Grüne Zähne im grellblauen Studio

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Neue Farben: Darf es ein kräftiges Rot sein? Gesehen an der Kurt-Eisner-Straße (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Vieles unterzieht sich einem Wandel. In Neuperlach etwa werden die Häuser nach Sanierungen bunter. Grautöne und eher sehr blasse Farben werden nun oft ganz schön knallig. Eigentlich bin ich ein Freund des Bunten. Inzwischen habe ich aber auch eine andere Seite gesehen, nämlich dass die Architekten Hochhäuser ursprünglich als Hochgebirgsfelsen begriffen und ihnen daher Farben verpassten, die dort, ganz weit oben, zu finden sind, also weiß, beige, braun, grau, vielleicht auch ein gepflegtes Blaugrau.

Knallige Farben sind nicht jedermanns Fall. Ich verurteile sie nicht, habe aber in letzter Zeit gemerkt, dass ein knalliger Anstrich störend sein kann, wenn man sich in einem Raum aufhält, in dem man eine solche farbliche Herausforderung beim Haus gegenüber aus dem Fenster erblicken darf. Selbst wenn man nicht gezielt aus dem Fenster schaut, wirkt das Knallige im eigenen Raum. Der ganze Raum scheint was von der Farbe abzubekommen, das ganze Licht davon infiziert zu sein. Vermutlich kann man sich daran gewöhnen. In einem Wartezimmer einer Arztpraxis in Ramersdorf war ich aber dennoch froh, als ich wieder draußen war, zu störend empfand ich das strahlende Gebäude auf der anderen Straßenseite.

Ein Zahnarzt hat sich mal beschwert, dass er nun bei der Herstellung seines Zahnersatzes Probleme mit dem Weißabgleich habe. Das grelle Dach der Trambahnwendeschleife an der Münchenr Freiheit sei schuld. Wenn Sie also jemand mit grünen Zähnen sehen, dann wissen Sie nun, zu welchem Zahnarzt er geht.

Neonblau Domian
Etwas gewöhnungsbedürftig. Der Kullttaker vor grellblauer Kulisse. Der Hirsch hebt ab bei solch berauschenden Farben. Sendung vom 17.04.2012

Auch Neonfarben sind derzeit schwer „in“. Der Nighttalker Domian ist gestern in ein neues Studio gezogen. Man hat sich an das alte Studio gewöhnt. Über viele Jahre sendete er tagtäglich oder besser „nachttäglich“ oder noch besser „nachtnächtlich“ daraus. Mir war von vornherein klar, dass es eine gewisse Zeit dauern dürfte, bis ich mich an ein neues Studio gewöhnen würde. Doch mit einer so grellen Kulisse hatte ich nicht gerechnet. Kann man sich mit dem Neonblau wirklich arrangieren? Bei den vielen Facebook- und Twitter-Reaktionen der Zuschauer fand ich keine einzige positive Meinung. Es wurde sogar der Tipp verbreitet, das TV-Bild auf Schwarzweiß zu schalten. Zumindest den WDR sollte man in WDR NEO(N) umbenennen.

Update 19.04.2012

Die Wand ist nun nicht mehr so grell, Domian hatte ein Einsehen.

2 Gedanken zu „Grüne Zähne im grellblauen Studio“

  1. Habe – wenn es zeitlich möglich war – Domian angeschaut. Am Montag war die letzte Sendung, die ich gesehen habe. Dank des neuen Studios! Man könnte meinen, er sitzt in einem „wasserlosen“ Pool. Kein Vergleich zu dem alten Studio. Furchtbare Farbe und alles so leer – nur Domian und der Hirsch! Das war’s!

    Harriet Grass

  2. Licht kommt ja nicht nur direkt von der Sonne herunter sondern wird zum Teil auch von horizontalen oder vertikalen Flaechen in die Raeume gespiegelt. Deshalb hat man dieses Schleimgruen oder Knallrot dann im Raum. Bei Altbauten wurde dies schon verstanden, die relativ engen Innenhoefe sind immer in engen, neutralen Farben gehalten, sonst hat man ihre Farben auch in den Zimmern. In Neuperlach sind die Abstaende gross genug, um dies (fast immer) zu vermeiden. Warum muss das Neue immer so extrem aufdringlich sein? Man koennte es auch diskret integrieren und es dem aufmerksamen Beobachter ueberlassen, das Neue aus dem Alten herauszulesen. Dies waere eine bessere Loeseung. Das Ultramoderne wird schnell alt und, wenn es nicht super ist, stoerend und dann dringend erneuerungsbeduerftig..

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