Der Pflanzeltplatz (Unsere Straßen und Plätze, Folge 1)

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St. Michael , Perlach
St. Michael. Foto: Rufus46 / Lizenz siehe: Wikipedia

Raus auf die Straße und Platz genommen! Heute geht es in einer neuen Reihe um den Pfanzeltplatz, der wahrscheinlich bekanntesten Adresse in Perlach, da sie zentral im alten Dorfkern von Perlach liegt (dort steht auch St. Michael) und nach der auch eine Autobushaltestelle benannt ist. Diese wird von der Metrobuslinie 55, von der Stadtbuslinie 139 und von der Nachtbuslinie N45 bedient.

St. Michael, Perlach
St. Michael: Gewagte, aber beeindruckende Perspektive. Foto: PriKo8 / Lizenz siehe: flickr

Der Irrtum

St. Michael, Perlach
Ein Innen gibt es auch in St. Michael. Foto: PriKo8 / Lizenz siehe: flickr

Ein hoher hoher Bekanntheitsgrad schützt aber nicht vor Fehlern. Der Irrtum liegt darin, dass der Name Pfanzeltplatz sehr oft als als P – F – L – A – N – Z – E – L -platz ausgesprochen wird. Quasi von Hinz und Kunz. Früher, in der guten alten Zeit, als die Haltestellenansagen noch nicht vom Computerchip kamen, auch von Busfahrern. Eines der Münchner Branchenbücher führt die Eisdiele „Il Gelato Italiano“ am Pflanzelplatz (sic!).

Viele schauen nicht genau hin und schon werden ein paar Wechselbuchstaben verbuchselt. Der Platz wird dann gewissermaßen zu einem Fleischpflanze(r)l-Platz. Vermutlich spielt der Nahrungstrieb hier eine große Rolle, der zu der Fixierung auf das Essbare führt und mitverantwortlich für den Fehler ist. Das Fleischpflanzerl (die Schreibweise Fleischpflanzel hat ebenso eine gewisse Verbreitung) ist aber in Bayern auch beliebt. Im Ausland ist das leckere Gericht aus einem gebratenem Hackfleischkloß als Frikadelle, Bulette, Klops, Fleischküchle oder Brisolett bekannt.

Es sei darauf hingewiesen, dass der Platz als „Pfan-Zelt“ gesprochen (und auch so geschrieben) wird. Die Merkhilfe besteht darin, dass der zweite Wortbestandteil Zelt ist. Für den ersten Wortbestandteil fällt mir nichts Gescheites ein. Der Panflöte fehlt das „f“ und die „Fahne“ ist in Ermangelung des Buchstabens „p“ auch nicht wirklich hilfreich.

Der Namensgeber

Pfanzeltplatz, Hachinger Bach
Der Hachinger Bach am Pfanzeltplatz. Foto: Rufus46 / Lizenz siehe: Wikipedia

Der Platz ist nach Martin Pfanzelt (* 1825; † 1912) benannt, der von 1869 – 1912 Pfarrer in Perlach war. Am Pfanzeltplatz steht die bereits erwähnte Pfarrkirche St. Michael, der beliebte Hachinger Bach fließt hier durch und es gibt Läden, das Wirthaus „Zur Post“, weitere Lokale, ein Hotel und den „Geschichtsbrunnen“. Historische, denkmalgeschützte Architektur steht auch jede Menge rum. Trotz des starken Verkehrs ist es ein Platz zum Verweilen, mit Fußgänger- und Grünbereichen. Wenige Meter entfernt, am Hachinger Bach stadtauswärts, wird es ruhiger und noch idyllischer. Hier kann man leben!

Trotz des Neustarts dieser beiden Artikelreihen war die Bedeutung von Straßennamen in (Wald-/Neu-)Perlach hier schon einige Male Thema. Es sei hier insbesondere der Artikel Erzähl doch keine Märchen erwähnt, der über Waldperlach berichtet mit seinen märchenhaften, vielleicht in dieser Form einmaligen Straßennamen. Märchen gibt es also nicht nur im Märchen.

Zu den übrigen Folgen „Unsere Straßen und Plätze“

2 Gedanken zu „Der Pflanzeltplatz (Unsere Straßen und Plätze, Folge 1)“

  1. Auf dem Pfanzeltplatz sind einige interessante Irrtümer sichtbar:
    1. Ein schöner runder Rokkoko Brunnen am Straßenrand, ursprünglich war eine Viehtränke geplant, die besser zu einem ehemaligen Dorf gepaßt hätte, aber den durch Neuperlach-Grundstücke reich gewordenen Bauern nicht fein genug war.
    2. Ein Kriegerdenkmal zur Ehrung der Helden aus den Weltkriegen, die aber keine waren sondern arme Kerle die für anderer Leute Interessen krepieren mußten und
    3. Andenken an sogenannte Opfer der Revolutionswirren, die aber unschuldige Opfer eines denunzierenden Perlacher Pfarrers und der rechtsradikalen Soldateska der Freichorps bei der Niederschlagung der Räterepublik (Ursprung des Freistaates) waren und nach ihrer brutalen Erschießung über 30 unversorgte Kinder und Frauenhinterlassen haben. Bis heute schämen sich die Perlacher so, wollen alles unter dem Teppich halten und lassen sie kein Denkmal im Stadtteil zu.

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