„Hypnose statt Hefeteig“ – oder „5 – 4 – 3 – 2 – 1“

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Trance statt Trauben. So kann es gehen © Rike / Pixelio

Heute ist für mich Premiere. Ich gehe zu einem Hypnotiseur. Zu einem Hypnosecoach1 genau genommen. Sicher aus Neugier. Sicher auch, weil ich mir die Lösung gewisser Probleme verspreche. Wie kam es dazu? N., der freundliche Verkäufer aus in einem Neuperlacher Lebensmittelgeschäft2, erzählt mir, dass er eine Ausbildung zum Hypnotiseur begonnen und die erste entscheidende Prüfung bestanden habe und nun Hypnose anbiete, z.B. zur Raucherentwöhnung, Gewichtsreduzierung, Motivationssteigerung und Stressreduktion. Neugierig, wie ich bin, bekunde ich mein Interesse.

N. empfängt mich. Seine Räume liegen direkt an einer der lautesten Straßen im Stadtbezirk Ramersdorf/Perlach. Dennoch ist es sehr ruhig, da sämtliche Fenster in den Innenhof hinausgehen. Wir reden zunächst ausführlich. N. erzählt viel über sich. Wie er zur Hypnose kam. Aufgrund eigener Probleme habe er nach einer Internetrecherche die Hypnose als Therapieform entdeckt und sie habe ihn regelrecht hypnotisch angezogen. Und sie habe bei ihm sehr erfolgreich funktioniert.

Ich lerne etwas über die Funktionsprinzipien der Hypnose. Dass in tiefer Trance ein Zugang zum Unterbewusstsein möglich sei. Dort könnten Suggestionen gegeben werden, die auch nach der Hypnose noch wirksam seien. Etwa die Ängste abbauen oder die das Verlangen nach Suchtmittel reduzieren. Wir reden auch über eine Show-Hypnosesendung im TV. Ich erfahre, dass sich die Show-Hypnotiseure gezielt geeignete Charaktere aus dem Publikum aussuchen, die nur darauf erpicht sind, sich unter dem Erwartungsdruck des Publikums in eine gewisse Rolle hineinversetzen zu lassen. Mit seriöser Hypnose habe dies jedenfalls nicht viel gemein. Bei einer Hypnose könne der Hypnotiseur keinesfalls volle Kontrolle über den Hypnotisanden3 gewinnen und nichts von ihm verlangen, was dieser nicht selbst wolle. Auch könne der Hypnotisand die Hypnose selbst jederzeit abbrechen, wenn ihm danach sei.

Ein schönes Muster, das zwar mit meiner Hypnoseerfahrung nichts zu tun hat, aber ein wenig bebildern muss man die Artikel ja schließlich auch © marika / Pixelio

Genug geredet. Jetzt geht es zur Sache. Ich liege auf der Couch und konzentriere mich auf einen Stift. Der Hypnotiseur zählt rückwärts von 5 bis 1. Meine Augenlider würden immer schwerer werden, so N. Dann bei 1 fallen meine Augen zu. Oder schließe ich diese selbst, weil der Hypnotiseur das von mir fordert und ich es auch will? Ich weiß es nicht. Ich spüre aber eine gewaltige Energie, die sich immer weiter aufbaut. Ich fühle mich völlig wach, aber der Verstand scheint zu ruhen und meine Probleme haben auf einmal ihre wahre Bedeutung gewonnen – die in der Bedeutungslosigkeit liegt. Dennoch habe ich das Gefühl, ich könne jederzeit aufstehen. Das Gefühl ist angenehm. Ich bin im Hier und Jetzt und doch in einer anderen Welt. Die Suggestionen klingen überzeugend. Aber ich nehme die Worte weniger stark wahr als die Energie, die sie ausstrahlen. Nach 40 Minuten, die mir eher wie zehn vorkamen, fängt der Hypnotiseur von 1 an zu zählen. Bei 5 schlage ich die Augen wieder auf.

N. bietet an, nächste Woche weiterzumachen. Ich stimme zu – aber nicht wie hypnotisiert, sondern aus Überzeugung.

1 Dieser darf im Unterschied zum (therapeutischen) Hypnotiseur keine heilenden Tätigkeiten ausführen, sondern praktiziert die Hypnose als eine Art „Lebensberatung“ an Gesunden. Hier im Text wird aber allgemein von „Hypnotiseur“ gesprochen.
2 Ein wenig Neuperlach-Bezug ist natürlich da, wir sind ja hier in einem Neuperlach-Blog.
3 Die Person, die hypnotisiert wird

2 Gedanken zu „„Hypnose statt Hefeteig“ – oder „5 – 4 – 3 – 2 – 1““

  1. Ich biete drei Hypnose-Erfahrungen; zwei unmittelbar, eine mittelbar.

    1) Ich wollte mir ein Stück Kindheit zurückholen – vergeblich.
    2) Hypnose-Show (muss ’94 oder ’95 gewesen sein): großes Schauspiel!
    3) Mitbewohner wollte sich das Rauchen abgewöhnen: es gelang kurzfristig.

    Nee, ich halte nicht wirklich viel davon…

  2. Hypnose ist sicherlich kein Wundermittel. Und Showhypnose ist nur eins: Show. Doch Hypnose funktioniert generell und wird in bestimmten Bereichen sehr erfolgreich eingesetzt, etwa zur Schmerzausschaltung beim Zahnarzt.

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