Ich bin jeder Zehnte

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Volkszählung
Keine Volkszählung ohne kreative Sprüche. Foto: URBAN ARTefakte / Lizenz siehe: flickr

Die Chance liegt bei 1:10, dass man für die Haushaltsstichprobe der Volkszählung 2011 – auch Zensus genannt – gezogen wird und Abgaben wie Staatsangehörigkeit, Religion, Familienstand, Schulausbildung und Beruf preisgeben muss. Eigentlich ein Grund, sich entspannt zurückzulehnen. Außerdem habe ich schon mehrere Gebäudezählungs-Formulare ausgefüllt (zum Teil nicht für mich, sondern als Gefallen, aber das ändert am Aufwand nichts), jetzt möchte ich meine Ruhe.

Doch es kam, wie es kommen musste, natürlich hat man gerade mich auserkoren.

Per Schreiben – wenig professionell mit handgeschriebener Adresse! – werde ich darauf hingewiesen, dass der Erhebungsbeauftragte mich in ein paar Tagen aufsuchen und mit mir zusammen den Fragebogen ausfüllen werde. Es besteht Auskunftspflicht, wer sich verweigert, muss bis zu 5.000 Euro Bußgeld bezahlen, was einen aber auch dann nicht von der Auskunftspflicht entbindet.

Also ist Verweigern wohl nur die zweitbeste Idee. Aber: Ich werde den Erhebungsbeauftragten keinen Zutritt zu meiner Wohnung gewähren. Stattdessen werde ich mir den Fragebogen aushändigen lassen und ihn selbst ausfüllen. Alle freiwilligen Angaben werde ich ignorieren. Dabei ist der Plural hier falsch, denn nur die Frage nach dem Glaubensbekenntnis ist keine Pflichtangabe. Alle anderen Fragen sind obligatorisch, auch, welcher Religionsgesellschaft man angehört. Privat bleibt somit nur die Angabe, ob man an den Gott, an den bzw. für den man gewissermaßen Kirchensteuer zahlt, auch glaubt. Ein bisschen Privatsphäre darf man sich schon gönnen, um nicht den Glauben zu verlieren, glaube ich.

Das Recht auf das eigenständige Ausfüllen besteht, und es sollte jeder davon Gebrauch machen, dem der Zensus auch nicht schmeckt. Übrigens besteht keine Möglichkeit, sich den Fragebogen einfach zusenden zu lassen, was auf den ersten Blick unverständlich ist, da bei der Gebäudezählung auch der Postweg gegangen wird. Bei der Haushaltsstichprobe ist dies angeblich nicht möglich, da der Erhebungsbeauftragte erst einmal feststellen muss, wie viele Personen im Haushalt leben.

Wo der Zensus zugegen ist, sind auch Betrüger nicht weit. So sind falsche Erhebungsbeauftragte unterwegs, die auch ein paar harmlose Zusatzfragen stellen wie „Wie viel Vermögen haben Sie?“ und „Wie lauten Ihre Kontodaten?“. Ob diese Fragen als „freiwillige Angaben“ verkauft werden, ist nicht bekannt.

Den Fragebogen Haushaltsstichprobe gibt es übrigens hier.

Update

Es lief wunschgemäß. Ich ließ mir den Fragebogen an der Türe aushändigen, der Erhebungsbeauftragte macht keine Zicken.

2 Gedanken zu „Ich bin jeder Zehnte“

  1. Danke fürs Veröffentlichen des Zensus-Bogens! Falls mich doch einer zählen will, bin ich schon mal vorgewarnt. Bei ca. 3 Punkten weiß ich gar nicht, was ich da eintragen/ankreuzen soll. Den Befrager würde ich aber auch nicht reinlassen sondern ihm den Bogen nur abnehmen und tschüß.
    Für Späße haben die Leute sicher no sense of humour, wie z. B. wenn man bei Einwanderung einträgt „aus Schleswig-Holstein“. Hihi!:-))

  2. Auch schonmal danke für das Posting, ich wurde auch „auserwählt“ und weiß gar nicht, womit ich dieses „Glück“ „verdient“ habe. Ich hab mich nur gewundert, warum ich keinen Fragebogen mitbekommen habe, jetzt weiß ichs. Und vor allem weiß ich, dass ich den netten Herren auch wegschicken kann.

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