„Trocknen Sie Ihren Kindle nicht mit […] einer Mikrowelle oder einem Fön“ – Mein Kindle ist da

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Kindle Paperwhite
Kindle Paperwhite (15.11.2013) © Thomas Irlbeck

Als Mann der ersten Computerstunde habe ich mich ursprünglich dem mobilen Computing verweigert, lange Zeit besaß ich nicht mal ein Handy. Nun aber ist es doch schon ein paar Jahre her, dass ich mich dazu entschieden habe, mitmachen, weil es doch einfach praktisch ist. Die letzten Anschaffungen waren ein Smartphone Samsung Galaxy S3 Mini und ein Minitablet Samsung Galaxy Tab 3 (8 Zoll). Sicherlich zwei tolle Geräte.

Seit gestern gesellt sich noch ein Kindle Paperwhite dazu. Warum das? Zum Lesen von E-Books ist ein Kindle sicherlich besser geeignet. Die lange Akkulaufzeit von bis zu 28 Stunden (Herstellerangabe für Beleuchtungsstufe 10 (mittlere Stufe) und bei abgeschaltetem WLAN) schlägt die eines Tablets, bei der schon mal nach zwei Stunden Schluss sein kann, um ein Vielfaches. Auch bei Sonnenlicht ist das Display einfach besser ablesbar. Zum Lesen von Büchern etc. braucht man auch keine Farbdarstellung, da die meisten Bücher ohnehin entweder nicht mit Bildern bestückt sind oder nur mit solchen in Schwarzweiß.

Die Geste der Berührung – Touchbedienung

Der Kindle liegt gut in der Hand, mit ca. 200 Gramm ist er leichter als so manches Taschenbuch. Schnell ist das Gerät zum Laufen gebracht, die Anmeldung am WLAN klappte problemlos. Die Darstellung kommt der von Papier erstaunlich nahe.

Die Bedienung ist durchaus intuitiv. Es gibt nur eine Taste (Ein-/Auschalter), womit faktisch alles per Gestik erledigt wird. Hierbei kommt man mit wenigen Gesten, die nach dem ersten Einschalten kurz präsentiert werden, gut durchs „kindl(e)iche“ Leben. Links tippen: eine Seite zurück. Mitte oder rechts tippen: eine Seite nach vorne. Oben tippen: Menüleiste aufrufen. Kneifen (Pinch), auf Bairisch besser Zwicken: Zoomen, also verkleinern oder vergrößern. Wischen zum Bewegen des Bildschirminhalts. Tippen und Festhalten (Hold and Press), um Teile eines Textes auszuwählen. Die Aktion Tippen, Festhalten und Loslassen eines Wortes zeigt den dazugehörigen Lexikoneintrag in einem Popup an (Duden und Wikipedia) – praktisch, wenn man einmal ein Fremdwort nicht kennt. Für erforderliche Eingaben dient eine Tablet-typische Bildschirmtastatur.

Die Anleitung zum Kindle ist, wie man erwarten kann, auf dem Gerät vorinstalliert (daneben auch noch eine ganze Reihe von Wörterbüchern, z.B. der „Duden – Deutsches Universalwörterbuch“). In der Kindle-Anleitung stieß ich zufällig auf den folgenden besonders hilfreichen Tipp :D:

Trocknen Sie Ihren Kindle nicht mit einer externen Wärmequelle wie z.B. einer Mikrowelle oder einem Fön.

… den man jetzt sicher nicht weiter kommentieren muss.

Bis zu diesem Zeitpunkt macht der Kindle einen hervorragenden Eindruck. Über die eingebaute Amazon-Schnittstelle kommt man auch schnell zu neuen E-Books.

Bestehende Inhalte auf den Kindle übertragen

Wie verhält es sich aber, wenn man vorhandene, nicht bei Amazon erworbene E-Books, vor allem PDFs, auf das Gerät bringen will? Über das mitgelieferte USB-Kabel ist das kein Problem. Der Kindle wird per Plug and Play sofort erkannt und steht als Laufwerk unter Windows bereit. Dieses Kabel dient aber auch zum Aufladen des Akkus (alternativ kann man ein externes Netzgerät dazubestellen). Möchte man mit dem Kindle arbeiten, während er per USB-Kabel aufgeladen wird, muss man die Laufwerksverbindung trennen, das Gerät quasi auswerfen. Am einfachsten ist es wohl, mit der rechten Maustaste auf das Symbol „Hardware sicher entfernen …“ rechts unten im Infobereich zu klicken und dann den Eintrag „Amazaon Kindle auswerfen“ aufzurufen. Oder man klickt im Windows-Explorer mit der rechten Maustaste auf das Kindle-Laufwerk und entscheidet sich dann für den Eintrag „Auswerfen“.

Das andauernde Einstöpseln von Kabeln ist aber wenig komfortabel, auch sind der entsprechende Computer und das USB-Kabel nicht immer griffbereit. Ein E-Book könnte auch z.B. auf dem Smartphone gespeichert sein. Daher stellt sich die Frage, wie vorhandene Inhalte drahtlos (WLAN bzw. bei der G3-Version auch per Mobilfunk) aufs Gerät gelangen.

Die Lösung dafür ist simpel. Man sendet einfach eine E-Mail mit dem gewünschten Inhalt im Dateianhang an das Gerät. Die E-Mail-Adresse (nach dem Schema „name@kindle.com“) erfährt man direkt über den Kindle:

Einstellungen/Geräteoptionen/E-Mail-Adresse Ihres Kindle

Um die jeweiligen Einstellungen zu konfigurieren, bemüht man seinen Computer und ruft folgende Internetadresse auf:

http://www.amazon.de/myk/

Dort kann man zunächst auf Wunsch die E-Mail-Zieladresse des Kindle ändern. In der Praxis wichtiger dürfte aber Folgendes sein: Um Spam abzublocken, wird vorerst nur die bei Amazon hinterlegte standardmäßige E-Mail-Adresse als Absender akzeptiert. Das ist die Adresse, die man auch zum Einloggen in Amazon verwendet. Schnell landen dann aber Inhalte im Nirwana, wenn man einmal unter einer anderen Absenderadresse schreibt. Es lassen sich aber weitere Absenderadressen hinzufügen. Ferner kann festgelegt werden, ob die als E-Mail an den Kindle gesendeten Dateien nur aufs Gerät wandern oder auch zusätzlich in die Amazon-Cloud (5 GB Speicherplatz).

Wenn man sich aber mit der Funktion PDFs zusendet, wird man vermutlich erst einmal enttäuscht sein. Es fehlt ein Reflow, was bedeutet, dass Seiten zwar vergrößert oder verkleinert werden können, die Zeilen dabei aber nicht neu umgebrochen werden. Hier steht man dann oft vor der Frage, ob man sich mit einer Mikroschrift zufriedengibt oder die Darstellung vergrößert, dann aber beim Lesen immer waagrecht hin- und herscrollen muss, was den Lesegenuss stark trübt. Auch stehen beim Zoomen von PDFs weniger Funktionen zur Verfügung als bei E-Books, die im Amazon-eigenen Format AZW vorliegen.

Tipp für mehr Lesevergnügen

Doch auch hier gibt es eine Lösung, die so einfach ist, dass man es kaum glauben mag. Man setzt einfach in den Betreff der E-Mail, die man an seinen Kindle sendet, den unscheinbaren Text

convert

Die Folge ist, dass PDFs dann automatisch ins AZW-Format konvertiert werden und sich dann erheblich komfortabler lesen lassen.

Macht keinen Spaß: Surfen im Web

Bis zu dieser Stelle habe ich kaum was am Kindle auszusetzen. Wer aber jetzt der Meinung ist, mit dem eingebauten Browser auch noch im Web surfen zu können, dürfte bitte enttäuscht werden. Beim ersten Aufruf werden vorinstallierte Lesezeichen präsentiert. Ich klickte erwartungsvoll auf „Spiegel Online“. Das Laden und Aufbauen der Seite dauerte ewig und der Kindle ging in die Knie. Als die Seite endlich geladen war, wurde selbst ein Zoomen zur absoluten Geduldsprobe. Vermutlich liegt das an der absolut überladenen Seite mit mehreren Artikeln, Werbebannern etc. Man kann zwar zwischen Desktopansicht und einer mobilen Version mit reduziertem Inhalt umschalten, aber auch hier hat man lange Wartezeiten. Auch lässt sich das Menü meist nicht oder nur mit riesiger Verzögerung aufrufen, während das Laden der Seite noch läuft. Nun gibt es ja auch bei vielen Webseiten die Methode, mittels eines vorangestellten m statt www eine mobile Version zu erzwingen (also etwa „m.spiegel.de“). Doch nach vielen Versuchen ist es mir nicht gelungen, außer dem Spiegel überhaupt eine Webseite erfolgreich aufzurufen. Die Einstellungsmöglichkeiten des Webbrowsers sind äußerst bescheiden, man kann auch keine Startseite vorgeben. Nach einem erneuten Aufruf lädt der Webbrowser die zuletzt besuchte Seite und wenn das eine potenzielle „Absturz-„-Seite ist, dann kommt man nur mit Schwierigkeiten aus dem Dilemma, da eben das Menü, wo auch die Lesezeichen zur Verfügung stehen, nur nach langer Wartezeit, wenn überhaupt, erscheint.

Das ist sicherlich ein Wermutstropfen, vielleicht verbessert sich das Verhalten des Webbrowsers noch mit kommenden Updates. Wenn man den Webbrowser als Zugabe, aber nicht als ernstzunehmendes Leistungsmerkmal akzeptiert, kann man sicherlich damit leben.

Fazit

Für E-Books klasse, zum Surfen im Web derzeit wenig brauchbar.

Daten und Preis

Displaygröße: 15 Zentimeter (6 Zoll) in der Diagonale, Geräteabmessungen: 169 mm × 117 mm × 9,1 mm. Gewicht: 206 Gramm (WLAN-Version), 215 Gramm (G3-Version); Display mit exklusiver Carta ePaper-Technologie, integrierter Beleuchtung der nächsten Generation, 212 ppi, optimierten Schriftarten, 16 Graustufen

Speicher: 2 GB interner Speicherplatz (ca. 1,25 GB stehen für Nutzerinhalte zur Verfügung). Speichert bis zu 1.100 Bücher (Herstellerangabe)

Format: Kindle Format 8 (AZW3), Kindle (AZW), TXT, PDF, ungeschützte MOBI, PRC nativ; HTML, DOC, DOCX, JPEG, GIF, PNG, BMP nach Konvertierung

WLAN: öffentliche und private WLAN-Netzwerke und Hotspots nach den Standards 802.11b, 802.11g und 802.11n. Sicherheitstechnologien WEP, WPA und WPA2 mit Kennwortauthentifizierung oder Wi-Fi Protected Setup (WPS)

Preis: 129,00 EUR (WLAN-Version), 189,00 EUR (G3-Version)

Netzteil (nicht unbedingt erforderlich, lädt aber schneller und auch ohne PC): 14,99 EUR

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