Schikane, die einen nach Haar bringt

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Ein Besuch in Haar, einer Gemeinde, die im Münchner Osten gleich hinter der Stadtgrenze beginnt, zeigt Erstaunliches. Auf den ersten Blick findet sich in Haar so eine Art Mini-Neuperlach mit diversen architektonischen Spezialitäten. Diverse Wohnhäuser sind dabei fast 1:1-Kopien einiger bekannter Neuperlacher Wohnblöcke. Auch ein Ladenzentrum gibt es, das der Idee der Neuperlacher Subzentren folgt. Im Unterschied dazu setzt man aber auf Sanierung und Modernisierung, nicht auf Abriss wie beim Plett-Zentrum und Quidde-Zentrum.

In einer Wohnanlage stieß ich auf diese Schikane (siehe Foto). Ich bin kein Freund dieser Umlaufsperren, in manchen Fällen ergeben sie aber Sinn. So existieren Stellen, an denen man durchaus bei schlechten Sichtverhältnissen eine Bahnlinie oder eine Schnellstraße übersehen könnte. In solchen Fällen können diese Einrichtungen den Fußgänger- und auch Fahrradverkehr runterbremsen – als Warnung.

Nun gibt es aber auch Leute, die fordern zum Schutz von Fußgängern, die immer wieder von Radlrambos geschnitten oder gar angefahren werden, in großem Stil solche Umlaufsperren aus dem Boden zu stampfen. Immerhin dürfen hier Radfahrer offiziell ohnehin nicht fahren. Aber es gibt mehrere Schönheitsfehler:

Umlaufsperre in Haar
Ein ganz spezieller Eingang nach Haar: Hier dürfen nur Schlanke durch. Tiere einer bislang nicht identifizierten Gattung dürfen nicht einmal daran denken, unten durchzukriechen (07.11.2013) © Thomas Irlbeck

Zum einen werden solche Umlaufsperren sogar gelegentlich auf Fahrrad(!)wegen errichtet, sodass das Argument kaum greift. Zum anderen stellen sie zwar ein wirksames Instrument zum Herunterbremsen von Radfahrern dar, schaffen aber ein neues Verletzungsrisiko. Radler können die Umlaufsperren übersehen und sich böse verletzen, ebenso kann man auch, wenn man sich der Gefahr bewusst ist, dort hängen bleiben. Hier ist immer wieder die Frage zu stellen, ob der Nutzen (Fußgänger haben mehr Sicherheit) tatsächlich höher ist als der Schaden (zusätzliches Verletzungspotenzial). Es kommt aber noch etwas hinzu: Man sperrt viele Leute ganz aus.

Als ich diese Konstruktion aus einiger Entfernung sah, dachte ich, dass hier ein undurchdringbarer Zaun aufgestellt wurde. Erst als ich etwas näher dran war, erkannte ich, dass dies eine Umlaufsperre ist. Die Stelle ist weit enger, als es das Bild erscheinen lässt. Mit meinem normalen Fahrrad kam ich (wohlgemerkt schiebend) hier mit einigem Rangieren durch, aber man muss schon genau wissen, wo man den Lenker wie einschlägt.

Mit einem Rollstuhl oder Kinderwagen ist hier wohl gar kein Durchkommen, allenfalls sehr schlanke Modellen haben noch eine Chance – vielleicht. Für ein Fahrrad mit Anhänger ist hier auf jeden Fall erst einmal Endstation.

Jetzt könnte man ja auf die Idee kommen, an der Seite vorbeizufahren. Doch auch daran hat man gedacht und alles lückenlos mit einem Zaun abgesichert. Wäre ja auch zu einfach.

Die Schikane hier dient sicherlich eher dazu, den Durchgangsverkehr nicht nur runterzubremsen, sondern die Stelle so unattraktiv zu machen, dass es einem Aussperren nahe kommt. Man kennt das Problem lärmender Menschen, speziell alkoholisierter Jugendlicher, die nachts grölend durch die Anlagen ziehen, sodass man wohl am liebsten gleich ein abschließbares Tor hätte, auch wenn das oft nicht legal ist, das es die Stadtteilsatzung zumindest in Neuperlach ausschließt. Eine Bahnlinie oder Schnellstraße verläuft hier auch nicht, kann also auch nicht der Grund sein.

Immerhin darf eine Mutter mit ihrer Tochter hier durchgehen, wie das Schild zeigt. Allerdings wegen der Platzverhältnisse nur hintereinander – nicht nebeneinander, auch wenn es das Schild anders suggeriert. Hunde dürfen hier auch nicht durch, wobei das dargestellte Tier auch ein Pferd sein könnte, so genau lässt sich das nicht erkennen.

Also, wenn schon Schikanen errichtet werden, sollten diese so breit sein, dass Rollstühle und Fahrradgespanne durchpassen. Den gewünschten abbremsenden Effekt haben auch breitere Umlaufsperren.

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