Zwei Pechnasen tanken Super (Update 11.07.2013)

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Pechnasen
Auskragung am Penny-Flachdach mit nun angebrachtem Regenrohr (02.07.2013) © Thomas Irlbeck

Die geschwungenen Auskragungen im Marx-Zentrum erinnern ein wenig an die Wehrerker oder Gusserker einer Burg. Vor allem früher wurden sie auch als „Pechnasen“ bezeichnet, auch wenn nicht klar ist, ob neben siedenden Flüssigkeiten wie Wasser oder Öl auch tatsächlich Pech zur Verteidigung der Burg abgelassen wurde. Aber „super“ ist hier gar nichts. Um bei stärkerem Regen mehr Wasser sofort abzuleiten, sollen nun „schwebende“ Rohre im Rahmen der derzeit durchgeführten Flachdachsanierung am Penny-Markt bewirken, dass das Wasser gar nicht erst im Kies versickert. Ästhetisch schaut das überhaupt nicht aus. Hierbei ist aber auch zu befürchten, dass bei Luftverwirbelungen oder bei Undichtigkeiten das Wasser nicht aus dem Rohr senkrecht abfließt, sondern eher an der Fassade herunterläuft und diese beschädigt. Auch Fußgänger und Raucher, die sich hier unterstellen, dürfen sich hier freuen, in Zukunft an eigentlich geschützten Stellen eine Ladung Feuchtes abzukriegen.

Dass das herablaufende Wasser bei ähnlichen Regenwasser-Abflusskonstruktionen neue Schäden verursachen kann, zeigt sich im Marx-Zentrum nur ein Haus weiter an der Max-Kolmsperger-Straße. Bereits wenige Monate nach der beendeten Flachdachsanierung sieht man, dass sich das Wasser nun zumindest teilweise seinen Weg über die asbesthaltigen Eternit-Platten bahnt und entsprechende Spuren hinterlässt (siehe Abbildung weiter unten). Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist hier bereits ein Teil der Schutzschicht der Platten abgetragen worden. Als Folge einer solchen Beschädigung können die gefährlichen Asbestfasern freigesetzt werden. Neben einer möglichen Gesundheitsgefahr und einer noch schnelleren Alterung der Asbestplatten macht das Ganze aber auch hier einen extrem hässlichen Eindruck. Wer kommt auf solche Ideen und wer zahlt respektive haftet für neue Schäden, die dann einen Rückbau und Nachbesserungen erforderlich machen?

Pechnasen
Weitere … (02.07.2013) © Thomas Irlbeck
Pechnasen
… Ansichten … (02.07.2013) © Thomas Irlbeck
Pechnasen
… (02.07.2013) © Thomas Irlbeck

Nur ein Haus weiter: Das Wasser fließt hier nicht, wie es soll. (Bild entfernt)

Solche Sorgen hatte man im Mittelalter nicht, zumal es damals bekanntlich noch keine Eternit-Platten gab. Die Abbildung zeigt das 1422 erstmals erwähnte Einersheimer Tor im unterfränkischen Iphofen. Deutlich zu sehen ist die Pechnase mit ihrer schießschartenförmigen Öffnung.

Einersheimer Tor /Pechnasse
Einersheimer Tor mit Pechnase. Foto: Margret Pirzer / Lizenz siehe: flickr
Einersheimer Tor/Pechnase
Pechnase vergrößert. Foto: Margret Pirzer / Lizenz siehe: flickr

Update (11.07.2013)

Marx-Zentrum Sanierung Penny-Flachdach/Pechnasen
Marx-Zentrum mit dem weitgehend sanierten Penny-Flachdach (09.07.2013) © Thomas Irlbeck

Wie die Aufnahme im rechten unteren Bereich zeigt, ist die Flachdachsanierung nun weitgehend abgeschlossen.

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