Eigentümerversammlung – die Panne

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Mülltonnenaufzug außer Betrieb
Die Mülltonnenaufzüge sind außer Betrieb. Die Mülltonnen stehen seit knapp einem Jahr auf dem Spielplatz (Archivbild von 2011) © Thomas Irlbeck

Seit fast einem Jahr stehen in meiner Wohnanlage die Mülltonnen im Freien, genauer auf dem Spielplatz. Der Grund dafür ist, dass der TÜV die Mülltonnenaufzüge wegen Sicherheitsmängeln stillgelegt hat, entsprechend können die Tonnen nicht mehr von den Müllträumen im Keller an die Oberfläche transportiert werden. Aus dem gleichen Grund sind auch die Müllschlucker stillgelegt – der Müllabwurfschacht endet im Keller, und das wäre dann Endstation für den Müll (Neuperlach.org berichtete). Doch das Hauptmerkmal von Sanierungsvorgängen ist: Sie dauern lange und länger. Nur die Ewigkeit im christlichen Glauben währt länger fort. Immerhin hat man im Juli letzten Jahres eine Neuerrichtung der Mülltonnenaufzüge beschlossen. Ebenso wurde ein Beschluss gefällt für eine Abdichtung der Müllschlucker-Einwurfklappen und den Einbau einer Sprinkleranlage im Müllraum – jeweils exklusiv nur im Haus 58, weil dieses als echtes Hochhaus gilt und die aktuellen Sicherheitsvorschriften das jetzt für Hochhäuser vorschreiben. Doch bis heute laufen keine Bauarbeiten. Der Knackpunkt ist jetzt, dass alle Unternehmen, die bei der Ausschreibung ein Angebot abgaben, deutlich den Kostenrahmen sprengten – genauer um 25.000 EUR beim niedrigsten und damit favorisierten Angebot. Daher wurde zu einer außerordentlichen Eigentümerversammlung eingeladen, um eine Nachgenehmigung für diese 25.000 EUR einzuholen. Bei dieser Gelegenheit sollten auch ein paar weitere Punkte besprochen werden.

Als ich pünktlich um 17:30 eintreffe, sind weit weniger Eigentümer anwesend, als es sonst üblich ist. Die Versammlung wird eröffnet und sofort wieder geschlossen. Das ist aber ein bekanntes Ritual, das ich bislang noch immer erlebt habe. Denn die erforderliche Anwesenheitsquote wird auch bei besser besuchten Eigentümerversammlungen kaum erreicht. Aber es gibt ja dann die zweite Versammlung nach einer Wartefrist von einer halben Stunde. Bei dieser ist man dann auf jeden Fall beschlussfähig, unabhängig davon, wie viele Eigentümer noch eintreffen. Es kommt jedoch zwischen 17:30 und 18:00 fast niemand mehr. Ich gehe davon aus, dass der Grund darin liegt, dass die meisten die heutige Versammlung als reine Formsache ansehen und sie das Thema schon anödet. Ich sollte falsch liegen, was das Nichterscheinen anbelangt, wie sich später noch herausstellen wird.

Kostensteigerung bei den Mülltonnenaufzügen

Die Versammlung wird dann um 18:00 eröffnet. Ich erfahre den Grund, warum das Ganze teurer wird. Zu einem geringen Teil liegt es daran, dass Aufzüge allgemein teurer geworden sind. Zu einem großen Teil ist die Ursache aber darin zu suchen, dass man beim Korrosionsschutz nachbessern will. Schließlich sollen die Plattformen der Müllaufzüge nicht schon nach zwei Jahren ein Opfer des Rosts werden. Im Raum regt sich kaum Widerstand. Die Erhöhung des Kostenrahmens wird schließlich einstimmig genehmigt. Nun also können die Arbeiten beauftragt werden. Wohl noch im Sommer wird der Zustand, dass die Kinder neben den Mülltonnen spielen, endlich beendet.

Pergola – ohne ist man noch weniger zufrieden

Ein weiterer Punkt ist die Pergola. Diese wurde inzwischen entfernt, da sie nicht mehr zu retten war. Ein Eigentümer wählt sehr deutliche Worte, dass die Parkanlage ohne Pergola nun sehr schlimm aussehe. Die Verwalterin weist darauf hin, dass im Dezember letzten Jahres ausdrücklich nur die Entfernung der Pergola beschlossen wurde, ein Neubau der Pergola jedoch abgelehnt wurde. Der Eigentümer kann sich die Bemerkung nicht verkneifen, er habe ja für einen Neubau gestimmt. Die Verwalterin schlägt vor, er solle einen Antrag auf Neuerrichtung einer Pergola einreichen, im Dezember könne dann bei der regulären Eigentümerversammlung darüber abgestimmt werden. Ein weiterer Eigentümer weist noch darauf hin, dass ja auf dem Nachbargrundstück ein Bauvorhaben umgesetzt werde und eine optische Abgrenzung daher umso wichtiger sei.

Zustand vor der Demontage

Pergola
Der Zustand der Pergola … (Archivbild von 2011) © Thomas Irlbeck
Pergola
… ist so schlecht, dass da … (Archivbild von 2011) © Thomas Irlbeck
Pergola
… nichts mehr zu retten war (Archivbild von 2011) © Thomas Irlbeck

Vorher vs. nachher

Betrieb auf dem Mülltonnenspielplatz
Vorher: Mülltonnenspielplatz mit Pergola (Archivbild von 2011) © Thomas Irlbeck

Ohne Pergola sieht die Parkanlage aber auch nicht schöner aus, ganz im Gegenteil:

Mülltonnenspielplatz ohne Pergola
Nachher: Mülltonnenspielplatz ohne Pergola (16.03.2012) © Thomas Irlbeck
Ohne Pergola
Der traurige Rest der Pergola (16.03.2012) © Thomas Irlbeck

Dreckspatz in der Wohnanlage – Müllabwurf von der Loggia

Und es soll noch einen Aufreger geben: Frau B. (Name geändert), die in einem Stockwerk ziemlich weit unten wohnt, berichtet davon, dass mindestens ein Bewohner Zigarettenkippen, Obstreste und weiteren Müll einfach von der Loggia werfe. Diese Abfälle würden in ihrem Blumentrog landen, den sie als Kräutergarten nutze. Diese Verwendung sei nun nicht mehr möglich. Selbst eine Damenbinde habe sie schon bei der Ernte gefunden. Der Täter sei bislang nicht zu lokalisieren. Die Verwalterin schlägt vor, per Rundschreiben alle Bewohner zu Ordnung und Anstand aufzurufen. Aber ob das reicht? Nach kurzer Überlegung verkneife ich mir den Vorschlag, eine Überwachungskamera anzubringen. Frau B. wirft auch mir einen Blick zu. Ob sie mich in Verdacht hat? Ich rauche nicht und auch hält sich mein Verbrauch an Damenbinden als Mann eher in Grenzen. Ein Eigentümer meint, mit der Wiederinbetriebnahme der Müllschlucker im Sommer werde sich die Situation wieder verbessern. Er kann damit nicht überzeugen, es gibt Widerspruch im Raum. Wer einen fehlenden Müllschlucker als Freibrief sieht, den Müll nun von der Loggia zu werfen, der hat generell ein Defizit.

Die Panne

Kurz vor dem Ende der Versammlung kommt unerwartet Besuch. Die Person berichtet, sie habe beobachtet, dass sich vor der Kirche (die Versammlung findet immer in der Kirche statt) ein Grüppchen von Leuten gebildet habe, die dann wieder abgezogen seien, da sie wegen verschlossener Türen nicht in die Kirche gelangen konnten. Darunter sollen Eigentümer gewesen sein, die dann wieder nach Hause gegangen seien. Es wird vermutet, dass ein Kirchenmitarbeiter die Außentüre irgendwann zwischen 17:30 und 18:00 abgesperrt hat, da ihm wohl entgangen war, dass im Versammlungsaal getagt wurde. Tatsächlich fehlten zahlreiche Gesichter, die man sonst bei jeder Versammlung sah. Nach meinem Verständnis können die betroffenen Eigentümer den Beschluss in puncto Mülltonnenaufzüge nun anfechten, trotz Einstimmigkeit. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass jemand Gebrauch davon macht, da es keine Alternative zum Beschluss gibt. Die ausgesperrten Eigentümer werden es wohl mit Humor nehmen (müssen).

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