Eine Lüge, die Spaß macht: „Kein Anschluss unter dieser Nummer“

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Schon einmal habe ich über eine Plage unserer modernen Zeit gesprochen: Telefonwerbung. Der Begriff klingt zu harmlos. Cold call, der kalte Anruf, wird dem Phänomen auch nicht gerecht. Der würdige Begriff ist dann vielleicht doch Telefonterror.

Das Telefon schrillt. Wenn man abnimmt, ist nicht immer jemand am Rohr. Die Erklärung dafür ist simpel: Es wäre viel zu ineffektiv, wenn die Callcenter-Mitarbeiter sequenziell vorgehen, also eine Nummer nach der anderen ausprobieren würden. Leerlauf und Stillstand wären die Folge, denn die Leutchen werden ja schließlich fürs Verkaufen, oft auch fürs Hardselling, also dem Verkaufsgespräch Abschluss um jeden Preis, bezahlt. Also wählen sie nicht direkt selbst. Stattdessen wählt der Kollege Computer für sie, und zwar gleich mehrere Nummern synchron. Effektivität ist alles. Damit wird die Chance, tatsächlich gleich mit einem „Kunden“ sprechen zu können, vom Unwahrscheinlichen ins Unermessliche gesteigert. Dumm nur, wenn dann doch mal mehrere Leute fast gleichzeitig rangehen. Dann müssen die überzähligen Verbindungen gekappt, die Leute im besten Fall zumindest zwischengeparkt werden. Solche abgebrochenen Anrufe sind besonders ärgerlich, weil die Angeworbenen gestört werden, aus der Arbeit rausgerissen oder unsanft aus der Badewanne geholt werden, weil sie einen wichtigen Anruf erwarten. Aber dann bekommen sie nicht mal eine Chance dafür, kurz ein Desinteresse zu bekunden und dann aufzulegen. Nein, da das Gespräch nicht wirklich zustande gekommen ist, gibt es unter derselben Nummer natürlich noch viele weitere Anrufe, schön sauber verteilt über den Tag oder die Woche. Selbst ein Auflegen wird nicht immer ablehnend gewertet, es geht weiter und weiter.

Freihandtelefon
Immerhin hat man bei diesem Modell beide Hände beim Telefonieren frei. Foto: So Sylvie / Lizenz siehe: flickr

Inkassobüros preisen ihre genialen Dienste an, extrem viele private Krankenversicherungen mit sensationell gesunden Tarifen sind dabei, dann gibt es Zeitschriftenabonnements, Firmensponsoring, Finanzdienstleistungen, Telekommunikationsunternehmen, Gewinnspiele und vieles mehr.

Da sich die Nummern wiederholen und die Leutchen auch gerne nach ein paar Wochen oder Monaten immer wieder neu nerven und gleichzeitig Rufnummernunterdrückung (da verboten) seltener geworden ist, wäre es toll, wenn man bestimmte eingehende Rufnummern sperren könnte.

Nachdem ich mich die letzten Tage wieder richtig ärgern musste, reagierte ich nun. Schon länger liebäugelte ich mit einer Fritzbox. Im Prinzip handelt es sich dabei um einen WLAN-Router mit einer Menge zusätzlicher Netzwerk-, Telefon- und Multimediafunktionen. Mein bisheriges Gerät ist ein Telekom Speedport, das im Wesentliches auch alles kann, aber keine Sperrung für eingehende Anrufe via Rufnummern-Sperrliste beherrscht. Auch ist das WLAN bereits im Nebenzimmer ziemlich wacklig, wofür die guten Neuperlacher Stahlbetonwände verantwortlich sein dürften. Also gibt es gleich einige Gründe für die Anschaffung einer Fritzbox. Der Spieltrieb tut sein Übriges.

Fritzbox Rufnummernsperre
Fritzbox RufnummernsperreHier heißt es „draußen bleiben“. Rufnummernsperre bei der Fritzbox

Heute brachte der freundliche Postbote die Fritzbox, das Modell „Fon WLAN 7390“. Der Anschluss war unproblematisch. Als eine der ersten Aktionen habe ich die Rufnummernsperre ausprobiert. Toll, ein gesperrter Anrufer bekommt nur ein „Kein Anschluss unter dieser Nummer zu hören“. Eine kleine Lüge, aber was macht das schon?

Ein kleiner Schönheitsfehler ist, dass die eingehenden Anrufe zwar schön aufgelistet werden, aber man Nummern von dort nur ins Telefonbuch, aber nicht gleich in die Sperrliste übernehmen kann. Aber hier muss Dr. Copy & Paste helfen. Offenbar gingen die Entwickler davon aus, dass man nur ab und zu Rufnummern sperrt und ein paar Mausklicks mehr nicht weiter schlimm sind. Sind sie auch nicht, immerhin muss man die Nummern nicht vom Telefondisplay abschreiben.

Nun ist davon auszugehen, dass die Callcenter auch aufrüsten und diese die Endziffern der Rufnummern, die derzeit noch erstaunlich stabil sind, immer öfter variieren werden. Immerhin kann man auch ganze Rufnummernblöcke sperren. Damit dürfte man viel abdecken. Jeder unerwünschte Anruf weniger ist ein Gewinn.

Dann macht das Telefonieren auch wieder Spaß und wird nicht zum Hassobjekt. Schon oft wurde das Thema Telefon musikalisch aufgearbeitet. Die vielleicht bestgelungene Hommage an das Telefon ist „Der Telefonanruf“ von Kraftwerk (1986). Dort endet aber die geniale Liebesbekundung „Du bist mir nah und doch so fern – ich ruf‘ dich an, ich hör‘ dich gern“ mit einem frustrierenden „Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht erreichbar“. Mit der Rufnummernsperre bin ich aber nun gerne mal nicht erreichbar.

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