Was Bayern mit Griechenland zu tun hat – oder „Die Euro-Krise“

Werbung

Siesta in Griechenland
Siesta in Griechenland. Foto: jespel / Lizenz siehe: flickr

Nur kurzzeitig war es ruhig geworden um Griechenland, als die Medien sich auf 9/11 und die nicht mehr vorhandenen Twin Towers konzentrierten. Doch jetzt sind sie wieder da, die Schreckensmeldungen aus Griechenland. Dazu muss ich feststellen, dass ich den meisten Ausführungen im technischen Bereich folgen kann, ebenso mathematischen, physikalischen, philosophischen, politischen und vielen mehr, aber die Finanzwelt, sie liegt mir nicht, ich verstehe sie nicht. Ich weiß, dass man mit Aktien Anteile an einem Unternehmen erwerben kann und auf diese Weise vom Erfolg des Unternehmens mit profitieren kann. Das ist die Gegenleistung dafür, dass ich dem Unternehmen mein Geld zur Verfügung gestellt habe, mit dem das Unternehmen dann investiert. Es kann mir aber auch passieren, dass meine Aktien kurzzeitig weniger oder fast nichts mehr wert sind, weil bekannt wird, dass der Firmenboss krank ist oder das Unternehmen gerade einen Patentstreit vor Gericht verloren hat. Es kann aber auch sein, dass meine Bankaktien stark fallen, weil die Märkte Angst haben, dass die Griechenland-Anteilsscheine, die die Bank gekauft hat, bald nichts mehr wert sind, wenn der Staat pleite ist. Das ist mein Risiko, klar. Bei den komplexeren Finanzprodukten hört es dann komplett auf, sie bleiben für mich absolut undurchsichtig. Bei vielen Produkten erinnern mich die Beschreibungen dazu an ein hochriskantes Gewinnspiel. Wahrscheinlich ist es auch nichts anderes.

Ob man eine Staatspleite mit der Pleite eines Unternehmens auch nur ganz annähernd vergleichen kann, unterliegt nicht meiner Beurteilung. Man liest nur, dass es keine Regeln für eine Staatsinsolvenz gibt. Als Laie fallen mir dazu aber ein paar Dinge auf: Ein Land, das im Export nicht so stark ist (Unkenrufen zum Trotz exportiert Griechenland nicht nur Oliven und Wein) und das im Tourismus ein wichtiges Standbein hat, soll nun radikal sparen. Das bedeutet, die Steuern werden erhöht, neue Steuern eingeführt, Vergünstigungen gestrichen, das Rentenalter erhöht und vieles mehr. Also all das, was Masochisten lieben.

Nach meinem Verständnis führt es dazu, dass die Binnenkonjunktur abgewürgt wird. Das bedeutet also, dass weniger konsumiert wird und Investitionen zurückgefahren werden, da weniger Geld dafür da ist. Das wiederum hat Auswirkungen für alle, die im vor allem im Binnenmarkt ihr Geld verdienen. Sie setzen weniger ab, die zu versteuernden Einnahmen sinken. Letztendlich ist dann nicht mal klar, ob auf diese Weise der Staat überhaupt mehr Geld einnimmt. Man kann sich auch zu Tode sparen. Allerdings muss man das, offenbar wird sonst die nächste Tranche aus dem Hilfspaket Nummer 5-delta oder so ähnlich nicht ausbezahlt. Ohne frisches Geld kann Griechenland dann z.B. im worst case nicht mehr allen Verpflichtungen nachkommen. Man wird vielleicht noch die Renten oder Beamtengehälter überweisen, um Unruhen zu verhindern. Aber viele essentielle Zahlungen können dann nicht mehr geleistet werden. Und die Griechenland-Anleihen könnten dann wertlos sein, Banken, aber auch Privatleute auf diesen sitzenbleiben, und, noch schlimmer, weitere EU-Staaten (sogenannte Pleite-Kandidaten) in einen Abwärtsstrudel geraten, weil gegen sie spekuliert wird.

Dieser anscheinend drohende Untergang ist keine Werbung für den griechischen Tourismus. Wenn Unruhen erwartet werden und viele Griechen einigen Medienberichten zufolge uns deutschen Urlaubern nicht gerade freundlich gesinnt sind, weil sie auch auf Druck der Bundesregierung sparen müssen, dann drosselt das den Tourismus, den Griechenland so dringend braucht. Ein Teufelskreis.

Jetzt wird eine Immobiliensteuer eingeführt. Damit dieser keiner entkommt, wird sie mit der Stromrechnung (!) eingezogen. Die Finanzämter sind anscheinend nicht in der Lage dazu. Es klingt nach einem Verzweiflungsakt. Wie aber die Leute, die nur wenig oder kein Geld auf der hohen Kante haben und ihr Geld in ihre eigene Immobilie investiert haben, diese Steuer entrichten sollen, ist fraglich. Es bleibt noch die Möglichkeit, eine Hypothek auf das Haus aufzunehmen. Wenn nicht der Schönheitsfehler wäre, dass das Haus schon beliehen ist.

Exkurs: Um der Überschrift gerecht zu werden: Es gibt sicher viele Verbindungen von Bayern nach Griechenland. Es sind damit jetzt nicht Flugverbindungen oder staubige Fußpfade gemeint. Aber die Schreibweise „Bayern“ mit Ypsilon, also einem griechischen Buchstaben, geht auf die Liebe des bayerischen Königs Ludwig I. zu Griechenland zurück. Er ordnete 1825 an, dass die bisherige Schreibweise Baiern durch Bayern abgelöst wird. Es gab aber auch zuvor zeitweise schon die Schreibweise mit „y“, aber ohne „e“, also Bayrn.

Und so schaue ich mir weiter die Talkshows an, in denen mir Politiker und Finanzexperten die Finanzwelt erklären. Ich verstehe die Worte, ich verstehe aber nicht ihren Sinn. Vielleicht begreifen aber auch die Profis die Zusammenhänge nicht mehr zur Gänze. Ich frage mich aber die ganze Zeit, ob eine gemeinsame europäische Währung ohne politische Union wirklich so eine gute Idee war. Und wenn sie das war, wer dafür verantwortlich ist, dass das Vertrauen der Märkte nun erschüttert ist. Es heißt, Deutschland habe am meisten vom Euro profitiert. Der Euro sei ein Segen für Deutschland. Wiederum wird behauptet, Griechenland sei selbst schuld an der Misere. Vielleicht hätte man einige Staaten (noch) nicht in die Währungsunion aufnehmen dürfen. Es bleiben viele „Vielleichts“ und divergierende Expertenmeinungen. In der Bundesregierung werden Tabubrüche begangen. Offenbar sollen die Wähler schrittweise auf das vor kurzem noch Undenkbare vorbereitet werden. Mir ist unwohl.

Ein Gedanke zu „Was Bayern mit Griechenland zu tun hat – oder „Die Euro-Krise““

  1. Unwohl ist mir auch, aber weniger wegen dem was am Ende herauskommen wird, nämlich eine Staatspleite, wie es sie in der Geschichte schon einige Male gab, sondern wegen dem was unsere Politiker angerichtet haben und im Begriff sind, noch zu vergeigen:

    Egal ob die Pleite eines Eurolandes dem deutschen Bürger mehr oder weniger Geld kostet, die Bürgschaften kommen noch drauf – und das ist eine imense Summe.

    Einer angeschlagenen Firma, die mit ihren Produkten nicht mehr marktfähig ist und keine Chance hat, das kurzfristig zu ändern, leiht auch kein vernünftiger Mensch mehr Geld. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

    Die Politik in Griechenland und Europa sollte sich lieber überlegen, wie man nach dem Crash möglichst schnell wieder eine tragfähige Volkswirtschaft aufbaut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.