Schöner Drogen – alkologisch!

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In meiner näheren Umgebung befindet sich eine allgemeinärztliche Praxis, die auch als Substitutionspraxis fungiert und immer mal wieder in den Schlagzeilen ist. Oft geht es darum, dass die Anwohner zwar nichts gegen eine Substitutionspraxis haben, aber diese solle sich bitteschön nicht gerade vor der eigenen Haustüre befinden. In dieser besagten Praxis werden heroinabhängige Menschen mit dem Heroin-Ersatzstoff Methadon versorgt. Die Substitution ist eine wirksame, aber auch nicht unumstrittene Möglichkeit für Menschen, wieder zurück ins Leben, in einen geregelten Alltag zu finden und auch einer Arbeit nachgehen – mit viel Disziplin, etwa Alkoholverbot, und ständiger ärztlicher Kontrolle. Die körperliche Abhängigkeit aber bleibt. Heroin ist ein Teufelszeug, ebenso Kokain, Crack und die vielen weiteren harten Drogen.

Der neueste Hit ist die aus Russland stammende Droge Desomorphin, auch Krok oder Krokodil genannt. Die Lebenserwartung soll nach Beginn der regelmäßigen Einnahme nur etwa ein Jahr betragen. An den Injektionsstellen zeigen sich grünliche Verfärbungen, daher auch der Name. Dabei verfault der Körper schlicht von innen. Die Entzugserscheinungen sind noch viel fürchterlicher als bei Heroin.

„Die Linke“ will langfristig alle (weiche und harte) Drogen legalisieren und sorgt für mediale Empörung

Krokodil soll bereits in Deutschland angekommen sein. Wie die Faust aufs Auge passen da die Berichte, was die Linkspartei, offiziell „Die Linke“ genannt, eben auf ihrem Parteitag in Erfurt mehrheitlich beschlossen hat. Die Partei will alle Drogen „langfristig legalisieren“, und zwar ausdrücklich nicht nur weiche Drogen wie Haschisch, wie es der Parteivorstand zunächst forderte, sondern auch harte Drogen wie eben Heroin und Kokain.

Die Linke
Oskar Lafontaines Herz schlägt seit 2005 noch „linker“, da verließ er nämlich die SPD. Foto: hailippe / Lizenz siehe: flickr

Das Signal nach außen ist ein verheerendes, Kritik kommt von allen Seiten. Die Medien tendieren aber dazu, alles verkürzt wiederzugeben, was zu Verfälschungen führt, und sich auf Sensationen zu stürzen. Was wurde nun denn genau per Änderungsantrag beschlossen? Schauen wir uns das einmal an:

Wir wollen eine liberale und aufgeklärte Drogenpolitik in Deutschland. Drogen sind eine Alltagserscheinung. Der Alkoholmissbrauch ist ein gesellschaftliches Problem. Die Unterscheidung in legale und illegalisierte Substanzen ist willkürlich. Der Missbrauch von Drogen kann zu schweren gesundheitlichen, sozialen und materiellen Problemen führen, die durch Kriminalisierung noch weiter verschärft werden. Wir treten daher für eine rationale und humane Drogenpolitik ein, was eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums und langfristig eine Legalisierung aller Drogen beinhaltet. Im Grundsatz wollen wir eine Gesellschaft, die nicht auf Strafe und Repression gegen Drogenkonsumentinnen und -konsumenten setzt, sondern die mit Prävention und Aufklärung dem Drogenmissbrauch vorbeugt.

Das klingt nun nicht mehr ganz so katastrophal. „Prävention und Aufklärung“ wird jeder unterschreiben, und auch dass man nicht den Drogenkonsumenten kriminalisieren sollte, was im Umkehrschluss bedeutet, dass man sich auf die Dealer und deren Vertriebswege konzentriert, dürfte Zustimmung bei vielen erfahren. Warum man dazu aber die gefährlichsten Substanzen legalisieren muss, was immer das bedeuten mag, bleibt wohl das Geheimnis der Linkspartei. Was heißt aber hier legal? Offenbar soll der Besitz der Substanzen legal werden, ggf. auch die Beschaffung, der reine Konsum (die Einnahme) ist übrigens bereits heute nicht illegal (was aber jetzt an Haarspalterei grenzt, da die Einnahme erst einmal Beschaffung und Besitz voraussetzt). Ob irgendwelche lizenzierten Stellen gewisse weiche und harte Drogen herstellen dürfen, bleibt offen. Sinn könnte dies ergeben, um zumindest zu verhindern, dass Süchtige verunreinigte und damit noch gefährlichere Stoffe konsumieren. Höchst umstritten würde dies aber auf jeden Fall bleiben, da schlimme Drogen auf diese Weise noch mehr Verbreitung finden könnten. Dem gegenüber würde aber ein Rückgang der Beschaffungskriminalität stehen.

Ob weiche Drogen ähnlich wie in den Niederlanden frei zugänglich für jedermann werden sollen, bleibt ebenso nebulös. Da die Linkspartei aber die Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Substanzen kritisiert, womit nur die Tatsache gemeint sein kann, dass Alkohol legal ist, aber dennoch auch als Droge verstanden werden muss, die bei übermäßiger Anwendung viel Leid anrichten kann, Haschisch dagegen als illegale (weiche) Droge zählt, ist es relativ wahrscheinlich, dass das niederländische Modell zumindest diskutiert werden wird.

Wäre der Antrag im Vorfeld entschärft oder einfach abgelehnt worden, hätte es keine oder zumindest keine so große Empörung über die zukünftige Drogenpolitik der Linkspartei gegeben. Nachdem auffallend viele Mitglieder der Linkspartei erst kürzlich den Mauerbau verteidigt hatten, zum Teil mit unerträglichen Begründungen, ist nun ein neuer Tiefpunkt erreicht. Man könnte es so zusammenfassen: Die Linkspartei schafft gerade nicht das Drogenproblem ab, sondern sich selbst.

Ergänzung

Parteichef Klaus Ernst schlug übrigens zum Ende des Parteitags vor, den Punkt „Legalisierung aller Drogen“ noch mit dem Halbsatz „das bedeutet die Entkriminalisierung der Abhängigen und die Organisierung von Hilfe und einer legalen, kontrollierten Abgabe von Drogen an diese.“ zu ergänzen, was angenommen wurde. Aber auch dieses überhastete, chaotische Zurückrudern (das aber im Wesen des Beschlusses kaum etwas ändert) brachte ihm wieder Kritik ein.

Twitter-Splitter: Meinungen zum Thema

Medien_Buero: Man sollte auf jeden Fall die Drogen verbieten, die auf dem Parteitag der Linken in Erfurt genommen werden.

CDUWeirich: Linkspartei will alle Drogen legalisieren. Beruhigend ist: Das Ende des Sozialismus in seinem Rausch, halten weder Koks noch Haschisch auf!

Anon_vanita5: Die Linke will ALLE Drogen legalisieren? Wie soll ich mir das vorstellen? Heroin bei Aldi im Angebot??

ki_naudiz: Ich denke, die Strafen bei harten Drogen sind eine effektive Abschreckung und sollten beibehalten werden.

Halina_Waw: fassungslos. linke beugt sich mediendruck und ändert beschluss zu drogen, soll mir noch mal jemand stöckchenspringer sagen. absurd #linkebpt

10 Gedanken zu „Schöner Drogen – alkologisch!“

  1. Grundsätzlich ist dieses Programm nicht übel, daß muß man den Linken lassen.
    Unser BtmG ist längst revisionsbedürftig, und „Fixerstuben“ wären m.E. äußerst sinnvoll. Gerade dieser Vorschlag kam schon öfter und aus anderen Lagern auf den Tisch, was in Bayern jedoch von M. Söder sofort zerissen und blockiert wurde.
    Das niederländische Modell, tja…da sollte man einen traurigen Blick in Richtung Nachbarland wagen; der rechte Flügel dort tut nahezu alles, um zumindest Ausländern dieses -durchaus vorbildliche- System vorzuenthalten, nicht zuletzt auch auf Druck der EU hin.
    Alles in allem große Worte, welche man als Wähler schon viel zu oft gehört hat, nicht nur von den Linken. Auf entsprechende Taten wartet man immer noch.
    Aber immerhin, auch wenn ich nicht glauben kann, daß sie dieses Programm in weiten Teilen und entsprechend ihrer Vorstellungen umsetzen können, wenn sie denn die Chance hätten.

    1. Man kann sicher über einige Ideen der Linken zur Drogenpolitik zumindest debattieren, wobei das im Grunde genommen Positionen sind, die man bei den Grünen schon ewig findet.
      Verwundert haben mich auch nicht die Vorschläge zur Drogenpolitik an sich, sondern die missverständliche und unprofessionelle Kommunikation, nebst Zurückrudern, mit dem man noch mehr Porzellan zerschlagen hat. Es sollte eigentlich klar sein, dass sich auf Sätze wie „Legalisierung harter Drogen“ die Medien stürzen werden, weil das so nicht stehenbleiben kann. Vielleicht wollte Die Linke auch nur provozieren, aber auch dann ist es gründlich schief gegangen. Das Problem ist halt, dass solche Dinge haften bleiben und dann ist die Partei für die Masse der Leute nicht mehr wählbar. Das wird dann ungefähr so heißen: „Die Linke, das sind doch die, die den Mauerbau als alternativlos dargestellt haben, Fidel Castro auf unerträgliche Weise zum Geburtstag gratuliert haben und nun auch noch Heroin legalisieren wollen. Die wähle ich bestimmt nicht“.

  2. Man sollte Drogenabhängige nicht Bestrafen, sondern nur Dealer die nicht abhängig sind.
    Und Haschich oder Gras? das Schadet ja bekanntlich weniger als Alkohol daher kann mans schon legalisieren.
    Und im Zeitalter der Drogen für Arme aka Psychopharmaka die eher Euthanasisch wirken als „heilend“ sollte man für harte Drogen auch nicht gestraft werden, da diese die gleichen Wirkungen wie Psychiatrische Drogen haben jedoch im Gegensatz nicht dauerhaft schaden.

    Ihr werdet euch fragen, warum ich so eine Meinung habe?
    Lest euch mal bisschen Psychiatriekritik und durch Psychopillen gestorbene Menschen und die Opfer von Haar etc…(achtet auf Scientologische Einflüsse – denn diese Sekte nistet sich in freiheitlichen Bewegungen ein!)

  3. Zitat: „Man sollte Drogenabhängige nicht Bestrafen, sondern nur Dealer die nicht abhängig sind.
    Und Haschich oder Gras? das Schadet ja bekanntlich weniger als Alkohol daher kann mans schon legalisieren.“

    Genau dadurch könnte man die Dealer abstrafen! Wenn beispielsweise Cannabisprodukte -von denen ich offen gesagt eine sehr hohe Meinung habe- legalisiert werden würden, könnte man den Dealern das Wasser (also die Einnahmequelle) abgraben. Der Staat könnte diese Produkte versteuern, und die Medien würden sich nach einer Woche (länger können sie ihre Aufmerksamkeit ohnehin nicht auf eine bestimmte Sache richten)schon an die neuen Umstände gewöhnt haben.
    Sorry für das OT, Thomas. 😉 Das Augenmerk des Artikels liegt ja bekanntlich auf anderen Dingen.

  4. Und Haschich oder Gras? das Schadet ja bekanntlich weniger als Alkohol daher kann mans schon legalisieren.

    Genau dadurch könnte man die Dealer abstrafen! Wenn beispielsweise Cannabisprodukte -von denen ich offen gesagt eine sehr hohe Meinung habe- legalisiert werden würden, könnte man den Dealern das Wasser (also die Einnahmequelle) abgraben. Der Staat könnte diese Produkte versteuern […]

    Ganz so einfach ist es sicherlich nicht. Zwar gelten Cannabis-Produkte als weniger gefährlich als die meisten anderen Drogen, jedoch sind bei Langzeiteinnahme Gehirnschädigungen zu verzeichnen, die höher ausfallen, wenn bereits im Jugendalter mit dem Konsum begonnen wird.

    Vorübergehende Beeinträchtigungen, vor allem der Fahrtauglichkeit, sind ein weiteres Problem.

    Auch kommen die generellen Auswirkungen des Rauchens dazu (COPD, Lungenkrebs). Es gibt diverse Studien, die zu dem Schluss kommen, dass das Rauchen von Joints das Lungenkrebsrisiko noch viel stärker erhöht (bis Faktor 20!) als beim Konsum von Zigaretten.

    Trotz alledem ist eine Diskussion, warum die ohnehin sehr gefährlichen Drogen Zigaretten und Alkohol legal sind, andere Drogen mit geringerer oder ähnlicher Schädlichkeit dagegen in Deutschland nicht legal erworben werden können, sicherlich legitim.

  5. Ich kenne diese Praxis. Hab damals, 2005, mit meinem Heroinkonsum angefangen, im Rahmen meines Aufenthaltes in dem berühmt-berüchtigten „Karl-Marx-Ring 104“. Nun bin ich seit 2 Jahren wieder sauber und wieder voll im Leben drinn. Auch ich muss sagen, dass es ein falsches Signal der Linken ist, trotz all der Aufklärung und Prävention. Für viele Ex-Junkies sind die Repressionen ein Grund, um sauber zu bleiben. Fiele all das weg; gäbe es Heroin und Kokain legal in der Apotheke, dann gäbe es praktisch keine Hemmschwellen mehr. Die Jugend muss mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vor Drogen geschützt werden. Das ist meine Meinung dazu.

  6. Da es in der Tat nicht so einfach ist, muß ich mich nochmal zu Wort melden:

    […]jedoch sind bei Langzeiteinnahme Gehirnschädigungen zu verzeichnen, die höher ausfallen, wenn bereits im Jugendalter mit dem Konsum begonnen wird.

    Diese Hirnschäden sind aber wissenschaftlich nur unzureichend belegt. Überhaupt sind derlei Studien mehr als dubios, und ich habe durch meine Tätigkeit Zugang zu einer Unmenge dieser „Arbeiten“. Wenn man früher mit dem Konsum beginnt ist es auch nur logisch, wenn somit auch früher Ausfallserscheinungen eintreten. Ob diese zwingend mit dem Cannabiskonsum zusammenhängen ist jedoch fraglich. Des Weiteren ist jeglicher Drogenkonsum im Jugendalter schädlich, somit sollte man dies nicht zwingend als Argument gelten lassen.

    Vorübergehende Beeinträchtigungen, vor allem der Fahrtauglichkeit, sind ein weiteres Problem.

    Das ist bei Alkohol- oder Medikamentenkonsum genauso. Der Unterschied liegt nur darin, daß es beim Alkohol geltende Richtwerte, sprich Promillegrenzen gibt. Bisher hatte man sich geweigert, einen adäquaten Richtwert bei Cannabis einzuführen. Somit kann jemand, dessen Konsum Monate her ist, immer noch seine Fahrerlaubnis einbüßen. Und das obwohl eine Beeinträchtigung nach einem solchen Zeitraum als absolut unwahrscheinlich anzusehen ist.

    Auch kommen die generellen Auswirkungen des Rauchens dazu (COPD, Lungenkrebs). Es gibt diverse Studien, die zu dem Schluss kommen, dass das Rauchen von Joints das Lungenkrebsrisiko noch viel stärker erhöht (bis Faktor 20!) als beim Konsum von Zigaretten.

    Diese Studie ist noch um ein Vielfaches obskurer als alles was ich bisher gelesen habe. Hierbei wäre in erster Linie nicht das Ergebnis, sondern das Verfahren und die Evaluation dieser Forschungsarbeit interessant. Ich rauche seit 18 Jahren Zigaretten, wobei mir mein Pneumologe zähneknirschend bestätigen musste, daß ich zu den 50%(!) der Patienten gehöre, die trotz nicht unerheblichen Konsums aller Voraussicht nach keine COPD bekommen werden. Aber die Gefahr besteht beim Rauchen immer, das sollte auch jedem klar sein. Lungenkrebsrisiko besteht hingegen immer.

    Nicht das bei dir der Eindruck entsteht, ich wolle alle Argumente abschmettern. Ich verstehe deine Haltung schon, allerdings sind diese Studien -mit Verlaub- ziemlich dürftig. Wenn man sich näher damit beschäftigt, könnte man hinter etlichen dieser Veröffentlichungen auch andere Interessen vermuten – aber das ist allein mein Eindruck, ich möchte nur darauf hingewiesen haben.

    1. Zu den Studien: Wenn man sich nicht selbst als Mediziner oder Wissenschaftler damit befasst, kann man sich halt nur an das halten, was von einigermaßen seriöser Quelle verbreitet wird. Da hat Cannabis aber nicht den besten Stand, wobei es aber auch genug Berichte gibt, in denen die These aufgestellt wird, dass die Gefährlichkeit von Cannabis überschätzt wird. Natürlich ist es denkbar, dass da kulturelle Aspekte eine Rolle spielen und auch kommerzielle Interessen.

      Trotz aufgeklärter Gesellschaft hält sich ja in bestimmten Ländern der Glaube, dass das Horn vom Nashorn als Pulver verabreicht die Potenz steigert und ganz nebenbei das ewige Leben bringt. Ebenso kann – in einem engeren Rahmen – die übertriebene Verteufelung von Cannabis – auch ein Irrweg sein. Interessant könnte der medizinische Einsatz von Cannabis sein:

      http://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/cannabis-sativa-hanf-als-heilpflanze-570648.html

      Aber auch dieser Bericht stellt die Risiken in den Vordergrund, ob jetzt zurecht oder zu unrecht, sei mal dahingestellt.

      Legitim ist sicher die Frage, ob die derzeitige Grenzziehung zwischen legalen und illegalen Drogen und zwischen weichen und harten Drogen gerechtfertigt ist. Alkohol und Zigaretten sind ein gigantisches Problem in unserer Gesellschaft, der Schaden ist immens. Schlimme Krankheiten, vorzeitiger Tod, Belästigung und Schädigung durch Passivrauch, rauchende und Alkohol trinkende Schwangere, die ihr ungeborenes Kind schädigen, gewalttätige Alkoholiker…

      Ich habe im eigenen nahen Umfeld mehrere Male miterleben dürfen, was Alkoholsucht bedeuten kann. Da darf man sich schon fragen, warum man überall Alkohol kaufen kann. Gleichzeitig gibt es einen großen Teil an Leuten, die vernünftig mit Alkohol umgehen können. Ein generelles Verbot würde halt dann all treffen (und den Schwarzmarkt wieder aufblühen lassen).

      Eine Freigabe von Cannabis (wie auch immer eine solche aussehen mag – von Auflagen angefangen, dass nur Schwerkranke das auf Rezept kriegen, bis hin zur völligen Freigabe ist viel denkbar) würde sicherlich bedeuten, dass eine Menge Neugieriger, die sich bisher durch die hohen Strafen – gerade in Bayern – davon abschrecken ließen, das mal probieren werden. Ob das der Gesellschaft generell gut tun oder eher noch mehr Leid bringen würde, muss sicherlich hinterfragt werden.

      Die Strukturen sind sicherlich festgefahren. Ich glaube, dass auch eine linke Koalition, sollte es demnächst eine geben, nicht den Mut hat, völlig neue Wege in der Drogenpolitik zu gehen. So wird man weiter herumdoktern und alle paar Wochen wird irgendein Bundesland oder eine Kommune Aktionismus zeigen. Dieser wird so aussehen, dass man beim Alkoholkonsum punktuell und zeitlich immer mehr Einschränkungen machen wird. Erst darf man in der U-Bahn keinen Alkohol mehr trinken, ein paar Monate später wird das auch auf die S-Bahn ausgedehnt (so wie jetzt gerade in München geschehen). Dann wird es eine freiwillige Vereinbarungen mit den Tankstellen geben, dass diese nach einer bestimmten Urzeit keinen Alkohol generell oder keine Spirituosen mehr verkaufen. Später wird das dann verpflichtend und dann schrittweise immer mehr verschärft. Dem werde sich weitere Einschränkungen anschließen – etwa ein Alkoholverbot an belebten Plätzen, später an alle öffentlichen Plätzen bzw. generell außerhalb von Privaträumen und Lokalen. Man wird jahrelang über Warnaufkleber ähnlich wie bei Zigaretten diskutieren und diese werden von den Alkoholherstellern so lange verhindert, bis sie dann irgendwann doch kommen. Und was bringt es? Sicher fast gar nichts.

      Und für einen großen Entwurf (wie auch immer der aussehen mag – probibitiv, aufklärerisch oder liberal) wird niemand den Mut haben und auch nicht das notwendige Durchsetzungsvermögen, die Lobbys sind zu stark.

  7. Ich möchte diese angenehme, interessante Diskussion nicht über das normale Maß verlängern, aber es sei mir erlaubt mich nochmals zu äußern.

    Legitim ist sicher die Frage, ob die derzeitige Grenzziehung zwischen legalen und illegalen Drogen und zwischen weichen und harten Drogen gerechtfertigt ist. Alkohol und Zigaretten sind ein gigantisches Problem in unserer Gesellschaft, der Schaden ist immens. Schlimme Krankheiten, vorzeitiger Tod, Belästigung und Schädigung durch Passivrauch, rauchende und Alkohol trinkende Schwangere, die ihr ungeborenes Kind schädigen, gewalttätige Alkoholiker…

    Ich stimme dir grundsätzlich zu, allerdings lässt du hier letztendlich die Ursachen aus, welche zu diesem destruktiven Konsumverhalten führen. Denn m.E. ist nicht die Substanz schuld daran, daß hier Mißbrauch betrieben wird. Schaden verursacht sie zweifelsfrei, allerdings macht immer noch die Dosis das Gift, wie wir seit Paracelsus wissen. Es würde zu weit führen, zu versuchen alle möglichen Ursachen hier aufzuzählen, aber du verstehst schon was ich damit sagen möchte, nicht wahr?

    Das Verlangen nach Rauschzuständen ist so alt wie die Menschheit selbst, und so individuell jeder Mensch ist, so individuell ist auch die Befriedigung dieses Bedürfnisses.
    Ob es sich nun um „körpereigene Drogen“ wie beispielsweise Adrenalin, Endorphin & Co. oder um o.g. Substanzen handelt, ob es sich um Realitätsflucht oder Bewußtseinserweiterung dreht – die verfügbaren Mittel (und damit meine ich in erster Linie natürliche!) sind so vielfältig wie ihre Konsumenten und sollten zugänglich sein. In welchem Maße man diese Wirkstoffe zu sich nimmt, muß der Mensch selbst bestimmen können. Hierbei spielen in meinen Augen aber erheblich mehr Faktoren eine Rolle, gemein haben sie nur daß es sich um äußere bzw. gesellschaftliche Begebenheiten und Entwicklungen sowie auch persönliche Umstände und die Art damit umzugehen handelt. Stichwort: Persönlichkeit. Aber auch das würde den Rahmen sprengen.

    Ansonsten kann und will ich dem was du geschrieben hast natürlich nichts entgegensetzen.
    Alles in allem finde ich deine Position aufgrund deiner oben geschilderten Erfahrungen zum Thema durchaus akzeptabel, und ich hoffe du hältst es im Gegenzug ebenso mit meiner Darstellung.

    1. Erlaube, dass ich auch hier noch ein paar abschließende Worte schreibe:

      Denn m.E. ist nicht die Substanz schuld daran, daß hier Mißbrauch betrieben wird. Schaden verursacht sie zweifelsfrei, allerdings macht immer noch die Dosis das Gift, wie wir seit Paracelsus wissen. Es würde zu weit führen, zu versuchen alle möglichen Ursachen hier aufzuzählen, aber du verstehst schon was ich damit sagen möchte, nicht wahr?

      Klar ist es nicht oder zumindest nicht besonders schädlich, wenn nur gelegentlich konsumiert wird. Nehmen wir mal den Alkohol: Ob das Glas Rotwein am Tag schädlich oder förderlich ist, da streiten sich die Wissenschaftler mindestens seit Jahrzehnten. Sicher ist nur, mit einem mäßigen, verantwortungsvollen Alkoholgenuss betreibt man keinen Raubbau am Körper.

      Bei den Zigaretten haben die Tabakkonzerne die Zusammensetzung so geändert, dass die Konsumenten schneller und mit größerer Wahrscheinlichkeit süchtig werden. Das kann glaub ich als erwiesen angesehen werden, da hier interne Dokumente an die Öffentlichkeit gelangt sind. Doch auch mit der neuen Rezeptur wird nicht jeder süchtig. Die Ursachen für eine Suchtentwicklung sind sehr vielfältig, es spielt sicher die Persönlichkeit eine Rolle, sicher aber auch die Gene. Aber auch der Stoff alleine kann es sein. Zumindest bei den harten Drogen wie Heroin gibt es eine körperliche Abhängigkeit, der sich keiner entziehen kann.

      In welchem Maße man diese Wirkstoffe zu sich nimmt, muß der Mensch selbst bestimmen können.

      Die Frage ist halt, welche das sind. Wie sinnvoll ist die alleinige Freigabe von Alkohol und Zigaretten? Sollen die Tabakkonzerne weiterhin suchtverstärkende Zusatzstoffe beimischen dürfen? Denkbar wäre ja, dass reiner Tabak erlaubt bleibt, bestimmte Stoffe aber raus müssen. Können andere, speziell weichere Drogen freigegeben werden? Welche Stoffe sind denn wirklich natürlich, wo Du doch gerade darauf anspielst? Die Tabakpflanze alleine ist es ja vielleicht noch, aber was ist, wenn wie üblich Pestizide beim Anbau verwendet werden? Ist Nikotin wirklich ein natürlicher Stoff? Oder ein gefährliches Nervengift? Sicherlich beides. Das Thema ist saukompliziert, einfache Antworten kann man da sicherlich nicht geben.

      Das Verlangen nach Rauschzuständen ist so alt wie die Menschheit selbst […]

      Richtig. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass man das Drogenproblem vermutlich nie wirklich lösen kann.

      Daher regt mich das Rumstochern gerade beim Thema Alkohol auch auf, so gefährlich der Alkohol auch ist und auch angesichts der Tatsache, dass ein großer Teil der Straftaten auf Alkoholkonusm und -missbrauch zurückzuführen sind oder zumindest damit begünstigt wurden, und dass akoholbedingte Krankheiten dem Gesundheitssystem eine Menge Geld kosten.

      Eigenverantwortung, Aufklärung, liberaler Umgang mit Drogen, all dies ist schön und gut und unterstütze ich auch, aber der Punkt, wo der Staat eingreifen soll und muss, ist sicherlich ein schwierig zu findender, was sich auch darin zeigt, dass hier jeder Staat einen teilweise sehr unterschiedlichen Weg geht. Wobei bei diesem Weg auch kulturelle und religiöse Punkte eine ganz erhebliche Rolle spielen.

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