Ist man verpflichtet, einen nicht-benutzungspflichtigen Radweg zu benutzen?

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Die Frage mag sich von selbst beantworten. In manchen Köpfen aber nicht. Denn vor ein paar Tagen bin ich auf der Feldbergstraße von Neuperlach Richtung Wabula gefahren. Der Radweg verläuft auf der linken Straßenseite, was gefährliche Wechsel erfordert. Die Stelle, an der man wechselt, ist in einer Kurve. Man muss zunächst schauen, dass man vom hinter einem fahrenden Verkehr nicht überrollt wird. Den Gegenverkehr kann man wegen der Kurve auch erst spät sehen. Zu allem Übel ist an der Wechselstelle auch eine Einmündung (St.-Augustinus-Straße), und trotz Bodenmarkierung rechnen hier Autofahrer nicht unbedingt mit linksseitigem Radverkehr (siehe Fotos). Von links kommende Fahrzeuge müssen warten, da die Feldbergstraße eine Vorfahrtstraße ist, aber ob sie das tun, ist eine andere Frage. Zudem ist auf der Feldbergstraße auch viel Verkehr (Busse, Lkw …). Und all das für wenige Hundert Meter Fahrradweg, der wegen der Schule und des Sportplatzes auch immer wieder von Scharen an Kindern blockiert wird.

Feldbergstraße/Ecke St.-Augustinus-Straße
Feldbergstraße/Ecke St.-Augustinus-Straße. In der Bildmitte ist die Wechselstelle zu sehen, die eine Bodenmarkierung hat. Hier geht es links rüber auf den Fahrradweg. Verkehr kommt von hinten, von vorne und von links aus der Einmündung – leider genau am Übergang (28.09.2016) © Thomas Irlbeck

Zum Glück ist die Radwegbenutzungspflicht seit Jahren aufgehoben, das blaue Schild abmontiert, es handelt sich ohnehin um eine Tempo-30-Zone, sodass die Radler mehr oder weniger im Verkehr mitschwimmen können.

Linksseitigen Radweg links liegen lassen

Entsprechend entschied ich mich, den Radweg im wahrsten Wortsinn links liegen zu lassen und auf der Fahrbahn zu bleiben – und dort ganz rechts, also nicht mitten auf der Spur. Ich war mit schätzungsweise 25 km/h unterwegs. Auf einmal schiebt sich ein Pkw an mir vorbei, der vermutlich um die 35 km/h schnell war. Er kann mich ohne Mühe überholen. Die Beifahrerin ruft nicht besonders freundlich aus dem Fenster, ich solle auf dem Fahrradweg links fahren und zeigt mit dem Arm in dessen Richtung.

Feldbergstraße/Ecke St.-Augustinus-Straße
Näher dran an der Wechselstelle. Ein blaues Radwegschild gibt es nicht, sondern nur ein „Radfahrer frei“-Schild (28.09.2016) © Thomas Irlbeck

An der nächsten roten Ampel stelle ich die Beifahrerin und den (männlichen) Fahrer zur Rede. Ich kläre sie auf – ohne Beleidigungen, aber laut, dass der Radweg nicht benutzungspflichtig sei, ich auf der Fahrbahn fahren dürfe und mir ein Wechsel auf die linke Seite zu gefährlich sei.

Man könnte jetzt von beiden eine Entschuldigung erwarten, sie hätten das nicht gewusst und so, doch beide beharrten auf dem Standpunkt, da wäre ein Radweg, also hätte ich darauf zu fahren. Er redete eher leiser, ich habe nicht alles verstanden, aber so viel, dass er mich rhetorisch fragte, ob ich noch einen eigenen Fahrradweg für mich speziell haben wolle (mit einer Logik, als ob Radler auf der Fahrbahn nichts zu suchen hätten).

Sie schrie, ich habe wiederum nicht alles verstanden, Beleidigungen gab es vermutlich keine ihrerseits.

Ich hätte den beiden noch gerne gesagt, sie würden die Verkehrsregeln nicht beherrschen, aber da war keine Zeit mehr.

Was kann man tun? Eine Anzeige wegen Nötigung käme zumindest ganz theoretisch in Betracht (wenn ich mir das Kennzeichen gemerkt hätte), auch wenn die erste Zurechtweisung von der Beifahrerin kam, die natürlich keine Fahrerkompetenz hat. Ausgebremst wurde ich nicht.

Generell finde ich es traurig, wenn Autofahrer die Verkehrsregeln nicht beherrschen. Oder wenn sie meinen, Radler hätten vor ihnen zu kuschen.

Ich rege mich so was von auf. Wie sind da eure Erfahrungen?

12 Gedanken zu „Ist man verpflichtet, einen nicht-benutzungspflichtigen Radweg zu benutzen?“

  1. Autofahrer interessieren sich relativ wenig für die nicht mehr vorhandene Benutzungspflicht für Radwege.

    Wenn ich mit dem Auto fahre, interessiert mich das auch nicht, da stören mich die Radfahrer. Ich maule aber auch nicht rum und ärgere mich trotzdem.

    Wenn ich mit dem Rad fahre bevorzuge ich den Radweg. Dort fühle ich mich nicht genötigt schnell in die Pedale zu treten. Ich fahre zum Vergnügen, nicht um für ein Radrennen zu trainieren.

    1. Subjektiv fühle ich mich auf dem Radweg auch meist sicherer, statistisch gesehen sind Radwege und vor allem linksseitige jedoch viel gefährlicher, als die Fahrbahn zu benutzen. Da gibt es eine Menge Untersuchungen. Ist auch ganz einfach zu erklären: Auf der Fahrbahn bist Du für andere Teilnehmer meist recht gut zu sehen. Dagegen kann man einen Fahrradweg leicht beim Abbiegen übersehen, speziell, wenn er hinter einer Baumreihe verläuft. Oder man sieht zwar den Fahrradweg, erwartet aber keinen Verkehr gegen die Fahrtrichtung.

      Nun finde ich es ja toll, wenn man als Radler an vielen Stellen die freie Wahl hat. Leider haben die Autofahrer dafür kein Verständnis. Da kann man fast fordern, an solchen Stellen, den Radweg ganz abzubauen, auch wenn es Irrsinn ist.

      Ich habe als Autofahrer auch nie Radler angehupt oder belehrt, auch wenn einer auf seinem Rennrad einen benutzungspflichtigen Radweg verweigert hat. Vielleicht habe ich mich geärgert, aber mir auch gedacht, der würde sein Rennrad auf dem Schlagloch-Radweg kaputt machen, also soll er doch die Fahrbahn befahren.

    2. „Ich fahre zum Vergnügen, nicht um für ein Radrennen zu trainieren.“
      Das ist meines Erachtens ein Denkfehler, den viele der Radler machen, die sich, wo auch immer, brav auf Radwege jeder Art verziehen. Ich fahre nicht zum Vergnügen, auch nicht, um für ein Radrennen zu trainieren, sondern weil ich zügig (und nicht ständig ausgebremst) von A nach B möchte, genau wie die Autofahrer auch. Ach ja, ich kann in einer 30er-Zone gut mit 30 km/h mitschwimmen. Wer sich von mir da behindert fühlt, pfeift somit aufs Tempolimit für alle.

  2. Hallo,
    das kenne ich auch
    Meist wird einem dann noch erklärt, daß die armen Autofahrer ja schließlich mit ihren Steuern …
    – ich antworte dann fast immer:
    ich bezahle für ein Auto, ein Motorrad und einen Bootstrailer
    – wahrscheinlich mehr als sie,
    fahre aber meist Fahrrad entlaste dadurch den Verkehr
    sorge für bessere Luft und weniger Stau
    bin bestimmt auch erheblich fitter als sie
    – wir können gerne schnell mal ein kleines Radlrennen machen und meine Krankenkasse ist auch ganz zufrieden mit mir
    – wie schaut`s denn bei Ihnen so aus?
    🙂
    – bis jetzt sind alle immer kommentarlos plötzlich weitergefahren!
    🙁
    Lg Dieter

    1. Also das Schlagfertigste, das ich je rausbekam, war gegenüber einem Fahrlehrer (!). Der behauptete, Vorfahrt zu haben, obwohl er aus einer Ausfahrt (eines großen Parkplatzes) heraus kam, die wegen des abgesenkten Bordsteins ganz klar keine Straße war, sondern eben eine Ausfahrt und damit nicht vorfahrtsberechtigt. Er meinte, ich könnte das ja als Radfahrer nicht wissen, dass er Vorfahrt habe. Ich sagte ihm, ich würde selbst Auto fahren. So richtig saß das nicht. Ich wollte ihm noch sagen, dass er als Fahrlehrer doch eigentlich die Regeln kennen sollte (und wenn nicht, wie wollte er dann seinen Fahrschülern etwa beibringen?), aber dazu kam es nicht mehr, leider. Da war ich nicht schnell und spontan genug.

  3. Ich hasse als Autofahrer die Radfahrer und als Radfahrer die Autofahrer . Ich finde es blöd und verdammt ärgerlich wenn Radfahrer den ganzen Verkehr aufhalten, gerade im Berufsverkehr, du sie dann irgendwann endlich überholen kannst, und sie sich dann an der Ampel wieder an allen Autos vorbei mogeln… genauso sind mir Autofahrer unheimlich, die aus den Ausfahrten rausschießen und beim Abbiegen nicht schauen

  4. Was heißt eigentlich: nicht benutzungspflichtiger Radweg? Für mich ist ein abgeteilter Weg, selbst wenn er rot gefärbt oder mit weißen Fahrrädern versehen ist, wenn dort keine blaues Verkehrszeichen mit weißem Fahrrad vorhanden ist, ein Gehweg und den „darf“ ich nicht mit meinem Rad befahren.

    1. Auf dem Schild zu Beginn des „Radwegs“ steht „Fahrräder frei“ (unterhalb des Straßennamen-Schildes; auf dem Foto schlecht zu erkennen). Es ist damit eindeutig ein Weg, den man mit dem Fahrrad benutzen darf (Rücksicht auf Fußgänger ist selbstverständlich), aber nicht benutzen muss.

      1. Moment: Fußweg (blaues Schild mit Fußgängern) mit „Radfahrer frei“ (= für einen Radler, der zügig von A nach B will, untauglich) oder das Radler-frei-Schild steht da ganz alleine, halb-sinnfrei, nur um klarzumachen, ja, hier darf man tatsächlich auf der linken Seite offiziell?

        1. Dieses Zusatzschild https://www.brewes.de/verkehrsschilder/zusatzzeichen/symbolschilder/zusatzschilder-radverkehr-in-gegenrichtung-zugelassen.html alleine aufgestellt sieht man immer öfter. Es bedeutet, dass man hier als Radler fahren darf, aber nicht muss. Es bedeutet auch, dass Fußgänger hier Vorrang haben und man entsprechend die Geschwindigkeit reduzieren muss, notfalls auch auf Schrittgeschwindigkeit runter. Die beiden netten Personen im Auto waren der Meinung, da ist ein Fahrradsymbol, also müsse ich auch auf diesem Weg fahren und dürfte nicht auf der Fahrbahn fahren. Das ist aber falsch, setzen, sechs!
          http://www.adfc-diepholz.de/gehweg-radfahrer-frei-sind-keine-radwege/

  5. Ich kenne die Stelle und fahre relativ gnadenlos rüber auf den Radweg. Im Prinzip muss ich so aggresiv wie ein Autofahrer sein, um meine Rechte durchzusetzen.

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