörung scheint der Ebersberger Forst ein lohnendes Ausflugsziel zu sein.

  2. Ich bin beeindruckt!
    Daß Ebersberg so viele interessante und – im wahrsten Sinne des Wortes – wundervolle Geschichten bereithält, war mir bis dato noch nicht bekannt. Ich werde beizeiten mal einen Ausflug dorthin unternehmen.

  3. Ich muss allen ernstes mal dieser Frau begegnen !
    ich bin in der 8 Klasse und will 100% Parapsychologie studieren !
    ich bin ebenfalls sehr beeindruckt.. x’33

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