Es geht wieder aufwärts

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Burj Khalifa
Burj Khalifa: Das derzeit höchste Gebäude der Welt steht in Dubai. Es misst 830 Meter und hat 163 nutzbare Etagen. Ganze 57 Fahrstühle sorgen für die erforderliche Vertikalbeförderung. Foto: dodongjan / Lizenz siehe: flickr

2004 sprach sich in München eine knappe Mehrheit von 50,8 Prozent in einem Bürgerentscheid dafür aus, dass im gesamten Stadtgebiet in Zukunft keine Gebäude mehr gebaut werden dürfen, die in der Höhe mehr als 100 Meter messen. So hoch sind nämlich die Türme der Frauenkirche. Zumindest so ungefähr, der Nordturm misst 98,57 Meter und der Südturm 98,45 Meter1.

Als Wolkenkratzerfetischist muss ich die Entscheidung respektieren. Sie passt immerhin zu unserem provinziell-konservativem Millionendörfchen. Ein Bürgerentscheid ist zwar nur ein Jahr gültig. Der politische Anstand gebietet es jedoch, sich auch später noch an das Votum zu halten. Doch gilt dies auch für die Ewigkeit? Nein, meinen Politiker von SPD, den Grünen und der FDP. Man wolle in Zukunft nicht mehr daran generell festhalten, heißt es. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe im Lokalteil auf Seite R1.

Natürlich bedeutet das nicht, dass in Zukunft jeder Klotz genehmigt wird und dass in der Altstadt Wolkenkratzer gebaut werden, die den Blick auf historische Gebäude versperren.

Aber wenn ein Architekt ein Plan für einen Wolkenkratzer einreicht, der außerhalb des Mittleren Rings gebaut wird, und der den Planern gefällt, soll dieser nicht mehr zwangsläufig an der 100-Meter-Grenze scheitern.

Es müssen ja nicht gleich Gebäude mit 800 Metern aus dem Boden gestampft werden. In Neuperlach stritt man vor kurzem trotz hochhauslastiger Bauweise, ob für die geplante Bebauung am Hanns-Seidel-Platz nicht 12 Stockwerke für das höchste Gebäude zu viel seien. Wir sprechen hier von einer Höhe von dramatischen 40 Metern. Generell sollte man in München auch überlegen, ob die derzeitige Politik beim Wohnungsbau, die weitgehend auf maximal fünf Etagen hohe Gebäude setzt, die vor allem durch Marke Einheitsbrei glänzen und dicht nebeneinander gebaut werden, der Weisheit letzter Schluss sind. Niemand ist interessiert daran, dass anonyme Wohnhausblocks entstehen, die durch Vandalismus geprägt sind, aber warum ausgerechnet eine Höhenbeschränkung Probleme lösen soll, leuchtet mir nicht ein. Immerhin erlaubt eine höhere Bauweise größere Freiflächen zwischen den Häusern bei gleicher Wohndichte.

Wie auch bei den Wolkenkratzern generell kommt es mehr darauf an, wie man es macht. Die Höhe ist nur ein einziger simpler Parameter, der der komplexen Problematik nicht gerecht werden kann.

1 Entgegen eines weitverbreiteten Irrtums beträgt der Unterschied nicht 1 Meter, sondern nur 12 Zentimeter. In der Schule habe ich noch diesen Irrtum mit 1 Meter gelernt.

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