Eine Lüge, die Spaß macht: „Kein Anschluss unter dieser Nummer“

Werbung

Schon einmal habe ich über eine Plage unserer modernen Zeit gesprochen: Telefonwerbung. Der Begriff klingt zu harmlos. Cold call, der kalte Anruf, wird dem Phänomen auch nicht gerecht. Der würdige Begriff ist dann vielleicht doch Telefonterror.

Das Telefon schrillt. Wenn man abnimmt, ist nicht immer jemand am Rohr. Die Erklärung dafür ist simpel: Es wäre viel zu ineffektiv, wenn die Callcenter-Mitarbeiter sequenziell vorgehen, also eine Nummer nach der anderen ausprobieren würden. Leerlauf und Stillstand wären die Folge, denn die Leutchen werden ja schließlich fürs Verkaufen, oft auch fürs Hardselling, also dem Verkaufsgespräch Abschluss um jeden Preis, bezahlt. Also wählen sie nicht direkt selbst. Stattdessen wählt der Kollege Computer für sie, und zwar gleich mehrere Nummern synchron. Effektivität ist alles. Damit wird die Chance, tatsächlich gleich mit einem „Kunden“ sprechen zu können, vom Unwahrscheinlichen ins Unermessliche gesteigert. Dumm nur, wenn dann doch mal mehrere Leute fast gleichzeitig rangehen. Dann müssen die überzähligen Verbindungen gekappt, die Leute im besten Fall zumindest zwischengeparkt werden. Solche abgebrochenen Anrufe sind besonders ärgerlich, weil die Angeworbenen gestört werden, aus der Arbeit rausgerissen oder unsanft aus der Badewanne geholt werden, weil sie einen wichtigen Anruf erwarten. Aber dann bekommen sie nicht mal eine Chance dafür, kurz ein Desinteresse zu bekunden und dann aufzulegen. Nein, da das Gespräch nicht wirklich zustande gekommen ist, gibt es unter derselben Nummer natürlich noch viele weitere Anrufe, schön sauber verteilt über den Tag oder die Woche. Selbst ein Auflegen wird nicht immer ablehnend gewertet, es geht weiter und weiter.

Freihandtelefon
Immerhin hat man bei diesem Modell beide Hände beim Telefonieren frei. Foto: So Sylvie / Lizenz siehe: flickr

Inkassobüros preisen ihre genialen Dienste an, extrem viele private Krankenversicherungen mit sensationell gesunden Tarifen sind dabei, dann gibt es Zeitschriftenabonnements, Firmensponsoring, Finanzdienstleistungen, Telekommunikationsunternehmen, Gewinnspiele und vieles mehr.

Da sich die Nummern wiederholen und die Leutchen auch gerne nach ein paar Wochen oder Monaten immer wieder neu nerven und gleichzeitig Rufnummernunterdrückung (da verboten) seltener geworden ist, wäre es toll, wenn man bestimmte eingehende Rufnummern sperren könnte.

Nachdem ich mich die letzten Tage wieder richtig ärgern musste, reagierte ich nun. Schon länger liebäugelte ich mit einer Fritzbox. Im Prinzip handelt es sich dabei um einen WLAN-Router mit einer Menge zusätzlicher Netzwerk-, Telefon- und Multimediafunktionen. Mein bisheriges Gerät ist ein Telekom Speedport, das im Wesentliches auch alles kann, aber keine Sperrung für eingehende Anrufe via Rufnummern-Sperrliste beherrscht. Auch ist das WLAN bereits im Nebenzimmer ziemlich wacklig, wofür die guten Neuperlacher Stahlbetonwände verantwortlich sein dürften. Also gibt es gleich einige Gründe für die Anschaffung einer Fritzbox. Der Spieltrieb tut sein Übriges.

Fritzbox Rufnummernsperre
Fritzbox RufnummernsperreHier heißt es „draußen bleiben“. Rufnummernsperre bei der Fritzbox

Heute brachte der freundliche Postbote die Fritzbox, das Modell „Fon WLAN 7390“. Der Anschluss war unproblematisch. Als eine der ersten Aktionen habe ich die Rufnummernsperre ausprobiert. Toll, ein gesperrter Anrufer bekommt nur ein „Kein Anschluss unter dieser Nummer zu hören“. Eine kleine Lüge, aber was macht das schon?

Ein kleiner Schönheitsfehler ist, dass die eingehenden Anrufe zwar schön aufgelistet werden, aber man Nummern von dort nur ins Telefonbuch, aber nicht gleich in die Sperrliste übernehmen kann. Aber hier muss Dr. Copy & Paste helfen. Offenbar gingen die Entwickler davon aus, dass man nur ab und zu Rufnummern sperrt und ein paar Mausklicks mehr nicht weiter schlimm sind. Sind sie auch nicht, immerhin muss man die Nummern nicht vom Telefondisplay abschreiben.

Nun ist davon auszugehen, dass die Callcenter auch aufrüsten und diese die Endziffern der Rufnummern, die derzeit noch erstaunlich stabil sind, immer öfter variieren werden. Immerhin kann man auch ganze Rufnummernblöcke sperren. Damit dürfte man viel abdecken. Jeder unerwünschte Anruf weniger ist ein Gewinn.

Dann macht das Telefonieren auch wieder Spaß und wird nicht zum Hassobjekt. Schon oft wurde das Thema Telefon musikalisch aufgearbeitet. Die vielleicht bestgelungene Hommage an das Telefon ist „Der Telefonanruf“ von Kraftwerk (1986). Dort endet aber die geniale Liebesbekundung „Du bist mir nah und doch so fern – ich ruf‘ dich an, ich hör‘ dich gern“ mit einem frustrierenden „Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht erreichbar“. Mit der Rufnummernsperre bin ich aber nun gerne mal nicht erreichbar.

Pizzalieferung ins Nichts

Werbung

Pizza
Lecker Pizza. Wenn sie denn kommt. Foto: squidpants / Lizenz siehe: flickr

Bringdienste sind eine feine Sache, sie liefern inzwischen Spezialitäten aus aller Welt, nicht nur die klassische Pizza. Ab und zu bestelle ich, schon seit Jahren, grundsätzlich über das Internet. Ich ließ mir die Gerichte immer an meine Adresse am Karl-Marx-Ring liefern. Probleme gab es selten. Zwischenzeitlich legte ich eine zweite Lieferadresse an und ließ mir dorthin in die Plettstraße im März ein paar Mal die feinsten Speisen schicken.

Dann, im April, wählte ich für eine weitere Bestellung wieder die ursprüngliche Adresse am Karl-Marx-Ring aus. Das hat auch einwandfrei geklappt. Gestern bestellte ich erneut. Doch die Pizza kam und kam nicht. Nach über einer Stunde schaute ich mir die Bestellbestätigung an und sah dort die alternative Adresse in der Plettstraße. Oh no, dachte ich mir, griff zum Telefon, aber es war schon kurz nach 23:00 und es ging keiner mehr ans Telefon. Die Bilder in meinem Kopf zeigten einen verzweifelten Boten, der klingelte, klopfte und einen Anfall bekam, weil er in eine Wohnung hineinwollte, die aber zu diesem Zeitpunkt verwaist war.

Wie kam es zu dem Fehler? Ich machte mir bei der Bestellung in Sachen Lieferadresse keine Gedanken, da ich die ursprüngliche Adresse ja zurückgestellt hatte und seitdem nichts mehr an die alternative Adresse liefern ließ. Ich ging davon aus, dass nun wieder die ursprüngliche Adresse die Vorgabe ist. Doch offenbar hat das System wieder die alternative Adresse zur Vorgabe gemacht, vermutlich durch einen Softwarefehler. Natürlich hätte ich das noch einmal genau kontrollieren müssen – habe ich aber nicht.

Heute ging ich zur Auslieferungsfiliale und klärte den Irrtum auf. Ich würde die Lieferung selbstverständlich bezahlen, sagte ich. Der Pizzamensch wollte das Geld aber unter keinen Umständen annehmen, eine anständige Geste, wie ich finde. Wer keine Lieferung bekomme, müsse auch nicht bezahlen, meinte er.

Nun habe ich die alternative Adresse Plettstraße gelöscht, damit der Fehler nicht mehr passieren kann. Das ist auch eine Lösung.

Die Immaterialisierung der Welt

Werbung

Bislang war in der Medienlandschaft die Digitalisierung das beherrschende Thema, aus analogen Daten wurden und werden viele, viele Nullen und Einsen. Eine CD ist aber immerhin noch ein materielles Produkt. Bei den E-Books ist dies nicht der Fall, diese werden auf magnetische Ladungen auf der Festplatte reduziert. Folglich scheitert die Immaterialisierung fort. Nur das E-Book-Lesegerät ist noch materiell.

Natürlich liebe ich echte Bücher aus Papier und sie werden Unkenrufen zum Trotz wohl auch nie aussterben. Die alte Vinylplatte erlebt wieder hohe Zuwachsraten, jede neue Entwicklung erzeugt auch einen Gegentrend. Es hat aber alles seine Vor- und Nachteile: So ärgere ich mich, wenn ältere Bücher vergilben, sich Seiten lösen. Aber das Blättern in einem Buch ist immer noch was Sinnliches, es ist nicht vergleichbar mit einem Mausklick oder einem Fingertipp auf das berührungssensitive Display. Und man hält was in der Hand, man kann etwas ins Regal stellen und die Bücher nach immer ausgeklügelteren Methoden sortieren. Etwa nach der Farbe des Buchrückens, um interessante Farbübergänge zu schaffen. Um ein bestimmtes Buch zu finden, ist das aber eher unpraktisch.

All diese Bucherlebnisse bietet das E-Book nicht. Immerhin nutzen sich digitale Bücher nicht ab. Man kann darin schnell nach Begriffen suchen, und man spart Kubikmeter Platz in der Wohnung. Hat man irgendwann überhaupt keine Bücher aus Papier mehr, entfällt auch das lästige Abstauben. Wer gerne staubwischt, hat Pech gehabt oder kauft sich – natürlich über das Internet – staubanziehende Accessoires.

Entlastungsstadt Perlach
Ein richtiges Buch, ein historisches noch dazu: "Entlastungsstadt Perlach" – herausgegeben von der Neuen Heimat. Seien wir doch mal ehrlich, das gleiche Buch als E-Book wäre nur eine von Tausenden langweiligen Dateien, die auf der Festplatte herumschwirren. Alleine das "Alte" eines Buches, auch die einen oder anderen Gebrauchsspuren, das Lesezeichen, ein alter handgeschriebener Notizzettel oder Zeitungsschnipsel, den man im Buch findet, das bietet nur "das gute, alte Buch" (12.10.2011) © Thomas Irlbeck

Amazon bot mir tagelang den neuen Kindle aufdringlich auf der Startseite an. Wer es nicht weiß, das ist ein E-Book-Reader. Ich habe mir überlegt, ihn zu bestellen, bin aber davon wieder abgekommen.

Da frage ich mich, werde ich so langsam alt, konservativ, wo ist meine ansonsten so ausgeprägte Innovationsneurose geblieben?

Schließlich bin ich so was wie ein Mann erster Stunde. Als Erster in meiner Schulklasse zeichnete ich die Diagramme nicht mehr mit dem Bleistift, sondern erstellte sie mit dem Heimcomputer Commodore 64 und druckte sie mit dem Commodore MPS 801 aus, einem der ersten bezahlbaren Computerdrucker. Bezahlbar heißt, er war dennoch schweineteuer, er war laut und er hämmerte die Druckpunkte mit einer Nadel aufs Papier. Das Druckbild war katastrophal, dennoch konnte man mit etwas Geduld ausreichend viel erkennen. Der Mathelehrer war nicht begeistert, akzeptierte es aber schließlich. Zur Ableitung und Integration von Formeln entwickelte ich eigene Software. Man könnte mir jetzt vorwerfen, dass ich das ja selbst lernen und nicht der Software überlassen sollte. Doch da ich die Software mit der notwendigen Intelligenz ausstatten musste, lernte ich während der Entwicklung der Software das Ableiten und Integrieren, sodass ich es danach wirklich beherrschte. Meine Facharbeit schrieb ich auch auf dem Computer. Allerdings bestand der Lehrer wegen des schlechten Schriftbildes des MPS 801 darauf, dass ich die Facharbeit auf der Schreibmaschine am Ende noch mal abtippte. Ich profitierte immerhin von der Fähigkeit der Textverarbeitungssoftware. So konnte ich die Arbeit zigmal umschreiben, ohne dass ich mit Schere und Klebstoff arbeiten musste. Nur die Reinschrift mit der Schreibmaschine am Ende musste ich wie gesagt leisten. Ich kann mich heute noch dran erinnern, wie weh jeder Tippfehler tat, da er ein Auslösen der Korrekturtaste erforderte. Diese hinterließ Spuren auf dem Papier und ich befürchtete Punkteabzüge.

Nun mache ich nicht mehr jede Entwicklung mit. Immerhin lese ich abends im Bett keine gedruckten Zeitschriften und keine Zeitung mehr, sondern surfe mit meinem Smartphone auf Nachrichtenwebsites, bin also noch kein Vollzeitkonservativer. Das Smartphone als Papierersatz hat den Vorteil, dass die Nachrichten aktueller sind und dass ich mehr Auswahl habe. So erfahre ich nun fast jede Nacht noch per Eilmeldung, dass Griechenland nun endgültig fast faktisch pleite ist.

A very very very special Radio – eine Geschichte des Radios (Update 04.02.2018)

Werbung

Aufziehradio
Auch so kann man Radio hören – man zieht es auf. Foto: paulmmay / Lizenz siehe: flickr

Früher, zu Beginn der 1980er-Jahre, konnte man in München kaum mehr als nur eine Handvoll Radioprogramme empfangen. Das waren im Wesentlichen Bayern 1, 2, 3 und 4 sowie der Österreichische Rundfunk. Mit dem Privatrundfunk hat sich das ab Mitte der 1980er-Jahre geändert. Die Kommerzialisierung brachte nicht nur eine quantitative Zunahme an empfangbaren Sendern mit sich, sondern auch die eine andere erfrischende Bereicherung. Aber bereits nach wenigen Jahren war die Radiolandschaft qualitativ wieder erheblich ärmer geworden. Bemerkenswerte Sendungen wie der „Kopfhörer“ auf Radio Gong 2000 (1985 bis 1992, präsentiert von „Zwitscher“), in der gewöhnungsbedürftige, zum Teil hervorragende Musik meist wenig bekannter Künstler gespielt wurde und in der die herrliche Rubrik „Das strapaziöseste Stück der Woche“ installiert war, wurden sang- und klanglos (im wahrsten Wortsinn) eingestellt. Ebenso schaltete das Schweizer öffentlich-rechtliche Radio DRS-3 (das man in München zusammen mit den neuen Privatsendern auch per Kabelnetz1 empfangen konnte und das daher irgendwie auch zu der neuen Radiolandschaft zählte), auf dem fast ausschließlich wenig bekannte, dafür aber umso anspruchsvollere Titel liefen, auf ein sogenanntes durchhörbares Programm um. Da der Schweizer öffentliche-rechtliche Rundfunk werbefrei ist, ein Schritt, der nicht unbedingt nachvollziehbar ist, aber vermutlich versteifte man sich auf die Steigerung der Hörerzahlen durch Mainstream-Musik – mag es aus Imagegründen gewesen sein oder um die Existenzberechtigung zu bekräftigen.

Formatradio – Der Niedergang des Radios in den späten 1980er-Jahren

Doch Mainstream alleine reicht nicht für die Reichweitenmaximierung. Die alles entscheidende Frage ist, bei welchen Inhalten möglichst viele Hörer einschalten und möglichst wenige abschalten. Achtete man anfangs noch manuell unter Einbeziehung einer Musikuhr auf die genehme Stilrichtung, übernahm dann ab den frühen 1990er-Jahren der Computer fast ganz alleine die Musikauswahl und sorgt dafür, dass nur getestete, massenkompatible Titel in der richtigen Kombination gespielt werden. Einzelne Stilrichtungen sollten sich dabei nicht wiederholen, da dies zum Um- und Abschalten verleitet. Solche Hörerkiller sind z.B. zwei ruhigere Titel, die unmittelbar hintereinander gespielt werden. Wäre dies nicht schlimm genug, hat sich die Unart durchgesetzt, Gewinnspiele zu veranstalten, die über Stunden oder gar Tage warmgehalten werden und die Hörer dazu verleiten, dranzubleiben und ggf. auch am nächsten Tag wieder einzuschalten, da man ja die Auflösung endlich wissen will. Ich kann mich erinnern, dass eines der letzten Male, als ich eines der fürchterlichen Münchner Stadtradios hörte, gerade ein neues Spiel gestartet wurde. Es galt, einen kurz angespielten Musiktitel zu erraten. Dabei beschränkte man sich auf ein paar Hundertstelsekunden des Stücks, es war entsprechend nur ein kurzes Zischen zu hören. Klar, dass dies keiner erraten kann, aber der Moderator kündigte an, den Ausschnitt im Laufe der nächsten Stunden sukzessive zu verlängern. Ich fühlte mich so veräppelt, dass ich das tat, was eigentlich genau durch das Erfolgskonzept verhindert werden sollte: Ich schaltete wutentbrannt das Radio aus.

Vom Mainstream-Formatradio mit Musikuhr zum Special-Interest-Kuriosum

Mit dem Aufkommen der Internetradios änderte sich die Radiolandschaft wieder. Ohne großes finanzielles Risiko und ohne die Mühen der Beschaffung einer Senderlizenz konnte jedermann Radio machen und so hatten auch Sender mit sehr speziellen Inhalten (special interesest radio) und ohne Mainstream-Ausrichtung wieder eine Chance. Auch fanden kommerzielle Veranstalter durch die weltweite Verfügbarkeit einen ausreichend großen Markt für sehr spezielle Musik vor. Der Senderverbund di.fm und sky.fm etwa bietet über 80 Musiksender an, unter denen sich sehr spezielle Angebote finden wie der Kanal Chiptunes (nicht nur für Freunde der alten Heimcomputersounds à la C64-SID), spezielle Techno-Richtungen, aber auch Jazz, Salsa, Lounge und klassische Musik. Das Programm ist weitgehend unmoderiert, Live-Sendungen mit Moderation finden aber gelegentlich statt – es ist also nicht alles „Playlist shuffle“.

Eine Hommage an die „Famous Four“

Einer der groteskesten Sender ist dabei „A Beatles Tribute“. Hier wird alles gespielt, was irgendwie mit den Beatles zu tun hat. Konkret muss einer der Pilzköpfe den Titel mindestens komponiert oder interpretiert haben, er muss nicht zwangsläufig von den Beatles sein. John Lennon solo oder die „Wings“ sind also als Vorlage auch zugelassen. Meist laufen dort Coverversionen der Beatles, die sich mehr oder weniger am Original orientieren oder aber eigenwillige Interpretationen darstellen, die z.B. von großen Orchestern oder mit ungewöhnlichen Instrumenten gespielt werden. Auch wer sich an den Melodien der Beatles totgehört hat, wird feststellen, dass die Songs so viel Potenzial haben, dass sie diese in anderer Interpretation eine neue, verblüffende Wirkung entfalten können. Kurioserweise findet auf dem Beatles-Kanal gerade eines offenbar nicht statt: die original Beatles. Wen man sich vergegenwärtigt, dass zum Repertoire des Kanals Tausende an Beatles-Coverversionen gehören, erscheint dies nicht verwunderlich, dass die Originale zahlenmäßig eher untergehen. Alleine von „Yesterday“ sind über veröffentlichte 3.000 Coverversionen bekannt. Man könnte auch annehmen, da dem Kanalnamen „A Beatles Tribute“ nach den Pilzköpfen Tribut gezollt wird, die Originale bewusst nicht gespielt werden, sondern dass andere Künstler in Gestalt einer Hommage an die Beatles auftreten. Doch wer lange genug zuhört, wird ab und zu, ganz selten, auf dem Beatles-Kanal dann doch was Erstaunliches hören: die echten Beatles.

Es gibt sicherlich in den Tiefen des Internet noch verrücktere Kanäle. Der „EP Express“ steht schlicht für Elvis Presley. „Er“ kommt dort rund die Uhr. Der King lebt! Wer auf solchen Kanälen länger hängen bleibt, wird aber schnell zu einer neuen Monotonie finden.

Von Top 40 zu Top 2

The Beatles
Ein eigener Radiosender, der ausschließlich die Beatles ehrt. Doch gerade die Beatles finden dort offenbar nicht statt. Oder doch? Aber wie auch immer: Es geht sicher noch spezieller. Foto: Gonzalo Barrientos / Lizenz siehe: flickr

Wie schlimm die Eintönigkeit auf dem normalen terrestrischen Mainstream-Dudelfunk-Radio geworden ist, sollte ein Protestaktion eines Moderators eines Hamburger Privatradios zeigen, die bereits 1999 stattfand, also in der schlimmsten Radiozeit, als die Kommerzialisierung bereits einen vorläufigen Höhepunkt erreicht und das Internetradio sich noch nicht durchgesetzt hatte. Beobachtern mag aufgefallen sein, dass wenn ein Radiosender Abba spielt, es meist der Titel „Dancing Queen“ ist. Die Erkenntnis hinter diesen genialen Auswahl ist schlicht und ergreifend, dass dieser Titel zu denjenigen mit den geringsten Ab- und Umschaltraten gehört. Der rebellische Moderator entwickelte das Top 40-Prinzip, das besagt, dass sich ein Radiosender über Wochen hinweg auf die gleichen 40 Titel beschränkt, weiter zum Erfolgsformat „Top 2“. Konkret verbarrikadierte er sich im Studio und spielte Abbas „Dancing Queen“ und „No Milk Today“ von Herman’s Hermits in einer Endlosschleife. Der Geschäftsführer des Senders, der das gewaltige Potenzial von Top 2 nicht erkannte, konnte diese ungeheuerliche Provokation erst nach Stunden beenden. Nur unter Aufbietung aller Möglichkeiten gelangte er mit einem aufopfernden Trick dann doch ins Studio, um die Sendung an sich zu reißen – er benutzte den Lastenaufzug.

Playlist mit ersten Titeln der Sendung „Kopfhörer“ online (Update 04.02.2018)

In der öffentlichen Spotify-Playlist „Kopfhörer-Zwitscher“ finden sich nun dank Leserinnenmitarbeit eine Reihe von Musikstücken aus der legendären Sendung. Jeder kann sich gerne beteiligen und selbst noch Titel beisteuern. Einen Link zu dieser Playlist gibt es auch: spotify:user:21q6xuwkscodepx6wqhtstyzy:playlist:50e1TEa9ohIUUycNuLIAYw

1 Um ein wenig den Bezug zu Neuperlach herzustellen: Neuperlach lag im Kabelpilotprojekt München. Damit konnte ich ein paar Monate die ersten, zum Teil extrem kuriosen Anfänge des offiziellen Privatrundfunks in Deutschland mitverfolgen, bevor auch der Rest der Republik mit dem Kommerz beglückt wurde.

Zweimal – und Du bist draußen

Werbung

Die nächsten bedeutenden Wahlen sind erst im Mai 2012 in Schleswig-Holstein. Der ideale Zeitpunkt also, um unliebsame Gesetze durchzubringen, mag sich der CDU-Rechtspolitiker Siegfried Kauder gedacht haben und will offenbar noch dieses Jahr ein Gesetz in den Bundestag einbringen, das Provider verpflichtet, bereits beim zweiten Urheberrechtsverstoß (Two-Strikes-Regelung) dem Sünder den Internetzugang zu sperren. Gedacht ist an eine Sperre eher im Wochenbereich als im Monatsbereich, man peilt wohl einen Zeitraum von drei Wochen an.

Berichten zufolge soll Kauder auf dem Parlamentarischen Abend der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL), der unmittelbar nach der Landtagswahl in Berlin (bei der die Piratenpartei sensationelle 8,9 Prozent erzielte) stattfand, den Medienvertreten den Gesetzesvorstoß versprochen haben. Pikanterweise ist Kauder nicht ganz unabhängig, bekleidet er doch das Präsidentenamt der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände.

Das Leben ist offline für viele kaum mehr zu bewältigen – der gesperrte Netzzugang hätte drastische Folgen

Sicher sind Urheberrechtsverstöße nicht zu begrüßen, aber es stellt sich die Frage nach der Verhältnis- und Verfassungsmäßigkeit. Viele Dienste sind ausschließlich über das Internet verfügbar. Eine Internetsperre schließt Leute von der Kommunikation weitgehend aus. Freiberufler können in vielen Fällen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen, für die meisten Leute ist das Leben offline kaum mehr vorstell- und durchführbar, wenn z.B. wichtige Daten in „der Cloud“ archiviert sind und Kontakte bislang primär per E-Mail stattfanden.

Nicht immer geschehen Urheberrechtsverstöße mit Vorsatz. Der auf der eigenen Website eingebundene Stadtplan ist in den meisten Fällen ein Urheberrechtsverstoß, aber nicht jeder weiß das. Klar schützt Unwissenheit vor Strafe nicht, aber eine Strafe, die eine Art virtuelle Haftstrafe ist, steht in keinem Verhältnis zur Tat.

Es ist auch zu fragen, welche Mittel einem Beschuldigten zur Verfügung stehen, um unzutreffenden Vorwürfen zu begegnen. Wie läuft so eine Sperre ab? Genügt es, wenn ein Rechteinhaber sich einschaltet und eine Sperrung beantragt oder muss ein Gericht die Sperrung verfügen? Welchen bürokratischen Aufwand zieht das Ganze nach sich?

Es gibt viele Fragen, auch ist zu erwarten, dass Anonymisierungsdienste beim Dateiaustausch in stärkerem Maße eingesetzt werden. Wer sich technisch auskennt, wird Wege finden und sich sicher fühlen, der normale Anwender wird in Angst leben. Keiner kann in allen Fällen erkennen, ob eine Datei, die irgendwo zum Download angeboten wird, wirklich frei von Rechten anderer ist. Das Risiko bleibt.

CDU
Die CDU mag in Europa angekommen sein, auch wenn das manche bezweifeln, im Internet ist sie aber ganz sicher noch nicht angekommen. Dies wiederum bezweifelt keiner. Foto: derteaser / Lizenz siehe: flickr

Geklärt werden muss auch, wie verhindert werden soll, dass gesperrte Leute per Prepaid-Surfstick oder über das offene W-LAN des Nachbarn ins Netz gehen bzw. welche Strafen dann fällig werden. Gerecht wäre bei einer solchen Dreistigkeit sicher eine Verlängerung der Sperre auf lebenslänglich, eine Ausdehnung auf die Familie (Sippenhaft) und eine zusätzliche drakonische Geldstrafe.

Das Gesetz wird auf Widerstand treffen. Es widerspricht den Wahlversprechen der CDU (die aber nichts wert sind), aber auch dem Koalitionsvertrag. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wird das Gesetz vermutlich verhindern, vielleicht auch der Widerstand der empörten Netzgemeinde. Aber man kann es drehen und wenden – Kauder gibt entweder der FDP eine Wahlhilfe oder der Piratenpartei. Der CDU wird er schaden, die es dann aber nicht besser verdient hat, sollte aber das Gesetz in irgendeiner Form beschlossen werden, werden vor allem die Bürger den Schaden haben. Die Internetkultur wird eine Kultur der Angst werden.

Quellen:

Golem: Gesetz für Two-Strikes-Warnmodell in Deutschland kommt

Gulli: Bundestag – Vorsitzender des Rechtsausschusses will Gesetzentwurf für 2-Strikes

Update

Weiterhin Abmahnungen

Entgegen erster Vermutungen soll das neue Gesetz keinesfalls ein Ersatz für die Möglichkeit kostenpflichtiger Abmahnungen sein. Diese solle es weiterhin geben. Vereinzelt waren gestern Stimmen von Benutzern zu hören, die eine Netzsperre von 3 Wochen als das geringere Übel ansahen, würden sie doch dann den sehr teuren Abmahnungen entgehen. Diese stellenweise Zustimmung dürfte nun bröckeln.

Kein Gerichtsverfahren

Die Sperrung wird auch offenbar ohne Gerichtsverfahren erfolgen, womit die Strafverfolgung in die Hände der Privatwirtschaft gelegt werden würde, was für einen Rechtsstaat eine bedenkliche Entwicklung wäre. Ob es dennoch Einspruchsmöglichkeiten geben wird, bleibt abzuwarten.

Weitere Verschärfungen im Urheberrecht seitens der CDU gefordert

Im Übrigen soll das Gesetz nur ein Vorgriff auf weitere Verschärfungen sein, die eigentlich mit dem Dritten Korb der Urheberrechtsnovelle kommen sollen. Da dieser auf sich warten lässt, prescht Kauder vor. Der Dritte Korb ist damit aber keinesfalls vom Tisch.

Ein Wagen der Linie 8 und wann er abfährt − die App „MVV Companion“

Werbung

Eigentlich war ich nie ein besonderer Freund des Immer-und-überall-erreichbar-Seins, sprich des Mobilfunks. Ein Defekt meines Museumsstücks – Smartphone traue ich mich zu dem historischen Gerät kaum dazu sagen – veranlasste mich dazu, ein richtiges Smartphone zu kaufen, ein Samsung Galaxy Ace, also mit Android-Betriebssystem.

Seitdem kann ich in meinem WLAN kostenlos surfen, was letztlich aber kaum was bringt, denn dazu ließe sich ja auch den Desktop-PC nehmen. Das Surfen unterwegs ist möglich, aber unbezahlbar, denn bereits nach einem kleinen Besuch einer Website musste ich zum Supermarkt laufen und mir eine neue Telefonkarte holen, die es dort für unschlagbare 15 oder 25 EUR gibt. Dann das umständliche Aufladen des Guthabens.

Also musste eine Datenflat her. Aber wofür kann man diese nutzen, außer ein wenig auf Spiegel online & Co. zu surfen und E-Mails zu versenden? Es gibt da was: Als Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel in München ärgert man sich, dass nur wenige Haltestellen mit einer DFI-Anzeige ausgestattet sind, die die Abfahrtszeiten der nächsten Bähnlis, Autobusse und Trämlis anzeigt.

DFI Schellingstraße
Eine DFI-Anzeige in München. Leider haben nur wenige Haltestellen so was. Foto: Tramgeschichten / Lizenz siehe: flickr

Hier steigt die kostenlose App „MVV Companion“ ein (die übrigens auch für das iPhone erhältlich ist). Sie zeigt die Live-Abfahrtszeiten an, fast ebenso wie auf einer echten DFI-Anzeige aus Metall und Kunststoff. Damit bekommt der vernachlässigte Friedrich-Engels-Bogen endlich eine zumindest virtuelle DFI-Anzeige:

MVV Companion
Die App "MVV Companion" mit dem Abfahrtsmonitor – der virtuellen DFI-Anzeige

Mit Wiesn-Zelten!

Die App kann aber auch Routen berechnen (einschließlich Fahrpreisen), verrät Störungsmeldungen, zeigt die aktuelle Umgebungskarte (ähnlich Google Maps) einschließlich eingezeichneter Haltestellen und wichtiger Einrichtungen (sogar die einzelnen Bierzelte auf der Wiesn sind abgebildet, wenngleich viele nicht das Problem haben, zu diesen zu gelangen, sondern wieder nach Hause zu finden) und den Schnellbahnnetzplan an. Dank der Satellitenortung GPS werden per Knopfdruck die räumlich nächsten Haltestellen berücksichtigt, was einem die Eingabe der Haltestellen- und Straßennamen erspart, wenngleich man mit der virtuellen Tastatur mit etwas Übung ganz gut tippen kann. Die Richtung zur Haltestelle wird per Pfeil dargestellt, die Entfernung erfährt man auch gleich.

Auch Fahrstuhlphobiker werden berücksichtigt

Eine Reihe von Einstellungen ermöglichen es, nur bestimmte Verkehrsmittel zuzulassen, etwa für Nostalgiker und besonders moderne Menschen das Trämle. Auch für Rollstuhlfahrer, aber auch Fahrstuhlphobiker gibt es entsprechende Optionen, die bei den berechneten Routen berücksichtigt werden. Die Bedienung ist recht intuitiv, die Installation aus dem Android Market sehr simpel.

Inzwischen gibt es auch eine Offlineausgabe als Betaversion, die logischerweise stark eingeschränkt ist. Sie kann im Wesentlichen nur Abfahrten laut Fahrplan zeigen. Routen sind nicht möglich. Umgebungskarten gehören auch nicht zum Repertoire, obwohl dies technisch mit entsprechendem vorab geladenen Kartenmaterial möglich, wenngleich sehr aufwändig wäre. Nur der Schnellbahnnetzplan steht auch offline zur Verfügung. Aber die Datenflat dürfte ja schon fast zum Standard gehören.

Das größte Problem, das ich mit der App hatte, war es, einen Screenshot zu erstellen, da die benötigte Zurück-Taste, die dazu länger zu drücken ist, einen Tab zurückspringt und auch sehr schnell (und fast immer) eine Sicherheitsabfrage stellt, ob man die Anwendung wirklich beenden möchte, die dann mit auf den Screenshot kommt. Zudem wird – schlimmer – der gesamte Bildschirm abgedunkelt, sodass dieser unbrauchbar wird. Hier half nur viel Fingerspitzengefühl und Geduld, die Zurück- und Home-Taste in einem geeigneten Moment zu drücken. Aber es hat ja dann doch noch geklappt. Sonst hätte ich halt die inzwischen reparierte Kamera genommen oder nach einer ganz neuen Lösung gesucht. Apps für die verschiedensten Zwecke gibt es schließlich eine ganze Menge, hier kann man dann in Zukunft beim Warten an der Haltestelle viel Zeit damit verbringen und den letzten Bus verpassen.

Update – Anzeige der Ringlinie 197

Erst kurz nach Veröffentlichung des Artikels fiel mir auf, dass die Anzeige für die Linie 197 nicht wirklich brauchbar ist. Da diese als Ringlinie verkehrt, ist die Endhaltestelle für beide Richtungen identisch. Man sieht also nicht, in welche Richtung der Bus fährt, ja nicht einmal, auf welcher Straßenseite einzusteigen ist. 2006 gab es beim echten DFI das gleiche Problem. Damals reagierte die MVG sehr schnell auf meine Meldung und änderte die Anzeige freundlicherweise und übrigens sehr zeitnah von „Neuperlach Zentrum“ in „Ring Neuperlach Innen“ bzw. „Ring Neuperlach Aussen“ (über das Doppel-S – richtig wäre natürlich „außen“ – sehen wir mal hinweg). Ich habe das jetzt auch mal gemeldet. Jetzt heißt es abwarten.

Update 2 – die mobile Version von MVG live im Browser

Solange der Fehler nicht korrigiert ist, behelfe ich mir mit dem Aufruf der mobilen Version von MVG live (http://mobil.mvg-live.de) im Browser. Man braucht keine zusätzliche App, hat dafür keine Standortbestimmung und kaum weitere Extras, aber man wird mit der fallweisen Anzeige „Ring Neuperlach Aussen“ und „Ring Neuperlach Innen“ statt „Neuperlach Zentrum“ belohnt. Jetzt wird offenbar ein anderer Datenbestand abgegriffen. Wenn man nur die Live-Abfahrtszeiten wissen will, reicht die Browserversion von MVG live prinzipiell aus, auch wenn’s nicht so komfortabel wie eine eigene App ist.

Die mobile Version von MVG-Live im Browser
Die mobile Version von MVG-Live im Browser. Hier stimmt die Anzeige beim 197er

Neuperlach.org goes mobile

Werbung

Mobile Version
Neu: Mobile Version von Neuperlach.org

Früher habe ich nachts im Bett Bücher oder Zeitschriften gelesen, bis die Müdigkeit siegte. Nun surfe ich nachts im Bett und wache morgen auf dem Smartphone auf. Schöne neue Welt.

Der ideale Anlass, Neuperlach.org besser auf Smartphones abzustimmen. Gefühlt, gedacht, gesagt, getan. Ab sofort wird beim Aufruf von Neuperlach.org vom Smartphone aus automatisch eine speziell auf mobile Geräte optimierte Darstellung verwendet. Das WordPress-Plugin „WP Mobile Detector“ erledigt dies.

Screenshot vom Handy machen

Die mobile Version hier zu zeigen, stellte mich vor ein kleines Problem: Natürlich hätte ich das Handy mit einer Kamera abfotografieren können, was aber schon mal schlecht ist, wenn die eigentliche Kamera defekt ist und man nur die Handycam hat, mit der man fast alles fotografieren kann, nur nicht das Handy selbst. Viel sauberer geht es mit einer Screenshot-Funktion. Diese gibt es tatsächlich, zumindest auf Samsung-Handys mit Android ab Version 2.2 (bei Android-Handys anderer Hersteller funktioniert es angeblich nicht). Einfach die Back-Taste etwas länger drücken und dann, ohne sie loszulassen, die Home-Taste betätigen. Den Screenshot findet man dann als PNG-Datei im Ordner ScreenCapture der Speicherkarte.

Der VoIP-Anschluss wider Willen – oder „Das Echo“

Werbung

Auch Mütter surfen inzwischen leidenschaftlich und machen z.B. ihre Bankgeschäfte online. Auch wenn sie schon in Rente sind, ist das heutzutage kein Hindernis mehr. Aber es sollte ein Notebook als Ersatz für den alten Desktop-Rechner her, damit das Internet kabellos in der ganzen Wohnung und auch auf den Balkonen genutzt werden kann. Dazu muss auch ein WLAN-Router her, ein schnellerer Internetanschluss wäre auch nicht verkehrt.

Also bestellte ich bei der Deutschen Telekom VDSL 50 Universal mit Internetflatrate und Telefonflatrate fürs deutsche Festnetz. Praktischerweise wird da auch ein WLAN-Router mitgeliefert und eine schöne Gutschrift gibt es auch. Also ein verlockendes Angebot, bei dem man monatlich kaum mehr zahlt als vorher, dafür aber viel schneller surfen kann, mit bis zu 50 Mbit/s beim Download. Damit lässt sich im Idealfall der Inhalt einer gut gefüllten CD-ROM in rund 2 Minuten übertragen und Internet-TV ist sogar in HDTV möglich. Vor einiger Zeit habe ich auch auf VDSL 50 Universal umgestellt, was problemlos lief.

Internet Open
Das Internet ist geöffnet. Ohne geht heute nichts mehr. Foto: balleyne / Lizenz siehe: flickr

Nun also wieder eine Änderung eines bestehenden Anschlusses. Besonders viel falsch machen kann man bei der Onlinebestellung nicht. Ein Knackpunkt ist nur ISDN. Muttern hat eine ISDN-Anlage mit zwei Mobilteilen. Also habe ich penibel darauf geachtet, VDSL 50 Universal zu bestellen, wobei man wissen muss, dass ISDN nun Universal heißt. Klingt irgendwie besser, steigert aber die Konfusion. Darauf zu achten, ist ganz wichtig, da ISDN-Telefone nicht an einem Standard(Analog)-Anschluss betrieben werden können.

Dann kam der Tag der Umstellung. Der Router wurde ein paar Tage verspätet geliefert, aber auch Senioren haben heutzutage ein Handy, um weiter an der Kommunikation teilhaben zu können, wenn das Festnetz mal tot ist. Doch es gab dann unerwartet Probleme. Der Internetzugang funktioniert zwar. Beim Telefon bekommt man einen Wählton, aber jeder Nummer wird als besetzt gemeldet. Da es unwahrscheinlich ist, dass alle Leute gerade zufällig 24 Stunden am Tag telefonieren, muss da der Wurm drin sein. Die Recherche ergab dann, dass ein VDSL 50 IP-Anschluss geschaltet wurde statt VDSL 50 Universal/ISDN. Das ist so was wie ein reiner DSL-Anschluss, man kann also auch kein analoges Telefon an den Anschluss klemmen, zumindest nicht, wenn man will, dass es funktioniert. Also muss der Kundendienst heran. Der sah keinen Fehler bei sich. Aber ich habe ja eine Bestellbestätigung. Dort steht allerdings lapidar nur VDSL 50, ohne „IP“, aber auch ohne „Universal“. Somit ist diese als Beweismittel ungeeignet. So vermute ich einen Fehler im Bestellprozess. Vielleicht ist dieser durch einen Softwarefehler entstanden, oder der Bestellprozess ist nur halbautomatisch, sodass eine Person aus Fleisch und Blut hier die Bestelldaten mindestens bestätigen muss und es hierbei zu einem Fehler gekommen  ist. Theoretisch kann es auch mein Fehler sein, ich schließe es aber fast aus, da ich mich mit meiner jahrzehntelangen ISDN-Erfahrung noch erinnern kann, Universal ausgewählt zu haben und das bis zum Absenden der Bestellung mehrfach überprüft zu haben.

Wer auch immer schuld ist, man könnte das ja einfach noch mal umstellen. Die Deutsche Telekom riet jedoch ab davon, das sei ja so was wie eine Neubestellung und würde erhebliche Wartezeiten verursachen, hieß es. Ich sollte daher VoIP nutzen. Das bedeutet Voice over IP und heißt ganz einfach, dass die Telefongespräche in Datenpakete zerteilt, über das Internet transportiert und dann wieder zusammengesetzt werden. Man nennt das auch Internet-Telefonie oder DSL-Telefonie. Dummerweise kann der Router zwar VoIP, aber er hat nur Anschlüsse für Analogtelefone. Die Lösung bestand dann darin, Mutterns Router mit meinem zu tauschen. Beide sind technisch sehr ähnlich, meiner hat aber einen zusätzlichen internen S0-Bus zum Anschluss von ISDN-Geräten.

Router-Katze
Katzen würden Router kaufen. Da die eigene Katze schon längst das Zeitliche gesegnet hat, wird hier eine Fremdkatze gezeigt. Foto: mamarati / Lizenz siehe: flickr

Nun, das Ganze funktioniert recht gut, wenn man es erst einmal konfiguriert hat. Die Deutschland-Telefonflatrate gilt dafür, die bestehenden Rufnummern lassen sich beibehalten, die Verbindungen sind stabil und selbst die Sparvorwahlnummern für Handy- und Auslandsgespräche (die es eigentlich nur bei Festnetzanschlüssen der Deutschen Telekom gibt, wobei die Frage zu stellen ist, ob es sich jetzt formal überhaupt um einen Festnetzanschluss handelt) scheinen anstandslos zu funktionieren – laut einem Zeitschriftenbericht erst seit Anfang 2011, mal wieder Glück gehabt. Nur ist beim Telefonieren hin und wieder ein leichtes Echo zu hören, was vermutlich auf die VoIP-Technik zurückzuführen ist. Aber man kann ja nicht alles haben und ist froh, dass es überhaupt so gut funktioniert funktioniert funktioniert …

Was bin ich?

Werbung

Mindestens einmal im Leben sollte man – nicht nur als Blogger – diese 4 Fragen beantworten.  Stadtneurotiker hat es bereits getan. Nun bin ich nachgezogen.

1. Was machst du beruflich?

Offiziell bin ich „Schriftsteller und EDV-Berater“. In Wirklichkeit arbeite ich als Schriftsteller (rund 35 Buchveröffentlichungen und unzählige Artikel), EDV-Berater, Lektor, Übersetzer, Softwareentwickler, Webdesigner, Kundendienstmitarbeiter, freier Journalist, Texter, Werbetexter, Grafiker oder habe in diesen Bereichen gearbeitet. Meist hat es sich in den Bereichen um die Themen IT und Internet gedreht. Mit zunehmendem Maße geht es in andere Bereiche rein, etwa ins Populärwissenschaftliche. Ganz kurz würde ich mich inzwischen als Künstler bezeichnen.

Zu meinen Arbeitsproben – hier klicken

2. Was ist gut – was ist nicht so gut daran?

In den meisten Bereichen kam und kommt es auf Genauigkeit und auf die Fähigkeit, zu formulieren, umzuformulieren und zu erklären an. Diese Fähigkeiten habe ich, also ist es gut. Die Entwicklung von Software sah ich als ideale Kombination von Handwerk, Wissenschaft und Kreativität. Aber irgendwann ist die Kreativität bei der Programmierung ausgeschöpft. Als Lektor sind oft stumpfsinnige Dinge zu tun – Tausende Suchen-und-Ersetzenvorgänge, das maschinenhafte Starten Tausender kleiner Skripts („Listings“), um deren Lauffähigkeit zu überprüfen. Dann gilt es den Text dazu kontrollieren und stilistisch zu verbessern und die vielen, vielen Fehler, welche die Autoren nicht selbst sehen, zu beseitigen. Es gibt Autoren, die ein lauffähiges Skript nehmen und in Word daran weiterprogrammieren. Natürlich würde das Skript laufen, schließlich hätten sie nur ein paar Ergänzungen gemacht, etwa eine Ausgabezeile hinzugefügt. Das ist eine Auffassung, aber keine Wahrheit. In Wirklichkeit verhält es sich so, dass bereits in einem kleinen Skript von zehn Zeilen dann sieben Fehler reingekommen sind. Oft fehlt eine Klammer, aber bei fünf verschachtelten Klammerebenen ist die richtige Stelle nicht so leicht zu finden. Die Änderungen müssen dann dokumentiert werden. Solche Arbeiten sind kein Traum. Gut ist, dass ich mir die Zeit selbst einteilen kann, auch wenn es harte Abgabetermine gibt. Aber bis zum Termin habe ich dann relativ freie Hand.

3. Was wäre dein absoluter Traumberuf?

Künstler. Vielleicht kreativer Texter, vielleicht aber auch Skulpturkünstler.

4. Warum gerade dieser?

Bereits als Jugendlicher übten Computer zunächst eine ungeheure Faszination auf mich aus. Kaum einer hatte Anfang der 1980er-Jahre einen eigenen Computer oder wusste gar, wie ein solcher funktioniert. Viele hatten sogar Angst davor. Für mich war der Bereich ein riesiges Feld, das es zu ernten galt und dessen Ende man nicht mal mit einem Fernglas sehen konnte. Software zu schreiben und zu begleiten, die das Leben erleichtert oder einfach nur Spaß macht, das war es. Später in Verlagen habe ich mir dann eigene Softwarereihen ausgedacht, Konzepte gemacht, Ideen umgesetzt. So unkreativ war die Zeit nicht. Aber alles nutzt sich einmal ab. Dazu kommt, dass die Politik seit Jahren das Internet nicht in Ruhe lässt und es durch hanebüchene Aktionen beschädigt. Das macht so keinen Spaß mehr.

Mein erster Computer, der VC20. Der Arbeitsspeicher Betrug 3,5 KB. Heutige Computer haben typischerweise 1 Million mal mehr Speicher. Foto: digitaljohnuk / Lizenz siehe: flickr

Inzwischen habe ich erkannt, dass im Kreativen meine wahre Stärke liegt und dass das Beherrschen einer Technik irgendwo auf der Ebene der Computer selbst angesiedelt ist. Der Mensch hat aber was, was eine Maschine wahrscheinlich nie besitzen wird. Ich darf an dieser Stelle ein vor kurzem gebrachtes Zitat von Theodor Heuss wiederholen: „Eines Tages werden Maschinen vielleicht denken können, aber sie werden niemals Phantasie haben“. Vielleicht musste ich diese Entwicklung erst machen, auch wenn ich aus heutiger Sicht gleich in etwas Kreativeres einsteigen würde. Im Texten etwa sind im Unterschied zur Programmierung keine Grenzen in der Kreativität gesetzt. Man findet immer wieder neue Formulierungen, man kann neue Wörter schaffen, neue Sprachstile, neue Erzählformen, mit Ironie und Halbironie den Leser (ver)zweifeln lassen oder zum Nachdenken anregen, es ist alles erlaubt. Wer jetzt Parallelen in der Programmierung sieht, wo man sich auch neue Wörter „schaffen“ kann, etwa in Form neuer „Klassen“ (Typen von irgendwas, gewissermaßen die Substantive), „Methoden“ (Verben) oder „Eigenschaften“ (Adjektive), der verkennt den Unterschied. Programmierung bleibt die Erstellung einer reinen mathematischen Ablaufsystematik, am Ende steht immer eine gigantische Maschinenbefehlsfolge von 0en und 1en, etwa 00100101010010101010111010101010 11110101001011001010000010101000 11010101011000010100110010000001 01001000101010101111101001011010, die irgendwas ganz Genaues ausführt. Programmiersprachen bleiben auch syntaktisch beschränkt. (Natürliche) Sprache ist was völlig anderes, was viel Komplexeres, Größeres, Freieres. Die Kreativität beginnt irgendwo, wo weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass sie nirgendwo aufhört.

Schreib dich nicht ab – wie früher (nicht) abgeschrieben wurde

Werbung

Laut Fotograf sehen wir hier den originalen Crystal Lake aus Freitag, der 13. Teil 1. Dieser liegt in North Jersey, dem nördlichen Teil des US-Bundesstaats New Jersey. Foto: road_less_trvled / Lizenz siehe: flickr

Es ist eine gähnend langweilige, da allgemein bekannte Erkenntnis, dass es im Internet nahezu alles zu finden gibt. Die Recherchemöglichkeiten wissen Schüler zu schätzen, so lassen sich die Hausaufgaben mit einigem Geschick aus diversen Quellen so „abschreiben“, dass allenfalls nur noch vage Ähnlichkeiten zu Wikipedia & Co erkennbar bleiben. Auf diese Weise werden die Hausaufgaben gerettet und man kann sich wichtigeren Dingen widmen.

Das Problem des Abschreibens gab es aber auch früher schon. Man schrieb halt die Hausarbeiten in der Klasse untereinander ab. Um dem einen Riegel vorzuschreiben ähhh… vorzuschieben, führten Lehrerinnen zum Teil individuelle Hausaufgaben ein. So bekam z.B. jeder Schüler bei einer Buchinterpretation eigene zu bearbeitende Teilkapitel im Buch. Das war eine Art unüberwindbarer Kopierschutz. Jetzt musste ich mich in meiner Schulzeit tatsächlich mit diversen „seltsamen“ Büchern beschäftigen. Dabei sah ich (natürlich war ich inzwischen 18) lieber Filme wie „Freitag, der 13. Teil x von y“. Diese Filme sind natürlich ganz schlimm und niveaulos und fast alle indiziert oder sogar beschlagnahmt. Also nichts für Kinderaugen!

Neuperlach kann nur mit dem Baggersee (Rothsee) im Truderinger Wald dienen. Ein Camp gibt es dort auch nicht (12.06.2009) © Thomas Irlbeck

Es ist eine Binsenweisheit, dass man auch über solche Filmreihen seit Jahren alles im Internet finden kann. Da sich Neuperlach.org mehr um die Schönheit der Welt kümmert (z.B. durch Veröffentlichung schöner Fotos der schönsten Hochhäuser in Neuperlach), soll es hier bei einem schönen Foto von einem originalen Filmschauplatz – ja, hierzu passend gibt es z.B. bei flickr unzählige Alben und Gruppen – belassen werden.