Der Telefonterror Toni – schlecht aufgelegt

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Der „Telefonterror Toni“ ist ein wenig gelungener, eigentlich schrecklicher, aber eingängiger Schlager. Vielleicht kennen den manche hier noch. Er ist so schrecklich, dass ich ihn hier nicht einbinde. Aber man findet ihn auf Youtube. Der Begriff „Telefonterror Toni“ passt jedoch heute besser denn je, auch wenn der Toni im Lied ein Scherzbold ist und gar nicht im Callcenter sitzt und auch keine unseriösen Produkte verkaufen will. Aber die heutige Telefonwerbung grenzt immer mehr an Telefonterror, und allen (oft nur halbherzigen) Bemühungen der Politik zum Trotz scheint sie immer weiter zuzunehmen.

Telefonwerbung = Telefonterror!?

Telefon
Ein herrliches Gerät. Es schrillt, man nimmt ab und meldet sich. Spreche ich mit „Vorname Nachname“? Spreche ich mit dem Geschäftsführer? Solche Fragen sind verdächtig, sie deuten auf Telefonwerbung hin. Aber noch muss man brav „ja“ sagen und weiter zuhören, sonst kann das Ganze ungewollt enden. Foto: Pete Prodoehl / Lizenz siehe: flickr

Vor ein paar Tagen etwa bekam ich zwei Anrufe von zwei verschiedenen Blindenwerkstätten in einem Abstand von nur etwa einer Stunde. Eine rief mit Rufnummernunterdrückung an, die andere ohne. Also waren es wirklich zwei verschiedene. Praktisch täglich melden sich Agenturen, die mir eine private Krankenversicherung aufschwatzen wollen. Dazu kommen viele, viele Umfragen. Sponsoringanfragen sind auch jede Menge dabei, ebenso Finanzdienstleister. Besonders schlimm ist, dass oft gar niemand dran ist. Um effektiver zu arbeiten, wählen die Mitarbeiter in Callcentern gleich mehrere Nummern gleichzeitig. Damit reduzieren sie den Leerlaufanteil ihrer Arbeitszeit. Wenn dann aber mal mehrere Leute fast gleichzeitig abnehmen, kann der Mitarbeiter natürlich nur mit einem sprechen und muss die anderen Gespräche parken oder beenden. Die Angerufenen, die dann in ihrer Arbeit oder Freizeitaktivität durch tote Anrufe gestört werden, sind als Kollateralschäden hinzunehmen. Moral spielt hier bei der Gewinnmaximierung keine Rolle.

Die richtige Strategie gegen den Telefonterror

Wenn man den Anruf einfach ignoriert, weil keine bekannte Nummer auf dem Display erscheint, entgehen einem vielleicht Anrufe, die gar keine Telefonwerbung sind. Im schlimmsten Fall handelt es sich um den wichtigsten Anruf des Lebens. Außerdem rufen die Telefonwerber dann immer wieder an, oft täglich. Zu fast jeder Uhr- und Unzeit. Bis man irgendwann abnimmt.

Besser ist es also, man geht hin. Schlecht ist, sich dann auf ein Gespräch einzulassen, da man dann fünf Minuten erklären muss, warum man kein Interesse hat. Also sollte man einfach auflegen. Es ist o.k., denn ein Gespräch bringt beiden Seiten absolut nichts und kostet nur beidseitig Zeit. Ich gehe nämlich auf keine Angebote ein und nehme auch nicht an Umfragen teil. Die Kunst besteht darin, den richtigen Zeitpunkt für das Auflegen zu finden. Wenn sich eine Firma meldet, ist oft einige Zeit nicht klar, ob diese mir was verkaufen will, was ich nicht brauche, oder mich als Firma beauftragen will. Oder der Anrufer hat vielleicht auch einfach eine Frage zu meinen Blogs. Um ein Haar habe ich schon das eine oder andere Mal zu früh aufgelegt.

Klingeling – und schon wieder läutet es. Ich höre ein paar Sekunden zu. Als klar ist, dass mein Unternehmen Sponsoring durchführen soll, lege ich auf. Bis jetzt hat dies ganz gut funktioniert. Doch dieses Mal ist alles anders. Es dauert nur wenige Sekunden, dann klingelt derselbe Telefonwerber schon wieder. Hat er es nicht kapiert? Ich lasse ihn auf den Anrufbeantworter auflaufen. Manchmal muss man die Strategie wechseln.

5 Gedanken zu „Der Telefonterror Toni – schlecht aufgelegt“

  1. Du hast mein Mitgefühl, zum Glück werde ich von solchen unerwünschten Anrufern weitgehend verschont.
    Könnte man in solchen Situationen nicht mit BGB, UWG und anderen juristischen Waffen drohen? Dann wäre man den „Gesprächspartner“ bestimmt auch zügig los…wahrscheinlich gibt es jedoch genug „Schlupflöcher“ dank denen man auch mit o.g. machtlos wäre.

    Im Zweifelsfall bevorzuge ich ebenfalls die von dir genannte Lösung. 😉

    1. Einige Telefonwerber, die ich früher zur Rede stellte, beriefen sich darauf, dass Firmen bei Firmen anrufen dürfen. ganz falsch ist das auch nicht. Aber ein Großteil ist Telefonwerbung, die sich an Privatleute richtet. Diese ist eindeutig illegal, es sei denn, man hat irgendwo angekreuzt, dass man angerufen werden will. Auch das Unterdrücken der Rufnummern nimmt nach meiner Beobachtung wieder zu. Aber auch wenn eine Nummer angezeigt wird, ist dies kaum hilfreich. Viele der Callcenter sind im Ausland, die übermittelten Rufnummern manipuliert. Wenn da ein Anruf aus Frankfurt zu kommen scheint, hängt oft ein Callcenter aus Istanbul dran.

  2. Die Loesung ist wohl nicht ganz einfach, ich glaube man kann einfach auf ein Handy ausweichen oder die Festnummer aendern, anfragen dass die neue nicht auf dem Telefonbuch erscheint, und sie dann allen vermitteln, die einem in den Sinn (oder in der persoenlichen Telefonrubrik)kommen. Aufwaendig aber vielleicht die einzige Loesung. Eine auf dem Telefonbuch nicht vorhandene Nummer darf meines Wissens nicht angerufen werden, ohne angeben zu koennen, wo man sie her hat. Diese Frage wird eben dann im raren Falle eines Anrufes die Zauberfrage, die den Anruf sofort beendet. Oder hoffentlich..

  3. Ich habe nach einem Umzug konsequent allen Firmen o.ä. eine Rufnummer gegeben, die sofort, ohne zu läuten, auf einen AB läuft.
    Fast täglich rufen dort Leute an, die Werbetreibenden legen wieder auf, andere Sprechen drauf.
    Bis jetzt funktioniert die Selektion gut. Geschäftspartner so wie Freunde haben natürlich eine „echte“ Nummer…

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