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Das alte Haus an der Peralohstraße

Peralohstraße
Das Haus an der Peralohstraße … (25.04.2011) © Thomas Irlbeck

Verlassen, halb verfallen ist es, das Haus an der Peralohstraße. Das „Peraloh“ im Straßennamen ist nichts anderes als der alte Name für Perlach, und genau dort befindet sich auch die Straße. Das Haus erinnert mit seinem Türmchen ein klein wenig an die mittlerweile abgerissene Burg in der benachbarten Siedlung Michaeliburg. Was das Haus wohl für Geschichten zu erzählen hat?

Peralohstraße
… hat schon mal bessere Zeiten gesehen (25.04.2011) © Thomas Irlbeck

Update 18.04.2019 – Ein erneuter Besuch

Peralohstraße
Äußerlich hat sich nur wenig verändert (18.04.2019) © Thomas Irlbeck
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Bilder Kirche/Religion Mystisches/Legenden

Die Kapelle im Wald

Josefskapelle in Waldperlach
Die Josefskapelle liegt im Truderinger Wald. Sie hat einen charakteristischen Vorplatz (21.04.2011) © Thomas Irlbeck

Der Truderinger Wald, der bekanntlich hinter den letzten Neuperlacher Hochhäusern des Graf-Zentrum beginnt, hat so manchen mystischen Ort zu bieten. Über die Mariengrotte und den Schwedenstein wurde bereits berichtet. Das ist aber noch nicht alles: Gut im Wald versteckt findet sich ein kleines Gotteshaus, die Josefskapelle. Ihr Standort ist zwar nicht in Neuperlach, aber wir bleiben zumindest Perlach treu, das Gebiet gehört zu Waldperlach.

Entstehungsgeschichte

Die Geschichte begann damit, dass der Waldperlacher Pfarrei St. Bruder Klaus im Frühjahr 1977 eine Josefsfigur gestiftet wurde. Gemeint ist der heilige Josef von Nazareth, also der Ziehvater Jesu. Zur Unterbringung und zum Schutz der Figur kam der Vorschlag auf, eine Kapelle im Wald zu errichten. Der Bau wurde alleine aus Spendenmitteln finanziert, nachdem das Ordinariat die Bau- und Nachfolgekosten nicht übernehmen wollte. Am 1. Mai 1980 wurde die Kapelle schließlich eingeweiht.

Die Kapelle

Der Bau mit kreisrunder Grundfläche liegt am Friedrich-Panzer-Weg, der zunächst durch Waldperlach als geteerte Straße beginnt und ab dem Waldrand als Wirtschaftsweg weiterläuft. Auch wenn der Bau nicht wirklich alt ist und das Flair vergangener Jahrhunderte fehlt, ist der Ort alleine durch die Waldlage etwas Besonderes. Auf dem Vorplatz der Kapelle gibt es zunächst ein großes Kruzifix sowie eine Holzskulptur der Mutter Gottes zu bestaunen. Der eigentliche Schatz, die gestiftete Josefsfigur mit Christuskind auf dem Arm, ist in der Kapelle zu finden, hinter einem Gitterzaun.

Josefskapelle in Waldperlach
Ein paar Schritte näher dran (21.04.2011) © Thomas Irlbeck
Josefskapelle in Waldperlach
Die kreisrunde Form wird spätestens jetzt deutlich (21.04.2011) © Thomas Irlbeck
Josefskapelle in Waldperlach
Im Innern der Kapelle. Hier steht die Josefsfigur (21.04.2011) © Thomas Irlbeck
Josefskapelle in Waldperlach
Die Josefsfigur ist hinter einem Gitter aufgestellt (21.04.2011) © Thomas Irlbeck
Josefskapelle in Waldperlach
Die Figur ohne störendes Gitter (22.04.2011) © Thomas Irlbeck
Josefskapelle in Waldperlach
Und noch ein wenig näher dran: der heilige Josef mit dem Christuskind (22.04.2011) © Thomas Irlbeck

Friedrich Panzer

Fast alle Straßennamen in Waldperlach haben etwas mit Märchen und Sagen zu tun (Neuperlach.org berichtete: Erzähl doch keine Märchen). So auch der Friedrich-Panzer-Weg, an dem wie erwähnt die Josefskapelle liegt. Friedrich Panzer (* 1794; † 1854) war ein bayerischer Sagensammler und Architekt. Die Sagen trug er auf seinen Dienstreisen zusammen. Sein besonderes Interesse galt denjenigen Erzählungen, in denen er Spuren alten Götterglaubens annahm. Diese mythologische Sagendeutung wird aber heute abgelehnt.

Weitere Josefskapellen und -kirchen

Es gibt in Deutschland und auch im Ausland sehr viele Josefskapellen und -kirchen (Schreibweise auch: Joseph…). Eine Übersicht findet sich auf Wikipedia. Die meisten sind dem heiligen Josef von Nazareth, dem Ziehvater Jesu, geweiht, einige aber auch dem heiligen Josef von Arimathäa, einem Jünger Jesu.

Anfahrt

Josefskapelle Umgebungskarte
Umgebungskarte Josefskapelle. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

ÖPNV-Benutzer fahren mit dem Metrobus 55 von Neuperlach Zentrum (U5, ab Dezember 2011 auch U7) bis Waldheimplatz. Von dort bewegt man sich stadtauswärts auf breiten Putzbrunner Straße bis zur Kreuzung Friedrich-Panzer-Weg. Hier biegt man links ab und folgt dem Friedrich-Panzer-Weg. Nicht weit vom Waldrand taucht dann die Kapelle auf der rechten Wegseite auf. Automobilfahrer programmieren ihr Navigationsgerät auf „Am Bauernwald 1“. Dort lässt sich leicht ein Parkplatz finden. Zu Fuß geht es dann am Friedrich-Panzer-Weg wie beschrieben weiter.

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Architektur Bilder Mystisches/Legenden

Der unbekannte Friedhof gleich am Wohnring

Friedhof Perlach
Friedhof Perlach, der Hintergrund wird von den Neuperlacher Hochhäusern geprägt. Hier treffen zwei Welten aufeinander (20.04.2011) © Thomas Irlbeck
Friedhof Perlach
Vor dem Eingang des „Friedhof Perlach“ befindet sich die gleichnamige Bushaltestelle, die von der Metrobuslinie 55 und der Nachtbuslinie N45 angefahren wird (20.04.2011) © Thomas Irlbeck
Friedhof Perlach
Eingang (20.04.2011) © Thomas Irlbeck

Ob es auf Neuperlacher Gebiet mystische Orte gibt, ist umstritten. Zwar spürte Neuperlach.org bereits zweimal einen mystischen Ort auf, beide Orte lagen aber haarscharf außerhalb Neuperlachs (Alter Schwede und Mini-Lourdes im Truderinger Wald). In diesem dritten und keinesfalls letzten Teil sind wir aber dieses Mal so nahe an Neuperlach dran wie noch nie.

An der Putzbrunner Straße, die Neuperlach Nord/Mitte und Neuperlach Süd teilt, liegt er, der „Friedhof Perlach“. Die Adresse ist Putzbrunner Straße 51. Gemeint ist also nicht der „Neue Südfriedhof“ an der Hochäckerstraße und auch nicht der Friedhof am Perlacher Forst an der Stadelheimer Staße, sondern ein weniger bekannter und recht kleiner Friedhof – fast quadratsich mit einer Kantenlänge von rund 125×130 Metern. Quasi der Altperlacher Friedhof, wenngleich es Altperlach als Stadtteil offiziell nicht gibt, es heißt Perlach. Fast unmittelbar hinter den letzten Gräbern stehen die ersten Neuperlacher Hochhäuser. Diese Kulisse könnte widersprüchlicher kaum sein, dort der bescheidene, alte Friedhof und dahinter die moderne „Entlastungsstadt“ mit viel Beton und noch mehr Beton.

Friedhof Perlach
Der hintere Teil des Friedhof Perlach wird noch mehr von der Neuperlach-Skyline dominiert. Zum „Wohnring“ ist es nur ein Steinwurf. Lediglich die Bäume verdecken etwas die Sicht (20.04.2011) © Thomas Irlbeck

Eine Besonderheit sind die strengen Regeln für diejenigen, die hier ihre letzte Ruhe finden möchten. Der Verstorbene oder der Erwerber des Grabnutzungsrechts muss einen Wohnsitz im Stadtviertel oder einem angrenzenden Stadtviertel (ganz genau in einem der Stadtbezirksviertel 16.31, 16.32, 16.33, 16.34, 16.35, 16.41, 16.42, 16.43, 16.44, 16.45, 16.46, 16.47, 16.51, 16.52, 16.53, 16.54 sowie 16.55) von mindestens 20 Jahren gehabt haben bzw. haben.

Auf dem Friedhof Perlach sind auch einige Prominente beerdigt. So hat der bekannte bayerische Volksschauspieler Willy Harlander (* 1931; † 2000), der in unzähligen Filmen und Fernsehserien mitwirkte, hier seine letzte Ruhestätte.

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Alter Schwede

Schwedenstein
Der Schwedenstein (in einigen Karten als „General Horn“ bezeichnet) steht am Wegesrand einer der vielen Waldwege im Truderinger Wald (21.08.2010) © Thomas Irlbeck

Im Truderinger Wald, auf dem zu Waldperlach gehörigen Gebiet, unweit der Kiesgrube am alten Quetschwerk Fritz Roth, steht der Schwedenstein. Es handelt sich um einen Gedenkstein, welcher der Legende nach General Horn gewidmet ist. Angeblich ist Gustav Carl Horn im Dreißigjährigen Krieg 1632 bei Kämpfen um Perlach gefallen und unter dem Gedenkstein beerdigt. Doch diese Legende gilt als widerlegt, denn General Horn ist anderen Quellen zufolge 1657 in Skara (Schweden) gestorben und in Stockholm beerdigt. Ein gefallener General kämpft nur selten einfach so weiter, als wäre nichts geschehen. Bei einer Probeausgrabung am Gedenkstein wurden keine Gebeine gefunden, was die Theorie mit dem Schweden-Grab noch löchriger macht. Allerdings gilt als gesichert, dass Perlach 1632 tatsächlich von schwedischen Truppen und kurze Zeit später von kaiserlichen Truppen geplündert wurde.

An der „Schweden“-Theorie ist noch mehr faul. Der Stein ist nämlich erheblich älter, er soll um 1500 herum entstanden sein. Das Original befindet sich übrigens seit 1952/1953 im Münchner Stadtmuseum. Was heute noch im Truderinger Wald steht, ist eine Nachbildung, die 1988 an der Originalstelle platziert wurde.

Schwedenstein
Ein bisschen näher dran, und schon zeigt sich die Schönheit des Denkmals noch wahrhaftiger (21.08.2010) © Thomas Irlbeck
Schwedenstein
Gedenktafel am Schwedenstein. Der legendenumwobene Stein ist also leider nur eine Nachbildung, die aber inzwischen auch ganz schön alt aussieht (21.08.2010) © Thomas Irlbeck
Umgebungskarte Schwedenstein. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Wem ist der Stein aber gewidmet, wenn die Story vom untoten General doch eher wenig glaubhaft ist? Einer anderen Legende nach soll das Teil ein Denkmal für den Empfang Kaiser Karls V. 1530 sein. Von der Jahreszahl kommt das schon näher hin. Der Kaiser zog zu dieser Zeit von Innsbruck über München nach Augsburg. Damals war das Gebiet noch unbewaldet. Auf dieser „Perlacher Haydn“ wurde zu Ehren des Kaisers eine Jagd veranstaltet.

Nicht weit vom Schwedenstein entfernt gibt es eine kleine Siedlung, die eine schmale Zunge im Wald mit nur einer Straße darstellt und irgendwo zwischen der Truderinger Grenzkolonie und der Kolonie Waldfrieden im Niemandsland eingeklinkt ist. Obwohl man noch zum Stadtgebiet gehört, gibt es dort keine Läden und auch keinen öffentlichen Nahverkehr. Diese einzige Straße heißt – wie auch sonst – Schwedensteinstraße, die Siedlung wird häufig folgerichtig als Schwedensiedlung bezeichnet. Der Schwede zieht also weite Kreise. Alter Schwede!

Trivia

  • Neben dem Stadtmuseum bemühte sich auch der Verschönerungsverein Perlach um den alten Stein, um den Ortskern aufzuwerten. Allerdings erfolglos.
  • Tagelanges Herumirren im Truderinger Wald muss nicht sein, um das Steinchen zu lokalisieren: Die GPS-Koordinaten des Schwedensteins lauten 48.09135, 11.678267.
  • Der Spruch „Alter Schwede!“ hat seinen Ursprung in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Näheres hierzu: Wikipedia: Alter Schwede (Redewendung)

Quellen

  • Walter Graßmann: der Schwedenstein, in: Gudrun Gersmann / Torsten Reimer (Hg.): München im Dreißigjährigen Krieg. Ein universitäres Lehrprojekt, 1. Version vom 6.12.2000
  • Wikipedia: Gustav Horn
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Architektur Bilder

Pharao-Haus – das Pyramidenhochhaus

Pharao
Das Pharao-Haus (05.06.2010) © Thomas Irlbeck

Als ein Freund hoher Häuser musste ich mir auch mal das Pharao-Haus in München Oberföhring anschauen – ein spektakulärer Bau mit 400 Wohneinheiten, der von weitem wie eine Pyramide aussieht. Er setzt sich aus drei rechtwinklig angeordneten Flügeln zusammen. Die streng nach oben verjüngende Bauweise ermöglichte es, in jedem Stockwerk Terrassen anzulegen. Ganze drei Fahrstühle sorgen für den vertikalen Transport von Bewohnern und Besuchern.

Auch wenn an der Stelle nur ein einzelnes Hochhaus steht und keine Trabantenstadt, sind eine ganze Reihe an Gemeinsamkeiten mit Neuperlach unverkennbar. Das Pharao-Haus …

  • … stammt aus den 1970er-Jahren, genauer wurde es 1974 errichtet, etwa zeitgleich mit dem Marx-Zentrum.
  • … hat 18 Stockwerke und ist damit ähnlich hoch (von der reinen Anzahl der Stockwerke) wie das höchste Haus in Neuperlach (dort 17 Stockwerke).
  • … gilt wie die großen Wohnblöcke in Neuperlach als anonymer Wohnkomplex.
  • … diente wie z.B. das Marx-Zentrum häufig als Kulisse für TV-Krimis. Das mit den TV-Krimis verbundene Milieu hat sicherlich mit zu dem eher schlechten Ruf des Pharao-Hauses beigetragen.
    … hat eine integrierte Gastronomie- und Ladenpassage. Diese wurde anstelle eines vierten Wohnflügels angelegt und als Flachbau ausgeführt.

Trotz einiger Gemeinsamkeiten mit den Wohnblöcken in Neuperlach ist das Pharao-Haus in München von seiner Form und Größe einzigartig. Es gibt jedoch in Schwabing mit dem „Fuchsbau“ noch ein ebenfalls dreiflügelig angeordnetes Gebäude, das allerdings wesentlich kleiner ist.

Pharao
Ansicht von Westen. Foto: Diplomtrucker / Lizenz: Public Domain
Pharao
Ansicht von Osten. Im Vordergrund ist die Laden- und Gastronomiepassage zu sehen. Foto: Diplomtrucker / Lizenz: Public Domain
Pharao
Foto: T. Koch / Lizenz: CC BY-SA 4.0
Pharao
Die Klingelanlage verfügt über alphabetisch sortierte Namen, sonst hätte man wohl bei 400 Wohneinheiten keine Chance, etwas zu finden (21.07.2010) © Thomas Irlbeck

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Baustellen Bilder Hausverwaltung Sprache/Wortherkunft

Einen heben – Einbau Rollstuhlaufzug in meinem Haus

In meinem Haus wurde heute ein Rollstuhllift eingebaut, der dem Haus zur Barrierefreiheit verhilft und die ersten 7 Stufen=rund 1,50 Meter vom Erdgeschoss zum Hochparterre überbrückt. Die Hausverwaltung sprach abwertend, mindestens aber unüberlegt von einem „Behindertenlift“ (siehe weiter unten – „Hintergrund – Schreiben vom Hausverwalter“). Die Anzahl der Fahrstühle erhöht sich auf damit im Haus auf 4. Neben diesem neuen Lift gibt es noch zwei normale Personenfahrstühle sowie einen Lastenaufzug.

Rollstuhlaufzug Karl-Marx-Ring 58
Die Monteure wirken routiniert. Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung der Monteure (29.04.2010) © Thomas Irlbeck
Rollstuhlaufzug Karl-Marx-Ring 58
Passt alles? 29.04.2010) © Thomas Irlbeck
Rollstuhlaufzug Karl-Marx-Ring 58
Die Plattform wird mal testweise aufgeklappt (29.04.2010) © Thomas Irlbeck

Hintergrund – Schreiben vom Hausverwalter

Rollstuhlaufzug Karl-Marx-Ring 58
Detail (29.04.2010) © Thomas Irlbeck

Heute (19.11.2009) erhielt ich ein Schreiben von meinem Verwalter. Unter anderem wurde ich darüber informiert, dass in meinem Haus am rückwärtigen Eingang ein „Behindertenlift“ eingebaut werden solle. Dieser soll die ersten ca. 1,50 Meter zwischen Erdgeschoss und Hochparterre überbrücken und damit eine Barrierefreiheit herstellen. Der Begriff „Behindertenlift“ wird in den nachfolgenden Ausführungen des Verwalterschreibens durchgehend weiterverwendet.

Vor einiger Zeit empfahl mir ein Internetbekannter, dass man nicht mehr „Behinderter“ sagen sollte. Es hieße jetzt „Mensch mit Mobilitätseinschränkungen“. Recht hat er. Denn damit steht der Mensch wieder im Vordergrund und wird nicht auf seine Einschränkung reduziert. Der Bekannte kritisierte seinerseits noch mal die Terminologie, als eine Zeitung den Altbundeskanzler Dr. Helmut Kohl sprachlich in einen „Behindertenstuhl“ setzte. Warum spricht mein Verwalter nicht einfach von einem „Rollstuhlaufzug“?

Dass der Aufzug am rückwärtigen Eingang eingebaut wird, liegt daran, dass man nur dort auf das Niveau der Personenfahrstühle kommt, dieser Eingang liegt entsprechend höher. Beim Haupteingang muss man erst die Treppe außen überwinden und innerhalb des Hauses dann noch einmal ein paar Stufen. Somit bräuchte man gleich zwei Aufzüge.

Nach nur drei Jahren – Rollstuhllift soll wieder weg (29.11.2013)

Über drei Jahre sind nun vergangen, dass der Rollstuhlaufzug eingebaut wurde. Bezahlt wurden Anschaffung, Einbau und Wartung von Herrn N., einem Eigentümer, der große körperliche Einschränkungen beim Laufen hatte. Nur die Stromkosten wurden von der Eigentümergemeinschaft übernommen. Das Nutzungsrecht für den Lift erhielt ausschließlich Herr N.

Im Januar dieses Jahres verstarb Herr N. tragischerweise. Die Erbin hat nun angeboten, den Rollstuhllift der Eigentümergemeinschaft kostenfrei zu überlassen. Nur Wartungs- und Instandhaltungskosten seien von der Eigentümergemeinschaft zu tragen.

Für mich war klar, dass man den Lift übernehmen sollte. Zum Entsorgen ist er zu schade und es ist gut, wenn er da ist – für alle Fälle. Bei der gestrigen Eigentümerversammlung war der Rollstuhllift ein Tagesordnungspunkt. Die Verwalterin mahnt mit Recht, dass jeder von uns einmal auf den Rollstuhl angewiesen sein könnte.

Dennoch entwickelt sich eine sehr negative Stimmung im Saal gegen den Rollstuhllift. Ein Eigentümer weist darauf hin, dass der Rollstuhllift so gut wie nie verwendet worden und daher sinnlos sei. Dem wird entgegnet, dass Herr N. ihn sehr wohl benutzt habe – zumindest in den letzten Monaten, in denen er im Rollstuhl gesessen sei und nicht mehr auf Krücken gehen konnte. Der Eigentümer kontert, der Lift wäre an der falschen Hausseite eingebaut worden – nämlich am Hintereingang und nicht am Vordereingang.

Ich erwidere, dass es nicht anderes möglich gewesen sei, da nach der Türe des Haupteingangs (Südseite) im Flur noch einmal ein paar Stufen kämen. Die Fahrstühle wären so nicht barrierefrei zu erreichen gewesen. Der Hintereingang (Nordseite) ist dagegen höher und man steht nach dem Öffnen der Türe schon niveaugleich vor den Fahrstühlen.

Außerdem ist ja die Tiefgarage auf der Nordseite der Wohnanlage, die Südseite wäre noch weniger unpraktisch. Der Eigentümer beschreibt, wie umständlich der Rollstuhllift für Herrn N. gewesen sei. Aus der Tiefgarage habe Herr N. die normale Autorampe nach oben fahren müssen, da es sonst nur Treppen nach oben gebe. Dort sei er aber dann am anderen Ende der Wohnanlage rausgekommen und habe über die Lieferzufahrt quasi wieder zurückfahren müssen.

Ein anderer Eigentümer ruft „Wir übernehmen den Rollstuhllift nicht“ und muss sich belehren lassen, dass darüber alle Eigentümer abzustimmen hätten. Von verschiedenen Eigentümern wird auf die nicht geringen Wartungskosten hingewiesen. Außerdem könnte es ja mal gesetzliche Änderungen geben und dann müssten Sicherheitseinrichtungen für viel Geld nachgerüstet werden. Aufhänger dafür waren die Fahrstühle der Wohnanlage, die erst vor kurzem ausgetauscht wurden und jetzt mit einem Kabinenabrutschschutz versehen werden müssen.

Für mich ist das nicht überzeugend. Hin und wieder sehe ich einen Mann (Bewohner oder Besucher?), der im Rollstuhl sitzt und, da er keinen Schlüssel für den Lift besitzt, in einer strapaziösen und langwierigen Prozedur von seiner Begleiterin die Treppe „hinaufgestützt“ wird. Im Saal ist aber niemand, der nicht mehr Treppensteigen kann. Viele Eigentümer sind allerdings bereits jenseits der 70, da kann man nicht erwarten, dass es mit dem Laufen für alle Ewigkeit so gut funktionieren wird.

Dann kommt es, wie ich es vor Beginn der Versammlung nicht erwartet hatte. Mit gewaltiger Mehrheit wird der Antrag auf die kostenfreie Übernahme abgelehnt. Ich stimme mit „Ja“, aber ich bin fast der Einzige, der sich für die Übernahme ausspricht.

Nun wird der Rollstuhllift also demontiert und entsorgt. Es sei denn, es meldet sich noch jemand, der bereit ist, den Rollstuhllift in Eigenregie und auf eigene Betriebskosten zu übernehmen.

Update: Daraus wurde nichts, der Lift wurde entfernt.