Augen auf, Ohren auf, Helmi ist da!

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Wer diesen Spruch kennt, kann oder konnte vermutlich den ORF, das österreichische Fernsehen, empfangen. Dort bringt eine Helm bestückte Puppenfigur den Kinderlein das richtige Verhalten im Straßenverkehr und anderen Lebensbereichen nahe. Eine ganz andere Figur ist Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer (von der CSU ist er), der dafür bekannt ist, dass er fast jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf treibt. Nun also denkt er über eine Helmpflicht für Radler nach. Denn die Rate der freiwilligen Helmträger liege nur bei 9 Prozent. Wenn diese nicht bald deutlich über 50 Prozent steige, dann wolle er die Helmpflicht einführen.

Sicher kann ein Fahrradhelm in vielen Fällen schwere Kopfverletzungen verhindern oder abmildern. Allerdings sollte das große Ganze betrachtet werden. Zunächst einmal wird die Anzahl der Velofahrer nach einer Helmpflicht wahrscheinlich stark zurückgehen. In Australien, wo 1991 eine Helmpflicht für Radler angeordnet wurde, sollen es 30 Prozent minus sein. Es wird dann mehr Auto gefahren, auch die kurze Strecke zum Bäcker. Für die Umweltbilanz ist das verheerend. Call-a-bike-Modelle, bei denen man bekanntlich ein Rad ad hoc ausleihen kann, funktionieren mit Helmpflicht kaum mehr, es sei denn, jeder schleppt den Helm auf Verdacht mit.

Auch gibt es Anzeichen dafür, dass Radfahrer mit Helm riskanter fahren, weil sie sich sicherer fühlen. Damit könnte der Vorteil des Helms teilweise oder ganz wieder verspielt werden. Ferner existieren Hinweise, dass auch Automobilfahrer weniger Sorgfalt im Umgang mit Helm tragenden Radlern walten lassen, da ihnen das Unterbewusstsein suggeriert, der Verkehrsteilnehmer sei ja durch den Helm geschützt.

Fahhradhelm
Nicht jede Frisur übersteht das Tragen eines Fahrradhelms. Foto: benchilada / Lizenz siehe: flickr

So sollen in Australien die Anzahl der Kopfverletzungen bei Radunfällen zwar zurückgegangen sein. Allerdings muss der Rückgang des Radverkehrs gegengerechnet werden. Im Endeffekt soll sich das relative Risiko für den Einzelnen nicht reduziert haben, sondern sogar gestiegen sein.

Ich habe nichts gegen Fahrradhelme. Es soll aber jeder selbst entscheiden, ob er einen trägt. Verbote sind immer kritisch zu betrachten und müssen gut begründet werden, da sie die Freiheit des Einzelnen einschränken.

Die Politik sollte vielmehr die Sicherheit des Radverkehrs generell angehen, auf verschiedenen Baustellen. Ob dies durch eine bessere Trennung von Rad- und Autoverkehr passiert oder durch das Gegenteil, indem man die Radler auf die Straße holt, ggf. in Radspuren am Fahrbahnrand rollen lässt, muss genau untersucht werden. Auffällige Markierungen und Blinklichter an Kreuzungen können helfen, die berüchtigten Unfälle, bei denen motorisierte Verkehrsteilnehmer den geradeaus fahrenden Radler beim Rechtsabbiegen übersehen, zu reduzieren. So etwas gibt es erfreulicherweise, aber es sollte noch ausgebaut und perfektioniert werden. Auch Assistenzsysteme im Auto, die bei gefährlichen Situationen warnen, könnten die Sicherheit steigern, wobei man sich dann aber wieder schnell auf die Technik verlässt, worunter die eigene, manuelle Sorgfalt leidet.

München hat sicherlich nicht die beste Radpolitik, wenngleich es auch nicht die schlechteste ist, aber das ist kein Ruhmesblatt. Von einer Radlhauptstadt ist man meines Erachtens weit entfernt. Ich habe den Eindruck, dass das Radfahren in München nicht sicherer geworden ist, ganz im Gegenteil. Die abenteuerlichen Fahrradstreifen auf Gehwegen mit Benutzungspflicht, die eine Slalomkursgarantie haben, scheinen weiter zuzunehmen. Bei den Ampeln bricht immer mehr das Chaos aus. Bei vielen Stellen weiß ich nicht mehr, welche Ampel für mich als Radfahrer gilt und ob ich ggf. auf dem (oft viel zu schmalen) Mittelstreifen stehenbleiben muss (und falls ja, welche Ampel hierfür maßgebend ist). Ich habe mal ein paar Bilder unklarer Situationen in ein Forum gestellt. Auch unter den Forenteilnehmern, die einen gewissen juristischen Hintergrund haben, gab es keine eindeutige Interpretation. Ampeln sollten sich doch von alleine erklären!

Ramsauer macht es sich zu einfach, wenn er sich auf die Helmpflicht konzentriert. Es ist eine populistische Forderung, bei der er in einem gewissen Klientel Stimmen fischen kann. Wenn es schon in Richtung eines Kopfschutzes geht, sollte Ramsauer vielmehr eine Maulkorbpflicht für Pofalla fordern.

Twitter-Splitter: Meinungen zum Thema

Rollygirl1988: Helmpflicht für Radfahrer! Das wäre endlich ein Vernünftiges Gesetz! Machts auch für Quadfahrer bitte!

times200: bevor die helmpflicht eingeführt werden soll, bin ich für die einführung der hirnpflicht.

ralphmakolla: Helmpflicht für Radfahrer? Dann fahre ich wieder Auto. Freue mich, dass der ADFC und der niedersächsische Verkehrsminister sich gegen eine Helmpflicht ausgesprochen haben.

Wilhelmadt: Endlich Vorstoß für Helmpflicht von Verkehrsminister Ramsauer! – Statement der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie

CelleHeute: Landtags-SPD will Anreizimpulse und mehr Verkehrssicherheit statt Helmpflicht für Radfahrer

4 Gedanken zu „Augen auf, Ohren auf, Helmi ist da!“

  1. Frei nach Asterix: Die spinnen, die Römer!

    Ob beim Radfahren oder als Fußgänger, bei einem Unfall wird in den meisten Fällen eine Kopfverletzung die Folge sein. Das gilt auch außerhalb des Straßenverkehrs, also auch im Treppenhaus oder unter der Dusche 😉

  2. Kommt eigentlich von der CSU überhaupt noch was sinnvolles?
    Es wird aber sooft über Radhelmpflich geredet…und das zeigt es schon: wenn über etwas zu viel geredet wird, dann passiert (zum Glück) nichts…
    Und ich als Radfahrer habe auch das Gefühlt, Radfahrer mit Helm fahren gefährlicher…das sollte doch einem zu bedenken geben…

  3. Es ist immer gut wenn der Staat das persönliche Risiko mit Gesetzen regelt, das erspart jedem Einzelnen das Denken und das Treffen von Entscheidungen gleichzeitig.
    Wenn man gerade dabei ist, könnte man noch ein grundsätzliches Rauch- und Alkoholverbot erlassen, ebenso wie alle anderen evtl. gesundheitsgefährdenden Dinge verboten gehören.

    Für mich würde definitiv gelten, dass ich, wenn ich am Morgen zum Bäcker fahre und eh einen Helm benötige, lieber gleich das Motorrad, das unmittelbar nsben dem Fahrrad part, verwenden würde.

  4. Die Frage die sich mir stellt ist, ob man die radfahrenden Bürger tatsächlich per Gesetz dazu verdonnern muß Helme zu tragen. Ich halte es für eine unnötige Schikane.
    Herr Ramsauer ist doch nur beleidigt, weil sein Ministerium weniger Geld als erhofft zugesprochen bekommen hat.

    Zitat: „Wenn es schon in Richtung eines Kopfschutzes geht, sollte Ramsauer vielmehr eine Maulkorbpflicht für Pofalla fordern.“

    …und sich zum Wohle der Bevölkerung selbst auch einen verordnen.

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