Süddeutsche Zeitung: „Gefangen im Marx-Zentrum“

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Marx-Zentrum
Ringförmig angelegtes Marx-Zentrum (Archivbild) © Thomas Irlbeck

In der Süddeutschen Zeitung vom Samstag, den 15. September 2012, ist auf Seite R7 (Stadtausgabe Süd) ein Artikel über das Marx-Zentrum erschienen (Titel: Gefangen im Marx-Zentrum). Aufhänger ist, dass die Penny-Einkaufswagen seit März dieses Jahres mit einer Wegfahrsperre ausgestattet sind (siehe Bild weiter unten), wodurch man sie nur noch innerhalb des Ladens benutzen kann. Die Süddeutsche Zeitung vergleicht diese Einrichtung mit einer „elektronischen Fußfessel“, die ja bekanntlich manche Straftäter tragen müssen. Einkaufswagen, die nicht mehr zurückgebracht und wieder mühsam vom Personal eingesammelt werden müssen oder gar für immer verschwinden, gehören somit der Vergangenheit an. Für ehrliche Kunden mag das ärgerlich sein. Für diejenigen, die viel schleppen müssen und das nur noch mit Mühe können, wenn überhaupt, ist das auch nicht angenehm.

Marx-Zentrum
Schiefe Laterne im Marx-Zentrum (Archivbild) © Thomas Irlbeck

So weit, so gut. Mit dem Marx-Zentrum hat das nur peripher was zu tun, zumal das in diversen anderen Filialen – auch anderer Ladenketten – auch schon längst praktiziert wird (siehe z.B. Aldi: Einkaufswagen mit Wegfahrsperre, einem Artikel von 2003).

Aber in dem Artikel werden alle Klischees bedient (Häuserfassaden mit Asbestplatten bekleidet, Substitutionspraxis, der Vinzenzmurr schloss, da er, so wörtlich, sein Fleisch schon länger dort (gemeint ist das Marx-Zentrum, der Verfasser) nicht mehr verkaufen wolle, Nagelstudio, Goldankauf, fast ungenutzte Laderampen). Mit den Einkaufswägen hat dies aber kaum etwas zu tun. Im Übrigen wurde das Marx-Zentrum so konstruiert, dass die Läden mit lastenintensiver Anlieferung ringförmig liegen und daher mit Laderampen ausgestattet sind, die übrigens sehr wohl auch heute noch rege genutzt werden. In der Mittelinsel (wo es keine Laderampen gibt) wurden dagegen bevorzugt Läden und Einrichtungen angesiedelt, die keine intensive Warenanlieferung haben. Hier haben die Planer mitgedacht.

Einkaufswagen mit Wegfahrsperre
Einkaufswagen mit Wegfahrsperre. Das rechte Vorderrad wird bei Verlassen des Ladens blockiert (18.09.2012) © Thomas Irlbeck

Doch inzwischen wurden die Läden der Mittelinsel zum Teil zweckentfremdet. Der frühere Frisör, der eher kleinere Mengen an Shampoo und Haarspray benötigte, ist gewichen. Der Lebensmittelmarkt, der dann dort eingezogen ist, hat ein hohes Lieferaufkommen. Die Lieferung erfolgt per Lkw durch die Fußgängerzone. Auch weitere Läden auf der Mittelinsel werden durch Lkw beliefert. Durch die zu schweren Lkw kommt es immer wieder zu Schäden, da die Fußgängerzone nicht dafür ausgelegt ist. Viele der Schäden wurden nie repariert, so gibt es nicht nur gebrochene Bodenplatten, sondern es wurden auch inzwischen fast alle Laternen und weiteren Masten mehrfach vom Lieferverkehr angefahren, wodurch sie immer krummer und verbeulter werden. Die Schäden haben sich über Jahrzehnte angesammelt und wurden meist nur notdürftig beseitigt, wenn überhaupt. Man darf hier fragen, warum sich die Hausverwaltung nicht darum kümmert. Auch die Tiefgarage, die sich direkt unterhalb der Fußgängerzone befindet, wird durch den Lieferverkehr über Gebühr belastet, auch hier sind Schäden und vorzeitige Abnutzungen vorprogrammiert.

Einkaufswagen mit Wegfahrsperre, Hinweis
Vergrößerung Hinweisschild im Wagen (18.09.2012) © Thomas Irlbeck

Trotz diverser Mängel halte ich das Marx-Zentrum weiterhin für sehr lebenswert. Was ich an dem Artikel kritisiere, ist die assoziierte Negativdarstellung. Bei Aussagen wie, dass der Vinzenzmurr dort kein Fleisch mehr verkaufen wolle, entsteht beim Lesen der Eindruck, das Marx-Zentrum müsse ja der schlimmste soziale Brennpunkt sein. Und das stimmt definitiv nicht.

Der Artikel aus der Süddeutschen Zeitung ist nicht online erhältlich, zumindest nicht in einer kostenlosen Variante, deswegen gibt es hier keinen Link.

Garantiert nicht blasenfrei zapfen! Bubble Tea im Marx-Zentrum (Update 16.07.2012)

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Chibabu Bubble Tea Marx-Zentrum
Chibabu im Marx-Zentrum (10.07.2012) © Thomas Irlbeck

Im Marx-Zentrum kommen Läden und sie gehen. Ursprünglich war es mal ein Obstgeschäft, dann konnte man viele Jahre lang im „Dragon“ asiatische Lebensmittel kaufen. Das ist nun vorbei. In Kürze öffnet am Peschelanger 13 das Chibabu, eine Bar im poppig bunten Retrodesign. Es gibt das Kultgetränk Bubble Tea (nicht zu verwechseln mit dem Nieren- und Blasentee :D) und auch Eis, genauer Frozen Yoghurt.

Neuperlach.org wünscht viel Erfolg!

Wikipedia sagt zum Bubble Tea:

Bubble Tea, auch bekannt unter dem Namen Pearl Milk Tea, ist ein Getränk auf der Basis von gesüßtem grünem oder schwarzem Tee, das mit Milch und Fruchtsirup versetzt und wie ein Milchshake zubereitet wird. Die Besonderheit dieses Getränks, das mit Trinkhalm getrunken wird, besteht in zugesetzten farbigen Kügelchen aus Tapioka oder einer anderen Speisestärke, bzw. den Popping Bobas, Kügelchen aus Alginat mit einer flüssigen Füllung, die beim Zerbeißen platzen.

Quelle: Wikipedia

Chibabu Bubble Tea Marx-Zentrum
Näher dran: Das Chibabu im Marx-Zentrum (10.07.2012) © Thomas Irlbeck
Chibabu Bubble Tea Marx-Zentrum
Lecker Bubble Tea (Symbolbild). Foto: ohallmann / Lizenz siehe: flickr

Update 16.07.2012

Seit dem 11. Juli hat nun der Laden geöffnet. Ich mache den Selbstversuch. Der Laden ist gut besucht. Kann man etwa im Marx-Zentrum einen gut gehenden Laden betreiben?

Hinter der Theke hängen Flachbildschirme, auf denen Menüs angezeigt werden. Hier bekommt man natürlich keine Menüs im ursprünglichen gastronomischen Sinne, also nichts fertig Zusammengestelltes, sondern man wählt wie bei einem Computermenü. Ich bin überfordert. Es gibt Pure Tea, Milk Tea, Flavored Tea, Yoghurt Tea, Flavored Milk. Beim Flavored Tea sind es noch mal um die 20 Geschmacksrichtungen. Jede entweder auf Basis von Black Tea oder Green Tea. Ich entscheide mich für Black Tea/Strawberry. Ich ordere an der Kasse. Ach ja, ich muss noch zwischen den Größen M und L wählen. Ich nehme M. Jetzt aber noch die Toppings, also die Perlen. Ob ich da auch Strawberry wolle? Was gibt’s denn alles? Hm, jede Menge. Meine Entscheidung fällt auf Yoghurt. Ich zahle 2,90. Mit einem Order-Bon gehe ich zur Ausgabe. Der freundliche Mitarbeiter bereitet den Bubble Tea zu. So, fertig. Strohhalm rein und los geht’s. Wie erwartet ist das Getränk sehr süß. Das erste Yoghurt-Kügelchen zerplatzt in meinem Mund. Es schmeckt nicht schlecht, aber es ist jetzt auch nichts, was ich unbedingt haben muss.

Das Chibabu hat Montag bis Samstag von 11:00 bis 20:00 geöffnet.

Bilder vom Innenleben des Chibabu gibt es auf der Facebook-Seite von Beatrix Balazs.

Über den Wolken – oder: „Lügen brauchen keine Startbahn“

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Wenige Male im Jahrzehnt hat der Bürger die Möglichkeit, nicht nur Parteien zu wählen, sondern auch bei Sachentscheidungen mitzureden. Heute war es mal wieder so weit. Soll der Flughafen „Franz Josef Strauß“ eine dritte Start- und Landebahn erhalten? Das ist sicherlich eine Frage, die ganz Bayern betrifft, mindestens aber den Großraum München, noch mehr die betroffenen Bürger in den Gemeinden, die durch die dritte Startbahn an Lebensqualität verlieren werden. Doch gerade Letztere dürfen nicht abstimmen. Die Gemeinde Berglern, die besonders negativ von der dritten Start- und Landebahn betroffen wäre und wahrscheinlich bald in „Berglärm“ umbenannt werden muss, darf also nur hilflos zusehen, wie sich die Münchner entscheiden. Doch selbst wenn man in Berglern stimmberechtigt wäre, zeigt sich der Haken an jeder Bürger- oder Volksabstimmung: Betroffene Minderheiten habe auch nur eine einzige Stimme und können von der großen Masse überstimmt werden.

Flughafen München
Flughafen „Franz Josef Strauß“. Foto: Markus Wichmann / Lizenz siehe: flickr

Der ganze Bürgerentscheid ist eine Hilfskonstruktion. Abgestimmt soll nämlich nicht darüber werden, ob die dritte Start- und Landebahn gebaut wird, sondern ob die Stadt München dem Bau der dritten Start- und Landebahn zustimmt. Die Stadt erhält somit einen Auftrag vom Bürger. Ohne die Stadt München als einen der drei Flughafen-Anteilseigner wird nichts gehen. Denn die Abstimmung muss im Gremium einstimmig erfolgen.

Genau gibt es zwei Bürgerentscheide. Die Stadt will sich mit einem „Ratsbegehren“ die Zustimmung für ein Großprojekt von den Bürgern holen, die Gegner der dritten Start- und Landebahn wollen den Bau verhindern und die Stadt beauftragen, gegen den Bau zu stimmen.

Nun könnte die groteske Situation eintreten, dass beide Bürgerbegehren mehrheitlich eine Zustimmung oder aber eine Ablehnung erfahren, obwohl sich beide unmittelbar widersprechen. Daher gibt es noch eine Stichfrage. Also muss man gleich drei Kreuze setzen. Aber es wird noch ein wenig komplizierter: Es ist nicht nur die Mehrheit, die zählt, es gilt auch ein Quorum von mindestens 10 % der Stimmberechtigten. Anders ausgedrückt muss der jeweilige Entscheid neben der absoluten Mehrheit auch die Zustimmung von mindestens 10 % aller Stimmberechtigten erhalten – ungeachtet der Frage, ob diese nun zur Wahl gehen oder nicht –, um Gültigkeit zu erlangen.

Doch auch, wenn die Startbahngegner entweder keine Mehrheit erhalten oder das Quorum verfehlen, ist der Bau keinesfalls sicher. Es laufen zahlreiche Klagen gegen die Flughafen-Ausbaupläne, welche die dritte Startbahn verhindern könnten.

Münchhausen
Baron Münchhausen am Wahllokal verrät, um was es heute geht: nein, nicht ums Lügen, sondern ums Fliegen (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Ich muss ehrlich sagen, ich habe mich noch nie so schwer getan bei einer Entscheidung.

Ich bin selbst lärmgeplagt und lärmgeschädigt und möchte den Bürgern nicht noch erheblich mehr Lärm zumuten. Auch eine Zerstörung von Natur und Umwelt ist nicht erstrebenswert. Mit steigendem Ölpreis könnte der Boom beim Fliegen irgendwann zu Ende gehen, zumindest Steigerungen beim Flugverkehr ausbleiben. Auch werden die Maschinen immer größer, sodass ein Wachstum bei den Passierzahlen möglich ist, ohne dass es einer weiteren Start- und Landebahn bedarf. Das spricht alles gegen den Ausbau.

Doch möchte ich es mir nicht zu einfach machen und nur „dagegen“ sein. Das fehlende Weltstädtische an München zu beweinen und gleichzeitig gegen Großprojekte zu stimmen, widerspricht sich auch. Der Flughafen ist außerdem schon jetzt an mehreren Stunden am Tag an seiner Kapazitätsgrenze.

Also stimme ich für die dritte Start- und Landebahn. Das Wahllokal ist eine Grundschule in der Nähe des Neuperlacher Marx-Zentrum. Die Stufen zum Hochparterre sind marode, da haben ganze Ecken und Teile schon einen Abflug gemacht. Auch die gesamte Schule wirkt nicht mehr frisch. Draußen hängt der Baron Münchhausen auf der Kanonenkugel. Er fliegt – Lügen brauchen keine Startbahn.

Wahllokal Max-Kolmsperger-Straße
Das Wahllokal (17.06.2012) © Thomas Irlbeck

Ich betrete die Schule. Ich bin alleine, es sind keine weiteren Wähler zu sehen. Zwar darf man von Einzelbeobachtungen nicht auf das große Ganze schließen, aber meine Stimmung ist keine, die ich jetzt mit „Take off“ beschreiben möchte.

Unklar ist mir übrigens, wie sich die Stadt München verhalten wird, wenn entweder die Befürworter oder die Gegner der dritten Startbahn die Mehrheit erhalten, aber das Quorum verfehlt wird. Gibt es hierzu eine klare Aussage?

Der lupenreine Demokrat Horst Seehofer (CSU) will übrigens laut Zeitungsberichten den Bürgerentscheid nicht akzeptieren, wenn er nicht so ausfällt, wie er sich das wünscht. Wäre ja noch schöner, einfach den Bürgerwillen umzusetzen! Im Fall der Fälle will er die bayerische Landtagswahl im Herbst nächsten Jahres zu einer Abstimmung über die dritte Start- und Landebahn machen. Das entscheidende Wort dürfte aber dessen ungeachtet die Stadt München haben. Oder es haben die Richter das Sagen.

Update

Inzwischen liegt das Ergebnis vor: Die Gegner des Flughafen-Ausbaus haben gewonnen. Das notwendige Quorum wurde überschritten. Es wird keine dritte Startbahn geben.

Fast wia im richtigen Leben in Neuperlach

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Gerhard Polt und Gisela Schneeberger zeigen in „Fast wia im richtigen Leben“ den ganz normalen Wahnsinn – messerscharf beobachtet in grotesken Szenen. Wo könnte der alltägliche Irrsinn besser zu finden sein als einfach in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, einfach nebenan oder irgendwo – natürlich gestützt von den Unwägbarkeiten und Widersprüchlichkeiten moderner Neubausiedlungen? Folgerichtig spielen eine ganze Reihe von Szenen in Neuperlach.

Die Wegbeschreibung (1984)

(Link: YouTube)

Folgende Szenen aus Neuperlach sind zu sehen:

0:32: Fahrt auf der A8, Abbiegen nach rechts auf die Ständlerstraße

0:39: Fahrt auf der Ständlerstraße mit Häusern am Quidde-Zentrum im Hintergrund

0:42: Heizwerk Perlach am Ende der Ständlerstraße/Eck Karl-Marx-Ring mit den beiden markanten Türmen. Das Heizwerk wird dabei gemeinerweise zur „evangelischen Kirche“ umfunktioniert, die Türme gehen als Kirchtürme durch.

0:47: Fahrt auf der Kurt-Eisner-Straße, links Blick auf St. Monika und das Marx-Zentrum. Mit der katholischen Kirche will man es sich ja nicht verscherzen, also wird St. Monika in diesem Fall richtig als „katholische Kirche“ bezeichnet.

4:13: Wohnring im Hintergrund

Der lange Weg zur Weg zur Stubenmusi (1987)

Dieser Sketch spielt komplett in Neuperlach, hauptsächlich im Marx-Zentrum und in der näheren Umgebung. Es können nicht alle Orte beschrieben werden, da es zu viele sind. Besonders erwähnenswert sind aber folgende Szenen:

Teil 1:

0:17: Vor dem Neuperlach Mobile (Raumspindel Space Churn) am Verwaltungsgebäude der Neuen Heimat am Plett-Zentrum

0:34: Vor der „Gaststätte Neuperlach“ am Peschelanger (heute: „Zum Löwen“)

3:19: Im obersten Stockwerk Max-Kolmsperger-Straße 19 (Atelierwohnung!)

(Link: YouTube)

Teil 2:

2:20: In der Tiefgarage des Marx-Zentrum

3:40: Vor dem Deutschen Supermarkt (heute Rewe) im Marx-Zentrum

(Link: YouTube)

Happy New Year 2012!

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Neuperlach.org wünscht allen ein gutes neues Jahr 2012!

Zu beachten ist genau getroffene Uhrzeit der herrlichen Turmuhr St. Monika!

Silvester 2011->2012
Feuerwerk im Marx-Zentrum (31.12.2011/01.01.2012). Foto: J. W.

Asbest: Die tickende Zeitbombe

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Loggiaverglasungen haben sicher eine Menge Vorteile. So viele, dass ein Eigentümer meines Wohnhauses auf meiner gestrigen Eigentümerversammlung eine Genehmigung für eine solche beantragte.

Einen Raum dazugewinnen für lau – mit der Loggiaverglasung!

Als Vorzüge sind zu sehen, dass ein zusätzlicher Lärmschutz für den hinter der Loggia liegenden Raum erreicht wird, ebenso eine bessere Wärmedämmung mit dem Potenzial einer Heizkostenersparnis, ein zusätzlicher Innenraum gewonnen wird und die Gefahr verringert wird, dass Kinder auf die Loggiabrüstung klettern und in den Tod stürzen.

Loggiaverglasung
Loggiaverglasung.  Die Loggia wird zum Aufenthaltsraum oder zu einem herrlichen Wintergarten. Einfach ein Traum. Oder etwa doch nicht? (07.12.2011) © Thomas Irlbeck

In meinem Wohnhaus gibt es zwei verglaste Loggias, eine sehr aufwändige und eine recht billig aussehende. Diese bestehenden Verglasungen werden lediglich geduldet, weitere Verglasungen sind mit einem älteren Beschluss ausgeschlossen. Wenn ein Eigentümer aber eine Mehrheit für seinen Antrag erhält, dann wird der alte Beschluss zumindest für seine Wohnung außer Kraft gesetzt. Der Beschluss ist jedoch bei einfacher Mehrheit anfechtbar. Auf der sicheren Seite wäre man, wenn der Beschluss einstimmig gefasst wird. Schnell wird klar, dass Einstimmigkeit illusorisch ist:

Es wird seitens der Hausverwaltung darauf hingewiesen, dass es eine Gefahr einer Schimmelbildung gebe, da sich der dahinter liegende Raum nicht mehr so gut lüften ließe. Zwar könne das auf in Loggia eingesetzte Fenster natürlich geöffnet werden, aber die Erfahrung zeige, dass die Fenster oft über längere Zeiträume geschlossen blieben. Der antragstellende Eigentümer meldet sich, man habe ihm versichert, dass eine Schimmelbildung ausgeschlossen sei. Die Verwaltung fragt, wer das gesagt habe. Der Eigentümer antwortete, es sei das Unternehmen gewesen, das ihm das Angebot gemacht habe. Darauf die Verwaltung: „Das glaube ich, dass das Unternehmen, das Loggiaverglasungen verkaufen will, das sagt“. Gelächter im Raum macht sich breit.

Ein Eigentümer meint, dass der Wasserabfluss in der Fassade verändert werde. Es würde Wasser an den Scheiben runterlaufen und mindestens die darunter liegende Wohnungen wären mehr Regenwasser ausgesetzt, das sich neue Wege suche. Langzeitschäden an der Fassade seien nicht ausgeschlossen.

Ein anderer Eigentümer weist darauf hin, dass das Erscheinungsbild der Fassade zum Negativen verändert werde.

Ferner ist zu hören, dass bei den eher simplen Verglasungen das Gas zwischen den Scheiben entweichen könne. Die Scheiben werden dann „blind“, was nicht schön aussehe. Erfahrungsgemäß werde das dann so gelassen und nicht repariert.

Hoch sind sie die Auflagen, die im Beschlussvorschlag stehen. Natürlich muss die Anbringung von einem Fachunternehmen ausgeführt werden. Es wird genau festgelegt, was wie wo angebracht werden muss. Auch wird die Möglichkeit eines Widerrufs verankert, der dann erfordern würde, dass die Verglasung entfernt und die Loggia in den Ursprungszustand zurückversetzt wird. Auch kann der Eigentümer keine Ersatzansprüche bei der Wohnungseigentümergemeinschaft geltend machen, sollte die Verglasung nach der Anbringung einer Wärmedämmung an der Fassade nicht mehr passen.

Von der Loggiaverglasung zum Asbest

Chibabu Bubble Tea Marx-Zentrum
Das Marx-Zentrum mit seiner markanten schwarzen Fassadenverkleidung. Meine Nachbarwohnanlage hat die gleiche Verkleidung (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Ein bemerkenswerter Punkt ist aber eine der Auflagen: „Die vorhandenen Faserzementplatten dürfen weder angebohrt noch in irgendeiner Weise beschädigt werden“. Dieser Punkt macht mich an sich schon einmal stutzig. Man fragt sich, warum dieses Verbot existiert. Es liegt nahe, dass dies keine Gängelung ist, sondern dass Gefahr besteht. Vor längerer Zeit teilte mir ein Handwerker mit, dass sich hinter den schwarzen Fassadenplatten (damit sind die gerade erwähnten Faserzementplatten gemeint) asbesthaltiges Isoliermaterial befände. Vor kurzem erfuhr ich von einem Eigentümer, dass die schwarzen Fassadenplatten selbst asbesthaltig seien.

Faserplatten Asbest
Die Eternit-Platten aus der Nähe betrachtet. Hier lauert der gefährliche Asbest (07.12.2011) © Thomas Irlbeck

Ich melde mich und trage meine Vermutung vor. Die Verwaltung räumt ein, dass die schwarzen Fassadenplatten (sogenannte Eternit-Platten) asbesthaltig seien. Dass das Isoliermaterial dahinter mit Asbest versetzt ist, kann man dagegen nicht bestätigen. Laut Verwaltung sind die Fassadenplatten absolut ungefährlich, solange sie nicht angebohrt oder beschädigt werden. Der Asbest sei gebunden und es würden keine Asbestfasern in die Luft gelangen. Nur bei Beschädigung drohe Gefahr. Ich werfe die unangenehme Frage auf, was denn sei, wenn diese Platten einmal erneuert werden müssten, denn für die Ewigkeit* seien diese nicht bestimmt (sie haben inzwischen 40 Jahre auf dem Buckel). So eine Asbestsanierung kann ja extrem aufwändig sein, oft müssen Gebäude komplett verpackt werden und es muss mit Unterdruck im Gebäude gearbeitet werden, damit keine Fasern ins Freie gelangen. Arbeiter tragen dann selbstverständlich Schutzanzüge. Bliebe das Haus dann überhaupt in der Zeit der Sanierung bewohnbar, will ich wissen. Die Verwaltung kann dazu keine Auskunft geben, man wisse auch nicht, welcher Zeitpunkt realistisch sei, an dem eine Erneuerung der Fassadenplatten anstehe.

(* Trotz meines Kommentars ist Eternit ausgerechnet von lateinisch aeternitas („Ewigkeit“) abgeleitet.)

Asbest
Asbestwarnung. Foto: tdietmut / Lizenz siehe: flickr

Ich erläutere noch mal kurz mein Anliegen. Ich betone, es gehe mir darum, dass jeder das Beschädigungsverbot der Fassadenplatten ernst nehme. Dazu müsse man aber wissen, dass es keine lächerliche Vorschrift sei, für die sich niemand interessiere, sondern dass vielmehr ernsthafte gesundheitliche Gefahr bestehe. Da die Fassadenplatten bei mir früher mehrfach angebohrt oder angeschnitten wurden (etwa beim Einbau neuer Fenster, weil diese nicht passten), ist mir nicht wohl. Richtig gefährlich wird es sicher, wenn man sich dem Ganzen häufiger aussetzt. Handwerker sind besonders gefährdet. Es ist wahrscheinlich, dass hier Sicherheitsvorschriften verletzt wurden, das heißt, es hätte hier Schutzkleidung getragen werden müssen. Damals ahnte ich nicht, dass die Platten asbesthaltig sein könnten. Im Marx-Zentrum sind übrigens auch einige der Loggiabrüstungen (die schräg angebrachten Elemente) asbesthaltig. Konkret handelt es sich um Asbestzement. Solche Elemente gibt es in meiner Wohnanlage nicht.

Ich hätte mir gewünscht, wenn in solchen offiziellen Schreiben wie dem Einladungsschreiben der Hausverwaltung zur Eigentümerversammlung nicht nur Verbote beschrieben werden (die eher zufällig auftauchen, nämlich eben im Rahmen der Loggiaverglasung), sondern ein deutlicher Hinweis wie „Achtung Asbest!“ angebracht wird. Es drängt sich der Verdacht auf, man wollte hier keine schlafenden Hunde wecken. Die Verwaltung verspricht aber, in dem Protokoll der Eigentümerversammlung ausdrücklich auf die Asbestproblematik hinzuweisen.

Die Abstimmung

Nach diesem Exkurs kommt es zur Abstimmung. Eigentlich wollte ich für die Verglasung stimmen, da ich ja vielleicht auch mal eine bauliche Änderung beantragen könnte und dann auf die Ja-Stimmen der Eigentümer angewiesen wäre. Aufgrund der ganzen Haken, die besprochen wurden, entscheide ich mich dafür, mich zu enthalten. Der Antrag wird schließlich mit überraschend großer Mehrheit abgelehnt. Es wird also keine weiteren Loggiaverglasungen geben.

Asbest: Vom Wunderstoff zur tödlichen Gefahr. Einst wegen seiner hervorragenden Hitzebeständigkeit, Festigkeit und Isoliereigenschaft als Wunderstoff gefeiert, ist der Einsatz von Asbest heute wegen seiner großen gesundheitlichen Gefahr in vielen Ländern verboten, darunter in der gesamten EU und in der Schweiz. Seit 2005 unterliegt sogar das Verschenken (!) asbesthaltiger Gegenstände einem EU-weiten Verbot. Die Asbestfasern lagern sich in der Lunge ab und können vom Organismus nicht abtransportiert werden. Daher ist vor allem das Lungenkrebsrisiko beträchtlich erhöht. Arbeiter, die Asbestfasern ausgesetzt sind, haben ein besonders hohes Risiko. 2002 und 2003 wird von jeweils über 1.000 Todesfällen durch Asbestbelastung in Deutschland berichtet. Die Zahl liegt über der Anzahl tödlicher Arbeitsunfälle. Bis in die 1980er-Jahre wurden asbesthaltige Materialien in hohem Umfang beim Hausbau verwendet. Entsprechend stellt sich heute das Problem der Entsorgung, bei der besondere Sicherheitsvorschriften gelten.

Update (06.10.2012)

Asbest-Kacheln
Gealterte Asbest-Kacheln (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Zwar wiegelt die Verwalterin ab, aber es ist deutlich zu sehen, dass die Asbestkacheln in meiner Wohnanlage und im Marx-Zentrum ihre Schutzschicht verlieren. Manche Kacheln sind schon erheblich heller geworden, und es gibt einzelne Kacheln, die bereits praktisch weiß sind, wie im Bild zu sehen ist. Ohne die Schutzschicht können sich die gefährlichen Asbestfasern lösen. Betroffen sind vor allem die gebogenen Platten, die an den Fassadenecken angebracht wurden. Offenbar wurden diese Platten über ein anderes Verfahren hergestellt oder sind anderen Belastungen und Einflüssen ausgesetzt. Jedenfalls scheint ihre Haltbarkeit geringer zu sein.

„Dieses Rattenloch ist kein Zuhause“

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Marx-Zentrum mit Alpenpanorama © Jörg Lutz

Es gibt Filme, die sieht man sich nur an, weil sie direkt vor der eigenen Haustüre gedreht wurden. Im Marx-Zentrum. „Das beste Jahr meines Lebens“ ist so ein Film, der vor kurzem im SWR wiederholt wurde und auch auf DVD erhältlich ist. Ausgerechnet auf der Geburtstagsfeier von Laura (gespielt von Christine Neubauer) wird ihr Mann Niklas (Huub Stapel) verhaftet. Der Vorwurf: Kreditbetrug. Es gebe eine anonyme Anzeige, heißt es. Am Anfang glaubt Laura nur an ein großes Missverständnis, doch mit jeder Filmminute spitzt sich die Lage zu. Zunächst muss Laura ihren Luxus aufgeben. Die Möbelfirma ihres Mannes ist pleite. Auch das luxuriöse Haus ist futsch. Laura zieht mit ihren beiden Kindern ins Marx-Zentrum, das offenbar eine Entsorgungsstätte für gescheiterte Reiche ist (siehe TV-Serie Arme Millionäre). Sohn und Tochter sind von dem heruntergekommenen Hochhausblock gar nicht begeistert. Das Filmteam half ein wenig nach, um von vornherein eine mögliche Neuperlach-Liebe zu verhindern – beim Einzug werden sie von einem übel hustenden Penner begrüßt. Die Tochter bezeichnet das Marx-Zentrum als „Rattenloch“.

In „Das beste Jahr meines Lebens“ bezieht sich das „beste“ nicht aufs Marx-Zentrum – im Gegenteil

Die Kinder rebellieren zunächst, fügen sich aber letztendlich. Laura freundet sich mit ihrer allein lebenden Nachbarin Ziggy (Sandra Borgmann) an. Die unkonventionelle Frau, die ihr Geld mit Taxifahren und Telefonsex verdient, bringt Laura auf neue Gedanken und findet auch einen Bezug zu den Kindern. Nachdem Laura es auch mit dem Taxifahren versucht hatte, was mit einem kleinen alkoholbedingten Unfall ein jähes Ende fand, tritt Laura einen Job als Bedienung in dem verlotterten italienischen Lokal „La Grotta“ an, das irgendwo in der Innenstadt liegt. Dort wird sie vom Koch angegrabscht. Der ihr zur Hilfe eilende Arbeitskollege Robert (Nicki von Tempelhoff), mit dem sie später eine Affäre haben wird, befördert ihn mit einem mächtigen Faustschlag ins Spital. Der Koch fällt erst einmal für längere Zeit aus. Das ist die Chance für Laura und spätestens jetzt wird es arg kitschig. Laura steigt zur Küchenchefin auf und bringt mit Talent und Vollweib-Einsatz das Lokal wieder auf Vordermann. Währenddessen findet Laura heraus, dass ihr Mann nicht nur die Banken betrogen hatte, sondern auch sie. Er hatte ein Verhältnis mit seiner Sekretärin. Aber auch das wirft sie nur kurz aus der Bahn.

Der Film ist größtenteils vorhersehbar, und wo er das nicht ist, ist er nicht immer ganz logisch und glaubwürdig. Als Laura die Geliebte zur Rede stellt, gibt diese innerhalb von Sekunden nicht nur die Affäre zu, sondern auch ohne Not und ohne zu zögern, hinter der anonymen Anzeige zu stecken, als Rache, weil Niklas sich nicht ganz für sie entscheiden wollte und eine Trennung von Laura ablehnte.

Christine Neubauer bekommt 2008 den BAMBI
Christine Neubauer lobt im Film die herrliche Aussicht, die man von den oberen Stockwerken im Marx-Zentrum hat. Foto: BAMBI 2010 / Lizenz siehe: flickr

Letztlich ist der Film nur eine auf Zelluloid gebannte Trivialliteratur-Schnulze mit schwülstigem Happy-End. Die Charaktere folgen einer strikten Gut-Böse-Einteilung. Witzige Elemente, die den Film noch in eine Komödie retten könnten, findet man so gut wie keine, es sei denn, man interpretiert abgedroschene Szenen, etwa die, in der Lauras spießige, reiche Freundin Helene (Andrea L’Arronge) zufällig zum Taxifahrgast wird, als irgendwie komisch. Oder die Einstellung, in der Laura an ihrem ehemaligen Wohnhaus vorbeifährt und wehmütig das Schild „Zu verkaufen“ entdeckt.

Keine Negativdarstellungen mehr erlaubt

Der Film entstand bereits 2005, damals durfte im Marx-Zentrum noch ungehemmt gedreht werden. Heute darf per Eigentümerbeschluss das Marx-Zentrum nicht mehr negativ dargestellt werden. Generell treffen hier künstlerische Freiheit und die Interessen der Eigentümer und Bewohner aufeinander.

Ich habe selbst im Marx-Zentrum gewohnt. Ich zog 1974 dorthin, da war das Marx-Zentrum noch eine halbe Baustelle; als 8-Jähriger sah ich damals mit Freude den Bauarbeitern zu, die die letzten Arbeiten erledigten. So waren die Fußgänger- und Lieferbereiche noch nicht gepflastert und es war noch kein Laden fertig gestellt. Auf dem nahe gelegenen Sportplatz gab es aber Baracken mit Einkaufsmöglichkeiten. Heute lebe ich in einem Wohnblock, der fast derselben Architektur unterliegt, also auch „hübsch“ mit schwarzen Platten verkleidet ist. Er schließt sich nahtlos, ohne dass auch nur ein Zentimeter dazwischen wäre, an das Marx-Zentrum an. Man könnte den Bau als eine Art Erweiterung des Marx-Zentrum sehen, der Schönheitsfehler liegt jedoch darin, dass er bereits ein paar Jahre vor dem Marx-Zentrum entstand, so gesehen ist das Marx-Zentrum eher eine Erweiterung meines Wohnblocks. Formal sind beide Wohnanlagen getrennt. Weitere Bauten mit der gleichen Architektur gibt es in Neuperlach keine. Damit will ich sagen, die Bezeichnung „Rattenloch“ trifft mich ebenso. Immerhin werden die Bezeichnungen „Marx-Zentrum“ und irgendwelche Straßennamen im Film weder erwähnt, noch sind entsprechende Schilder zu sehen. Das verringert die Chance, dass man sich am Tag nach solchen Filmausstrahlungen bei Arbeitskollegen und Bekannten für sein Zuhause rechtfertigen muss. Allerdings fällt der Name Neuperlach mehrere Male. Ich habe Verständnis, dass Bewohner sich über solche Negativdarstellungen ärgern. Meinen Ärger unterdrücke ich damit, dass ich der künstlerischen Freiheit einen sehr hohen Rangwert einräume, auch wenn ich nichts Künstlerisches an diesem Film erkennen kann.

Maibaum Viktualienmarkt Stadtflagge
Maibaum auf dem Viktualienmarkt mit der schwarz-gelben Stadtflagge. Foto: patrikmloeff / Lizenz siehe: flickr

Trotz des erwähnten Eigentümerbeschlusses wird im Marx-Zentrum vermutlich auch in Zukunft fleißig weitergedreht. Wenn das Marx-Zentrum nicht mehr ins schlechte Licht gerückt werden darf, dann spielt der Film halt offiziell wo anders. Wenn die Filmhandlung etwa in Berlin stattfindet, dann kann ja das Marx-Zentrum in München nicht heruntergemacht werden. Oder etwa doch? In beiden Fällen sind es ja Geschichten, die erzählt werden, wo diese auch immer stattfinden. Das, was der Zuschauer sieht, bleibt optisch das Marx-Zentrum. Aber es ist eben nur Fiktion. Trotz einiger Missstände lebt es sich im Marx-Zentrum und drumherum gut. Die Wohnungen haben einen Komfort, wie er von heutigen Neubauten oft nicht mehr erreicht wird. Die schwarzen Gebäude mit den vielen gelben Sichtbetonelementen mag man als bedrohlich, unästhetisch ansehen. Mit etwas Phantasie findet man in der Gestaltung aber die Münchner Identifikationsfarben der Stadtflagge: schwarz-gelb. Aber dass diese das Motiv des Architekten waren, bleibt ein Gerücht.

Sprung in der Schüssel

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Für die einen sind sie eine Verschandelung des Stadtbildes, für die anderen die einzige probate Möglichkeit, Programme aus der (fernen) Heimat zu empfangen, für wieder andere eine Alternative zum terrestrischen Fernsehen DVB-T oder dem Kabelanschluss, zumal die Programmvielfalt gigantisch und auch die Möglichkeit, TV-Programme in HDTV zu empfangen, für viele äußerst interessant ist.

Sicher machen sich die Schüsseln an denkmalgeschützten Gebäuden nicht so gut. Bei in Plattenbauten in Neuperlach stört allenfalls, dass das Runde nicht zum Eckigen passt. Beide Formen beißen sich. Aber es gibt ja auch eckige Schüsseln, die aber nie eine so besonders weite Verbreitung geschafft haben. Ob rund oder eckig, die Hausverwaltungen sind passionierte Schüsselhasser. Immer wieder werden Bewohner unter Drohung juristischer Konsequenzen aufgefordert, die Schüsseln von ihren Balkonen oder vor ihren Fenstern abzumontieren. Einzelne Bewohner im Marx-Zentrum sollen von der Hausverwaltung vor Gericht gezogen worden sein, gegen andere soll dagegen nicht vorgegangen worden sein.

Einige Schüsseln sind sicherlich reichlich ungepflegt, etwa mit Taubenkot verdreckt oder fürchterlich verrostet. Bei diversen Konstruktionen ragen die Schüsseln weit an langen Stangen über die Fassade hinaus. Keiner weiß, ob sich solch eine eventuell nicht fachmännisch angebrachte Konstruktion eines Tages mal bei einem kleinen Lüftchen selbstständig macht. Generell ist aber meines Erachtens gegen stabil angebrachte und ansehnliche Schüsseln nichts zu sagen.

Satellitenschüssel, bodennahe Installation
Satellitenschüssel in bodennaher Installation (Archivbild) © Thomas Irlbeck

In meiner Wohnanlage – man glaubt es kaum – sind Schüsseln seit kurzem offiziell erlaubt, allerdings nur, wenn sie auf der Loggia oder dem Balkon bodennah installiert werden. Da die Satelliten relativ hoch stehen, ist auch bei einer bodennahen Installation oft eine Sicht zum Satelliten gegeben, ohne dass also die Brüstung im Weg ist. Man verschenkt im Idealfall nichts, sodass eine traumhafte Signalstärke erreicht wird und ausreichend Empfangsreserven für Schlechtwetter verbleiben. Die Konstruktion bietet hohe optische Fassadenkompatibilität, da man sie von außen gar nicht oder nur in großem Abstand vom Haus sehen kann. Ein Schutz vor einem katastrophalen Schüsselabsturz besteht ebenso. Leider geht dafür Platz auf der Loggia verloren. Auch funktioniert die bodennahe Installation in der Regel nur auf Loggias und Balkonen, die gen Süden gerichtet sind, da die meisten Satelliten etwa Richtung Süd positioniert sind (die beliebten Satelliten der Gruppe Astra 1 stehen auf Süd mit einer Abweichung von 19,2 Grad Richtung Osten, bei Türksat beträgt die Südabweichung 42 Grad Richtung Osten). Auf West- und Ostbalkonen sind daher dann doch oft die gefürchteten Stangenkonstruktionen erforderlich. Als legale und sicherere, aber gleichwohl kostspielige Variante besteht in vielen Wohnanlagen die Alternative, sich die eigene Schüssel aufs Flachdach setzen zu lassen, so auch in meiner Wohnanlage. Natürlich gäbe es auch die Möglichkeit von Gemeinschaftsantennen, was aber auch wieder Nachteile hat – neben den hohen Kosten (es ist tatsächlich billiger, wenn jeder seine eigene Schüssel montiert) spätestens bei der Frage, welche Programme von welchen Satelliten in die Hausanlage eingespeist werden. Auch ist man bei Störungen von der betreuenden Firma abhängig und kann nicht selbst an der balkoneigenen Schüssel rumschrauben. Oft stehen auch einer Gemeinschaftsantenne langfristige Verträge mit einem Kabelnetzanbieter im Weg.

Viele Schüsseln
Schüsselparade. Foto: Today is a good day / Lizenz siehe: flickr

Also doch die eigene Schüssel. Brav, klein oder extrem. Manche scheinen nicht nur eine Schüssel, sondern auch einen Sprung in einer solchen zu haben, wie so manche Konstruktion auf den folgenden Bildern zeigt. Aber auch die extremste Konstruktion kann eines nicht verhindern – dass das Fernsehprogramm kontinuierlich Jahr für Jahr schlechter wird und bald den höchstmöglichen Verflachungsgrad erreicht haben dürfte. Steil bleibt dann nur noch der Steigwinkel zum Satelliten.

Verrostete Schüssel
Wer rastet der rostet. Irgendwann. Foto: blacktar / Lizenz siehe: flickr
Noch eine Schüsselparade
Noch eine Schüsselparade. Foto: Nicobobinus / Lizenz siehe: flickr
Dachinstallation
Vorbildliche Dachinstallation. Foto: Paul Keller / Lizenz siehe: flickr
Viele Schüsseln
Ja nichts verpassen. Foto: kcolwell / Lizenz siehe: flickr

Neunhundertzwölf

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912. So viele Bilder haben Franco und Manuel als Liebesbeweis an ihre Heimat gemacht. In einer vielleicht nie dagewesenen Vollständigkeit haben sie fast ganz Neuperlach (Nord, Nordost, Ost, Mitte) auf digitalem Film festgehalten. Neuperlach Süd – konkret alles südlich von der Putzbrunner Straße – wurde bewusst weggelassen, weil es sich vom übrigen Neuperlach architektonisch erheblich unterscheidet. Vielen Dank für die schönen Bilder, von denen ich erst einmal ein paar aus Neuperlach Nordost vorstelle. In Zukunft werden sicher hier immer wieder mal welche gezeigt.

Ein Blick aus luftiger Höhe auf das Marx-Zentrum und St. Monika. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach
Ein Blick aus luftiger Höhe auf das Marx-Zentrum und St. Monika. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach, 2010
Wohnanlage am Friedrich-Engels-Bogen. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach, 2010

(Bild entfernt)

Die großzügige Fußgängerzone im Marx-Zentrum mit Biergarten und einer weiteren Freischankfläche.

Neuperlach besteht aus Hochhäusern? Auch solche Einstöckigen gibt es in Neuperlach etliche. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach, 2010
Neuperlach ist der grüne Stadtteil Münchens. Es gibt nicht nur den Ostpark, sondern auch viele weitere Parks. Wie diesen hier am Karl-Marx-Ring. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach, 2010
Die Tennishalle in der Kurt-Eisner-Straße. Sie hat keine Stützen und wird nur durch Luft-Überdruck gehalten. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach, 2010
Schule an der Max-Kolmsperger-Straße (links), im Hintergrund eine Wohnanlage am Friedrich-Engels-Bogen. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach, 2010

Sich wie im falschen Film fühlen – Peschelwood lebt

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Marx-Zentrum mit Alpenpanorama © Jörg Lutz

Das Marx-Zentrum am Peschelanger mit seinen schwarzen Hochhäusern ist ein Eldorado für Filmemacher. Man könnte es auch „Peschelwood“ nennen, nur der Schriftzug fehlt. Für die Filmschaffenden hat das Marx-Zentrum einen Vorteil, der sich in den letzten Jahren noch verstärkt hat. Denn inzwischen werden immer mehr Hochhäuser in Neuperlach bunt angemalt und verlieren ihre bedrohliche Kulisse. Nicht so das Marx-Zentrum: Da die Häuser mit Myriaden schwarzer Platten verkleidet sind, die man nur aufwändig austauschen könnte, bleibt das Marx-Zentrum ein Relikt des alten Neuperlachs, des Hässlichen. Also eine ideale Filmkulisse, um Gewalt, sozialen Abstieg und das Marode zu verkörpern. In den Jahren wurde nur Nuancen verändert, z.B. die Farbe der wenigen plattenfreien Wände zum Teil geändert (1). Das Schwarz blieb. Es muss aber immer wieder betont werden, dass das Bild in den Medien falsch ist. Das Marx-Zentrum ist keine Kriminalitätshochburg und es lässt sich hier gut leben.

Berlin in München gedreht

Fast wie in Neuperlach: Berlin. Foto: jonas_k / Lizenz siehe: flickr

Derzeit finden im Marx-Zentrum Dreharbeiten für den Film Kaddisch für einen Freund statt, der eigentlich am Berliner Mehringplatz spielt (Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 06.08.2010; Seite 58/R14, Stadtausgabe). Die Häuser sind von der Architektur ähnlich, sodass das Ganze passt. Allerdings ist das Marx-Zentrum viel zu sauber für Berlin, sodass man ein bisschen nachhelfen muss. Warum man nicht gleich in Berlin produziert, liegt am Geld – der Filmfernsehfonds Bayern macht den Dreh in Bayern möglich. So dreht man Berlin in München, wenn man so will. Laut Informationen eines Marx-Zentrum-Eigentümers dürfen im Marx-Zentrum keine Drehs mehr erfolgen, in denen das Marx-Zentrum negativ dargestellt wird (Neuperlach.org berichtete über die damals noch drohende Maßnahme, die nun Realität ist: „Daaa wohnst du?“ – Bald nur noch Heile-Welt-Produktionen im TV?). Allerdings kann das Marx-Zentrum jetzt gar nicht negativ abgebildet werden, wenn das Marx-Zentrum als Berlin Mehringplatz ausgegeben wird. So einfach ist das in der Filmwelt, und der Mythos Peschelwood „dreht“ sich weiter.

„Arme Millionäre“ lernen den wahren Reichtum kennen – in Neuperlach!

Legendär war die RTL/ORF-Comedy-Produktion „Arme Millionäre“ (2005/2006). Arm und Reich liegen ja oft nahe beieinander. Die Milliardärsfamilie Gabriel (hochkarätig besetzt, Sky du Mont als Paul Gabriel, Andrea Sawatzki als Ehefrau Adina, Mavie Hörbiger als Tochter Lilo, Maxi Warwel als Tochter Sarah), der eine Hotelkette, eine Luxusvilla und viel, viel Geld gehören, ist von einem Tag auf den anderen pleite. Unter der Brücke müssen sie aber nicht leben. Ihr ehemaliger Chauffeur Fritz (gespielt von Ludger Pistor) nimmt sie selbstlos (oder doch mit Hintergedanken!?) in seiner Plattenbauwohnung im Peschelanger 7 auf, übrigens ein Haus, das nur wenige Häuser von meinem Wohnhaus entfernt ist.

Der eigentliche Höhepunkt dieser Serie ist dieser Einzug. Um die Wirkung zu verstärken und die Kluft zwischen Luxus und maroder Tristesse in den Slums zu potenzieren, hat man – man ahnt es schon – ein wenig nachgeholfen. Sobald die Kamera in das Haus am Peschelanger 7 schwenkt, sieht man eine andere Realität: Fahrstühle mit grotesken Bullaugen-Türen und ein Foyer, das an einen apokalyptischen Film erinnert, aber nicht an das Marx-Zentrum. Ferner wurde das Haus künstlich an eine Autobahn verlegt. Entsprechende Filmschnitte machen es möglich. Ein Fenster der Wohnung geht direkt zur Autobahn raus, die aber in Wahrheit ganz wo anders liegt. Im Haus sind ständige laute Geräusche zu hören, dazu kommt der Lärm der Autobahn und viele Polizei- und Notarzteinsätze. Die geschummelten Schnitte gehören gewiss zur künstlerischen Freiheit und dürften nur von Ortskundigen als Fälschung erkannt werden.

„Arme Millionäre“-Hauptdarstellerin Andrea Sawatzki. Foto: Schröder+Schömbs PR _ Brands | Media | Lifestyle / Lizenz siehe: flickr

Die Familie Gabriel findet im Peschelanger wieder zusammen. Die neue Erfahrung der Armut lässt sie den wahren Reichtum kennen lernen. Nach dem grandiosen Höhepunkt plätschert die Serie aber ein wenig vor sich hin. Aus dem Einzug ins Marx-Zentrum hätte man sicher weit mehr machen können. Sky du Mont und Andrea Sawatzki kompensieren aber manche lauen Gags, die ohne sie kaum gezündet hätten. Bereits Sky du Monts einzigartige Stimme rechtfertigt schon fast das Zusehen – genauer Zuhören muss man ja dann wohl sagen. In einer Szene will Sky du Mont sich mit einem mal eben gecharterten Kleinflugzeug in den Tod stürzen, damit seine Familie wieder zu Geld kommt. Denn seine Lebensversicherung ist alles, was noch an monetären Werten da ist, aber die zahlt nur im Todesfall. Man darf unterstellen, dass Selbstmord ein Ausschlusskriterium ist, aber über solche kleinen Ungereimtheiten soll mal hinweggeblickt werden, passen doch die Szenen zur Story wie die Faust aufs Auge.

Die Serie wurde, obwohl sie zunächst ein Überraschungserfolg war, nie zu Ende gedreht und starb nach zwei Staffeln. Alle 12 Folgen dieser beiden Staffeln sind auf DVD erhältlich und mit 9,97 EUR (Amazon) auch bezahlbar.

Da sicher viele noch mehr vom Marx-Zentrum sehen möchten, nun die filmreife Frage: Wer kennt weitere TV- und Kinoproduktionen, die im Marx-Zentrum gedreht wurden? Hilfreich wären der genaue Titel und das Produktionsjahr. Hollywoodreif wäre ein Hinweis auf Produktionen, die demnächst im TV laufen (als Neuproduktion oder Wiederholung) mit Sender und Sendetermin. Danke schon mal im Voraus!

(1) Die südlichen Häuser im Marx-Zentrum, die zur Max-Kolmsperger-Straße gehören, hatten früher blaue Fahrstuhl-Betriebsräume und orange Fahrstuhltürme statt gelbe wie bei den anderen Häusern. Inzwischen hat man vereinheitlicht: Jetzt sind die genannten Flächen gelb. Vielleicht hatte man bei der Sanierung versehentlich nur gelbe Farbe gekauft.

Christkindlmarkt im Marx-Zentrum

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Fast alle, sagen wir mal leicht vereinfachend „alle“, blicken erwartungsfroh Richtung Sommer. Es soll an dieser Stelle nicht weiter diskutiert werden, in welcher Richtung der Sommer liegt. Nun aber findet man auf seiner Lieblingsseite eine Nonsensüberschrift, in einer Jahreszeit, in der jeder seinen rostenden Schlitten schon auf dem Dachboden verstaut hat und in der alles, was nur begrifflich an den Herbst oder Winter erinnert, in einem pathologischen Schreikrampf mündet.

Es gibt keinen Christkindlmarkt im Marx-Zentrum, schon einmal, weil da ohnehin fast nur Hartz IV-empfangende Moslems wohnen und überhaupt und sowieso!

Doch Bilder lügen nicht:

Christkindlmarkt im Marx-Zentrum

Marx-Zentrum: Zwangsversteigerung, Ladensterben, Substitutionspraxis

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Schreibwarengeschäft in der Max-Kolmsperger-Straße 11. Es ist eines der ältesten Geschäfte in Neuperlach überhaupt (13.02.2010) © Thomas Irlbeck

Das Neuperlacher Marx-Zentrum hat leider nicht den besten Ruf. Vieles ist in der Presse sicher negativer dargestellt, als es tatsächlich ist, aber gewisse Probleme lassen sich nicht leugnen.

Schon als kleiner Bub habe ich ab 1974 (!) im Marx-Zentrum-Schreibwarengeschäft eingekauft. Dieses eröffnete kurz nachdem ich ins Marx-Zentrum einzog. Hier hat sich halb Neuperlach eingedeckt, vor allem die Schüler des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, schon einmal deshalb, weil es nur wenig Alternativen gab. Das pep kam z.B. erst 1980 hinzu. Wer was Spezielleres brauchte, das nicht im Marx-Zentrum-Schreibwarengeschäft zu finden war, dem blieb nur eine Fahrt mit der Tram in die Innenstadt.

Nun wird das Ladengeschäft zwangsversteigert, der Eigentümer ist verschuldet. Die Zwangsversteigerung fand bereits statt, da aber niemand das geforderte Mindestgebot abgab, wird die Versteigerung nun mit reduziertem Mindestgebot wiederholt.

Der Laden hat im Erdgeschoss eine Nutzfläche von 82,22 m². Im Keller gibt es noch mal Lagerräume mit einer Nutzfläche von 66,75 m² dazu (13.02.2010) © Thomas Irlbeck

Im Exposé, das für das Amtsgericht München erstellt wurde, wird das Objekt in der Max-Kolmsperger-Straße 11 näher beschrieben. Hier wird das Objekt natürlich nicht werbewirksam abgebildet, sondern neutral dargestellt. So kommt man auch an den negativen Punkten nicht vorbei. Dabei heißt es:

Lagenachteile: durch soziale Randgruppen (Methadonpraxis in nächster Nähe; „flexible Jugendhilfe“)

Gemeint ist mit der „Methadonpraxis“ eine Allgemeinarztpraxis im Ärztehaus (Peschelanger 11), die übrigens seit einiger Zeit nicht mehr Methadon, sondern das verwandte Eptadon ausgibt, das laut einem an der Praxis ausgehängten Infoblatt eine Reihe von Vorteilen aufweist.

Der Zustand ist laut Exposé „gut bis mittel“, die Ausstattung eine „mittlere und zweckmäßige“.

Aber damit sind wir hier noch nicht am Ende mit den schlechten Nachrichten: Der NKD, der schon einmal eine Schließung ankündigte, dann aber wieder zurücknahm, schließt nun wohl tatsächlich. Am 19.03.2010 soll Schluss sein. Vorher findet noch eine „große Versteigerung“ statt.

NKD: Diese Filiale wird laut Aushang geschlossen (13.02.2010) © Thomas Irlbeck
Vorher kann man noch was ersteigern (13.02.2010) © Thomas Irlbeck

Einen bereits existierenden Leerstand gibt es im Peschelanger 8. Früher war hier mal über Jahrzehnte hinweg eine Reinigung zu finden, der Nachfolgeladen konnte sich nicht halten.

Leerstand im Peschelanger 8 (13.02.2010) © Thomas Irlbeck

Was das Hochparterre mit dem Lügenbaron Münchhausen verbindet

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Barrierefreiheit mal anders. Gesehen an einem Wohnhaus am Karl-Marx-Ring (21.05.2009) © Thomas Irlbeck

Auf das Hochparterre wird heute in vielen neu gebauten Wohnhäusern verzichtet. Nicht wegen der Barrierefreiheit, sondern wohl eher deshalb, um bei der erlaubten Bebauungshöhe eine zusätzliche Etage unterbringen zu können. Es geht also nur ums liebe Geld.

Dabei waren früher Wohnhäuser ohne Hochparterre typische Arme-Leute-Häuser, die besseren Häuser hatten Hochparterre. Schließlich schützt das Hochparterre vor neugierigen Blicken vom Bürgersteig in die Zimmer.

Neuperlach ist ja, wie hier immer wieder gepredigt wurde, architektonisch gar nicht so schlecht. Folglich ist das Hochparterre hier – im „anderen“ München – weit verbreitet. Doch wie kommen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen in ihre Wohnungen, wenn es erst ein paar Stufen zu erklimmen gilt?

Ganz einfach: Ein zusätzliche Fahrstuhl muss eingebaut werden, der die ersten 1,50 Meter überwindet. Mit dem Stemmeisen wird ein Teil vom Eingang weggeschlagen (frei nach Torfrock: Ratatazong, ratatazong – weg ist der Beton), dann kommt der freundliche Monteur und errichtet die Vertikalbeförderungseinrichtung.

Münchhausen
„Münchhausen“, Bronzeskulptur, 1971 von Marlene Neubauer-Woerner geschaffen, gesehen an der Außenfassade der Grundschule an der Max-Kolmsperger-Straße (21.05.2009) © Thomas Irlbeck

Es geht übrigens auch anders: Man kann Häuser bauen, die Hochparterre haben, und dennoch den normalen Fahrstuhl so konstruieren, dass er sowohl im normalen Parterre als auch im Hochparterre hält. Dazu braucht man natürlich einen (zusätzlichen) Eingang auf Straßenhöhe. Auch braucht die Fahrstuhlkabine konstruktionsbedingt zwei Türen.

Ein ebenso ungewöhnliches Beförderungsmittel hat der berühmte Lügenbaron Münchhausen gewählt. Er lässt sich auf einer Kanonenkugel aus einer belagerten Festung herausschießen. Das Haus mit dem Rollstuhlaufzug und die Münchhausen-Skulptur sind übrigens nur wenige Meter voneinander entfernt. Sie verbindet damit mehr als nur die Entscheidung für ein spezielles Beförderungsmittel.

Mehr Kunst gibt es in der Kunst-Rubrik von Neuperlach.org.

„Daaa wohnst du?“ – Bald nur noch Heile-Welt-Produktionen im TV?

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Im Neuperlacher Marx-Zentrum werden häufig TV-Serien und Spielfilme gedreht. Die mächtige schwarze Hochhausfestung scheint eine Faszination auf die Regisseure auszuüben.

Doch meist wird das Marx-Zentrum ins schlechte Licht gerückt und als heruntergekommene Kriminalitätsfestung präsentiert. Oft wird noch nachgeholfen und die Häuser werden noch etwas „nachbearbeitet“. Die RTL/ORF-Comedy-Serie  „Arme Millionäre“ mit Sky du Mont etwa wurde hier gedreht.

Laut einem Eigentümer vom Marx-Zentrum wurde in einer Eigentümerversammlung bereits gefordert, dass in Zukunft keine Drehgenehmigung mehr erteilt werden soll, wenn das Marx-Zentrum negativ dargestellt wird. Es sollen schon Leute dumm angesprochen worden sein, wenn ihre Wohntempel im TV gesichtet wurden, „Daaa wohnst du?“. Aber es darf gefragt werden, ob die künstlerische Freiheit nicht vorgeht. Und was überhaupt „positiv“ oder „negativ“ ist. Ist das nicht alles auch subjektiv?