Die Quelle der Salmakis

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Bei so einem Titel wie diesem könnte man vermuten, es ginge jetzt um die Rettung Griechenlands. Nein, das ist nicht das Thema. Vielmehr stelle ich hier in unregelmäßigen Abständen Songs vor, die mich besonders berührt haben und noch immer berühren.

Salmakis ist eine Nymphe aus der griechischen Mythologie, die über der gleichnamigen Quelle wachte. Ein Versiegen der Quelle wurde nicht so gerne gesehen. Als Strafe gab es keinen verschärften Putzdienst, sondern den Tod. Salmakis verband sich der Mythologie nach mit Hermaphroditus zu einem zweigeschlechtlichen Wesen.

Genesis verarbeite den Stoff im Song „The Fountain of Salmacis“ (also „Die Quelle der Salmakis“), der auf dem Album „Nursery Cryme“ erschien. Peter Gabriel singt hierbei „We shall be one, we shall be joined as one.“ („Wir werden eins sein, wir werden zu einem vereint.“). Pete Lazonby hat einen Sample des Songs 1994 in seinem Trance-Stück „Sacred Cycles“ verarbeitet. Herausgekommen ist eine einzigartige Atmosphäre – sicher einer der besten Trance-Songs aller Zeiten. Selbst Sekundenbruchteile des Stückes lassen sich mühelos unter Tausenden anderer Songs heraushören.

(Link: YouTube)

Ist die griechische Mythologie nicht schon schwerer Stoff genug, ist im Intro und Outro des Songs auch noch der Auszug einer Rede von Osho1(* 1931; † 1990; indischer Philosophieprofessor und Begründer der Neo-Sannyas-Bewegung; bis Ende 1988 nannte er sich Bhagwan Shree Rajneesh; ja, es ist „der“ – umstrittene – Bhagwan, den seine Kritiker als raffgierigen Sex-Guru sahen, der zeitweise seinen Anhängern orange bzw. rote Kleidung vorschrieb und der durch seine riesige Rolls-Royce-Flotte aus bis zu 93 Fahrzeugen auffiel) zu hören2, wobei sich der Song mitten in die Rede einblendet:

And it is good that not all are roses, that not all are lotuses. But something very mysterious is happening here, Darius, you can see: all kinds of people are here, from almost every country, from every religion, and nobody teaches them to be tolerant and nobody teaches them to be respectful of the other’s religion. These things are simply not talked about, and still nobody is intolerant. In fact, nobody thinks in terms that the other is other. This is a totally different vision. My approach is that you have to drop […]

Hier bricht im Song die Rede sinnentstellend ab, im Outro des Songs wird die Rede dann fortgesetzt3:

[…] – not to imbibe tolerance, not to imbibe a certain synthesis, manipulated, man-made – you have to drop this whole nonsense of the American way of life and the Indian way of life and the Chinese way of life. You have to drop this whole nonsense that „I am a Hindu, Mohammedan, Parsi, Sikh.“ You are just a human being! Maybe your colour is different — so what? It is good that there are people of different colours, different flowers. Your hair is different — good! It makes life more worth living, more interesting. The variety gives richness.

Das Englisch ist so simpel, dass ich auf eine Übersetzung verzichte. Die Frage, ob es jetzt eine tiefere Bedeutung gibt, warum der Künstler gerade eine Rede Oshos eingespielt hat, oder gerade keine anderen Samples auf der Festplatte herumschwirrten, mag der Zuhörer selbst beantworten. Zumindest die in der Technoszene allgemein propagierte Gewaltlosigkeit passt thematisch. Aber auch andere Beweggründe sind denkbar. Vielleicht soll ja doch Griechenland gerettet werden.

1 Korrektur: Eine Reihe von Quellen weisen hier Mahatma Gandhi aus, und so stand es auch hier ursprünglich, da ich mich darauf verlassen hatte. Inzwischen habe ich den Originaltext in dem Buch „The Fish in the Sea Is Not Thirsty“ von Osho gefunden, in dem Gandhi zwar auch erwähnt wird, aber an dieser Stelle ausdrücklich nicht zitiert wird. Ganz im Gegenteil, an dieser Stelle erklärt Osho, in welchen Punkten sich seine Philosophie von der von Gandhi unterscheidet. Gandhi kann es daher nicht sein. Ich habe dann, um mehr Sicherheit zu erhalten, verschiedene im Netz kursierende O-Töne von Osho und Gandhi angehört und komme zu dem Schluss, dass Gandhis Englisch unbeholfener und auch von der Stimmfarbe anders klingt. Dagegen scheint Oshos Stimmcharakteristik gut zu dem Zitat zu passen. Letzte Sicherheit würde ein O-Ton desselben Zitats bringen, der aber nicht aufzutreiben war.

2 Bedingt durch das lange Intro und Outro ist der Song kaum tanzbar. Später erschienen aber noch eine Reihe von Remixen, die keine Osho-Samples mehr enthalten. Diese Versionen sind wegen ihrer durchgehenden Beats besser Diskotheken-kompatibel.

3 Die Rede wird im Outro nicht ganz nahtlos angesetzt. Zum besseren Verständnis wird hier die Rede im Originalwortlaut wiedergegeben.

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