Das Gesetz der Fahrradstraße – Radler auf die Straße!

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München will Radlhauptstadt sein, aber manche Radfahrer werden den Hauptstadtstatus anzweifeln. Speziell wer durch die Innenstadt fährt, erlebt noch viele Schikanen, das geht an bei Slalomparcours in Gestalt enger Radwege an, führt über eine immer größere Zahl verschiedenster Bauarten von (Fahrrad-)Ampeln, und endet an gewissen Verkehrsführungen, bei denen der Ausdruck „nicht selbsterklärend“ noch euphemistisch ist.

Lobenswerter ist das schon das Vorhaben der Stadt, die Anzahl der Fahrradstraßen deutlich auszubauen. Eine Fahrradstraße ist im Prinzip eine ganz normale Straße, die zum Radweg erklärt wird. Autos und Motorräder dürfen auch fahren, wenn es per Zusatzschild angegeben ist (was in München immer das Fall ist), werden aber eher geduldet. Im Grunde genommen ändert sich nicht viel, außer dass Radfahrer – auch in Gruppen – auch ausdrücklich nebeneinander rollen dürfen. Der motorisierte Verkehr muss ggf. die Geschwindigkeit reduzieren.

Es darf maximal 30 km/h gefahren werden, ebenso ist „rechts vor links“ Vorschrift. Da Fahrradstraßen meist in bestehenden Tempo 30-Zonen eingerichtet werden, bleibt in dieser Hinsicht in der Regel alles beim Alten.

Interessant dürfte es aber vor allem dann werden, wenn ein gut ausgeschildertes Netz entsteht, das weite Teile des Stadtgebiets abdeckt, sodass sich dann große Strecken möglichst durchgehend auf Fahrradstraßen zurücklegen lassen. Radfahrer können dann richtig Tempo machen, zumal man als Radler dort auch andere Fahrradfahrer vernünftig überholen kann, was auf den engen Radwegen kaum möglich oder mindestens gefährlich ist.

Fahrradstraße Friedenspromenade
Die Friedenspromenade Ost ist jetzt Fahrradstraße (20.06.2013) © Thomas Irlbeck

Anfang des Jahres gab es noch 22 Fahrradstraßen, nun sollen es 47 werden.

Heute habe ich gesehen, dass inzwischen die Friedenspromenade Ost nicht nur einen neuen Asphalt bekommen hat, was aufgrund des katastrophalen Zustandes auch dringend notwendig war, sondern bereits zur Fahrradstraße erklärt wurde. Zwischen dem Beginn (Einmündung „Am Hochacker“) bis zur Markgrafenstraße gilt nun das Gesetz der Fahrradstraße. Zur Kennzeichnung dienen sowohl Schilder als auch auf der Fahrbahn aufgemalte Piktogramme (siehe Abbildungen). Auf der parallel laufenden Straße, gewissermaßen der Friedenspromenade West, ändert sich nichts, sie behält ihren bisherigen Status. Es ist eine der letzten Straßen im Viertel, auf der sogar noch 50 km/h gefahren werden darf.

Eine komplette Übersicht der neuen Fahrradstraßen findet sich hier: Radlhauptstadt München: Fahrradstraßen 2013

Fahrradstraße Friedenspromenade
Friedenspromenade: näher dran (20.06.2013) © Thomas Irlbeck
Fahrradstraße Friedenspromenade
So sieht es an der Kreuzung mit der Vogesenstraße aus (20.06.2013) © Thomas Irlbeck

2 Gedanken zu „Das Gesetz der Fahrradstraße – Radler auf die Straße!“

  1. Fahrradstraßen sind schön und gut, wenn sie parallel zu anderen Straßen verlaufen. So wird keiner benachteiligt und keiner bevorteilt. Alternativ sind auch extra breite Radwege, von denen es aber zu wenige gibt. Es ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, die bisherigen 30 Km/h-Zonen als „Fahrradstraße“ zu kennzeichnen.

    Ein flächendeckendes „Fahrradstraßen-System“ wird aber nicht ohne Kreuzungen mit anderen Verkehrsträgern auskommen (es sei denn, mann baut Brücken). Und da fangen die Probleme an. Wer hat Vorrang? Der motorisierte und der öffentliche Verkehr oder der Radfahrer? Ökologisch ist es sinnvoller, den Radfahrer warten zu lassen, da der motorisierte Verkehr auch im Leerlauf Abgase ausstößt. Eine Tram mit 100 Fahrgästen muss man nicht für einen Radfahrer warten lassen.

    Noch eine Anmerkung, wenn für die „geduldeten“ Kraftfahrzeuge ein maximale Geschwindigkeit von 30 Km/h vorgeschrieben ist, gilt das auch für Radfahrer. Aber mehr schaffen nur einige sportliche Radfahrer. Der Durchschnitt liegt eher bei der Hälfte. Darum wohl die Bemerkung des Autors über „Tempo machen“ 😉

    1. Hier im Beispiel verläuft die Fahrradstraße parallel zur Hauptstraße.

      Bei einem flächendeckenden Netz finde ich es nicht so schlimm, Kreuzungen zu haben, an denen gewartet werden muss.

      Nach meiner Erfahrung bin ich in Tempo 30-Zonen in der Stadt am schnellsten. Auf benutzungspflichtigen Radwegen dagegen kann es schon mal passieren, dass man hinter einem Fahrradfahrer hertuckern muss, der einen Kinderanhänger an seinem Fahrrad hat und die gesamte Radwegbreite einnimmt. Tempo: irgendwo um die 11,5 km/h. Spitze. So was kommt durchaus oft vor oder es sind halt andere schleichende Radfahrer.

      In Tempo 30-Zonen fahre ich auch die 30 km/h in aller Regel voll aus (beim Beschleunigen bin ich natürlich langsamer als der motorisierte Verkehr, aber bei V max halte ich mit), ob Du es glaubst oder nicht.

      Es stört dort auch keinen, da ich gescheit und sicher überholen kann.

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