Mit heißer Nadel gestrickt? Automat am pep erlaubt das Ziehen steriler Spritzen

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Präventionsautomat
Präventionsautomat in der Nähe des pep (21.04.2013) Foto: J. W.

Bei vielen ist AIDS schon fast in Vergessenheit geraten, bedeutet die Krankheit doch inzwischen nicht mehr zwangsläufig das Todesurteil. AIDS ist aber keinesfalls heilbar, sondern allenfalls zur chronischen Krankheit mutiert, die man recht gut in den Griff kriegen kann. Zu den Übertragungswegen gehören weiterhin ungeschützter Geschlechtsverkehr sowie gebrauchte und damit nicht sterile Nadeln beim Spritzen von Heroin und in Verbindung mit anderen Drogen, die intravenös zugeführt werden. Neben AIDS gibt es weitere schlimme Krankheiten, die auf diese Weise übertragen werden können, vor allem das sehr gefährliche Hepatitis C.

Es spricht also einiges dafür, wenn man schon den Heroin- und Drogenkonsum nicht verhindern kann, den Leuten zumindest den Zugang zu sterilen Nadeln zu ermöglichen.

Präventionsautomat
Näher dran (21.04.2013) Foto: J. W.

In der Nähe des Einkaufszentrums pep steht seit einiger Zeit ein Präventionsautomat der Münchner AIDS-Hilfe, an dem man sterile Spritzen (sogenanntes Fixerbesteck) und Kondome ziehen kann. Gebrauchte Nadeln können hier ebenso entsorgt werden. Kritiker befürchten, dass solche Automaten zu einem Treffpunkt von Drogenabhängigen werden, den Drogenkonsum eher fördern und Begleitkriminalität mit sich bringen. Vereine, die sich für die Aufstellung einsetzen, weisen diese Kritik zurück. Abhängige würden sich hier lediglich Nadeln ziehen und dann schnell wieder den Platz verlassen.

Die ideale Auswahl des Standorts ist fast die Quadratur des Kreises. Der Automat muss leicht erreichbar sein, darf aber nicht zu auffällig postiert sein, da sonst keine Diskretion gegeben ist. Denn die wenigsten lassen sich hier gerne beobachten. Dennoch ist eine gute Beleuchtung erforderlich, da eine dunkle Ecke auch keine Einladung zur Benutzung ist.

Ein Kondomset mit zwei Kondomen und Gleitcreme kostet 0,50 EUR. Für ein Fixerbesteck, das unter anderem eine Spritze, einen Löffel, einen Tupfer sowie Ascorbinsäure zum Auflösen der Droge enthält, sind ebenfalls 0,50 EUR zu berappen.

Was haltet ihr von solchen Präventionsautomaten?

Danke an J. W., der den Automaten entdeckt und festgehalten hat.

4 Gedanken zu „Mit heißer Nadel gestrickt? Automat am pep erlaubt das Ziehen steriler Spritzen“

  1. Dieser Automat muss am Hauptbahnhof stehen, dort steht er gut. Neuperlach ist ein Viertel mit hoher Familienquote dementsprechend leben dort auch viele Kinder, kaum zu glauben, dass genau hier ein Automat für Heroinsüchtige platziert wird. Erst hat man die Junkies vom Ostbahnhof vertrieben jetzt will man sie vom Hauptbahnhof vertreibe und wie macht man das? Man stellt einen Automaten in Neuperlach auf! Unglaublich, ich fordere die Bürger Neuperlachs auf sich gegen diesen weiteren Versuch dieses Viertel zu Ghettoisieren zu wehren.

    1. Der Automat Nähe pep ist keinesfalls der einzige Automat in München, sondern meines Wissens der dritte nach den Standorten Dachauer Straße und Goetheplatz. Ein Stadtratsbeschluss sieht zehn Automaten im Endausbau vor.
      Sicher, mir wäre es auch lieber, wenn es keine Drogenproblematik gäbe. Solche Automaten sind eher eine pragmatische Lösung, die sich der Realität stellt. Wenn es schon Heroinsucht gibt, will man zumindest die Verbreitung von AIDS, Hepatitis C und anderen schweren Krankheiten eindämmen.
      Klar, solche Automaten werden immer umstritten sein, egal wo sie stehen. Keiner will sie in seiner Nähe haben. Da der Standort des Neuperlacher Automaten keinesfalls in der Nähe von Wohnhäusern ist, hat man hier vermutlich nicht den schlechtesten Aufstellort gewählt.

    2. In Neu Perlach werden seit langen Jahren Drogen konsumiert. Der Automat ist nicht der Grund dafür, sondern eine Antwort darauf.
      Die Leute vom Hauptbahnhof und Ostbahnhof haben in ihrer Gegend Anlaufstellen (Kontaktläden L43 und Kontaktladen off+) und werden sich bestimmt nicht die Mühe machen, ihre Besteck ausgerechnet in Neu Perlach am Automaten zu besorgen.

      Was mich immer wieder umhaut: Verbote, Totschweigen und dann aufflammende Entrüstung haben noch niemanden vom Konsum abgehalten. Was hilft sind Entkriminalisierung, Konsumräume, Drugchecking, kontrollierter Konsum, flächendeckende Substituierung. Die Schweiz machts uns vor, und das nicht, weil die Schweizer ihre Junkies so lieben. Das sind recht brave Bürger, da in der Schweiz, nur viel pragmatischer als wir Deutschen.
      Die FAKTEN sprechen eine deutliche Sprache, die leider in Deutschland zu lange von verschmielten Emotionen übertönt wurde.

  2. Die erste Reaktion auf den Text zeigt, daß es zu wenig Spritzenautomaten gibt. Zehn sind angesichts der Größe Münchens ein Tropfen auf dem heißen Stein.

    (Und: richtig. Man hat die Junkies vom Ostbahnhof vertrieben. Dafür finden Kinder Spritzen in den Gebüschen umliegender Spielplätze. Hat sich ja gelohnt…)

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