Ein Dach über dem Kopf

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Das Pflegeheim Neuperlach am Friedrich-Engels-Bogen steht kurz vor dem Richtfest. Der Aufbau des Tonnendachs hat bereits begonnen.

Pflegeheim Neuperlach aus über 20 Metern Höhe gesehen. Noch steigt man Ihnen hier aufs Dach, denn der Aufbau desselbigen ist im vollen Gange (01.11.2008). Foto: Thomas Irlbeck
Ansicht vom Karl-Marx-Ring. Von der unmittelbar hinter dem Bau liegenden Wohnanlage Karl-Marx-Ring 52-62, immerhin 9 Stockwerke hoch, ist fast nichts mehr zu sehen (02.11.2008). Foto: Thomas Irlbeck
Noch eine Ansicht vom Kal-Marx-Ring (02.11.2008). Foto: Thomas Irlbeck
Das könnte auch irgendwo in Schwabing sein, so eng, wie es hier zugeht (02.11.2008). Foto: Thomas Irlbeck

Verzählt?

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Baustelle Pflegeheim Neuperlach (19.10.2008). Foto: Thomas Irlbeck

Das ist doch fast ein Hochhaus, oder? Mit 6, 7 oder 8 Etagen? Nein, das ist das zukünftige Pflegeheim Neuperlach am Friedrich-Engels-Bogen, das 4 Stockwerke (=5 Etagen) erhalten wird. Es sieht auf dem Foto nach mehr aus, da das Gebäude ein Souterrain mit Abgrabung aufweist (sodass der Eindruck einer weiteren überirdischen Etage entsteht).

Außerdem sind die Abstände zwischen den einzelnen Plattformen des Baugerüstes geringer als zwischen den eigentlichen Etagen, was wiederum mehr Etagen vortäuscht, als tatsächlich vorhanden ist.

Wie auch immer: Der Bau wirkt recht klobig und eigentlich auch recht hoch. Viel höher wird er aber nicht mehr, jetzt kommt im Ostflügel noch das Dach drauf, ein Schrägdach mit geringer Neigung. Dem Westflügel (ganz rechts) fehlt noch die oberste Etage.

„Pimp up my Wohnungstüre“ oder „Brände warten nicht bis zur Geisterstunde“

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Heute ist es so weit. Ich bekomme meine neue Wohnungstüre. Was hat diese zunächst belanglos klingende Geschichte mit Neuperlach zu tun? Nun, sie hat ein wenig, wie sich gleich herausstellen wird.

Schön sieht sie aus, die Türe, die der Schreiner mitgebracht hat. Die Innenseite ist weiß, kein Mahagoni-Dekor mehr wie außen. Innen darf man ja seine Tür gestalten wie man will, bei der Außenseite gilt dagegen die eiserne Hausverwaltungsregel „Alles muss gleich aussehen!“. Eine lindgrüne Türe, wenn die lieben Nachbarn braune Türen haben, scheitert folglich, zumindest, wenn man die Türe auch behalten will.

Die Türe an sich ist schnell eingebaut. Jetzt aber hat der Schreiner noch ein Präsent dabei, einen automatischen Türschließer. Gemäß Vorschrift müssen neu eingebaute Wohnungstüren selbstständig schließen, dadurch soll die Ausbreitung eines Brandes verzögert werden, indem dem Feuer dessen Nahrung – die Sauerstoffzufuhr – abgeschnitten wird. Praktisch ist der Selbstschließer auch im Alltag: Man trainiert sein Gedächtnis, denn man darf nicht mehr vergessen, den Schlüssel mitzunehmen, auch wenn man nur die 3,5 Meter zum Müllschlucker zurücklegt, denn die Türe hat ja nun eine bösartige Ader und schließt – man muss es noch einmal betonen – selbsttätig.

Die gepimpte Wohnungstüre. Kein Archivbild, sondern hier ist die Wirklichkeit zu sehen!

Das Ergebnis ist zunächst ernüchternd, das Teil scheint nicht genug Muskeln zu haben, um die Türe zu schließen. Mehr als ein Klack – „ich bin zu, aber nur fast“ – ist dem schönen Gerätchen mit dem eleganten Gleitschienenschließmechanismus nicht zu entlocken.

Eine der Hauptursachen ist schnell gefunden. In der Wohnung herrscht ständiger Unterdruck. Dieser ist bedingt dadurch, dass zwei Lüftungsanlagen (im Bad und in der Küche) ständig Luft abpumpen und so für Frischluft sorgen, auch ohne Spaziergang im Park. Die Luft strömt dabei von außen durch die Fenster und die Wohnungstüre nach, entsprechend drückt von außen Luft auf die Türen und Fenster, fertig ist die Gegenkraft aus dem Baukasten. Diese führt dazu, dass man zum Schließen eines Außenelements – eben der Wohnungstüre – relativ viel Kraft benötigt. Genau genommen ist nur das Schließen des jeweils letzen geöffneten Außenelements kraftaufwändig. Ist z.B. ein Fenster geöffnet, sorgt dieses für den Druckausgleich, entsprechend schließt die Wohnungstüre dann butterweich.

Das Problem wird durch meine Höhenlage – vorletztes Stockwerk eines Hochhauses – und die auf diese Weise stärkeren Höhenwinde verschärft. So langsam bekommt das Thema Neuperlach-Bezug. Auch vermutet der Schreiner, dass die Ventilatoren weit oben im Gebäude heimisch sind und daher in den oberen Wohnungen besonders viel Luft durchpumpen.

Dumm nur, dass sich die Lüftung nicht abschalten lässt. Genau genommen läuft die Lüftung den ganzen Tag und wird um 23:00 zentral abgeschaltet (vermutlich auch eine Neuperlach-Spezialität, zumindest scheint es eine Eigenheit von Häusern zu sein, die um 1970 herum gebaut wurden). Ich berichte dem Schreiner, dass ab 23:00 auch das typische Pfeifen durch die Fensterritzen schlagartig aufhört und dass sich dann ein Fenster, auch wenn es das letzte geöffnete ist, mit erheblich weniger Kraftaufwand schließen lässt.

Aber, was nun tun? Der ohnehin nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag, die Lüftungsschächte zuzubetonieren, wird wegen der möglichen Schimmelbildung verworfen. Also muss Hand angelegt werden. Die Türe wird noch einmal justiert, geschliffen und an den Stellschrauben des Türschließers gedreht. Mit einer bestimmten Kombination aus Federkraft und Geschwindigkeit geht es nun einigermaßen – und das vor 23:00! Praktisch, denn Brände warten nicht bis zur Geisterstunde. Allerdings schließt die Türe nur meistens selbstständig, bei zehn Versuchen sind sicher ein oder zwei dabei, bei denen der letzte Kick fehlt und die Türe wieder zurückschnellt. Nun gut, besser als nichts.

Meine Lüftung darf ich behalten, das ist ja auch was.

Baufortschritt Pflegeheim Neuperlach

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So soll das Pflegeheim mal aussehen. Bauskizze von Bautafel abfotografiert (05.10.2008). Foto: Thomas Irlbeck

Neuperlach bekommt ein Pflegeheim. Das ist für den einen oder anderen sich nichts mehr Neues, dennoch kurz die Rahmendaten: Es wird von der Phönix-Gesellschaft betrieben und derzeit auf dem ehemaligen 6-Eck-Grundstück am Friedrich-Engels-Bogen 4 errichtet. Das Heim wird 150 Plätze bieten und erhält 5 Etagen (4 Stockwerke) oder wird – anders ausgedrückt – 16 Meter hoch. Die Bauarbeiten begannen im Mai dieses Jahres, die Eröffnung ist für den Spätsommer oder Herbst 2009 vorgesehen.

Da das Grundstück mit 4.400 m² eher klein ist, wird sich die Größe der Grünflächen in Grenzen halten. Ausgleich werden drei Terrassen schaffen, zwei sind über das erste Stockwerk zugänglich und eine über das zweite. Im Erdgeschoss ist eine Demenzabteilung vorgesehen. Zum Schutz der Pflegebedürftigen wird ein Teil des Grundstücks eingezäunt, erlaubt ist eine Zaunhöhe von maximal 1,80 Metern.

Die folgenden Fotos dokumentieren den Baufortschritt:

Pflegeheim 27.10.2008
Ein letzter Blick in das vierte Stockwerk des Westflügels, bevor auch hier die Betondecke gegossen wird. Webcam am 27.10.2008
Baufortschritt. Im linken Teil des Bildes wird bereits am 3. Stockwerk gearbeitet (23.09.2008). Foto: Thomas Irlbeck
So langsam verdeckt das Pflegeheim unerbittlich alles dahinter Stehende, dabei ist die maximale Höhe noch gar nicht erreicht (05.10.2008). Foto: Thomas Irlbeck
Auf dem Ostflügel fehlt jetzt nur noch das Dach. Webcam am 11.10.2008
Baufortschritt Pflegeheim Neuperlach. Im Ostflügel wird bereits am obersten, dem 4. Stockwerk gearbeitet (05.10.2008). Foto: Thomas Irlbeck
Baufortschritt Pflegeheim Neuperlach. Im Ostflügel fehlt jetzt nur noch das 4. Stockwerk und das Dach – ein Schrägdach mit maximal 15 Grad Neigung (27.09.2008). Foto: Thomas Irlbeck

Kritik am Standort

Erholungs- und Grünflächen nicht im ausreichenden Maße vorhanden – ÖPNV-Anbindung nicht optimal

Auf dem Ostflügel fehlt immer noch das Dach, der Westflügel (im Bild ganz rechts) holt langsam auf. Deutlich erkennbar auf dem Ostflügel ist der Fahrstuhlmaschinenraum (19.10.2008). Foto: Thomas Irlbeck

Den Standort werden sicher viele nicht als besonders optimal betrachten. Menschen im hohen Alter (das durchschnittliche Alter wird bei 82 Jahren liegen) wollen in aller Regel ein ruhiges Umfeld mit viel Grün. Doch die zur Heimanlage vorgesehenen Grünflächen sind in ihrer Größe wie erwähnt recht bescheiden und reichen für einen Spaziergang nicht aus. Entsprechende Erholungsflächen (Park, Wald etc.) zur Kompensation fehlen aber unmittelbar vor dem Haus. Das Haus ist umgeben von direkt am Haus vorbeilaufenden Straßen, von mehreren Hochhausblöcken mit Wohnungen und einem AOK-Verwaltungsgebäude. All das schließt fast nahtlos an das Pflegeheim an. Selbst für eine eigentlich notwendige lückenlose Feuerwehrumfahrmöglichkeit war kein Platz auf dem Pflegeheimgrundstück. Dennoch konnten die Sicherheitsauflagen für den Brandfall durch Kombinationen mehrerer Maßnahmen erfüllt werden.

Zum beliebten Naherholungsgebiet im Münchner Südosten, dem Ostpark, der das vermutlich bevorzugte Ausflugsziel der Heimbewohner sein wird, sind es mit dem Auto knapp 5 Minuten, zu Fuß aber bereits um die 20. Dies ist zu weit für die Heimbewohner, sie dürften daher für einen Spaziergang oder eine Ausfahrt im Park darauf angewiesen sein, dass sie ihre Angehörigen mit dem Auto abholen.

Ein unmittelbarer U-Bahnanschluss ist nicht vorhanden, wodurch sich keine optimale Erreichbarkeit des Heims für Besucher und auch das Personal ergibt. Zur U-Bahnstation Quiddestraße benötigt man zu Fuß gut 10 Minuten (alle Angaben bei eher flotter Gehweise). Immerhin verkehrt eine Ringbuslinie (197), mit der sich die U-Bahnstation und auch der Ostpark bequem erreichen lassen. Montag bis Freitag bis ca. 20:00 fährt der Bus im 10-Minuten-Takt. Die Haltestelle des Innenrings der Buslinie liegt direkt vor dem Heim, zur Haltestelle des Außenrings sind es ebenso nur wenige Meter, wobei man zu Letzterem gefahrlos über eine Fußgängerbrücke gelangt. Mit dem Auto ist das Heim dagegen sehr gut erreichbar. Auch wenn für Personal und Besucher insgesamt nur 19 Parkplätze auf dem Heimgelände vorgesehen sind, dürfte es keine Parkprobleme geben, da sich in unmittelbarer Umgebung genügend weitere Parkplätze befinden. Einkaufsmöglichkeiten sind im Marx-Zentrum vorhanden, das in fast unmittelbarer Nähe liegt.

Lärmpegel grenzwertig

Auch der Lärmpegel lässt einige Fragen aufwerfen. Denn der 4-spurige Karl-Marx-Ring führt unmittelbar am Ostflügel des Heims vorbei. Zwar herrscht dort kein extrem starker Verkehr, aber Verkehrslärm ist dennoch zu verzeichnen. Das Gebäude ist jedoch in U-Form mit Innenhof angelegt und nach Norden ausgerichtet, sodass der Verkehrslärm weitgehend abgeschirmt wird. Nördlich bildet der Wohnblock der Wohnanlage Karl-Marx-Ring 52-62 den Abschluss und schließt die Schalldämmungskette nach Norden. Wenigstens stellt der Karl-Marx-Ring kein Unfallrisiko für die Pflegebedürftigen dar, vorausgesetzt die bereits erwähnte Fußgängerbrücke wird bei der Querung benutzt.

Umliegende Anwohner zum Teil unzufrieden

Der Bau des Pflegeheims wurde nur möglich, da die Stadt München einer Nutzungsänderung zugestimmt hat. Erlaubt war nämlich nur eine kirchliche Nutzung. Mieter und Eigentümer, die in unmittelbarer Umgebung des Grundstücks eingezogen sind, konnten nicht unbedingt davon ausgehen, dass hier einmal ein Pflegeheim gebaut wird. Ursprünglich stand auf dem Grundstück nur ein kleiner Flachbau, das erwähnte 6-Eck – eine kleine Jugendeinrichtung mit einem kleinen Kindergarten im selben Gebäude. Gerade in den unteren Stockwerken ist zu befürchten, dass die Bewohner in Zukunft weniger Sonne haben werden. Auch wird die Lärmbelastung steigen, z.B. durch nächtliche Notarzteinsätze, durch Anlieferverkehr etc. Die Verkehrsbelastung am Friedrich-Engels-Bogen wird durch das Pflegeheim voraussichtlich um 30 Prozent steigen. All dies führt dazu, dass ein Wertverlust der Wohnungen nicht auszuschließen ist.

Bei aller Kritik muss aber der Pflegenotstand berücksichtigt werden. Es müssen dringend Heime gebaut werden und es kann nicht immer eine Traumumgebung gefunden werden.

Neues Einkaufszentrum „Life“

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Die Bauarbeiten am neuen Einkaufszentrum „Life“ an der Albert-Schweitzer-Straße, welches das Plett-Zentrum ersetzt, laufen auf Hochtouren. Höchste Zeit, das mit einem Foto zu dokumentieren:

Es tut sich was am  „Life“ (06.09.2008). Foto: Thomas Irlbeck

Das frühere Ladenzentrum des Plett-Zentrum, das im Westflügel des Baus untergebracht war, steht noch. Es ist in einem desaströsen Zustand und dient nur noch als Durchgang zur Fußgängerbrücke über die Ständlerstraße:

Nicht totzukriegen, obwohl es schon toter ist als tot: das Plett-Zentrum am 06.09.2008. Foto: Thomas Irlbeck

Nur ein paar Schritte von den Baumaschinen entfernt wartet der abbruchreife Ayinger Hof, der zum früheren Plett-Zentrum gehörte, begierig auf die Abrissbirne. Doch wann sie ihn in durch Zerlegung in seine Einzelteile erlösen wird, ist noch völlig unklar. Denn der Westflügel des Plett-Zentrum bleibt erst einmal wegen abweichender Eigentumsverhältnisse stehen.

Der traurige Rest der Gaststätte „Ayinger Hof“ im Plett-Zentrum am 06.09.2008. Foto: Thomas Irlbeck

Auch die Räume der ehemaligen Stadtbibliothek stehen leer und sind im Verfall begriffen. Sie wurden nach dem Umzug der Stadtbibliothek ins Quidde-Zentrum noch einige Zeit vom Gebrauchtwarenhaus Weißer Rabe genutzt, das aber auch inzwischen (Anfang 2007) das Plett-Zentrum verlassen hat:

Die ehemaligen Räume der Stadtbibliothek im Plett-Zentrum (06.09.2008). Foto: Thomas Irlbeck