Verweilen statt eilen – Quidde-Zentrum: Abriss und Neubau verzögern sich erneut

Werbung

Der Abriss des Quidde-Zentrum verzögert sich. Das meldet die Wochenzeitung „Hallo“ in ihrer heutigen Ausgabe „Neuperlach, Waldperlach, Neuperlach Süd“ auf Seite 2. Der Grund liegt darin, dass an einem neuen Entwurf gearbeitet wird. Bei der Auswahl und Art der Läden soll besser berücksichtigt werden, was bereits an Einkaufsmöglichkeiten in der näheren Umgebung vorhanden ist. Eigentlich sollte der Abriss noch im Frühjahr 2012 erfolgen (Neuperlach.org berichtete), jetzt aber scheint sich der Abriss auf frühestens im Laufe 2013 zu verschieben.

Die noch vorhandenen Einrichtungen im Quidde-Zentrum (Apotheke, Stadtsparkasse, Konditorei, Second-Hand-Laden, Schreibwarengeschäft, Frisör) bleiben bis auf Weiteres geöffnet. Allerdings stehen einige Läden bereits leer, der Mix Markt und die Stadtbibliothek sind bereits ausgezogen.

Kommentar

Das Einkaufsangebot im nahen Umfeld (das Life, das pep, der Penny auf der grünen Wiese gegenüber, der unfern liegende LIDL) ist eigentlich bekannt, und es gab keine großartigen Veränderungen. Warum ergibt sich jetzt die Einsicht, dass das Quidde-Zentrum (das neben Läden auch Wohnungen vorsieht) in der ursprünglich vorgesehenen Form am Bedarf vorbeigehen wird? Grundsätzlich ist es richtig, dass man lieber noch einmal umplant, bevor neue Leerstände produziert werden. Aber der keineswegs zufriedenstellende Status quo bleibt dadurch noch einmal erhebliche Zeit erhalten. Schon jetzt kann man im Quidde-Zentrum praktisch keine Lebensmittel mehr einkaufen, denn mit dem Mix Markt ging der letzte Supermarkt. Der Mix Markt hätte vermutlich noch geöffnet, wäre die Betreiberkette nicht von einem baldigen Abriss ausgegangen. Viele Bürger würden sich lieber ein renoviertes Quidde-Zentrum wünschen als einen Neubau. Das weiß ich aus zahlreichen Kommentaren und persönlichen Nachrichten. Immerhin gehen Gebäude, die zu den architektonischen Urgesteinen in Neuperlach gehören und eng mit dem besonderen Konzept der Satellitenstadt Neuperlach verbunden sind, unwiederbringlich verloren. Die Sanierung ist aber schon einmal politisch nicht gewünscht, weil man Wohnungen bauen will, die Wohnungsnot in München ist weiterhin groß. Auch wird damit argumentiert, dass eine Sanierung nicht wirtschaftlich sei und ohnehin nur ein Kompromiss, da ein Neubau leichter die Kriterien erziele, die man ein modernes Einkaufszentrum stelle, etwa Barrierefreiheit. Doch bei Letzterem war das Quidde-Zentrum durchaus seiner Zeit voraus. Zwar erfolgt der Zugang vom Parkplatz aus über eine steile Treppe, aber durch das Quidde-Zentrum führt das Neuperlacher Fußwegsystem. Dadurch wird das Zentrum ohne Treppen über nur sanfte Steigungen von zwei Seiten aus erschlossen (Richtung Hachinger Bach und Richtung Plett-Zentrum/U-Bahn Quiddestraße) und ist damit zumindest dort barrierefrei.

So sah es im Quidde-Zentrum noch 2010 aus (Archivfoto) © Thomas Irlbeck
Idylle im Quidde-Zentrum, die noch einige Zeit anhalten wird (Archivfoto) © Thomas Irlbeck

8 Gedanken zu „Verweilen statt eilen – Quidde-Zentrum: Abriss und Neubau verzögern sich erneut“

  1. Ich kann dem Kommentar nur 100%ig zustimmen!!!!
    Man sollte unbedingt renovieren und nicht abreissen! Die Barrieren mit neuen Rampen ueberwinden und so weit wie moeglich alles so belassen, wie es ist. Man kann, wenn noetig, neue Wohnungen darauf oder daneben bauen. Das ist nicht schoen, aber Neuperlach behaelt so seinen Charakter. Urspruenglich war hier alles mal befremdend, aber heute, nach 40 Jahren , ist auch hier im Quiddezentrum die Heimat von vielen Leuten, das darf man nicht aus Geldgruenden zerstoeren!
    Druecken wir die Daumen!!

    1. Ein Erhalt steht bei den Verantwortlichen nicht zur Debatte. Es geht nur darum, den Branchenmix zu verändern, wie viele und welche Art von Läden in welcher Größe kommen in den Neubau rein, was sonst noch an Gewerbe. Es wird wohl bei dem Neubau bleiben, der sich aus zwei Bauten – einem sieben- und einem sechsstöckigen Bau zusammensetzt.
      Für einen Erhalt des Quidde-Zentrum gibt es keine Lobby.
      Wohnungen auf den bestehenden Bau zu setzen, wäre sicherlich interessant, aber eine statische Herausforderung, wenngleich nicht völlig unmöglich.

  2. Wohnungsnot in München? das Problem könnte sich lösen, wenn diese bescheuerten scheiß Geldscheisser ihre Mieten senken würden!!!!!!!!!
    Dann könnte ich mir auch eine Rückkehr überlegen.

  3. Schade! Ich koennte mir die Wohnungen aber auch auf dem Parkplatz vorstellen, mit zweistoeckiger Tief- oder Hochgarage fuer das Quiddezentrum. Die einzige steile Trappe ist ja die vom Parplatz, das muesste man umbauen, von St. Jakobus aus ist das nicht steil, es muesste nur ein bisschen angepasst werden. Lidl und Penny werden aber zur unueberwindlichen Konkurrenz fuer alle Einkaufszentren, die haette man vielleicht ausserhalb eines Einkaufszentrums von Anfang an nicht zulassen duerfen..

    1. Die jetzige Situation ist in der Tat suboptimal. Der Penny entstand auf dem Grundstück einer ehemaligen Tankstelle. Wer das Quidde-Zentrum noch nutzt (Schreibwarengeschäft, Apotheke, Stadtsparkasse…) muss die Lebensmittel nun außerhalb kaufen, zu den beiden Discountern sind es 5 Minuten zu Fuß (in zwei verschiedene Richtungen, die Discounter stehen an verschiedenen Orten!), für den Großeinkauf nimmt man dann das Auto. Durch diese Zerklüftung ist der Nutzen des Subzentrums (Ladenzentrums) weitgehend verloren gegangen.

      Die bestehenden Einrichtungen im Quidde-Zentrum dürften Kunden verlieren, weil das Gesamtpaket nicht mehr stimmt. Es ist zu befürchten, dass das Quidde-Zentrum irgendwann ganz leersteht und nur noch zum Durchgang über das Neuperlacher Fußwegsystem dient.
      Leider wird ja dieser Zustand mindestens knapp 2 Jahre betragen (nur bis zum Abriss gerechnet), vielleicht auch viel länger. Bis zur Eröffnung kann man also mindestens ca. 3,5 Jahre rechnen, keiner kann sagen, ob es nicht auch 5 Jahre oder mehr werden. Für die Anwohner alles andere als schön.
      Auf den Parkplatz könnte man sicher ein schönes Haus stellen, vielleicht auch zwei, bräuchte aber dann sowohl für das Haus als auch für das Quidde-Zentrum eine Tiefgarage. Ob man diese aus statischen Gründen dann irgendwo unterbringen könnte, ist fraglich. Unter das Quidde-Zentrum ist es kaum möglich und unter einem Hochhaus (na ja, fast, die beiden geplanten Häuser bleiben knapp unter der Hochhausgrenze) sicher auch aufwändig.

      Wir wissen auch nicht, ob das Quidde-Zentrum z.B. ein Asbestproblem hat, das eine Sanierung zu aufwändig machen würde. Man hat das Ganze damals untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass ein Neubau wirtschaftlicher ist.

  4. Ich kenne die Lidl Politik gut, die wollen ihren eigenen Bau oder gar nichts. Da bliebe nur noch, den Penny von dort ‚rauszuwerfen‘ und in das Quiddezentrum zu ‚zwingen‘, eventuell in die Raeume von Mixx + ehem. Wienerwald/Stadtsparkasse. Die Tief/Hochgarage unter den neuen Haeuser ist 100-ig realisierbar. Wenn Asbest noch nicht erwaehnt wurde, gibt es auch keinen. Der ist eine so toll Ausrede zum Abriss, das waere schon vorgebracht worden. Klaro, dass Abbruch & Neubau wirtschaftlicher ist, aber das ist fuer mich kein gutes Argument, es geht mir nicht um die BILLIGSTE, sondern um die VERNUENFTIGSTE Loesung. Auf das Quiddezentrum kann man hoechstens Wohnungen in Light-Bauweise draufstellen, aber 4 oder 5 Stockwerke kriegt man da bestimmt darauf. Daneben neu auf den Parkplatz waere aber wesentlich besser, so hoch sie wollen. Und irgendwie versuchen, den Lidl da wegzubekommen, der ist sicher sehr bequem, aber dann darf man sich nicht ueber das heruntergekommene Umfeld (Quiddezentrum) beschweren. Ist das Ansichtssache??

    1. Über eine etwaige Asbestbelastung wurde tatsächlich nicht berichtet, wenngleich Asbest zur damaligen Zeit üblicherweise eingesetzt wurde.

      Die Süddeutsche Zetung schrieb damals folgendes Ernüchterndes zum Zustand des Quidde-Zentrum:

      Da eine sinnvolle Sanierung einem Neubau gleichkommt, wurde eine Bauvoranfrage eingereicht…

      Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 06.05.2010

      Ein Discounter oder Supermarkt in den Räumen des Mix Markt oder der Stadtbibliothek (früher EDEKA!) würde mir gefallen. Da jetzt wohl noch fast zwei Jahre, vielleicht auch länger geplant wird, würde sich das sogar eventuell noch im alten, nicht renovierten Gebäude lohnen.

  5. Die wollen ja groessere Raeumlichkeiten als damals. Deshalb meinte ich, eventuell einen Durchgang (zwischen Ex Wienerwald und ex Mixx wohl am Besten) schliessen und einen grossen Laden daraus machen. Da muessen die Leute zum Quiddezentrum und es belebt sich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.