Hier scheiden sich die Geisterradler (Update 14.09.2012)

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Radverkehrsführung Solalindenstraße/Wasserburger Landstraße
Sonderbare Radverkehrsführung an der Einmündung der Solalindenstraße in die Wasserburger Landstraße – Bild anklicken, um zu vergrößern (11.09.2012) © Thomas Irlbeck

Gestern machte ich mal wieder eine Entdeckung in der Reihe „sonderbare Radverkehrsführungen“. Wir befinden uns in Trudering. Die Verkehrsführung, die offenbar recht neu ist, ist auf den ersten Blick nicht nur sonderbar, sondern total sinnlos (das Bild unbedingt anklicken, um es zu vergrößern!).

Konkret kann man hier zunächst als Radfahrer aus der Solalindenstraße nach rechts in die Wasserburger Landstraße abbiegen – wie der motorisierte Verkehr auch. Man kann aber als Radler auch links abbiegen und hat dafür sogar eine eigene Linksabbiegespur. Auf diese Weise überquert man den zweiten Arm der Solalindenstraße – in Gegenfahrtrichtung auf einem aufgemalten Radstreifen – direkt neben den Autos, die einem ein paar Zentimeter weiter rechts hier entgegenkommen. Der Radstreifen endet aber sofort wieder und nun hindert ein rotes Fahrradschild jegliche Weiterfahrt. Man kommt gerade einmal zum ersten Reihenhaus.

Man kann das Bild noch so lange betrachten und wird wahrscheinlich dennoch keinen Sinn darin finden. Es sei denn, man sieht sehr genau hin: Dann erkennt man rechts neben dem rechten Reifen des blauen Autos einen Fußgängerüberweg. Man erleichtert somit den Radlern mit dieser Verkehrsführung, diesen Weg (natürlich schiebend) zu nutzen und somit tatsächlich nach links in die Wasserburger Landstraße „abzubiegen“ und somit stadteinwärts zu fahren.

Linksseitige Radverkehrsführungen sind aber generell gefährlich und die Kommunen sind sogar per Verwaltungsvorschrift angewiesen, diese innerhalb geschlossener Ortschaften gar nicht anzuordnen, allenfalls in berechtigten Ausnahmefällen. Das Problem der linksseitigen Radverkehrsführungen liegt darin, dass motorisierte Verkehrsteilnehmer oft nicht auf entgegenkommende Radfahrer, die zudem dann auch in der Regel Vorfahrt haben, eingestellt sind. Dies provoziert schwere Unfälle. Außerdem müssen die Radfahrer oft erst einmal die Straßenseite wechseln, um zum Radweg zu gelangen, was auch nicht ungefährlich ist (hier entfällt dies aber).

Die allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO) schreibt in §2, Randziffer 33, dazu:

Die Benutzung von in Fahrtrichtung links angelegten Radwegen in Gegenrichtung ist insbesondere innerhalb geschlossener Ortschaften mit besonderen Gefahren verbunden und soll deshalb grundsätzlich nicht angeordnet werden.

Quelle: http://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_26012001_S3236420014.htm

Hier kommt aber noch erschwerend dazu, dass Radfahrer dazu verleitet werden, anstatt ihr Fahrrad über den Überweg zu schieben, verbotswidrig geradeaus weiterzufahren. Denn nicht jeder dürfte den Sinn mit dem Überweg erkennen und manche sehen die Verkehrsführung als Abkürzung, um zur nächsten Querstraße zu gelangen. Daher sieht man hier mal wieder ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte. Die alte Verkehrsführung ohne Linksabbiegespur bedeutete zwar eine längere Strecke (und einen U-Turn an der nächsten Kreuzung), aber war verständlicher, weniger gefährlich und zwang den Radfahrer auch nicht zum Absteigen. Immerhin kann man die alte Route weiterhin legal nutzen – wenn man weiß, dass es sie gibt und sich nicht durch die Schilder und die vielen Bodenmarkierungen mit ihren Linien und Pfeilen irritieren lässt.

Update 14.09.2012

Zugegeben hatte ich hier ursprünglich bewusst ein irritierendes Bild eingestellt, das eine gewisse Sinnlosigkeit der Verkehrsführung demonstrieren soll. Als Reaktion auf den Kommentar von MünchenRadler (vielen Dank dafür!) habe ich heute die Stelle noch einmal besucht und zeige nun die gesamte Szenerie. Aus Sicht des Autoverkehrs wird man mit einem Radfahrer-Gefahrenschild gewarnt (linkes Bild). Allerdings gibt es von diesen Schildern ach so viele und dass Radfahrer von vorne kommen, wird hier nicht veranschaulicht. Das mittlere Bild zeigt die Konstellation aus Sicht des rechtsseitig fahrenden Radverkehrs. Hier wird auch deutlich, dass sich auf einem kurzen Stück der gesamte Radverkehr, also inklusive Gegenverkehr, eine einzige Spur teilen muss (Standardradwegbreite). Das rechte Bild zeigt den Überweg selbst, der auch nicht vorbildlich ist, da parkende Autos auf dem Seitenstreifen eine gefährlichere Zickzack-Überquerung notwendig machen.

Radverkehrsführung Solalindenstraße/Wasserburger Landstraße
Aus der Sicht des Autoverkehrs (14.09.2012) © Thomas Irlbeck
Radverkehrsführung Solalindenstraße/Wasserburger Landstraße
Aus der Sicht des Radverkehrs (14.09.2012) © Thomas Irlbeck
Radverkehrsführung Solalindenstraße/Wasserburger Landstraße
Der Übergang – eher schräg als geradlinig (14.09.2012) © Thomas Irlbeck

3 Gedanken zu „Hier scheiden sich die Geisterradler (Update 14.09.2012)“

  1. Die Radweg-Führung ist wirklich ungewöhnlich. Rote Markierungen auf dem Boden oder ein Hinweisschild für Autofahrer (gibt es ein Hinweisschild zur Beachtung des Radfahr-Gegenverkehrs überhaupt?) würden die Sicherheit erhöhen.

    Da aber niemand freiwillig 150 Meter zurück zur nächsten Kreuzung (Wasserburger Landstr./Truderinger Str. fährt (und dann wieder 150 Meter extra in die richtige Richtung), wie es die alte Verkehrsführung erforderte, könnte man auch einfach den Radweg zwischen den Kreuzungen Solalindenstr. und Feldbergstr. ein wenig verbreitern und einen Zweirichtungsradweg daraus machen. Dort könnten die Radfahrer dann bis zur Kreuzung Feldbergstr. fahren und dort an der Ampel auf die andere Seite wechseln.

    1. Danke für den Kommentar. Habe dem Artikel nun überarbeitet und noch weitere Fotos hinzugefügt, sodass die Frage beantwortet wird und die Szenerie klarer wird.

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