Kopfhörer: Hier spielt die Musik – wie lange noch?

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Vor ein paar Tagen, am 2. Januar, ereignete sich vor dem pep ein schwerer Unfall. Gegen 18:50 überquerten zwei Buben, 14 und 15 Jahre alt, die Thomas-Dehler-Straße, um zum gegenüberliegenden Hanns-Seidel-Platz zu gelangen. Das Rotlicht der Fußgängerampel missachteten sie. Ein Automobillenker konnte den Buben nicht mehr ausweichen und erfasste beide frontal mit seinem BMW. Die Buben wurden dabei schwer verletzt, der 14-Jährige verstarb tragischerweise kurze Zeit später im Spital.

Beide Buben sollen durch Musikberieselung über Kopfhörer abgelenkt worden sein. Speziell dieser Unfall wurde nun in einer Nachrichtensendung eines großen Kölner Privatfernsehsenders neben anderen Unfällen dieser Art als Beleg verwendet, wie gefährlich Ablenkung durch Kopfhörer im Straßenverkehr sein kann.

Kopfhörerverbot für Fußgänger?

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der Fahrradfahrern gerne einen Helm aufsetzen will (Neuperlach.org berichtete), möchte im Gegenzug am liebsten Fußgängern im Straßenverkehr die Kopfhörer und Ohrstöpsel abnehmen. Momentan hält er sich noch mit einem Verbot zurück und belässt es bei Appellen. Tatsächlich haben die tödlichen Fußgängerunfälle stark zugenommen, um erschreckende 25 % innerhalb eines Jahres. Oft waren die Verunfallten durch Musik aus dem MP3-Player oder Handy abgelenkt. Besonders stark sind die Unfallzahlen bei den 15- bis 17-Jährigen gestiegen. Daraus wird ein Zusammenhang konstruiert, da genau dieser Gruppe jugendlicher Leichtsinn gepaart mit dem Konsum zu lauter Musik, die auch unterwegs gehört wird, nachgesagt wird.

Ein Verbot wäre ein weiterer Schritt hin zum Nanny-Staat. Regeln schützen dann den Bürger vor seinem eigenen, gefährlichen Handeln. Dazu muss der Bürger die Regeln aber erst einmal einhalten. Zwar spricht die mangelnde Akzeptanz und Kontrollierbarkeit nicht generell gegen ein mögliches Gesetz. Doch man darf sich hier fragen, wie der Nachweis gelingen soll, dass jemand zu laut Musik gehört hat. Das generelle Tragen von Kopfhörern oder Ohrstöpseln wird man ja kaum verbieten können. Ergo müssen zwei Dinge zusammenkommen: Die Kopfhörer oder Ohrstöpsel wurden erstens im Straßenverkehr bzw. an gefährlichen/belebten Orten getragen, und zweitens war die Musik zu laut eingestellt. Der Nachweis wäre zumindest prinzipiell erbracht, wenn ein Kopfhörer tragender Fußgänger auf Zuruf eines Polizisten nicht reagiert, weil er diesen eben nicht hören kann.

Kopfhörer
Im Wald wäre ein Kopfhörerverbot mehr als nur leicht übertrieben. Foto: Mista.Boos / Lizenz siehe: flickr

All das geht aber zu weit. Mit jedem neuen Verbot geht ein Stück Eigenverantwortung verloren, der Staat breitet seine schützende Hand aus und kann den Bürger dann bei Missachtung des Verbots doch nicht schützen. Ein Kopfhörerverbot für Fußgänger hätte aber immerhin den Vorteil, dass man leichter eine Helmpflicht für Fußgänger einführen könnte. Denn das Aufsetzen eines Integralhelms mit Kopfhörer wird doch eher schwierig. Allerdings gibt es einen kleinen Haken: Mit einem Helm auf dem Kopf hört man viel schlechter, und das gute Hören sollte ja eigentlich verbessert werden. So was aber auch!

5 Gedanken zu „Kopfhörer: Hier spielt die Musik – wie lange noch?“

  1. Jetzt wirds schön langsam ziemlich lächerlich
    Ist die Menschheit heutzutage echt so dumm geworden daß immer alles irgendwie kontrolliert/geschützt werden muß?

    und

    ich wußte nicht daß die Kopfhörer auf die Augen gesetzt werden… oder warum haben sie daß Rotlicht nicht gesehen?
    Wer wegen Kopfhören nicht mehr sehen kann ist schon recht dämlich.

    1. Das habe ich mir auch gedacht. Nur hilft das Gehör halt auch, um Fahrzeuge zu registrieren. Wenn man bei Rot über die Straße geht und auch das Gehör abgeschirmt ist, kommen zwei Gefahrenpotenziale zusammen. (Speziell beim Fahrradfahren höre ich bei Straßen mit Rechts-vor-links-Vorfahrtsregelung oft die Fahrzeuge rechtzeitig, sodass dies eine weitere Sicherung ist.)
      Außerdem kann man ja auch geistig durch die Musik derart abgelenkt sein, sodass man auch nicht mehr auf den Verkehr schaut, da man so in der Musik „drin“ ist.
      Dennoch wäre ein Kopfhörerverbot lächerlich.

    1. Ist klar. 😉 Um den Gag zu ermöglichen, habe ich ausdrücklich „Kopfhörer“ geschrieben, denn bei „echten“ (Bügel-)Kopfhörern wird es schon schwerer mit dem Helm-Aufsetzen.

  2. Da der Junge der gestorben ist mein bester Freund war, und ich seinen und meinen guten Freund noch im Krankehaus besucht hab möchte ich eins klarstellen: Sie hatten die Kopfhörer nicht auf sondern UM und due musik war an und zu hören, jedoch nicht direkt auf den Ohren. Denn welcher soziale Mensch hört denn Musik wenn sein bester Freund nebenan geht?

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