Kritik an Verlegung der Post ins Life reißt nicht ab – AWO verabschiedet Resolution

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Alte Post am Hanns-Seidel-Platz
Alte Post am Hanns-Seidel-Platz. Die Postfiliale ist für immer geschlossen. Mit dem neuen Standort am Life sind viele unzufrieden (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Die Kritik am Umzug der Postfiliale vom Hanns-Seidel-Platz ins Einkaufszentrum Life an der Albert-Schweitzer-Straße reißt nicht ab (Neuperlach.org berichtete). Kritisiert werden nicht nur die chaotische Planung und die ungenügende Informationspolitik (Kunden standen vor verschlossenen Türen und wussten nicht, wohin. Neuperlach.org berichtete ebenfalls). Auch ist die Park- und verkehrliche Situation am und vor dem Life alles andere als optimal. Wer ins Life will, etwa von der stadtauswärtigen Bushaltestelle Siegfried-Mollier-Straße oder zu Fuß/per Rad von Neuperlach Nordost/Neuperlach Zentrum kommend, muss über die stark frequentierte Albert-Schweitzer-Straße. Zu manchen Zeiten findet man kaum noch Lücken zum sicheren Überqueren. Es gibt zudem an der Stelle unmittelbar nebeneinander vier Ein- und Ausfahrten (zweimal Life, zweimal Parkplatz Albert-Schweitzer-Straße). Autos biegen dort in alle mögliche Richtungen ab – auch verbotswidrig nach links –, dazwischen die Fußgänger. Hier kann man regelrecht darauf warten, bis der erste schwere Unfall passiert. Wo bleibt der versprochene Fußgängerüberweg nebst Ampel? Wer sicher über die Albert-Schweitzer-Straße will, kann zwar die U-Bahn-Unterführung Quiddestraße benutzen, was aber vielen nicht bekannt ist und auch einen ziemlichen Umweg bedeutet.

Wenn erst einmal das Vierschanzenhaus neben dem Life eröffnet ist, dürfte sich die Situation noch einmal verschärfen, da die Zufahrt zu diesem achtgeschossigen Wohn- und Gewerbekomplex ebenfalls über die Albert-Schweitzer-Straße erfolgen wird.

Auch liegt das Life nicht so zentral in Neuperlach wie die frühere Filiale, die unweit vom beliebten Einkaufszentrum pep angesiedelt war. Unverständlich ist auch, dass die alte Niederlassung keinesfalls aufgegeben wurde. Zustellstützpunkt, Postfächer und Packstation sind dort weiterhin untergebracht. Wer ein Postfach hat, muss nun umständlich zwei Niederlassungen ansteuern, wenn er auch die Postfiliale besuchen will. Auch der Post selbst dürfte es kaum Vorteile bringen, da nun doch augenscheinlich zweimal Pacht bezahlt werden muss. Wo liegt der Sinn? Zwar muss auch der Zustellstützpunkt langfristig verschwinden, wenn ab Mitte 2017 (frühestens) der Hanns-Seidel-Platz bebaut wird. Aber die Übergangslösung stellt nach meinem Empfinden nur für wenige einen Vorteil dar. Sicher bringt es dem Life mehr Laufkundschaft und für manche, die in Neuperlach Nord oder Nordwest wohnen, verkürzt sich der Weg zur Postfiliale, zur Postbank und zum nächsten Geldautomaten. Wenn man die erwähnten Nachteile dagegen rechnet, sieht die Bilanz allerdings nicht rosig aus.

Der AWO (Arbeiterwohlfahrt)-Verein Neuperlach ist mit der Verlegung auch alles andere als zufrieden und hat eine Resolution verabschiedet, in der weitere Probleme genannt, aber auch konstruktive Vorschläge gemacht werden. Die Resolution im Wortlaut:

Situation der Postfiliale am Hanns-Seidel Platz
äußerst unbefriedigend und die Ersatzlösung am „Life-Center“ nicht hinnehmbar.

Ohne größere öffentliche Ankündigung hat die Deutsche Post AG die Fortführung der Postfiliale am Hanns-Seidel-Platz aufgegeben.

Nur unzureichend wurden viele aufgebrachten Postkunden davon informiert, dass sowohl die Postbank als auch der Kauf von Briefmarken und die Aufgabe/Abholung von Postpaketen nicht mehr möglich sind.

Ist man nicht zu Hause, wird man darauf hingewiesen, dass das Paket im Einkaufscenter „Life“, Albert-Schweitzer-Straße 78, abgeholt werden könne. Dort sei ein Post-Shop eingerichtet. Vernichtend ist auch das Urteil der Benutzer mit dem ÖPNV, um das „Life“ zu erreichen. Von der U-Bahnhaltestelle sei es für gehbehinderte Menschen schwer, an die Oberfläche zu kommen. Ganz schwer sei es auch, wenn man mit dem Bus (192) vom Busbahnhof „Neuperlach Zentrum“ zur dem Life gegenüberliegenden Haltestelle (Siegfried-Mollier-Straße) kommt, dort aussteigt und die Albert-Schweitzer-Straße überqueren will/muss. Ein Fußgängerüberweg ist dort bis heute noch nicht eingerichtet und die Querung der Albert-Schweitzer-Straße bei starkem Autoverkehr schon fast „lebensgefährlich“.

Das ist nach Meinung der heute beim AWO-Seniorennachmittag anwesenden Senioren und den Mitgliedern des AWO-Ortsvereins Neuperlach äußerst unbefriedigend und es muss schnellstmöglich eine andere Alternative angeboten werden. So hat sich z.B. der Geschäftsführer des Edeka-Ladens im Sudermann-Zentrum in einem Gespräch mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Markus Rinderspacher angeboten, einen Post-Shop einzurichten, bei dem man Briefmarken kaufen, Pakete abgeben und abholen kann. Aber die Deutsche Post AG habe bis heute auf dieses sein Angebot nicht reagiert, erklärte ein Mitarbeiter auf Nachfrage.

Dieser Platz käme vielen Gehbehinderten, älteren Menschen und Müttern mit Kindern weitestgehend entgegen: liegt er doch sehr zentral zwischen den Familien beiderseits der Putzbrunner Straße, Alfred-Neumann-Anger und Tucholsky- sowie Kafkastraße + Karl-Marx-Ring, dem Gewerbehof am Marieluise-Fleißer-Bogen und dem Oskar-Maria-Graf-Ring (Klinikum Neuperlach).

Wir bitten deshalb die politisch in unserem Stadtteil Tätigen, mit der Post AG ein „ernstes Wort“ zu sprechen und eine kunden- und menschenfreundliche Lösung anzumahnen.

München, den 12. April 2013
Die Resolution wurde einstimmig angenommen!

12 Gedanken zu „Kritik an Verlegung der Post ins Life reißt nicht ab – AWO verabschiedet Resolution“

  1. Ich ehrlich gesagt schon, zumindest was die Informationspolitik angeht. Aber das kann man jetzt abhaken, das ist Vergangenheit. Sicherlich kann man sich mit dem Standort Life arrangieren, aber die Querungsmöglichkeit über die Albert-Schweitzer-Straße muss m.E. tatsächlich verbessert werden. Speziell am Samstag habe ich da erhebliche Probleme, mit dem Rad rüberzukommen – ich könnte zwar durch die U-Bahn-Unterführung, aber fahrende Radler sind dort im Sperrengeschoss nicht gerne gesehen. 😉 Noch schlimmer könnte es übrigens bereits werden, wenn die Bauarbeiten für das Vierschanzenhaus beginnen. Dort gibt es zwar eine provisorische Baustellenzufahrt von der Plettstraße, aber ob die auch von allen Fahrzeugen benutzt wird?

  2. Beim pep hat man aber zumindest eine Fußgängerampel und die Unterführung dort ist auch „direkter“. Wenn man die Querungsmöglichkeit vor dem Life verbessert, werden die Proteste sicherlich stark zurückgehen. Interessant wird es aber dennoch, wohin der Zustellstützpunkt verlegt wird. Vielleicht kommt dann doch jemand auf die Idee, aus Effizienzgründen wieder alles zusammenzufassen, würde mich nicht wundern.

  3. Ich weiß ja nicht, inwieweit das Life-Centermanagement bei der Verlegung der Post die treibende Kraft war. War sie es, dann war es sicherlich ein genialer Schachzug zur Belebung ihres Einkaufszentrums. Aber es gibt natürlich bei jedem Umzug auch Verlierer. Als Verlierer sehe ich mich übrigens nicht, ich habe jetzt ein paar Meter weniger zur Post/zum nächsten Geldautomaten.

  4. Es muss ja nicht alles Verschwoerung sein, es ist halt einfach ein positiver (Neben-)Effekt, den ich empfinde, daher kann ich diese Aenderung nicht grundsaetzlich verdammen, sorry 🙂

  5. An eine Verschwörung glaube ich auch nicht. Was da genau abgelaufen ist, werden wir wahrscheinlich nie erfahren, wenngleich es mich sehr interessieren würde. Aber es sind Interna, die kaum rausgegeben werden. Es ist auch richtig, dass viele Neuperlacher von der Veränderung profitieren. Ich sehe mich selbst jetzt auch eher als Berichterstatter, der solche Veränderungen mit ihren Vor- und Nachteilen beleuchtet (und manchmal auch seine persönliche Meinung einfließen lässt). Wie gesagt, ich bin gespannt, wie es weitergeht. Sollte sich der Baubeginn am Hanns-Seidel-Platz noch einmal verzögern, was nicht unwahrscheinlich ist, kann es gut sein, dass der Zustellstützpunkt am Hanns-Seidel-Platz noch „ewig“ bleibt.
    Was die Idee der AWO angeht: Es dürfte wahrscheinlich ein logistisch kaum lösbare Aufgabe sein, die nicht zustellbaren Pakete automatisch zum Edeka im Sudermann-Zentrum zu liefern, falls der Empfänger dort in der Nähe wohnt. Die Einrichtung einer Paketaufgabestelle und der Verkauf von Briefmarken ist aber eher denkbar. Eine Paketaufgabestelle gibt es übrigens im Sudermann-Zentrum schon, aber kein DHL, sondern DPD.

  6. Waere jetzt nicht so ungewoehnlich, GLS liefert Unzustellbares an den kleinen Kiosk an der Heinrich-Wieland-Strasse Ecke Karl-Marx-Ring

  7. Der Post/DHL haftet halt immer noch ein wenig ein staatliches Image an, das nicht für Flexibilität steht. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Manche Postboten haben übrigens auch schon Sendungen in einem Laden im Marx-Zentrum hinterlegt, wenn weder der Empfänger noch der Hausmeister zu Hause waren. Das ist aber dann Eigeninitiative. So was finde ich toll, wenn die Leute dann ihr Paket ganz in der Nähe abholen können. Solche Lagerungen sind aber selten, meist muss man dann doch zur Postfiliale.

  8. Als Bewohner der Quidde- bzw. Plettstraße finde ich es ja nicht schlecht, dass es jetzt im Life, also quasi direkt vor meiner Haustüre, eine Postfiliale gibt. Allerdings habe ich bei dem Andrang und der Überfüllung, die in der Post immer geherrscht hat, erst gedacht, dass dort eine zweite Filiale eröffnet würde. Aber klar, dass hätte ja zusätzliche Kosten verursacht, was angesichts der Tatsache, dass dies die weitere Steigerung der Post-Milliardengewinne (Steigerung des Gewinns 2012 um 43 Prozent) kaum zu verkraften gewesen wäre ^-^
    Ich fände ich es gut, wenn die Post zumindest eine kleine Geschäftsstelle im PEP eröffnen würde. Eine integrierte Lösung in einem der Geschäfte böte sich doch an?

    1. Zusätzliche Kosten würden zwei Filialen sicherlich verursachen. Aber die alte Niederlassung am Hanns-Seidel-Platz ist ja noch als Zustellbasis, für die Postfächer und die Paketstation im Einsatz. Der Rest ist jetzt einfach ungenutzt. Wenn man wirklich kosteneffizient arbeiten will, ergibt es nur Sinn, das in einem Gebäude zusammenzufassen. Und wenn man das nicht will, wäre es sinnvoller gewesen, nur die Postbank zu verlagern und ggf. noch eine kleine Geschäftsstelle im Life zu haben. Nun aber sucht die Post einen neuen Standort für die Zustellbasis – denn Mitte 2017 muss man wohl den Hanns-Seidel-Platz wegen der dann beginnenden Bebauung verlassen. Ob man dann wieder alles in einem Gebäude zusammenlegt? Und vor allem: Wo wird das sein?

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